Erläuterungen zu Mehrwert in der Krise | |||||
Es widerspricht eben allgemein dem unendlichen Trieb der Geldverwertung, dass die Güter letztlich doch nur existieren, weil sie für die Menschen da sind. Sie werden eben nur durch sie, durch ihre Lebensweise und Lebensbedürfnisse verbraucht und zur Erweiterung des Lebensbedarfs erfunden und entwickelt. Im Interesse der Geldverwertung, die als privates Interesse von Kapitaleignern besteht, muss Geld immer mehr Geld werden. Und weil Geld als Kapital zugleich ein Zirkulationsmittel zwischen produktiver Konsumtion der Arbeit und Konsumtion der Arbeitsprodukte ist, kann auch ein Mehrprodukt entstehen, welches Mehrwert darstellt, welches aber als Zirkulationsmittel des Kapitals über ein Maß hinaus produziert werden muss, das sich, wie es sich hinterher an übervollen Lagerhalden herausstellt, nicht immer verkaufen läßt: Es kann eben nur soviel konsumiert werden, wie an Geld für den Arbeitslohn ausbezahlt worden ist, es muss aber viel mehr produziert werden, damit die Kapitaleigner ihren Zuwachs an Geld und Macht erreichen. Deshalb sind Kapitaleigner flüchtige Gesellen. Sie wechseln die Menschen und Produktionsstätten fortwährend nur zu dem Zweck, deren Wert zu drücken und deren Konkurrenz zu erhöhen. Sie fliehen den Ort einer Produktion und suchen neue Kapitalanlagen; sie hinterlassen ein Heer von Arbeitslosen und tote Maschinerie, um billigere Arbeitskräfte und neue Technik andernorts aufzugreifen - und um denen, die in Arbeit und Prosperität sind, das Fürchten zu lehren. Dies geht aber nur solange, wie es andere Menschen und Produktionsstätten, wie es also deren Konkurrenz gibt, und deren Lohn auf neuen Märkten zum Absatz der Produkte reicht. Das Kapital muss permanent Kosten drücken und neue Märkte schaffen - nur solange kann es "Gewinne" machen. Weil die Kapitalverwertung der Zweck der Produktion ist und weil es unter den Geldbesitzern niemanden geben kann, der aus anderen Gründen wirtschaftet (er würde auf dem Markt untergehen), kommen die aufgehäuften Potenzen der Produktion, die gigantische Maschinerie der Produktion, mehr oder weniger zum Erliegen, wenn sie keine Gewinne bringen. Und die Profite schwinden in derselben Logik in dem Maße, wie die Maschinerie als konstantes Kapital nicht in den Löhnen sich darstellt, sondern diesen als Form des variablen Kapitals entgegengestellt ist. Das konstante Kapital wächst eben nur an Wert, wo es das variable bedrängen kann. Und wo die aufgehäufte Technik nach Absatz der Produkte drängt, da geht es in die Knie. Es entstehen bei der Minderung der Gewinne, erst Recht bei ihrem Schwund ins Negative (Rezession), für die ganze kapitalistische Gesellschaft Krisen, die als Unverkäuflichkeit der produzierten Waren auftreten. Das Kapital steht in seinen Absatzkrisen an der Schranke seines Interesses: "Der letzte Grund aller wirklichen Krisen bleibt immer die Armut und Konsumtionsbeschränkung der Massen gegenüber dem Trieb der kapitalistischen Produktion, die Produktivkräfte so zu entwickeln, als ob nur die absolute Konsumtionsfähigkeit der Gesellschaft ihre Grenze bilde." (MEW, Bd. 25, S. 501). Der Kapitalismus entwickelt einerseits die Mittel, welche als eine gigantische Masse von Produktionswerkzeugen (Maschinen, Verkehr und Kommunikation) und Produkten zur Verfügung stehen und ist zugleich gerade darin beschränkt, was die gesellschaftlichen Potenzen befördert: die Bedürfnisse, die seine Entwicklung tragen. Es ist das historische Schicksal des Kapitalismus, dass er gerade an dem Resultat seines Vermögens, an der Entwicklung der produktiven Potenzen gesellschaftlicher Arbeit, der Automation und Universalisation der Arbeit, scheitert, weil er sie dem privaten Zweck des Kapitals, die Vermehrung seines Geldwerts, unterwirft und den Menschen nicht als Gesellschaftsvermögen zurückgeben kann. Weil der Kapitalist (Kapitaleigner, wie z.B. Bank, Versicherung, Aktionär) dieses Vermögen an gesellschaftlichem Reichtum und dessen Produktivkraft nicht als Gesellschafts- und Produktionsform der Menschen, sondern als Kapitalisierung des Mehrwerts betreibt, kann er Kapital auch nur bilden, wo er das Mehrprodukt oder Teile davon kassiert, um seine gesellschaftliche Macht zu erhalten. Das Kapital steht in dem Widerspruch, sich wertmäßig nur entwickeln zu können, wo es den Menschen Güter und Vermögen (z.B. Arbeitskräfte) entziehen muß, die wiederum aber nur dadurch Wert haben, dass sie von den Menschen gekauft oder betrieben werden. Der Mehrwert ist relativ hierzu und wenn der relative Mehrwert sich zum Wertdefizit treibt, so entwickelt das Kapital einen politischen Machtapparat, der unterwertige Produkte aufwerten muss, der entweder ihre Lager mit Fremdmittel aufkauft (Subventionen, Staatsverbrauch) oder Lieferanten von Arbeit und Arbeitsmittel erpresst. Der Widerspruch bewegt sich zwischen dem Zwang, die Preise für die Produkte und ihre Erstehungskosten zu senken oder dem Zwang die Potenzen der Arbeit durch technologische Fortschritte und andere "Rationalisierungsmaßnahmen" (oft mit einhergehender Arbeitsplatzvernichtung) zu steigern. Der hochentwickelte krisengeplagte Kapitalismus offenbart einen unentwegten Preisdruck auf die variablen Produktionskosten (Material und Arbeitskräfte), dem nicht mehr alleine durch ökonomische Entwicklungen, sondern zunehmend nur noch durch politischen Machtzuwachs, also durch politische Gewalt auf die Preisbildung entsprochen werden kann (z.B. durch Kapitalfussionierung mit monopolistischer Tendenz oder durch sozialen Druck auf die Arbeitskräfte unter Androhung verminderter Sozialleistung oder durch diplomatische oder militärische Besetzung der Rohstofflieferanten). | ||