Zu den Thesen zu dem Text: "Auf dem Weg in eine andere Gesellschaft."

 

 

Wolfram Pfreundschuh (8.9.2006)

 

Am Ende der b�rgerlichen Gesellschaft:
Zwischen Feudalkapitalismus und internationalem Kommunalismus

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Zweiter Teil:

Die Verh�ltnisse der Kulturen als Formen gesellschaftlicher Beziehungen audioup1

 

Das Verhalten des Wertprinzips als Kulturmacht

Erst wenn der letzte Baum gerodet,
der letzte Fluss vergiftet,
der letzte Fisch gefangen ist,
werden die Menschen feststellen,
dass man Geld nicht essen kann.

Dieser Weissagung der Cree-Indianer sind wir offensichtlich n�her gekommen. Das Kapital hat die Natur und die gesellschaftliche Entwicklung der Menschen im Lauf seiner Geschichte so weitgehend bestimmt, dass es unm�glich zu sein scheint, davon abzukommen. Trotz aller Warnungen vor den Zerst�rungen, welche Kapitalverwertung mit sich bringt und trotz ihrer wirtschaftlichen Erfolglosigkeit, besteht sie weiter fort. Wenn man Wirtschaft als Effektivierung des Arbeitsprozesses versteht und mal von der Geldwirtschaft absieht, so muss man feststellen, dass Kapitalverwertung den Menschen keinen wesentlichen wirtschaftlichen Fortschritt, also keine f�r die Menschen vorteilhafte Effektivierung des Arbeitsprozesses erbringt, sondern im Gegenteil hierzu mehr Lebensarbeitszeit und Wochenarbeitszeit, verschlechterte Sozial- und Gesundheitsleistungen erfordert, um seine Krisen zu finanzieren. Jenseits der Geldbeziehung funktionieren die gesellschaftlichen Zusammenh�nge, die es entwicklen soll, nicht mehr und gerade dies wird als Grund genommen noch mehr auf Geld und Kapital zu setzten. Das Kapital hat im Grunde abgewirtschaftet, aber es erscheint dennoch gerne als Motor jeder gr��eren Entwicklung und als Grundlage zur Schaffung menschlichen Reichtums. Und viele Menschen glauben das auch noch.

Tats�chlich aber kommt durch Kapital immer weniger zustande, was die gegenw�rtigen Probleme der Weltwirtschaft, und die erscheinen vor allem in der Armut der Menschen, etwas auch nur im Geringsten verbessern k�nnte. Nicht mal f�r das Kapital selbst entsteht ein Forstschritt. Das Zusammentragen von Geld macht den Geldzusammenhang zwar m�chtig, aber es erbringt immer weniger Mehrproduktion, die sich gesellschaftlich umsetzen l�sst und realisiert daher auch immer weniger Mehrwert, gemessen am gesamten Kapitaleinsatz zur Produktion von G�tern. Die Produktionsmittel produzieren eine Menge an Produkten, welche ihre Werte nicht mehr kapitalisieren k�nnen und zu einem betr�chtlichen Teil vernichtet werden m�ssen. Die verausgabte Arbeitskraft bleibt dennoch abh�ngig von einem Kapital, das sie nicht mal entsprechend ern�hren kann, das ihre Grundkosten nicht mehr tragen kann und sich mit der Ausbeutung von Arbeit aus fremden Kulturen Grundlagen verschafft, durch welche die Arbeit hierzulande ern�hrt und damit zugleich entkultiviert wird, sie abh�ngig macht von den Wertverh�ltnissen in fremden Kulturen. Nur hierdurch l�sst sich noch Mehrwert sch�pfen. Aber wo die Arbeitskraft sich nicht mal mehr selbst durch ihre Arbeit vollst�ndig reproduzieren kann, sondern selbst durch Wertimporte ern�hrt wird, profitiert sie auch selbst am Mehrwert des internationalen Wertverh�ltnis, ist nicht nur vom Kapital abh�ngig, sondern auch von seinem Wert, der nicht der ihre, wohl aber ihre Lebensbedingung ist. Sie ist einerseits reich an Wert, aber arm an Wirklichkeit, f�r sich entwertet, in der Welt aber m�chtig. Sie ist im Reichtum an Wert, welcher weltweit ausgepresst wird, zugleich arm an Lebensverm�gen, kulturell verarmt.

Dies ist eine Reaktion auf die Entwicklung von Technologie, die zunehmend nur noch im Verh�ltnis zu den armen L�ndern zur Mehrwertproduktion taugt, weil Kapital sich durch die Abh�ngigkeit von Monokulturen der Verarmung gegen arme L�nder m�chtig gemacht hat. Es werden damit auch die Krisen des Kapitals nicht mehr in der eigenen Gesellschaft deutlich, Inflation der eigenen W�hrung kommt nur schleichend auf. Stattdessen wird die Ausbeutung der Besitzlosen immer mehr durch die Anwendung von Kulturm�chtigkeit betrieben, und die Krisen des Kapitals nurmehr von zynischer Politik und durch Auspressung derer, die am wenigsten daf�r k�nnen, �berwunden.

Immer weniger tr�gt das Kapital zur Reproduktion und Entfaltung des Lebens bei, immer mehr betreibt es dessen Entleibung, das Ausbluten von Mensch und Natur. Die Ereignisse selbst, die zutage treten, sind absurd und zerst�rerisch, ihre wirklichen Gr�nde nicht ohne weiteres erkennbar. Das macht, warum der Zerst�rung nicht begegnet wird, warum viele Menschen eher hoffnungslos werden und sich eine Hoffnung konstruieren, indem sie auf Macht setzen, eben auf selbige Macht, welche zerst�rerisch ist – die Hoffnung, dass sie den Menschen und der Natur irgendwann wieder irgendwie dienlich sein w�rde. Der Schein dieser Hoffnung ist immer noch st�rker, als dass das Prinzip dieser Macht zur Disposition gestellt w�rde. Politik und �konomie sind zur Rettung dieses Prinzips in wahnwitzige B�ndnisse eingetreten, die nicht mehr den Menschen nutzen, sondern nur noch einer verr�ckt gewordenen Systematik der Wertgewinnung. Zu ihrer Erhaltung werden Kriege gef�hrt und Rohstoffe vernichtet, wird Vernichtung von Werten und die Totalisierung politischer Macht n�tig, um Kapital in seiner Macht immer weiter auszubreiten und zu verabsolutieren. Es wird alles getan, um seine politische Gewalt immer totaler und unabdingbarer zu machen. W�hrend das Kapital gigantische Ausma�e annimmt und die Weltpolitik bestimmt, bekommt ein Gro�teil der Menschen f�r ihre Arbeit nurmehr einen Hungerlohn.

Diese Entwicklung hat das B�rgertum und seine Geschichte l�ngst aufgehoben. Nach b�rgerlichen Ma�st�ben l�sst sich die Welt nicht mehr begreifen oder sich die herrschende Politik rechtfertigen. Mit Massenvernichtungswaffen werden Kriege ausgel�st gegen Massenvernichtungswaffen, die zudem beim vermeintlichen Kriegsgegner nicht mal mehr entdeckt werden k�nnen. Die wichtigsten Ressourcen der Natur - der Regenwald und die Gene der vieler Nahrungsmittel - werden dem Raubbau und der Verf�lschung preisgegeben, die Lunge der Erde in den Pal�sten der Reichen als Schmuck verbaut. Die Installation von Geheimgef�ngnissen der USA in Europa und Konzentrationslagern wie Guantanamo hat de facto jedes B�rger- und auch Kriegsrecht in Frage gestellt. Die US-W�hrung ist zur H�lfte ungedeckt und betr�gt alle, die mit ihr handeln, um die H�lfte ihres Werts. Viele Nationalstaaten sind inzwischen irreversibel verschuldet, also eigentlich bankrott, teils weil sie weniger Steuer- und Sozialgeldeinnahmen haben, teils weil ihre Devisen st�rzen und teils weil ihre Kapitalbeteiligungen, ihre Wertpapiere und Aktien entwertet wurden.

Derweil hat die Ausbeutung von Menschen eine Wendung genommen und ihre „unsichtbare Hand“ verloren. Wenn es in den 80ger Jahren, in der Zeit der „Expansion der Weltm�rkte“ – sprich Intensivierung der Ausbeutung der 3. Welt – noch so erscheinen konnte, als ob das Kapital inzwischen keine tiefen Krisen mehr entwickeln k�nnte, so erf�hrt es diese jetzt allseitig und total. Es kann sie nur noch abwenden, indem es weltweit die Menschen direkt zur Arbeit einzieht und ihre Arbeitsf�higkeit ausnutzt, die in der Androhung von Hungertod vegetieren und sich zu jedem Preis verkaufen m�ssen. Da gibt es die Bauarbeiter von Dubai, die f�r 40 Dollar die Woche den �lmilliard�ren ihre Wolkenkratzer hinstellen oder die indische Bauern, die ihre Nieren f�r knappe 1.500 Euro nach Europa und die USA verkaufen, um ihr Saatgut zu erstehen oder um genetisch manipulierte Samen einzukaufen, die sich nicht mehr selbst fortpflanzen. Und es gibt die peruanische Bergbauern, die in den Goldminen f�r amerikanische und kanadischen Aktion�re schuften, um auf ihrem einstigen Ackerland die Lebensmittel zu erwerben, die ihnen zur Ernte auf ihrem Land durch den Goldabbau entzogen wurden, w�hrend der Goldabbau um 1.600 % angewachsen ist. Dies alles geschieht zu den Wertbedingungen der Reichen und den Lebensgrundlagen der Armen, wie eh und je, inzwischen allerdings auf des Todes Schneide.

Und auch bei uns gibt es viele Beispiele einer absurd gewordenen , bzw. an ihr Ende gekommene Logik des Kapitals, an die Finalit�t seiner Stringenz. Auch hier fordert der Aktienmarkt seine Tribute. Aktienwerte steigen, wenn Stellen gek�ndigt werden und K�ndigung ist zum Hauptfaktor der Kaptalentwicklung geworden. Das finden inzwischen auch die klassischen Vertreter der „freien Marktwirtschaft“ wie Heiner Geisler und Norbert Bl�hm absurd. Aber auch die Deutsche Bundesbank macht flei�ig mit. Sie hat in der ersten H�lfte von 2006 allein bei ihren Telecom-Aktien �ber 4 Milliarden Euro eingeb��t und so kann auch sie nur wollen, was die Regierung bef�rchtet: K�ndigungen. Andererseits wollen sich die Einzelkapitale dadurch retten, dass Arbeit noch billiger wird, dass der Druck auf die Arbeitsleute steigt, indem z.B. Arbeitszeit verl�ngert werden soll, trotzdem immer weniger Arbeit vorhanden ist. Sie wollen, dass das Eintrittsalter in die Rente verschoben wird trotz Lehrstellen- und Arbeitsplatzmangel f�r die Jungen. Und die Bundesregierung erh�ht die Mehrwertsteuer, obwohl die Wirtschaftskrise sich dadurch noch mehr versch�rfen wird ... usw. usf.

