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Einleitung in die politische Kultur einer abstrakten Gesellschaft

Die praktische Basis einer jeden menschlichen Gesellschaft ist die Selbstverständlichkeit der Lebenserhaltung der Menschen, die darin zusammenwirken, deren Aufwände für ihre Lebenserhaltung also in einem gesellschaftlichen Verhältnis der Arbeit auf ihre Bedürfnisse bezogen sind. In deren Verhältnisse entwickelt sich ihre gesellschatliche Lebenswirklichkeit als Verhältnis von Notwendigkeit in Freiheit worin dieses zugleich fortgebildet wird, indem es nicht nur reproduziert wird, sondern auch durch die wachsende Vielfältigkeit und Differenzierung seiner Beziehungen bereichert, gesellschaftlichen Reichtum schafft. Die natürliche Beziehung der Menschen ist in solcher Geselschaft die Teilhabe an einem objektiven Verhältnis, in welchem sie einander ergänzen und dessen Synergie sie subjektiv für ihre Fortbildung, für die Geschichte ihre Sinnbildung, ihrer Kultur nutzen. Ihr Auskommen als arbeitende Menschen sollte daher durch ein Einkommen bestätigt und bestärkt werden, das ihre sinnlichen Verhältnisse bewahrheitet, bewährt und bereichert, gesellschaftlichen Reichtum erzeugt und vermehrt. Solange dies gelingt, sind sie einander verträglich und stehen auch ohne ausdrücklichen Vertrag in ihrem Tun und Lassen in Einklang.

Doch Gesellschaft verlangt das Eingeständnis ihrer Notwendigkeit und kann nur durch sie hindurch Freiheit in ihrer Überwindung, in der Verwirklichung der Lebensäußerungen der Menschen, in der Vergegenständlichung des menschlichen Lebens finden.

"Der Mensch verliert sich nur dann nicht in seinem Gegenstand, wenn dieser ihm als menschlicher Gegenstand oder gegenständlicher Mensch wird. Dies ist nur möglich, indem er ihm als gesellschaftlicher Gegenstand und er selbst sich als gesellschaftliches Wesen, wie die Gesellschaft als Wesen für ihn in diesem Gegenstand wird.

Indem daher überall einerseits dem Menschen in der Gesellschaft die gegenständliche Wirklichkeit als Wirklichkeit der menschlichen Wesenskräfte, als menschliche Wirklichkeit und darum als Wirklichkeit seiner eignen Wesenskräfte wird, werden ihm alle Gegenstände als die Vergegenständlichung seiner selbst, als die seine Individualität bestätigenden und verwirklichenden Gegenstände, als seine Gegenstände, d.h. Gegenstand wird er selbst. Wie sie ihm als seine werden, das hängt von der Natur des Gegenstandes und der Natur der ihr entsprechenden Wesenskraft ab; denn eben die Bestimmtheit dieses Verhältnisses bildet die besondre, wirkliche Weise der Bejahung. Dem Auge wird ein Gegenstand anders als dem Ohr, und der Gegenstand des Auges ist ein andrer als der des Ohrs. Die Eigentümlichkeit jeder Wesenskraft ist grade ihr eigentümliches Wesen, also auch die eigentümliche Weise ihrer Vergegenständlichung, ihres gegenständlich-wirklichen, lebendigen Seins. Nicht nur im Denken, sondern mit allen Sinnen wird daher der Mensch in der gegenständlichen Welt bejaht." (MEW 40, S. 541).

Gesellschaft ist also nicht nur der wirkliche, sondern immer schon auch der notwendige Lebenszusammenhang der Menschen, wie er sich geschichtlich entwickelt hat und in welcher Form auch immer dieser da ist. Im Dasein der Menschen setzt sich ihr Sein als gesellschaftliche Wirklichkeit ins Verhältnis ihrer Lebenssubstanzen. Von daher ist jedes ihrer Verhältnisse substanziell gesellschaftlich, eine Elementarform ihrer Geschichte, und also immer in einem ganzen Zusammenhang, in dem sie sich ergänzen und fortentwickeln, auch wenn dieser Zusammenhang gebrochen oder widersprüchlich ist, in seiner Wirklichkeit einen Doppelcharakter der Verhältnisse zwischen Bildung und Aneignung, zwischen Arbeit und Bedürfnis entfaltet.

Die Geschichte der menschlichen Gesellschaft ist also immer die Geschichte der Naturmacht des Menschen, die Geschichte der Produktivität seiner Arbeit und der Reichhaltigkeit seiner sinnlichen Beziehungen: Sinn und Nutzen der Verhältnisse des Zusammenwirkens seiner Wirtschaft und Kultur. In den Gesellschaften der Menschen vergegenständlichen sich ihre kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen in den Gegenständen ihrer Wirtschaft und ihrer Kultur. Sie verwirklichen darin ihre sozialen Verhältnisse im Lebensausdruck ihrer Bedürfnisse und als Lebensäußerung ihres Arbeitsvermögens in einem, - in der gesellschaftlichen Existenzform der Geschichte ihrer Produktivkraft für ihre Wahrnehmung, im Nutzen ihrer Arbeit für den sinnlichen Reichtum ihre Lebens (siehe hierzu auch historischer Materialismus).

