Erläuterungen zu Konsum und Krise | |||||
Das Problem des Kapitalismus existiert in den Exportorientierten Ländern wie z.B. die BRD vorwiegend als Absatzproblem der Güter, als Problem der "Überproduktion“. Sie müssen einerseits im Übermaß produziert werden, um die Rentabilität der Produktionskraft, den zur Produktion in immer höherer Konzentration eingesetzten Mittel, zu sichern und können andererseits nicht verkauft werden, weil die Lohntüten knapp so knapp gehalten werden, wie es für die Einzelkapitalisten zur optimalen "Ertragsschöpfung“ möglich ist. Deshalb erscheint volkswirtschaftlich die kapitalistische Krise immer und vor allem als ein Mangel an Konsumtionsvermögen im Verhältnis zum Produktivvermögen: "Der letzte Grund aller wirklichen Krisen bleibt immer die Armut und Konsumtionsbeschränkung der Massen gegenüber dem Trieb der kapitalistischen Produktion, die Produktivkräfte so zu entwickeln, als ob nur die absolute Konsumtionsfähigkeit der Gesellschaft ihre Grenze bilde.“ (MEW, Bd. 25, S. 501). Es gibt inzwischen innerhalb dieses Systems in den reichen Ländern eine Lösung um dem tendenziellen Fall der Profitrate zumindest zeitweise zu begegnen, wenn es denn möglich ist: Der permanent wachsende Konsum, die unendliche Nachfrage bei niedrigen Einkaufpreisen, kann die nationalen Wirtschaftsprobleme entlasten, wenn sie durch Exporte ihren Mehrwert international realisieren. Dies allerdings kostet innerhalb eines solchen Landes viele Arbeitsplätze. Die Produktivität macht ja nur als "Wirtschaftsstandort“ Sinn, muß sich also auch "überflüssiger“ Arbeitskräfte entledigen können und billigere Kräfte (z.B. Ausländer) verfügbar haben. Und dies betreibt die Aufspaltung der Gesellschaft in einen zunehmend kleineren gut entlohnten Teil und einen großen Teil, der durch Billiglöhne und Sozialgelder auf unterstem Lebensniveau so gehalten wird, daß er dennoch an der Vertilgung der Billigprodukte teilhat. Dieser Teil der Bevölkerung dient dann eben auch noch dem zweiten ökonomischen Zweck: Als Reserve für den Arbeitsprozeß ist er permanenter Konkurrent für jeden, der Arbeit hat und trägt somit nach Belieben der Preisgestalter dazu bei, die Lohnforderungen auf das Niveau zu drücken, das für die Kapitalverwertung opportun ist. Das hatte schon Karl Marx dazu veranlaßt, die Arbeitslosen einer Industrienation in den Kategorien des Kriegs als "Reservearmee des Kapitals“ zu bezeichnen. Zu seiner Zeit waren die Arbeiter aber noch vorwiegend national in den Produktionskreislauf einbezogen. Ihr Lohn gehörte ausschließlich zu den Produktionskosten und war deshalb nur so hoch, wie die pure Reproduktion der Arbeitskraft wert war. Der Staat bot nur die geringstmögliche Absicherung, die nötig war, um eine Arbeiterreserve arbeitsfähig zu halten. Zu dieser Zeit war die nationale Vormachtstellung gegenüber anderen Nationen auf Kolonialmacht gegründet, sodaß die eingeführten Güter nur als reine Produktionsfaktoren des Einzelkapitals berechnet waren, also Stoffe, die nur in die Produktion wie alle anderen Produktionskosten einging. Der Warenhandel, also der Produktentausch, war ökonomisch noch nicht im heutigen Ausmaß international entwickelt. Von daher war es noch nicht möglich, sie an der globalen "Ertragslage“ in einem national erwünschten Ausmaß, also nach den sozialen Anforderungen einer nationalen Befriedung, zu beteiligen. Heute sind in den exportorientierten Nationen die Arbeiter, auch wenn sie aus dem Produktionsprozeß herausfallen, nicht mehr nur Kostfaktor der Produktion, sie taugen auch zur Krisenabwendung, indem sie zeitweise an der Vertilgung der Gütermassen beteiligt werden, die der international kapitalisierte Warenhandel ausspuckt, und sie erhöhen damit