Das Kapital produziert eine verr�ckte Welt, in welcher Menschen Kraft und Identit�t ihres Lebens opfern m�ssen, nur um die Subsistenzmittel f�r sich zu erhalten, um in der sozialen W�ste �berleben zu k�nnen, welche durch das Kapital erzeugt wurde und immer weitergreifend erzeugt wird. Die b�rgerliche Gesellschaft ist an ihr Ende gelangt und zu einer Gesellschaft geworden, die ihre Grundlagen nicht mehr in der Wertproduktion, sondern nurmehr und unmittelbar im Geldbesitz und dessen Vermehrung als ihren wesentlichen Zweck hat. Geld sollte zwar schon immer aus dem Einsatz von Geld mehr werden, aber doch vor allem durch die Produktion und Zirkulation von Warenwerten und ihre H�ufung in einem politischen Verh�ltnis zum Gesamtprozess der Kapitalbildung und dem Wachstum der Besch�ftigung und des Einkommens der Lohnabh�ngigen. Darin wurde Kapital immer wieder in die Warenwelt als ihre selbstst�ndige Macht zur�ckgef�hrt.

Das, was als die zentrale Idee der „freien Marktwirtschaft“ in der Zeit des Wiederaufbaus nach einem verheerenden Vernichtungskrieg verkauft wurde, hat sich nun ganz offensichtlich und allgemein sp�rbar als ihr Gegenteil verwirklicht: Kapital investiert immer weniger in Produktionsst�tten und zieht sich in das Reich des „freien Geldes“ zur�ck. Dieses besteht als Aktienkapital und vergr��ert sich als Aktienwert vor allem dadurch, dass Menschen ihre Arbeit verlieren, immer abh�ngiger von seinen Entscheidungen werden und der Realwert der L�hne stetig sinkt. Ein Kapital, das jenseits aller Zirkulations- und Produktionsprozesse, also nur auf sich selbst bezogen ist, ist ein Selbstzweck, der nur noch auf politischer Gewalt beruht, auf der Macht von wenigen gegen viele, als Kapital, das nurmehr von einer politischen und kulturellen Elite, von einer Elite der Macht getragen und in einer Gesellschaft von Abh�ngigen durchgesetzt wird. Diese Elite hat es sich inzwischen zur Aufgabe gemacht, eine Krankheit zu bewirtschaften, welche das Eigentum der Nationen und ihrer B�rger aussaugt, weil sie einen Staat zu vertreten haben, der seiner wichtigsten Steuereinnahmen entledigt ist und Schulden und Zinsen und Sozialgelder zu zahlen hat, die keiner nationalen Produktivit�t mehr entspricht.

Eine solche Gesellschaft funktioniert nicht mehr. Sie hungert substanziell aus und ist - wie ein Suchtkranker ohne Therapie - der Selbstvernichtung ausgesetzt. Und so wie er, kann sie auch nur Sucht vermitteln. Ihre Krisen sind innerhalb der Warenwirtschaft nicht mehr umkehrbar und erfahren im Massenkonsum lediglich ihre Linderung. Was das Kapital dem Leben entnimmt, kommt nicht mehr auf das Leben zur�ck. Das l�sst sich nicht mit Geld ausgleichen, es ist Lebensentzug und Lebenszerst�rung. Schon gar nicht kann man es durch Geld �ndern, weder durch Geld aufhalten noch durch eine bessere Geldverteilung den Menschen zur�ckgeben. Den Wert des Geldes bestimmt das Kapital durch die Bewertung der menschlichen Arbeit im Ma�stab seiner Wertmacht, die absolut geworden ist. Kapital war schon immer tote Arbeit, die zur Nutzung der lebenden Arbeit die b�rgerlichen Lebensverh�ltnisse bestimmt hatte. Absolutes Kapital aber ist tote Arbeit ohne Wiederkehr, politische Macht �ber alles Leben, Geld als Lebensbedingung f�r sich und gegen alles andere.

Es lebt nicht davon, dass es einfach nur unbezahlte Arbeit wertm��ig kassiert, sondern davon, dass darin Kraft und Stoff entnommen und als Mittel einer gesellschaftlichen Macht festgehalten ist, die allein als strukturelle Gewalt �ber den Besitz von Lebensbedingungen besteht, als eine politische Macht, die als Rechtsanspruch des Kapitals auf alle Lebensbedingungen gegen die Menschen gewendet wird. Durch diese Erpressung ist das Kapital unabh�ngig und also absolut geworden. Darin wird seine Macht schrankenlos, jeder Arbeitskampf zum Eigentor und die Ohnmacht zur Selbstverst�ndlichkeit. Es geht nicht mehr um die sachliche Entwicklung eines menschlichen Reichtums in der Wertform des Geldes, sondern vor allem darum, dass die Geschichte und Entwicklung der Menschen unmittelbar durch die Geldverh�ltnisse bestimmt wird. Dieses Kapital funktioniert selbst nur als Geldmacht, die Geld in Funktion h�lt, ohne R�cksicht auf seine Produktion, die Herstellung von Wertdingen. Die Menschen sind in dessen doppelter Bestimmung - soweit sie Geld besitzen oder von den Auswirkungen des Geldbesitzes leben – sowohl Anteilseigner fremder Werte ohne eigene Wertproduktion, als auch vollst�ndig abh�ngig vom Geldverkehr ihrer Nation, Subjekt und Objekt ent�u�erter Werte.

Geld funktioniert nicht mehr so sehr als Zahlungsmittel, sondern immer mehr als blo�es Quantum, das gierig auf sich selbst ist, als Trieb einer ungeheuerlichen Entfremdungsmacht, als Prinzip der Einverleibung von allem, was lebt, um als Macht einer toten Gesellschaft die Menschen zu unterwerfen, sie zu formieren und ihre Abh�ngigkeit von ihm zu zementieren. W�hrend der Konsum angefacht wird, werden ihre L�hne relativ weniger. Und das erzeugt ein doppelb�diges Verlangen: Das Verlangen nach Geld, die Unterwerfung unter den Zwang, es haben zu m�ssen ohne es verdienen zu k�nnen, und zugleich die Macht, alles haben zu k�nnen, was das herrschende Leben bietet, so man sich ihm entsprechend dienlich erweist, sch�n und gut sich zeigt.

Zugleich wird das gesellschaftliche Faustpfand Geld k�nstlich aufgewertet. Es ist hierzulande nicht nur Zahlungsmittel, um den Wert der Lebensmittel darzustellen. Es stellt inzwischen auch Kulturmacht dar, welche Lebenswerte bemisst, Lifestyle und Anpassung an eine Hochkultur des Geldbesitzes. Was es dem Leben an Verm�gen entzieht und durch Massenkonsum und Massenkultur entleert, ersetzt es durch Selbstdarstellung. Das Design steht vor der Sache wie der H�ter ihrer Kulturwertigkeit, wie der T�rvorsteher einer Qualit�t, die sie weniger als Sache, denn als Symbolik des Zeitgeistes hat, der hierdurch Kult wird. Er ist das Teuerste, weil Wertvollste an ihr, ihr Markenzeichen, Zeichen und Anschein einer besonderen Umf�nglichkeit an Wertigkeit, einer besonderen Quantit�t, die �ber das Allgemeinmenschliche hinausgreift, der Einf�ltigkeit der Masse besondere Kulturwertigkeit als besondere Weise des Genusses, als �sthetik f�r sich bietet. Die Kulturwertigkeit soll der Sache die Besonderheit eines Genusses vermitteln, die sie als sachliches Kulturgut, als Gegenstand menschlicher Bed�rfnisse verloren hat. Die allgemeinen Wirkungen von Sach�sthetik macht das Besondere zugleich allgemein, macht ihre geldwertige �sthetik zum besseren Wert eines besonderen Bed�rfnisses, was keine Befriedigung n�tig hat, zu einem Ersatzwert der Wertverh�ltnisse eines Kapitals, das jede Kultur aufl�st, aber sich selbst als Kultur des allgemeinen Zeitgeistes im Besonderen anpreist, sich als Kapital f�r jeden geriert, der so schmecken will wie Kapital und worin es sich auch als Kulturwert verwertet.

Als dieser dringt es �berall vor, wo nichts mehr von Menschen bestimmt ist oder bestimmt werden kann, wo die Menschen ihre Ohnmacht versp�ren, sich aber nicht ohnm�chtig f�hlen, wo sie Vernichtung empfinden, aber dem Nichts entkommen wollen. Da dr�ngen sich die Kulturwerte in die zwischenmenschlichen Beziehungen der Menschen vor, die sich selbst hierdurch Wert verschaffen, zumindest Selbstwert, der zu ihrem allgemeinen Problem erstarrt ist. Das Kulturwerte heischende Kapital macht die abstrakte Welt der Wertgesellschaft bunt, ohne ihr wirklich Farbe zu verleihen. Das Kapital treibt es auf diese Weise einfach bunt in der Einf�ltigkeit seiner eigenen Wertgestalt. Es verwirtschaftet nicht nur diese Gesellschaft, sondern bestimmt sich auch noch dem Inhalt nach als ihren Dreh- und Angelpunkt, als Subjekt ihres Gemeinwesens, um als ihr Kultursubjekt zu erscheinen.

Der allgemeine Lebensstandard richtet sich nach der Massenproduktion, d.h. dass die L�hne hiernach ermittelt und ausgefochten werden. Von daher m�ssen sich die Bed�rfnisse umgekehrt auch nach den Gegebenheiten der L�hne richten, wie sie aus der Gesamtmasse des variablen Kapitals, also aus dem der eigenen Kultur und den Wertimporten aus fremder Kultur sich ergeben. Zwar ist der Lohn hierdurch relativ hoch im Verh�ltnis des inl�ndischen Kapitals, so aber auch die Sozialkosten. Sie sind der teuerste Produktionsfaktor des Kapitals, der sich in der globalen Konkurrenz zunehmend als Hindernis herausstellt. Soll das Kapital eines Landes seinen Lebensstandard in Hinsicht der Sachmittel halten, so m�ssen die Sozialkosten und damit auch die Sozialleistungen gedrosselt werden. Derselbe Staat, der die Reproduktionsbedingungen zur Produktion bereitzustellen hat, muss sich gegen seine Selbstbegr�ndung als Sozialstaat wenden. Er ist ja auch direkt abh�ngig vom Kapital, von dessen Steuern, dess Aktien, dessen Wertpapieren und den Staatsanleihen, die in seinem Besitz sind. Das Kapital stellt sich daher jetzt auch unmittelbar als Staatsinteresse und also auch als Staatsgewalt direkt dar.

