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Erläuterungen zu Ding

Die Dinge sind als Stoffe und Produkte als ganze Dingheit vorhanden. In ihrer Erzeugung oder in ihrer Stofflichkeit selbst, wie sie für den Menschen ist, gibt es also in ihren Eigenschaften vollständig gebildete und entwickelte Zusammenhänge, durch welche die Dinge als Ganzheit existieren. Ein unfertiger Schrank oder der Teil einer Maschine könnte ebenso wenig als ganzes Ding existieren, wie ein schöner Gedanke oder eine verfaulte Banane. Auch ein Magnet ist nur durch seine Eigenschaft, Eisen anzuziehen, solange ein nützliches Ding, wie diese Eigenschaft anhält und er sich vermittelst seiner Schwere weiter auf der Erde befindet. Um nützlich zu sein, muß also ein Ding oder auch die unter einem Nutzen zusammengefaßte Dingheit in einer vollständigen Beziehung der Eigenschaften als Ganzheit bestehen.

Umgekehrt aber ist die Ganzheit der Dinge im Zusammenhang ihrer Eigenschaften nicht notwendig nützlich. Ein Kunstwerk, durch welches ein Mensch zum andern spricht, hat keinen Nutzen, – es ist Mitteilung, Ausdruck, obwohl es vielerlei Eigenschaft hat und in seinen Eigenschaften verbunden als ganzes Ding existiert. Es ist nur für den Reichtum in der Form der Warensammlung zueigen, daß die Dinge als nützliche Gegenstände existieren, als Dinge, die – im Unterschied zu dem, was sie als Ganzheit für sich selbst sind – “nach verschiedenen Seiten nützlich sein“ (S. 49) können. Die Dinge, welche sich nicht im Produkt als menschlicher Gegenstand unzweifelhaft in der Eigenschaft verhalten, in welcher sie geschaffen oder entdeckt sind, können von der Seite genutzt werden, die irgendein Bedürfnis nach ihnen für sich entdeckt hat. Die Dinge sind also für sich ein Ganzes vieler Eigenschaften und für den Menschen nützlich und als das eine sind sie in der bürgerlichen Gesellschaft zugleich das andre.

Marx spricht hiermit deutlich die Trennung aus zwischen einer Dingheit, welche als ganzer Zusammenhang existiert, und dem Nutzen, welcher eine unbestimmte Bedürftigkeit als Beziehung von Menschen auf Dinge hat: Die Dinge sind als bestimmter ganzer Organismus vorhanden, aber die Menschen haben diese allein in der Form des Nutzens, haben ihren Verkehr als Zusammenhang außerhalb der Bestimmtheit ihrer Erzeugnisse. Die Beziehung im Nutzen auf ein Ding unterstellt bereits seine wirkliche Gegenständlichkeit als ganzes Ding, hat aber den Menschen noch nicht als in den Dingen verwirklichter Zusammenhang seines Lebens hervorgebracht. Der Nutzen stellt im Unterschied zur Ganzheit der Dinge die Stufe unwirklicher Beziehungen von Menschen in der Form wirklicher Unbezogenheit dar. Objektiv stehen die Menschen als einzelne Herren über den Dingen, subjektiv aber ist ihre Beziehung auf diese Dinge in der Ohnmacht vor der Unbestimmtheit ihrer Existenz für sie. Die Arbeit hat ihre einzige Gegenständlichkeit als Nützlichkeit von Dingen, obwohl sie ganze Dinge produziert, und steht somit ohnmächtig vor der Unzweifelhaftigkeit der Nützlichkeit von Dingen für den Konsumenten.

“Nur als das, was meine Arbeit ist, kann sie in meinem Gegenstand erscheinen. Sie kann nicht als das erscheinen, was sie dem Wesen nach nicht ist. Daher erscheint sie nur noch als der gegenständliche, sinnliche, angeschaute und darum über allen Zweifel erhabene Ausdruck meines Selbstverlustes und meiner Ohnmacht.“ (MEW EB I, S. 463).

Umgekehrt:

“Gesetzt, wir hätten als Menschen produziert: jeder von uns hätte in seiner Produktion sich selbst und den andern doppelt bejaht. Ich hätte erstens in meiner Produktion meine Individualität, ihre Eigentümlichkeit vergegenständlicht und daher sowohl während der Tätigkeit eine individuelle Lebensäußerung genossen, als im Anschauen des Gegenstandes die individuelle Freude, meine Persönlichkeit als gegenständliche, sinnlich anschaubare und darum über allen Zweifel erhabene Macht zu wissen. Zweitens in deinem Genuß oder deinem Gebrauch meines Produkts hätte ich unmittelbar den Genuß, sowohl des Bewußtseins, in meiner Arbeit ein menschliches Bedürfnis befriedigt, also das menschliche Wesen vergegenständlicht, und daher dem Bedürfnis eines andern menschlichen Wesens seinen entsprechenden Gegenstand verschafft zu haben, drittens für dich der Mittler zwischen dir und der Gattung gewesen zu sein, also von dir selbst als eine Ergänzung deines eigenen Wesens und als ein notwendiger Teil deiner selbst gewußt und empfunden zu werden, also sowohl in deinem Denken wie in deiner Liebe mich bestätigt zu wissen, viertens in meiner individuellen Lebensäußerung unmittelbar deine Lebensäußerung geschaffen zu haben, also in meiner individuellen Tätigkeit unmittelbar mein wahres Wesen, mein menschliches, mein Gemeinwesen bestätigt und verwirklicht zu haben.“ (MEW EB I, S. 462).

Es gibt kein Ding, welches durch seine Eigenschaften wirklich selbständig und unabhängig von den Menschen wäre, obwohl es darin nur als Gebrauchsweise entdeckt ist. Das Ding ist in seiner Eigenschaft für den Menschen, was er an ihm gebraucht. Er entdeckt den Gebrauch, während und indem ein Ding etwas Ganzes ist. Ein Ding hat überhaupt nur Eigenschaften, welche als Eigenschaft von Dingen erkannt sind – das Ding in seiner Natur an sich gibt es nicht. “Die Natur, abstrakt genommen, für sich, in der Trennung von Menschen fixiert, ist für den Menschen nichts.“ (MEW EB I, S. 587). Von der Seite seiner Eigenschaften existieren also die Dinge als menschliche Gegenstände, welche zugleich die Natur als Gegenstand des Menschen darstellen. Die Eigenschaften der Dinge sind nicht Eigenschaften von Naturgegenständen, wie sie sich unmittelbar bieten, sondern Eigenschaften menschlicher Gegenstände.