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111. Die Zwischenmenschlichkeit der Wahrnehmung

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"So wie sich der Mensch ... nur im Menschen erkennen kann, erkennt er sich erst dann im andern Menschen als eigenes Wesen, wenn sein Wesen ihm im andern auch als anderes Wesen gilt. Der Mensch als Wesen der Natur, als natürliches Wesen, hat die Natur seines Wesens in jedem andern Menschen, denn seine eigene Sinnlichkeit ist erst durch den andern Menschen als menschliche Sinnlichkeit für ihn selbst." (MEW 40, S. 544).

Menschen erkennen sich durch ihre Lebensäußerungen so, wie sie diese in ihren Lebensverhältnissen finden und empfinden - sei es schon durch ihr Äußeres als Gegenstand ihrer Wahrnehmung, ihrer Eigenschaften und Fähigkeiten oder durch die Gegenständlichkeit der Produkte ihrer Arbeit und ihrer Sinnbildung, ihrer Kultur. Von daher erkennen sie einander zunächst durch Gefühle aus ihrem Leben, aus ihrer Wahrheit, in der sie sich und andere wahrhaben und in ihrem Dasein verbunden sind.

Die Menschen verhalten sich immer schon zu Menschen und zu ihren Sachen, leben also immer schon in menschlichen Verhältnissen, in Gesellschaft. Sie erkennen sich gesellschaftlich im jeweils anderen Menschen, weil sie sich selbst in ihm zum Gegenstand haben, sich selbst darin finden, empfinden und sich als Mensch im anderen Menschen wahrhaben. Ihre Gefühle entstehen in diesen Empfindungen und haben von daher ihren Sinn, sind die sinnliche Form ihrer Selbsterkenntnis, soweit sie darin ihrer sinnlichen Gewissheit als Mensch für sich gewahr werden. Von daher ist ihre Wahrnehmung immer schon die Form ihrer Erkenntnis durch ihr Menschsein unter Menschen, der Sinn, den sie für sich durch andere finden, sich sowohl sachlich wie kulturell als Mensch empfinden. Was sie äußern und außer sich sind, haben sie hierbei in sich, kommen auf sich zurück im Selbstbewusstsein als Mensch, der seine Tätigkeit leidet, weil und soweit er sie leiden kann.

In ihrer gesellschaftlichen Wirklichkeit beziehen sich die Menschen zunächst nur gegenständlich auf sich und ihre Sache, sind sinnlich hierüber immer schon durch diese gesellschaftlich vermittelt. So sind zwar die Menschen sachlich durch den Gegenstand ihres Lebens und durch ihre Sache zugleich menschlich, also immer auch durch ihre Subjektivität bestimmt, sind aber objektiv zugleich nur durch sie gesellschaftlich, ihr auch unterworfen, von ihr abhängig  (lat. subjectum: das sub=darunter-jektum=geworfene im Sinne von Zugrundeliegendem). Sie sind bestimmend. weil sie darin ihr Leben geäußert und veräußert haben und außer sich finden und zugleich in einer bestimmten Beziehung durch ihr Produkt, darin bestimmend und bestimmt zugleich. Aber sachlich erkennen sie sich nur durch die gesellschaftliche Form, in der diese für sie da ist. Wo diese aber nicht mehr wirklich für sie da ist, das Dasein dieser Form nicht dem gesellschaftlichen Inhalt ihrer Sache, dem Reichtum ihrer Beziehungen entspricht, wird Gesellschaft zu einer Form des Mangels an Sinn für ihre Sache und diese als hiervon getrenntes gesellschaftliches Produkt, das als fremde Form gleichgültig, bestimmt und gleichgültig gegen ihre Bestimmtheit ist und von daher ihre gesellschaftlicher Lebensäußerung durch ihr gleichgültiges, ihr gleich geltendes Dasein bestimmend und für sich selbst mächtig wird.

Wo nämlich menschliche Beziehungen in ihren Verhältnissen gleichgültig sind oder werden, da heben sich die Unterschiede in ein und demselben Verhalten auf, sodass das wirklich Einzelne darin verschwindet. Im Dazwischensein ist dann etwas, das weder das Eine noch das Andere sein kann, in dem es dazwischen ist. Es ist also etwas, von dem in dieser Beziehung unentwegt abgesehen wird, weil es nicht so da ist, wie es sein müsste. Es ist die Form eines abwesenden Wesens, die Form einer Isolation, die nicht wirklich isoliert sein kann, weil sie ein Wesen hat, das abwesend ist. Es ist das Dasein einer Abstraktion, die Wirklichkeit einer unmöglichen Beziehung, einer widersinnigen Beziehung, die nur durch ihre Abwenheit sich erfüllen kann. Es ist die Form eines Seins, das einen Doppelcharakter in zwei Existenzweisen hat, die sich nicht beziehen können (siehe hierzu Dialektik) und nur durch das Dazwischensein in zwischenmenschlichen Beziehung sind. Von daher ist das Dazwischensein ein wesentlicher Begriff für das Verständnis ihres widersprüchlichen Daseins, weil es dessen Zusammenhang selbst in einer abstrakten Allgemeinheit seines Wesens gesellschaftlich vermittelt. Darin bestimmt sich dessen Widersinnigkeit nämlich aus der bloßen Tatsache einer Abstraktion, aus der Abwesenheit seines wirklichen Wesens, aus der abstrakten Substanz seines Seins, durch das die Zusammenhänge in ihrer Wirklichkeit der Form nach durch die Anwesenheit ihres Wesens bestimmt. in ihrer Wirkung isoliert werden.

Im isolierten Dasein ihrer Beziehungen wird diese Form zur allgemeinen Formbestimmung, zur Erzeugung gesellschaftlich notwendiger Ereignisse, die aus der abstrakten Natur des Dazwischenseins den Zusammmenhang der menschlichen Beziehungen in ihren Verhältnissen auf ihre bloß objektive Tatsächlichkeit reduzieren (z.B. als abstrakt menschliche Arbeit, abstrakt menschlicher Sinn, abstrakt menschliche Gesellschaft). Das darin verselbständigte und herausgesetzte abstrakt Allgemeine wird zur Formbestimmung ihrer Entfremdung, in der diese nur in einer abstrakten Beziehung einzeln, rein persönlich und privat für sie da ist, ganz gleich, wie und warum die Menschen als Personen mit Menschen gesellschaftlich oder gemeinschaftlich mit anderen verkehren, ganz gleichgültig, wie sie sich gegenständlich oder zwischenmenschlich darin finden und erkennen.

Wenn sich ihre gesellschaftlichen Beziehungen im Wesentlichen nicht mehr sachlich darstellen, sondern gesellschaftlich nur noch in persönlich bestimmten Ereignissen auftreten, reduziert sich das Leben der Menschen auf bloßes Erleben. Und die Verhältnisse zwischen ihnen selbst sind dann nur noch durch die Wahrnehmungen ihres Erlebens vermittelt. Nicht ihre Lebensgestaltung, nicht ihre Lebenstätigkeit äußert sich in ihren Verhältnissen, sondern nur das, was sie durch einander wahrhaben. Ihre Wahrnehmungen von eineinander sind von daher auch durch einander die Mittel ihrer Entfaltung und Entwicklung. Sie stellen einen Zusammenhang dar, der durch ihre Mitte geht, sich in ihnen wahrmacht. Und diese Vermittlung besteht aus dem Sinn, der zwischen ihnen in Beziehung ist: Der Sinn ihres Erlebens, der vom gesellschaftlichen Nutzen ihrer Tätigkeit getrennt ist ist somit zum Sinn einer abstrakt gesellschaftlichen Beziehung, zu einem abstrakt menschliche Sinn in zwischenmenschlichen Verhältnissen geworden.

Er ist abstrakt gegen ihr wirkliches Leben, denn er setzt zum einen Ereignisse voraus, die sich jenseits der Lebensproduktion objektiv ergeben und er wird zum anderen auch so erzeugt, wie ihre Erlebnisse für die Selbstwahrnehmung sein müssen, lebensnotwendig für ihre Wahrnehmung sind. In der Kultur der Ereignisproduktion entfaltet sich eine Sinnlichkeit, die eine Welt schafft, wie sie sein muss, um in einer Welt zu leben, worin sie sich nicht wirklich äußern und ihr Leben gestalten können und die daher auch nichts mehr für sie sein kann. Der abstrakt menschliche Sinn bleibt daher auch immer der ausschließliche und ausschließende Sinn einer Gesellschaft, die ihre eigenen Gründe und ihr eigenes Wohl nur durch andere Welten hat (siehe hierzu auch Existenzwert).

Auf diese Weise bleiben die Menschen in ihrer Wahrnehmung immer nur zwischen sich und den anderen. Was aber können Erkenntnisse dann in zwischenmenschliche Verhältnissen sein, worin ihre Wahrnehmung zwischen der Wahrnehmung der andern verkehrt und für sich bestimmt verbleibt? Welche Wahrheit der Wahrnehmung soll sich also zwischen ihnen in ihrer wechselseitigen Wahrnehmung als Selbstwahrnehmung ihrer Gegenseitigkeit überhaupt verwirklichen können? Und was soll dazu ein eigenes Substantiv, nämlich der Begriff Zwischenmenschlichkeit aussagen? Was soll da noch zwischen ihnen sein, was hätte da noch einen Platz dazwischen, der für ihre Wahrnehmung substanziell wäre?

In ihren zwischenmenschlichen Verhältnissen leiden sie nicht die Tätigkeit ihrer wirklichen Sinnbildung durch die Gegenstände, die sie durch ihre gesellschaftliche Arbeit erzeugen, nicht gegenständlich. Um sich als Mensch zu finden und zu empfinden müssen sich darin leiden können, durch ihr wechselseitiges Leiden, durch die Subjektivität ihrer Wahrnehmung, durch ihre Selbstwahrnehmung verbunden sein. Weil sie diese in einer ungegenständlichen gesellschaftlichen Wirklichkeit für sich nötig haben, weil sie darin ihre Sache für sich als Wahrnehmung durch andere haben, wird ihre Lebensäußerung durch andere Menschen gegenständlich. Nicht was sie sachlich erzeugen und finden, indem sie diese für ihr Leben zu nutzen wissen, sondern was sie durch andere Menschen von sich empfinden und fühlen, sind sie in der Subjektivität ihrer zwischenmenschlichen Wahrnehmung zugleich objektiv für einander. Zwischenmenschlich finden sie sich außer sich als Mensch, der nur Sinn für sich haben kann, weil und sofern ihm seine Sache gleichgültig geworden ist, keinen Sinn durch sie und für sie hat. Ihr kulturelles Verhältnis hat sich dann von ihrem wirtschaftlichen, der Sinn vom Nutzen seiner Sache abgetrennt. Nicht was diese gesellschaftlich verbindet und worüber die Menschen sich außer sich auch gegenständlich finden und empfinden, sondern was sie ganz ungegenständlich dadurch füreinander sind, dass sie sich selbst wie ein Gegenstand für andere verhalten, können sie auch nur durch die Ereignisse füreinander da sein, die sich in ihren Beziehungen ergeben und in denen sie ihre zwischenmenschlichen Beziehungen erleben.

Beziehungen, die durch das Erleben von Ereignissen gestiftet werden, sind allerdings keine wirklichen Beziehungen der Menschen. Diese wären nicht zwischen ihnen, sondern durch sie in den Verhältnissen begründet, die sie als ihre geschichtlich gebildete gesellschaftliche Form ihres Lebens auch in gegenständlicher Form, also objektv als Naturmacht auch ihrer zwischenmenschliche Verhältnissen haben. Sie verhalten sich darin immer als sich ergänzende Menschen in ihrer Gesellschaft zueinander, zu sich wie zu ihren Gegenständen, - aber nicht als bloße Determinante, als einfaches Resultat einer objektiven Geschichte in einer objektiven Welt oder zwischen ihren Eigenwelten als Privatpersonen, sondern immer zugleich als geschichtsbildende, sich menschlich wie sachlich gesellschaftlich äußernde und hierdurch vergegenständlichende Wesen.

Und daher unterscheiden sich ihre Selbstwahrnehmungen auch im Verhältnis der Wahrnehmungen ihrer gegenständlichen Welt, worin sie sich gegensinnig im Besitzverhältnis ihrer Lebensverhältnisse, dem gesellschaftlichen Verhältnis ihrer Sachen, in ihrem Eigentum erkennen. Gleichgültig kann ihnen dieses erst im Verhältnis der Geldbesitzer werden. Darin ist das Selbstgefühl der Selbstwahrnehmung von dem abstrakten Beziehungsreichtum ihres Geldes gegen die sinnliche Gewissheit der Lebensumstände bestimmt. Im Geldbesitz erleben sie sich im gesellschaftlichen Verhältnis der Besitzlosen, in einem wirklich entäußerten Verhältnis, worin sie durch die Selbstempfindung ihrer Lebensumstände nur die rastlose Gegenwärtigkeit der Produzenten ihrer Lebensbedingungen. sich nur außer sich finden können. Wiewohl ihnen die Produzenten gleichgültig sind, nutzen sie den gesellschaftlichen Sinn als Kultur für sich, für ihr Dazwischensein, für ihren zwischenmenschlichen Beziehungsreichtum.

Zwischenmenschliche Verhältnisse sind von da her die Kulturform der Geldbesitzer, bürgerlichen Kultur, worin der Sinnesreichtum ihrer Erkenntnisse erscheint. Sie gelten wie selbstverständlich als allgemein menschliche Verhältnisse der Selbstwahrnehmung. Weil und sofern sie in ihrer Verallgemeinerung diese schon als Allgemeinheit ihrer Wahrnehmung begriffen, also wesentlich erkannt haben wollen, erkennen sie nur ihre Selbstbezogenheit in der ausschließlichen Wahrheit ihres Verhaltens. Denn in diesen Verhältnissen kann nicht die Wahrnehmung, sindern nur das Verhalten von Menschen zwischenmenschlich zu begreifen sein, weil in allgemein verstandenen menschlichen Verhältnissen zwischen den Menschen sie sich im Verhalten zum anderen Menschen als Gegenstand ihrer Lebensäußerungen, sich als das wahrhaben, was sie für sich und für einander sind.

Wahrnehmung ist ein Verhältnis, worin Menschen sich zu Menschen oder Sachen als Gegenstand ihrer Welt verhalten, sie für wahr nehmen und hierin ihr Dasein im Sinn für sich gültig machen. Indem sie darin das finden und empfinden, was für sie Sinn hat, indem sie also ihr Sein für sich erschließen, ihre Welt als eine Wahrheit für sich erkennen, erfahren sie zugleich sich selbst weltlich, sich als Subjekt und Objekt ihrer Welt. Und indem sie darin ihre Wahrheit zunächst als solche nehmen und auffassen, wie diese auf sie wirkt und auch in allen ihren Unterschieden wahr für sie bleibt, sich in ihnen mit ihnen identifizieren lässt, nehmen sie Teil am Wesen ihrer Natur und ihrer Gesellschaft. Wahrnehmung ist Teilhabe ihrer Anwesenheit an ihrer Wirklichkeit, die darauf gründet, was hierin zugleich wahrgehabt wird, was außer ihnen als ein Ganzes vieler Eigenschaften ist. So wie die Wahrnehmung ist, so sind auch die Handlungen, Gefühle und Erwartungen hierzu, weil sie zugleich die Substanz dessen ausmachen, was darin wahrgehabt wird und wodurch sich der Reichtum ihre Lebens bildet und entwickelt, ihn Geschichte sein lässt und wahr macht, wirkliche Geschichte ist und sich darin immer wieder bewährt, sich also nicht nur in Ereignissen des Erlebens, sondern sich vor allem als Geschichte - wenn auch nicht sachlich, wohl aber in ihrer Erinnerung - bewahrheitet.

Was Menschen durch ihre Sinnesorgane empfinden ist immer auch das, was sie von sich, von ihrer Natur, Kultur, Gesellschaft, Dingen, Menschen usw., also von ihrem Leben durch ihren Gegenstand für sich finden, was sie in ihrem Dasein von ihrem Sein wahrhaben. Weil dies somit auch substanziell ihren sinnlichen Eigenschaften entspricht, was sie aus ihrem Sehen, Riechen, Hören, Tasten und Schmecken auch wahrnehmen können, ist dieses Verhältnis ihrer Wahrnehmung die Lebensform ihrer Wahrheit, das Erleben ihrer sinnlichen Gewissheit. Darin finden sie sich in ihrer Form, in der sie sich von ihren Gegenständen sowohl unterschieden wie dem Inhalt nach auch einig, sich in eins mit ihnen und ihrer Welt fühlen können - auch wenn diese Gegenstände selbst nur noch Menschen sind.

Auch schon in der sachlichen Wirklichkeit, wie sie durch menschliche Arbeit enteht, waren es die Gefühle für ihre Sache, durch die sie ihren Sinn von und für Menschen bekam. Darin entwickeln sich schon immer ihre Empfindungen zu den Fähigkeiten, die es den Menschen ermöglichen, neue Eigenschaften und Gebrauchsweisen ihrer Gegenstände zu entdecken, zu erfinden, zu erzeugen und zu genießen. Im Gefühl entwickelt sich, was Menschen aus ihren Empfindungen machen und in ihren Lebensverhältnissen, in ihrem Umgang als ihre Kultur wahrnehmen, wahrhaben und wahrmachen und aus der Erinnerung ihre Geschichte auch als Geschichte ihrer Naturmacht fortbilden. Aber in der Beziehung der Menschen auf sich selbst können sie nur finden und fühlen, was sie für sich selbst sind. Ihre Selbstwahrnehmung ist von da her die Elementarform ihrer Kultur.

In Gemeinschaften, in denen Geldbesitz - Geld als Zahlungsmittel, als selbständiger Gegenstand ihrer Verhältnisse - das wesentliche gesellschaftliche Verhältnis der Menschen ausmacht, da ist ihre sachliche Beziehung allgemein gleichgeltend, gleichgültig gegen ihre Entstehung. So wird hier auch die Sinnbildung der Menschen durch ihre verselbständigte Kultur in der Getrenntheit von ihrem gesellschaftlich tätigen Sinn für sich bestimmt. Weil sie sich darin nicht über ihre gegenständliche Tätigkeit, durch ihre Arbeit mitteilen und vermitteln, besteht ihre Beziehung nur zwischen ihnen in ihrer Zwischenmenschlichkeit, in der sie ausschließlich selbst als unmittelbarer Gegenstand ihrer Wahrnehmung für einander, für sich und unter sich erscheinen, als Menschen, die für einander da sein müssen, um ihr Leben als Mensch erkennen zu können, um sich als Mensch zu finden, sich durch andere also als Mensch zu empfinden.

Was man hat, muss man sich nicht nehmen. Wahrheit kann man daher nicht als diese, also nicht formlos nehmen, schon garnicht, wenn man nur nehmen könnte, was man wahrhat. Was man wahrnimmt ist eben nicht immer das, was man wahrhat. Wahrnehmung lässt sich daher auch reflektieren, wenn sie nicht unmittelbar ist, wenn also das Wahrnehmen nicht bezogen ist auf das, was man wahrhat, was man fühlt. Das unterstellt, dass Wahrnehmung dann eine Vermittlung enthält, die nicht ganz wahr sein kann, dass ihre Wahrheit zweierlei Beziehungen aufweist, von denen die eine genommen und die andere schon gehabt wird. Was sie vermittelt, kann nicht so einfach ihre Wahrheit sein. Aber Wahrnehmung vermittelt im Allgemeinen doch nur das, was sie von ihrem Gegenstand auffassen kann, was sie empfindet und fühlt.

Aber in den Gefühlen kann sich nur bewähren, was wir wahrhaben. Was wir immer schon haben, ist die bloße Natur unserer Wahrnehmungsorgane, unser Organ für das, was für uns Sinn hat, eben weil wir dafür Sinne haben. Sinnlich ist die Wahrnehmung durch das, was sie für sich findet, ihre Empfindung. Doch die Empfindung vergeht schon im nächsten Moment der Wahrnehmung, weil sie unmittelbar nur das finden kann, was ihr außer sich schon vorausgesetzt ist. Sie setzt also voraus, dass sie das schon durch ihre Natur kennt, was ihre Wahrheit ist. Aber als Gefühl ist sie ihrem Inhalt nach ein Gedanke von dem, was die Empfindung für sie ist, was sie wahrhat. Was sich im Gefühl bildet, was als Bild ihrer Empfindung bedacht und gedacht ist, kann für die Wahrnehmung im Ganzen wahr oder unwahr sein, kann ineinader gehen oder aus sich heraus zerfallen, sich widersprechen oder sogar gänzlich außer sich sein. Die Wahrnehmung ist darin in einer anderen Form, in einer Erinnerung an ihre Empfindungen. Im Gefühl ist die Empfindung innerlich in der Form, in der sie außer sich war. Und außer sich ist sie ein bloßes Erlebnis. Dieses ist in den Ereignissen verbunden, welche sich im Erleben verinnerlicht haben. Es ist daher die Elementarform der Wahrnehmung, über die nachzudenken ist und die selbst auch eine Form der Gedankenwelt, also des Denkens ist.

Im Erlebnis konzentrieren sich viele Empfindungen zu einem Gefühl, wie es sich aus dem Erleben eines Ereignisses ergibt, durch welches das Erlebnis bestimmt ist. Es findet hierbei eine passive Sinnbildung statt, die durch das Zusammenströmen verschiedenster Eindrücke auf die Wahrnehmung Gefühle erzeugt, die ihre Empfindungen bedrängen und zu einem Wahrnehmungshintergrund gestalten, der sich nicht aus einer gegenständlichn Wahrnehmung, sondern aus dem bildet, was dem Ereignis und der Gegenwart eines wahrnehmenden Menschen zu eigen ist. Was darin lebt, wird zu einer Gewohnheit der Wahrnehmung, zu einem Selbstgefühl, das sich von seien Empfindungen abgetrennt hat.

Es ist das passive Leben, das in den Menschen je nach Einfall einfällt und einfühlt und sie füllt, vielleicht als reizvolles Ereignis in Erinnerung bleibt, - gerade so isoliert, wie es aufgetreten war. Es beeindruckt die Wahrnehmung im Ganzen und verändert sie dem entsprechend auch, weil darin die einfachsten Tätigkeiten in ihrem Zusammenhang nicht empfunden werden, sondern zu Gefühlen zusammengebracht werden, wie sie sich aus den Eindrücken der Ereignisse ergeben und sich auch durch sie und ihre Anordnung bestimmen lassen (siehe auch Liturgie, Ritual). Ein Vorgang, der zum Erlebnis gebracht wird, verlässt seine objektive Herkunft und wird zu einem subjektiven Gehalt der Wahrnehmung. Waren zum Beispiel zuvor die Menschen vielleicht durch Einkaufssituationen noch gelangweilt, so wird der "Erlebnispark" oder der "Erlebnismarkt" zu einem Anreiz, der ihre Aufmerksamkeit und Wahrnehmung einfangen kann und die Langeweile der formalen Verhältnisse, wo sie selbst substanzlos geworden sind, vertreibt und sie von außen her belebt, animiert.

Wenn diese Verhältnisse nicht ganz wahr sein können, so haben sie etwas Unwahres in ihrer Wirkung auf den wahrnehmenden Menschen, einen gegenständlich "ins Auge fallenden" Doppelcharakter. In der Wahrnehmung verhalten sich daher widersinnige Verhältnisse auch selbst widersinnig dadurch, dass sie diese täuschen, das heißt: ihre Inhalte vertauschen, mit denen sie verkehren, und dass sie von da her ihre Lebensverhältnisse in ihrer Verkehrung auch wahr sein lassen können, bzw. sie für sich wahrmachen, für sich nur noch fühlen, was sie außer sich von sich finden. Das kann sich sogar dahin fortbilden, dass die Widersinnigkeiten in der Wahrnehmung selbst ihre Wahrheit unsinnig macht und über sie mächtig wird, einen subjektiven Zirkel (siehe auch hermeneutischer Zirkel) produziert, der sich auch in verselbständigten Wahrnehmungszustanden ausdrücken kann.

Denken ist nämlich selbst das Erste der Sinnbildung, ist die Bildung von Sinn in der Vermittlung von Empfindungen zu Gefühlen, die Erzeugung von Sinn durch das Denken im Sinn. Denken ist zum einen der subjektive Vorgang des Gestaltens, der Sinnbildung, zum anderen auch Reflexion über das was ihm objektiv vorausgesetzt ist, was ihm bewusst wird, Bewusstsein entwickelt. Es ist der Prozess des Erkennens und Begreifens, weil es seinen Gegenstand in der Weise erkundet und bildet, wie er sein und werden kann, wie er empfunden wird und welche Gedanken sich in den Gefühlen hierzu mitteilen und vermitteln. Denken setzt also die Möglichkeiten einer gegenständlichen Welt voraus, wie sie sich im der Reflexion eines Gedanken bewegen, also sich auch verändern lässt. Es ist die Beziehung von Gedächtnis und Bildung, letzlich die Subjektivität des In-der-Welt-seins überhaupt, die ihr Objektsein unentwegt aufhebt, während es sich darin verwirklicht, weil Objektivität immer zugleich subjektiv ist und Geschichte darin verläuft, dass nichts so bleiben kann, wie es ist (siehe hierzu auch Historischer Materialismus).

Als dieser geschichtliche Sein entsteht es in Gesellschaft und kehrt darin auch zurück, findet sich in allen anderen nur, wo es seinen Sinn auch empfinden kann. Es kann nicht bei sich bleiben, sich seiner selbst nicht bewusst, nicht selbstbewusst werden, wenn es sich nicht mitteilt, keine Sprache und durch sie zu ihrem Gedanken in den Verhältnissen finden kann, worin sich ihr Sinn mitteilt und sich auch in der Mitteilung als Teil einer gesellschaftlichen Naturmacht und ihrer Kultur bewährt.

Denken unterscheidet sich aber wesentlich vom Reflektieren, das immer nur sich in seinem Gegenstand spiegelt, also immer nur objektiv sein kann. In selber Weise unterscheidet sich Wissen von Information. Wissen ist gebildet durch das Denken von Gewissheiten, also auch im Ungewissen Gedanken zu finden, die zu einer Gewissheit gelangen - nicht in der Anschauung von anwesenden Verhältnissem oder Gegenstände, sondern im Zusammenhang, in der Sinnfindung von dem, was nicht anwesend ist, was aber in der Abwesenheit von Empfindungen gefunden wird. Von daher ist Denken zuerst eine zum Wissen erhobenen Empfindung. Aus ihm entwickeln sich die Gefühle, die Menschen mit ihren Gegenständen verbinden und daraus auch neuen Sinn und neue Fähigkeiten bilden können (siehe auch Sinnbildung). Das Medium dieser Vermittlung sind Bilder, die neuen Sinn in ihrer Komposition finden und auch Empfindungen für Gefühle ermöglichen, die weit über die Wahrnehmung hinausgreifen und von daher zu einem neuen Inhalt der Arbeit im Entstehungsprozess der Kultur werden können.





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111.1 Zwischen Empfindung und Gefühl

Empfindung entsteht schon mit der Fähigkeit, Inneres und Äußeres zu unterscheiden und sich mit eigenem Zweck hierauf zu beziehen. Jede Empfindung verkörpert das Finden von dem, was sie außer sich für sich wahrhat, was also eine Wahrheit zwischen dem Empfindenden und seinem Gegenstand, was schon vor aller Erfahrung von Natur aus wahr ist, was dem empfindenden Individuum subjektiv und objektiv organisch ebenso vorausgesetzt ist wie es auch von ihm fortgebildet wird.

Empfindung nimmt die Eigenschaften eines körperlichen Gegenstands wahr, ist die stoffliche Wahrnehmung der Sinne, - nicht einfach ihre Kognition, sondern auch ihre sinnliche Gewissheit, ihre unmittelbare Wahrheit, die hierbei "gefunden" und aufgenommen und zu einem Befund der Wahrnehmung wird. Finden ist die einfache Beziehung auf einen Gegenstand, seine Kenntnisnahme und Anerkennung, Voraussetzung seiner Erkenntnis. Eine Empfindung ist das abgeschlossene Finden, das "zu Ende gefunden haben" (sprachlich ist "emp-finden" eine Wendung der germanischen Bedeutung von "ent-finden"), die Wirkung einer Kenntnis von etwas, das schon vor jeder Empfindung als etwas Eigenes bekannt ist, das man schon kennt, bevor es wirklich da ist. Sie ist eine Ent-Deckung, die unmittelbare Beziehung einer Identifizierung der Gegenstände des Lebens, ihre Bezeugung, wie sie erzeugt und wahrnehmbar sind, ganz gleich in welcher Form sie sich befinden, so objektiv wie subjektiv sind. In der Empfindung werden sich stoffliche wie geistige Beziehungen gewahr, ihres Gegenstands sinnlich gewiss, denn darin finden Menschen was ihre Verhältnisse substanziell ausmacht, was ihnen vorausgesetzt und zugleich ihnen zufolge wahr ist, was sie in ihrer Wahrnehmung für sich, und durch sich und zugleich gegenständlich wahrhaben, weil es zugleich ihre Außenseite ist, ihre Äußerungen betrifft, die objektive Form derselbsen Substanz, die sie auch durch sich und fürs sich haben, was sie also objektiv wie subjektiv sind.

Auf den Empfindungen gründen ihre Gefühle für sich und für ihre Sachen und zu Menschen überhaupt so, wie sie erfahren werden, wie einzeln oder allgemein sie beisammen, als menschliche Kultur da sind. In menschlichen Beziehungen haben sich Menschen vor allem im anderen Menschen zum Gegenstand, erkennen sich in ihm subjektiv wie objektiv beziehen sich in dieser Form gegenständlich auf sich als Mensch und auf ihre Sache als ihr Erzeugnis, als Zeugnis ihres Zusammenwirkens und somit immer gesellschaftlich. Von daher und hierdurch ist Wahrnehmung die Elementarform ihrer Kultur.

Ein Gefühl entsteht aus der Wirkung, die eine Äußerung hat, aus dem Eindruck auf die Wahrnehmung die ihre Empfindung macht. Es ist von daher als besondere Form der Wahrnehmung immer schon dem Inhalt nach objektiv, wie es sich auch subjektiv im Verhältnis des Menschen zu sich als Form seines Erkenntnisvermögens bewahrheitet, dem einzelnen Menschen zur Indentität von Form und Inhalt seiner Wahrnehmung wird. Aber diese individuelle Subjektivität ist kein bloßes Abbild, kein objektiv determinierter Widerschein, wohl aber ein Bild, das seine Bildung als Prozess seiner Entstehung in seiner individuellenSinnbildung hat. Diese steht immer im Zusammenhang des ganzen Lebens eines fühlenden Menschen und aller Sinneseindrücke der Lebensverhältnisse im Lebensraum seiner Kultur.

Was Menschen durch ihre Sinnesorgane empfinden ist das, was sie von sich, von ihrer Natur, Kultur, Gesellschaft, Dingen, Menschen usw., also von ihrem Leben durch ihren Gegenstand für sich finden, was sie in ihrem Dasein von ihrem Sein wahrhaben und von diesem in sich fühlen. Weil ihre Wahrnehmung auch ihren körperlichen Eigenschaften entspricht, was ihnen in ihrem Sein sowohl vorausgesetzt als auch durch sie in den Sinn kommt, ist durch den empfindenden Menschen mit seinen Organen in der Welt seiner Kulturen da und diese sind durch sein Tun und Lassen zugleich ihm zu Folge. Es ist das, was die Menschen durch ihr Sehen, Riechen, Hören, Tasten und Schmecken sind, was sie geschaffen haben und auch als Gegenstand ihres Lebens wahrnehmen können, weil und soweit es ihrer Natur entspricht. Dieses Verhältnis ihrer Wahrnehmung ist das Dasein ihrer natürlichen Intelligenz und somit auch die Elementarform ihrer Wahrheit, ihrer sinnlichen Gewissheit, in der sie sich von ihren Gegenständen sowohl unterschieden wie auch einig, sich in eins mit ihnen und ihrer Welt fühlen können.