Von daher besteht eine Gesellschaft nicht aus einer Ansammlung von Individuen, die nebeneinander produzieren und konsumieren, auch nicht als Verein bzw. Community von Individualisten, die selbstlos und füreinander frei geschaffene Erzeugnisse hervorbringen, durch die sie einander in gleichem Recht nützlich sind. Und sie ist auch nicht ein Interessensverband von selbstorganisierten Lebensgemeinschaften oder Genossenschaften, die sich im Zweck einer günstigen Bewirtschaftung und Erwirtschaftung ihrer Lebensmittel treffen. Sie ist das notwendige Zusammenwirken der Menschen zum Zweck ihrer Emanzipation aus der Beschränktheit ihrer einzelnen Existenz, die Synergie ihrer Lebensproduktion als Naturmacht, als wirkungsmächtige Lebenserzeugung, als Lebenserhaltung durch ihre gesellschaftliche Ergänzung über die bornierte Selbsterhaltung ihrer bloßen Zivilisation hinaus, als Naturmächtigkeit ihres sozialen Verhältnisses, ihrer Lebenswirklichkeit in einer menschlichen Kultur.

Menschen äußern ihr Leben, indem sie ihre Sache erzeugen und gestalten, Sinn durch und für ihr Leben haben, indem sie ihre Sinne als Welt für sich vergegenständlichen und somit auch ihre Fähigkeiten und Eigenschaften zu ihrer Sache machen. Es ist ihre eigene Lebensgestaltung, die sie in dieser Welt bilden und aneignen und nutzen, und durch die sie zugleich das Material ihres Leben, ihre Natur bereichern und durch ihre Lebensäußerungen zum sinnlichen Reichtum ihrer Kultur aufbereiten und fortbilden. Durch deren vielfältige Inhalte differenzieren sie ihre Lebensverhältnisse und vertiefen, entwickeln und bilden ihre Lebensweise mit ihrer Lebensproduktion fort.

Mit der Globalisierung des Kapitals hat sich eine Weltgesellschaft eines Finanzkapitals entwickelt, das durch Fiktionen über seine Wertdeckung weltmächtig geworden ist. Es bestimmt vor allem die Verhältnisse der Nationalstaaten und ihrer Währungen, die den Zwängen einer Wertrealisierung des fiktiven Kapitals unterworfen sind und die sich selbst vor allem um Zahlungsversprechen und Kreditversicherungen eines Schuldgeldsystems sorgen müssen, um ihr Geld in Wert zu halten. Weil der internationale Geldwert nur noch zu einem Bruchteil real ökonomisch gedeckt ist, wird Geldbesitz selbst zu einem zentralen Verwertungsproblem, das alle Verhältnisse, besonders die der Nationalstaaten zu einander und zu ihren Bürgern und dem Lebensraum ihrer Natur bestimmt. Je vollständiger ihr Vermögen sich nurmehr als frei zirkuliernder Geldbesitz bewegt, wird deren Lebenswirklichkeit selbst zum Material eines konstanten Kapitals, das nicht nur den Wert der Produktionsmittel darstellt, sondern die Menschen selbst zum Wertträger eines fiktiven Kapitals macht, zum Humankapital eines fiktiven Geldwerts, dem sie zu Diensten verpflichtet sind und der sich ihrer über ihren Existenzwert in Dienstleistungsgesellschaften bemächtigt.

In dieser Geschichte war eine abstrakt menschlichen Gesellschaft als eine Gesellschaft entstanden, die von ihrer eigenen Wirklichkeit absehen muss, von ihren wirklichen Verhältnissen schon abstrahiert, bevor diese zustande kommen. Es ist eine Gesellschaft zwischen allem, was menschlich erscheint, eine,zwischenmenschliche Gesellschaft, die im Prozess einer Negativverwertungden Menschen Lebenspflichtigkeiten auferlegt, welche die zerstörerischen Kräfte ihrer Entwertungsverhältnisse über die Ereignisse einer politische bestimmten Kultur kompensieren müssen. Die Menschen können sich nicht mehr in ihrer unmittelbaren Beziehung als gesellschaftlichen Menschen erkennen, da sich in den zerteilten Sinnbezügen die persönlichen Verhältnisse der zwischenmenschlichen Beziehungen aus dem allgemeinen Verhalten der Selbstgefühle ergeben. So bleibt ihre körperliche Existenz als letztliche - weil allgemeinste - Erscheinungsform ihres Selbstwerts. So wie sie körperlich auch in ihrer isolierten Existenz für einander da sind, so sind sie auch tatsächlich gesellschaftlich verbunden, denn jeder Sinn ist nur durch seine Beziehung auf anderes, auf seinen Gegenstand wirklich sinnlich. Weil in einer abstrakt menschlichen Gesellschaft von daher jeder Mensch als eine ausschließliche Persönlichkeit des zwischenmenschlichen Lebens und von daher dem anderen als sinnliche Bedingung seiner zwischenmenschlichen Beziehungen erscheint., gilt ihm seine Körperform auch unmittelbar allgemein menschlich. Denn tatsächlich sind die Sinne im Jenseits ihrer gegenständlichen Wirklichkeit auch auf diese natürliche Basis reduziert: Sie sind in der Lage, durch ihre bloße Anwesenheit und Naturbezogenheit ihre natürliche Bestimmtheit zu erfüllem, voneinander zu zeugen und einander zu erzeugen. Aber ihr wirkliches gesellschaftliches Leben wird hierdurch zu einer Scheinwelt ihrer Selbstwahrnehmung, zu einer bloßen Selbstbehauptung.