Das Kapital steht nicht mehr als Besitzer der Lebens- und Produktionsmittel einer arbeitenden Klasse von Menschen gegen�ber, die sich am Ort seiner Produktion zusammen tun m�ssen, um ihr Leben zu verdingen, sondern dem Leben der ganzen Menschheit als �berm�chtiges Kultursubjekt, indem es ihr Gemeinwesen bestimmt und das, was darin am Leben erhalten und was zum �berleben verlangt wird. Dieses Gemeinwesen selbst besteht weiterhin in der Form des b�rgerlichen Staates, der lediglich um den Fortbestand der b�rgerlichen Lebensverh�ltnisse besorgt ist und im Kapital seine eigene Basis hat, sowohl als Gl�ubiger wie auch als Auftraggeber. Von da her steht er den Verwertungsinteressen des Kapitals immer und vollst�ndig zur Verf�gung, auch wenn es sich hierf�r gegen die Menschen wenden muss, die ihm ausgeliefert sind. F�r ihn sind deren Probleme immer verg�nglich, das Kapital immer unendlich wichtig zu seinem Selbsterhalt.

Indem der Staat selbst im Kapital den Tr�ger seiner Kultur, und sich als b�rgerlichen Nationalstaat versteht, ist er zum Kulturstaat des internationalen Kapitals geworden, zur nationalpolitischen Formation eines Kultursubjekts, das zunehmend internationalen Kapitalinteressen folgen und die nationale Kultur dem anpassen muss. Schauen wir uns dieses zwiesp�ltige Kultursubjekt daher erst einmal genauer an, vor allem das, was das Kapital als solches unmittelbar betreibt. Ihm obliegt eben vor allem die Erhaltung der stofflichen allgemeinen Basis dieser Kultur und wie er sich hierbei auf das Leben der Menschen bezieht, so bezieht er sich als wichtigster Agent des Kapitals auf das menschliche Leben �berhaupt. Er muss sich also auch darum k�mmern, wie er hieraus Kraft und Arbeit f�r das Kapital sch�pfen kann, um die Wertsch�pfung weiterhin zu garantieren. Was die Menschen in ihrem Leben bilden, wird zu einem betr�chtlichen Wertanteil sowohl in Geldform als auch in der Arbeitsstruktur und ihrer finanziellen Abh�ngigkeit, der absoluten Isolation der Arbeit zur „Ich-AG“ vom Staat genommen und im Zweck der Kapitalwirtschaft und ihrer Reproduktion verwendet. Von daher findet �ber Geld nicht nur Sozialversorgung, sondern zum gro�en Teil auch die Politik des Kapitals als Lebensentzug statt, als Organisation von Lebensstrukturen, die f�r die Kapitalverwertung und ihre Optimierung ausgerichtet werden, wie sie von der Bundesbank, dem Kreditwesen, der Energieversorgung, dem Wohnungsbau und dem Kommunikations- und Verkehrswesen und den Kultureinrichtungen und Bildungsinstitutionen betrieben werden. All dies ist dem gebeugt, wie die Existenz der Menschen f�r ein funktionales Kapitalverh�ltnis sein muss. Schauen wir deshalb auch auf die Art und Weise, wie sich solche Lebensstrukturen durch staatspolitische und kapitalpolitische Eingriffe gesellschaftspolitisch umgesetzt werden und wie hier�ber das Kapital den Menschen Leben entziehen kann. Dabei geht es weniger um die Sozialform der politischen Institution des Staats, sondern um deren Gegenstand, um die Funktionalit�t der menschlichen Bed�rfnisse f�r eine Produktform, die den Notwendigkeiten des globalen Kapitals entspricht. Es geht um die allgemeine Zurichtung der Bed�rfnise und der Arbeit, die einer Kultur der Selbstverwertung entsprechen m�ssen, d.h. den Sinn f�r ihren Gegenstand verlieren m�ssen. Es geht der globalisierten Nation um die Zurichtung von Menschen, die weder in ihrer Arbeit noch in ihrem Verlangen Sinn finden k�nnen, die also nichts mehr f�r sich empfinden d�rfen, die ihr Leben dem Kapital weihen und in der Lage sind, ihrer Erlebensgier ihr Leben zu opfern.

 

Bed�rfnislosigkeit als Prinzip der Selbstausbeutung flexibler Pers�nlichkeiten

Der Lebensentzug findet nicht nur au�erhalb der Menschen, sondern auch in ihnen selbst statt. Und das ist das eigentliche Problem der Menschen in unseren Breitengraden. Hier herrscht kein substanzieller Mangel. Angebote von G�tern aller Art gibt’s im �berfluss, weil hier das Kapital vor allem das Problem hat, seine Wert-Produktion in Gang zu halten und deren Krisen zu �berwinden und von daher immer mehr produzieren muss, um seinen Wert �berhaupt zu erhalten und abzusichern. Es ist nicht neu, was dann als Problem auf der Ebene der Konsumtion auftritt:

"Der letzte Grund aller wirklichen Krisen bleibt immer die Armut und Konsumtionsbeschr�nkung der Massen gegen�ber dem Trieb der kapitalistischen Produktion, die Produktivkr�fte so zu entwickeln, als ob nur die absolute Konsumtionsf�higkeit der Gesellschaft ihre Grenze bilde." (Karl Marx, MEW, Bd. 25, S. 501).

Nichts w�re dem Kapital lieber, als eine allgemeine Sucht der Menschen nach unendlich vielen Produkten, die durch eine immer selbstlosere und geringer wertige Arbeit verdient werden m�ssten, also eine hohe Abh�ngigkeit enthalten. Massenkonsum ist so auch zum Hauptmerkmal des globalen Kapitalismus geworden, der sich durch den Wertimport aus armen L�ndern dahin gewendet hat, den Konsum in den reichen L�ndern anzufachen, auch wenn dieser dort keine gesellschaftliche Substanz hat, nicht unbedingt die Bed�rfnisse befriedigt, die in reichen L�ndern entstehen. Der Vielfalt ihrer Beziehungen begegnen die erschwinglichen Produkte geradezu einf�ltig, oft nur noch virtuell. Die Absatzwerbung muss daher Reize wecken und hervortreiben, die den Absatzbedarf an Massenartikel f�rdern, auch wenn sie nicht gerade geistreich sind. Aber als Masse der Au�ergew�hnlichkeiten �bert�nen sie die Einf�rmigkeit aller Produktionszw�nge, als Kultartikel gen�gt auch oft der Anschein von Befriedigung, die sie verhei�en.

Doch auch in den L�ndern, worin viel Kapital steckt, sind die Mittel f�r die Menschen knapp. Die Menschen sind in den Geldverh�ltnissen reicher L�nder zu arm, um alles zu erstehen, was abgesetzt werden m�sste, um jede Krise zu meistern. Au�erdem leben sie inmitten der Technologie, welche die Massenproduktion antreibt und welche das Kapital immer mehr zur Kapitalentwertung zwingt, in eine best�ndige Rationalisierungsnot st�rzt. Was den Menschen hier bleibt, ist blo�e Masse sowohl als Arbeit, als auch als Gegenst�nde des Konsums. Sie schuften sich fast zu Tode f�r etwas, das sie nur daf�r brauchen, um nicht zu empfinden, was ihnen fehlt. Sie k�nnen daher f�r diese Gegenst�nde keinen Sinn haben, aber es sind die Dinge, die ihnen erschwinglich bleiben. Die Masse muss also vor allem billig sein, auch wenn das knapp oder vollst�ndig an der sinnlichen Substanz des wirklichen Bedarfs vorbei geht. Die Bed�rfnisse der Menschen sind in dieser Bestimmung ziemlich gleichg�ltig, solange eben nichts anderes geboten wird. Hie und da wird dies durch alternative M�rkte durchbrochen (vergl. z.B. die �kom�rkte), die aber zugleich durch Verteuerung und Geldentwertung auch wieder f�r einen gro�en Teil der Menschen unerschwinglich werden.

Der Prozess der Entwicklung von Bed�rfnissen, der auf einem bestimmten Stand der Produktivit�t beruht, der Kulturprozess selbst ger�t ins Stocken. Wo die Masse herrscht, kann Neues nicht entstehen, gibt es keine Geschichte. Es geht um die Quantifizierung bestehender Bed�rfnisse, und damit um ihre Formierung, um die Formbestimmung von Bed�rfnissen, die in die bestehende Massenproduktion eingebahnt werden m�ssen.

Bed�rfnisse entstehen qualitativ aus dem Verh�ltnis zu ihren Gegenst�nden. Darin vollzieht sich die Notwendigkeit ihrer Natur im Verlangen nach einer Sache, wie sie f�r den Menschen sein soll. Das unterstellt die Selbstbestimmtheit eines stofflichen und kulturellen Zusammenhangs, worin Gegenst�nde entstehen, welche zu menschlichen Bed�rfnissen in irgendeiner Beziehung stehen. Aber wo sie durch Masse bestimmt sind, der Ausbreitung Desselben in Vielem folgen m�ssen, substantiviert sich nur ihr Quantum. Selbst wo die sogenannten Neuigkeiten auf den Markt kommen, ist leicht zu vermerken, dass sie qualitativ nichts Neues f�r menschliche Subjektivit�t erbringen. Wenn es nur um Geschwindigkeit, Buntheit und Ausdehnung geht, wird das Erleben zwar eindrucksvoller, nicht aber die Befriedigung der Menschen bereichert, die neues Tun erwecken, Geschichte bilden. Objektiv erm�glichen z.B. verbesserte Kommunikationsnetze und Verkehrsnetze usw. schnellere, universellere, flexiblere Beziehungen - die zugleich meist auch fl�chtiger und oberfl�chlicher sind - aber wo sie einer qualitativen Ver�nderung des Lebens zu einem wirklich besseren, einen bereicherten Lebensstandard in Richtung Autonomie kleinerer M�rkte dienlich w�ren, z.B. als Ver�nderung der Energieversorgung in Blockkraftwerken u.a., da versagt ihre Konkurrenz- und Durchsetzungsf�higkeit.