Wo keine wirklichen Gegenstände als Produkte menschlicher Lebensäußerung sinnlich gewiss sind, gibt es auch keine unzweifelhaften Wahrnehmungen. Diese sind gespalten. Nicht Erkenntnis aus der Kenntnis ihrer Erzeugung bildet sich darin fort. Es ist ihr bloßes Dasein das ihr Sein bestimmt. Das Erleben ihrer Wirklichkeit macht die Inhalte ihrer isolierten, ihrer aparten Wahrheiot . Deren Empfindung ist dann allerdings bloßes Gefühl von Leben, ganz gleich, welchen Sinn es haben mag. Und sich im Gefühl findet und ereignet ist nicht das, was die Empfindung der zwischenmenschlichen Ereignisse ausmacht, in denen sie entsteht. Im Gefühl gestaltet zwar die Empfindung ihre Erinnerung, verliert sich aber auch darin, soweit und sofern das Gefühl nicht auf das Ereignis zurückkommen kann, das es erinnert. Es erfährt seinen Sinn aus dessen Erleben und reflektiert dies in sich, muss aber zugleich von seiner Sinnesform abstrahieren, um als Gefühl auch für sich zu bestehen, bestehen zu bleiben.

Während die Empfindung ihren Sinn in den Gegenständen ihrer Wahrnehmung findet, hat das Gefühl einen Sinn für sich. Gefühle entstehen aus Empfindungen, sind aber für sich eine eigene Wahrheit, eine Form der Erkenntnis, die sie aus vielen Empfindungen heraus in sich tragen und für sich fortbilden. Sie sind Empfindung und doch nicht Empfindung. lebendiges Bild von Wahrnehmungen und doch nicht wirkliche Bildung, sondern bloße Erinnerung und oft auch Einbildung, wo sie besonders eindrücklich sind, weil sie fremden Reizen gehorchen. Sie sind daher zunächst so subjektiv wie auch objektiv (siehe auch objektive Gefühle), objektiv als Erinnerung an Empfindungen, subjektiv als Bild eigener Gegenwärtigkeit, als Sein für sich, das nach einem Sein durch sich verlangt. Von daher verlangt ihre Vergegenwärtigung ein durch sie bestimmtes Erleben, das durch kulturelle Beziehungen und Ereignisse bewirkt werden muss und die ihre Kultur bereitet , bzw. veranstaltet (siehe auch Ereignisproduktion) und sie durch ihre Selbstbeziehung zu Selbstgefühlen entwickelt (siehe hierzu auch Ästhetik). Darin werden Gefühle zum Inhalt einer kulturellen Wahrheit der Wahrnehmung, wie sie unter bestimmten Umständen unbestimmt gegeben und von ihren Empfindungen getrennt ist, weil und soweit die Gegenstände in den Beziehungen ihrer Lebenswelt, in den Verhältnissen ihres Lebensraums nicht unmittelbar erkennbar sind, keine sinnliche Gewissheit gewähren.

Wo keine wirklichen Gegenstände als Produkte menschlicher Lebensäußerung sinnlich gewiss sind, gibt es auch keine unzweifelhaften Wahrnehmungen. Diese sind gespalten. Nicht Erkenntnis aus der Kenntnis ihrer Erzeugung bildet sich darin fort. Es ist ihr bloßes Dasein das ihr Sein bestimmt. Das Erleben ihrer Wirklichkeit macht die Inhalte ihrer isolierten, ihrer aparten Wahrheiot . Deren Empfindung ist dann allerdings bloßes Gefühl von Leben, ganz gleich, welchen Sinn es haben mag. Und sich im Gefühl findet und ereignet ist nicht das, was die Empfindung der zwischenmenschlichen Ereignisse ausmacht, in denen sie entsteht. Im Gefühl gestaltet zwar die Empfindung ihre Erinnerung, verliert sich aber auch darin, soweit und sofern das Gefühl nicht auf das Ereignis zurückkommen kann, das es erinnert. Es erfährt seinen Sinn aus dessen Erleben und reflektiert dies in sich, muss aber zugleich von seiner Sinnesform abstrahieren, um als Gefühl auch für sich zu bestehen, bestehen zu bleiben.

Gefühle entstehen aus Empfindungen, sind aber für sich eine eigene Wahrheit, eine Form der Erkenntnis, die sie aus vielen Empfindungen heraus in sich tragen und für sich fortbilden. Sie sind Empfindung und doch nicht Empfindung. lebendiges Bild von Wahrnehmungen und doch nicht wirkliche Bildung, sondern bloße Erinnerung und oft auch Einbildung, wo sie besonders eindrücklich sind, weil sie fremden Reizen gehorchen. Sie sind daher zunächst so subjektiv wie auch objektiv (siehe auch objektive Gefühle), objektiv als Erinnerung an Empfindungen, subjektiv als Bild eigener Gegenwärtigkeit, als Sein für sich, das nach einem Sein durch sich verlangt. Von daher verlangt ihre Vergegenwärtigung ein durch sie bestimmtes Erleben, das durch kulturelle Beziehungen und Ereignisse bewirkt werden muss und die ihre Kultur bereitet , bzw. veranstaltet (siehe auch Ereignisproduktion) und sie durch ihre Selbstbeziehung zu Selbstgefühlen entwickelt (siehe hierzu auch Ästhetik). Darin werden Gefühle zum Inhalt einer kulturellen Wahrheit der Wahrnehmung, wie sie unter bestimmten Umständen unbestimmt gegeben und von ihren Empfindungen getrennt ist, weil und soweit die Gegenstände in den Beziehungen ihrer Lebenswelt, in den Verhältnissen ihres Lebensraums nicht unmittelbar erkennbar sind, keine sinnliche Gewissheit gewähren.

Bewusst oder unbewusst erinnert jedes Gefühl viele Empfindungen, die sich in seinen Beziehungen auf Menschen und Sachen ergeben, soweit sie ihre Gegenstände verinnerlicht haben. Von daher sind Gefühle durch ihre Empfindungen sowohl eine objektive Wahrnehmungsform der Menschen, die objektive Grundlage ihrer Subjektivität, als auch die Gestalt von eigener Wahrheit der Wahrnehmung. Die Menschen eignen sich in ihren Gefühlen ihre Welt an und vertreten sie subjektiv als Subjekte ihrer Wahrnehmung, als ihre eigene Wahrheit, die auch mit ihrer eigenen Entsicklung zunahmend die Wahrheit ihrer Eigenschaften und Fähigkeiten ausmacht. Soweit sie diese Wahrheit trotz der Umstände veränderter Wahrnehmungen (siehe z.B. auch Pubertät) auf ihre Empfindungen noch beziehen können, werden sie auch ihre Erkenntnisse hieraus beziehen, oder auch auf Umwegen, auf dem sie sich ihre Erinnerungen bewusst machen können oder dies versuchen (siehe hierzu auch Psychoanalyse).

Da die Gefühle subjektiv allgemeinere Zusammenhänge formulieren als die Empfindungen, die sie objektiv enthalten, stellen sie über die Empfindungenhinweg eine allgemeinere Beziehung dar und sind hiergegen in ihrem Selbstgefühl resistent, solange sie nicht durch widersinnige Empfindungen in Frage gestellt sind und sich selbst bezweifeln müssen (siehe hierzu auch Verrücktheit). Im Gefühl bildet sich ein Zusammenhang von Empfindungen so, wie diese einen Menschen im Bezug auf seine Bedürfnisse beeindrucken. Es entsteht also aus der subjektiven Beziehung von Empfindungen, wie sie mehr oder weniger auch objektiv sein können, wo deren Gegenstände dem entsprechen. Subjektiv verbleibt jedes Gefühl als ein Gespür für Zusammenhänge, die ungewiss sind, das Empfindungen aufspürt, wie sie in der Erinnerung von Empfindungen verbunden sein können. Von daher resultieren Gedühle aus vergangenen Empfindungen, die erst durch ihre Vergegenwärtigung wahr werden, die also entgegenwärtigt - aber nicht unbedingt "verdrängt" - worden waren. Und so können auch Empfindungen in Gefühle übergehen, wenn sie ihre unmittelbare Gewissheit verlieren oder sie auch nicht mehr nötig haben oder sich gegen ihre Empfindungen als Selbstgefühle reproduzieren, um sich einen Selbstwert zu verleihen.

Auf sich selbst bezogen ist ein Gefühl, das als Empfindung der Selbstwahrnehmung erlebt wird, das also in zwischenmenschlichen Beziehungen durch Erlebnisse der Wahrnehmung im Reiz des Erlebens mit anderen für sich selbst gefunden wird und sicih darin als Empfindung eigener Gefühle für andere verdoppelt. Es ist daher sowohl Empfindung für sich als auch Gefühl durch sich, weder ganz das eine, noch ganz das andere. Von daher ist es nichts, was für sich erkennbar ist, weil es die Empfindung als Gefühl hat und das Gefühl für seine Wahrnehmbarkeit ihm entsprechende Empfindungen nötig macht. Es ist etwas Drittes, durch das sich diese Beziehungen unsinnig verdoppelt und in die die Notwendigkeit getrieben haben, sich durch einander, durch ihre bloße Anwesenheit abstrakt zu verdichten. Weil die somit entstandene Selbstwahrnehmung im Verhältnis ihrer Empfindungen zu ihren Gefühlen in ihrer Auffassung, im Nehmen ihrer Wahrheit, ihrer Wahrnehmung, weder auf das Eine noch auf das Andere verzichten kann sind diese durch die Abwesenheit ihres Wesens, in ihrem Sinn, abstrakt bestimmt, wodurch sie einen Selbstwert nötig haben, der unentwegt nach einer sinnlichen Beziehung verlangt, in der ihre Gefühle sich abstrakt verdichten und ihrer Empfindungen enthoben werden.

Ein Selbstgefühl ist ein Gefühl, das als Empfindung eigener Gefühle sich verdoppelt, sowohl Empfindung als auch Gefühl ist, aber für sich weder ganz das eine, noch ganz das andere sein kann. Von daher ist es nichts, was für sich erkennbar ist, weil es die Empfindung als Gefühl hat und das Gefühl für seine Wahrnehmbarkeit ihm entsprechende Empfindungen nötig hat. Es ist etwas Drittes, das durch die Notwendigkeit von beidem getrieben ist, weil es weder auf das Eine noch auf das Andere verzichten kann, daher notwendig aus derer Abwesenheit bestimmt ist als etwas, das nach einer sinnlichen Beziehung verlangt. Es herrscht durch die bloße Tatsache, dass die Wahrnehmung einen Sinn haben muss, nach dessen Verwirklichung durch irgendeine Anwesenheit von Sinnlichem sie strebt, weil sie sich eben nur abstrakt sinnlich zusammenfügt (siehe abstrakt menschlicher Sinn), weil sie durch die Wahrnehmung des Selbsterlebens durch Ereignisse zwischen dem getrennt ist, was sie an Wahrheit nimmt und dem, was sie wirklich wahr hat (siehe hierzu auch Dialektik) und ohne sinnliche Gewissheit in sich zerfallen würde (siehe auch Identität).

In zwischenmenschlichen Verhältnissen erscheint das Leben der Menschen als eine Welt voller Gefühle, voller Wahrnehmungungen, in denen sie sich durch ihre Beziehungen erleben und bilden. In jeder Wahrnehmung stellt es sich so dar, wie es sich ereignet. Die Wahrheit einer jeden Wahrnehmung besteht daher in der Identität der Erkenntnis von dem, was Menschen wahrnehmen und dem, was sie dabei wahrhaben.(1) Um Verhältnisse der Wahrnehmung begrifflich darzustellen, muss geklärt sein, was sie materiell sind und worin sie sich verwirklichen, wodurch sie sich im Verhältnis von Menschen zu einem Verhältnis der Selbstwahrnehmungen verselbständigen, wodurch sie also eine selbständige Form erhalten können.

Wir waren davon ausgegangen, dass die einfachste Form, aus der die Wahrnehmung ihre Elemente bezieht, die Empfindung ist. Von daher ist die Empfindung auch der Stoff der Wahrnehmung - ganz gleich, ob sie sich auf Sachen oder Menschen oder zwischen den Menschen bezieht. Verselbständigen kann sich die Wahrnehmung aber nur, wo sich Menschen über ihre Wahrnehmung so beziehen, wie sie sich hierdurch als Menschen finden und empfinden, wie sie sich darin auch als Mensch wahrhaben. Wir müssen also mit der Empfindung beginnen, um diese einfache Wahrheit beschreiben zu können.

Was Empfindung als Selbstwahrnehmung wahr hat, das äußert sich immer auch in den Gefühlen, mit denen sie erinnert wird. Wenn wir uns diese Beziehung nun vornehmen, werden wir darin erkennen, wie sich Gesellschaft in einer Selbstwahrnehmung durchsetzt, deren Ereignisse überhaupt nur im einzelnen Menschen stattfinden, die also in ihm ihren Sinn für etwas jenseits von ihrem Gegenstand so findet, wie er sich darin einfindet, wie er sich in den Ereignissen seiner Wahrnehmung verhält und darin für wahr genommen wird. Es bildet sich auf diese Weise jeder Sinn so, wie er in der Trennung, in seiner Isolation sich im Menschen wahrhat, wie der Sinn von Empfindungen im Sinn der Gefühle durch etwas bestimmt wird, das weder das eine noch das andere sein kann, also etwas Drittes sein muss, in welchem sie sich einig werden müssen, sich abstrakt von sich in einem abstrakt menschlichen Sinn vereinigen. Und das ist ganz wesentlich davon abhängig, wie sich seine Beziehung in diesen Verhältnissen gesellschaftlich ereignet hat und sich daher auch noch in der Selbstwahrnehmung ereignet und entfaltet und zum Gedächtnis vieler Erinnerungen wird. Die Frage ist, wie und wodurch sich die Gefühle von ihren Empfindungen darin isolieren, also überhaupt ohne einander für sich wahrgenommen, zu einem bloßen Selbstgefühl zwischen den Menschen werden und ihre Wahrnehmungen durch ihre Selbstwahrnehmung bestimmen können. Es geht im Folgenden also um die Dialektik der Selbstwahrnehmung.

Als allgemeine Notwendigkeit des Selbstgefühls ist der Empfindung ein Gefühl vorausgesetzt und kann sich daher in dieser nur bestätigen, indem dieses die Empfindung sowohl bestimmt wie auch für sich nutzt, um sich darin zu finden (siehe hierzu auch Ästhetik), als wahr für sich, also im Wesentlichen Wahrnehmung für sich selbst, Selbstwahrnehmung zu sein. Es begehrt vor allem Ereignisse, durch die erlebt werden kann, was die Selbstwahrnehmung anreizt, bestärkt und das Geltungsbedürfnis des Selbstwerts befriedigt.

Selbstgefühl ist auch schon logisch ein widersinniger Begriff, unterstellt er doch, dass man sich selbst fühlen, dass man Subjekt wie Objekt des eigenen Fühlens sein kann. Das verweist darauf, dass die Wahrnehmung eines Objekts als Wahrnehmung seiner Selbst sein könne, dass also der Unterschied von Empfindung und Gefühl durch sich selbst aufgehoben werden könne. Und das beweist nur, dass die Wahrnehmung seiner selbst vor alles Empfinden und Fühlen gestellt ist, dass die Wahrnehmung als ästhetische Wahrnehmung zu einer Selbstwahrnehmung geworden ist, deren Wahrheit nicht in ihr selbst sein kann, sondern bloße Ästhetik ist.

Aber Ästhetik ist der bloße Widerschein einer Wahrheit in der Wahrnehmung ausschließlich für sich selbst, wie sie sich in ihren Gefühlen als Selbstgefühl vermittelt, Widerschein einer Wahrheit im Selbstgefühl ist. Die Wahrnehmung betreibt darin ein Bildung für sich, die wie das Bild einer Vorstellung von und für sich selbst ist. Ästhetisch ist also nicht die Eigenschaft eines Gegenstands der Wahrnehmung, sondern die Eigenschaft eines Gefühls, die selbständige, unabhängige reine Wahrnehmung des Gefühls, des Gefühls, das an sich nur für sich, also zirkulär ist. Ein solches Gefühl kann nicht für sich wahr sein, weil es in solcher Ästhetik im Jenseits aller Reflektion unendlich schön wäre und in seiner Schönheit sich endlos verstehen, sich substanziell in der Wahrnehmung verlieren müsste, im Grunde also hässlich werden muss. Jede Wahrnehmung erweist sich so als endlich, als subjektiv durch ihre Beziehung auf ihren Gegenstand und zugleich objektiv durch die Tatsache einer Wahrheit für sich, durch die Art und Weise, wie und warum Menschen auch über alle Kulturen hinweg ihre Verhältnisse so oder so finden und eingehen, sich freuen, hoffen oder fürchten, wie es jeder Mensch versteht, sei es durch Kommnikation, Musik, Kunst oder in den Geschichten ihres Lebens.

Was die Selbstwahrnehmung als Begriff also widersinnig macht, ist die bloße Tatsache, dass man sich selbst als Wahrheit für sich behaupten könne, sich selbst sehen, riechen, hören usw. könne, ohne hierbei schon außer sich, also unwahr für sich zu sein. Selbstwahrnehmung kann nur stattfinden, wo das Leben selbst schon außer sich ist, wo es erlebt werden muss, um für sich wahrnehmbar zu sein, wo Lebens sich ereignet, weil es durch Ereignisse bestimmt, erlebt und erfahren wird und sich in dem einfindet, was auch zu fühlen ist. Aber im Erlebnis bestimmt der Moment der Empfindung, im Gefühl die Geschichte dessen, was für wahr genommen worden war. Wo das eine ist, kann das andere nicht sein. In der Selbstwahrnehmung können die Gefühle keine Empfindungen haben, weil sie sich selbst erst finden können, wo sie ihre Empfindungen schon kennen, wo ihre Geschichte schon eine Geschichte ihres Erlebens hat, sich Empfindungen in ihren Gefühlen vergegenwärtigen und erinnern.

Wo Empfindungen nicht im Gefühl gegenwärtig sein können, da ist das Gefühl seiner Geschichte, und damit seiner gesellschaftlichen Natur enthoben. Das empfindungslose Gefühl reflektiert eine Natur, die es nur noch durch seine Organe hat. Es ist das Selbstgefühl seiner organischen Natur, welche sich allein durch ihr Erleben gesellschaftlich auf andere Menschen bezieht. Die Empfindungen sind darin außer sich, zugleich aber niemals ohne ihre Natur. Jede Empfindung ereignet sich ja tatsächlich auch schon so, wie sie vor aller Erfahrung im Sinn der Menschen mit ihrer Natur verbunden ist. Und so ereignet sie sich auch in ihrer Vereinzelung, in ihrer vereinzelten Erfahrung schon in sich von ihrem Sein getrennt und also schon in ihrem Dasein objektiv fremd. Ihr Sinn für sich ist durch ihre Wahrnehmung außer sich gebrochen. Und da jede Empfindung von Natur aus gegenständlich ist, kann sie in der Abwesenheit ihres Gegenstands körperlich also auch nur abstrakt da sein, so konkret sie sich auch anfühlen mag. Die Wahrheit der Wahrnehmung ist in dieser Beziehung zwiespältig, trägt diesem Widersinn in sich schon durch einen wesentlichen Zweifel der ihre Selbstwahrnehmung bestimmt. Wo eine Selbstwahrnehmung schon durch sich gegeben erscheint ist sie nicht möglich, und wo sie außer sich gerät, kann sie nicht wahr sein. Es wird sich zeigen, dass sie diesen Zweifel erst darin aufheben kann, dass sie ihre Empfindungen in ihrem Selbstgefühl für sich und gegen andere zu ihrem Selbstwert verallgemeinert und sich darin schließlich auch zwischenmenschlich vergesellschaftet.

Die Frage, die zunächst mal zu beantworten ist, heißt also: Wie ist es möglich, dass Wahrnehmung außer sich sein kann, dass sie nicht nur abstrakt von sich, sondern sich auch selbst schon abstrahieren, sich schon selbst fremd werden kann, dass sie Macht über die Menschen gewinnt, dass diese nicht nur unter Verhältnissen leiden, durch die sie sich von ihrer Gesellschaft entfremden, sondern dass eine gesellschaftliche Wahrnehmung sie selbst gerade auch dort beherrscht, wo sie in ihrer Form vereinzelt, gesellschaftlich isoliert sind? Wodurch kann Wahrnehmung selbst so objektiv sein, dass sie eine eigene Kraft, eine fremde Macht über die Menschen gewinnt?

Um das zu beantworten müssen wir jetzt zunächst das gesellschaftliche Verhältnis einer objektiven Wahrnehmung das Verhältnis objektiver Gefühle - ihre Ästhetik - untersuchen, müssen verstehen, wie und wodurch Menschen auf Menschen bezogen und zugleich für Menschen unerreichbar sind, wie es zum Beispiel zu einer Massenpsyche kommen kann und woraus hierin dennoch die Kräfte der Emanzipation bezogen werden können, eine ökonomische und kulturelle Krise als Krise des Menschseins selbst aufgelöst werden kann. Es ist also nicht nur der Einteignungsprozess der menschlichen Tätigkeit zu beschreiben, sondern in unserem Fall auch der Einteignungsprozess menschlicher Sinnlichkeit, wodurch die Erkenntnis der eigenen Sinne im Bewusstsein entfremdeter Sinnlichkeit erschlossen werden kann, die einen ungeheueren Selbstverlust für die Menschen darstellt. Aber mit diesem Bewusstsein wird sich schließlich auch die Entgegnung auf die Selbstlosigkeit der bürgerlichen Persönlichkeit finden lassen, der das wirklich gesellschaftliche Leben, die gesellschaftliche Wirklichkeit von Grund auf entgegensteht. Das Resultat der bisherigen Analyse muss daher nun als Verhältnis einer entfremdeten Selbstwahrnehmung, als wirkliche Selbsttäuschung aufgeklärt werden. Beginnen wir deshalb hierzu noch mal von vorne.

Eine Empfindung ist zunächst der Zusammenhang einer Sensorik, also die Wahrnehmung eines oder vieler Eindrücke in einem, welche jede sinnliche Gewissheit ausmacht und wodurch sie für sich wahr ist, gleich, was sie außer sich auch sonst noch wahrhaben kann. Auf dieser gründet die Arbeit eines jeden Organismus, die sich als Vermittlung von seiner Innenwelt zu seiner Außenwelt vollzieht. Im Gefühl für das, was sie hierbei wahrhat. Es bezieht sich die Empfindung hierüber schließlich wieder auf sich, so wie sie sich darin gefunden hat und einfinden kann und wodurch sich die Fähigkeiten eines Organismus entwickeln.

In der Evolution des Lebens war die Empfindung der Ursprung natürlicher Intelligenz, die Beziehung eines Naturwesens auf seinen Gegenstand, ganz gleich, ob dieser natürlich war oder nicht, z.B. als Pflanze, Tier oder auch nur als leblose Materie, als Mineral oder Wasser oder Luft oder dergleichen. Von Natur aus kennt die Empfindung ihren Gegenstand schon, bevor sie ihn findet und sie empfindet, was er für sie ist oder sein kann. Diese Naturempfindung ist damit die unausweichliche Grundlage eines jeden Stoffwechsels und der vielfältigen Gestalten, die er im Lauf der Geschichte bis in die menschliche Kultur hinein gebildet hat und darin zum Gedächtnis ihrer Entstehung und Entwicklung, zu einem Gefühl für unsere Welt, für Menschen und Sachen geworden ist. Empfindung ist alles, was wir in unseren Gefühlen erinnern können und scheidet unsere Wahrnehmung in dem, für was wir einen Sinn haben, was wir also wissen können, von dem, was uns nicht sinnlich gewiss werden kann, für das wir keinen Sinn haben und das wir nur gedanklich erschließen können (z.B. bestimmte Lichtfrequenzen und Strahlungen).

Empfindung setzt also selbst schon das Werden von Subjekt und Objekt der Wahrnehmung voraus, sei es durch die Naturentwicklung oder durch die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft als Naturmacht (siehe Produktivkraft). Sie meint im Wortsinn schon im Ursprung des Wortes das Emp-Finden, das End-Finden, das "Zu-Ende-Finden", also die Verwirklichung einer sinnlichen Identität mit einem Gegenstand der Empfindung, sei er Sache oder Mensch oder Tier oder Pflanze oder Natur überhaupt.

Für Menschen hat jede einzelne Empfindung aber keine unmittelbare Gewissheit im Ganzen. Sie ist nur ein Moment seiner Sinnbildung. Empfindungen sind zwar natürlich und haben natürliche Intelligenz, doch sie empfinden nicht nur Natur. Sie geben keine Gewähr für ihre Natur, haben keine natürliche Wahrheit für sich, machen keine Natur aus und nichts zur Natur. In unnatürlichen Verhältnissen empfinden sie daher auch nicht Unnatur, sondern nur die Wirkung, die sie auf einen Körper in dem Zustand hat, in dem er auch wirklich ist. So können Empfindungen auch durch unwirkliche Kräfte bestimmt sein und dennoch körperlich wirksam sein - z.B. können Schmerzempfindungen als "Seelenschmerz" eine völlig andere Natur erfahren, als die, welche für sie unmittelbar sinnvoll wären, wenn sie selbst durch Gefühle bestimmt sind, die sich gegen ihre Natur behaupten, ihre Unnatur veräußern. So können sich Empfindungen selbst verkehren, wenn sie verkehrten Verhältnissen unterworfen sind, wenn sie den Notwendigkeiten objektiver Gefühle folgen müssen, wenn sie ihnen aus irgendeinem Grund hörig geworden sind (z.B. als Perversion). Und sie können Lebensangst entwickeln, ohne dass hierfür eine konkret sinnliche Ursache vorliegt (siehe z.B. auch Phobien und Depressionen).

Empfindung ist die Tätigkeit der Sinnesorgane in der Art und Weise und in dem Moment ihrer Gewahr-Nehmung eines Gegenstands, der eine Sache, eines Menschen oder auch selbst Sinn sein oder haben kann. Er wird in der Empfindung erst gewiss, weshalb man auch von einer sinnlichen Gewissheit spricht. Aber so frisch und neu diese Gewissheit erscheinen mag, so setzt sie schon immer Sinn voraus, der darin nicht neu sein kann, weil er sich ansonsten seiner nicht gewiss wäre, ebensogut eine Erscheinung von anderem, bloße Reflexion sein könnte.

Eine Empfindung ist dennoch die unmittelbare, also unvermittelte Beziehung auf einen Gegenstand, mit dem sie vor aller Erfahrung schon verbunden ist. Sie ist daher nicht bloßes sinnliches Auffassen, organische Tätigkeit einer hiervon unabhängigen Sensibilität, sondern Identifizierung, Tätigkeit in einer Identität eines Subjekts mit seinem Objekt in der Wahrnehmung, das unabdingbare Moment der Wahrheit, das Finden ihrer Gegenwart. In der Empfindung findet die Wahrnehmung ihren unmittelbaren Gegenstand, die unmittelbare Gewissheit ihrer Sinne als das, was dieser im Einzelnen durch seine Eigenschaften für sie für wahr, also auch wirklich so sinnlich ist, wie er auf die Sinne wirkt. Wirkung hat er eben in soweit, wie das Objekt der Wahrnehmung ihr zu eigen ist, wie er ihren Eigenschaften entspricht, wie subjektive Eigenschaften in der Beziehung auf objektive Eigenschaften auch wahr sind.

Schon vor und mit der Geburt eines Menschen besteht sie als weltliche Verbundenheit, nicht jenseits seiner Wirklichkeit - etwa in einem übernatürlichen Kosmos der Gefühle - sondern absolut diesseitig, als wirkliche Natur dieser Beziehung schon in der Form ihrer bloßen Leiblichkeit, als natürliche Empfindung, wie sie auch alle Kulturbeziehungen enthalten (siehe hierzu Naturempfindung). Jeder Säugling weiß seine Eltern zu schätzen, soweit sie ihm ihr Leben zeigen und geben. Und er weiß auch schon, wie er dieses Leben zu nehmen und für sich zu entwickeln hat, wie er sich hierdurch entwickeln kann, was immer auch sonst dieses Leben bedingt. Seine Empfindung ist also schon vor seiner Geburt substanziell gesellschaftlich.

Die einfachsten Empfindungen bestehen aus der zunächst objektiven Wahrnehmung seiner Form und ihres Zustands, oft auch nur als formale Differenz von den Eigenschaften des Menschen und die seines Gegenstands, wenn er z.B. als heiß, kalt, bedrohlich oder gefügig empfunden wird. Jede Empfindung enthält ein Wissen, das die Sinne schon vor dem Leben der einzelnen Individuen gebildet hatten und das sich in ihr und durch sie sowohl bestätigt wie auch fortbildet (siehe Sinnbildung).

Empfindung nimmt den objektiven Inhalt einer sinnlichen Beziehung subjektiv wahr. Sie lebt durch die Aufmerksamkeit und zugleich Neugier der Sinne, wiewohl sie nur das wahrnimmt, was sie außer sich als das erkennen kann, was sie von sich schon weiß (siehe sinnliche Gewissheit). Eine Empfindung ist daher zunächst der Zusammenhang einer Sensorik, also die Wahrnehmung eines oder vieler Eindrücke in einem, welche jede sinnliche Gewissheit ausmacht und wodurch sie für sich wahr ist, gleich, was sie außer sich auch sonst noch wahrhaben kann.

Empfindung ist aber dennoch zunächst nur die sensorische Wahrnehmung einer sinnlichen Gewissheit, einer Begegnung im Aufeinandertreffen unterschiedlicher Existenzweisen - so wie der Sinn danach steht, eben so, wie Subjekt und Objekt in ihrer Beziehung aufeinander darin schon sinnlich von Natur aus begründet sind. Von daher offenbart eine Empfindung schon ein Wissen, das lediglich schon durch die Anwesenheit ihres Gegenstands gewiss, nicht jedoch dessen erwiesene Wahrheit ist. Es ist das Wissen um ihren Sinn, der auch ohne diese Beziehung zu ihrem bestimmten Gegenstand, also auch in seiner Abwesenheit wahr ist - eben weil dieser schon sinnlich ist, Sinn für das Subjekt der Wahrnehmung hat, auch ohne empfunden zu werden. Die Wahrheit der Empfindung ist alleine das gewahr werden seiner selbst in anderem, Sinn für sich als Sinn ihrer Wahrheit, die Begegnung mit einem Gegenstand, einem Menschen, einer Sache oder der Natur, die Anwesenheit von Subjekt und Objekt der Empfindung als Ganzes einer Beziehung für sich, als dies Eine hier und jenes Andere dort, gleich ob dies schon als Genzes erwiesen ist oder nicht oder wie es sich sonst noch verhält (0).

