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Erläuterungen zu Kulturentwicklung

Kulturelle Beziehungen sind Wesensbeziehungen der Menschen, wie sie sich gesellschaftlich als Ausdruck ihrer Sinnlichkeit darstellen. Sie drücken aus, was Menschen im Sinn haben und was auch den Zustand ihrer Sinne und ihrer Fähigkeiten ausmacht.

Zur Kultur gebracht wurden in den vorbürgerlichen Gesellschaften noch die Eigenheiten der kollektiven Sinne, vor allem der kriegerischen. Die Stammestänze entsprachen einer kollektiven Aufgabe (Jagd, Krieg, Naturbegegnung), in die sich die Einzelmenschen zusammenführten und ihre Sinne schärften, ihr Gebärden ausrichteten und ihre Fähigkeiten steigerten. Ihre einzelnen Fähigkeiten, Sinne und Kräfte waren unmittelbar Teile eines Kollektivs, Substanzen ihres Gemeinwesens wie Glieder eines Organismus. Die Riten ordneten den Zusammenhalt und schützten vor Störungen des Gesellschaftslebens. Sie stellten zur Schau, was ist, um Hintersinnigkeiten auszuschließen. Und sie kündigten von Zusammenhängen (z.B. Verbindungen von Männern und Frauen), damit sie in die Gesellschaft gehoben und dort anerkannt waren.

Vorbürgerliche Kulturen gründeten auf der unmittelbaren Konfrontation der Menschen mit der Natur. Sie galt als ihr Schicksal und hielt die Menschen gesellschaftlich zusammen, trieb sie zur Entwicklung ihrer Fähigkeiten und ihres Geistes (z.B. Naturreligionen) und nahmen jeden einzelnen Menschen als nötige Kraft ihrer Gesellschaft, die für sich kein Sein und kein Recht hatte. In diesen Kulturen wurde in die einzelne Menschen tief eingegriffen und die Grausamkeiten der Naturbedrohungen an sie ebenso weitergegeben, wie die Fähigkeiten der Naturbeherrschung. In der Kultur stellte sich der Stand der menschlichen Entwicklung im Verhältnis zur Natur unmittelbar dar.

Erst mit der bürgerlichen Gesellschaft begann die Emanzipation der Menschen von der Naturbedrohung durch die Einvernahme mit ihr. Die Industrie organisierte die Arbeit – nicht mehr als Naturbeherrschung, sondern als Aneignung ihrer Ressourcen zur Schaffung menschlichen Reichtums. In diesen Reichtum ging die Natur ebenso ein, wie die menschlichen Fähigkeiten ihrer Aneignung (vergl. hierzu Pfreundschuh: "Der Reichtum der bürgerlichen Gesellschaft“). Die Kultur der Naturbegegnung (Naturreligionen, Vergesellschaftungsriten usw.) wurde unnötig. Die Riten und Religionen befassten sich mit dem menschlichen Charakter der Lebenszusammenhänge selbst, die Produkte verloren ihre Unmittelbarkeit für das Leben und wurden ausgetauscht und frei gehandelt.

In der bürgerlichen Gesellschaft wurden die Menschen von ihrer natürlichen Not befreit und ihre Gesellschaft verwirklichte den Menschen als Teil der Natur und zugleich als ihr Subjekt. Mit dem Reichtum an Mitteln (Werkzeuge und Naturstoffen) erweiterte der Mensch sein Wissen und seine Sinne zu einer Kultur, die sich aus ihrer natürlichen Befangenheit herausgelöst hatte und die einzelnen Menschen zu Trägern der gesellschaftlichen Arbeit machte, sowohl der notwendigen Arbeit, als auch der bereichernden Arbeit.

Diese Arbeit jedoch besteht noch als Widerspruch, in unterschiedlichen Klassen verteilt und dennoch als gesellschaftlicher Organismus der Produktion. Dieser Widerspruch von gesellschaftlicher Produktion und privater Aneignung des Mehrprodukts stellt die Gesellschaft vor die historische Notwendigkeit zur Vergesellschaftung aller Produkte, um die menschlichen Potenzen ihrer Entwicklung, um die Schaffung einer wirklich menschlichen Gesellschaft und Kultur zu ermöglichen.

Die Privatform des Mehrprodukts, das Kapital, ist hierfür ein reiner Anachronismus und hat die bürgerliche Kultur längst zu einer Kultur der Barbarei gebracht. Mit der Globalisierung haben sich die Klassen als Welten ausgeweitet und stellen sich auf dem Weltmarkt nur noch als bloßes Wertgefälle, als Kluft zwischen Armut und Reichtum dar. In diesem Text haben wir es mit der Kultur der Globalisierung in den reichen Ländern zu tun.