Soweit die Wahrnehmung sich als Behauptung ihrer eigenen Wahrheit zu verwirklichen sucht, sich als Haupt ihrer Selbstverwirklichung versteht, reduziert sie sich auf die Selbstwahrnehmung einzelner Personen in selbstbezüglichen Verhältnissen. Sie bleibt von daher eine Wahrnehmung, die nicht erkennen kann, was sie wahr hat, weil sie sich als Behauptung ihrer selbst so wahrnimmt, wie sie sich erfährt, sich selbst so wahrhat, wie sie sich für wahr hält, wie sie sich in den Ereignissen ihres Lebens erlebt, sich so findet und empfindet, wie sie sich darin einfindet. Weil sie daher von sich selbst absehen muss, wo und wie sie sich wahrhat, erlebt sie sich auch nur in der Wahrheit ihrer Absichten, in der Körperform ihres Erlebens, das sie sich einverleibt. Und darin kennt sie sich nur in der abstrakten Einheit des Zusammenhangs ihrer Lebensverhältnisse, in die sie versetzt ist. Sie kann die Gegebenheiten nur so nehmen, wie sie ihr vorausgesetzt sind und ihr voraussetzungslos erscheinen, als bloße Ereignisse ja auch wirklich zusammenhanglos auftreten.

Jede Selbstwahrnehmung kann sich daher nur an die Form gewöhnen, wie sie ihre Lebensräume bewohnt und kann ihre Gegenstände daher auch nur so hinnehmen, wie sie ihr gegeben zu sein scheinen. Sie bestärkt und fixiert sich an die Macht, die ihre Verhältnisse schon dadurch inne haben, dass sie ihre Lebensbedingung sind, ganz gleich, wie sich ihr Leben darin geäußert und veräußert hat, ganz gleich, wie und wodurch sie sich selbst entäußert, sich von ihrem eigenen Leben entfernt und entfremdet haben. Solche Wahrnehmung bestärkt sich in der Abstraktion von sich selbst und verkörpert praktisch, wodurch sie objektiv durch das bestimmt ist, was sie nötig hat, was ihre blanke Notwendigkeit zum Leben ist. Sie verleugnet damit die Freiheit, die sie durch ihr Leben selbst schon, durch die Intelligenz ihrer Natur,  durch ihre natürliche Intelligenz hat. Indem sie sich in ihrer Selbstbezogenheit, in der sie ihre unmittelbare Wahrheit vermeint auf sich selbst reduziert, reduziert sie ihre Wahrnehmung auf die Bedingungen, die ihr gestellt werden. Es ist im Allgemeinen das Geldverhältnis, die existenzielle Notwendigkeit einer marktwirtschaftlichen Produktionsweise, in der sich die Abstraktionen ihrer Selbstwahrnehmung auch gesellschaftlich aufheben, Menschen für sich so abstrakt werden, wie es ihre Lebensverhältnisse auch wirklich sind. Darin schließlich kann sich jede Erkenntnis nur selbst schon nichten, bzw. schon aufheben, bevor sie wirklich wahr sein könnte.

In solchen Verhältnissen bestätigt sich Wahrnehmung nur in der Verwirklichung ihrer Selbstwahrnehmung, in ihrer Selbstverwirklichung, und wird sich gerade hierdurch nicht mehr wirklich ihrer selbst gewahr. Denn in der Selbstverwirklichung wird die Selbstwahrnehmung in dem Maße aufgehoben, in dem sie sich ihrer selbst in ihren Gefühlen vergewissert, ihre Wahrnehmung auf die Bedeutung ihrer Selbstgefühle, auf die Gewissheit ihres Selbstwerts reduziert. Und dieser kann in Wahrheit nur die Ungewissheit ihrer Existenz sein. So kann darin auch kein wirklich gegenständliches Lebensverhältnis der Menschen wahr sein, sondern nurmehr ein Verhältnis zwischen den Menschen, das seine Substanz aus einer zwischenmenschlichen Wahrheit dieser Gefühle bezieht, aus der Art und Weise, wie sie sich leiden oder nicht leiden können, wie sie sich anregen oder meiden, sich selbst zum Gegenstand für andere machen oder sich von einander ausschließen, um ihre Selbstbehauptung ausschließlich und selbstgerecht zu machen. Aber wie auch immer Selbstwahrnehmung ihrer selbst gewahr wird, sie besteht im Zwiespalt zwischen sich und den anderen: ausschließlich zwischen den Menschen.