Die Empfindungen der Menschen beruhen in zwischenmenschlichen Verhältnissen auf dem Finden von Seinesgleichen durch Andere. Wie Menschen sich hier in anderen finden, so reflektiern sie sich als Mensch, der sich darin gefunden hat. Es ist das unentwegte Wiedererkennen seiner selbst in anderen Menschen, das genau so unentwegt enttäuscht wird, weil darin nur gefunden wird, was man von sich selbst darin wahrhaben kann. Und das kann nicht unmittelbar menschlich sein, weil menschliche Wahrheit nicht nur unmittelbar sondern auch allgemeine, in Gesellschaft gewiss sein muss, also keine Gewissheit durch andere Menschen ohne diese finden noch durch sie haben kann, also weder vermitteltbar noch unmittelbar ganz gewiss ist. Erst in ihren Gefühlen bewahrheitet sich der Zusammenhang der Empfindungen.

Jedes Gefühl ist die subjektive Reflexion von dem, was die Empfindung zu ihrem objektiven Inhalt hat. Es ist von daher das Subjekt der Wahrnehmung, durch das sie erst zu sich kommt, sich verinnerlicht und erinnert. Gefühle sind zum einen Tätigkeit der Wahrnehmung, zum anderen Reflexion ihrer Empfindungen. Im Gefühl ereignet sich seine Wahrheit in dem, was es wahrhat und dem, was es wahr nimmt. Alle Ereignisse sind daher von sinnlicher Substanz für das, was hierbei für wahr genommen wird, was innerlich wie äußerlich gewahr, also eins wird. Es bildet den Sinn, der sich darin regt (siehe Regung).

Was in der Empfindung gefühlt wird, ist also rein subjektiv und verbleibt im Subjekt der Empfindung daher auch als Gefühl für etwas oder jemanden, für einen Menschen, für ein Tier, eine Pflanze oder eine Sache. Und dieses Gefühl kann von daher auch nicht für sich bleiben. Es bildet sich in dem Subjekt fort durch die mannigfachen Begegnungen mit den jeweiligen Empfindungen, verschafft sich darin die Zusammenhänge, in denen sein Leben existiert und tätig ist und es sich also selbst in seinen Gefühlen auf dieses bezieht. Im Gefühl bezieht sich ein Mensch subjektiv auf seinen Gegenstand, wie er für ihn und durch ihn da ist, wie er von Natur und als seine Kultur ist, wie er durch ihn gebildet ist und wie er ihn selbst gebildet hat. So ist die Kultur zur Natur des Menschen geworden, weil er sich darin sinnlich vergegenständlicht hat und sich als tätiger und bedürftiger Mensch darin erkennt. Er bildet seine Gefühle für seine Gegenstände so aus, wie er seine Bedürfnisse durch seine Tätigkeiten fortbildet, wie er ein Gefühl für die naturhaften und gesellschaftlichen Dinge entwickelt, für Holz, Metall, Wetter, Erde usw. ebenso wie für Menschen, Räume, Bewegungen, Töne usw.

Gefühle sind daher erst mal nur verinnerlichte Empfindungen der verschiedensten Begegnheiten - und damit auch Erinnerung einer Befindung. Wie etwas gefunden und befunden worden war, so erscheint es auf diese Weise auch im Gefühl hierfür, in der einfühlenden Wahrnehmung für einen Menschen oder eine Sache. Im Gefühl hat man den Sinn eines Gegenstands subjektiv als das wahr, was ihn objektiv gemacht hatte, also warum und wie er darin vergegenständlicht ist. Es ist all das, was den Inhalt der Bedürfnisse der Menschen, die Beziehung zu ihrer Welt überhaupt so bestimmt, wie sie diese auch für wahr nehmen, so wie sie mit ihnen auch übereinzustimmen scheint. (z.B. Geschmack, Kunst, Liebe, kurz: Menschsein schlechthin) - all das, was von ihnen und für sie geschaffen wurde, was also ihre Kultur in ihrer Wahrnehmung ausmacht .

Ein Gefühl hat man aus der Erfahrung von Empfindungen mit Menschen oder Sachen. Wo in der Empfindung noch die formalen Eigenschaften eines Gegenstands mehr oder weniger objektiv erkannt werden, findet das Gefühl ihren Sinn für sich, den praktischen Inhalt, wie er gegeben und genommen wird, wie er subjektiv verbleibt, im Subjekt der Wahrnehmung über ihre Momente hinweg fortbesteht. Es enthält und bildet den Sinn hierfür, die Empathie, wie er in einer gegenständlichen Beziehung besteht (siehe Sinnbildung) und macht das Gedächtnis aus, welches die Fähigkeiten und Absichten entwickelt (z.B. im Traum), sich hierzu zu verhalten (siehe auch Psyche). Im Unterschied zur bloßen Empfindung setzt also dies Beziehungen und Tätigsein Lebensäußerungen voraus, in welchen Menschen oder Sachen durch ihre Eigenschaften wahrgenommen werden und sich diese Verhältnisse als Gefühl zu ihren Gegenständen so niederschlagen, wie sie wahrgehabt wurden. Von daher stellt sich in den Gefühlen eine Erfahrungsgeschichte der Empfindungen eines Individuum so dar, wie sie im Verhältnis der Individuen auch als Kultur gegenständlich ist, auch wenn darin deren Zusammenhang noch gebrochen, noch bürgerliche Kultur ist. Aber ein Mensch ist immer ein ganzes Wesen, auch wenn er in seiner Gesellschaft noch nicht als dieses aufgeht und diese in ihm auch noch nicht ganz wahr sein kann.

In dieser Beziehung verhalten sich die Empfindungen als Gefühle zu einander und für einander, bilden sich durcheinander in ihren Wahrnehmungsverhältnissen fort; nicht durch und in ihrer Einzelheit, sondern in dem worin sie sich gemein machen und sich in dem erkennen, was sie für sich sind, um auch für andere so da zu sein, wie sie sich darin erkennen. Im Gefühl geht die Empfindung über sich hinaus, weil sie über sich hinausgehen muss, um als Wahrnehmung in Gesellschaft zu sein, um sich auch in ihren Verhältnissen als Sinn eigener Wahrheit zu finden, zu bestätigen, sich als Sinn menschlicher Erkenntnis zu bewähren.

Doch Gefühle sind nicht nur Reflexionen, nicht nur Bewährung. Sie nehmen auch wahr, was nötig ist, um wahr zu werden, was eben noch nicht oder überhaupt nicht wahr sein kann. Sie erkennen auch Unwahrheit oder bestehen als Gefühl für einen Mangel. Im Gefühl reflektiert sich ein Wahrnehmungsverhältnis so, wie es auch wirklich wahrgehabt wird. Und als Mangelgefühl bestimmt es sich darin, wie es wahrgemacht werden muss, um die Wahrheit der Beziehung eines Menschen auf den Gegenstand seiner Wahrnehmung so zu erzeugen, dass er als menschlicher Gegenstand auch menschlich empfunden wird. Der Schreiner muss ein Gefühl für Holz gebildet haben, um Schreiner zu sein und neue Dinge zu erzeugen, der Bauer ein Gefühl für die Natur des Ackers, den er bearbeitet, der Künstler ein Gefühl für die Wahrnehmung selbst, die sich noch nicht oder nicht mehr wirklich wahrhat. Nichts bleibt für Menschen ungebildet, auch wenn ihre Bildung sich auf eine bloße Verbildlichung reduzieren kann. Das aber setzt schon voraus, dass ihre Gefühle wirklich werden, wieder durch Tätigkeit aufgehoben werden, dass sie sich also auch selbst aufheben können, wo Menschen tätig werden und aus ihrem Gefühl heraus wirkliche Gegenstände, gegenständliche Wirklichkeit schaffen.

Und auch in den zwischenmenschlichen Verhältnissen, in denen sich die Menschen selbst Gegenstand ihrer Wahrnehmung sind, erkennen sie in ihren Gefühlen, was in ihrer Wahrnehmung nicht wahr ist. Wo sich Frauen oder Männer oder Kinder nicht als Menschen erkennen können, werden sie sich nicht durch einander bilden und fortbilden können, werden sie sich vernutzen und sich selbst nur als Objekt wahrhaben, subjektiv alles unnötig machen, was sie objektiv für einander sind oder sein können, und objektiv alles entäußern, was für sie subjektiv werden könnte. Jede Sinnbildung verlangt Wahrheit, ohne die sie nur zur Verbildung wird, von ihrem Sinn nur abstrahieren kann. Die Idealisierungen der Geschlechter, die Ideologie einer Liebe, die nur ein bestimmtes Erleben im Dasein verlangt, verstellt den Sinn, den Menschen füreinander haben oder finden können, wird zu einer Sache, die sich nur in ihrer Nichtung versachlichen kann.

Für sich genommmen ist jedes Gefühl eine erfühlte Reflexion der Empfindung, die von ihrer bestimmten Gegenwärtigkeit absieht und sich unabhangig von ihr - also an und für sich zeitlos, wohl aber mit der Räumlichkeit ihrer Umstände verbunden - in das Gedächtnis versetzt. Es äußert sich in vielerlei Formen, z.B. als Stimmung, Gestik, Mimik, Aufregung, Musik, Bildnis usw. Wenn es nicht unterbrochen, nicht verstellt oder zugestellt wird, kann es in ebenso vielen Beziehungen der Sinne aufgehen, so wie diese in den Verhältnissen ihrer Empfindungen auch Gefühle bilden. Was in den Empfindungen objektiv war, wird in den Gefühlen zum Wahrnehmungsinhalt ihrer Erinnerung und bildet das Wesen der subjektiven Wahrnehmung aus.

Diese Bildung findet sich in solchen Wahrnehmungen ein, in denen sie sich auch gestalten, wie z.B. in den Momenten, in denen Empfindungen ganz unmittelbar in Gefüghlen wahr werden, in denen der objektive Gehalt von Wahrnehmungen sich in Gefühlen so verinnerlichen, wie sie auch wahrgehabt wurden, in Momenten innerer Bewegung und Regung, die als Musik oder Bilder oder Literatur oder Liebe gestaltet sein können, auch wo die Ereignisse längst verlassen sind, in denen dies wirklich gegenwärtig war. Von daher können Empfindungen und Gefühle in einer Wahrnehmung oder auch als Stimmung eins werden. Doch in ihrer wirklichen Geschichte teilen sie sich im Lauf der Zeit und dem Wechsel der Lebensräume immer wieder auf in eine objektive und eine subjektive Wahrheit der Wahrnehmung, die sich zwischen Emfindungen und Gefühlen verhält. Und nur im Gefühl überdauern sie die momenthaften Eindrücke ihrer sinnlichen Gewissheit - bleiben also nicht ohne ihre Empfindungen mehr oder weniger gewiss zu bewahren und als Erinnerung für sich zu behalten.

Die Sinnbildung ist im Gefühl daher zweierlei: Einmal als Fähigkeit, eigenes Leben im Gespür für ihren Gegenstand (z.B. durch die Erzeugung einer Tonfolge, Farblichkeit, Geschmack, Haptik usw.) zu äußern und dies zum anderen aus dem Leben der Wahrnehmung aus den Empfindungen gegenständlicher Eigenschaften zu beziehen.

Im Gefühl wird der Sinn für dies Äußere wahrgehabt, der Sinn für die Eigenschaften ihrer Gegenstände, die zugleich die Fähigkeiten für diese Äußerungen reflektieren. Es ist die Reflexion der Empfindung, welche die Eigenschaften eines bestimmten Gegenstands in gegenständlichen Verhältnissen wahrnimmt. Von daher ist Gefühl selbst schon auch die Reflektion einer Sinnbildung. Aber im Gefühl ist sie zunächst nur ein Zustand der Wahrnehmung, der von ihrer Gegenwärtigkeit absieht und sich unabhangig von ihr - also an und für sich zeitlos, wohl aber mit der Räumlichkeit ihrer Umstände verbunden - in das Gedächtnis versetzt. Darin ist die Wahrnehmung mehr als nur Reflex. Sie wird zugleich Subjekt wie Objekt ihrer Geschichte, - einerseits gebunden an die Zusammenhänge ihrer Entstehung und zugleich frei, sich über diese hinaus zu gestalten und gestaltend zu verhalten. Ihre Geschöpfe sind Vorstellungen, die nicht nur Geschichte reflektieren, sondern auch Geschichte machen, soweit es gelingt, sich in ihren Verhältnissen zu vergegenständlichen, einen erneuten Sinn für ihren Gegenstand zu schaffen, wirklich schöpferisch zu sein.

Auch wenn die bürgerliche Kultur sich auf das Verhalten der Wahrnehmung in ihren zwischenmenschlichen Verhältnisse reduziert, so enthält sie doch immer schon auch das Potenzial ihrer Selbstüberwindung, wo sie über deren Gegebenheiten hinausgreift, sich nicht in ihren Selbstverständlichkeiten einrichtet. Doch das setzt voraus, dass sie das Selbstverständliche als ihre Selbstentfremdung erkennt.Denn weil dessen Wahrheit sich nicht von selbst versteht, nicht selbstverständlich ist, weil darin die Lebensäußerung der Menschen in Zweifel steht, wirkliche Lebensäußerung zu sein, weil als Gegebenheit die Gegenständlichkeit ihres Lebens zugleich ungegenständlich ist, so bleiben die Gegenstände den Menschen entzogen, fremd, verselbständigt, ihre eigene Wirklichkeit unwirklich. Und es erscheint ihre gesellschaftliche Naturmacht ihnen dann ebenso äußerlich als Natur ihrer Sachen, die sich gegen sie verhält, wie sie auch sich selbst als bloße Sache ihrer Natur begreifen. In der Selbständigkeit ihrer Gegenstände bleibt ihr Leben veräußert. Doch Leben ist unveräußerlich. Ein äußerliches Leben kann nicht wahr sein, auch wenn die Wahrnehmung darüber hinweg täuschen kann, - wenn sie mit ihm vertauscht wird.

Das Leben der Menschen in den Gesellschaften, deren Lebenszusammenhang durch Kapital begründet ist (1), täuscht sich in seiner Selbstwahrnehmung durch die Vertauschung des Wahrgehabten durch das Wahrgenommene. Es hat daher Wahrnehmung für sich selbst schon vor aller Wahrnehmung nötig, muss Selbstwahrnehmung erzeugen, um sein Leben selbst wahr zu finden, sich als eigene Wahrheit in seinem Erleben zu empfinden. So erscheint diese Kultur als eine unendliche Reihe von Erlebnissen, jedes einzelne Erlebnis als Ereignis ihrer Selbstwahrnehmung.

In diesen Verhältnissen ist das Erleben der Reiz des Lebens. Es reflektiert dessen Empfindung als Gefühl für sich und erscheint daher frei und losgelöst von all seinen Notwendigkeiten. So lebendig ihr Erleben den Menschen erscheint, ist es doch nur die Leidensform eines Lebens, das sich als Erlebnis aus der Lebenserzeugung, aus der Tätigkeit der Menschen heraussetzt, den Grund seines Werdens, seine Geschichte, außer sich hat und ihn in seinem Befinden und Fühlen als Beziehung auf seine Welt in sich selbst, also in seiner Selbstwahrnehmung reflektiert. Das im Erleben reflektierte Leben ist im Grunde untätig. Es ist ein Leben, das seinen Zusammenhang mit der Menschheit, seine menschliche Identität, durch Selbstwahrnehmung unterbricht - vereinzelt - und von daher ohne wirkliche Geschichte ist, aber in dieser Reflexion dennoch für wahr genommen wird.

Die Wahrnehmung, über die nachzudenken ist, ist von der unmittelbaren Lebenäußerung darin unterschieden, dass sie ungewiss ist, dass sie selbst keine unmittelbare Wahrheit hat, dass sie nur für wahr nehmen kann, was ihr Leben beeindruckt (0a). Sie ist die Auffassung seiner Wahrheit als Eindruck, die sie zugleich aber nur dadurch hat, dass sie getrennt von ihr existiert, dass sie für sich nicht das ist, was für wahr genommen wird. Wahrnehmung ist aber erst durch das wahr, was sie wahr hat. Und wo sie nicht das nehmen kann, was sie hat, ist sie sich ihres Lebens nicht gewiss, ist sie nur irgendeine Wahrheit, wie sie halt für sich genommen wird und als Gewohnheit herrscht.

Aus der Ungewissheit solcher Wahrnehmung entsteht die Notwendigkeit, über das nachzudenken, was darin wirklich wahr ist, was also nicht nur wahrgenommen, sondern auch wahrgehabt wird. Die Vermittlung von Wahrnehmen und Wahrhaben macht den Erkenntnisprozess der Menschen inmitten einer Welt aus, in der sie mit ihrer Wahrnehmung keine Gewissheit haben und ihre Mitte, ihre Einheit mit ihr, nicht empfinden können, ihre Gefühl dafür nur äußerlich haben und daher eine Unsicherheit, einen Mangel in ihrer persönlichen Identität verspüren. Ihr persönliches Erkenntnisvermögen stellt sich als die Art und Weise, in der sie sich auf ihre Wirklichkeit beziehen, als ihr Vermögen heraus, wie sie die Wirkungen auf sich auffassen, deren Ursachen sie zwar wahrnehmen, aber nicht ergründen können. Mögen die Ursachen noch so eindeutig sein, ganz eindeutig bestimmte Wirkungen hervorrufen - wenn ihr Grund nicht erkennbar ist, so bleiben auch die Folgen ungewiss, weil ihr Zusammenhang ihnen äußerlich beibt. Was ist, und dennoch ungewiss bleibt, kann nicht lebendiges Wissen werden und bleibt dem Bewusstsein der Menschen entzogen. Nicht aber ihrem Leiden. Es enthebt ihre Leidenschaft ins Ungewisse und belastet ihr Leben.

Es ist die Wahrnehmung, wie sie als Reflexion einer isolierten Wirklichkeit für sich geworden ist, ein Gefühl, das die Menschen teilen und mitteilen, indem sie es mit all ihren Sinnen äußern, - das sie aber auch schon außer sich haben bevor sie es empfinden, weil es auf einem gegenständlchen Leben beruht, das sie wahr haben, das aber nicht wirklich gegenständlich sein kann. Es ist daher ein objektives  Gefühl, was in solcher Gesellschaft jenseits der gegenständlichen Wirklichkeit der Menschen, die sie wahrhaben, zu einer eigenen Wirkung des Fühlens und Empfindens kommt. Als objektiviertes Gefühl ist es zwar sinnlich, aber nur durch die Sinne selbst, die darin aufeinander bezogen sind, ohne durch ihre Sache bewahrheitet zu sein. Obwohl in objektiver Beziehung hat solches Gefühl seine Wirklichkeit daher nur in den Sinnen der Menschen - und von daher als unmittelbar scheinende Sinnlichkeit zwischen den Menschen selbst. In der Wahrnehmung haben sie zwar subjektive Gegenwärtigkeit, aber als Gefühl zugleich objektiven Gehalt für einander. Im objektiven Gefühl ist die Wahrnehmung zugleich Selbstwahrnehmung und als zwischenmenschliches Erlebnis die Elementarform der Beziehungen, wie sie als Kultur zwischen den Menschen ist: Wahrnehmungsform zwischenmenschlicher Kultur.

Der Sinn, den die Menschen darin gesellschaftlich wahrhaben, ist daher für ihre Wahrnehmung nur formell und als dieser auch nur ästhetisch - als eigenständige Wirkung auf sie, als Objektivität ihrer doch so subjektiv scheinenden Zwischenmenschlichkeit zu begreifen. Ein Wissen hierüber ist nötig, um den Selbstzweifel, der damit gesellschaftlichen gegeben ist, aufzulösen. Ein Bewusstsein über den gesellschaftlichen Charakter dieser zwischenmenschlichen Wahrnehmung, die wesentlich Selbstwahrnehmung ist, ist also Wissen um den politischen Gehalt der Ästhetitik einer Sinnlichkeit, wie sie den Menschen solcher Gesellschaften zukommt. Die Erkenntnis, dass sich ihre Sinne in ihrer Wahrnehmung für sie entfremden, dass sie ihr Leben gesellschaftich anders wahrhaben, als sie es für sich wahrnehmen, äußert sich in der Kritik der politischen Ästhetitik.

Doch was macht die eigenständige Wirklichkeit solcher Wahrnehmung substanziell aus, die wesentlich doch die Wahrnehmung einer Selbstbeziehung ist? Worauf gründen die Wirkungen, die Eindrücke hinterlassen und ihre Empfindung überwältigen können?

Selbstbeziehung soll eine Beziehung auf sich selbst bezeichnen. Dies ist schon rein sprachlich ein Unding, behauptet das doch eine Beziehung, also eine Verbindung verschiedener Subjekte, die zugleich nicht als Beziehung auf Unterschiedenes besteht, sondern durch ein Selbst begründet sei. Es wäre ein Widersinn des Wortes, hieße das doch, dass man selbst doppelt existiere, denn Beziehung gibt es nur zwischen eigenständigen Wesen, also z.B. mindestens zwischen zwei Personen. Von daher wäre es der Begriff einer Selbsttäuschung, einer Scheinwelt der Selbstigkeiten einer Person, wenn es dies Unterschiedene in einem nicht doch auch wirklich geben würde, eben in einer Selbstempfindung durch andere, in den Empfindungen von Menschen als Seinesgleichen und doch Anderes, als Empfindung in zwischenmenschlichen Verhältnissen. Wie Menschen sich hier in anderen finden, so reflektiern sie sich als Mensch, der sich darin gefunden hat. Es ist das unentwegte Wiedererkennen seiner selbst in anderen Menschen, das genau so unentwegt enttäuscht wird, weil darin nur gefunden werden kann, was man von sich selbst darin wahrhaben kann. Und das kann nicht unmittelbar menschlich sein, weil menschliche Wahrheit unmittelbar gewiss sein muss, also keine Gewissheit durch andere Menschen finden noch durch sie haben kann, weder vermitteltbar noch unmittelbar ganz gewiss ist. Weil jede menschliche Empfindung von daher immer so gesellschaftlich ist, wie der einzelne Mensch in Gesellschaft sich bewahrheiten kann, empfindet er sich auch so fremd, wie Gesellschaft menschliche Entfremdung vermittelt und wie sich Empfindungen in den Gefühlen der Menschen von daher in einem Selbstgefühl mitteilen und verselbständigen.

Gefühle bestehen nicht nur aus einem Augenblick. Sie gründen auch auf Wahrnehmungen aus vergangenem Leben, auf Lebenserfahrung – eben auf Leben, wie es empfunden worden war und empfunden wird und wie es sich im Gefühl reflektiert. Aber als Lebensverhältnis für sich genommen, als zwischenmenschliches Verhältnis, ist Erleben die Wahrnehmungsform des Lebens unter der Bedingung einander gleichgültiger gesellschaftlicher Beziehungen, worin sich Geist und Sinn auseinanderleben und sich zugleich in ihrer Trennung in ihren Gefühlen vereinen, weil sie nur noch in den vereinzelten Individuen zwischen den Menschen sich identifizeren, Identität finden können. Es ist eine Wahrnehmung, welche ihrer Wahrheit wegen zwischen Empfindungen und Gefühlen zweifeln muss. Darin ist jede Beziehung ohne gesellschaftliche Wirkung, wohl aber gesellschaftliches Ereignis. Es ereignet sich das Leben der Menschen als eigene Wahrheit, als Leben für sich, wie es sich anfühlt, wenn es außer sich ist, sich aber darin nicht allgemein wahrhaben kann.

Eine Beziehung aus dem Erleben heraus ist eben nur eine Selbstbeziehung, wie sie sich in der Welt wirkungsloser, also unwirklicher Lebensverhältnisse ergibt, aber dennoch dadurch allgemein, dass diese Beziehung gesellschaftlich bestimmt ist. Von daher ist es eine nur subjektiv scheinende Beziehung, die sich aus ihren objektiven  Gefühlen heraus gestaltet, wie sie durch die gleiche Geltung ihrer Inhalte sich durchsetzt, weil dies dem Geld als Reflex der allseitigen Möglichkeit zwischenmenschlicher Bezogenheit des Kapitals in der Weise entspricht, wie es als unendlich scheinendes Reich der Möglichkeiten auf solche Beziehungen Wirkung hat. Und in den so begründeten Gefühlen eignen sich die Menschen ihr Leben als Lebensereignis durch sich und zugleich als Leben außer sich an, als Leben für andere und durch andere für sich. Ihr Verhältnis zueinander ist ein Wahrnehmungsverhältnis, das ihre Kultur als Erlebniskultur (Eventkultur) gestaltet, die sich aus den Begebenheiten begründet, die sich im Leben zwischen Menschen, also in ihrem zwischenmenschlichen Erleben ereignen. Es ist eine Kultur zwischen den Menschen, eine Kultur der Zwischenmenschlichkeit (2).

In dieser Selbständigkeit erscheint Kultur nicht mehr aus der Bildungsgeschichte der Menschen gegenständlich, nicht mehr aus den Produkten ihrer Arbeit, dem Reichtum ihrer Güter, ihrer Ressourcen und ihrer Produktionsmittel begründet. Es ist keine unmittelbar menschliche Kultur, wie sie sich aus der Geschichte der Menschen ergeben hat und ergibt; sie besteht zwischenmenschlich als Sinn für sich, als eine von den Lebensgrundlagen der Menschen abgetrennte Welt voller Lebensmöglichkeiten, voller Gegenstände der Konsumtion und Anschauung, wodurch alle möglichen Wünsche dadurch erfüllt werden können, dass das Leben selbst wie ein leiblicher Gegenstand einverleibt wird (2a) Zwischenmenschliche Beziehungen ergeben sich aus den Empfindungen und Gefühlen im Erleben und werden genommen wie gegeben. In ihren Gefühlen haben sie wahr, was der Zufall ihrer Empfindung ihnen wahr macht und wodurch ihnen ihre Wahrnehmung dem entsprechend gewiss wird.

Die Geschichte solcher Beziehungen in der Wahrnehmung ist daher zerstückelt wie der Zufall ihrer Begebenheiten. Sie erscheinen als Schicksal, als gewonnenes oder verlorenes Glück, oder auch als Zufügung von Unglück. Ihr Leben ist durch das bestimmt, was es ihnen an glücklichen oder unglücklichen Ereignisse bringt, was ihnen Identität durch die Unumstößlichkeit ihrer Selbstwahrnehmung verschafft und sie dadurch leben lässt, dass sie hierdurch in der Lage sind, ihre Wirklichkeit zu bezweifeln, ohne sie zu kritisieren. Sie gebrauchen und verbrauchen ihr Leben, um sich darin mit sich zu identifizieren, was sie durch sich selbst erfahren, wenn sie mit anderen zu tun haben. Erleben ist also nicht nur reine Wahrnehmung, sondern zugleich der Verzehr von Leben. Es unterstellt eine Lebensproduktion für dieses Erleben, verleiblichtes Leben, das auch immer wieder einverleibt wird. Das Leben ist davon bestimmt, wie es erlebt wird, wie es unabhängig von seinen unmittelbar wirklichen Lebensgrundlagen wahrgenommen wird, wie es auf die Menschen wirkt, ohne dass es ursächlich wirklich ist. Die Wirklichkeit des Lebens der Menschen ist auf den kulturellen Inhalt reduziert, der sich aus den Tatsachen ihres Menschseins ergibt und sich aus ihrer bisherigen Geschichte ergeben hat und der als solcher auch kulturell als Inhalt ihrer Wahrnehmung reproduziert und produziert wird und im Kulturkonsum verfügbar ist.

Wir beziehen uns daher nun auf dieses Kulturverhältnis als solches, wie es als natürliche Lebensform menschlicher Bedürfnsse zugleich auf dieses Wahrnehmungsverhältnis reduziert ist. Kultur hat den Sinn menschlicher Bedürfnisse, die in der verselbständigten Individualität ihrer Wahrnehmung nur als Verlangen nach Leben erfahren werden. In der Wahrnehmung findet sich der Sinn der Beziehung von Menschen auf den Gegenstand ihrer Wahrnehmung in dem, was diese Gegenstände für ihre Bedürfnisse sind, nur außer sich, also nur in dem, was sie hierduch für ihr Erleben haben. In ihrer Kultur ist Tätigkeit als solche verwirklicht und von daher abstrakt wahr, weil vorhanden, aber als bloße Gegebenheit nur einzeln wahr für das Erleben der Menschen. Die Gegenstände der Wahrnehmung bestehen also einerseits für die Menschen allgemein im Zweck ihrer Bedürfnisse, sind aber andererseits für ihr Leben als solches im Einzelnen da, wie sie es wahrnehmen. Ihre Wahnehmung hat einerseits menschliche Tätigkeit als Grund ihrer Existenzform wahr, die zugleich nur Sinn für das Leben überhaupt, nicht aber einen konkreten Sinn für menschliche Bedürfnisse hat. Sie nehmen darin die Bedingtheit ihres Lebens gegenständlich wahr, wie es für ihre Bedürfnisse notwendig ist, erleben aber darin einen Sinn, der nur ihre Wahrnehmung betrifft. In ihrer Wahrnehmung trifft sich die Fremdbestimmtheit ihrer Bedürfnisse mit der Bedingtheit ihres Lebens. Beides hat außer ihr keinen Zusammenhang, keine Wirklichkeit außerhalb der Wahrnehmung. Die gesellschaftliche Beziehung der Menschen vollzieht sich daher ausschließlich in den einzelnen Beziehungen von Bedürfnisses und Gegenständen als die Beziehung menschlicher Sinne in der Sinnesform ihrer Lebensbedingung, wie sie der Wahrnehmung entsprechen. Deren ausschließliche Einzelheit macht daher auch die Sinnesform ihrer Kultur aus. Die Wahrnehmung selbst enthält darin das Verlangen nach Gegenständen und macht daher den Inhalt solcher Bedürfnisse aus. (11a)

Von daher ist Kultur eine Vergegenständlichung der Wahrnehmung als Sinn von und für Menschen, der als das, was er von ihnen ist, nicht wirklich für sie sein kann, der aber als etwas wirklich ist, was ihre Wahrnehmung bestimmt. Sie erkennen sich darin nicht als einzelne Wesen in wechselseitiger Beziehung. Sie erkennen sich als gegenständliche Wesen ihrer Erlebnisse, worin ihre Wahrnehmung gesellschaftlich vergegenständlicht ist. Erkenntnis kann daher keine Wahrheit durch die Wahrnehmung finden, sie findet sie nur in der Wahrnehmung, welche im Erleben gesellschaftlich gegegenständlich ist. In solchem Verhältnis ist die Wahrnehmung selbst gesellschaftlich, weil nur darin jeder Mensch zugleich als ein anderer wahr ist. Die Menschen finden darin, was sie von sich fühlen, und sie fühlen darin, wie sie sich empfinden. Aus den Empfindungen ergeben sich Gefühle Schritt um Schritt. Und Gefühle entwickeln andererseits auch wieder den Umfang der Empfindsamkeit, die Fähigkeit, das Empfundene zu befinden und auf eigene Geschichte zu beziehen. Gelingt dies ungebrochen, so ist In den Gefühlen der Zusammenhang der Empfindungen gegenwärtig.

