Erläuterungen zu Isolation | |||||
Isolation ist eine furchtbare Notlage. Sie besteht nicht dadurch, dass Menschen fehlen; - alleine ist man oft gerne mal. Sie gründet auf der Ungeheuerlichkeit, dass Menschen von sich abstoßen können, was sie für sich beständig nutzen, dass sie mit der Geste des Zahlmeisters ihre Dirnen demütigen, weil sie nicht leiden können, was sie mit ihnen getan haben. Es ist die Lüge ihrer Beziehung, ihre Besessenheit nach anderen durch Besitz über sie zu vertuschen, die Verleugnung ihres Versagens als Menschen durch den Ekel vor ihren Objekten. Sie geben sich ästhetisch, damit ihr Ekel vor sich selber in einen Ekel vor Fremdem gewendet ist; sie bestimmen, was gut sein soll, damit der Verlust ihrer Güte verborgen bleibt. Im Abgrund der Isolation existiert das ausgeschlossene Leben, das für sich erfüllen muss, was außer ihm begründet und beschlossen ist. Es ist die Kultur des abstrakten Reichtums. Hier bestehen die allgemeinen Beziehungen aus den Events der Zwischenmenschlichkeit, in der sich die Menschen in netten Augenblicken und seidenen Zärtlichkeiten verbinden, bis sich ihre Beziehung irgendwann in unbegreifbarer Leere und Ödnis aufzulösen - unbegreifbar, weil nie begriffen war, was sich bezieht, woher es kommt, was es ist und was es sein sollte. Meist merken die Menschen nicht mal, wenn es zu Ende geht, weil sie nicht wissen, was zu Ende geht, nicht wissen, was der Anfang war, was sie miteinander anfangen wollten und angefangen haben. Es ist das Leben einer Geschichtslosigkeit, weil Entstehen und Vergehen, Werden und Gewordensein, Geschichte darin keinen Sinn hat, weil Eigenes und Fremdes sich nicht unterscheiden und deshalb nichts miteinander anfangen können, sich nur vermengen zu einer Nähe, die keine Ferne kennt und sich entfernen, weil solche Nähe nur müde macht. Das ist die Täuschung von Nähe wie Ferne. Man ist fern, ohne auseinander zu sein und nah, um Mensch zu sein. Es ist die lebende Gleichgültigkeit, in der alles wirklich gleich gilt und aufgehoben, ohne sich aufzuheben oder zu verwirklichen – ein Leben ohne Aus-einander-setzung und damit ohne eigenen Sinn, Beziehungslosigkeit als Beziehung die Nutzen bringt, Vorteilnahme am Leben durch Sinnfüllung, durch die Benutzung der Sinne anderer Menschen zur eigenen Sinnlichkeit. Groß wird damit die Vernunft des "allgemein Gültigen", der übermenschliche Sinn des Ganzen, durch den die Menschen sich so verhalten, dass der Nutzen des Ganzen gesichert wird, dass Jede und Jeder dem Reglement der Psycho-Religion des übermenschlich Zwischenmenschlichen gehorcht, nur um sich selbst zu dienen, um seine Beziehungen zu schachern und seine Vorteile zu nehmen, sich "einzuvetterln". Schon im klassischen Bürgertum betsanden die menschlichen Beziehungen allein im Nutzen und dem Recht auf Vernutzung: Besitz. In einer Kultur, die getrennt von den Quellen des Lebesn und Reichtums selbst zu einer geschlossenen Gesellschaft geworden ist, wird dies allgemein. So bestehen viele menschliche Beziehungen heute ganz allgemein nur noch aus der Benutzung von Menschen als Überlebensmittel in einer Welt, die keinen Sinn für die Menschen hat, weil alles, was die darin erzeugen, in gleicher Weise von den Verwertungszwängen vernutzt wird. Die Selbstaufgabe als Mensch ist die sublimste Knechtschaft unter das Kapital. Freundschaften bestehen dann alleine aus Freundlichkeiten, welche die Bindung an die Nichtigkeiten der Gesellschaft ohne eigene Beteiligung und doch mit dem vollen Einsatz des Lebens, also durch die eigenene Leblosigkeit fortbestehen lassen und die Macht ihrer Barbarei verstärken. Das Leben an der Oberfläche hält die Vernutzung von Leben gangbar, wenn sie es schafft, die Ohnmacht der Liebe zu kaschieren. Die Liebe selbst wird dabei vernutzt als Ersatz für wirkliches Leben, Auseinandersetzung, Widerstand usw. und füllt die Löcher des Selbstbewusstseins, das solches Leben notwendig mit sich bringt. Sie wird zum Allheilmittel und darin zur Ratio des menschlichen Zusammenlebenes. Das wird dann objektiv und vernünftig genannt und alles andere als irrational und subjektiv ausgeschieden – so, als ob die Abtrennung und Aussonderung keinen Zweck verfolgen würde und als wäre das Objekt nicht durch das Subjekt entstanden. Das Ausgeschlossene lebt zwar weiter, aber ohne Daseinsrecht. | ||