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Erläuterungen zu Geld

“Das Geld – als das äußere, nicht aus dem Menschen als Menschen und nicht von der menschlichen Gesellschaft als Gesellschaft herkommende, allgemeine – Mittel und Vermögen, die Vorstellung in die Wirklichkeit und die Wirklichkeit zu einer bloßen Vorstellung zu machen, verwandelt ebenso sehr die wirklichen menschlichen und natürlichen Wesenskräfte in bloß abstrakte Vorstellungen und darum Unvollkommenheiten, qualvolle Hirngespinste, wie es andererseits die wirklichen Unvollkommenheiten und Hirngespinste, die wirklich ohnmächtigen, nur in der Einbildung des Individuums existierenden Wesenskräfte desselben zu wirklichen Wesenskräften und Vermögen verwandelt. Schon dieser Bestimmung nach ist es also schon die allgemeine Verkehrung der Individualitäten, die sie in ihr Gegenteil umkehrt und ihren Eigenschaften widersprechende Eigenschaften beilegt.“ (MEW EB I, S. 566).

Geld bezieht in der bürgerlichen Gesellschaft, in der Gesellschaft der Besitzverhältnisse, Arbeit und Bedürfnisse so aufeinander, wie sie darin allgemeine Form als abstrakte Arbeitsprodukte haben können. Ohne Arbeit wäre kein Bedürfnis wirklich und ohne Bedürfnis gäbe es keine Arbeit, ob dieses nun nur Hunger nach reinem Stoff oder kultiviertes Verlangen, Verlangen nach menschlichen Produkten enthält. Das notwendige Verlangen und seine Verwirklichung in der Arbeit ist gesellschaftliche Substanz, der Bezug beider zu einander ist gesellschaftliche Form.

"Daß jede Nation verrecken würde, die, ich will nicht sagen für ein Jahr, sondern für ein paar Wochen die Arbeit einstellte, weiß jedes Kind. Ebenso weiß es, daß die den verschiedenen Bedürfnismassen entsprechende Massen von Produkten verschiedene und quantitativ bestimmte Massen der gesellschaftlichen Gesamtarbeit erheischen. Daß diese Notwendigkeit der Verteilung der gesellschaftlichen Arbeit in bestimmten Proportionen durchaus nicht durch die bestimmte Form der gesellschaftlichen Produktion aufgehoben, sondern nur ihre Erscheinungsweise ändern kann, ist self-evident. ... Der Witz der bürgerlichen Gesellschaft besteht ja eben darin, daß a priori keine bewußtse Regelung der Produktion stattfindet. Das Vernünftige und Naturnotwendige setzt sich als blindwirkender Durchschnitt durch." (Briefe über das Kapital, Dietz-Verlag 1954, Marx an Kugelmann, S. 185).

Das Geld als Vermittler zwischen Produktion und Konsumtion enthält keine bestimmte Beziehung beider aufeinander, es enthält den Wert der Dinge als "blindwirkender Durchschnitt", als reines Durchschnittsquantum ihres Reichtums, abstrakte Menge, Maß ihrer verausgabten Arbeit schlechthin. Geld drückt aber nicht nur den Wert der Güter als Durchschnitt ihres rastlosen Vergleichs aus, es funktioniert nicht nur als Zahlungsmittel und Maß der Werte, mit dem die Erzeugung und der Genuß der gesellschaftlich nur auf dem Markt existenten Produkte und deren Produktionsmittel bezahlt werden, sondern es wird auch für die Entwicklung neuer Produkte und Produktivkräfte vorgeschossen. Hierdurch wird die gesellschaftliche Entwicklung, die Schaffung des gesellschaftlichen Mehrprodukts, unter den Bedingungen der Geldwirtschaft ermöglicht. Wiewohl diese Entwicklung aus dem Zusammentragen aller hierfür nötigen Kraft, Intelligenz, Ressourcen, Verkehrswesen, Bildung usw. besteht, unterliegt sie doch ausschließlich der Verfügung des Geldbesitzers, dessen Geld in dessen Interesse als Kapital hierfür eingesetzt wird. Dies tut er nicht zur Förderung der gesellschaftlichen Entwicklung, sondern zur Erheischung eines wertmäßigen Gewinns, den ihm sein Geld bringen soll, Mehrwert. Obwohl das Mehrprodukt ein Resultat menschlichen Zusammenwirkens, gesellschaftlicher Arbeit ist, wird es als Mehrwert privat angeeignet, um in der Hand der Geldbesitzer ihr Kapital zu mehren und damit deren gesellschaftliche Macht zu bestärken. Hierdurch ist Geld Kapital, das einer privaten Bestimmung über die geschichtlich entwickelten gesellschaftlichen Potenzen folgt, die dem Finanzier zur privaten Verfügung stehen. Das Interesse der Geldbesitzer ist vor allem die Geldvermehrung, die sie nur durch Nutzung dieser gesellschaftlichen Potenzen der Arbeit erreichen, besonders durch deren Vermögen, mehr Produkte zu erzeugen, als durch sie verbraucht werden.

Die private Nutzung des gesellschaftlichen Vermögens basiert auf dem politischen Verhältnis, in welches die Besitzer gestellt sind. Nur Geldbesitzer können sich in der bürgerlichen Gesellschaft wirklich als Besitzer verhalten; alle anderen Eigentumsformen (z.B. Arbeitskraft, Bildung, Begabung, Wissen), können sich nur erhalten, wenn sie sich in deren Dienst stellen, indem sie sich deren Interessen beugen, sich gegen Geld feilbieten, wiewohl sie doch die Träger der ganzen gesellschaftlichen Entwicklung sind. Damit sind sie Mittel eines fremden Zwecks, einer ihnen fremden Geldvermehrung, die auch eine Vermehrung der Macht gegen sie ist. So erzielt und erreicht die Ausbeutung der Besitzlosen, der Technologie, Infrastrukturen (Verkehrsbau, Gesundheitswesen, Bildungswesen, Kultureinrichtungen usw.) und der Bodenschätze im eigenen Land oder in fremden Ländern einen enormen Reichtum an Gütern und Werten, über welche alleine Geldbesitzer verfügen. Sie haben damit nicht nur die Mittel zur Bestimmung der gesellschaftlichen Produktion in ihrer Hand, sondern auch das Mehrprodukt, welches aus der gesellschaftlichen Produktion entsteht und mit welchem sie die gesellschaftlichen Zwecke (den Inhalt der Produktion) setzen. Kapitalisten existieren alleine unter den Bestimmungen der Mechanismen der Geldwirtschaft, des Finanzmarkts (z.B. als Banker, Aktionäre, Geldmanager).