Es scheint daher, als ob hier die Bed�rfnisse der Menschen �berhaupt nicht mehr entwickelt oder artikuliert werden m�ssen, keine Geschichte mehr haben, weil sie von vornherein dem Quantifizierungsbed�rfnis des Kapitals entsprechen, dass sie selbst nur gierig geworden sind auf mehr, schneller, weiter und gr��er von dem, was schon da ist. Solche Bed�rfnisse sind in der Tat Bestandteil einer tatenlosen Massenkultur, Formbestimmtheit eines Verlangens, das seine Notwendigkeit nicht erkennt, keinem Sinn folgt. Sie werden schon durch das Angebot befriedigt, durch den Reiz einer Sache, die schon verzehrt ist, bevor aus den Lebensverh�ltnissen der Menschen �berhaupt ein Verlangen nach ihr richtig aufkommen kann. An den Mitteln zur Befriedigung mangelt es nicht, das ist hier kein gesellschaftliches Problem mehr. Es mangelt allgemein an wirklichen Lebensmitteln, an Mitteln, die zum Leben n�tig sind, an erschwinglichen Wohnungen, guter Ern�hrung und nat�rlichen Lebensumst�nden, an Lebendigkeit, an Tiefe und Sinn im Leben der Menschen, f�r das sie auch t�tig sein wollen. Stattdessen steht Masse im Angebot, unendlich viele und oft sinnlose Dinge, Gegenst�nde, die kein Verlangen befriedigen sondern nur ein Verlangen erwecken, das sich auf einen Reiz reduziert, der Erlebnisse verhei�t, wo kein Leben mehr ist, der durch Erleben die Selbstwahrnehmung befriedigt, die sich in Selbsterregungen lebendig oder zumindest zu Hause f�hlt. Das Verlangen bezieht sich dann auf Anreize, welche es ausl�sen, um es in Erlebnisse aufzul�sen, in welchen Aufregungen verpuffen. Bed�rfnisse verfl�chtigen ihre Regungen zur Form von Erregung, die ihre Beziehungen aufgehoben haben und best�ndig erneut aufheben, in der Fl�chtigkeit eines Befriedigungsstrebens, das in Erlebnissen aufgel�st wird, welche Erregungen tilgen. In diesem Streben werden alle Gegebenheiten einverleibt, ohne dass sich ein Mensch wirklich auf sie bezieht. Das Erleben von Befriedigung hat nurmehr Reize zum Anlass und sich wirklichem Verlangen enthoben. Durch das expandierende Selbsterleben werden wirkliche Bed�rfnisse zerst�rt.

Aber diese machen das menschliche Leben aus. Das Bed�rfnis ist das notwendige Verlangen des Lebens nach seinem Gegenstand, nach seiner Vergegenst�ndlichung in seiner Naturstofflichkeit, Grundlage aller menschlichen Geschichte und menschlichen Identit�t. Das, was die Entfaltung in eigener Lebenswirklichkeit, die Freiheit des Menschen zu eigener Lebensgestaltung ausmacht, bestimmt sich aus den Bed�rfnisen, die Menschen aus ihrer Beziehung zueinander entwickeln. In den menschlichen Bed�rfnissen steckt die Substanz des menschlichen Lebens, ist die Subjektivit�t der Freiheit, welche Einsicht in ihre Not, in die Notwendigkeit und Bedingung ihres gegenst�ndlichen Verlangens hat.

Menschliche Identit�t verwirklicht sich in der Aneignung menschlicher Erzeugnisse durch das erzeugende Subjekt, also durch die Befriedigung menschlicher Bed�rfnisse. Diese kann daher nicht passiv sein, wie sie in hedonistischen oder psychologischen Theorien aufgefasst wird. Es findet darin die Verwirklichung der Erkenntnisse statt, welche in die Herstellung des befriedigenden Gegenstandes eingegangen sind. Die Befriedigung selbst ist ein Akt der Erkenntnis, worin ihre Wahrheit oder T�uschung wirklich wird. Bed�rfnisse entspringen nicht einer gesellschaftslosen Natur und haben keine Kultur n�tig, die sie gesellschaftlich zu bestimmen h�tte, enthalten auch nicht ungez�gelte Natur und geistige Vernunft als Widerpart. Sie sind nicht nat�rlich oder geistig, sondern beides, Stoff und Geist in einem als Moment einer nat�rlichen Kultur der Menschen. Die Trennung von Erkenntnis und Bed�rfnis, wie sie besonders durch die Aufkl�rung, faktisch aber auch bei deren Kritikern (z.B. Adorno in seinem Fetischismusbegriff) betrieben wird, ist ein Unding, durch welches jede Wahrheit ins Jenseits der Welt verlegt wird, in eine Erkenntnis, die sich ohne Bed�rfnis gibt, wiewohl ihr immer ein Interesse an Wahrheit unterstellt wird. Aber diese Wahrheit kann letztlich nur gegenst�ndlich und ohne Befriedigung des Menschen nicht sein. Das bedeutet nat�rlich nicht, dass alle Bed�rfnisse wahr sind oder Ma�stab von Wahrheit w�ren. Ihre Wahrheit besteht in ihrer Gegenst�ndlichkeit, worin auch der Schmerz der Entzweiung enthalten ist, die Abgetrenntheit und Ausschlie�lichkeit ihrer Gier gelitten wird. In diesem Leiden selbst ist das Bed�rfnis eins mit seinem Gegenstand, Subjektivit�t und Objektivit�t verschmolzen.

In den Bed�rfnissen der Menschen geht es nicht einfach um Befriedigung im Sinne von Zufriedenheit. Sie entwickeln und entwerfen darin den Gegenstand ihrer Befriedigung aus der Entfaltung, die sie er�ffnet, das Verlangen nach Entwicklung und Gestaltung des Lebens. Bed�rfnisse machen den Fortschritt und Sinn einer jeden Geschichte aus, das Gl�ck des „In-der-Welt-seins“. Wo es keine wirklichen Bed�rfnisse mehr gibt, da ist die Freiheit der Menschen und also ihre Geschichte aufgel�st. Ohne die Freiheit, zu bestimmen, was ihnen n�tig ist, ohne ihr Verlangen nach einer Lebensgestaltung, welche sich in den Notwendigkeiten des Lebens gebildet hat, l�schen sie ihre Subjektivit�t, ihr Dasein als lebendige Subjekte aus.

Bed�rfnisse, die gebeugt werden, beugen den Menschen, seine Natur. Gebeugte Menschen sind flexibel, aber zugleich ohnm�chtig, einerseits aus existenzieller Not, aber andererseits auch widerstandslos gegen ihre Bedingungen. Ihre Beugung kann daher nicht nur erzwungen sein; sie dient zugleich dem Vorteil , den sie erbringt: Der Gewinn der Selbst�berwindung durch die Befriedigungspotenziale des Geldes. Hierdurch erscheint die Ohnmacht aufgehoben, �berwunden durch ein leeres Potenzial zur Erlangung von irgendwelcher Befriedigung allein durch die Macht, welches Geld in der eigenen Tasche darstellt. Dieses kursiert in Dienstleistungsgesellschaft daher wie ein Lebensmittel f�r das Leben flexibler Personen. Diese f�llen weitgehend den Teil unserer Kultur aus, wo Geld noch wirklich herrscht.

Der Sozialpsychologe Heiner Keupp referiert diesen Kontext in "Niemand kann seinem Schicksal entgehen .." (Alibri-Verlag 2004, S.32 f): "In seinem viel beachteten Buch Der flexible Mensch liefert Richard Sentlett (1998) eine wenig positiv gestimmte Analyse der gegenw�rtigen Ver�nderungen in der Arbeitswelt (Sennett, Richard: Der flexible Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus) Der "Neue Kapitalismus" �berschreitet alle Grenzen, demontiert institutionelle Strukturen, in denen sich f�r die Besch�ftigten Berechenbarkeit, Arbeitsplatzsicherheit und Berufserfahrung sedimentieren konnten. An ihre Stelle ist die Erfahrung einer "Drift" getreten: Von einer "langfristigen Ordnung" zu einem "neuen Regime kurzfristiger Zeit" (S. 26). Und die Frage stellt sich in diesem Zusammenhang, wie dann �berhaupt noch Identifikationen, Loyalit�ten und Verpflichtungen auf bestimmte Ziele entstehen sollen. Die fortschreitende Deregulierung: Anstelle fester institutioneller Muster treten netzwerkartige Strukturen. Der flexible Kapitalismus baut Strukturen ab, die auf Langfristigkeit und Dauer angelegt sind. "Netzwerkartige Strukturen sind weniger schwerf�llig." An Bedeutung gewinnt die "St�rke schwacher Bindungen", womit zum einen gemeint ist, "dass fl�chtige Formen von Gemeinsamkeit den Menschen n�tzlicher seien als langfristige Verbindungen, und zum anderen, dass starke soziale Bindungen wie Loyalit�t ihre Bedeutung verloren h�tten" (S. 28). Die permanent geforderte Flexibilit�t entzieht "festen Charaktereigenschaften" den Boden und erfordert von den Subjekten die Bereitschaft zum "Vermeiden langfristiger Bindungen" und zur "Hinnahme von Fragmentierung". Diesem Prozess geht nach Sennett immer mehr ein begreifbarer Zusammenhang verloren. Die Subjekte erfahren das als Deutungsverlust: jm flexiblen Regime ist das, was zu tun ist, unlesbar geworden" (S. 81). So, entsteht der Menschentyp des flexiblen Menschen: ein "nachgiebiges Ich, eine Collage von Fragmenten, die sich st�ndig wandelt, sich immer neuen Erfahrungen �ffnet - das sind die psychologischen Bedingungen, die der kurzfristigen, ungesicherten Arbeitserfahrung, flexiblen Institutionen.“

Die Fragmentierung der Individualgeschichte zeigt den permanenten Verlust von Bindungen auf mit bedeutet zugleich eine Zunahme der Fl�chtigkeit von Beziehungen, unrealisierbare Bed�rfnisse, welche sich als universelles Verlangen nach Beziehung jedweder Art umsetzt. Die Menschen geben ihre Bindungen nicht wirklich freiwillig auf und sie verlieren ihre Bed�rfnisse nicht, weil sie falsch denken w�rden oder von sich aus falsche Erkenntnisinteressen h�tten, wie das in diversen politischen Haltungen reflektiert ist. Es ist umgekehrt: Sie werden bed�rfnislos, wo ihnen ihr gegenst�ndliches Leben keinerlei Gewissheit vermittelt bis auf die eine, dass sie es �berleben m�ssen, dass ihre Lebensmittel lediglich ihre Existenz in ihrer existenziellen Isolation erm�glichen und damit ihr wirkliches Verlangen, ihren wirklichen Hunger, ihren Hunger nach gesellschaftlicher Wirklichkeit ihres Lebens, nicht befriedigen k�nnen. Bed�rfnislosigkeit entsteht nicht durch falsche Vorstellungen oder Ideologie. Sie entsteht, wo Bed�rfnisse ihren Sinn wirklich verlieren, entkernt werden, wo es unendlich bestimmte Befriedigung gibt, die ihre Regungen aufhebt, ohne Sinn zu vermitteln. Es sind abstrakte Befriedigungsm�glichkeiten, die den Anschein von Befriedigung durch Gegenst�nde erzeugen, welche den Bed�rfnissen der Menschen im Grunde gleichg�ltig sind, ihnen gleich gelten, aber als allgemeine M�glichkeit zu jedweder Befriedigung erscheinen, Erregungen beruhigen ohne zufrieden zu machen, ohne zum Frieden zu kommen. Da geht es dann nur noch um eine Welt der M�glichkeiten abstrakter Mittel und abstrakter Vermittlung ohne die Gewissheit eines wirklichen Friedens mit sich und der Welt. Da geht es nicht um das Gl�ck des Menschseins unter wirklichen Menschen, sondern um dessen Aufl�sung in seine absolute Vereinzelung, reduziert auf die schlichte Nutzbarkeit k�rperlichen Daseins, blo�e Gier nach Sachen und Menschen, f�r die kein Sinn mehr ist, durch deren Gegenw�rtigkeit und Anwesenheit aber immerhin der Mensch selbst und f�r sich nicht erleben muss, was er in der Aufl�sung seines gesellschaftlichen Wesens erfahren w�rde: Den Selbstverlust des eigenen Lebens. Es geht in dieser Gier daher vor allem um das Geldverdienen als einziges Mittel, in dieser Welt, im bed�rfnislosen Befriedigungsstreben aufzugehen und alles zu vernutzen, was hierf�r taugt, und sei es die eigene Menschlichkeit.

