Erläuterungen zu Bedürfnis und Reichtum | |||||
Der Reichtum in der Form eines Gegenstands zur Befriedigung von irgendwelchen Bedürfnissen, im Dasein als Befriedigungsgegenstand, ist nicht als menschlicher Gegenstand, sondern als äußerer Gegenstand für den Menschen da. Ihm ist seine Entstehung und seine Beziehung zu den Menschen nur in der Form gewärtig, in welcher er für menschliche Bedürfnisse überhaupt existiert. Er erscheint also getrennt von aller Produziertheit als ein der Produktion gegenüber gleichgültiges Dasein von Befriedigungsgegenständen. Der Reichtum existiert nicht wirklich als Produkt, sondern als Gegenstand des Konsums. So erscheint die Konsumtion von der Produktion in der Ware von vornherein getrennt; – eben als Lebensmittel. Die Herabsetzung von Produkten zu Lebensmitteln setzt die Konsumtion zum Zweck der Produktion. Marx faßt aber die Konsumtion selbst als ein inneres Moment der Produktion, als Inhalt ihres eigenen Verlangens. “Die Konsumtion als Notdurft, als Bedürfnis ist selbst ein inneres Moment der produktiven Tätigkeit.“ (MEW 13, S. 625). In der Trennung der Konsumtion als Lebensmittel von der Produktion als Lebensäußerung vollzieht sich daher auch die Trennung von der Konsumtion als Bedürfnis der Produktion und der Produktion als Gegenstand der Konsumtion. “Die Produktion liefert dem Bedürfnis nicht nur ein Material, sondern sie liefert dem Material auch ein Bedürfnis. Wenn die Konsumtion aus ihrer ersten Naturrohheit und Unmittelbarkeit heraustritt – und das Verweilen in derselben wäre selbst noch das Resultat einer in der Naturrohheit steckenden Produktion –, so ist sie selbst als Trieb vermittelt durch den Gegenstand. Das Bedürfnis, das sie nach ihm fühlt, ist durch die Wahrnehmung desselben geschaffen. Der Kunstgegenstand – ebenso jedes andere Produkt – schafft ein kunstsinniges und schönheitsgenußfähiges Publikum. Die Produktion produziert daher nicht nur einen Gegenstand für das Subjekt, sondern auch ein Subjekt für den Gegenstand.“ Die wechselseitige Beziehung von Produktion und Konsumtion ist eine durch sich selbst vermittelte Bewegung, welche kein Mittel als solches anerkennen kann. “Die Produktion ist nicht nur unmittelbar Konsumtion, und die Konsumtion unmittelbar Produktion; noch ist die Produktion nur Mittel für die Konsumtion und die Konsumtion Zweck für die Produktion, das heißt, daß jede der anderen ihren Gegenstand liefert, die Produktion äußerlichen der Konsumtion, die Konsumtion vorgestellten der Produktion; sondern jede derselben ist nicht nur unmittelbar die andre, noch die andre nur vermittelnd, sondern jede der beiden schafft, indem sie sich vollzieht, die andre; sich als die andre. Die Konsumtion vollzieht erst den Akt der Produktion, indem sie das Produkt als Produkt vollendet, indem sie es auflöst, die selbständig sachliche Form an ihm verzehrt; indem sie die Indem ersten Akt der Produktion entwickelte Anlage durch das Bedürfnis der Wiederholung zur Fertigkeit steigert; sie ist also nicht nur der abschließende Akt, wodurch das Produkt Produkt, sondern auch, wodurch der Produzent Produzent wird. Andererseits produziert die Produktion die Konsumtion, indem sie die bestimmte Weise der Konsumtion schafft und dann, indem sie den Reiz der Konsumtion, die Konsumtionsfähigkeit selbst schafft als Bedürfnis.“ (MEW 13, S. 625) Das menschliche Bedürfnis ist das dem Menschen zu eigene Verlangen innerhalb einer menschlichen Beziehung, die innere Not des Menschen, menschliche Wesensnot. Indem sich Bedürfnisse auf den Reichtum beziehen, ist überhaupt gesagt, daß der Reichtum die menschliche Totalität oder die gesellschaftliche Form menschliche Lebensäußerung ist, auf welche sich der Mensch als bedürftiger bezieht. Der Mensch, der sich in seinem Leben geäußert hat, ist seiner Lebensäußerung als bedürftiger Mensch gewahr. | ||