die Krisentoleranz des nationalen Systems. Es blieb der politischen Entwicklung nach der Kolonialzeit unter Bismarck vorbehalten, die soziale Befriedung zur Erhöhung der Krisentoleranz des nationalen Systems anzugehen. Im Gegenzug zur Bekämpfung der Sozialisten mit den "Sozialistengesetzen“ führte er soziale Leistungen als staatliches Steuerungselement ein, welche auch letzlich den Kapitalismus enorm gestärkt hatten. Diese Entwicklung wurde bis zum Erhard’schen "Wohlfahrtsstaat“ weitergetrieben und hatte seitdem den Namen "soziale Marktwirtschaft“. Sie hat zwar niemals zu einer wirklichen Lösung der wirtschaftlichen Widersprüche geführt, aber sie hat in den reichen Nationen Zuspitzungen so beschnitten, daß Aufstände dort weniger Not-Wendigkeit bekamen; – und in den armen Ländern waren Aufstände sinnlos, weil der Gegner zugleich als Gönner ("Entwicklungshelfer“) auftreten konnte. Die Arbeiter konnten in vielen Krisen immer noch die relativen Sicherheiten und Konsummöglichkeiten der Ungewißheit von Neuerungen entgegenstellen – besonderts auch im Blick auf einen miserablen Sozialismus, wie er vom sogenannten Ostblock entwickelt worden war. Zeitweise erschien es sogar so, als ob die Krisenhaftigkeit des kapitalistischen Systems überwunden sei und die Aneignung von Profiten sogar der Durchschnittsbevölkerung per Aktienbeteiligung möglich gemacht werden könnte. Die Zukunftsvorstellungen der politischen Elite Deutschlands sind immer noch vom Ende der Krisenhaftigkeit des Kapitalismus durch den Ausgleich der Klassen, dem Ende des Klassenkampfs, angetan und ihre politischen "Modelle“ zielen auf diese Illussion einer befriedeten kapitalistischen Gesellschaft, in welcher alle gleichmäßig am Mehrprodukt beteiligt sind, indem sie sich zunehmend an Aktienkapital beteiligen (vergl. hierzu z.B. Joschka Fischer: "Für einen neuen Gesellschaftsvertrag“, 1998, S. 265ff). Die Illusion, am gesellschaftlichen Mehrprodukt beteiligt zu sein, mag zwar noch in vielen Köpfen bestehen, welche an den Vorzügen einer Weltmacht beteiligt sind. In der Wirklichkeit der Auseinandersetzungen zwischen Lohnarbeit und Kapital zeigt sich aber auch hier immer deutlicher die Grenze der Mehrwertbildung und das Machtgefälle der existentiellen Gewalt. Auch hierzulande wird der Reichtum nur so verteilt, wie es der Verfügungslogik des Kapitals entspricht. Auch hier stellt der Lohn nicht die Teilhabe am nationalen Reichtum dar. Die allgemeine Tendenz zeigt weiterhin auf unserem Globus und in unserem Land das Kernelement kapitalistischer Wirtschaft: "Die allgemeine Tendenz der kapitalistischen Produktion ist, den durchschnittlichen Lohnstandard nicht zu heben, sondern zu senken oder den Wert der Arbeit bis zu seiner Minimalgrenze zu drücken“ (MEW 16, S. 103-152, Berlin 1962) Der durchschnittliche Lohnstandard der arbeitenden Menschen – gemessen am Güterverkehr ihrer Produkte – ist nach wie vor auf das unterste Niveau gedrückt. Wiewohl unser Land bei weitem nicht so betroffen ist, wie die ärmeren Länder, besitzen auch hier nur 5% der Bevölkerung schon 45 % des Geldvermögens und 33 % des Grund- und Immobilienbesitzes (siehe Grafik unten). Weltweit besitzen etwa 50 Milliardäre 95 % des globalen Vermögens. Gerne wird behauptet, der allgemeine Lebensstandard sei trotz allem gewachsen. Der Lebensstandard ist bisher nur dort verbessert, wo Fortschritte der Forschungsarbeiten von Menschen in den Wissenschaften (z.B. der Medizin, der Naturwissenschaften oder der Technischen Wissenschaften) in das gesellschaftliche Leben als substantielle Verbesserung der Güter und Dienstleistungen und als längere Lebenszeit eingegangen sind. Dieser Lebensstandard ist aber nicht der ökonomische Lebensstandard. | ||