Ihre persönlichen Beziehungen werden hierdurch zu einem bloßen Ausdruck ihrer Zwischenmenschlichkeit. Als Substantiv unterstellt ein solcher Begriff dann auch das, was er meint: Das Dazwischensein der Menschen in ihren eigenen gesellschaftlichen Beziehungen: Zwischenmenschlichkeit, als eine Wirklichkeit, in der es zwischen den Menschen schon in ihren persönlichen Verhältnissen etwas gibt, das sich in ihrem wirklichen Menschsein unterscheidet, eine Beziehung zwischen ihnen, die eine eigene Substanz hat, die darin durch ihre Abwesenheit wirkt, durch eine Gesellschaftlichkeit, die nur noch persönlich erscheinen kann, indem sie sich einfach ereignet, Ereignisse bestimmt, die für sich genommen keine wirklichen Eigenschaften haben. Doch was soll da noch zwischen ihnen sein, was hätte noch Platz dazwischen?

Es kann sich hierbei nur um die Wahrnehmung einer Getrenntheit handeln, der Trennung zwischen den wirtschaftlichen und den kulturellen Grundlagen einer Gesellschaft, der Trennung von Nutzen und Sinn ihrer Verhältnisse. Wo Menschen sich nicht mehr über ihre Sache, ihrem Erzeugnis, dem Gegenstand ihrer Tätigkeit beziehen können, weil diese ihnen mehr oder weniger fremd geworden ist, beziehen sie sich aufeinander als Mensch unter Menschen. Ihre Lebensäußerung findet so ihren Sinn in ihrem zwischenmenschlichen Leben, im Erleben von Menschen. Und soweit menschliches Leben zwischen den Menschen aus ihrem Erleben von Menschen bezogen und daher substanziell in Erlebnissen wahrgehabt wird, ereignet es sich in den Verhältnissen ihrer Wahrnehmung. Was sie darin wechselseitig miteinander zu tun haben, das ist die Aneignung von dem, was sie von ihrem Menschsein im anderen Menschen finden, was ihnen durch ihre Selbstwahrnehmung in zwischenmenschlichen Beziehungen zu eigen wird. Der Sinn, den sie in den Ereignissen ihrer zwischenmenschlichen Verhältnisse finden, besteht daher in der Empfindung ihres Erlebens.

Ereignisse sind Augenblicke der Begegnung, in der sich Menschen ihr Leben in den Gelegenheiten ihrer Lebensverhältnisse sich so zu eigen machen, wie deren Gegebenheiten es ihnen objektiv erlauben. Der objektive, der gegenständliche Reichtum dieser Verhältnisse, das gesellschaftliche Vermögen, erscheint jenseits seines sachlichen Gehalts in der bloßen Form seiner gegenständlichen Vermittlung als Geldbesitz, also in der Form der Lebensmittel und Genussmittel als Waren auf den Märkten, die rein zufällig durch das allgemeine Kaufmittel Geld zwischen Angebot und Nachfrage gegeben und vermittelt werden und im unentwegten Wechsel ihrer Zirkulation die Ereignisse und den Ort ihres Auftretens bestimmen, daher wie zufällig in Raum und Zeit auf- und untergehen. Der ungeheuere sinnliche Reichtum, die subjektive Vielfalt der menschlichen Beziehungen, der sich in ihren Begegnungen und Auseinandersetzungen unter dieser Bedingung entfaltet, reduziert sich im bloßen Erleben daher immer sogleich auf die Gelegenheit, durch die sie objektiv bestimmt sind: auf den Zufall ihrer Anwesenheiten, eben so wie diese im Einzelnen da sind, sich ereignen und in isolierten Ereignissen wahrgenommen werden. Es sind die Begebenheiten in einer allgemeinen Vereinzelung, die ihre gesellschaftliche Wirklichkeit verloren hat, die so für wahr genommen werden. Es ist das Dasein eines isolierten Lebens, wie es unmittelbar und unverbunden individuell erscheint, ein Geschehen ohne Geschichte - eben so, wie es sich an Ort und Stelle ergibt. Hierfür ist es gleich, was es begründet hat, weil es sich körperlich nur als Wahrnehmung hinterlässt und sich nur in ihrer Erinnerung aus ihrem Gedächtnis bewahrheiten kann. Dort wo Ereignisse die Wahrnehmung der Menschen bestimmen ist es die Wahrheit ihrer zwischenmenschlichen Existenz, wie sie sich in ihren Empfindungen bildet und sich in ihren Gefühlen auch fortbilden und einbilden kann.