Um das zu veranschaulichen, genügt die Erinnerung an die Momente, in denen Empfindungen jenseits aller gesellschaftlichen Beziehungen in Gefühle so subjektiv übergehen, wie sie auch objektiv sind. Es gibt ganz natürliche Umstände, die auf jeder Kitschpostkarte veräußert werden, wie z.B. der Sonnenuntergang am Meer. Es wirkt wie eine Unendlichkeit auf das Gemüt, was nur durch den Ungtergang endlich ist, und es berührt fast jeden Menschen ganz eigenartig. Wasser beruhigt die Sinne, weil es einfach und ursprünglich ist - nicht archetypisch, wie C.G.Jung es aufgeklärt haben will und eine ganze psychoanalytische Naturmystik hierzu bemüht hat. Es ist ganz einfach nur Umstand, nicht einfach in uns, nicht einfach außer uns, sondern beides in einem. Ebenso die Sonne und ihr Untergang als das einfachste Ereignis, das wir uns vorstellen können. Auch wenn wir aus dem größten Trubel heraus hierhin gelangen, so kann uns diese Einfachheit auf etwas von und für uns zurückbringen, "runterbringen", wie man heute sagt, oder einfach "erden". Zwischen der Empfindung und den Gefühlen gibt es tatsächlich immer noch diese ganz einfachen so subjektive wie objektive Beziehungen und Übergänge, an die sich jeder Mensch erinnern kann, wie man sie auch ausstellen und in jedem Medium jederzeit vorstellen kann und wie das dem entsprechend auch abgegriffen wird.

Es gäbe von daher erst mal keinen Grund, warum Menschen in ihrer Wahrnehmung in Zweifel geraten, sich in ihren Empfindungen und Gefühlen entzweien müssten. Doch sobald ein gesellschaftliches Ereignis dazwischen tritt, kommt die Tätigkeit der Wahrnehmung hinzu, die das zu vermitteln sucht, um sich auch zu bewahrheiten, um zu erkennen, was sie wahrhat. Und dann noch durch die Ereigniskultur, durch das angereizte Leben, das nur als Erleben wahrnehmbar ist, entsteht eine Entfremdung zwischen beiden, welche die Entfremdung einer ganzen Kultur von ihren Erzeugern offenbahrt. Im Erleben stellt sich das Leben nur reflektiert dar, in einer Empfindung als Gefühl für sich, und erscheint daher frei und losgelöst von all seinen Notwendigkeiten. Im Gefühl ist es für den den einzelnen Menschen daher allgemeiner gegenwärtig, als in seinen Empfindungen. Von daher erscheint ihm sein allgemeines Erleben auch über jeder Empfindung erhaben. Die Formen seiner Wahrnehmung bestehen zwischen beidem, die Empfindung in der einfachen Beziehung zu ihm, sein Gefühl in einem allgemeinen Sinneseindruck, in welchem sich ihm sein Leben ausdrücklicher darstellt, als in seinen Empfindungen, darin aber zugleich von der Gewissheit getrennt ist, welche die Empfindung hat. Das Resultat ist zum einen die Unmöglichkeit, sich in seinen Gefühlen zu finden, sich in diesen zu kennen und andere hierdurch auch zu erkennen; zum anderen sind die Gefühle jenseits ihrer Empfindungen leer und auf der Suche einer unbestimmten Fülle an Ereignissen, die unmittelbar nur noch gefühlig sind, weil sich darin kein Sinn mehr äußern kann.

In dieser Form vollzieht sich eine Teilung, die fortbesteht in der Einheit von getrennten Wahrnehmungsformen,. die allgemein in einer Kultur der Geldverhältnisse zwangsläufig ist, weil Geld notwendig abstrakt ist und keine konkrete und sinnliche Beziehung in einer gesellschaftlichen Form eröffnen kann. Von daher erweist sich diese abstrakte Gesellschaftform nun auch als Wahrnehmungsform in den Menschen selbst, zugleich als Form ihrer ganzen Kultur. Die Teilung der Kultur hat ihr Analog als ihre Einheit in einer politischen Kultur der Wahrnehmung zwischen den Empfindungen und Gefühlen der Menschen (11b). Schauen wir uns daher diese Beziehung, soweit beides selbständig zu begreifen ist, nun erst einmal näher an, um herauszuarbeiten, was ihre Entfremdung ausmacht.

Wahrnehmung ist die Form einer Wahrheit und kann nicht für sich wahr sein, ohne außer sich Wahrheit zu haben. Von da her ist sie gegenständlich vermittelt, also nicht unmittelbar. Weil dies Äußere nicht wirklich unmittelbar wahr ist, ist Wahrnehmung Moment einer Erkenntnis, verlangt nach Wahrheit über sich hinaus.

Empfindungen und Gefühle sind die wesentlichen Elemente der Wahrnehmung, subjektiver Inhalt dessen, was wahrgenommen und objektiv als Form wahrgehabt wird. Wenn sich die Wahrnehmung im zwischenmenschlichen Verhältnis selbst Gegenstand wird, haben diese Formen keine unmittelbare Beziehung, keinen identischen Inhalt, keine Identität. Was darin als Empfindung auftritt kann sich in den Gefühlen nicht unmittelbar als wahr erweisen.




111

111.1.1 Das Selbstgefühl als Empfindung der Selbstwahrnehmung

Die sinnliche Gewissheit, die über die Empfindungen wahrgehabt und wahrgnommen wird, ist immer so objektiv wie subjektiiv, kann also auch nur so sinnlich sein, wie die Gegenstände der Wahrnehmung im Lauf ihrer Erfahrung ihre Beziehung im wahrnehmenden Subjekt wahr haben, wie es sie in seinen Gefühlen zusammenfindet. In ihren Gefühlen empfinden sich Menschen inmitten ihrer eigenen Lebensäußerungen, fühlen sie, was sie durch sich geschaffen haben, sofern sie es durch ihre Tätigkeiten auch wirklich und zweifelsfrei als Gegenstand ihres Lebens erzeugt haben. Und so kommen darin die Gefühle der Menschen immer wieder auf die Empfindungen zurück, aus denen sie sich gebildet hatten. Es ist der natürliche Kreislauf der Wahrnehmung, aus dem sich die Fortbildung der menschlichen Kultur ergibt und neue Bedürfnisse entstehen. Deren Bildungsprozess begründet sowohl eine Fortbildung ihres gegenständlichen Reichtums, wie auch ihrer Sinne selbst, Fortbildung der menschlichen Sinnlichkeit, dem Vermögen der menschlichen Sinne sowohl in ihrer Intelligenz wie auch der Produktivität und Vielfalt ihrer Lebensäußerungen.

Wo aber diese Gegenstände selbst keine wirkliche, keine sinnliche Beziehung mehr darstellen, weil sie z.B. nur noch in den Kaufmitteln des Geldbesitzes abstrakt aufgeschatzt sind, da sind such die Gefühle für deren Wirklichkeit abstrakt. Darin wirken unvermittelbare Empfindungen, die jede Wahrnehmung in Zweifel ziehen können, wenn sie sich keine eigene Gegenständlichkeit verschaffen. Aber diese kann nur aus den Körpern der Wahrnehmung selbst gebildet werden, aus den Wahrnehmungsverhältnissen, wie sie in zwischenmenschlichen Verhältnissen erfahren und erlebt werden können. Obwohl sie dem Einzelnen ebenso objektiv wie jede gesellschaftliche Gegenständlichkeit erscheinen, sind es doch nurmehr Wahrnehmungen der eigenen Beziehung auf andere, also Wahrnehmung einer objektiven Selbstbezogenheit in den Verhältnissen einer allgemeinen Selbstwahrnehmung., in denen sich jeder Mensch durch das Erleben der anderen Menschen in den Ereignissen seiner zwischenmenschlichen Beziehungen überhaupt auch tatsächlich jenseits seiner gesellschaftliichen - und also gegenständlichen - Wirklichkeit wahrhat.

In ihren Gefühlen empfinden sich Menschen inmitten ihrer eigenen Lebensäußerungen, fühlen sie, was sie für sich sind durch das, was sie für sich geschaffen haben, was sie durch ihre Tätigkeiten auch wirklich und zweifelsfrei als Gegenstand ihres Lebens erzeugt haben. Im Gefühl für ihre Produkte empfinden sie, was diese für sie sind, was ihren Bedürfnissen entspricht und was den Sinn ihrer Tätigkeit entwickelt und außer sich verwirklicht hat. Und so kommen darin die Gefühle der Menschen immer wieder auf die Empfindungen zurück, aus denen sie sich gebildet hatten. Es ist der natürliche Kreislauf der Wahrnehmung, aus dem sich die Fortbildung der menschlichen Kultur ergibt und neue Bedürfnisse entstehen. Deren Bildungsprozess begründet sowohl eine Fortbildung ihres gegenständlichen Reichtums, wie auch ihrer Sinne selbst, Fortbildung der menschlichen Sinnlichkeit in ihren Fähigkeiten und Eigenschaften, dem Vermögen der menschlichen Sinne sowohl in ihrer Intelligenz wie auch der Produktivität und Vielfalt ihrer Lebensäußerungen.

Das Selbstgefühl ist ein Gefühl, durch das sich ein Individuum seiner selbst vergewissert, also das hinter sich lassen kann, was es als Unsicherheit in seinen Lebensverhältnissen erfährt. Aber die sinnliche Gewissheit, die über seine Empfindungen wahrgehabt und wahrgenommen wird, ist immer nur so objektiv wie subjektiiv, kann also auch nur so sinnlich sein, wie die Gegenstände der Wahrnehmung im Lauf ihrer Erfahrung ihre Beziehung im wahrnehmenden Subjekt wahr gemacht haben, - eben so, wie dieses seine Empfindungen in seinen Gefühlen als deren Gewissheit von dem, was sie wahr hatten zusammenfindet.

Das Selbstgefühl ist also ein auf sich selbst bezogenes Gefühl, das in zwischenmenschlichen Beziehungen durch verallgemeinerte Erlebnisse der Wahrnehmung mit anderen im Reiz der Eindrücke für sich selbst gefunden wird und sich darin als Empfindung eigener Gefühle durch andere verdoppelt, weil sie als Empfindung der Selbstwahrnehmung erlebt werden. Dieser reizvolle Eindruck in zwischenmenschlichen Ereignissen ist daher sowohl Empfindung für sich als auch Gefühl durch sich, weder ganz das eine, noch ganz das andere. Von daher ist es nichts, was für sich erkennbar ist, weil es die Empfindung als Gefühl hat und das Gefühl für seine Wahrnehmbarkeit ihm entsprechende Empfindungen nötig macht. Es ist etwas Drittes, durch das sich diese Beziehungen unsinnig verdoppeln und in die Notwendigkeit ihrer Formbestimmung getrieben haben, sich durch einander, durch ihre bloße Anwesenheit abstrakt zu verdichten, also in der bloßen Tatsache ihrer Verhältnisse sich gleichgültig gegen jeden Inhalt zu bestärken.

Weil die somit entstandene Selbstwahrnehmung im Verhältnis ihrer Empfindungen zu ihren Gefühlen in ihrer Auffassung, im Nehmen ihrer Wahrheit, ihrer Wahrnehmung, weder auf das Eine noch auf das Andere verzichten kann sind diese durch die Abwesenheit ihres Wesens in ihrem Sinn durch eine allgemeine Notwendigkeit eines Unsnns abstrakt bestimmt (siehe abstrakt menschlicher Sinn) und hiervon abhängig. Sie haben dadurch einen Selbstwert nötig, der unentwegt nach einer sinnlichen Beziehung verlangt, in der ihre Gefühle sich abstrakt verdichten und ihrer Empfindungen enthoben werden, die für sie unabkömmlich sind. Sie werden durch einen ästhetschen Willen in diese Form ihrer Beziehungen getrieben und müssen sich darin Geltung durch andere verschaffen, sich ihr Selbstgefühl zu einer gesellschaftlichen Macht entwickeln, sich durch die ästhetischen Formbestimmung ihrer Empfindungen mit ihren Selbstgefühlen in diesen Verhältnissen behaupten (siehe Selbsbehauptung).

Es entsteht hierdurch eine Gefühlswelt, die sich nicht mehr gegenständlich wahrhaben und sich darin also auch niemand wirklich erkennen kann, weil sich jeder in der allgemeinen Aufreizung seines Erlebens gegen seine eigene Wahrheit stellt und ihre Inhalte aus ihren Lebensumständen herausgesetzt hat und sein Selbstwahrnehmung durch die reine Form reizvoller Ereignisse, durch die Erzeugung dem entsprechender Erlebnisse fortbestimmt. Es sind somit Gefühle entstanden, die sich an ihren durch sich selbst bestimmten und damit außer sich entleerte Empfindungen reflektiert und also deren Abstraktionen mit eigenen Inhalten füllen, die ihre Zauberwelt in dieser Formbestimmung entwickelt (siehe auch Scheinwelt), in der sie einen allgemein unsinnigen Sinn verwirklichen, um sich in seiner Wirklichkeit zugleich für sich selbst frei zu machen, um gegen alles wirklich gleichgültig sein zu können.

Das Selbstgefühl ist also ein Gefühl, das seine Empfindung nur noch in und durch sich selbst fühlt und also in seiner Allgemeinheit ein Gefühl von doppelter Substanz ist, das seine Welt außer sich durch Wahrheiten für sich aneignet, die das enthalten, was sie sich selbst wert sein müssen, um die Umstände ihrer Wahrnehmung zu ertragen. Es ist die Wahrnehmungsform einer objektiv notwendigen, einer äußerlichen Subjektivtät (siehe auch Körperfetischismus).

Wo sich die gegenständliche Wahrnehmung mangels Gegenstand entwirklicht, wo Menschen in einer aufgelösten Wirklichkeit ihrer gesellschaftlichen Lebensverhältnisse deshalb auf ihre Selbstwahrnehmung verwiesen sind, existieren ihre Empfindungen als Gefühle für sich wie in einem Selbstbild ihrer Selbstbeziehung, in einem Gefühl, das sie nur für sich haben und durch ihr Erleben erzeugen, das sie in ihren zwischenmenschlichen Verhältnissen für sich als Äußeres ihres Lebens finden und empfinden (siehe auch Ästhetik) - so wie sie ihr Erleben durch die mehr oder weniger gewollten Ereignisse ihres Lebens (siehe auch ästhetischer Wille) wahrnehmen.

Das Selbstgefühl herrscht ja schon durch die bloße Tatsache, dass die Wahrnehmung einen Sinn haben muss, nach dessen Verwirklichung durch irgendeine Anwesenheit von Sinnlichem sie strebt, weil sie sich eben nur abstrakt sinnlich zusammenfügt (siehe abstrakt menschlicher Sinn), weil sie durch die Wahrnehmung des Selbsterlebens durch Ereignisse zwischen dem getrennt ist, was sie an Wahrheit nimmt und dem, was sie wirklich wahr hat (siehe hierzu auch Dialektik) und ohne sinnliche Gewissheit in sich zerfallen würde (siehe auch Identität). Alle Selbstgefühle bestimmen sich aus den Notwendigkeiten einer entwirklichten Lebenswelt, die als negativ wirksame Selbstwahnehmung Leere und Langeweile mit sich bringten. Sie haben den allgemeinen Sinn, einen Selbstwert zu erfüllen, weil dieser die verbliebene Sinlichkeit eines abstrakt menschlichen Sinns für sich bewahrheitet und bewähren muss.

Es ist eben den zwischenmenschlichen Verhältnissen der Empfindung eine allgemeine Notwendigkeit der Gefühle vorausgesetzt und kann diese nur in einem Selbstgefühl aufheben, indem sie deren Empfindung sowohl bestimmen, wie auch für sich nutzen, um sich darin zu finden (siehe hierzu auch Ästhetik), als wahr für sich, also im Wesentlichen Wahrnehmung für sich selbst, Selbstwahrnehmung zu sein. Solches Selbstgefühl begehrt vor allem Ereignisse, durch die erlebt werden kann, was die Selbstwahrnehmung anreizt, bestärkt und das Geltungsbedürfnis des Selbstwerts befriedigt.

Allerdings ist Selbstgefühl an sich ein widersinniger Begriff, unterstellt dieser doch, dass man sich selbst fühlen, dass man Subjekt wie Objekt des eigenen Fühlens sein kann. Das verweist darauf, dass die Wahrnehmung eines Objekts als Wahrnehmung seiner Selbst sein könne, dass also der Unterschied von Empfindung und Gefühl durch sich selbst aufgehoben werden könne. Und das beweist nur, dass die Wahrnehmung seiner selbst vor alles Empfinden und Fühlen gestellt und darin geeint ist, dass die Wahrnehmung als ästhetische Wahrnehmung zu einer Selbstwahrnehmung geworden ist, deren Wahrheit weder in ihr selbst, noch durch sie wahr sein kann, sondern bloße Ästhetik, Selbsttäuschung ist.

Wo aber Menschen die Sinne ihrer Wahrnehmung für sich selbst zum Gegenstand ihrer zwischenmenschlichen Beziehung machen, sich diese wie eine Sache einverleiben und darin ihre Lebenseigenschaften an sich selbst erleben, sich selbst im Zweck ihres Selbsterlebens versachlichen, haben sie sich objektiv schon als das wahr, was sie jeweils für sich nur durch andere sind, was sie an und für sich nur durch sie in sich finden und empfinden. Die Gefühle, die sie anderen entgegen bringen, werden in solchen Verhältnissen zu objektiven Selbstgefühlen, die sie mit ihnen teilen und darin sich als Anteil an ihrer Zwischenmenschlichkeit erfahren, diese für sich teilen und anderen mitteilen. Dabei werden sie zu einem Teil einer ihnen äußerlichen, weil veräußerten Ganzheit ihrer menschlichen Beziehung und müssen von ihren wirklichen Empfindungen absehen, durch die sie ihre Gefühle für sich haben. Und sie müssen von ihren wirklichen Gefühle absehen, die sie durch ihre Empfindungen mit anderen, durch die wirklichen Lebensbedingungen ihrer zwischenmenschlichen Verhältnisse, durch deren Lebenswirklichkeit wahrhaben. Beides geht dann als gefühlte Empfindung in ihrem Selbstgefühl dadurch auf, dass sie sich durch die Empfindung ihrer Gefühle finden. Das allerdings zwingt sie dazu, in doppelter Weise von sich abzusehen, weil und indem sie ihre Wahrnehmung überhaupt entwirklichen. Die Wahrnehmungen ihrer menschlichen Beziehungen hat von daher nurmehr die Wahrheit ihrer Ästhetik, ist abstrakt sinnlich, von einem abstrakt menschlichen Sinn bestimmt, der wiederum nur die Absichten ihrer Selbstwahrnehmung verwirklichen kann.

Aber in ihren Selbstgefühlen erleben sich die Menschen in der Ästhetik ihrer Selbstwahrnehmung, indem sie sich so empfinden, wie sie sich für sich fühlen und für sich sein wollen, so also, wie sie einen Eindruck durch sich selbst beabsichtigen, den sie auf andere machen können und somit ihrem Selbstwert in der Beziehung auf ihre "Mitmenschen" durch ihr Selbstgefühl genügen, um keine Minderwertigkeitsgefühle zu haben. Damit entsprechen sie dem ihm nötigen Geltungsstreben und verwirklichen hierdurch die ihnen möglichen zwischenmenschlichen Beziehungen. Das setzt allerdings voraus, dass sie sich nach Belieben auf andere beziehen können, dass sie also über ihre sachlichen Verhältnisse frei verfügen und von daher auch über sie erhaben sein können,

Jedes Selbstgefühl ist von da her das Fühlen seiner selbst in zwischenmenschlichen Verhältnissen unter den gesellschaftlichen Bedingungen des Geldbesitzes, eins realen oder fiktiven Kapitals, das als allgemein umlaufendes Kaufmittel ihre Beziehung zu einander und zu sich selbst in ihrer Form bestimmt. In ihren Selbstgefühlen finden die Menschen sich in ihren Gefühlen, empfinden diese als eigenes, was sie für sich haben, wenn ihre sachlich wirklichen Beziehungen ihnen durch ihren Besitz äußerlich sind. Deshalb müssen sie aber auch Selbstgefühle haben, um für sich eine eigene Wahrnehmung in einer Welt zu haben, in der sie nur sich selbst wahrhaben, in der sie außer sich nichts für wahr empfinden können als das, was sie von sich fühlen, wo sie sich selbst erleben können. Darin verschafft das Selbstgefühl der Wahrnehmung die Ästhetik einer Selbstfindung, die ohne diese nicht sein kann, die unfähig ist, eine Wahrheit von sich zu äußern oder aufzufassen. Es ist objektiv notwendig geworden und muss vor aller Wahrnehmung diese Ästhetikerstreben, wird zu subjektiv zu einer Absicht, die einem objektiven Sollen folgen muss, um für sich als Subjekt ihrer Selbstwahrnehmung zu erscheinen. Sie begründet und verfolgt somit in ihren Selbstgefühlen nowendig ihren ästhetischen Willen. Das Selbstgefühl ist daher das erste objektive Gefühl, das subjektiv seiner Form nach als Objekt bestimmt ist (siehe auch Formbestimmung), das also von einem Subjekt herausgesetzt zugleich durch seinem Inhalt für sich da ist, als Inhalt der Selbstwahrnehmung lebt, Wahrnehmung zu einem Erlebnis seines ästhetischen Willens macht (z.B. durch Musik hören, Wohnen, Spielen usw.).

Die Wahrnehmung hat sich unter den beschriebenen Verältnissen dahin entwickelt, dass die Empfindungen selbst durch Gefühle bestimmt werden, die substanziell entleert und daher so abstrakt sind, dass sie nur noch durch eine hohe Dichte von Ereignissen sich zwischen den Menschen beziehen lassen. Da es aber zwischen den Menschen immer gesellschaftlich zugeht und daher nicht einfach nur aus Empfindungen Gefühle und aus Gefühlen Empfindungen werden können, können sich Gefühle selbst schon wechselseitig ergänzen und Füllen. Hierdurch wird jede Empfindung zu deren Objekt. Wahrnehmung verhält sich nun zwischen den Menschen vor allem durch ihr wechselseitiges Finden und Fühlen zwischen wirklichen, also körperlich existenten Menschen, die einander nötig haben, um ihr Leben auch wirklich in gesellschaftlicher Bezogenheit durcheinander so zu erleben, wie es sich zwischen ihnen ereignen kann und wie es sich ereignen muss, um selbst schon unmittelbar Gefühl zu sein. Was die Empfindung noch als objektiven Inhalt kennt und weiß, wird dadurch subjektiv, dass sie in zwischenmenschlichen Verhältnissen im wechselseitigen Erleben selbst zum Gegenstand einer Absicht wird, sich darin vor allem selbst zu finden sucht, eigene Regungen zu erregen und hieraus ein Gefühl für sich zu beziehen, in dem sich die vielen Empfindungen selbst beziehungslos versammeln. Die Empfindungen werden sich in ihren Inhalten gleichgültig, um die Gefühle "in Schwung" zu halten. Von daher wird die Wahrnehmung selbst zu einem Verhältnis des Erlebens zwischen ihrem Finden und Fühlen von dem, was sie schon wahrhat, bevor sie im einzelnen Menschen tätig wird.

Und weil bei alle dem eine Empfindung immer Sinn hat, ist sie lebendige Gegenwärtigkeit einer Beziehung, die sie aus sinnlichen Wahrnehmungen der Sinnesorgane und aus den Eindrücken des Erlebens bezieht, was immer diese sonst auch noch wirklich an Sinn haben mögen, was also jeden Sinn abstrakt werden lässt, ihn auf seine bloße Körperform reduziert. Was die Empfindungen durch ihren objektiven Inhalt noch waren, worin sie sich sinnlich vemittelt hatten, das wird jetzt zu einer subjektiven Bestimmtheit, die ihren Sinn sinnlos macht, die ihn voraussetzungslos zu ihrem sinnlichen Träger zu einem abstrakt menschlichen Sinn macht, der die Gefühle mit Eindrücken nährt, durch die sie ihren Regungen erregt folgen, zu einem gänzlich abgehobenen, reinen Erlebnis werden. Im reinen Erleben gibt es keinen wirklichen Sinn mehr, der sie erfüllt, sondern ein sinnlicher Reiz, der sie erregt und wofür die passenden Ereignisse beigebracht werden müssen.

In ihrer objektiven Gleichgültigkeit gegen ihren Sinn kann die Empfindung nur noch ihre unmittelbare Wahrheit für sich haben, die Wahrheit ihrer bloßen Gegenwart, die getrennt ist von den Beziehungen, die sie kennt. Sie ist darin selbst objektiv, eben so, wie sie durch den Eindruck bestimmt ist, den solche Reize in ihr bewirken. Ihre Gewissheit bezieht sie dann eben nicht mehr aus der einfachen und subjektiven Beziehung auf einen Gegenstand, auf einen Menschen oder eine Sache. Darin kann sie nur gegenwärtig sein, wo und weil sich der empfindende Mensch auch als fühlender vergegenwärtigen kann. Im Erleben wird sie aber zur Wahrnehmung einer Beziehung, wie sie nicht wirklich und für einen Menschen in einem Moment ist, worin sich auch sein Gefühl entwickeln und in dem bewahrheiten würde, was es wahrhat, sondern zu einem Gefühl für sich, für die Eindrücke, die sie erfährt. In dieser Refexion, also für sich genommen, ist Empfindung nicht mehr eine wirkliche Beziehung auf anderes, also nicht unbedingt auf ein Objekt gerichtet. Sie kann zur Selbstempfindung werden, wenn das entsprechende Organ durch sich selbst oder durch eine Selbstbeziehung bestimmt wird.

Empfindung erweist ihre Beziehung dann durch sich selbst, durch das Finden von jemanden oder etwas, das darin sich als Sinn einer Beziehung eindrücklich vergegenwärtigt, als Eindruck wahrnehmbar ist, ohne ausdrücklich wahr zu sein. Was ihre Bedingung ist, die sie wahr hat, ist ihr nicht unbedingt gegenwärtig, auch wenn sie deren Gegenwärtigkeit als Gefühl im Sinn hat. Sie kennt den Gegenstand, wie sie ihn wahrzunehmen vermag (im Unterschied z.B. zu Strahlungen, für die wir keine Gewissheit und also keine Empfindung haben), aber sie kann sich zu ihm nicht wirklich erkennend verhalten. (12)

Empfindung ist aber auch das Befinden einer Wahrnehmung, ihr unmittelbarer Sinn im doppelten Sinne des Wortes: Sie hat den Sinn für den Menschen, den diese für ihre Gegenstände haben. Ich schmecke, rieche, höre, sehe, usw., wie sich mein Sinn hiernach und hierzu befindet und gebildet hat. Ich finde eben auch nur das, nach was ich im Grunde suche. Die Empfindung ist Moment der Suche als Sinnbildung und Sinnerfüllung in einem. Sie findet die Beziehung, die sie einerseits im Menschen schon durch seine sinnliche Ausstattung hat, und sei dies auch noch auf der Ebene der Naturempfindung, und sie bildet sich andererseits durch ihren Gegenstand aus, verinnerlicht die Beziehung zu ihm. Darin ist die Ausbildung der Sinne ebenso einbegriffen, wie die Bestätigung ihrer Wahrheit, also auch, worin erkennbar wird, ob sie nur Einbildung enthält, ob sie betrogen oder getäuscht worden ist.

Empfindung ist also das augenblickliche Befinden einer bestimmten Gegenwärtigkeit eines Gegenstands im Menschen, so wie er sich eingefunden hat, wie also die Beziehung hierauf entstanden ist. Sie kennt keinen gegenständlichen Zusammenhang und keinen Grund einer Beziehung hierauf. (13)

Jede Empfindung ist also eine Beziehung zu ihrem Gegenstand, die dem Akt des Empfindens auch vorausgesetzt ist und sich darin ereignet und erinnert. Wir können qualitativ nur empfinden, was mit uns zu tun hat, wie es da ist, nicht, warum es da ist oder wie es geworden ist. Wir finden in der Empfindung etwas, das wir darin zugleich befinden als etwas, das wir dem Sinn nach oder von Natur aus durchaus kennen, das aber darin oder qualitativ uns erst in seiner Gegenwärtigkeit gewiss wird. Empfindung ist die Form der Gewissheit, worin wir etwas, das wir dem Sinn nach kennen, in der Beziehung auf einen Gegenstand vergegenwärtigen. Die Beziehung auf eine Sache oder einen Menschen, der in unsere Wahrnehmung geraten ist, hat darin ihre erste und einfache Wahrheit, dass wir sie fassen können, weil darin Sinn von dem ist, was uns sinnlich ausmacht, was also auch gewahr für uns ist, Moment unserer Wahrheit. Wessen ich nicht gewahr werde, das empfinde ich nicht. Und was keine unmittelbare Wahrheit für mich hat, das kann ich nicht empfinden und kann es nur in Gefühlen erschließen. Empfindung setzt eine Welt als Gegenständlichkeit von und für Menschen voraus, die in ihr so ist, wie sie für den Menschen ist, wie sie von ihm als Gewissheit genommen wird, weil er darin seine Lebensäußerung erkennt. Von daher kann es keine richtige oder falsche Empfindung, keine wahre oder unwahre geben. (14)

Wir finden das, was wir empfinden, so, wie wir es vorfinden und jeder Mensch empfindet dies anders, sogar im Zeitablauf und den Umständen der Empfindung verschieden (z.B. ob man aus einer warmen Badewanne in kaltes Wasser gerät oder umgekehrt). Befinden und Empfinden sind ein Begriffspaar, das aufzeigt, dass das Befinden als Urteil identisch ist mit dem Befinden eines Menschen bei der Wahrnehmung eines Gegenstands unter bestimmten Umständen. (15)

Jede Empfindung ist die Entdeckung einer Beziehung, die schon war, bevor sie wahrnehmbar wird. In der Empfindung erkenne ich einen äußeren Sinn als geäußerten Sinn, den ich für mich finde, wie ich ihn vorfinde. Ich erkenne mich in der Empfindung als Teil der Natur wie auch als Teil gesellschaftlicher Lebensäußerung, die ich so wahrnehme, wie ich sie finde und befinde. In der Empfindung finde ich eine Beziehung durch den Sinn meiner Wahrnehmung, also dadurch, dass sich mir eine Beziehung sinnlich wahrnehmbar macht, weil ich darin deren Gewissheit finde und habe. In der Identität meines Sinnlichseins mit meinem sinnlichen Sein, in der Wahrheit meiner Sinne mit der sinnlichen Welt, ist die Empfindung meine ursprünglichste Gewissheit, die Grundlage aller unmittelbaren und vermittelten Wahrnehmung. Von daher sind Empfindungen auch Grundlage der Gefühle, worin Empfindung nicht unmittelbar gegenwärtig sein muss. (16)

In der Empfindung finde ich nicht nur den Gegenstand einer Beziehung, sondern auch meine Beziehung zum gegenständlichen Leben der Menschen, die ihn gebildet, ihn geäußert und außer sich haben, ihn teilen und sich durch ihn mitteilen. In der Empfindung erweist sich die Wahrnehmung unmittelbar gesellschaftlich, auch wenn sie sich nicht gesellschaftlich vermittelt. Man ist darin in Gesellschaft, auch wenn diese nicht empfunden wird. Das macht nicht die Empfindung als solche, aber das Befinden der Menschen durch ihre Wahrnehmung darin aus. (17)

Was in der Empfindung an menschlichem Leben gegenwärtig wird, das ist nicht unbedingt darin auch wahrnehmbar. In der Empfindung hat man auch das wahr, was sich nur dem Gefühl erschließt, was man hiervon in Zusammenhängen fühlt, die ihren Gewissheit nur vermittelt darin haben. Man verspürt darin den Sinn, den Ereignisse, Geschichten oder ganze Lebenswelten hinterlassen haben in der Weise, wie man hierauf bezogen war oder ist und sich hierauf auch beziehen kann. Im Gefühl ist alles gegenwärtig, was sich an Sinn für mich und in mir gebildet hat. Ihm vorausgesetzt sind Empfindungen, die ihr Spur im Menschen hinterlassen haben, nicht in ihm als Einzelwesen, sondern als ganzes Verhältnis zu anderen Menschen, Ereignisssen oder Sachen, als Geschichte, welche die Bedürfnisse der Menschen gebildet hat und worin die Bedürfnisse ihre Geschichte daher auch fühlen. (18)

Empfindungen sind an die Sinnesorgane der Menschen gebunden und zwischenmenschlich nur als Bild oder Eindruck in Beziehung zu bringen. Im Unterschied zur Empfindung ist das Gefühl hiergegen freier. Es reflektiert die Empfindungen, ist die Resonanz einer Geschichte von Empfindungen, die sich als solche nicht wirklich und mit Gewissheit anfühlen lässt, sich aber im Gedächtnis bewahrt hat. Es vermittelt Empfingungen auf die eigentümliche Weise der Menschen, auf die Eigenart ihrer Bildung und Kultur, und erweist damit auch, wodurch sich die Sinne für die Gegenstände ihrer Empfindungen gebildet haben. Es weiß zugleich, was in Wahrheit nicht mehr sein kann, was zu ändern nötig ist und bildet von daher auch das Bedürfnis nach einem Anderssein.