Dieses Streben besteht im Grunde nur aus dem Versuch, die eigenen Notwendigkeiten als Objekt von Geldverh�ltnissen zu �berstehen, um durch sie belebt zu werden, um den eigenen Sinnverlust durch eine Herrschaft �ber die Befriedigungsmittel zu kompensieren, um sich darin also als Subjekt dieser Verh�ltnisse zu erscheinen, sich im Erleben von Befriedigung zu gewinnen – sich selbst zu erleben. Dies macht auch den Zweck und Antrieb einer Individuation aus, die sich freiwillig erscheint, wiewohl sie Reaktion auf Sinnlosigkeit ist. Im Geldverh�ltnis ist jedes Individuum als Mensch doppelt bestimmt: Subjektiv als Zwischenmensch, der sich allseitig auf die Menschen bezieht, sich durch ihr Leben vermittelt und bildet und daher in seiner Selbstbezogenheit allgemein menschliche erscheinen kann. Und objektiv ist es bestimmt in dem einseitigen Zwang, Geld zu erwerben, selbst Sache des Geldbesitzes zu sein, um sich als allgemeines Individuum zu erhalten. Der Geldbesitzer ist der leibhaftige Zwischenmensch, der zwischen sachlichem und menschlichem Sein sich im Zweifel um seiner selbst willen bewegt und weder das eine noch das andere wirklich beherrschen kann, worin er sich m�chtig f�hlt. In allem muss er flexibel, also gebeugt sein, weil er selbst nichts sein kann, weil seiner Welt der M�glichkeiten eine Nichtigkeit zugrunde liegt, die Lebensangst macht, wenn und wo sie wahr wird.

F�r Geld ist man daher zu allem bereit, allem zu Diensten, weil es vorz�glich der Selbstwahrnehmung dienlich ist. Die Menschen �berbieten sich in ihren Dienstleistungen, wo sie nur k�nnen, setzen ihre Anspr�che weit unter die ihrer Kunden und sind praktisch bed�rfnislos, solange sie hierf�r Geld bekommen. Geld ist alles, Leben und Arbeit ist hiergegen nichts. Es muss einfach darin aufgehen, in den Geldbesitz hineingepackt werden, in dieses Reich unendlich vieler M�glichkeiten der Selbstbehauptung, Selbst�berh�hung und Selbstunterwerfung, in der es nur Gier und �bers�ttigung, aber keine wirklich menschlichen Bed�rfnisse mehr gibt.

Den �bersch�umenden Angeboten, die hierzulande menschliche Bed�rfnisse durch ihre Bestimmungslosigkeit anreizen, um sie in eine Befriedigungsgier zu verwandeln, um die eigene Bed�rfnislosigkeit durch Abf�llung zu �berleben, stehen auf der anderen Seite der Welt die �berlebensbed�rfnisse der Menschen in den armen L�ndern gegen�ber, die alles tun, nur um an die wichtigsten Lebensstoffe heranzukommen. Das menschliche Bed�rfnis erscheint in diesem Zusammenhang selbst weltweit zweigeteilt. Einmal als Form aufgehobener menschlicher Beziehungen, als Massenerregung, als eine Form der Selbst�berhebung �ber alles Lebendige, und einmal im Verlust seiner lebensnotwendigen Stofflichkeit, wodurch der bed�rftige Mensch zur Selbsterniedrigung kommt, zum Knecht seiner Lebensnotwendigkeit wird. Der menschliche Reichtum, welcher das Verm�gen der Menschheit darstellt, wird hierdurch insgesamt und weltweit, seiner sinnlichen Basis entleert.

In diesem ist alle Arbeit aufbewahrt, welche die Bed�rfnisse der Menschen notwendig hatten und welche die Einf�lle und Erfindungen zur Entwicklung h�herer Produktivit�t ausgemacht haben und deren durchschnittlichen Standard heute noch ausmachen. Aber in der Geldform hat dieser Reichtum keinen Sinn f�r die Menschen. Arbeit f�r Geld, Lohnarbeit also, trennt die Bed�rfnisse als Potenzial menschlicher Entwicklung, von der Arbeit, die Bedingung ihrer Realisierung ist. Die Bed�rfnisse sind in dieser Abtrennung schon vereinseitigt zum blo�en Verlangen nach Geld, - in einer Gesellschaft der Bed�rfnislosigkeit zugleich ihres gesellschaftlichen Sinns enthoben, oft nur dazu da, die unendliche Befriedigungsm�glichkeiten des Geldbesitzes zu einer Fremdidentit�t abstrakter Befriedungsmacht zu verschmelzen, zur �sthetik einer Selbstinszenierung, welche eine pers�nliche Dramaturgie dimensioniert, die Eindruck verschafft und Kultur zu bestimmen scheint. In Wahrheit haben sich die Menschen schon verloren, bevor sie sich zu inszenieren versuchen. Ihre Selbstentfremdung ist �berhaupt die Bedingung, sich durch ihre angeeignete Ausdr�cklichkeit, durch ihr Design in Szene setzen zu k�nnen. Es ist die Dramaturgie einer tiefen Lebensangst.

Eine solche Gesellschaft ist die Form einer Selbstentfremdung, die einer Spaltung von Bedarf und Sinn entspringt. Hier herrscht vor allem eine negierte Form der Bed�rfnisse: eine bodenlose Angst vor dem Verlust an Geldeinkommen, der einem Selbstverlust gleichkommt, - Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes, Angst vor Preiserh�hungen, Angst um eine Grundsicherung usw. Solche Angst begr�ndet Selbstausbeutung, um sie zu �berwinden. Und das ist auch zum gr��ten Teil die gesellschaftliche Grundlage einer Dienstleistungsgesellschaft, die Bed�rfnislosigkeit ihre kulturelle Erscheinungsform.

 

Bed�rfnisse als gesellschaftlicher Sinn menschlicher Kultur

Auf der ganzen Welt sind die menschlichen Bed�rfnisse in den Widerspruch zu ihrem Sinn geraten. In der Abtrennung von ihrer menschlichen Lebenswirklichkeit ist dies zwangsl�ufig. Sie haben nurmehr einen abstrakt realisierten Sinn f�r ihr Leben, in welchem sie nach Erleben wie auch nach Lebensmittel zum blo�en �berleben verlangen. Im Hunger bleibt die Speise ebenso abstrakt, wie es der Reiz ist, welcher die Erlebnisgier anfacht. Beides ist nurmehr Begierde, welche die Menschen abh�ngig macht und als Abh�ngige, also in der Knechtschaft ihrer Sinne h�lt, um politische Macht �ber sie zu haben. Was hierzulande als Armut an wirklichem Sinn f�r die Notwendigkeiten des Lebens grassiert, ist anderswo die Armut der Menschen, welche von der Zerst�rung ihres Lebens durch Ermangelung von lebenswichtigen Stoffen bedroht sind. Obwohl beides v�llig verschiedene Formen der Armut sind, stehen doch alle Menschen davor, sich von den abstrakten Beziehungen �berhaupt befreien zu m�ssen, die ihnen durch die Verwertungsinteressen des Kapitals aufgezwungen sind. Man kann deshalb sagen: Die Befreiung der Menschen vom globalen Kapitalismus muss die Entwicklung und Verwirklichung eines internationalen Bed�rfnisses nach einer menschlichen Lebenswelt sein. Es geht also weltweit um das Bed�rfnis nach einer menschlichen Kultur in den vielen Kulturen, welche die Menschen haben. Dies muss die Gewissheit, die Basis allen Bewusstseins hierzu sein.

Die Gegenst�nde der Bed�rfnisse entstehen durch Arbeit. Sie ist zun�chst erst mal der Aufwand f�r ihre Verwirklichung, der nur Sinn hat, wenn er wirtschaftlich betrieben wird, also mit geringstem Aufwand optimale Produkte erzeugt. Wie das Bed�rfnis die Arbeit erfordert, um ihren Sinn zu verwirklichen, so erzeugt die Arbeit zugleich auch den Sinn f�r Bed�rfnisse, gestaltet die Form ihrer Wirklichkeit, verlangt ein Verh�ltnis und Gef�hl zur Natur ihrer Gegenst�nde. In ihr ver�u�ern die Menschen ihre Kraft und ihren Geist, um ihren Sinn auch wirklich zu erfahren, menschliche Wirklichkeit zu erlangen. Arbeit ist die Verwirklichung des Sinns, den Bed�rfnisse haben, um in ihren Gegenst�nden deren Befriedigung wirklich zu erfahren. Sie ist daher genauso gesellschaftlich, wie es die Bed�rfnisse sind, hat denselben Sinn wie diese, ist die Verwirklichungsform ihrer Inhalte und F�higkeit nach die Voraussetzung daf�r, dass neue Bed�rfnisse entstehen k�nnen. In den Arbeitsformen zeigt sich die Form menschlicher Sinnbildung. Menschliche Kultur ist beides in einem.

Wo eine Kultur vor allem eine Kultur des Befriedigungsstrebens ist, eine andere die Kultur der Notwendigkeiten des Stoffwechsels, der Arbeit und der Ausbeutung, entzweit sich die Welt. Im kulturellen Auseinanderfallen der Arbeitsprozesse und den Bed�rfnissen der Menschen vollzieht sich ihre Selbstentfremdung als Entfremdung von ihren Bed�rfnissen und vom Sinn ihrer Arbeit selbst. Kultur kann nur entstehen, wo sie frei und zugleich notwendig ist, den wirklichen Verh�ltnissen der Menschen, den Verh�ltnissen von Arbeit und Bed�rfnissen entspringt, die sich darin zusammenfinden. Die bisherigen Gesellschaftsformen waren immer noch im Kampf um die Wirklichkeit der einen gegen die der anderen befangen, weil die Menschen noch einem Mangelverh�ltnis zu ihrer Natur unterworfen waren, weil ihre Produktionsmittel zu einer allgemein menschlichen Wirklichkeit noch nicht hingereicht hatten. Sie teilten sich in Klassen, worin die einen die anderen dazu bestimmten, ihren Reichtum als Herrschaftsmittel f�r sich und damit die Armut und Knechtschaft f�r jene zu produzieren. Im bisherigen Kapitalismus war die Industrie der gesellschaftliche Ort, worin dieser Gegensatz ausgetragen worden war. Heute ist die ganze Welt eine Fabrik und jede Zelle darin ein Raum von Armut oder Reichtum. Jedes Land, jede Gemeinde, die kommunalen Lebenswelten �berhaupt bis hin zu den Familien, ja, bis in die Selbstwahrnehmung der Individuen selbst hinein, ist inzwischen ein Ort, worin Bed�rfnisse und Arbeit vollkommen isoliert und getrennt voneinander und jenseits aller menschlichen Kultur ihr abstraktes Dasein fristen. Wird menschliche Entfremdung insgesamt als kulturelle Entfremdung, als Entfremdung der Menschen von ihrer Kultur begriffen, dann sind die Kommunen der Ort, worin dies ausgetragen wird und worin dies daher auch umkehrbar ist. Und weil kein kommunaler Lebenszusammenhang ohne den einer anderen Kommune mehr funktioniert, kann diese Umkehrung auch nur im Zusammenhang der Kommunen sich international wahr machen.