Hierauf gründen die Selbstgefühle, die in zwischenmenschlichen Beziehungen entstehen. Im Erleben der Menschen unter Menschen erkennen sie vor allem das, was in solchen Ereignissen zwischen ihnen geschieht, was sie von einander und durch einander in dem aneignen und sich einverleiben, was sie von sich in der Anwesenheit von anderen Menschen verspüren, was sie also für sich empfinden und fühlen, wenn sie unter Menschen sind und zwischen ihnen verkehren. Es ist das, was sie von einander als Mensch in ihrem zwischenmenschlichen Erleben wahrhaben und was sie von sich und für sich durch andere erkennen. Es sind ihre substanziellen Erkenntnisse, die sie für ihr Leben hieraus beziehen. Es ist ihre Lebenswahrheit in den Augenblicken ihrer Beziehungen, soweit sie darin auch wirklich selbst vergegenwärtigt sind, soweit sie sich darin wiederfinden und empfinden. Doch weil und soweit diese Empfindungen nur in ihnen bleiben, kann solche Selbstvergegenwärtigung auch nur die Wahrheit ihrer Wahrnehmung in und durch ihre Erlebnisse sein. Darin bewahrt und bewährt sich ihre Beziehung aus der Objektivität zwischenmenschlicher Ereignisse zu ihrer Subjektivität als Inhalt ihrer Erlebnisse.

Was sich aus den einzelnen Erlebnissen bewahrt, vereint sich zu einer Wahrnehmung im Allgemeinen als Bewährung ihrer Empfindungen durch Gefühle, die sie in den Ereignissen ihres Lebens als dessen Sinn nicht nur finden, sondern auch im Gefühl ihres Lebens äußern, also durch ihr Lebensgefühl für sich wahr haben und in ihren Lebensverhältnissen wahr machen, als ihre Kultur erzeugen und reproduzieren. Diese Wahrnehmung ist daher so subjektiv wie objektiv, enthält also auch in ihrer Vereinzelung die Beziehung auf das Ereignis als ihre Empfindung, die als Gefühl in der Erinnerung so verbleibt, wie sie in ihrer Kultur objektiv ist. Sie ist daher die Elementarform der  zwischenmenschlichen Beziehung, die sich als Lebensform ihrer Gefühle, als Kultur der zwischenmenschlichen Wahrnehmung in und durch ihre Individualität überhaupt fort bestimmt.

Jede Kultur ist subjektiv das, was Menschen sinnlich gebildet, was sie durch ihr Leben selbst gestaltet haben, was in ihren Sitten und Gebräuchen, in Kunst und Unterhaltung, in Glaube und Wissenschaft, in ihren Gütern und Werkzeugen von ihrem Menschsein, dem Leben von und für Menschen geäußert ist. Indem Kultur das darstellt, was dessen Sinn gesellschaftlich ausmacht, besteht sie als Subjektivität ihrer gesellschaftlichen Verhältnisse, als ihre menschliche Natur im Sinn ihrer Bedürfnisse und in der Art und Weise, wie Menschen sich in ihren Gegenständen, in den Produkten ihrer Tätigkeit auch erkennen können, wie sie sich selbst wahrhaben in dem, was sie wahrnehmen. Die Bedürfnisse ihrer Tätigkeit sind die Basis einer jeden Sinnbildung.

Jeder menschliche Sinn entsteht und besteht darin aber nicht einfach individuell, sondern in seinem ganzen Lebenszusammenhang. In der hier zu analysierenden Kultur besteht er vor allem in der Wahrnehmung selbst, in der Form von Erkenntnissen, die Menschen für sich haben und worin sie auch bei sich bleiben, soweit sie durch ihr Erleben bestimmt sind. Dieser Sinn ist gesellschaftlich zwar nur in den Gefühlen der Individuen wirksam. Ihre Natur verwirklicht sich aber in den Verhältnissen ihrer Empfindungen, in denen sie ihn als Ereignis für sich finden. Die Kultur, mit der wir es hier zu tun haben ist also die Kultur der Ereignisse - eine so genannte Eventkultur. Die Wahrnehmungen darin sind die Resultate einer mehr oder weniger beabsichtigten Ereignisproduktion, einer Veranstaltung von Kultur. Und darin kann ein gegenständlicher Sinn, der Sinn einer Tätigkeit für seine Bedürfnisse ersetzt, selbst zu einem Bedürfnis nach Sinn wirklich werden. Und wo diese gesellschaftlich untergegangen sind, verbleibt dieser allein als Sinn für die Gegenstände des Konsums der Produkte, der sich in einem purem Kulturkonsum äußert, sich in und mit der Ästhetik seiner Kultur verwirklicht .