Gefühle entstehen aus der Reflexion von Empfindungen, aus dem, was sie für den Sinn sind, den ein Leben hat. Und sie bilden und verändern diesen in ihrem Reflex selbst, indem sie sich ein Bild machen von dem was in Wahrheit sein sollte. Gefühle reflektieren aus ihrer Erfahrung heraus die sinnlichen Inhalte, welche ein Leben hat oder sucht, seine Empathie, sein Begehren und seine Zweifel oder auch Verzweiflung. (18a). Im Gefühl vermittelt sich daher zuerst einmal, was Menschen einzeln und allgemein in ihren Wahrnehmungen von ihren gegenständlichen Bedingungen wahrhaben, was sie also erkennen können, weil und sofern sie es aus Erfahrung kennen, um hieraus wahr zu machen, was es für sie, also für ihre Wahrnehmungsidentität in Wahrheit sein muss. Im Gefühl ist die Kenntnis maßgeblich, welche die Wahrnehmung in sich trägt, was sie durch ihre Geschichte als ihr Gedächtnis erworben, was sie gelernt hat - dies sowohl durch die Entwicklung von Fähigkeiten (z.B. Geschick), als auch durch die Bildung der Intuition. Ohne Gefühl für etwas entwickeln sich keine Fähigkeiten. Von daher beziehen sich Gefühle immer auf einen Gegenstand, repräsentieren ihn für die Wahrnehmung so, wie sie ihn wahrhaben.

Gefühle sind substanziell zeitlos, auch wenn sie natürlich in jedem Moment wechseln können. Sie haben Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in sich. Wem Übles schwant, dem kann es von der Empfindung her durchaus noch gut gehn. Dasselbe gilt für den, der ein Grauen durchlebt hat. Empfindungen und Gefühle haben völlig unterschiedliche Vergegenwärtigungen. Und in diesem Unterschied gehen sie auch in das Gedächtnis ein.

Natürlich sind Gefühle dennoch auch einzelne Ereignisse im Menschen. Aber als unmittelbar einzelnes werden sie durch das Gedächtnis auch schon in einem Zusammenhang genommen und also allgemeiner wahrgenommen. Gefühle enthalten die geschichtliche Bildung der Wahrnehmung von Individuen in einer bestimmten Ausrichtung als Intuition und Wähnung so, wie sie diese in ihrer Gesellschaft auch wirklich erfahren haben, ohne dass hierbei ihr Sinn gewiss geworden sein musste, zumindest nicht in einer bestimmmten Beziehung auf einen Gegenstand des Fühlens. Oft sind es sogar Beziehungen, die lediglich räumlich oder zeitlich oder rhythmisch in der Wahrnehmung assoziert sind, welche im Gefühl sich in einer Weise vergegenwärtigen, die nirgendwo sonst real ist (z.B. zufällige Assoziation einer Musik, eines Geruchs oder Bildes mit einer zugleich gehörten oder erlebten Geschichte).

Die Empfindung findet den Sinn der Wahrnehmung außer sich und für sich sinnlich so, wie er für den Menschen wahrnehmbar ist. Von daher ist darin die Wahrnehmung von ihrem Gegenstand noch getrennt und wird erst in der Beziehung auf das Gefühl zu einer menschlichen Wahrnehmung.




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111.1.2 Das objektive Gefühl (Wahrhaben der erlebten Selbstwahrnehmung)

Gefühle sind zum einen Reflexion ihrer Empfindungen, zum anderen Tätigkeit der Wahrnehmung. Im Gefühl ereignet sich seine Wahrheit in dem, was es wahrhat durch das, was es wahr nimmt. Hierdurch sind Gefühle immer auch schon objektiv bestimmt, Stimmungen der Wahrnehmung, die sich selbst wahrhat, die zur Selbstwahrnehmung bestimmt ist. Alle Ereignisse sind daher von sinnlicher Substanz für das, was hierbei für wahr genommen wird, was innerlich wie äußerlich gewahr, also eins wird. Es bildet ihren Sinn so, wie er sich darin regt (siehe Regung).

Ein Gefühl ist eine Bewegung, die Motion der Empfindung (siehe auch Emotion). Was sich darin regt, entspringt dem wahrnehmenden Menschen durch das, was er für sich dabei wahr hat. Dies macht den Unterschied zur Empfindung, die völlig unmittelbare Sinnestätigkeit der Wahrnehmung ist und unmittelbare Gewissheit nur durch das haben kann, was sie durch ihr Organ kennt und darin erkennt, wie es im Unterschied zum Gewohnten für ihren Lebensorganismus auch wirklich ist. Unwirkliches kann nur im Gefühl erkannt werden, weil erst darin das Ganze der Wahrnehmung vollzogen, erinnert und bedacht wird (siehe auch Gedächtnis). Von daher lassen sich Gefühle täuschen, nicht aber die Empfindungen, aus denen sie sich gebildet haben. Jede Täuschung ist eine Vertauschung von Inhalten innerhalb einer identischen Form. Und so werden Gefühle dadurch getäuscht, dass ihre Empfindungen vertauscht werden. So ist es möglich, dass Gefühle gänzlich selbständig werden, dass sie ihren subjektiven Gehalt, ihre Tätigkeit selbst in den Dienst einer objektiven Notwendigkeit stellen. Notrwendig aber wird das nur, wo Empfindungen nicht subjektiv sein können, was sie objektiv sind. Dies ist der Grund, warum Gefühle objektiv werden können, dass sie sich selbst so empfinden, wie sie sich erleben, um sich über ihre Empfindungen zu täuschen. In den zwischenmenschlichen Verhältnissen ist dies gang und gebe, sobald sie Verhältnisse schaffen, die durch ihre Ausschließlichkeit bestimmt sind. Und sie sind davon in dem Maß bestimmt, in dem sie sich über das täuschen, was sie wahrhaben. Sehen wir uns dies genauer an.

Ein Gefühl ist zunächst das Fühlen für sich genommen, eine Reflexion der Empfindung, die von ihrer bestimmten Gegenwärtigkeit absieht und sich unabhangig von ihr - also an und für sich zeitlos, wohl aber mit der Räumlichkeit ihrer Umstände verbunden - in das Gedächtnis versetzt. Es äußert sich in vielerlei Formen, z.B. als Stimmung, Gestik, Mimik, Aufregung, Musik, Bildnis usw. Wenn es nicht unterbrochen wird, kann es in ebenso vielen Beziehungen ihrer Sinne aufgehen, wie es diese aus seinen Empfindungen auch bildet. Die Sinnbildung ist im Gefühl daher zweierlei: Einmal als Fähigkeit, eigenes Leben im Gespür für ihren Gegenstand (z.B. durch die Erzeugung einer Tonfolge, Farblichkeit, Geschmack, Haptik usw.) zu äußern und dies zum anderen aus dem Leben der Wahrnehmung aus den Empfindungen gegenständlicher Eigenschaften zu beziehen.

Für sich genommen wird darin der Sinn für dies Äußere wahrgehabt, der die Fähigkeiten für diese Äußerungen reflektiert und der zugleich Reflexion der Empfindung ist, welche die Eigenschaften eines bestimmten Gegenstands wahrnimmt. Von daher ist Gefühl selbst schon auch die Reflektion einer Sinnbildung. Aber im Gefühl ist sie nurmehr als Zustand der Wahrnehmung, der von ihrer Gegenwärtigkeit absieht und sich unabhangig von ihr - also an und für sich zeitlos, wohl aber mit der Räumlichkeit ihrer Umstände verbunden - in das Gedächtnis versetzt.

Die zeitliche Unbestimmtheit ist wesentlich für Gefühle und verweist auf die Notwendigkeit von Empfindungen. Nur durch das Finden von bestimmten Wahrnehmungen sind Gefühle gegenwärtig und also zeitlich gewiss. In ihrer Abwesenheit ist Gefühl bloßes Gedächtnis, oft auch nur als Körpergedächtnis, hat damit aber zugleich auch eine Wahrheit, die nicht gegenwärtig sein muss. Letztendlich bleibt im Gefühl nur sein Körper als Sinn für sich gegenwärtig, was immer er auch empfunden haben mag. Auch wennn er bestimmte Empfindungsinhalte nicht mehr vergegenwärtigt, ist er in ihrer Abwesenheit von ihnen bestimmt, bleibt deren körperliche Form zumindest als eine Art der Emotion erhalten, als Grund von Regungen, deren Herkunft gänzlich ungewiss geworden sind. Und sie können deren Erregungen vermengen mit Eindrücken, die ihre Empfindung zu bestimmen suchen, indem sie unmittelbar grundlos erscheinen, sich einfach ereignen oder veranstaltet werden, also einer Absicht folgen, die sie zu beherrschen sucht.

Isolierte Empfindungen können in ihrer reizvollen Unmittelbarkeit (siehe Reiz) daher auch nur über ihre Gefühle Wahrheit finden, wahrnehmen, was sie wahrhaben. In dem Maß, wie die Gegenstände der Wahrnehmung getrennt voneinander erscheinen. Weil sie nur abstrakt vermittelt sind, wird auch das Gefühl ungewisser, selbst abstrakter, denn seine Gewissheit löst sich ohne ihren Gegenstand immer räumlicher auf. Und je empfindungsloser sie sie hierdurch werden, desto bedürftiger werden sie nach solchen Reizen, die ihre Wahrehmung immerhin beleben, die also von ihrem Erleben nicht nur abhängig sind, sondern dieses auch unentwegt nötig haben. Im Gefühl, wo dann zunehmend alles Fühlen für und sich ist, entstehen eigene Welten, innere Welten, die auch ihr eigenes Heil suchen und darin jene Wahrheit verlieren können, die ihrer Empfindung entsprungen war. Das macht sie zäh, verkehrt aber zugleich ihren Grund, ihre Wirklichkeit. Es entsteht eine Gefühlswelt von innerer Wirklichkeit, die sich der äußeren jederzeit entgegensetzen kann. Und sie tut das, wenn und wo auch immer sie das tun muss.

Der Begriff Gefühl wird daher auch meist sehr ungenau, also in mehrerlei Hinsicht für innere Wahrnehmungen (Emotion) und für gegenständliche Wahrnehmungen verwendet - oft auch nur ersatzweise für Selbstgefühl oder Regung. Wo ein Gefühl einen Gegenstand betrifft ist es vielleicht besser von Gespür zu reden (Gespür für Schnee, Gespür für Holz usw). Es verbleibt dann eine Sinnbedeutung von intuitiver Wahrnehmung, die von Selbstgefühlen strikt zu unterscheiden ist. Sie resultiert aus einem Erfahrungszusammenhang der Empfindungen. Für sich genommen wäre über Gefühl nicht viel zu sagen; es sei denn, es wird gegenständlich, zum Inhalt objektiver Beziehungen, in welchen Empfindungen in eigenständige Verhältnisse der Wahrnehmung versetzt werden.

Gefühle enthalten alle Beziehungen und Auseinandersetzungen mit einem Gegenstand oder mit Menschen in einer intelligiblen Beziehung, also auch als Vorstellung, Eindruck, Bild usw., die nicht einfach als Vergangeheit erinnert werden, sondern gegenwärtig sich und von daher auch die Möglichkeiten einer Welt ergründen, die ihr ursprünglicher Grund war. Von daher sind sie die Grundlage einer sich fortbildenden Intelligenz, welche aus dem Gefühl neue Vorstellungen und Entwürfe zu machen versteht. Was an Intuition, Kreativität oder Erfindungsgeist auftritt, beruht auf den Zusammenhängen der Gefühle für einen Gegenstand, macht die Empathie der Menschen aus. Darin wird die Empfindung sozusagen subjektiviert und in neu Dimensionen gehoben. Von daher sind sie der Ort des Geistes, den Menschen bilden (siehe hierzu auch Seele).

Aber gerade weil Gefühle nicht unbedingt und unmittelbar gewiss sein können, tragen sie Wahrhnehmungen auch in eigene Wahrnehmungswelten, die alleine in ihrer Ästhetik in Beziehung sind. Als ästhetische Repräsentanten von Empfindungen können sich Gefühle daher auch nur im Gedächtnis der einzelnen Menschen zusammenfügen und wahr sein oder nicht, je nachdem, wie sie sich in der wirklichen Empfindung auch bewahrheiten oder nicht. Dennoch setzen Gefühle eine Wahrheit vorraus, die sie nicht unmittelbar als wahres Gefühl oder wahre Empfindung haben, sondern als vermittelte Wahrheit dessen, was sie in ihrer Wahrnehmung wahr haben. Die Fähigkeit, eine Täuschung zu erkennen, gründet auf dieser Beziehung von Empfindung und Gefühl, die frei oder gespannt sein kann, je nachdem, welches Gefühl für die Empfindung wahr ist oder nicht.

Gefühle bewahrheiten sich daher immmer erst dann, wenn sie auf Empfindungen zurückkommen, worin sie sich in der Beziehung ihrer Wahrnehmung so erfüllen, wie sie diese auch wahrhaben. Nur wo ein Gefühl für eine Sache oder einen Menschen dahin kommt, dass es in der Beziehung hierauf wahr wird, kann es auch für sich wahr sein.

Gefühle sind zwar Momente der Wahrnehmung, aber sie vermitteln sich auch durch Tätigkeit. Sie haben ihren Sinn so, wie er sowohl im Inddividuum als auch in der Gesellschaft gestaltet und wirksam ist, gleich, wie er in der Wirklichkeit wahr sein kann, wodurch er also ansonsten noch bestimmt ist. Ein Mensch, der einen Gegenstand erzeugt und bearbeitet, muss ein Gefühl für ihn und seine Stoffe haben; so auch ein Mensch der ihn begreifen und erkennen will. Wer ein schlechtes Gefühl für Holz hat, sollte nicht Schreiner werden oder seine Empfindungen hierfür einüben. Wo wir etwas bearbeiten, erzeugen oder verändern, müssen wir ein Gespür für dieses haben, fühlen, welche Stoffe und Gestalten darin zusammenwirken und was miteinander wirken kann, was nicht, was schön ist, was hässlich. Wir müssen Funktionen verstehen, ihren Sinn erkennen, ihre Gestalt begreifen und Stoff fühlen. Das theoretische Verhältnis hierzu mag eine Idee, eine Vorstellung hiervon oder ein Plan zur Herstellung einer Sache sein. Die praktische Beziehung zu ihr ist das Gefühl. Diese besteht in der Empfindung, worin die Begegnung als solche gewiss ist, als das Gegenübersein, als gegenständliche Wirklichkeit, die in der Empfindung schon bezogen ist, indem sie darin wirkt. Darin ist sie noch äußerlich und doch schon Inhalt, denn empfinden können wir nur, was für uns Sinn hat, Sinn ist und unseren Sinnen entspricht - alleine schon dadurch, dass unsere Wahrnehmung hierfür geschaffen ist (im Unterschied z.B. zu Strahlungen, für die wir keine Gewissheit haben). Gefühle und Empfindungen sind die unvermittelten organischen Momente der Wahrnehmung.

Gefühle beruhen auf der Gewissheit vergangener und gegenwärtiger Empfindungen, wie diese für einen Menschen unter den gegebenen Lebensbedingungen waren und sind, wie sich also eine bedingte Lebensgeschichte für einen Menschen, die sich zugleich unbedingt zuträgt, die einerseits unmittelbar subjektiv ist, während ihre Objektivität zugleich im Subjekt aufgefasst wird und was hiervon für dieses identifiziert oder identitätslos ist. Darin bildet sich das Wahrheitsvermögen der Menschen, also die Fähigkeit, Täuschung zu erkennen oder zu verkennen. Letztlich entwickelt sich dieses als ihr Vermögen, mit sich überein zu stimmen, mit sich identisch zu sein, "eine Identität zu haben".

Die Gegenwärtigkeit von Gefühlen ist im Grunde dennoch unmmittelbar, weil die Sinne selbst sich in derselben Geschichte bilden und verändern, wie sich Wahrnehmung darin eben auch vollzieht und wie Gefühle auf ihre Empfindungen auch beständig zurückkommen und sich in den Fähigkeiten der Menschen bewahrheiten, die sie hierbei ausbilden. Mit der Bildung dieser Fähigkeiten bildet sich menschlicher Sinn überhaupt, sowohl der Form nach (z.B. als bestimmte organische Struktur der Organe und Drüsen usw.), wie auch in ihrem Inhalt, ihrem Lebensgrund. Das Gespür für einen Stoff oder einen Menschen ist unmittelbar sinnlich. Aber als ästhetische Repräsentanten von Empfindungen können sich Gefühle auch im Gedächtnis der einzelnen Menschen in eigener Art und Weise zusammenfügen und wahr sein oder nicht, je nachdem, wie sie sich in der Wirklichkeit auch bewahrheiten oder nicht. In jedem Fall bewahrheiten sie sich immmer erst dann, wenn sie auf Empfindungen zurückkommen, worin sie sich erfüllen. Nur wo das Gefühl für eine Sache oder einen Menschen dahin kommt, dass es in der Beziehung hierauf als Wirkung auf sich wahr wird, kann es auch wirklich wahr sein, weil die Empfindung dieser Beziehung darin Wirkung und also auch Wirklichkeit für den Menschen gewinnt. Gefühle sind dadurch wahr, dass ihre Empfindungen auf sich ungebrochen zurückkommen, dass sich wirklich einfindet, was auch der Empfing nach wirklich ist. (19)

Gefühle vermitteln sich in ihrer Äußerung durch ihre gegenwärtigen Wirkung, also durch Tätigkeit. Aber auch wenn diese nur ein zeitliches Moment ausmacht, so sind Gefühle nicht augenblicklich wahr. Sie können sich nur bewähren, indem sie sich für eine Beziehung bewahrheiten. Sie haben einen Sinn, wie er sowohl im Individuum wie auch in der Gesellschaft gestaltet und wirksam ist, gleich, wie und ob dieser in der Wirklichkeit auch wirklich wahr ist oder wahr werden kann.

Ein Mensch, der einen Gegenstand erzeugt und bearbeitet, muss ein Gefühl für ihn und seine Stoffe haben; so auch ein Mensch der ihn begreifen und erkennen will. Wer ein schlechtes Gefühl für Holz hat, sollte nicht Schreiner werden oder seine Empfindungen hierfür besser einüben. Wo wir etwas bearbeiten, erzeugen oder verändern, müssen wir ein Gespür für dieses haben, fühlen, welche Stoffe und Gestalten darin zusammenwirken und was miteinander wirken kann, was nicht, was schön ist, was hässlich. Wir müssen Funktionen verstehen, ihren Sinn erkennen, ihre Gestalt begreifen und Stoff fühlen. Das theoretische Verhältnis hierzu mag eine Idee, eine Vorstellung hiervon oder ein Plan zur Herstellung einer Sache sein. Die praktische Beziehung zu ihr ist das Gefühl. Diese besteht in der Empfindung, worin die Begegnung als solche gewiss ist, als das Gegenübersein, als gegenständliche Wirklichkeit, die in der Empfindung schon bezogen ist, indem sie darin wirkt. Darin ist sie noch äußerlich und doch schon Inhalt, denn empfinden können wir nur, was für uns Sinn hat, Sinn ist und unseren Sinnen entspricht - alleine schon dadurch, dass unsere Wahrnehmung hierfür geschaffen ist (im Unterschied z.B. zu Strahlungen, für die wir keine Gewissheit haben). Gefühle und Empfindungen sind die unvermittelten organischen Momente der Wahrnehmung.

Jedes Gefühl ist die Entdeckung eines Sinnes, den ein Mensch, ein Gegenstand oder ein Ereignis hat, ein Erfühlen, Ergründen und Vollziehen von etwas, was ich verspüre, wofür ich Sinn habe, sinnliche Empathie. Ich fühle den Sinn, der in ihm gebildet und verwirklicht ist so, wie ich Sinn für ihn habe, wie ich ihn fühlen, nachvollziehen und auch erzeugen kann. Was in der Empfindung unmittelbar ist, kann im Gefühl selbst nur erschlossen sein. Ihm gilt der Sinn als Gestalt der Wahrnehmung und kann auch jenseits aller Empfindung da sein. Indem ich deren Äußerlichkeit durchdringe, erkenne ich seine Natur als die meine, seinen Sinn als meinen Sinn, sein Gewordensein als Sinn meines Werdens, meiner Geschichte. Im Gefühl erkenne ich daher auch mich als sich äußernden Menschen, als Mensch der sinnlich ist, indem er Sinn für anderes hat und durch seine Sinne daher unmittelbar in Gesellschaft ist. Und in diesem Anderssein des Eigenen wird ein Mensch erst vollständig sinnlich, weil er darin wirklich gesellschaftlich wird, zu einem Menschen, der eben nur dadurch sinnlich ist, dass er Sinn für anderes hat, - einen Sinn, der durch ihn wirksam wird und den er in Gegenständen seiner Bedürfnisse auch veräußert und außer sich vorfindet, empfindet.

Das Gefühl setzt die Beziehung zu seinem Gegenstand voraus. Im Gefühl besteht die Gewissheit eines Gewissens, ein Wissen, das sich zu einem Gegenstand verhält, ohne dass dieser ihm wirklich schon gewiss wäre. So ist Gefühl einerseits erworben aus einer Beziehung, die schon vor aller Gegenständlichkeit in der Gestaltung von Gegenständen war und die auf den Menschen zurückkommt, wenn er sich gegenständlich bezieht, wirklich empfindet. Darin kommt das Gefühl erst wirklich auf sich zurück als Reflexion des Gefühls, das in die Erzeugung des Gegenstandes eingebracht war. Das Gefühl hat in der Empfindung seine gegenständliche Beziehung und Gewissheit. Vorausgesetzt war ein Bildungsprozess, ein Leben in vielerlei Fühlen und Verlangen, ein Gestaltungsakt, der zur fertigen Form gerinnt. Das Leben des Fühlens ist im Gefühl zur Form gebracht. Gefühl ist als abgeschlossene Form des Fühlens schon Aneignung von etwas, das in sich abgeschlossen ist. In ihm ist das Gefühlte schon verschwunden (Form), Resultat eines Prozesses, der im Genuss nicht nur bestätigt, sondern auch erst vollständig verwirklicht wird. Gefühl ist also ein Verhalten zu einem Gegenstand, das ein Verhältnis hierzu vorraussetzt und zugleich erzeugt, indem es ihn darin wahrnimmt und wahrhat. (20)

In der Empfindung war der Sinn einer Beziehung wahrgenommen worden und also zu einem Befinden geworden. Im Gefühl wirkt das Vermögen der Sinnbildung in dem, was man an gesellschaftlichem Wirken, an naturmächtiger Lebensgestaltung wahr hat. Es ist dem Sinn nach die gesellschaftliche Spur der Bedürfnisse in der Wahrnehmung. War die Empfindung die Auffassung eines Gegenstands, wie er als Sinn einer Beziehung mir erkennbar wurde, so erkennt das Gefühl eine Sinnbildung in ihrer Wirkung für sich, die Entwicklung der Sinne für sich und durch sich wirkend und bewirkt. In den Gefühlen erweist sich, was ich an sinnlichen Zusammenhängen wahrhabe, in dem, was ich darin spüre und fühle. Ohne einen Zusammenhang in meinem Leben, worin Sinn entsteht, fühle ich nichts. Das Gefühl ist Resultat einer Sinnbildung durch die Geschichte, die es im Bezug auf seine Wahrnehmungsgegenstände hinter sich hat. (21)

Das Gefühl setzt nicht eine Beziehung zu einem Gegenstand, zu einer Sache oder einen Menschen vorraus, sondern einen Sinn, der darin wahr gehabt wird. Es erkennt Lebensäußerung außer sich und ist das Gespür, das im fühlenden Menschen verbleibt, weil er darin einen Sinn erkennt, den er sich in seinem Gefühl aneignet und den er auch mit Gefühl veräußert, in seiner Vergegenständlichung ausgibt. Das Gefühl hat somit im Unterschied zur Empfindung sein gesellschaftliches Sein nicht in, sondern hinter der Wahrnehmung. Es bezieht sich auf Lebensäußerung, die Sinn hat, weil sie von und für Menschen ist und daher auch jeder Mensch fühlen kann, was hiervon auf ihn zurückkommt, was seine Gesellschaftlichkeit in seiner Wahrnehmung als Spuren vielfältiger Beziehungen hinterlässt.

Von daher sind Empfindungen und Gefühle völlig unterschiedliche Momente der Wahrnehmung. Die Beziehung der Menschen auf ihre Gegenstände erscheint in der Empfindung in der Weise ihrer unmittelbaren Wahrnehmung, im Befinden. Im Gefühl erweist sich deren Grund als Sinn, der zu spüren ist, als das, was man wahr hat in dem Sinn, den man für etwas so hat, wie die Empfindungen darin vermittelt und bezogen. Beides in einem macht die Gegenständlichkeit einer Beziehung im Menschen, seine Wahrnehmung als Ganzes aus. Es befindet sich darin ein Sinn, in welchem zu fühlen ist, wie er von den Menschen geäußert ist und wie er sich auf Menschen bezieht. (22)

Aber beides, das Befinden und das Fühlen, kann in der Wahrnehmung sich nicht einen, wenn darin kein wirklicher Grund hierfür erkennbar ist. Wahrnehmung ist eben nicht durch sich sondern immer durch Gegenstände vermittelt, die sie begründen. Sie ist ein Prozess der Erkenntnis, ein Prozess im erkennenden Individuum, die nur in der Beziehung auf ihren Gegenstand wirklich wahr sein kann. Von daher können Empfindungen und Gefühle sich in der Wahrnehmung nur dann ungebrochen beziehen lassen, wenn die Erkenntnis ihrer Gegenständlichkeit zu ihrem Ende kommmt, aus Gewisssheiten und Gefühlen seiendes Wissen und also Bewusstsein wird. (23)

In der Ablösung von den Bedürfnissen ist das Befinden ohne Gefühl und das Gefühl ohne Befinden. Beides kann in der Wahrnehmung keine wirkliche Wahrheit haben, außer der Wirkung, welche ungegenständliche Wahrnehmung auf die Menschen hat, also in ihnen sinnlich wirkt, ohne Wieklichkeit zu erkennen. Gegenständliche Wahrheit kann nur in ihrem Gegenstand sein und sich also nur in ihm wirklich erklären, auch wenn sie sich nur im Menschen selbst erweist - zum Beispiel im Verhältnis wahrnehmender Mensch, die sich selbst gegenständlich, also zu wechselseitigem Gegenstand werden. Was immer Gegenstand ist, in der Wahrnehmung verbleibt er - wo er nicht zum Bedürfnis wird - nur so, wie er nicht wahrgehabt wird, wie er zwar gefühlt wird, weil er ja objektiv ist, aber nich wahrgenommen wird, weil er nicht subjektiv, also für das wahrnehmende Subjekt nicht wirklich erscheint. Es ist eine unwirkliche Wirklichkeit, die ihre Spur in die Wahrnehmung selbst hineintreibt, die darin so wahr gehabt wird, wie sie nicht wahrnehmbar ist und die als etwas wahrgenommen wird, das zwar wirklich ist, aber nicht wirklich, sondern nur zwischenmenschlich existert. Zwischen den Menschen erscheint eine objektive Wirklichkeit in nur subjektiver Wirkung, weil deren Menschlichkeit objektiv ungegenwärtig ist, und gerade hierdurch nur subjektive Wirkung hat. Die Menschen verbinden sich in einem objektiv begründeten Gefühl, das für sie verbindlich wird, ohne dass erkennbar ist, woraus es besteht und welche Empfindung ihm vorausgesetzt ist.

Die Wahrnehmung verbleibt in dieser doppelten Wahrheit - solange sie getrennt von ihrem Gegenstand ist - als objektives Gefühl, als Wahrheit ihrer Sinnestätigkeit und als Wahrheit des Sinns, den sie für etwas hat. In der Wortbedeutung von Sinn ist beides enthalten, indem es sowohl stofflich das Organ meint, wie auch geistig die Identität von Gegenstand und Mensch, die in wirklichkeit nur getrennt existiert, getrennte Gegenständlichkeit hat. In der Trennung von beidem vollzieht sich deren Abstraktion als Verselbständigung von objektiv begründeten Gefühlen in einer Selbstentfremdung menschlicher Subjektivität. (24)

Diese Selbstständigkeit existiert durch die Vermittlung von Getrenntem, ist also nur in der Entzweiung unmittelbar. Die Wahrheit der Wahrnehmung als Ganzes kann also weder ausschließlich unmittelbar noch ausschließlich unwahrnehmbar sein. Wahrnehmung ist eben nicht nur Form des Leidens, Leidensform, sondern auch Tätigkeit, Prozess der Erkenntnis. Wahrnehmung ist ein Moment menschlichen Lebens, wie es in ihrem Gegenstand erscheint, wie es außer sich ist, für sich so wahr, wie es wahr genommen wird. Wahrnehmung ist die Auffassung des Lebens im Prozess des Erlebens. Wie ich mein Leben wahr nehme, so mache ich es mir wahr, und wie ich es wahr habe, so habe ich es außer mir, so erlebe ich es. Die unterschiedlichen Wahrnehmungen der Menschen haben ihren Sinn in dem, was sie von ihrem Leben in sich wahrmachen und in ihrem Erleben wahrhaben. Erleben ist die Lebensform der Wahrnehmung, wie sie für sich, also objektiv, ist, wie sie also ihre Empfindungen und Gefühle aus einem objektiven Gefühl wirklich in sich vereint, wirklich wahrhat. Darin erscheint Wahrnehmung nun als eigene Wirklichkeit, als Prozess einer Selbstverwirklichung, welche die gegensinnige Beziehung in der Wahrnehmung selbst entwickelt und in ihrem Selbstgefühl veräußern wird.

Im Gefühl reflektiert sich ein Wahrnehmungsverhältnis so, wie es wahrgehabt wird. Und als Mangelgefühl bestimmt sich darin, wie es wahrgemacht werden muss, um die Wahrheit der Beziehung eines Menschen auf den Gegenstand seiner Wahrnehmung so zu erzeugen, dass er als menschlicher Gegenstand empfunden wird.