Die Internationalisierung der Bed�rfnisse verl�uft daher vor allem im internationalen Zusammenhang der Kulturen und ihrer gesellschaftlichen Formen. Sie sind nicht von Natur bestimmt und nicht durch Politik formiert. Sie sind wesentlich Kulturr�ume einer Kulturgeschichte der Menschen die dort geboren oder zugewandert sind, geschichtliche Lebensform ihres gesellschaftlichen Reichtums. Und sie werden von den Menschen getragen, die diese R�ume mit ihrem Leben ausf�llen, gleich, wie sie da hin geraten sind. Als Formen des menschlichen Bed�rfnisses verwirklichen sie aber vor allem das h�chste Bed�rfnis �berhaupt: Das „Verlangen des Menschen nach dem Menschen“ (Marx) zu einem Dasein von Menschen, denen „der Mensch als das h�chste Wesen f�r den Menschen“ gilt (Marx).

Kulturen sind keine heile Welt sondern Lebenswirklichkeit menschlicher Bed�rfnisse und menschlicher Arbeit in ihren Auseinandersetzungen, ihren K�mpfen und Streitigkeiten um die Verwirklichung der Bed�rfnisse. Das Bed�rfnis kann darin nicht einfach und willk�rlich sondern muss als wesentliches Moment einer Freiheit begriffen sein, das sich im Verh�ltnis zu anderen Menschen und Kulturen ergibt. Das Verlangen schlie�t Anderssein ein und nimmt es in der Beziehung hierauf als Befruchtung, nicht als Fremdes, auf. Das Wissen um die Bereicherung, welche Auseinandersetzungen erbringen k�nnen, die Wechselseitigkeit von Kritik und Lebensgestaltung, macht das Bewusstsein kultivierter Beziehungen aus und menschliches Leben konkret, unabh�ngig von seinen Abstraktionen. Die hierf�r n�tige Arbeit ist lediglich der Aufwand und Umstand solcher Bed�rfnisse, kann sie also niemals jenseits der Auseinandersetzung um die Bed�rfnisse und ihre Verwirklichung bestimmen.

Das Land geh�rt den Menschen, die es beleben. Es ist das Material einer jeden Kultur und Wirtschaft. Keine Kultur ist zufrieden ohne Land. Darin steht sie in bleibendem Unterschied zu anderer. Das macht das Material ihres Stoffwechsels und ihrer Verh�ltnisse zu anderen Kulturen und ihr Ausgleich mit ihnen aus. Wo aber Kultur Objekt des Kapitalinteresses ist (z.B. durch die Bodensch�tze eines Landes, durch Immobilien, Energieversorgung, Verkehrsmittel usw.), k�nnen sich die Menschen dem nur entziehen, indem sie ihr Land und ihre Lebensmittel sich aneignen oder selbst erzeugen, um in ihren Lebensgrundlagen frei zu sein und die Erzeugnisse, die aus eigenen Mitteln nicht m�glich sind, durch Vertragsarbeiten zu erwirtschaften. Kein Mensch soll das Recht haben, von der Not eines anderen zu leben, keine Unternehmung die Menschen erpressen k�nnen, Gut und Lebenskraft gegen etwas einzutauschen, das weder das eine noch das andere, sondern nur blanke politische Kapitalmacht ist. Der Kapitalismus kann nur in den und durch die Kommunen �berwunden werden, die ihn f�r sich �berfl�ssig machen k�nnen. Sie sind die Grundform der schon allseits vorhandenen menschlichen Gesellschaft.

Diese Form ist mittelbar und unmittelbar noch durch das Kapital bestimmt und wird zunehmend an Substanz verlieren, wenn in den Kommunen die Menschen nicht hiergegen aufstehen und ihre eigenen Zusammenh�nge gestalten und geltend machen. Solange es um Geld geht, wird einfach kassiert, wird in Rechnung gestellt, was diese Zusammenh�nge kosten, was als ihr Preis bestimmt ist und was gezahlt werden muss. Das ist ein Unding f�r Menschen, die ihre Zusammenh�nge l�ngst schon geschaffen haben, bevor ein Staat oder ein Unternehmen hierf�r Geld haben will. In ihren Geldverh�ltnisse, Steuern und Sozialabgaben und ihren Selbsterhaltungs- und Arbeitsformen vollzieht sich vor allem die Aneignungsmacht des Kapitals im einzelnen wie auch allgemein, nicht, weil das Kapital �berm�chtige �berregionale Zusammenh�nge verk�rpern w�rde, weil sich seine politische Form, der Staat am besten um das Wohl der Lebenszusammenh�nge, um Gesundheit, Alter, Bildung usw. k�mmern w�rde, sondern weil es solche Zusammenh�nge �berhaupt nur daf�r errichtet und danach bemisst, dass es Wert einbringt, worin Geld investiert wird. Auch der Staat vermittelt lediglich das zur Privatheit hin Abgetrennte, damit dessen Abh�ngigkeit und Bindung wertm��ig ausgesch�pft werden kann. Es kommt drauf an, dies durch einen kommunalen Reichtum, welcher menschliche Beziehungen verwirklicht und entwickelt, im einzelnen wie auch allgemein in den L�ndern und in der Welt �berfl�ssig zu machen, die Versorgung aus eigenem Material und Sozialverm�gen zu bew�ltigen und die eigene Natur zuerst f�r sich selbst auszusch�pfen und mit anderen auszugleichen, die sich selbst zum Ausgleich bereit finden.

 

Wie kann Geld und Kapital �berfl�ssig werden?

Nat�rlich kann eine Gesellschaft, die an der Macht des Kapitals scheitert, nicht dadurch zu einem menschlichen Leben hin ver�ndert werden, dass man Anteile an dieser Macht, dass man Geld oder Devisen oder Aktienanteile zur Bestechung seiner Selbstaufopferung nimmt oder fordert. Leben entsteht nicht durch Geldbesitz und wird auch nicht dadurch m�glich oder besser, dass das Kapital aufgefordert wird, mehr Geld abzugeben, dessen Wert es sowieso durch die Verh�ltnisse bestimmt, die es erzeugt. Zur Emanzipation von solchen Verh�ltnissen kann es im Wesentlichen nicht mehr um die Forderung nach mehr Geld, mehr Lohn, mehr Wertanteile gehen.

Solche Forderung ist schon einfach deshalb aufgezwungen, weil die Geldentwertung zur Selbsterhaltung ausgeglichen werden muss und sie geh�rt zu den Selbstverst�ndlichkeiten von Preisverhandlungen. Wer keinen angemessenen Preis f�r das findet, was er verkaufen will, wird sich innerhalb der Geldverh�ltnissen nur selbst liquidieren. In selber Weise ist das Fordern schon dadurch beschr�nkt, dass sich eine �berforderung der Geldwerte gegen die Fordernden selbst stellt, Geld entwertet und Arbeitspl�tze vernichtet. „Es ist genug Geld f�r alle da!“ – skandiert man bei Attac und formuliert damit die bescheidene Wahrheit des Geldbesitzes selbst: Es muss genug Geld da sein, durch welches die Warenzirkulation in Gang gehalten wird – und das ist auch so, denn darum k�mmert sich die Bundesbank, indem sie nicht mehr und nicht weniger Geld druckt, als hierf�r n�tig ist. Andernfals w�re Inflation oder Deflation zu bef�rchten. Wer Inflation fordert, fordert den Selbstbetrug, der, w�rde er sich verwirklichen, vor allem zur weiteren Verarmung der Armen gereicht und dem Kapital wieder die Rolle des Eretters zuwidmet, durch welche es sich in und nach Krisenzeiten gerne wieder als gesellschaftliche Kraft hervortut und aufsch�umt.

Es geht wesentlich nicht um Geldbesitz noch um Besitzt�mer �berhaupt, es geht um das Eigentum der Menschen an ihren eigenen Lebens�u�erungen, um die Aneignung ihres wirklichen Reichtums, den sie darin gebildet, aber noch nicht wirklich f�r sich haben. Es geht nicht nur um Eigentum an Sachen, sondern an dem ganzen Lebensverh�ltnis selbst, welches ihr Zusammenwirken ausmacht, um menschliche Kultur. Es geht um die Erhaltung und Entfaltung eines menschlichen Gemeinwesens, welches in der Lage ist, menschliche Kultur gegen die Abstraktionsmacht des Geldes zu stellen, sich von seiner objektiven Bestimmtheit zu unterscheiden und die herrschenden Lebensbedingungen der Menschen zu subjektivieren, sie den Menschen selbst zu �berlassen. Es kann sich dabei nur um eine Gesellschaft handeln, in welcher Besitz in wirklich menschliches Eigentum �bergeht, um eine Gesellschaft, in der letztlich auch die Aufhebung der Geldverh�ltnisse stattfinden kann, die Aufhebung von Geld, Lohn und Mehrwert – und wenn auch vielleicht erst mal nur um die Reduzierung des Geldes auf seine Funktion als Zahlungsmittel.

Doch das klingt k�hn, wo sich inzwischen hierzulande fast niemand mehr vorstellen kann, dass es ein Leben ohne Geld �berhaupt geben kann. Wie soll eine derma�en komplexe Verflechtung des Weltzusammenhangs durch das Kapital einfach zu kippen sein? Wie soll man auf Zahlungsmittel verzichten, solange daf�r die Lebensmittel eingetauscht werden m�ssen? Nein, so einfach geht es wirklich nicht, vor allem nicht mit dem „Kippen“. Wir k�nnen nicht einfach das Kapital kippen. Das Kapital macht das aber schon von selbst. Es ist selbst schon objektiv unsinnig und f�r die Menschen irreal, reine politische Gewalt, die nicht mal f�r sich selbst irgendeinen f�rderlichen Zweck zu verfolgen mag, bis auf die Selbstbereicherung einiger Individuen, die Bildung von Privatbesitz durch die Ausbeutung von besitzlosen Menschen, von Kulturen und Natur.