Indem die Menschen unter der Bedingung der Kapitalverwertung ihren Sinn füreinander durch Geldbesitz veranstalten und wahr haben, beziehen sie sich hierüber auch auf sich, nehmen sie sich selbst objektiv bedingt wahr. Indem sie diesen Besitz nutzen, leben sie durch einander im Nutzen von einander, im Konsum ihrer Kultur. Im Geldbesitz, der über die Mittel ihrer Reproduktion hinausgeht, also einen Mehrwert für ihre Freizeit darstellt, erheben sie sich selbst über ihre Lebensnotwendigkeiten, wodurch sie sich hiervon befreit fühlen. Diese Freiheit ist allerdings sowohl durch das Quantum dieses Besitzes beschränkt, dem Inhalt nach also nur ein Quantum von Möglichkeiten der Selbstwahrnehmung, und davon bestimmt, was andere für sie, für ihre Reproduktion und Freizeit erzeugt haben. Sie werden in solchen Verhältnissen selbst zur Körperform eines Mehrwerts, bilden einen Sinn, der mehr wert ist als ein anderer, und der ihnen zu einem Selbstwert verhilft, der sie über alle Nichtigkeiten und Minderwertigkeiten des gewöhnlichen Lebens hinweg trägt. Objektiv ist das der Sinn eines kapital-notwendigen Wertwachstums, durch den sie gesellschaftlich bestimmt sind und hierdurch die Zusammenhänge in ihren Bedürfnissen so finden und empfinden, wie sie durch deren Kulturereignisse bestimmt werden. Im wirklichen Leben der Menschen ist dieser Zusammenhang aber nichts anderes als eine Fiktion, die als Sinn und Zweck eines fiktiven Kapitals herrscht - als Glaube an eine Zukunft von Spekulationen, vor denen die Menschen in ihre Lebensburgen flüchten, um sie dort schließlich für sich auszufüllen. In ihren zwischenmenschlichen Verhältnissen vollzieht sich ihre Sinnbildung durch die Sinnbilder dieser Kultur als Lebenszusammenhang kultivierter Ereignisse in den Bedürfnissen der Menschen selbst, in dem abstrakten Verlangen des Menschen nach dem Menschen.

Die bürgerliche Kultur wird damit zur unmittelbaren Kultur des Kapitals und verfüllt das Vakuum der stofflich gegenständlichen Lebensverhältnisse der Menschen mit einem Sinn, der für sich stehen muss, weil, sofern und soweit die Verhältnisse des Kapitals durch sich sinnlos geworden sind. Von daher handelt es sich hier um die politische Kultur einer durch ihre Kapitalverhältnisse bestimmten Gesellschaft, deren Sache ihr abhanden gekommen ist, weil sie sich nur mehr durch ihren Geldbesitz und seiner Finanzaristokratie als Feudalkapital fort bestimmt. Die Frage ist hier, was die Gesellschaftlichkeit dieser Kultur dann überhaupt ausmachen kann.

"Der Mensch erkennt sich im Menschen" sagt Goethe. "Aber der Mensch, das ist kein abstraktes, außer der Welt hockendes Wesen" (MEW 1, S. 378f) sagt Marx. Menschliches Leben ist so natürlich, wie Menschen Sinn durch und für ihre Natur haben. Ihr Leben ist nicht unmittelbar das Leben der einzelnen Menschen, wie man es wahrnimmt, weil natürliches Leben immer schon das Leben der Menschen mit und in ihrer Natur so ist, wie sie es wahrhaben - und weil das menschliche Leben als das Leben eines gesellschaftlichen Naturwesens nicht vereinzelt sein kann. Weil Menschen von Natur aus immer in Gesellschaft sind und sich in Gesellschaft mitteilen und also ihre Mittel teilen, ihr Leiden und ihre Tätigkeit durch ihr gesellschaftliches Leben vereinen, sich durch ihr Zusammenwirken ergänzen und leiden können, ist auch immer schon das gesellschaftlich, was ihre einzelne Wahrheit ausmacht. Was für sie wahr ist, was die Wahrheit für sie ist, die sie nehmen von dem was sie wahrhaben, das ist die Wahrnehmung ihrer gesellschaftlichen Beziehungen, worauf sich ihre Erkenntnisse gründen und wodurch diese letztlich auch begründet sind. Und die können ja letztlich nur natürlich sein.

Das klingt einfach. Doch so unmittelbar wie sie sich aufeinander beziehen, so vermittelt sind die Verhältnisse, die sie hierbei eingehen. Was ihre Wahrnehmung subjektiv ausmacht und worin sie objektiv bestimmt ist, das geht in der Beziehung zwischen dem Erleben und Ereignen nicht so einfach zusammen, weil ihr Leben sich nicht einfach ereignet, nicht so zufällt, wie es schon ist, sondern so erlebt wird, wie es sich zu eigen werden kann. Die Lebensäußerungen werden in ihrer Aneignung immer erst durch ihre Vermittlung wahr. Und wenn diese den Menschen in den Ereignissen ihres Lebens auch zufällig erscheinen mag, so bewahrheitet sich in ihrer Wahrnehmung dennoch immer ein ganzer Lebenszusammenhang.