113

111.1.3 Das objektives Selbstgefühl als Selbstwert

In der Empfindung erkenne ich eine Beziehung, die ich gegenständlich wahrnehme, im Gefühl, was ich davon sinnlich wahr habe. In der Empfindung ist der Sinn einer menschlichen Beziehung räumlich und zeitlich wirklich, im Gefühl sind Vergangenheit und Zukunft gegenwärtig, und der Ort ist gleichgültig, weil er nurmehr im Menschen ist. Von daher kann im Gefühl der Sinn menschlicher Beziehungen auch ohne wirkliche Beziehung sein, Wirklichkeit jenseits ihrer Wirkung, Gegenwart ohne Gegenwärtigkeit. So lässt sich in einer Gefühlswelt, die für sich bleibt, auch fühlen, was eine Beziehung nicht wirklich sein lassen kann, auch wenn sie als wirklich empfunden wird. Empfindungen und Gefühle sind ein Verhältnis in der Wahrnehmung, worin menschliche Beziehungen, wo sie für sich reflektiert, also isoliert sind, sich im Menschen selbst vergegenständichen, sich in ihm für sich befinden und sein Befinden ausmachen. In ihm verschmelzen sie so, wie sie sein Leben objektiv wahrhaben, sind in einem objektiven Grund verschmolzen und gründen im Lauf seiner Geschichte einen eigenen Zusammenhang von Empfindungen und Gefühlen in einem objektiv gewordenen Gefühl, das in Wahrheit nichts anderes zusammenfasst als das, was in der gegenständlichen Lebenserfahrung sich in ihm verschmolzen hat.

In ihren Selbstgefühlen empfinden sich Menschen inmitten ihrer eigenen Lebensäußerungen. Darin fühlen sie, was sie durch sich geschaffen haben. An und für sich kommen die Gefühle der Menschen immer wieder auf die Empfindungen zurück, aus denen sie sich gebildet hatten. Es ist der natürliche Kreislauf der Wahrnehmung, aus dem sich die Fortbildung der menschlichen Kultur ergibt und neue Bedürfnisse entstehen. Deren Bildungsprozess begründet sowohl die Fortbildung ihres gegenständlichen Reichtums, wie auch die ihrer Sinne selbst, Fortbildung der menschlichen Sinnlichkeit, dem Vermögen der menschlichen Sinne sowohl in ihrer Intelligenz wie auch der Produktivität und Vielfalt ihrer Lebensäußerungen.

Wo aber Menschen die Sinne ihrer Wahrnehmung selbst zum Gegenstand ihrer zwischenmenschlichen Beziehung machen, sich durch die Einverleibung ihrer Lebenseigenschaften erleben, sich selbst im Zweck ihres Selbsterlebens versachlichen, haben sie sich als das wahr, was sie jeweils für sich durch andere sind, was sie durch sie in sich finden und empfinden. Die Gefühle, die sie hierdurch anderen entgegen bringen, werden hierbei zu Selbstgefühlen, die sie mit ihnen teilen und darin sich als Anteil an ihrer Zwischenmenschlichkeit erlfahren, diese für sich teilen und anderen mitteilen. Dabei werden sie zu einem Teil einer ihnen äußerlichen, weil veräußerten Ganzheit ihrer menschlichen Beziehung und müssen von ihren wirklichen Empfindungen absehen, durch die sie ihre Gefühle für sich haben. Und sie müssen von ihren wirklichen Gefühle absehen, die sie durch ihre Empfindungen mit anderen, durch die wirklichen Lebensbedingungen ihrer zwischenmenschlichen Verhältnisse, durch deren Lebenswirklichkeit wahrhaben. Beides geht dann als gefühlte Empfindung in ihrem Selbstgefühl dadurch auf, dass sie sich durch die Empfindung ihrer Gefühle finden. Das allerdings zwingt sie dazu, in doppelter Weise von sich abzusehen, weil und indem sie ihre Wahrnehmung überhaupt entwirklichen. Die Wahrnehmungen ihrer menschlichen Beziehungen hat von daher nurmehr die Wahrheit ihrer Ästhetik, ist abstrakt sinnlich, von einem abstrakt menschlichen Sinn bestimmt, der wiederum nur die Absichten ihrer Selbstwahrnehmung verwirklichen kann.

In den Verhältnissen des Erlebens ist Leben abstrakt verallgemeinert; abstrakt, weil es nicht allgemein sein kann, ohne vom einzelnen Erlebnis abzusehen. Und es muss von diesem absehen, wenn und weil dieses nicht durch sich selbst sein kann, sondern durch einen Reiz verursacht ist. Die Kehrseite eines reizvollen Lebens ist die Notwendigkeit, Gefühle für sich zu erfahren und von daher für sich zu empfinden, die Empfindung aus dem Erleben von Gefühlen zu gewinnen und hierin eine Wahrnehmung zu haben, die nicht unmittelbar wahr sein kann. Sie besteht unmittelbar aus nichts, was außer ihr ist, vermittelt alles Äußere nur durch die Empfindung, wie sie für das Gefühl ist. Von daher bildet diese eine äußere Identität der Wahrnehmung, die ihre Selbstbeziehung ausmacht und ohne diese für sich nichts ist, wertlos erscheint. In solcher Selbstwahrnehmung bildet sich Selbstwert als Form des Fühlens, also darin, für die Wahrnehmung Subjekt und Objekt der Reize zu sein, die dem Erleben entstammen und sich darin als subjektives Objekt zu bestärken.

Es reflektiert sich darin die Wirkung einer Ästhetik, welche Gefühle zu bestimmen vermag, weil und sofern sie sich nicht in Erkenntnis aufhebt, solange also die betroffenen Menschen deren Wahrheit nicht kennen, keine Identität außer sich finden und sich ihrer also nicht gewiss sein können. Beeindrucken können Erlebnisse oder Eigenschaften, welche ein Mensch für sich selbst nicht wahrnimmt oder kennt und sich hiergegen mangelhaft wahrhat, weil er sie nur durch andere wahrnimmt, weil er sich also selbst fremd darin ist. Vertraut wird er für sich durch die Bildung von Selbstgefühlen.

Das Selbstgefühl bezieht seine Wahrnehmung aus der Verdopplung der Selbstwahrnehmung mit einem Gefühl für Empfindungen, die sich in der Erinnerung vermengen, wodurch sie ihre Gegenwärtigkeit in zwischenmenschlichen Beziehungen bestärken und ihre Inhalte reduzieren. Das geschieht im Erleben der Selbstwahrnehmung durch Ereignisse, die für die Empfindung seiner Selbst einverleibt (siehe auch Kulturkonsum) werden. Um als Ereignis der Erinnerung bei sich als Gefühl für sich und ohne Sinn für andere da zu sein, verbleiben sie als Sinn für sich im Selbstgefühl, das die wirkliche Geschichte seiner Empfindungen von sich ausschließt, in einem hiervon abstrahierten Sinn (siehe abstrakt menschlicher Sinn) für sich aufhebt. Es stellt sich vor die ganze Wahrnehmung, um sie aus der Erinnerung zu bestimmen, zu ästhetisieren und ihre wirklich wahre Geschichte mit der "Macht der Gefühle" auszulöschen. Die Selbstgefühle stellen von daher ein mächtiges "emotianales Vorurteil" dar, ein Vorgefühl, das bestätigt sein will und das durch seinen ästhetischen Willen die gegenständlichen Wahrnehmungen für sich zu beschönigen und darin zu bestätigen und zu bestärken sucht.

Selbstgefühle sind an und für sich selbst reflektierte Gefühle, wie sie sich aus der Empfindung fremder Gefühle in ästhetischen Beziehungen ergeben. Weil in diesen schon vor aller bestimmten Wahrnehmung ein Gefühl die Empfindung bestimmt, ist das wechselseitig empfundene Gefühl gedoppelt, Gefühl für sich durch das Fühlen mit anderen. Daraus bestimmt sich der ästhetische Wille in zwischenmenschlichen Beziehungen, die sich im Erleben zwischenmenschlicher Verhältnissen ereignen.

Selbstwert ist also ein Wert, der aus Selbstgefühlen in ungewissen zwischenmenschlichen Verhältnissen nötig wird, um durch eine Selbstbeziehung sich hierin zu verhalten, diese für sich aber auch wahrhaben muss, um allgemein einbezogen zu sein. Die Beziehung reflektiert die Bewertung von Selbstgefühlen, die sich in solchen Verhältnissen ergeben, bemisst sich also am Durchsetzungsvermögen der Selbstempfindungen im zwischenmenschlichen Verhalten der Menschen. Im Selbstwert bestätigen sich die Empfindungen in diesen Verhältnissen danach, wie sich die eigene Anwesenheit unter Menschen anfühlt, also danach, wie sie das Selbstgefühl befördern. Ein Mensch fühlt sich schlicht bestätigt, wenn er in ungewissen Verhältnissen als Mensch unter Menschen "irgendwie ankommt", also keine Minderwertigkeitsgefühle als ungewissser Mensch bekommen muss.

So, wie diese objektiven Beziehungen sich im Verhältnis der Menschen vergegenständlicht haben, so verhalten sie sich auch in ihnen als Momente ihrer Wahrnehmung. Hier tritt das, was objektiv ist, lediglich subjektiv auf und ist als Produkt menschlicher Lebensäußerung jetzt Gegenstand zwischenmenschlicher Wahrnehmung. Was den Menschen durch ihre gesellschaftliche Wirklichkeit gegeben ist, wird zwischen ihnen für wahr genommen. Darin ist Empfindung und Gefühl ein Verhältnis, das wesentlich dem wirklich Möglichen Folge leistet und nun als ihr kulturelles Verhältnis erscheint, gleich welchen Sinn es für sie hat. Die Rückkunft menschlicher Tätigkeit erscheint nun selbst als zwischenmenschliche Kultur, als ihre wesentliche Bewahrheitung zwischen den Menschen, welche unmittelbar zu sein scheint.

Doch Unmittelbarkeit kann nur gegenständlich, nicht zwischen etwas sein. Indem sich die Menschen in ihren zwischenmenschlichen Erkenntnissen selbst gegenständlich erscheinen, werden diese zugleich zu menschlicher Selbsterkenntnis in einer von ihnen getrennten Objektivität, in einem objektiven Gefühl, das sie miteinander teilen und durch einander mitteilen und das ihnen selbstverständlich gegeben ist, bewahrheitet als menschliche Lebensäußerung in ihren zwischenmenschlichen Wahrnehmungen, ihrem Selbsterleben als Mensch unter Menschen. Indem dieses ihre sinnliche Bezogenheit zur sinnlichen Gewissheit ihres menschlichen Lebens bringt, sich also darin wirklich aufhebt, dass es ungebrochen subjektivieren kann, was Menschen verobjektiviert hatten, was also Menschen wirklich und in Wirklichkeit haben und sind, wird das Erleben zu einer Lebensform des objektiven Gefühls. In ihrer zwischenmenschlichen Erkenntnis hebt sich die Wahrnehmung der Menschen in dem auf, was sie von sich in ihrer Beziehung wahr haben, was die Seinsweisen ihrer objektiv begründeten Gefühle sind. Darin bildet und entwickelt sich ihre Selbsterkenntnis als Wahrheit der Geschichte ihrer Kultur, wie sie in ihrer gesellschaftlich gewollten Fixierung erscheint - sowohl als einzelne wie auch als allgemeine Geschichte einer Kultur, die zwar von und für Menschen ist, aber nicht als das für sie existiert, was sie sie durch sie ist, sondern als gesellschaftlich gewollte Form der Kultur, als politische Kultur, in welcher ihre Zwiespältigkeit nun als ungebrochene Wahrheit zum Gegenstand ihrer Erkenntnis werden soll. (25)

Empfindungen sind die Grundlage der Gefühle, was immer ihre gesellschaftliche Form sei und gleich, was darin gesellschaftlich subjektiv gültig ist, was ihr allgemeines Subjekt sein mag (26). Wahrnehmungen bilden sich dadurch, dass Empfindungen in den Sinn für einen subjektiven Zusammenhang geraten, der wiederum auf die Welt der Gegenstände zurückkommt, der sich in einem Gefühl für diese bildet und bestärkt und schließlich die Gegenständlichkeit ihrer Bedürfnisse ausmacht. Das Gefühl ist von daher das Resultat einer beständigen Vermittlung von Empfindung und Gegenstand. Man entwickelt Gefühle für etwas oder jemanden, indem man sich mit diesem auseinandersetzt, es oder ihn kennenlernt und schließlich auch erkennen kann. Dem Inhalt nach sind Empfindungen und Gefühle demnach identisch, wenn und weil das eine Resultat des anderen ist.

Wenn ein Gegensatz von Empfindung und Gefühl entsteht, so besteht der einfach daraus, dass die Gegenstände der Wahrnehmung in Welten entstehen, die für die Wahrnehmung selbst objektiv begründet sind, keine sinnliche Beziehung darstellen, die also selbst nicht in einer wirklichen und sinnlichen Beziehung zum Menschen stehen können, wiewohl sie für ihn Objekte seiner Bedürfnisse und also seiner Sinne sind. Durch objektive Gefühle sind die Menschen vom Gegenstand ihres Fühlens getrennt, wiewohl dieser ihren Sinn ausmacht. Und der Begriff ihrer Gerenntheit, wie er sich als Trennung in ihren Wahrnehmungen zwischen wirklichem Empfinden und wirklichem Fühlen vollzieht, bezieht sich also auch auf einen wirklichen Grund ihres Getrenntseins, sowohl im einzelnen Menschen, wie auch allgemein. Er enthält den Grund für die Trennung von Bedürfnis und Sinnlichkeit. (26aa) In der Trennung wird ein Zusammenhang zunichte gemacht und wie aus dem Nichts heraus erscheint der abwesende Zusammenhang im Ungewissen selbst nur rein formell als bloße Erregung.

Von daher stellt jedes Gefühl auch in seiner Isolation einen gesellschaftlichen Zusammenhang dar, der darin zwar objektiv, aber nicht wirklich ist, also eine Ungewissheit der Empfindungen äußert, die sich sich nur noch als Erregung in der Wahrnehmung regt und deren Regungen bestimmt. Das stellt einen Bruch in der Wahrnehmung dar, der die Beziehung zu ihren Empfindungen an ihren Gefühlen relativiert. Von daher wird sie gegen die Empfindung mehr oder weniger gleichgültig und setzt sich auf vielfältige Weise in Beziehung, eben auf das, worin sie die darin begründeten Erregungen zu beherrschen versteht, die daher rühren, dass es seine Empfindung verloren hat. Die Wahrnehmung beruhigt sich darin, dass sie ihre Regungen vor allem als Gefühle für sich hat, sich darin sammelt und somit auf sich selbst zurückkommt, darin sich selbst fühlt, zum Selbstgefühl wird und dieses immer wieder für sich erstrebt. Die Wahrnehmung hat auf diese Weise eine Absicht bekommen, der sie eine ihr innere Identität jenseits ihrer Gegenstände verdanken kann, wenn sie ihr gemäß entspechende Erlebnisse hat und erfährt.

In dieser Beziehung wird das Erleben zu einem inneren Zusammenhang in den Individuen, der seine Herkunft nicht mehr offenbart und den sie nicht wissen können, der sich aber zu einer allgemeinen Erfahrung in ihnen, in ihrem Gedächtnis niederschlägt und darin die Lebensform ihres Selbstwerts findet. So subjektiv dieses Gedächtnis wirken mag, so objektiv sind darin die Lebenszusammenhänge versammelt, die sich aus den Erlebnissen niedergeschlagen haben. Das Verhältnis der Empfindungen zu den Gefühlen kehrt sich darin in das Verhältnis eines allgemeinen Gefühls in den Menschen, in welchem sich ihre Empfindungen sowohl gesellschaftlich - wenn auch gleichgültig - auf ihre Allgemeinheit reduzieren und bewahrheiten, wie sie zugleich auch darin wirklich aufgehoben werden. Es ist ein rein ästhetisches Fühlen, worin die Wahrnehmung nurmehr in ihrer Abstraktion zu sich selbst kommen kann. Dieses Fühlen ereignet sich daher in den Menschen als Selbstgefühl. Das Verhältnis, das darin sich zwischen Empfindung und Gefühl vollzieht, gilt es jetzt genauer zu begreifen.

Wahrnehmung setzt den Sinn, den Menschen für sich gebildet haben, wie auch ihre sinnliche Tätigkeit voraus, mit der sie ihre Welt gestalten. Sie hat einen doppelten Bezug zu ihrem Gegenstand. Empfindungen drücken eine Beziehung aus, deren Sinn wahrnehmbar geworden ist. Gefühle drücken den Sinn aus, der in eine Beziehung gegeben ist und darin wahr gehabt wird. Soweit der Gegenstand der Wahrnehmung nicht ein menschlicher Gegenstand ist, erscheint der Mensch sich selbst zwiespältig und im Zwiespalt. Seine Gefühle sind ohne wahre Gegenständlichkeit und als objektive Gefühle Begründung zwischenmenschlicher Beziehungen. Dort erweist sich ihre Wahrheit als entfremdung des Menschen von seinem Gattungswesen und darin wird es auch auch notwendig, in den Empfindungen der Wahrnehmung menschliche Erkenntnis zu finden. Weil und solange sich das Leben der Menschen nicht wirklich vollzieht, müssen sie ihre Wirklichkeit im Zwiespalt ihrer Beziehungen erkennnen.

Empfindungen und Gefühle können sich also nicht als das bewähren, aus dem sie entstehen. Sie enthalten entgegengesetzte Bestimmungen in ihrer Form selbst. Darin bestimmt Form selbst zugleich den Inhalt, aus dem sie sich begründet, hat Formbestimmung, wodurch sich Form und Inhalt widersprechen.

In ihrem Widerspruch machen Wahrnehmungen in diesem Verhältnis das wahr, was sie selbst darin sind: Ereignis zwischenmenschlicher Verhältnisse, wie es ihrem körperlichen Sein entspringt.

Die Emanzipation des Menschen vollzieht sich in seinem Leben in einem konkreten Reichtum menschlicher Kultur . Aber darin ist Erkenntnisprozess nötig, worin die Wahrnehmung ihren Widerspruch weiß und also menschlich wird, ebenso, wie im Arbeitsprozess, worin die Arbeit sich in der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse bestätigt und aufhebt. Die Kritik der politischen Ökonomie trifft sich darin mit der Kritik der politischen Kultur.




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111.2 Der Reiz des Erlebens oder die Ästhetik der Selbstbeziehung

Im Erleben hat man sein Leben für sich, erscheint das Leben in jedem einzelnen Erlebnis. Von daher ist das Erleben selbst schon eine Vereinzelung des Lebens, ein abgetrenntes, apartes Leben in der bloßen Form des Erlebens, worin sich vor allem dessen Regungen als Erregungen gestalten, die durch die Reize ausgelöst werden, die sie haben können. Aus der Form, mit denen hierdurch Regungen bestimmt werden (siehe Formbestimmung), bildet sich der Eindruck und die Dichte des Erlebens und wird zu einer eigenen Form der Wahrnehmung, zu einer ästhetischen Wahrnehmung.

Für die Wahrnehmung ist Verdichtung die Vervielfachung der Reize von Eindrücken, die sich im Bild ihrer Erinnerung bestärken (siehe Ästhetik). Sie entwickeln hierdurch einen Sinn, in welchem die Empfindungen verschmelzen und sich also qualitativ abstrahieren. Von daher ist Dichte die Begriffssubstanz der Selbstwahrnehmung, die ihre Elementarform in zwischenmenschlichen Verhältnissen hat. Darin entstehen Gefühle, deren Sinnzusammenhang durch die Aufreizung der Selbstwahrnehmung bestimmt sind, also als eine Formbestimmung der Wahrnehmung wirksam werden und schließlich ihren ästhetischen Willen antreiben. Über dessen Vermittlung bilden die hierin vereinten Gefühle als Selbstgefühle in den zwischenmenschlichen Beziehungen der Menschen deren Psyche aus, die sich auch durch ihre Dichte weiter über die Selbstveredelung ausgestalten und in narzisstischen Charaktere akkumulieren.

Der Grund, warum die Selbstwahrnehmung über ihre Verdichtung überhaupt bestimmt werden kann, liegt an einer Wahrnehmung unter der Bedingung der gesellschaftlichen Vermittlung eines Geldbesitzes, eines Mehrwerts in bloßer Geldform (siehe auch Verwertungslogik), wodurch ihre Gesellschaft gegenstandslos erscheint und nur noch für die Menschen zusammenhanglose Ereignissen zur Wirkung kommen. Weil sie hierdurch ohne Zusammenhang erscheinen, können sich aus diesen die Beziehungen der Menschen nicht wirklich fortbestimmen, wodurch sie für sich genommen geschichtslos werden (siehe Geschichte). Solche Erinnerungsbilder bestärken die Gefühle der Selbstwahrnehmung, die Selbstgefühle eines Menschen in dem Maß, wie er sich darin der Wahrnehmung überlässt, seine Verhältnisse als Wahrheit für sich zu seiner persönlichen Gewohnheit verallgemeinert.

Die ästhetische Form einer Wahrnehmung unterscheidet sich von der Wahrnehmung als solche darin, dass sie ihren Sinn als eine vergangene Gegenwart des Lebens erinnert, wie er in einer bestimmten Form empfunden war. Weil hierdurch gegenwärtige Wahrnehmung in einem vergangenen Sinn bestimmt ist, wird er in der Wahrnehmung verdoppelt.

Schönes muss nicht ästhetisch sein - Hässliches auch nicht. Doch wo die Wahrnehmung von etwas oder jemand ungegenständlich, also nicht wirklich möglich ist, wo Wahrnehmung keinen Gegenstand erkennt, herrscht die Art und Weise vor, wie sie sich anfühlt, wie das, was auf sie wirkt vorgefunden wird. Von daher hat sich die bürgerliche Wissenschaft dahin entwickelt, "das Ästhetische" als Kunstform zu verstehen und sich dazu zu verwenden, diese auch zu bewerten. So soll es auch in einem Standardwerk aus der Mitte der so genannten "marxistisch-leninistischen" Ästhetik in einer "Wissenschaft von der küstlerischen Kultur der Gesellschaft" interpretiert werden:

"Die Ästhetik ist … nicht schlechthin die Wissenschaft vom Schönen, sondern sie ist, umfassender und genauer formuliert, jene Wissenschaft, welche den ganzen Reichtum ästhetischer Werte erforscht, die der Mensch in seiner Umwelt vorfindet, die er in seiner praktischen Tätigkeit schafft und die in der die Realität widerspiegelnden Kunst fixiert werden. In diesem Sinne kann man die Ästhetik als die Wissenschaft von der ästhetischen Aneignung der Wirklichkeit durch den Menschen bezeichnen." (Moissej Kagan: "Vorlesungen zur marxistisch-leninistischen Ästhetik", Dietz-Verlag 1975, S.13)

Mit dem "ganzen Reichtum ästhetischer Werte" ist allerdings eine im Wesentlichen praktische Beziehung einer verselbständigten Wahrnehmung auf ihren Gegenstand angesprochen. In Wahrheit aber ist ästhetisch lediglich eine Empfindung, die sich formal dadurch bewahrheitet, dass sie sich durch die Wahrnehmung eines Gefühls vergegenwärtigt, in der sie sich ihrer Form nach ihrer Empfindung erinnert, sich mit ihrer gefühlten Erinnerung identifiziert, sich also formell durch das Bild verdoppelt, das sie hiervon hat. Von daher ist Ästhetik eine Einbildung. Für die Wahrnehmung wird sie über Reize vermittelt, in denen sich das Erinnerte als Empfindung schon in dem wahrhat, was sie in ihren Gefühlen im zwischenmenschlichen Erleben findet und befindet und sich daher wiederum auch als Gefühl bestärkt. Dies verschafft der Empfindung diese Dopplung, durch die sie im Gefühl schon bei sich ist, bevor sie außer sich sein kann und also ihre sinnliche Gewissheit durch das Gefühl verzaubert, den Sinn der Wahrnehmung durch eine Selbstwahrnehmung bestimmt, ihre Gefühle vor allem als Selbstgefühle wahrhat. Weil diese Wahrnehmung von da her ihren Gegenstand nicht als das erkennen kann, was sie von ihrer Lebensäußerung, ihrer Tätigkeit, wie auch der Tätigkeit der Menschen überhaupt, von ihrer Wirklichkeit wahrhat, ist sie selbst auch mächtig geworden - nicht bloß fantastische Einbildung durch Bilder der Erinnerungen, sondern mächtige Einbildung durch das Selbstgefühl, das für die ganze Wahrnehmung Wirkung hat, indem sie deren Gewissheiten entäußert, sie sukzessive entgegenwärtigt und beziehungslos macht.

Im Erleben vereinen sich Empfindungen und Gefühle auf eine ganz eigene Art und Weise. Ob gewollt oder nicht: Die Empfindung wird unmittelbar gefühlt und was ihr vorausgeht ist dabei völlig gleichgültig. Leben wird darin zu einem Ereignis, das aller Zusammenhänge enthoben zu sein scheint (26ab). Und das Lebensgefühl eines solchen Ereignisses bestimmt die Empfindung zum Inhalt des Gefühls. Es kehrt die Beziehung von Empfindung und Gefühl um zu einem Lebensgefühl, worin sich die Empfindungen der Erlebnisse verallgemeinern. Das macht aus den Gefühlen Reizungen ganz eigener Art: In ihnen verdoppelt sich der Sinn einer Beziehung in der Form einer Selbstbeziehung zur Sinnlichkeit eines Selbstgefühls, in welchem Empfindungen und Gefühle zu einer ästhetischen, innerlich scheinenden Kraft wahrgemacht werden, welche die Wahrnehmung als Ganzes aufreizt. Nicht mehr die Empfindungen verallgemeinern sich in den Gefühlen und nicht das Gefühl für einen Menschen oder eine Sache bildet das Gedächtnis der Menschen aus. Umgekehrt: Das Lebensgefühl im Erleben wird zur bleibenden Erinnerung im Gedächtnis der Menschen. Es macht ihr Selbstgefühl in einer Gesellschaft aus, deren Wahrnehmungen vor aller Erfahrung schon objektiv vermittelt sind, weil sie objektive Gefühle voraussetzen, worin ihre Empfindungen zu Selbstwahrnehmungen vertauscht sind. Und die sind ihnen vorausgesetzt, weil sie auf einer Beziehungswelt unendlicher Möglichkeiten des Empfindens, nämlich auf Kapital, auf reinem Geldbesitz gründen.

Gefühle sind mit Empfindungen vertauscht, die sich aus der Selbstbeziehung der Wahrnehmung erst ergeben und sich zu einem eigenen Reiz der Wahrnehmung, zu einem Selbstgefühl verdichten, das in Wahrheit eine Täuschung der Selbstwahrnehmung ist: Selbsttäuschung. In den Selbstgefühlen der Menschen bestimmen sich Gefühle ästhetisch zu einer Wahrnehmung fort, die sie nicht wirklich für sich und durch sich haben, die aber für ihre Wahrnehmung bestimmend wird. Es ist darin fremdes Leben gegenwärtig, das als solches nicht erkennbar ist, weil es als eigenes erscheint, weil es aus den Menschen selbst hervorkommt wie eine eigene, eine innere Wahrheit, in der sich ihr Leben wahrmacht. Es ist aber lediglich die Wahrheit ihrer Selbstwahrnehmung, in welcher sich vertauschte Wahrnehmung nun auch tatsächlich ereignet.

Ästhetik ist eine Reaktion auf das Auseinanderfallen von Bild und Bedeutung, wie es durch die zwischenmenschlichen Beziehungen in den Verhältnissen des Geldbesitzes begründet ist. Sie soll Gefühle wahrnehmbar machen, die darin ihren Sinn verloren haben. Ästhetik begründet sich von da her aus der Verdichtung einer Erinnerung, in der dieser Sinn in seiner bloßen Form, also abstrakt von seinem Inhalt bewahrt ist. In dieser Form der Wahrnehmung wirkt sie ausschließlich durch ihre Gefühls in den Empfindungen und bleibt für sich ein bloßes Ereignis, das von dem abhängig ist, was sie nicht mit ihrem Leben durchdringen kann, was sie in ihrem Erleben aber für sich fühlt und im Gefühl schon kennt und das daher auf sie einen Eindruck macht, der zugleich ihre Tätigkeit im Wahrhmen selbst erschöpft und isoliert.

Sie nimmt sich wahr, wie sie für sich auch wahrgehabt wird, wie sie als Wahrnehmung sich auf ihre Wirkung in ihrer Empfindung, auf das Gefühl von Empfindungen reduzieren lässt. Ästhetisch ist also, was als Empfindung von Gefühlen objektiv wahrnehmbar gemacht wird (siehe hierzu auch objektives Gefühl), wie es als Wahrheit für sich vorkommen und durch sich auch erscheinen soll. Ästhetik kann daher eine Darstellung in der Kunst oder in der Mode oder auch nur Kitsch sein - auch wenn diese nicht durch sich schon ästhetisch sein muss. Immer ist ästhetisch eine Gestaltung von und für die Wahrnehmung, wie sie ausschließlich für sich sein kann und als diese Aufmerksamkeit ersucht, indem sie an Empfindungen erinnert, die als Gefühl sich ausdrücken lassen. Von daher bezieht sie sich auf Eigenschaften in der Art und Weise, wie sie Eindruck auf die Wahrnehmung machen, Selbstgefühl wahrmachen indem sie Erinnerungen vorzeigen. Das natürliche Verhältnis von Empfindungen zu ihren Gegenständen, aus deren natürlicher Intelligenz sich Gefühle bilden und Fähigkeiten gestalten, steht durch ihre Ästhetik auf dem Kopf: Gefühle werden ästhetich zur Bestimmung von Empfindungen, zu ihrer Formbestimmung.

Weil Menschen sehen, hören, riechen, spüren, denken usw. können, nehmen sie immer auch einen entsprechenden Gegenstand wahr, auch wenn dieser nicht mehr unmittelbar, also nur mittelbar wahrnehmbar ist als Dingwelt, welche nicht aus ihrem Leben bestimmt ist und dieses ausmachen würde, wohl aber ihre Erleben bedingt. Mit allen Sinnen haben sie ein Leben wahr, das sie in Wahrheit nicht führen, aber sie machen damit in ihrem Erleben ein Leben wahrnehmbar, das sie als Selbstgefühl für sich bewahren. Was sie in dieser Welt fühlen und empfinden, das sind in Wahrheit nicht nur Augenblicke, auch wenn sie nur als Ereignisse wahrgenommen werden. Was sie dabei wahrhaben, darin geht die ganze Welt als ihre Lebensbedingung in ihrer ganzen geschichtlichen Dimension ein, also eine Beziehung der ganzen Lebensvielfalt in ihrer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, ihrer Nähe und Ferne, so wie die Lebensumstände es geben. Was sie Fühlen ist in ihrem Gefühl so, wie es darin schon auch wahr gehabt ist und was darin auch zukünftig unterstellt ist und was es im Augenblick des Empfindes gegenwärtig ist. Menschen empfinden und fühlen, was überhaupt in ihrer Welt geschieht, was durch sie und was mit ihnen geschieht. Dieses Leben ist allgemein verstanden lebende Sinnestätigkeit, die in der Wahrnehmung der Menschen ebenso ist, wie in ihren Gegenständen. (26a)

Wir haben aber oben schon bemerkt, dass die Wahrnehmung der Menschen in einer Gesellschaft, die auf Kapital gründet, also in einer Dienstleistungsgesellschaft, sich von der gegenständlichen Welt, welche sie in Form ihrer Lebensmittel wahrhaben, getrennt hat. Objektive Wahrnehmungsinhalte aus ihrer gewöhnlichen Existenz werden hier weniger tragend sein, als die rein subjektiven in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen. Die Erzeugung der Gegenstände, die ihr Leben vermitteln, geschieht zu einem großen Teil jenseits ihrer Lebenswelt und die durch Preis und Wert vermittelten Lebensverhältnisse haben für sie keinen wirklichen Sinn. Wohl aber deren Produkte, soweit sie ihr Erleben ausfüllen. In der Trennung von ihrer gegenständlichen Lebenswelt sind sie vollständig hierauf angewiesen und haben ihre Welt als etwas wahr, was sie nicht wahrnehmen, was aber in alles eingeht, was sie vom Leben anderer Menschen wahrhaben. (26b) Sie haben ein Leben wahr, das für sie nur in ihrem Erleben wahrnehmbar ist und worin sich ein Selbstgefühl bestärkt, das aus vielfältigen und beliebigen Beziehungen seine Substanz gewinnt, deren einzig wirklicher Sinn der es Erlebens ist. Dieses Selbstgefühl wird zum allgemeinen Sinn ihres Lebens, ein Sinn, der nicht wirklich wahr sein kann, der aber für sie Sinn hat und für den auch Sinn beigebracht und dadurch erzeugt wird, dass Ereignisse für das entsprechende Erleben auch wirklich stattfinden.