Das Kapital kann seine Warenwerte selbst nicht mehr realisieren, weil seine Lohnzahlungen nicht mehr zum Konsum der gigantischen Warenwelt ausreicht, welche das Kapital zu seinem Selbsterhalt absetzen m�sste. Es steht mit seinem Verwertungsprozess in einer nicht mehr enden wollenden Krise, will Arbeit ziehen, wo gar keine Arbeit mehr ist. Seine Verh�ltnisse funktionieren immer weniger �konomisch und immer mehr nur durch politische Gewalt. Der b�rgerliche Staat funktioniert nicht mehr, die parlamentarische Demokratie erweist sich als Absurdit�t eines abergl�ubischen W�hlerverhaltens, die Industrie als �berholt. Alle Ma�st�be des B�rgertums - Gleichheit, Freiheit und Br�derlichkeit - verkommen zu einer zynischen Attitude f�r verkommene Lebensverh�ltnisse. Das Kapital setzt auf einen Fortschritt der Technologie, um Geld zu machen und zerst�rt, was Geld �berhaupt ausmacht: Die Zirkulation und Anwendung der Produktions- und Reproduktionsmittel.

Die Menschen k�nnen sich hiergegen nur wenden, wenn es ihnen gelingt, die Mittel des bestehenden Reichtums f�r sich zu �bernehmen, wenn sie sich in die Lage versetzen, sich ihrer objektiven Selbstaufhebung durch das Kapital zu entziehen, sich als Subjekte ihres Lebens erweisen und in der Form zusammenfinden, welches die eigene Gesellschaft wirklich auch ausmacht - und sei dies vielleicht erstmal auch nur durch eine Subkultur, welche in der Lage ist, sich den herrschenden Lebensformen zu widersetzen und sie �berfl�ssig und disfunktional zu machen; nicht, weil sie selbst schon eine Alternative zur herrschenden Lebensform w�ren, sondern weil sich darin wirkliche Lebensinhalte gegen die herrschenden Formen zu wenden verm�gen und sich als solche Lebenswirklichkeit auch erweisen. Es geht also nicht darum, von einem bestimmten Gemeinwesen zu schw�rmen, um mit einer Fiktion von einem Gesellschaftsentwurf den Menschen Zukunft zu verhei�en, sie zur Verwirklichung von einer Vorstellung mitzurei�en und diese als neue politische Macht zu installieren. Es geht um die Form selbst, welche die bisherige Gesellschaft n�tig hat, um ihre menschliche Substanz, um die wirklichen und die impliziten Inhalte ihres menschlichen Zusammenwirkens. Es geht darum, die Form f�r den bereits vorhandenen menschlichen Reichtum zu finden und ihn seiner Abstraktionsmacht, seiner Formbestimmtheit durch den Wert zu entziehen. Hierdurch wird die Geschichte der Menschen, die sonst zur Fixation und Ausbeutung bestimmt und hierdurch inzwischen sogar teilweise schon zerst�rt wird, ihrer Bestimmtheit durch die Gier �bermenschlicher Zw�nge entrissen, sprichw�rtlich emanzipiert (e manus cipare: der Hand entrei�en).

Die Bindung der Menschen an die gesellschaftliche Macht des Kapitals ist nur scheinbar. Seine stofflichen Produkte gibt es auch ohne dies und die Menschen nutzen sie, kommunizieren damit, verkehren damit, konsumieren sie usw. Und wenn sich dies alles noch mehr als Erleben, denn als Leben vollzieht, so vollzieht es sich auch als best�ndige Entt�uschung, als Gewissheit unverwirklichter Beziehungen. Von daher sind die Menschen in der Erkenntnis ihrer T�uschung selbst reif geworden zur Reflexion einer gesellschaftlichen Form, die ihnen entspricht. Eine Chance der aktiven, d.h. subjektiven Ver�nderung der Gesellschaft besteht also darin, dass die Menschen ihre Lebensgrundlagen der Wertproduktion entziehen und sich die Produktions- und Reproduktionsmittel zu ihrer eigenen Sache machen. Das Kapital hat sich selbst ja schon zum gro�en Teil hiervon getrennt und seine eigenen Existenzmittel, die gro�e Industrie, sich selbst �berlassen. Es selbst musste die Technologien und Roboter bauen, um sich zu erhalten. Diese aber taugen f�r jeden Menschen und werden schlie�lich auch von Menschen erfunden und hergestellt. Es ist im Grunde das Kapital, das seinen eigenen Untergang produziert, weil ihm die stoffliche Produktion immer weniger n�tzt. Es versucht nur, ihn an die Menschen weiterzugeben, weil es nur Wert hat, wenn und solange ihm Menschen ihre Arbeit �bereignen und ihm die Vermittlung ihres Stoffwechsels und ihrer Kultur �berlassen. Es geht also nicht um das Kapital als politische Gewalt, die als solche alleine zu bek�mpfen w�re; es geht auch um eine Gesellschaft, die diese nicht n�tig hat.

Noch dreht sich die Welt um Geld und Kapital. Aber dieses erzeugt eine Armut, welche die Menschen nicht nur von ihm abh�ngig macht, sondern auch seinen eigenen Boden zerst�rt. Es ist die Grundlage einer verkehrten Welt, die es auch schon als richtige Welt gibt, als bedrohte Welt. Es ist die kapitalformierte Gesellschaft zugleich immer noch und dem Inhalt nach menschliche Gesellschaft. Darin befindet sich alles, was menschliche Gesellschaft hier und heute schon wirklich und organisch ausmacht. Es geht darum, dies sukzessive gegen derzeitige Formen zu wenden, gegen ihre Geldform, soweit es eben geht. Geld ersetzt v�llig unn�tigerweise vieles, was auch ohne es da ist: Zusammenhang der Menschen, Kommunikation, Kommunen und Gemeinwesen, Gedanken, Wissen und Information, Geschmack, Vergn�gen, Gl�ck und Arbeit und Bed�rfnisse aller Art. Die illusorische Gesellschaft des Geldes ist �berhaupt nur der quantitative Widerschein einer Gesellschaft, die nicht auf ihre eigene Menschlichkeit kommen will, die sich �ber sich selbst t�uschen will, auch wenn sie darin umkommt

Damit sich das Leben auf dem Planeten nicht mehr hieraus bestimmt, mu� an das Leben der Menschen erinnert werden, muss – was l�ngst bekannt und geschichtlich geworden ist – zum Ausgang der �berlegungen gemacht werden, wie die Wendung unmenschlicher Verh�ltnisse zu Verh�ltnissen der Menschen m�glich ist, wie die bestehenden Inhalte der gesellschaftlichen Verh�ltnisse zur Grundlegung der Form einer menschlichen Gesellschaft werden k�nnen.

 

Humane Grundlagen einer Gesellschaft, wie sie heute schon vorhanden sind.

Ihre Basis hat eine menschliche Gesellschaft darin, dass die Menschen ihr Leben durch sie und sich in ihr erzeugen und erhalten, und das hei�t: dass Menschen den Reichtum und die Vielfalt ihres Lebens, ihre Lebensbed�rfnisse darin so entfalten k�nnen, wie es ihrer Natur entspricht. Ihr Gemeinwesen ist die geschichtliche Form ihrer Selbstbildung, ihre Kultur die vergegenst�ndlichte Bildungsgeschichte ihrer Natur.

Die menschliche Natur ist nichts anderes als die Naturm�chtigkeit der Menschen, ihre F�higkeit, mit den Elementen der Natur in ihrem Sinn zu hantieren. Menschliche Kultur hat die nat�rlichen Sinne zum Inhalt, ist deren Verwirklichung und l�sst jeden Menschen darin subjektiv sein, bewahrt und best�rkt ihn also als Subjekt der Natur – als einzelnes wie als gesellschaftliches Wesen, als gesellschaftliche Ganzheit des geschichtlich gewordenen Menschen. Als solches ist er identisch mit ihrer Objektivit�t, seiner Gegenst�ndlichkeit als reichhaltiger Mensch. Soweit, wie diese entwickelt ist, hat er sich entwickelt. Er ist selbst Natur gestaltend, also bestimmend, wie und wohin sie unter gegebenen Voraussetzungen entwickelt werden kann. Die Lebensgestaltung des Menschen ist unaufl�sbar nat�rlich, weil der Mensch selbst subjektive Natur hat und objektiv nat�rlich ist. Verwirklicht er sie, so verwirklicht er sich, zerst�rt er sie, so zerst�rt er sich.

Kultur kann nicht im Gegensatz zur Natur wahr sein, also auch nicht das gesellschaftliche Verh�ltnis der Menschen hierzu. Gesellschaft ist das naturm�chtige Zusammenwirken der Menschen in ihrer Kultur. Dies macht ihre Zivilisation aus. Basis einer menschlichen Gesellschaft muss daher sein, dass sich Kultur und Stoffwechsel als gesellschaftliche Beziehung verwirklichen k�nnen und dass sich ihre �konomische Form hieraus ableitet und Gegenst�nde f�r menschliche Bed�rfnisse hervorbringt – nicht allein in der Form des N�tzlichen, sondern auch des Sch�nen, der Erkenntnis und der Lebensentfaltung.

Kultur entsteht aus der Sinnbildung der Menschen, wie sie in ihrem Reichtum gegenst�ndlich entwickelt ist, also aus den Erkenntnissen und Gestaltungen, die sich in der Geschichte und im Leben der Menschen ergeben, in ihren Beziehungen zueinander und zu ihren Gegenst�nden. Jedes menschliche Bed�rfnis hat menschlichen Sinn. Und Sinne bilden sich zugleich auch als Bed�rfnisse, die aus dem gesellschaftlichen Zusammenhang der Bed�rfnisbefriedigung, aus der Befriedigung der bisherigen Bed�rfnissen als ein neues lebendiges Verlangen heraustreten, als etwas, das dem Leben n�tig geworden ist, um nicht zu bleiben, was es schon ist. Jede menschliche Entwicklung, jedes neue Bed�rfnis kann also nur aus der Befriedigung von Bed�rfnissen entstehen, sei es als neue Erfindung, als Geschmacksentwicklung, als Geistesblitz, als Bauwerk, als Werkzeug usw. Bed�rfnisse m�gen individuell oder unmittelbar im Zusammensein der Menschen (z.B. an einem Gegenstand) entstehen, sie werden wirklich gesellschaftlich, sobald sie in der Arbeit zur Herstellung von Gegenst�nden umgesetzt werden, welche diese Bed�rfnisse befriedigen. Sie sind der identische Inhalt von Arbeit und Befriedigung, der aus dem Zusammenwirken der Menschen entsteht und sich darin verwirklicht, gleich welche Form er hat.

