Erläuterungen zu Sophistik | |||||
Sophistik im "Philosphisches Wörterbuch von Georg Klaus und Manfred Buhr" "Sophistik (griech) - Strömung innerhalb der griechischen Philosophie, deren Wirkung etwa von der Mitte des 5. bis zum Ende des 4. Jahrhunderts v. u. Z. reicht. Als Hauptvertreter der Sophistik gelten: PROTAGORAS, GORGIAS, HIPPIAS, PRODIKOS, KRITIAS. Die Bedeutung der Sophistik liegt darin beschlossen, daß ihre Vertreter als erste in der Geschichte der Philosophie in vollem Umfang den Menschen in das Zentrum der philosophischen Bemühungen ,stellten (sog. anthropologische Fragestellung). Während die griechische Philosophie bis zum Auftreten der Sophisten in erster Linie Naturphilosophie war, bezieht sie in der Auseinandersetzung mit den Lehren der Sophistik und nach ihr logische, ethische, staats- und rechtswissenschaftliche, ästhetische und sprachwissenschaftliche Fragen in ihre Reflexionen ein. Wenn die Sophisten selbst auch keine systematischen philosophischen Schöpfunge'n hervorbrachten, so gingen doch von ihnen durch ihre neue, an den Menschen orientierte Fragestellung eine Reihe von Anregungen aus, die in der Folge zu einer systematischen philosophischen Behandlung von erkenntnistheoretisch logischen, ethisch-sozialen und ästhetischen Problemen führten. Im Hinblick auf die erweiterte philosophische Fragestellung sowie durch die Betätigung der Sophisten als öffentliche, berufsmäßige, philosophische Lehrer, vor allem der Redekunst (Rhetorik), der Kunst des Streitgesprächs (Eristik), der Kunst des Beweises (Dialektik), mit dem Ziel, die philosophischen und wissenschaftlichen Kenntnisse ihrer Zeit zu verbreiten, repräsentiert die Sophistik den antiken Typ der Aufklärung. Für die Sophistik insgesamt, die als solche keine einheitliche Schule darstellt, sind charakteristisch mehr oder weniger starke skeptische und relativistische Neigungen. Sie äußern sich bei der älteren Generation der Sophisten (PROTAGORAS, GORGIAS, PRODIKOS, HIPPIAS) positiv als religionskritisch-sozialkritische (Bezweiflung des göttlichen Ursprungs der moralischen Normen und der Unwandelbarkeit der rechtlichen Satzungen) und materialistische (Annahme einer vorn Bewußtsein des Menschen unabhängigen objektiven Realität, einer fließenden Materie»: PROTAGORAS) Momente ihres Denkens. Bei der jüngeren Generation der Sophisten (bekanntester Vertreter: KRITIAS) schlagen die skeptischen und relativistischen Neigungen in Skeptizismus und Relativismus sowie Subjektivismus um: die Sophistik entartet zu bloßer Begriffsspielerei, zur Technik der Überredungskunst auf der Grundlage von Fang- und Trugschlüssen, zu leerer Wortstreiterei. Die Zäsur zwischen älterer und jüngerer Sophistik ist identisch rnit der sozial-politischen Trennung ihrer Vertreter in einen demokratischen und einen reaktionär-aristokratischen Flügel. Der abwertende Inhalt des Begriffs «Sophistik» im heutigen Sprachgebrauch (trügerisches methodisches Verfahren, Wahrheitsverkehrung, Aufstellung von Scheinbeweisen für philosophisch, wissenschaftlich oder politisch falsche Thesen) leitet sich von der Entartung der Sophistik bei ihren jüngeren Vertretern her; ebenso die negative Beurteilung (soweit klassenmäßige Vorurteile keine Rolle spielten), die sie durch die Geschichte der Philosophie, beginnend Mit PLATON und ARISTOTELES, erfahren hat." (Georg Klaus und Manfred Buhr: Philosphisches Wörterbuch VEB Leipzig 1975; S. 1110f) | ||