Das Erleben unterscheiden sich vom Leben eben darin, dass dieses sich im Erleben nur reflektiert, dass das Erleben selbst nur ein lebender Reflektor ist, in welchem Leben sich unmittelbar körperlich ereignet, sich verleiblicht, verkörpert. Das darauf gründende Selbstgefühl bezeugt zwar Leben, ist aber selbst kein Lebenserzeugnis und zeugt auch nicht Leben. Es bringt nichts anderes hervor als eine Art und Weise, worin Leben sich als Erlebnis, als einzelnes Ereignis darstellt und als solches einverleibt wird. Es wird für sich reflektiert, wo es durch sich selbst besonders erscheint, für sich reizvoll ist. Und es reizt, weil es den Lebensraum körperlich erweitert, ohne dass sich seine Ausdehnung verändern muss. Im Reiz wird Erleben erst wirklich, weil sich darin die Wahrnehmung im Selbstgefühl einer Empfindung verdichtet. Wo das Leben in reizvollem Erleben auf sich selbst bezogen ist, besondert es auch ganz allgemein das Erlebnis zu einem Selbstgefühl, das allem Erleben gemein ist. Es produziert von daher ganz allgemein eine Selbstwahrnehmung, die sie auch voraussetzt, die durch ihre Besonderung erst reizvoll wird. Jede einzelne Empfindung geht in eine Selbstwahrnehmung über, einem Gefühl, worin ihr Reiz für sich wirkt, sich selbst betreibt und die Wahrnehmung auch antreibt, solche Reize zu suchen. Jede Empfindung wird zu einem gefundenen Reiz, enthält also selbst schon das, was verlangt ist, was sie zu finden hat und was außer ihr ist und als dies Äußere sie erst vervollständigt, verdichtet, verwesentlicht.

Und jedes Gefühl wird aus dieser Empfindung zum Selbstgefühl einer Wahrnehmung, wie sie für sich nicht sein kann, für sich leer bliebe, wäre da nicht schon der nächste Reiz zu finden und also auch zu empfinden. Die Wahrnehmung zirkuliert in einem endlosen Verhältnis von Selbstgefühl und der darin aufgereizten Empfindung, wird zu einem unendlich verdichteten Selbstgefühl, das durch die darin vergegenwärtigte Anwesenheit von Menschen zehrt. Das ist das prozessierende Wesen des Reizes: Die durch ihn bewirkte Selbstempfindung macht die Substanz dieses Gefühls menschlicher Anwesenheit. Die Dichte macht das Quantum des daraus bezogenen Selbstgefühls als dessen Wert für sich, als Selbstwert aus.

Von daher war der Reiz, bzw. der Stimulus, bzw. das Lustobjekt, bzw. der Auslöser schon lange ein Grundelement der Individualpsychologie, die daraus eine "Objektbesetzung" oder eine bestimmte Reaktion ableitete, die das "innere Geschehen" in der "Psyche" und dessen "Vermitlung nach ausßen" begründen sollte. Dabei war aber dieser "Auslöser" wie ein bloßes Mittel, wie eine Agenz für innere Regungen in der Beziehung auf äußere Reaktionen verstanden worden.

Mit ihrem Reiz-Reaktions-Modell gilt z.B. der Verhaltenstheorie ein Reiz als Anlass für eine Reaktion und zugleich schon auch als ihr Grund - quasi als natürliche Sensorik der Wahrnehmung und ist damit schon eine Bestimmung, die angeblich Lernen und Verhalten verursachen würde. In der positivistischen Betrachtungsweise versteht man das eben gerade so, als würde die Darbietung von Nahrung schon auch das Bedürfnis nach ihr erzeugen, als müsste ein Lebewesen stimuliert werden (Reiz=Stimulus), um seine Bedürfnisse wahrzunehmen, um sich hiernach zu verhalten wie ein Pawlow'scher Hund. Es bleibt daher das Problem eines jedweden Behaviorismus, wie er den "Zustand des Organismus" hierauf dann bezieht, denn diese Beziehung ist für solche Theorie beliebig, so dass sie auch innere Regungen als Reize, eben als "Umwelt" behandeln können will.

Eine gereizte Wahrnehmung ist aber schon von vorn herein etwas anderes als eine Wahrnehmung, behauptet doch schon auch solche Theorie eine an und für sich - wenn auch grundlose - Erregbarkeit eines Organismus durch Reize als voraussetzungslose natürliche Beziehung eines Reizes auf einen Körper, der für sich keinen anderen, als einen rein natürlichen Grund hätte, hierauf zu reagieren. Mit diesem Naturdeterminismus wird aber genau das Wesentliche übersehen, das hier zugleich vorraugesetzt wird: Es muss eine Erregung schon vorausgesetzt sein, dass ein Reiz überhaupt Wirkung zeigt. Wenn deren Energie nicht schon aktiv wäre: Wie sonst ließe sich der Enegieaufwand begründen, der mit dem Reiz in Gang gesetzt wird, - woraus wäre die Mühe und Kraft substanziell zu verstehen, die darin verschlissen wird, wenn man davon ausgeht, dass die Wahrnehmung nicht wie ein Automat (z.B. wie ein Computer mit fremder Energiequelle) zu begreifen ist?

Damit Reize überhaupt wirken können, dass eine Reaktion auf sie überhaupt einsetzt, muss schon Erregung überschüssig sein, muss aus der Abstraktion von Regungen ein Antrieb (wie dem eines psychischen Triebs) vorliegen, durch den die Wahrnehmung nicht nur ihren Gegenstand wahrhat, sondern einem Impuls folgt, ungegenständlich zu reagieren und Erregung in die Wahrnehmung selbst abzuführen. Das ist keine selbstständige Naturenergie (siehe auch Lustprinzip), wie sie von den klassischen Psychoanalytikern verstanden wird, sondern eine durch die Negation der zwischenmenschlichen Wahrnehmung in ihrer Erlebniswelt freigesetzte Kraft, die ihre oft seltsamen Formen von Erregungsabfuhr in der Selbstwahrnehmung und Haptik freisetzt.

Die gewöhnliche Wahrnehmung ist ja gerade nur dadurch zu verstehen, dass sie schon immer menschliche Beziehungen voraussetzt, immer schon "lernt", Wahrheit zu nehmen, um damit immer auch schon Grund genug für das wahrnehmende Subjekt zu sein, sich nach dem zu verhalten, was es von dem für wahr nimmt, was wahrgehabt wird. Ein Reiz treibt daher die Wahrnehmung über dieses Verhältnis hinaus. Er will ein Verhältnis wahrmachen, das ohne ihn nicht bestehen würde. Und so soll er etwas vorstellen, was Vorstellungen zu einem bestimmten Verhalten treibt, was also eine Vorstellung befördert und veranstaltet.

Reize verschaffen Eindruck, erzeugen Aufmerksamkeit, wo Menschen von sich aus nicht aufmerken würden. Diese entsteht durch die Besonderheit einer Wirkung des Eindrucks auf andere dadurch, dass jener einen Druck auf die Wahrnehmung über die Gewohnheiten der geschichtlich gegebenen Sinnbildung hinaus bewirkt. Durch besondere Ereignisse (Events) vermittelt er Signale für besondere Regungen, welche schon durch sich erregend sein können und die von daher eine selbstbezogene Gewissheit erzeugen (siehe auch Eventkultur). Immerhin erleben die Menschen durch Reize etwas, was nicht aus ihrer Lebenstätigkeit kommt und dennoch Wirkung auf das Leben hat. Zwar hat auch jede Schönheit ihren Reiz. Aber um wirkliche Schönheit geht es selten, wenn von Reiz die Rede ist, bestenfalls von einer ausgefallenen Schönheit, einer besonderen ästhetischen Wirkung, welche einem bestimmten Erleben zukommt.

Es hat sich hierbei gezeigt , dass die Selbstwahrnehmung durch einen Trieb bestimmt ist, der die Inhalte der Empfindungen sucht, die für das Erleben bestimmend sind und die er für sich wahrmachen will. Sie ist nicht mehr unmittelbare Form des Erkennens, sondern Form einer bestimmten Lebensverarbeitung. In ihren Empfindungen erkennen die Menschen ihr Leben nurmehr so, wie es sich in und mit anderen regt und hierdurch wertvoll wird. In ihren Gefühlen finden und empfinden sie sich in und mit anderen, wie sie wirklich sein müssen, um ihre ihnen fremde Wirklichkeit durch den gewonnen Selbstwert im Selbstgefühl zu ersetzen. Die sinnliche Gegenwart ihrer Empfindungen ist nicht die ihrer Gefühle. Sie fühlen deren Anzeizung sich selbst, während sie andere empfinden. Und wo ihre Empfindungen keine Reiz für sich finden, gehen sie ins Leere, ins Nichts. Sie werden für sich nichtig und empfinden sich vor allem gegen sich selbst unangemessen, sich selbst von minderem Gehalt, minderwertig. Sie empfinden, was sie wirklich in einer Beziehung zu anderen Menschen in ihrem Selbstgefühl sind, wenn sie sich nicht reizvoll finden, in dem was sie fühlen: Irgendwie sinnlos. (26c)

Auch wenn Wahrnehmung in diesen Verhältnissen nurmehr als Selbstwahrnehmung wahr sein kann, besteht die Wahrnehmung weiterhin aus Empfindungen und Gefühlen. Doch deren Verhältnis steht nun Kopf. Allgemein folgen die Gefühle einem ästhetischen Bestreben in der Aufmerksamkeit für bestimmte, ihm dienlichen Empfindungen. Von daher gründen sie nicht mehr auf Empfindungen, sondern bestimmen diese schon im Allgemeinen, bevor sie im einzelnen auftreten können. Es geht der Wahrnehmung unter den genannten Bedingungen um reizvolle Empfindungen und ihre Aufmerksamkeit wird dadurch ebenso geweckt wie bestimmt.

Reize erzeugen auf diese Weise Aufmerksamkeit, wo Menschen von sich aus nicht aufmerken würden. Es sind Signale für besondere Regungen, welche schon durch sich erregend sein können. Immerhin erleben die Menschen schon durch Reize etwas, was nicht aus ihrem eigenen Leben kommt. Zwar hat jede Schönheit ihren Reiz. Aber um wirkliche Schönheit geht es selten, wenn von Reiz die Rede ist, bestenfalls von einer ausgefallenen Schönheit, einer besonderen ästhetischen Wirkung. Reiz hat immer etwas mit dem Erzeugen einer Empfindung zu tun, nicht mit Empfindung an sich. Er bewirkt eine eigenständige Empfindung, eine erregte Empfindung, die in sich selbst Ausgleich schaffen muss. Durch Reize werden Menschen wie Tiere erregt und reagieren in der Zwangsläufigkeit ihrer Erregung, die ihre sonstige Wahrnehmung, besonders ihre eigenen Regungen auch oft ausblendet, wenn der Reiz zu einer ausschließlichen Wirkung in der Wahrnehmung kommt.

Einen Reiz mag alles Ungewöhnliche haben, weil es dem Unerkannten entspricht. Aber er entzieht sich der Gewöhnung nur durch die Unkenntnis dessen, was reizt. Er ist nur eine Wirkung von etwas, das reizvoll ist. Der Reiz blendet die Wahrnehmung im Grunde aus, indem er ihre bloße Erregung als Verdichtung ihrer Wirklichkeit, als Quantifizierung ihres Eindrucks betreibt. Die Wahrnehmung wird durch ihn formbestimmt, und als solche zum bloßen Inhalt dieser Bestimmung, in sich leer und und im Gefühl selbst leblos, wenn dieses nicht Selbstgefühl gereizter Wahrnehmung sein kann. Von daher ist der Reiz die Grundlage dafür, dass aus Leben ein Erleben werden muss, weil durch die Formbestimmtheit der Wahrnehmung Leben in einer erregten Form wahrgenommen und auch gesucht wird. (26d)

Darin zeigt sich schließlich, dass die Trennung von Sinn und Bedürfnis auch zur Folge hat, was ihr schon vorausgesetzt war: Die Trennung der Erkenntnis von ihrem Gegenstand, die sich in ihrer Abstraktion äußert. So gilt auch für die Wahrnehmung als Ganzes, dass sie eine Trennung schon wahr hat, bevor sie das Getrennte wahrnimmt, dass sie hierdurch schon rein ästhetisch bestimmt ist. Hierin hat sie einen Sinn des Getrenntseins für sich, ohne dass dieser wahrnehmbar wäre, ein Sinn, der auch in ihrer Wahrnehmung sich wahrmacht als sinnliche Abstraktion, als Gleichgültigkeit der Sinne gegen ihre gesellschaftliche Wirklichkeit, die aber wiederum in ihrer Sinnesform von einer hierin bestimmten Wahrnehmung aufgefasst wird, einer Wahrnehmung, welche die Form ihrer Regungen in ihrem Gegenstand erkennt. Mit dieser Abstraktion wird die Wahrnehmung in ihrer Form auch selbst bestimmt, formbestimmt. Darin gleicht sich die Wahrnehmung an ihren Gegenstand an und wird zum Zirkelsschluss des Getrennten, zum Verschluss des Erkenntnisvermögens. Dies allerdings nicht ohne Folgen für die wahrnehmenden Menschen. (27)

Menschen kommen in ihren Selbstgefühlen sinnlich dadurch auf sich zurück, dass sie sich selbst zum wechselseitige Gegenstand ihres Lebens machen, zum Träger ihrer Erlebnisse. Sie erleben einander, indem sie mit anderen und durch andere Menschen Sinn in ihrem Erleben finden, haben, teilen und mitteilen. Finden sie jedoch aneinander nur Sinn für sich, also Sinn in seiner bloßen Form, so können sie sich sinnlich nur erkennen, wenn sie darin auch das Leben erkennen, das sie wahrhaben. In der bloßen sinnlichen Form des Erlebens finden sie daher ihr Leben als ein anderes Leben in anderen Menschen, für welches sie zwar einen Sinn haben, aber eben keinen wirklichen Sinn für anderes Sein, sondern bloß als Sinn durch sich und für sich als Menschen, die anders sind, als die Wirklichkeit, die sie erleben. In der wirklichen Gegensinnigkeit ihrer sinnlichen Wahrheit, die sie in einer gegenstandslosen Wahrnehmung haben, bleibt ihre Erkenntnis selbst widersinnig in ihrer Selbstvergegenständlichung. Indem sie sich aber selbst wechselseitig zum Gegenstand ihres Lebens machen, wenn sie sich erleben, verwirklichen sie ihre Wahrnehmung und entgegenständlichen sie ihre Tätigkeit. Sie erkennen sich ohne Sinn für sich, wie sie auch nur einen Sinn haben, der sich nicht äußern kann. In Wahrheit sind sie sinnlich außer sich. In der Wirklichkeit ihres Verhältnisses außer ihnen aber ist das Erleben ungemein sinnlich. Darin ist ihre Wahrheit entzweit und aufgehoben, abstrakt von ihrer Lebenswirklichkeit, von ihrem wirklichen Leben, wie sie aber auch allgemein zur wirklichen Wahrheit ihrer abstrakten Identität geworden ist. (28)

Von daher können die Menschen auch nur in der Abstraktion von ihrem wirklichem Menschsein einerseits einander als Menschen finden und andererseits sich gegeneinander für ihr Leben wahrhaben als Sinn schlechthin, als Sinn für sich, also in einem Sinn, welcher von ihrem konkreten Leben absieht, in einem abstrakten Sinn.

Die unbezogene Einheit der Wahrnehmung lässt in ihrer Abstraktion alles Lebendige nur als Umstand des Lebens erscheinen, als Ereignis dessen, das erlebt wird und was daher ein Erlebnis ist. Es hat Sinn nur dadurch, dass es Potenzial menschlicher Sinnlichkeit, abstrakter Sinn ist, der vom Leben so abstrahiert, wie er für es verfügbar, also zu haben ist. Der Lebenszusammenhang solcher Wahrnehmungsverhältnisse wird durch den Reiz bestimmt, welche die Erlebnisse darin haben.




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111.2.1 Der abstrakt menschliche Sinn und seine Erlebensform

Zwischen dem, was ein Mensch unter solcher Bedingung an gesellschaftlichem Sinn teilt, den er in seinen Gefühlen für einen Gegenstand oder einen Menschen hat, und dem, was ihn diesen empfinden lässt, klafft daher in der Wahrnehmung das Unvermögen, jenes und dieses in sich zu identifizieren. Was er für sein Leben wahr hat und was er für dieses wahrnimmt, sind ihm nur in der äußeren Form der Wahrnehmung gewiss als Gegenüber, als Lebensumstand, als Leben, wie es sich ereignet. Die Ereignisse sind zwar gewiss und handgreiflich, erscheinen für die Wahrnehmung aber zufällig und werden von den Menschen als gewisse Gegebenheiten erlebt, deren Zusammenhang ungewiss ist. (29)

So findet die Wahrnehmung nur im Erleben zufällig scheinender Ereignisse ihren Sinn. Ohne dass die Menschen darin sich sinnlich äußern, hat ihre Wahrnehmung als eigene Naturalform ihres Daseins auch nur in sinnlichen Lebensgestalten Sinn: als Körper, welcher Leben zum Erlebnis macht. Ohne wirklich zu einer sinnlichen Lebensäußerung zu kommen, ohne überhaupt wirklich und also geschichtlich zu sein, findet ihr Leben Sinn in ihrem Dasein als sinnliche Lebensgestalt, als Ereignis, das sich erleben lässt, weil es die Wahrnehmung reizt. So geschichtsträchtig Ereignisse erscheinen, so geschichtslos werden sie dadurch, dass sie als Erlebnisse in die Menschen zurückkommen, als Form ihrer Wahrnehmung, die sie darin für sich haben: Wahrnehmung als Selbstwahrnehmung. (29a)

Die Wahrnehmung entspricht so einer Wirklichkeit, welche von den konkreten Lebensäußerungen der Menschen absieht, sich abstrakt hiervon begründet im Erleben. Was sich darin allgemein bildet ist ein abstrakt menschlicher Sinn, der Sinn für sich ist, ein Sinn, der von allem Lebenszusammenhang, von allen wirklichen Inhalten des Lebens absieht, der ihn konkret sein lässt und der zugleich nur dadurch lebendig ist, dass er alles gesellschaftliche Leben außer sich hat und außer sich belässt als Erleben der Individuen, das für sich hierdurch widersinnig wird.

Wo etwas widersinnig ist weil seine Form ihrem Inhalt widerspricht, muss es einen allgemeinen Grund geben, der ihre wirklichen Einheit verhindert, einen allgemeinen Inhalt, der seine Form nur gegen sich selbst verwirklichen kann (siehe auch Geltungsstreben), weil er von allem absieht, was sie in ihrer Wirklichkeit bestimmt und zugleich hiergegen gleichgültig existiert. Was bleibt ist also Substanz ohne bestimmten Inhalt, das im Gegensatz der Inhalte als Grund ihrer Gleichgültigkeit erschlossen werden muss, als das gemeinsame Dritte, das die unendliche Wechselwirkung ihres Niedergangs, die Verselbständigung einer bloßen Wirklichkeit sinnlicher Beziehungen erklären kann (siehe hierzu Dialektik). Das Resultat einer Analyse der Elementarform der politischen Kultur ist eine Schlussfolgerung auf deren abstrakte Substanz, welche den Trieb ihrer Formbestimmung und somit die Form ihrer Entwicklung und Entfaltung in zwischenmenschlichen Verhältnissen ausmacht: Deren Elementarform ist die bloße Körperform des Erlebens menschlicher Sinnlichkeit.

Ein abstrakt menschlicher Sinn ist ein Sinn, der von seiner wirklichen Sinnlichkeit Im Großen und Ganzen seiner Lebensverhältnisse absieht, der also nur die Tatsache reflektiert, dass sich Menschen darin überhaupt sinnlich geäußert haben, diese Äußerung substanziell also jenseits ihrer bestimmten Inhalte, also einfach nur der Form nach gegeben, als bloße Gegebenheit zu unterstellen ist. Ein solcher abstrakt menschliche Sinn verlangt nach sinnlichen Inhalten, weil er mit der Abwesenheit seiner sinnlichen Beziehungen gegen seine konkrete Wirklichkeit nur gleichgültig sein kann und nur in der Tatsache menschlicher Lebensäußerungen Sinn finden kann und also nach sinnlichen Empfindungen sucht (siehe Ästhetik). Und weil ihm daher alles täuschend echt, nicht aber konkret wahr ist, obwohl er Sinn im Allgemeinen als abstrakt allgemeine Sinnlichkeit wahr hat, bestimmt er die Wahrnehmung durch das Verlangen nach der Anwesenheit einer wirklichen Sinnlichkeit in ihrem Trieb und wird von daher zu ihrer Formbestimmung.

Was die Menschen füreinander empfinden und aneinander fühlen, verausgabt sich selbst als Wahrnehmung, welche für sich öde und nichtig ist. Nichts von dem, was sie empfinden, findet in ihren Gefühlen einen erkennbaren Sinn. Und das Gefühl der Nichtigkeit, setzt jedes Verhältnis zu sich selbst herab. In ihrem Erleben verspüren die Menschen ihre Voraussetzungslosigkeit als Grundlage ihrer Eigenwelt. Sie fühlen sich einerseits frei von allem, weil sie hierdurch getrennt sind von dem, was sie in ihren Gefühlen für sich wahrhaben und sie fühlen sich zugleich gelichgültig gegen alles und daher nichtig.

Die Wahrnehmungen der Menschen auf der Grundlage ihres Geldbesitzes bestünden nur aus einem endlosen Mangelgefühl, einem allgemeinen Gefühl der Unwertigkeit, würde das Erleben nicht selbst zu einer Form geraten, in welchem sie an Selbstwert gewinnen. Indem sie ihrer Lebenswelt im Selbsterleben wieder Substanz abringen, im zwischenmenschlichen Beziehen sich wieder als Mensch erleben, eignen sie sich das in ihrer gegenständlichen Welt veräußerte Leben zur Selbstgewinnung menschlicher Sinnlichkeit in ihrer isolierten Individualität - zur Wertschäzung ihrer Selbstbezogenheit - wieder an. Der Mensch, wie er in seinem Leben durch das Kapital abgewertet wurde, wird in seinem Selbsterleben als Geldbesitzer durch seinen Selbstwert in zwischenmenschlichen Verhältnissen wieder aufgewertet. Um dies geht es hier in der Kritik der politischen Ästhetik.

Ein Sinn kann sich nicht selbst abtrennen vom Leben, das er in sich hat und ausdrückt und bildet; er kann nicht wirklich abstrakt sein. Er wäre undenkbar, tot, ungelebt, ein Unding. Er wäre ein Sinn, der unterstellt ist, ohne je gelebt zu haben. Doch so absurd es ist, das Unding kann es dadurch wirklich geben, dass das Leben selbst zu einem Unding wird, dass Lebensbedingungen herrschen, in denen Leben selbst verdingt ist, dass es als Objekt einer Lebensherrschaft, einer allgemeinen Lebensherrlichkeit oder Lebensverherrlichung dieser unterworfen wird. Darüber später.

Zunächst mal gibt es menschlichen Sinn nicht ohne dass er wirklich Sinn hat, wie er menschlicher Natur entspricht, und das unterstellt allgemein natürliche Sinnlichkeit wie auch die gesellschaftliche Naturmächtigkeit der Menschen. Menschlichen Sinn gibt es also nicht ausschließlich an und in einem Indivicuum, sondern durch das lebende Verhältnis der Menschen, worin es sich befindet und empfinden lässt. Nur darin kann ein Mensch sein was er ist - aber auch werden, was er nicht ist.

Als Träger von etwas Totem kann er dem Leben auch Tod vermitteln, ihm seine Aufhebung versinnlichen. Das Leben lässt sich hierdurch nicht töten, aber es erfährt seine Negation in sich selbst, wird dadurch nichtig, dass es seine eigene Aufhebung wahrnehmen muss, dass es, indem es ist, zugleich sein Nichtsein lebt, das es also in seinem Lebensakt schon von sich absehen muss, sich als Abstraktion nur leben kann. Aufgehobene Sinne sind Träger einer Abstraktion, indem sie sich selbst ertragen müssen, sich selbst erleben, um zu leben.

Das Erleben ist eine Lebensform, worin zwar Leben vollständig wirksam und daher auch sinnlich wirklich, aber zugleich nicht zeugend und erzeugend tätig ist und also auch kein Leben bezeugen kann. Im Erleben wird Leben erfahren, weil darin die Sinne belebt werden, die Ereignisse sie beleben, die selbst schon Erzeugnisse sind, durch welche das Überleben toter Lebensverhältnisse ermöglicht wird.

Aber jeder im Erleben belebte Sinn bleibt nicht, was er war, sondern wird zu dem, was ihm selbst äußerlich und wofür er äußere Form ist, Form für sich. Für jeden lebenden Sinn ist solche Form lediglich etwas, von dem er selbst absehen muss, weil diese von ihm absieht, weil sie seine Absehung überhaupt, seine Abstraktion ist, Sinn als solcher, Sinn an sich als bloße Form, die fortbestimmt, was in der Abstraktion aufgehen soll. Ein solcher abstrakter Sinn wird in solchem Verhältnis Sinn von etwas, das nur da ist, um überhaupt Sinn zu machen, um etwas mit Sinn zu füllen, das keinen Sinn für sich hat.

Nun ist niemand unbedingt so blöd, Sinn zu machen, wo keiner ist. Aber wo nichts ist, sind immer noch die Menschen so, wie sie sind. In der Notwendigkeit einer Beziehung zwischen Menschen formuliert sich nicht ihr Sinn, den ihre Beziehung ausmachen würde, sondern deren Wirkung auf einander, das, wie sie für sich erleben, wo sie keinen Sinn füreinander haben. In der Wirklichkeit seiner Verhältnisse hat ein Sinn abstrakte Wirkung, indem er nicht ist, woraus er gebildet ist, nicht Empfindung und nicht Gefühl, aber Lebensform von beidem, Erleben von Sinnlichkeit im Reiz der Sinne.

Der abstrakte Sinn ist das Erleben von Sinn, sinnliche Form dessen, was seine Abtrennung bewirkt: Körperform einer Sinnlichkeit, welche nur abstrakt körperlich ist, welche Körper nur dadurch hat, dass er da ist, ohne wirklich zu sein, ohne also eine andere Wirkung zu haben als die seines Daseins. Er ist da, ohne sich selbst bestimmt körperlich zu äußern, sich nicht durch einen wirklichen Menschen zu äußern, sondern als äußerer Mensch für andere wirklich reizvoll zu sein. Er hat nur Wirkung durch sein körperliches Dasein, gleichgültig gegen dessen Inhalt, der sich auf den Reiz für ein bestimmtes Erleben beschränkt. Er hat seine einzige Wirkung, indem er als Mensch körperlich überhaupt da ist, als unbestimmte Körperlichkeit zur körperlichen Bestimmung des Erlebens wird, Sinn macht, ohne sinnlich zu sein. Er ist wirklich und unwirklich in einem: In seiner Wirkung abstrakt bestimmt und doch durch seine Wirklichkeit konkret, bestimmt und zugleich gleichgültig gegen seine Bestimmtheit - abstrakt menschlicher Sinn.

Abstrakt kann ein Sinn nur sein, der nicht wirklich ist, aber Sinn vermittelt. Der abstrakte Sinn ist Vermittlung von konkreter Sinnlichkeit, also von dem was Sinn ist und Sinn hat, ohne wirklich das zu sein, was es allgemein enthält. Das unterstellt, dass dieser Sinn Mittel ist, Form ohne Sinn aber doch sinnlich, - sinnlich, weil er substanziell das Dasein von Menschen unterstellt, ihre Anwesenheit notwendig vorraussetzt. Der abstrakt menschliche Sinn ist eine Realabstraktion von menschlicher Sinnlichkeit, in der Nichtidentisches als Identität herrscht, dieser Sinn und jener Sinn als Sinn überhaupt, Sinn schlechthin, der nicht wirklich ist, aber Wirkung hat, indem er menschliche Identität vermitelt. Sinn hat darin etwas nur, weil es Sinn hierfür macht, weil es notwendig ist, um überhaupt als Mensch sinnlich zu sein, sich als mensclich sinnvoll zu erscheinen. Es ist sinnliches Dasein von Menschen ohne sinnliche Wirklichkeit für Menschen zu sein, ein Widerspruch der Verwirklichung eines sinnlichen Lebens, zwischen gegenwärtigem Dasein und wesentlichem Sein der Gegenwart, eine sich aufhebende und doch zugleich werdende Sinnlichkeit als Erleben der menschlichen Lebensverhältnisse, die notwendig sind, um sich zu verwirklichen.

Menschen, die kein gegenständliches Leben miteinander haben oder haben können, keinen Gegenstand ihres Leben erkennen, weil sie die Gegenständlichkeit des Lebens schon kennen, bevor sie es erkennen können, erkennen auch sich selbst nur in der Abtrennung von gegenständlicher Wirklichkeit, sind selbst nur unwirklich und gelten sich nur dadurch in menschlicher Beziehung, dass sie Menschen haben, für die sie als Mensch gelten. Weil sie nichts anderes wirklich für ihr Leben haben, als Menschen, die schlicht und rein körperlich da sind, was auch immer sie sonst sind, erfüllt sich alle ihre Erkenntnis alleine schon durch die Kenntnis, die sie wechselseitig von sich haben - und zwar in dem Maß, wie sie Sinn für sich haben, den sie außer sich bestätigt finden. Sie sind, um Sinn an einander zu finden, ohne Sinn füreinander zu haben. Und sie reflektieren sich selbst in dem Sinn, den sie darin gefunden haben.

Wo Menschen die Sinne ihrer Wahrnehmung selbst zum Gegenstand ihrer zwischenmenschlichen Beziehung machen, sich durch die Einverleibung ihrer Lebenseigenschaften erleben, sich selbst im Zweck ihres Selbsterlebens versachlichen, haben sie sich als das wahr, was sie jeweils für sich durch andere sind, was sie durch sie in sich finden und empfinden. Die Gefühle, die sie hierdurch anderen entgegen bringen, werden hierbei zu Selbstgefühlen, die sie mit ihnen teilen und darin sich als Anteil an ihrer Zwischenmenschlichkeit erfahren, diese für sich teilen und anderen mitteilen. Dabei werden sie zu einem Teil einer ihnen äußerlichen, weil veräußerten Ganzheit ihrer menschlichen Beziehung und müssen von ihren wirklichen Empfindungen absehen, durch die sie ihre Gefühle für sich haben. Und sie müssen von ihren wirklichen Gefühle absehen, die sie durch ihre Empfindungen mit anderen, durch die wirklichen Lebensbedingungen ihrer zwischenmenschlichen Verhältnisse, durch deren Lebenswirklichkeit wahrhaben. Beides geht dann als gefühlte Empfindung in ihrem Selbstgefühl dadurch auf, dass sie sich durch die Empfindung ihrer Gefühle finden. Das allerdings zwingt sie dazu, in doppelter Weise von sich abzusehen, weil und indem sie ihre Wahrnehmung überhaupt entwirklichen. Die Wahrnehmungen ihrer menschlichen Beziehungen hat von daher nurmehr die Wahrheit ihrer Ästhetik, ist abstrakt sinnlich, von einem abstrakt menschlichen Sinn bestimmt, der wiederum nur die Absichten ihrer Selbstwahrnehmung verwirklichen kann.