Die Befriedigung der menschlichen Bed�rfnisse in diesem weitergehenden Sinn ist also die Grundlage menschlicher Geschichte. Darin beziehen sich die Menschen nicht nur auf sich selbst als kultivierte Wesen, als gesellschaftliche Menschen, sie vermitteln sich durch den Reichtum, der sich aus ihrer Bed�rftigkeit herausgebildet hat, auch als Subjekte ihrer Geschichte. Ist der gegenst�ndliche Reichtum der Menschen in einer unmenschlichen Form, so ist darin auch die Geschichte der Menschen formiert, zur Formbestimmung einer unmenschlichen Geschichte geworden.

Zugleich hat die menschliche Geschichte in ihrer Kultur auch ihre gesellschaftliche Form zu einem Sinn gebracht, der schon �ber sie hinaus ist, der sich in ihr nicht mehr bew�hren und bewahrheiten kann. Das Verh�ltnis von Reproduktion und Produktion des Menschseins hat nicht mehr die Form, in der sie sich fortbilden kann, hat eine andere Form n�tig, in der sie sich erst wirklich gestalten, sich verwirklichen kann. Was dem Inhalt nach schon in den Beziehungen der Menschen – wenn auch noch unwirklich – vorhanden ist, muss die Form sprengen, durch welche sie reduziert und beherrscht wird. Die Produktions- und Kommunikationsprozesse, die kulturellen Verbindungen, die Bed�rfnisse und Erwartungen usw., wie sie schon innerhalb der bestehenden Lebensformen zu erkennen sind, lassen sich nicht auf Dauer reduzieren ohne sich zu zerst�ren. Sie m�ssen sich gesellschaftlich zusammenzuf�gen, um aus ihrem vereinzelten Dasein als kulturelles Ereignis, als mediale Reflexion, als Wissen im Internet oder auch im Erleben und Erfahren der Alltagskultur heraus zu kommen. Sie m�ssen sich als Bed�rfnis einer Kultur begreifen, welche die b�rgerliche Kultur �berlebt hat und sich von dieser nicht mehr beherrschen l�sst, um sich als Kultur einer Gesellschaft, und wenn auch zun�chst nur als das Bed�rfnis nach einer neuen gesellschaftlichen Form, zur Wirklichkeit zu bringen.

 

Gesellschaft in Ver�nderung

Eine formbestimmte Gesellschaft ver�ndert sich vor allem objektiv, also aus Gr�nden, welche nicht aus dem menschlichen Leben bestimmt sind. Deshalb verl�uft ihre Entwicklung nur nach sachbestimmten Notwendigkeiten, nach Sachgewalten, die gegen das menschliche Leben gehen, auch wenn sie sich als gesellschaftliche Notwendigkeiten der sachlichen Gegebenheiten darstellen. Doch Sachen werden nicht gegeben, sie werden produziert. Eine Ver�nderung der Gesellschaft verlangt f�r die Menschen eine Aufhebung der Sachgewalt, die doch nichts anderes ist als die Allgemeinheit der Formbestimmung, welche in den Sachen haust: Der Verwertungszwang des Kapitals. Das Wissen, dass die Sache der Menschen nur eine menschliche Sache sein kann, dass die Gesellschaft nichts anderes sein kann als menschliche Kultur, formuliert eine Kritik der sachnotwendigen Logik der Kapitalwirtschaft. Es ist die Kritik an einer �konomie, die ihre Politik als Sachzwang ausgibt, ist Kritik einer politischen �konomie.

Aber diese impliziert, dass es eine andere �konomie, eine �konomie der menschlichen Arbeit gibt, die nicht im Widerspruch zu menschlicher Kultur steht, dass es also auch bereits einen Bed�rfniszusammenhang gibt, der kultiviert ist, wenn auch nicht in der herrschenden Form der Wertproduktion. Gesellschaftsver�nderung macht daher die Verwirklichung ihrer Subjektivit�t, die Vorkehrung der Wirklichkeit ihrer Subjekte n�tig. Sie kann also nicht durch die Findung einer objektiven Alternative entstehen und auch nicht aus der Zerst�rung einer bestehenden Gesellschaft hervorgehen, sondern nur aus der �berwindung ihrer anachronistischen Form, die sie gegenw�rtig hat. Es geht subjektiv bei einer Gesellschaftsver�nderung nicht um neue Bed�rfnisse, es geht um die Verwirklichung der bestehenden Bed�rfnisse in einem Arbeitsprozess und einer Kultur, die ihnen entspricht. Es geht um die Erkenntnis des menschlichen Gemeinwesens, das bereits da, aber noch nicht wirklich ist, also zur Verwirklichung ansteht. So hat dies auch schon Karl Maarx vor 150 Jahren formuliert:

„Es wird sich zeigen, da� die Welt l�ngst den Traum von einer Sache besitzt, von der sie nur das Bewu�tsein besitzen mu�, um sie wirklich zu besitzen. Es wird sich zeigen, da� es sich nicht um einen gro�en Gedankenstrich zwischen Vergangenheit und Zukunft handelt, sondern um die Vollziehung der Gedanken der Vergangenheit. Es wird sich endlich zeigen, da� die Menschheit keine neue Arbeit beginnt, sondern mit Bewu�tsein ihre alte Arbeit zustande bringt.� (MEB I, S. 346).

Die Potenziale der Reproduktion der Menschen und ihrer Produktion sind l�ngst vorhanden, der Reichtum an Mitteln f�r ein sinnvolles menschliches Leben ist gigantisch. Es kommt nur drauf an, die der Entwicklung der Menschen zu �berlassen und das setzt voraus, dass begriffen ist, dass die Ausbeutung von Menschen und Kulturen gegen die Menschheit �berhaupt geht. Es geht darum, die Entwicklung der Menschen und ihrer Kulturen aus den M�glichkeiten des wirklich gesellschaftlichen Reichtums zu gestalten und davon auch abzugeben, wo er zuviel ist und von daher als Gewalt von Kulturen �ber andere Kulturen herrscht, anstatt ihnen zu erm�glichen, in dieselben Freiheit der Bed�rfnisse einzutreten, welche dieser Reichtum allen Menschen m�glich machen kann. Es geht bei der Kritik der Form des Gegebenen also auch darum, die menschliche Kultur gegen die Begierden des Kapitals zu sch�tzen und ihre Fortentwicklung, die Entwicklung der Bed�rfnisse und der Arbeit zu erm�glichen, die Mittel hierf�r bereitzuhalten und n�tige Mittel zu planen.

Eine ver�nderte Gesellschaft ist nur dann auch eine wirklich andere Gesellschaft, wenn sie das substanziell enth�lt, was die bisherige Gesellschaft an Reichtum entwickelt hat und in die Form bringt, die dem entspricht. Sie ist die neue, diesem Reichtum entsprechende Form, durch welche eine neue Geschichte m�glich ist. Dies verlangt, dass darin die Inhalte sich entfalten k�nnen, die durch anachronistische Formen beschr�nkt wurden, dass es eine Form ist, welche den Menschen aus der Gegenwart eine Zukunft erm�glichen kann, die sonst verwehrt und der Ausbeutung der nachfolgenden Generationen bereits zugewiesen ist.

Doch was macht diese Form dann aus? Die Befriedigung des Reproduktionsbed�rfnisses der einzelnen Menschen entspricht weiterhin der allgemeinen gesellschaftlichen Notwendigkeit zur Erzeugung von Arbeitsprodukten, welche jedem Menschen zukommen, wie auch jeder einzelne Mensch der Gesellschaft zukommt. Er ist das „Ensemble der gesellschaftlichen Verh�ltnisse“ (Marx), sowohl in der Art, wie er sich erh�lt, als auch in der Art und Weise, wie er sich erzeugt. Gesellschaft ist in ihm, wie er in Gesellschaft ist. Der Hunger des Einzelnen ist der Hunger seiner Gesellschaft, seine Besch�digung ist ein gesellschaftlicher Schaden. Gesellschaft besteht aus ihm, wie er aus ihr, als sein wirklicher Lebenszusammenhang durch sein wirkliches Leben, durch alles, was sein Leben verursacht und bewirkt.

Wie die Gesellschaft zur Reproduktion der Einzelnen verpflichtet ist, so sind diese auch zur Reproduktionsarbeit verpflichtet, soweit sie k�nnen. Dies ist die Basis des Daseins von Menschen, das zugleich allgemein, nach wirtschaftlichen Regeln vollzogen wird: Den Aufwand zur Erzeugung der Lebensmittel so gering wie m�glich f�r jeden Menschen und das Gemeinwesen zu halten und die bestehenden Produktionsmittel hiernach anzuwenden. Die Reduktion der Arbeit ist damit dem Wirtschaftsprozess schon selbst immanent und es h�ngt von der Entwicklung der Bed�rfnisse ab, was deren Geschichte ausmacht. In keiner Pflicht steht daher die Entwicklung und Herstellung von G�tern, welche die Menschen und ihren Reichtum weiter bringen. Sie beruht auf neuen Bed�rfnissen und neuen M�glichkeiten der Produktion. Auch die Erzeugung von Mehrprodukten kann keiner Verpflichtung unterworfen sein, sondern besteht in der Vermehrung von Bed�rfnissen, die befriedigt sein wollen, auch wo dies mehr Arbeit erfordert. Die Bed�rfnisbefriedigung muss auf dieses Mehr bezogen sein, soll also denen zukommen, die auch mehr arbeiten – solange, bis das Mehr zum Lebensstandard gerechnet wird und in die Technologie und Arbeit aller eingegangen ist und vom durchschnittlichen Aufwand nurmehr reproduziert werden muss.

Die Beziehung der einzelnen Menschen zu ihrer Gesellschaft kann keine Erpressung ihrer Abh�ngigkeit als Einzelwesen enthalten, das f�r sich gerade durch seine gesellschaftliche Grundlage de facto lebensunf�hig ist. Sie beruht auf einem wechselseitigen Vertragsverh�ltnis, bei dem die Lebenserhaltung selbstverst�ndliche Voraussetzung ist, also auch denen, die nicht arbeiten k�nnen, die Lebenserhaltung in gleicher Weise und gleichem Umfang zugesichert ist, wie den anderen.

Ein solches Gemeinwesen kann nur das Gemeinsame menschlicher Wesen sein, nicht die Bestimmung ihrer Besonderung, also keine gesellschaftliche Bestimmung. Das Gemeine kann sich nur aus den Besonderheiten des menschlichen Lebens ergeben. Wir m�ssen daher noch genauer �ber das Verh�ltnis von Bed�rfnis, Arbeit und Gemeinwesen reden, wie es in den Kommunen wirklich auch m�glich ist. Wir werden daher �ber die bereits vorhandenen Vorstellungen zum Kommunalismus und auch �ber dessen internationale Form reden, von Gemeinwesen, die keinen Nationalstaat mehr n�tig haben, von internationalen Gemeinwesen und globalen D�rfern.

 

Wolfram Pfreundschuh

 

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