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Erläuterungen zu Diktatur des Proletariats

Schon in seinen frühen Schriften war das Proletariat als die Klasse, die nichts zu verlieren hat, als ihre Ketten, mit der Wandlung der bürgerlichen Gesellschaft zum Sozialismus identisch. Die Umsetzung des gesellschatlichen Wesens Mensch aus seiner Entfremdung hin zum menschlichen Subjekt in der kommunistischen Gesellschaft sollte in einer Phase der Sozialistischen Gesellschaft als Diktatur des Proletariats gewährt sein.

Der Begriff ist bei Marx auch umschrieben mit der "Regierung der Arbeiterklasse" in dem Übergangsgebilde eines sozialistischen Staats, das dazu dienen soll, die klassenlose Gesellschaft als eine Gesellschaft ohne Staat zu entwickeln. Es war wohl als politisches Plakat für die Objektivität des Klassenkampfs, für seine geschichtliche Konfrontation gemeint, in der ein fatales Selbstmissverständnis steckt: Die Gleichsetzung der Diktatur der Bourgoisie mit ihrer Umkehrung als Diktatur des Proletariats verliert notwendig ihre Substanz, wenn sie nicht zugleich die Verwirklichung von konkreten Arbeitsbeziehungen, also Auflösung der abstrakten Arbeitsteilung beinhaltet. Die Sprengung der Ketten ist eine rein politische Formulierung, die zugleich die Verwirklichung des Befreiten, die konkreten ökonomischen Beziehungen zu ihrem Inhalt haben muss. Das war wohl auch damit gemeint, dass sich die Philosophie nur im Proletariat (als Kritik der politischen Ökonomie) verwirklichen kann und dass dieses sich nur verwirklicht, wenn es die Philosophie in sich aufhebt, bewahrt und bewährt in einem.

Die politische Vorstellung der Diktatur des Proletariats wurde aber von Engels quasi als wissenschaftlich begründete Politik fortgeführt und durch Lenin in einer Situation, die keine bürgerlichen und schon gar nicht industriellen Bedingungen für eine proletarische Revolution hatte, rein programmatisch vollzogen. Bucharin beschloss diesen Prozess im Programm der russischen KPD (1920) mit einem katastrophalen Begriff für einen elitären Avantgardismus der Arbeiterklasse, welche Partei und Staat, Teil und Ganzes in einem sein sollte. Der Begriff von Proletariat wurde darin widersinnig: Wenn Proletariat ein Begriff für Armut ist, wie kann Armut Reichtum diktieren? Wenn Proletariat ein Begriff für menschliches Subjekt ist, wie kann es sich selbst beherrschen? Wenn Proletariat ein Begriff gegen die Herrschaftsform des Kapitals ist, wie kann es den Kapitalismus überdauern?

Aus dem Geschichtsobjektivismus von Marx wurde somit genau das, was er bekämpfen wollte: Der Staat als politisches Organ der Unterdrückung, das sich als Partei auf die Seite eines Teils der Gesellschaft stellt um den anderen Teil zu bekämpfen, das doch nur aus seiner abstrakten Allgemeinheit besteht. Bei Marx ist der Widersinn noch vollzogen, indem er von einer allgemeinen poltischen Macht gegen die politische Macht des Kapitals spricht. Aber auch im allgemeinen Sein von politischer Macht bleibt Macht allgemein, wenn sie sich nicht in ihrem konkreten Gehalt unmittelbar entmachtet, also Eigentümlichkeit verallgemeinern kann. Enteignung von Besitz kann doch nur die Aufhebung von Besitz meinen und nicht die Übernahme von Besitz durch einen Staat als Besitzer des Allgemeinen! Der Staatsbegriff als Teilhaber der Macht des Ganzen ist damit auf absurde Weise verneint und doch fortgesetzt als Begriff für die politische Macht einer Klasse. Wie und warum sollte er sich überflüssig machen, also sich in der Selbstverneinung auflösen, wenn alle Menschen Proleten sind? Warum sollten sie noch Proleten sein? Zur Aufhebung des Kapitalismus gehört die Aufhebung des Proletariats und dies zeigt die Absurdität eines proletarischen Staats als politische Antithese. Wie sollte die Kritik der politischen Ökonomie in die Kritik des politischen Proletariats übergehen ohne sich ökonomisch zu verwirklichen? Hier wird Dialektik selbst absurd, weil sie sich nicht mehr als Denkform von Entfremdung versteht, sondern sich als positives Denken für das Ganze ausgibt. Dies wird bei jeder Staatsform notwendig faschistoid und wurde schließlich von Stalin angesichts der subjektiven Probleme einer solchen Gesellschaftsform auch zu einem offenen Linksfaschismus entwickelt.