Das Erleben hat daher eine ganz eigenartige Wahrheit, weil sich darin Leben eben nicht nur reflektiert, sondern zugleich über sich hinaus geht, wo und wenn es sich ereignet, wenn es also gesellschaftlich in Form gebracht wird. Worin sich Menschen in und durch ihr Leben wirklich erkennen, das kann nicht irgendeine Wahrheit haben und kann auch nicht einfach für wahr zu nehmen und für sich schon wahr zu haben sein. In der Ungewissheit ihrer unmittelbaren Bezogenheit ist diese nur eine bloße Möglichkeit der Erkenntnis. Sie hat ihre Gewissheit, ihre bewussten Inhalte, die gültige Bestimmtheit ihres wissenden Seins durch alles, was in irgendeiner Form darin von ihrer Natur erkennbar ist. Und es scheint von da her nur beliebig zu sein, welches Wissen sich gesellschaftlich verwirklichen und also objektivieren lässt, weil und soweit ihre Verhältnisse ihnen gleichgültig sind, weil und solange sie in ihrer Wirklichkeit für ihr gesellschaftliches Verhalten gleiche Geltung für sich haben, für sich also unwirklich bleiben.

Aber in einer so gleichgültigen Beziehung bleiben die Menschen auch sich selbst gleichgültig, ohne Wahrheit. Es bliebe ihre Wahrnehmung die beliebige Kognition einer formalisierten Natur, menschliches Leben lediglich selbst nur die Körperform von Ereignissen, wie sie sich als solche in Tomogrammen, chemischen Analysen oder genetischen Bestandteilen zerlegen und in ihren funktionellen Assoziationen zwischen Ereignissen und ihren Bedeutungen zeigen ließe. Leben wäre selbst nur ein Lebensumstand, ein gegen sich selbst äußerliches, entäußertes Leben, das sich nicht wirklich erkennen, seiner selbst niemals gewiss werden könnte und sich leibhaftig fremd bliebe. In bloßer Selbstentfremdung würde es sich in den Gedankenabstraktionen diverser Geistes- oder Naturwissenschaften auflösen und für beliebige Verwendungen nützlich machen. Ganze Industrien leben davon, dass sie die chemischen, biologischen, produktiven und kommunikativen Bestandteile des Lebens neu zusammenstellen und in dieser Form auf den Markt bringen. Doch ein bewusstes Leben ist immer wissendes Sein, nicht ohne Gewissheit, - Bewusstsein nicht ohne Sinn.

Leben ist immer körperlich und steht von daher auch in der Natur seiner Körper in einem Lebenszusammenhang. Und gerade weil Wahrnehmung ihren Körper niemals wirklich verlassen kann, weil sie eben nicht nur eine Vision oder Vorstellung sein kann, ist sie nicht ohne ihre Lebensverhältnisse zu verstehen, ist sie immer zugleich gesellschaftlich - nicht als bloßer Naturkörper, sondern als gesellschaftlicher Sinn ihrer Kultur, auch wenn er im einzelnen Menschen nur vereinzelt erkennbar ist, seine Vereinzelung politisch bestimmt ist. Immer erinnert sie sich an das, was sie hiervon verinnerlicht hat, bewahrt sich in der Wahrnehmung, was sie wahr hatte, auch wenn sie ihre Form verändert, selbst wenn und wo sie verrückt wird. Man kann Wahrnehmung eben nicht einfach ohne Folgen unterdrücken oder verdrängen. Deshalb kommt niemand an der Wahrheit seiner Wahrnehmung vorbei. Und deshalb  kommt auch niemand an der Kultur vorbei, die sich in und durch ihre Wahrheit äußert.

Lebendige Wahrnehmung kann also nicht irgendein beliebiges Auffassen, willkürliche Reflexion von etwas sein, das Menschen einfach mal so zur Kenntnis nehmen und als ihre Erkenntnis vermeinen können. Die Wahrnehmung "hat ihr Sein" - das heißt: sie ist - durch die Sinnlichkeit ihrer Gegenstände ebenso wahr, wie durch die körperliche Existenz des wahrnehmenden Menschen. Sie selbst existiert in und durch ihre Sinne in der Welt ihrer Gegenstände, die sie wahrhat, durch ihre gesellschaftliche Vergegenständlichung in der gegenständlichen Welt ihrer Lebensvermittlung, ihrer Selbsterkenntnis als Erkenntnis ihrer Welt.

Diese entwickelt sich mit der Form des menschlichen Lebens, in der Art und Weise der gesellschaftlichen Verhältnisse, dem Entwicklungsstand der gegenständlichen Lebensäußerung der Menschen, der Lebensform ihrer Äußerungen als menschliche Kultur, wie immer deren geschichtliches Dasein sich mitteilt und wie unvermittelt dieses auf sie bezogen sein mag. Menschen haben darin nicht äußere Gegenstände, sondern sich in einer gegenständlichen Welt wahr, also auch sich selbst als Gegenstand ihrer Tätigkeiten und ihres Leidens, ihrer Selbsterzeugung durch ihre Arbeit und ihrer Selbsterkenntnis in ihrer Wahrnehmung. Ihr Lebensgenuß ist ihre Tätigkeit, die sie leiden können, die ihre Gegenstände und Kulturgüter erzeugt, in der sie ihr Leben wiederfinden und empfinden. Doch in einer selbständigen Welt ihrer Wahrnehmungen kann dies nicht für sich bleiben, was es ist. Darin ist ihr Leiden verselbständigt und der Welt seiner Entstehung entfremdet.

