Erläuterungen zu Mehrwert und Arbeit | |||||
Die Rendite, welche Ziel des Kapitals ist, ergibt sich nicht aus den wirklich erarbeiteten Produkten und Mehrprodukten, sondern aus der Wertbestimmung des Finanzmarktes. Das Kapital als bloße Form des Unternehmertums, als einzelnes Interesse von Kapitalbesitzern, die über eine bestimmte Produktion verfügen wollen, käme über das Wertverhältnis des Warenmarktes nicht hinaus, das unmittelbar durch Angebot und Nachfrage beschränkt ist und das in diesem Verhältnis auch ein Mehrprodukt, eine Verbesserung des Lebensstandards finanziert, solange es das Wertwachstum befördert, solange es also produktiv auch für das Kapital ist. Aber die Entwicklung des Mehrprodukts ist zugleich auch eine Entwicklung der Produktivkräfte, die dem Verwertungsinteresse des Kapitals zuwiderläuft. Der im Finanzmarkt (auf den Kapitalmärkten) absorbierte Mehrwert stellt nicht den Wert der Güter dar, nicht den Reichtum an Lebens- und Produktionsmittel, sondern er bestimmt den Wert von Arbeit, Boden und Geld nach Maßgabe seiner Verwertbarkeit (95% der gegenwärtig zirkulierenden Finanzmittel stellen keine realen Gegenwerte wie Waren oder Produktionsmittel dar, sondern sind reine Spekulation auf Erträge). Auf dem Finanzmarkt ist alles von der Zukunft des Kapitals als Potential einer Geldvermehrung bewertet, die ihren Boden und ihre Quellen in der Gegenwart sucht. Der Wert solcher Finanzmittel verwirklicht sich nicht als Produkt, sondern als Wertbestimmung der Arbeit, die in dem Maße wächst, wie die Kosten für Arbeitslohn und Material der Arbeit (Produktionskosten, Stoffe, Energiequellen, Kommunikationstechnologie, also variables Kapital) relativ zur Mehrproduktion sinken. Die Wertbestimmung des Kapitals existiert im Kapitalismus als Wertsteigerung der Produktionsmittel (Kapitalkonzentration), des Bodens (Grundstücke, Immobilien, Mieten) und des Geldes (Zinsen). Was zur Wertsteigerung, zum "Wertwachstum" taugt, ist viel wert, was hierzu nicht taugt, wenig. Heute kann etwas (z.B. eine Erfindung, ein Computerprogramm usw.) noch viel wert sein, was morgen schon gänzlich wertlos ist. Das Kapital bestimmt seine Quellen zum Wert an sich, der sich den Menschen als gesellschaftliche Notwendigkeit aufzwingt. Was sie für ihre Arbeit bekommen, was sie für ihre Miete bezahlen, was sie an gesellschaftlichen Strukturen vorfinden, ist hierdurch bestimmt. Was hier an Wert gesetzt wird, das verlieren die Menschen an Lebenszusammenhang. Immerhin erzeugt der Kapitalismus das Mehrprodukt, das sich zu einem Teil als ein Äquivalent des Mehrwerts auch gesellschaftlich - wenn auch hinter dem Rücken der Menschen - realisiert. Ein Mehrwert, der wie ein Durchschnittsprofit allein die Masse des realen Mehrprodukts verkörpert, ist keine Rendite, sondern lediglich "ein Produkt, eine Bildung des unter ganz bestimmten historischen Produktionsverhältnissen vor sich gehenden sozialen Lebensprozesses." (MEW, Bd. 25, S. 791). Der Mehrwert als ökonomische Form hat ein Mehrprodukt zum Inhalt, welches gesellschaftlich und allgemein zur Entwicklung der Menschen dient, geschichtliche Tat, Bildung ihrer Kultur und ihrer Bedürfnisse ist, die sich im Entwicklungstand der Produktivkräfte zusammenfasst. "Mehrarbeit stellt sich dar in einem Mehrwert, und dieser Mehrwert existiert in einem Mehrprodukt. Mehrarbeit überhaupt, als Arbeit über das Maß der gegebenen Bedürfnisse hinaus, muß immer bleiben." (MEW Bd. 25, S. 827) Wäre die Produktion dieses Mehrprodukts wirklicher Sinn und Zweck der Arbeit, so würden wir einen Großteil der Probleme mit dem gesellschaftlichen Fortschritt nicht haben (9). Die Entwicklung der Arbeit, die Erweiterung der Stufenleiter menschlicher Produktion durch neue Werkzeuge, Technologie, Automaten und Roboter wäre rasch amortisiert, wenn genügend viele Produkte aus ihrem Potential gekauft würden und die Neuentwicklung von Produkten und Produktionsmittel, den Aufwand für Erfindung und Einführung, hierdurch finanziert hätten. Uns allen könnten sie als Verminderung unseres Arbeitsaufwandes zugute kommen, anstatt sich als gigantische Maschinerie des konstanten Kapitals gegen uns aufzutürmen. Der notwendige Arbeitstag bestünde aus den Arbeitsstunden, die für die gesellschaftliche Reproduktion der notwendigen Arbeit und den Anteil für das gesellschaftliche Mehrprodukt (also die Kosten für den Lebensunterhalt der arbeitenden Menschen, die Materialkosten und die Kosten für Neueinführungen und die Erhaltung der Technologie) notwendig sind. Arbeitslosigkeit könnte es gar nicht geben, weil niemand auf dem Arbeitsmarkt gegen andere konkurrieren müßte, sondern dann die Arbeit zur menschlichen Reproduktion in dem Maße eingebracht wird, wie sich die Gesellschaft reproduziert. Die gesellschaftliche Mehrarbeit würde in dem Maße aufgeteilt, wie sie effektiv amortisierbare Mehrprodukte erzeugt (z.B. als "überdurchschnittlicher Arbeitstag"). Die technologische Entwicklung würde als Mehrprodukt in unser Leben so einfließen, wie es die Menschen einzeln und allgemein auch befördern wollten und könnten. Die Dinge des Lebens, nur für sich bemessen im Aufwand ihrer Herstellung (Zeit, Technik, Material, Ausbildung der Arbeitskraft, Reproduktion der Menschen und ihrer Kultur) und auch bemessen an einem Aufwand für Fortschritt und Entwicklung (Bildung, Vertiefung des Know-How für neue Entwicklungen und "Erfindungen") zeigt beim Vergleich von denselben Gütern (z.B. Hausbau, Nahrung, Vergnügen, Äußerung von Geist und Sinn etc.) unter verschiedenen gesellschaftlichen Beziehungen (z.B. auf dem Lande, in der Stadt, im Touristenurlaub oder auf Reisen), wieviele Anteile des Aufwandes, in ihren Besitz zu gelangen, nur ihrem geldwerten Dasein auf dem Markt als zirkuläres Mittel des Kapitals geschuldet sind, wieviel also an Wert aus dessen Verwertungsbedürfnissen entspringt. | ||