Mit der Veräußerung ihrer Tätigkeit auf den Märkten der Welt, mit der Entäußerung ihrer Produkte von ihrer Produktion, mit der Entfremdung des Menschen von seiner Tätigkeit und seiner Gesellschaft, der Trennung der Arbeit von den Bedürfnissen der Menschen, ist daher nicht nur der Arbeitsprozess von der Selbsterzeugung der Menschen getrennt, sondern auch die Wahrnehmung von ihrer Selbsterkenntnis der Menschen als Produzenzen ihres Lebens. Von daher bleibt auch eine Wahrnehmung, die sich dieser Trennung unterwirft, sich gegen ihre Entfremdung von dem, was sie wahr hat behauptet, eine Selbstbehauptung, die sich gegen ihr Erkenntnisvermögen stellt und sich daher notwendig fremd bleibt, sich in einer Art und Weise behaupten muss, durch die sie niemals auf sich zurückkommen kann. Sie kann sich in dieser Behauptung aber nicht aus der Erkenntnis ihres Lebenszusammenhangs heraussetzen und in ihrer Wahrheit sich nicht von ihren Lebensbedingungen unterscheiden, ohne sich von sich selbst abzuscheiden, ohne sich auf ihre Selbstbehauptung zur reduzieren, sich durch sich selbst nur erklären und klar bekommen.

Doch in ihrer Natur bleibt sie sich immer auch ohne Bewusstsein selbstgewiss, wenn auch nur zu sich, also gegen ihre gesellschaftlichen Beziehungen gekehrt, in sich verkehrt. Doch mit Bewusstsein wird sie gesellschaftlich mächtig und kann sich daher auch gegen ihre Abgeschiedenheit, gegen ihre Formbestimmung verhalten, diese zum Gegenstand ihrer Kritik machen, indem sie sich von der Form ihrer Gegebenheiten selbst unterscheidet, sich inhaltlich auf diese bezieht und ihre Zerteilung zu einer eigenen Gewissheit bringt, sich als Teil eines Ganzen begreift und somit sich in der Ergänzung ihrer Beziehungen auch entwickelt, selbst ganz wird. Die Emanzipation aus ihrer Formbestimmung beginnt mit der Erkenntnis der inhaltlichen Zusammenhänge ihrer Wahrnehmungen und wird sich daher auch notwendig gegen ihre Entfremdung verhalten, wo sie die Wendbarkeit ihrer Not erkennen kann, für sich subversiv wird. In ihrer Kultur findet sie das Material, die Mittel ihrer wahren Selbsterkenntnis und kann darin zugleich die Möglichkeiten und Wege ihrer Befreiuung finden, sich durch die Freiheit ihrer Empfindungen auch gegen die politische Formationen ihrer Kultur wehren und hierin auch die wahren Inhalte ihrer gesellschaftlichen Beziehungen entdecken und sie mitteilbar machen. Kulturkritik ist nichts anderes als diese Mitteilung in der Wendung gegen die politischen Formationen der Kultur.

Wo aber der gesellschaftliche Zusammenhang nicht mehr ist, wo er durch Krise, Krieg oder Barbarei oder Selbstsucht zerstört ist, genichtet, aufgelöst oder ausgebeutet, abwesend in irgendeiner Form, die fremd bestimmt ist, da ist er negativ wirksam, weil Gesellschaft überhaupt den substanziellen Zusammenhang des menschlichen Lebens ausmacht. Wo die Menschen ihre Gesellschaft nicht wirklich haben oder erkennen können, bleibt sie dennoch ihre einzig wirkliche Lebensform und ist dann allerdings als Grundlage ihrer Wirklichkeit negativ wirksam. Wenn Menschen darin verelenden, wenn Gesellschaft für sie nicht wirklich menschlich da ist, ergibt sich  aus ihrer Negation eine Totalität ihrer Abwesenheit, der Sog ihrer Zerstörung, der sich aus dem menschlichen Vakuum ergibt, in welchem sich ihr Zusammenhang nichtig macht. Ihr Elend setzt sich dann als politische Gewalt fort, indem aus dem gesellschaftlichen Elend von Individuen eine gewalttätige Kultur entsteht, Fanatismus, Rassismus und politische Macht, die sich in der Meinungsbildung verallgemeinert und durch politischen Populismus zur Wahl gelangt, um als Kulturstaat verwirklicht zu werden, in welchem der Mensch in Wirklichkeit abwesend ist, lediglich eigehegt wird in einem Menschenpark, die ihm als seine objektiv notwendige Kultur auferlegt ist. Was kann ihn darin noch anwesend sein lassen?




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