In ihren zwischenmenschlichen Verhältnissen eignen sich die Menschen also ihre Selbstgefühle durch die wechselseitige Einverleibung ihrer Anwesenheit als Persönlichkeiten ihrer zwischenmenschlichen Beziehungen an. Darin bildet sich ihre Wahrnehmung in ihren Selbstwahrnehmungen fort, die zwischen den Menschen im Allgemeinen gegen einander gleichgültig sind. Die Sinne leben durch ihre unterschiedlichen Wahrnehmungen, durch die sinnliche Gewissheiten, die sie in ihrer Tätigkeit erfahren. Ein Sinn wird dadurch abstrakt gegen sich selbst, dass er in seiner Tätigkeit gegen seinen Gegenstand im Allgemeinen gleichgültig ist, dass er von allem absieht, was er in Wirklichkeit ist, was substanziell übrig bleibt, wenn kein Inhalt mehr durch ihn selbst wirksam ist, er sich also auf sein bloßes Sein reduzieren muss und darin entwirklicht wird. Dies findet statt, wo sich die Inhalte nicht als das wirklich wahrhaben, als was sie ihre Gegenstände wahrnehmen, sich gegen einander aufheben, sich sowohl positiv als Sinn für sich, wie auch im Widerspruch zu sich verhalten, in ihrer Lebensäußerung zugleich negieren, ihre formale Funktion als Negation ihrer Lebensform, in ihren zwischenmenschlichen Verhältnissen als Formbestimmung ihrer Sinne erfahren.

Der nur in sich reflektierte Sinn verliert in der Abtrennung von seinem Gegenstand den Gehalt seiner Lebenszusammenhänge und gewinnt seine abstrakte Substanz somit auch nur in seinem reinen Dasein als Form menschlicher Sinnlichkeit, als körperliches Dasein von Menschen schlechthin, als deren bloße Anwesenheit. Diese teilt sich nicht als Körper mit, weil dieser keinen Zusammenhang außer sich hat, sondern als Erleben der Menschen im Zusammenspiel von Menschen, als Erlebnis irgendwelcher Art, durch welche die Sinne bewegt werden, ihre Rührung, Regung, Erregung usw. entsteht, ohne dass sie darin eine wirkliche Geschichte vollziehen oder begründen, ohne dass sie in irgendeiner Beziehung weiterkommen, ohne dass ein Sinn ihrer Gefühle und Empfindungen entdeckt wird außer dem Sinn, der sich darin regt. Es ist ein Sinn, der sich lediglich selbst enthält und also auch nur sich als abstrakten Sinn fortbestimmt, in dem er sich selbst quantifiziert, zur reinen Erlebniswelt wird und für sich als entleerte Sinnlichkeit verbleibt.

Das Quantum des Erlebens kann nur seine Dichte sein. Darin vergrößert sich der Sinn in der Form, wie ihn Menschen füreinander haben, nicht was, sondern wie sie füreinander sind. Ohne sich selbst wirklich sinnlich zu äußern, ohne zu gestalten und zu wirken und auf etwas oder jemanden einzuwirken, ohne für sich wirklich zu sein, nutzen sie ihr bloßes Dasein als Grund ihrer Beziehung auf andere, die keinen anderen Grund hat, als in bloßer Gesellschaft zu sein, sich gesellschaftlich zu erleben und dieses Erleben in voller Dichte zu haben. In dieser Abstraktion vergegenständlichen sie sich als Menschen, die für sich wesenlos sind, die sich sinnlich nur in ihrer Gestalt äußern, ohne deren Inhalt zu gestalten, ohne Sinn zu äußern, ohne ihn zu schaffen und zu bewahren - Menschen, die sich selbst äußerlich sind, wesenlos aber in möglichst hoher Dichte anwesend. (30)

Die Erlebnisse der Menschen haben in der Abstraktion ihre Geschichte aufgegeben, haben ihren Sinn nurmehr durch Vergangenheit, die mehr oder weniger erregend war, aber keine Geschichte hinterlassen, nichts verändert hat. Solcher Sinn hat durch sein bloßes, sein inhaltloses Verhalten in seinen Verhältnisses nur dadurch Halt, dass er durch die zwischenmenschlichen Beziehungen auf andere menschlichen Wert gewinnt. Menschen werden durch ihre Gefühle füreinander wertvoll, wenn sie ohne einander sich nichtig fühlen müssen. Sie brauchen einander überhaupt, um Gefühl für sich zu haben, um überhaupt fühlende Menschen zu sein, Menschen, die nichts kennen oder können mussen, als füreinander in irgendeiner Art und Weise des Gefühls da zu sein.

Aber woran sich solche Beziehungen erhalten, das hebt zugleich die Bildungsgeschichte ihrer Sinne auf. Indem sie alles verschlingen, wovon sie zehren, nämlich davon, dass Menschen immer irgendeinen Sinn haben, entwickeln sie einen Sinn dafür, was sie durch ihre Anwesenheit wert sind: Den Sinn für ihren Selbstwert. Dieser erschöpft sich zunächst darin, dass ihre Anwesenheit einen einfachen Wert für alle andere Anwesenden hat - eben in der Art und Weise, wie sie füreinander da sind und was sie sich in diesem bloßen Dasein bedeuten, was sie also aneinander reizt. Aber solcher Sinn ist zugleich Zweck und der nimmt ihnen auch allen Sinn, den sie für sich entwickeln. Er macht hieraus einen leeren Sinn für sich. Indem er ihnen einen allgemeinen Sinn als Selbstwert ihrer allgemeinen Bezogenheiten entnimmt, stiftet er eine ihnen äußere Identität, die ihnen nur rückvermittelt, was sie sinnlich überhaupt sind, was sie allgemein und abstrakt sind als Wert ihrer Beziehungen, der sich im Selbstgefühl der Menschen darstellt.

So verkehrt sich diese Abstraktion zu dem Sinn, der Grundlage ihrer Erlebnisse ist und der in seinem Verhältnis selbst zu deren bloßer Sinnesgestalt als allgemein abstrakter Sinn wird: Sinn der eigenen Bedeutsamkeit in zwischenmenschlichen Beziehungen, Sinn der Aufreizung. Allen gemein ist der Sinn in seiner natürlichen Form, in der bloßen Äußerlichkeit seiner Naturgestalt. Durch den Leib seiner Natur entleibt sich der Sinn wirklich gegenständlicher menschlicher Beziehung und wird selbst zum Leib aller Reize in der Wahrnehmung zwischen den Menschen. Die Substanz dieser Beziehung, welche die bürgerliche Kultur ausmacht, ist der abstrakt menschliche Sinn. Er ist daher die Begriffssubstanz der Wahrnehmung, welche die Menschen darin allgemein haben, soweit sie darin ihre Bedeutsamkeiten teilen.

Abstrakt kann ein Sinn nur in seiner Wirkung sein, also dadurch, dass er selbst eine Abstraktion der Erkenntnis betreibt, ihr das entzieht, was eine Wahrnehmungsidentität zur Erkenntnis befördert, ihn auf die Umstände des Wahrnehmungsprozesses selbst reduziert. Dieser bleibt hierdurch bloße Erlebensform, welche die Identität eines Menschen in seiner Erkenntnis enthebt. Ein abstrakt menschlicher Sinn betreibt im Erkenntnisvermögen selbst eine Realabstraktion, die ihre Wirkung in der Wahrnehmung selbst, in ihren Organen und Funktionen betreibt. Dies geschieht nicht durch den Sinn, den Wahrnehmung hat, sondern durch den Sinn, welchen sie macht, was sie also als Sinn für das Erkenntnisvermögen zur Bewahrung ihrer Identität produziert und reproduziert. Und das ist, was ihren Reiz ausmacht. Es ist die Form der Wahrnehmung, welche zur Bestimmung ihres Inhalts wird, ihre Formbestimmung, ausmacht. Von da her ist der abstrakt menschliche Sinn die Begriffssubstanz der bürgerlichen Kultur




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111.2.2 Der Sinn der Abstraktion als Dichte körperlicher Anwesenheit

Menschliche Anwesenheit wäre ein bloßer Umstand, wenn sie nicht für Menschen in zwischenmenschlichen Verhältnissen eine fundamentale Notwendigkeit wäre, nicht, weil sie nichts inhaltlich miteinander zu tun hätten, sondern weil und sofern sie sich in diesen Verhältnissen inhaltlich aufeinander beziehen, um füreinander da zu sein. Natürlich gibt es in diesen Verhältnissen alles, was menschliche Natur ausmacht; doch es wird nicht aus natürlicher Notwendigkeit und Freiheit in eben diesen Inhalten aufeinander bezogen, sondern getragen von der Not, in welcher die Menschen sind, wenn sie von diesen Verhältnissen ausgeschlossen, also abwesend füreinander sind, während sie isoliert voneinander in diesen Beziehungen leben müssen. Substanziell sind die Menschen dann also nicht wirkliche Wesen füreinander, nicht menschliche Wesen, die einander bereichern, sondern Menschen, die Beziehung suchen, um nicht auf sich in ihrer isolierten Existenz verwiesen zu werden. Die Menschen sind davon bestimmt, dass sich nur wahrnehmen können, wenn sie sich durch andere auch wahrhaben (siehe Selbstwahrnehmung). Von daher ist die Anwesenheit nicht nur Umstand und auch nicht bloße Form, sondern wesentliches Mittel des abstrakt allgemeinen Zwecks der bürgerlichen Kultur, für die Selbstwahrnehmung der Menschen, die darin ihre Elementarform haben, in der sie miteinander verkehren. Sie ist die Formbestimmung dieser Kultur. Und das besagt, dass diese Kultur auf der Produktion von menschlicher Anwesenheit begründet ist, also dafür, Verhältnisse zu produzieren und zu erhalten, in denen die Menschen jenseits ihrer wirklichen Lebensproduktion füreinander da sein müssen, um Wahrheit für sich zu haben.

Natürlich sind die Menschen in allem, was sie erleben, sinnlich, weil sie darin leben, dass sie in ihren Erlebnissen Leben für sich haben, wenn auch gleichgültig gegen seinen Zusammenhang. Was sich darin wirklich bezieht, ist daher keine konkret sinnliche Beziehung. Sie erleben ihre Sinne, welche zweifellos lebendig sind, aber sie reflektieren deren Leben nur in der Form ihrer Begegnung, welche das Erlebnis gestaltet und bedeutsam macht. Für das Erleben gibt es keinen wirklich sinnlichen Zusammenhang, sondern lediglich das Ereignis, in welchem sich Sinne in der Form einfinden, in die sie durch das Erleben gestellt sind. Diese Form ist bestimmt durch den Ort, wo solche Begegnung stattfindet, also durch das, was man dort als Zusammenhang wahrhat, ohne diesen selbst zu bestimmen. Darin stellt sich eine abstrakte Beziehung der Menschen als Form einer Bestimmung der Art und Weise ihrer Begegnung, als formelle Kulturbestimmung dar.

Allgemein ist dies also eine konkrete Beziehung der Menschen in einer bestimmten Kultur, deren Sinn keine bestimmte Beziehung hat, der aber sinnlich existiert in der Naturgestalt der Menschen, in der Körperlichkeit ihres Erlebens, worin diese sich auch abstrahierend mitteilt, menschliche Beziehungen auf die Natur ihrer zwischenmenschlichen Bezogenheit reduziert, wie sie auch deren Natur entwickelt und erweitert, so dass die Erlebensmöglichkeiten dieser Gestalt sich auch fortentwickelt - nicht in ihrer wirklichen Vielfalt, sondern als Quantum körperlicher Vielfältigkeit und Abwechslungen. Hinter all dem bleiben sich die Beziehungen in ihrem Zweck gleich und gleichen sich daher auch in ihrer Körperform an: In der Einfalt ihrer bloßen Anwesenheit.

Jenseits ihrer konkreten Beziehung ist und bleibt ein abstrakt allgemeiner Sinn eben bloße körperliche Form, Raum und Gestalt, worin und wodurch menschliche Beziehungen sich ereignen und erlebt werden. Räume werden hierbei zu Lebensräumen, die Kulturräume sind, worin sich die darin angeglichene Körperlichkeit als Kultur von anderen Kulturen abgrenzt. So erscheint Kultur als Körperform selbst, als die in ihrer Angleichung auf bloße Körperlichkeit reduzierte Sinnlichkeit der Menschen, nicht als Wirklichkeitsform ihrer sinnlichen Beziehungen (31).

Die sinnlichen Beziehungen sind unter räumlicher Bestimmung bloß Körper an sich, in ihrem Inhalt gleichgültig. Die Menschen mögen sich in vielfältigster Weise darin wirklich äußern - was sie von ihrem Leben in der Kultur in ihrer abstrakten Vermittlung alleine wahrhaben, ist ihr bloß körperliches Dasein in solcher Form und in bestimmter Nähe zu anderen Körpern, in körperlichte Dichte. Konkret leben sie darin sowohl sich äußernd als auch wahrnehmend. Aber nur abstrakt haben sie wahr, was die Kultur ihnen an Zusammmenhang ihres Erlebens in der Dichte ihres Lebensraums bereitet. Abstrakt zählen sie darin als Teil einer Masse, welche die Kultur an Menschen hat, die darin konkret leben. Erleben als bloße Masse ist bloße Körperlichkeit menschlicher Anwesenheit.

Alleine die Anwesenheit von Menschen gibt dieser Form ein Wesen, das ihren Sinn schlechthin ausmacht, das den abstrakten Beziehungen Sinn schlechthin verleiht, sie in Gang setzt, indem sie darin schon dadurch etwas sind, dass ihre Abwesenheit ausgeschlossen ist. Die Art und Weise, worin sich ihre Abstraktion entfaltet, ist letztlich die bloße körperliche Anwesenheit menschlicher Sinne, gleich, was diese darin für sich oder füreinander von ihrem Leben erkennen. Ihre Anwesenheit in einem bestimmten Lebensraum verschafft ihnen ihr Anwesen, einen kulturellen Zusammenhang, der seine Geschichte hinter sich gelassen hat und diese auch in ihr und durch sie schon ausgeschlossen hat. Es geht darin nicht mehr um einen bestimmten Zusammenhang, wie er geworden war, sondern wie er nur rein abstrakt von allem Werden und Vergehen ist, wie er Sinn dadurch hat, dass er ohne bestimmten Sinn ist. Solcher Zusammenhang macht zwar kein menschliches Leben, aber das Leben findet sich in solchem Zusammenhang. Er hat sein Wesen durch die Leiblichkeit der menschlichen Sinne und solches Wesen hat schon jeden Sinn, ohne irgendeinen Sinn wirklich zu haben oder zu machen. Es ist ein Wesen der Abstraktion welche den abstrakten Sinn unter den Menschen ausmacht, eine leere Formbestimmung, die alleine dadurch ist, dass sie Körper hat und wodurch Leben möglich ist, das ohne diese Form nichtig wäre. Menschen leben immer mit Haut und Haaren, aber wo ihr Zusammenhang auf dies reduziert ist, bilden sie auch nur die Geschichte dieser Reduktion. Natürlich erleben sie dabei allerhand, aber ihre Geschichten gehen darin nicht über sich hinaus, bilden nicht wirklich menschliche Geschichte.

Eine Formbestimmung hat überhaupt nur dadurch ein eigenes Wesen, dass ihre Wirklichkeit wesenlos ist. Solchem Wesen geht es nicht darum, was in den Wahrnehmungen der Menschen wirklich ist. Ihm geht es um die Wahrnehmung des Erlebens körperlicher Anwesenheit menschlicher Sinne in einem Raum, wo sie in den Menschen Wirkung hat. Jedes Erleben kann hier eingebracht werden und alles wird solche Kultur bereichern, sofern es darin konkretes Leben findet und empfindet, ohne konkret zu sein. Das Werden solcher Kultur besteht alleine in einem Leben, wie es erlebt wird. Dieses erscheint daher auch nur in einem Quantum von Erlebnissen. (32)

Erlebnisse ereignen sich zwar unter bestimmten Bedingungen, sie sind aber darin nicht notwendige Folge gegenständlicher Zusammenhänge, sondern vergegenständlichen Menschen zu einem Zusammenhang ihrer Sinne, wie er durch ihre bloße Körperlichkeit gegeben erscheint. Dieser bildet sich also nicht in einer bestimmten Geschichte des Lebens, sondern aus dem Zusammentreffen von Menschen, wie sie sich wahrnehmen und wahrhaben und wie sie darin agieren und reagieren. Die Gleichgültigkeit gegen ihr geschichtliches Dasein drückt sich in der Eindrücklichkeit ihrer Erlebnisse aus, wie sie sich aus dem Zusammentreffen ergeben. Alleine das Quantum dieser Anwesenheiten, ihre körperliche Masse, macht die sinnliche Dichte gleichgültiger menschlicher Beziehungen, ihre Eindrücklichkeit aus und bestimmt darin auch die Masse des Erlebens, das ganz bestimmte Quantum an zwischenmenschlicher Lebenserfahrung in ganz unbestimmten Verhältnissen. Was die Menschen darin sinnlich und geistig ausprägt, ist nicht die Geschichte ihrer Lebenswelt, sondern die Dichte ihrer zwischenmenschlichen Bezogenheiten in ihrem Erleben, gleich, wie sie entsteht und warum sie vergeht. Der Untergang ihrer Beziehungen mag sie in andere Welten befördern, was ihnen bleibt, ist die Dichte ihrer Lebenseindrücke, die sie darin gewonnen haben. Das Erleben selbst ist ja nichts anderes als verdichtete Anwesenheit von Leben und so verbleiben die Eindrücke hiervon auch in diesem Sinn über alle Beziehungen hinweg bestehen. (33)

Weil die Menschen im bloßen Erleben keinen anderen Sinn füreinander haben, als den, wodurch sie sich beeindrucken, haben sie nur durch die Dichte ihres Erlebens einen Sinn für sich, einen Eindruck von ihrem Leben, der im Maß dieser Dichte auf sie wirkt, also die Masse der Eindrücke, denen sie ausgesetzt sind oder denen sie sich aussetzen. So weit sie ineinander vorgedrungen sind, so weit ist auch der wirkliche Sinn entwickelt, den sie für ihr zwischenmenschliches Leben haben. Es geht hier um beiderlei: Jenseits ihrer wirklichen Beziehungen erkennen sie sich als Menschen und bilden sich in ihren Erkenntnissen durcheinander. Soweit sie sich aber nur reizvoll erleben, werden sie ihres Lebens aufgrund der darin bestimmten Erlebnisse selbst nur teilhaftig und haben lediglich Einfluß auf ihre Lebensgestaltung. Diese allerdings befindet ist in beständigem Wechsel - gerade eben so, wie sie zwischen ihrem Menschsein leben, wie sie als Menschen unterwegs sind, ohne wirklich menschlich leben zu können.

Die Menschen leben in ihren "Zwischenwelten" also doppelsinnig: Als boßes Quantum erleben sie sich als Objekte ihrer Lebenseindrücke. Indem sie aber auch wirklich sinnlich füreinander sind, hat ihre Wahrnehmung auch wirklich Sinn. Ihre Wahrheit ist darin nicht wirklich, sondern besteht in der Wirklichkeit als ihr Zwiespalt, als Zweifel zwischen dem, was wahr gehabt und dem, was wahr genommen wird. Indem die Menschen sich in der Dichte ihres Erlebens wahrhaben, nehmen sie sich als bloße Form ihrer Anwesenheit wahr. Die Dichte ihrer Anwesenheit ist daher das Ausmaß ihrer Formbestimmung. Deren Substanz ist die Abstraktion von jedem konkreten Sinn, der abstrakt menschliche Sinn; das Maß ihrer Entfaltung wird durch die Dichte ihres Erlebens als dessen Masse bestimmt. So hat sich der abstrakt menschliche Sinn als die Begriffsubstanz der unwirklich, also nur abstrakt vermittelten Wahrnehmung erwiesen; die Begriffsgröße als die Dichte ihres Erlebens in der Masse zwischenmenschlicher Erlebnisse im Ausmaß eines hierdurch bestimmten Raums. (34)

Die Dichte der Wahrnehmung wird zu einer gewaltigen Bestimmung der Wahrnehmung. Sie hat sich aus der Vielfalt ihrer Gegensinnigkeiten ergeben und wird nun ihre Einfältigkeit vorantreiben, die daraus besteht, aus vielen Wahrnehmungen eine Masse von Eindruck im Erleben zu verschaffen. Unter dieser Bestimmung wendet sich gegenständliche Wahrnehmung nun zur unmittelbaren Wahrnehmung gegenständlicher Menschen. Diese sind sich selbst jetzt endlich wirklich unmittelbarer Gegenstand, Menschen, die sich über den Eindruck, die sie aufeinander machen, auch wirklich beziehen, ohne einen wirklich Bezug zueinander zu haben. Dadurch wird aus den einzelnen und privaten Gestalten in der Weise, wie sie aufeinander wirken eine ganze Lebensgestaltung worin sich ihre Wahrnehmung erst wirklich abstrahieren kann. (35)

Die von ihrem Leben enthobene Wahrnehmung, die abstrakte Sinnlichkeit als Form dessen, was darin wahrgehabt wird, hat keine andere Substanz als die, welche ein Ereignis der Wahrnehmung in seiner Form und Gestalt haben kann, also die Weise der Anwesenheit von Körper schlechthin, die es in einer bestimmten Dichte als Reiz der Wahrnehmung ausmacht. Es sind die reinen Quanta körperlicher Erlebensmasse, welche abstrakt menschliche Sinnlichkeit durch reizvolle Erlebnisse füllen und wodurch sich allerhand konkretes Leben verbraucht, um sie zu erleben.

Die Begriffssubstanz der Wahrnehmung entsteht in der Abtrennung von ihrem Gegenstand und macht den abstrakt menschlichen Sinn, der als Sinn ihrer Abstraktion besteht, als Reiz des Erlebens wirklich wahr. Es ist dies keine Wahrheit im Menschen, sondern die Wahrheit der Formbestimmung seiner Wahrnehmung.




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111.2.3 Die Verdichtung der Wahrnehmung oder das Wahrmachen des Selbstwerts (Die wahrgemachte Ästhetik)

Dadurch, dass ein Sinn in seiner Abstraktion sich nicht verhalten kann, sondern auf Verhältnissen gründet, die ihn bilden, erzeugt er in sich selbst einen Lebenszusammenhang, in welchem das, was ihn beeindruckt hat, in der Dichte seiner Einwirkung fortbesteht, bewahrt und erinnert wird. In solchem Fortbestand sind Erlebnisse in der Form ihres Zusammenwirkens aufgehoben, die nach ihrer Einwirkung zusammengehören, nicht aber unbedingt mit den wirklichen Gründen, die sie hervorgebracht hatten, sondern durch die Reize, die sie enthalten. Die hierin bewirkte Wahrnehmung ist gedoppelt: Sie ist gegenständliche Wahrnehmung, die zugleich Selbstwahrnehmung ist. Die Reize wirken auf die Wahrnehmungsorgane und auf den wahrnehmenden Organismus, der Inhalt der Empfindungen entspringt dem Gegenstand der Wahrnehmung. Das Gefühl erfährt durch die auf diese Weise verdichtete Wahrnehmung eine eigene ästhetische Wirkung. Diese verwirklicht sich ausschließlich als Selbstgefühl. Die Wahrnehmung als Form der Wahrheitsbildung wird damit auch zu einer Form der Selbstgefühle.

In solchen aus der Wirkung auf die Wahrnehmung hervorgegangenen Gefühlen geht die Wirklichkeit in dem Maße unter, wie sich die Eindrücke von ihr entfernt hatten, wie also die Bedingungen ihres Zustandekommens selbst unwirklich waren und ihre Ursachen und Gründe der Wahrnehmung verborgen blieben. Was die Wahrnehmung wahrhatte, ob wahrgenommen oder nicht, wird zum Betreiber des Fühlens, Erinnnerns und Gedenkens. Aber nicht als eindeutige Bestimmung, sondern als Abstraktion hiervon, als sinnliche Kraft, die das Wahrgenommene mit dem versöhnt und vereint, was als Wirkung auf die Wahrnehmung wahrgehabt wurde. (36)

Das Gefühl hat damit eine eigene Qualität bekommen, die es selbst begründet und zugleich als eigenes Gedächtnis hat, ein Selbstgefühl, welches alleine den ästhetischen Reiz als Formbestimmung der Wahrnehmung reflektiert. Darin bewahrt sich eine Verdichtung des Erlebten, also dem in seiner Abstraktion verdichteten Leben. Das ist ein Leben wie es zwar nicht wirklich, wie es aber für die Wahrnehmung gewesen ist. Darin ist das Wahrgehabte, der Reiz des Erlebens, mit dem Wahrgenommenen in eins gesetzt, eine doppelte Wirkung in der Wahrnehmung vereint. Das Selbstgefühl, das hierbei entsteht, ist doppelte Wahrnehmung, gegenständlich und selbstbezogen zugleich, von daher eine Abwendung in der Zuwendung. Wirklichkeit wird diesem Gefühl in dem Maß gleichgültig, wie Wahrgenommenes und Wahrgehabtes darin in einen Widersinn zueinander geraten.

Das Leben selbst besteht zwar immer schon aus einer Vielfalt von Äußerungen, welche die Wahrnehmung beeindrucken. Nun aber wird das Gefühl in der bloßen Wahrnehmung zu etwas, das in ihm so verbleibt, wie es nur für sie ist, so dicht, so nah, so wirkungsreich, wie es im Augenblick der Lebensereignisse eben selbst auch ist, besonders, wenn darin das untergeht, was wahrgehabt war. Die Wahrnehmung fügt diese Ereignisse nach ihrer eigenen Bildungsgeschichte so zusammen, wie sie für sie wahr gehat sind, wie sie also in ihr zusammentreffen. So entsteht vermittelst der Gefühle ein innerer Lebenszusammenhang als eine Art Gefühlsgedächtnis.

Dieses Gedächtnis wird nun auch in der Wahrnehmung wahrgehabt. Es ist selbst eine Wahrheit geworden, die ihr nun vorausgesetzt, also vorgeordnet ist. Je nachdem, was sie darin schon aufgenommen und in ihrem Gedächtnis hat, bezieht sie sich auf das, was sie beeindruckt. Die Wirklichkeit der Wahrnehmung wird hierdurch relativ - relativ relativ zu dem, was sich ereignet, aber zugleich absolut in dem, was die Wahrnehmung schon kennt. Die Basis der Wahrnehmung wird in der Abstraktion von ihrem konkreten Sinn zu ihrer eigenen Lebensbedingung, deren Entwicklung, deren geschichtliche Veränderung sie in ihrem Gedächtnis beständig wahrhat.

Das Verlangen nach Wahrheit, wie es für die Wahrnehmung ursprünglich bestand in der Notwendigkeit, zu ihrer Erkenntnis zu gelangen, wird in ihrer Verdichtung aufgehoben und zur Sinnbildung des Wahrgehabten, zu einer Wahrnehmungsidentität, worin nicht ihr Gegenstand gegenwärtig ist, sondern der Sinn der Wahrnehmung selbst, wie er sich als Gedächtnis etabliert hat. Dessen Beziehungen und Bezogenheiten begründen sich aus den Anwesenheiten, aus denen die Menschen ihre Eindrücke gewinnen, und deren Dichte entsagt aller Geschichte. In ihrer Verdichtung werden sie zu einer gesellschaftlich gültigen Wahrnehmungsform, zu einer abstrakten Sinnesform, worin die Wahrnehmung selbst die Gestalt einer Wahrheit dieser Beziehungan annimmt, die in dem wahr ist, worein sie sich verdichtet haben, das aber in Wirklichkeit nicht wahr sein kann. (37)

Die Sinne verbleiben konkret, soweit sie etwas von dem wahrnehmen, was sie wahrhaben, ohne dass sie damit wirklich wahr werden können. Dies ist eine innere Wahrheit, die aber immer gleich zu einer äußeren wird, weil sie nicht zu äußern ist, weil sie daher nur als äußere Form überhaupt wahrgenommen wird. Die gesellschaftlich gültige Form dieser Wahrheit besteht daher lediglich in ihrer Ästhetik, in der Form wahrer Verdichtung als verdichtete Wahrheit der Form, welche Erlebnisse, Ereignisse und Lebensäußerungen einbringen. (38)

Ästhetik hat ihren Grund in der gesellschaftlichen Leere, wie sie wirklich ist. Sie besteht ja auch nur aus der Verfügbarkeit über Möglichkeiten des Erlebens. So sinnentleert die Wirklichkeit wird, so nötig ist das Erleben ihrer Verdichtung, und daher auch deren notwendige Form, die verdichteten Anwesenheiten von Menschen aller Art und Herkunft. Darin werden sich die Menschen gleich, weil Menschliches als solches in seiner Vielfältigkeit in ihrer bloßen Unterschiedlichkeit wahrgehabt wird. So einfältig die bloße Anwesenheit ist, so vielfach wirkt das, was darin wahr wird. Menschliche Vielfältigkeit scheint darin erst wirklich zur Wirklung zu kommen; die Menschen beleben sich allein durch ihre massenhafte Anwesenheit und allem, was sie darin an Unterschied verspüren. Das Erlebnis in der Menge ist zugleich ein Erleben von Masse, die Unterschiedenheit in der Angleichung wird zur Wesensgleichheit der Unterschiede.

Die Menschen zeugen nicht nur in der Art und Weise ihres Lebens von ihrer Kultur, sie lassen sich auch kultivieren, indem sie sich als Masse erleben. In der Ästhetik werden sich die Menschen selbst genug, gleichen sich an ihr Bild von sich an. Was immer ihre Welt ist und wie sie aussieht, sie muss nicht mehr durch Menschen kultiviert sein. Kultur hat nun keine anderen Gründe mehr als sich selbst, als Kultur aus Kultur - und sie beginnt, sich nun selbst darin zu verzehren. (39)

Die Wahrnehmung bezieht ihr Gedächtnis nicht aus einem Bedenken und Gedenken, sondern aus der Verdichtung ihrer Eindrücke unter der Bedingung gedrängter Anwesenheiten. (40) Für solche Wahrnehmung selbst gibt es keine Gegenständlichkeit, keine Objektivität. So gewiss ihr die Welt erscheinen mag, so abstrakt bleibt sie ihr doch, weil sie darin nur Konkretionen von sich erkennt, sich selbst als weltlich findet und empfindet, so dicht und nah, wie ihre Eindrücke sind. Sie findet und empfindet das, was sie von sich darin verdichtet, was ihr dadurch wahr-nehmbar ist, dass es Eindruck auf sie macht. Und Eindruck macht, was das Vertraute berührt und deshalb der Berührung vertraut, sie auf sich wirken lässt, weil sie darin Wirklichkeit verspürt, etwas verspürt, was nicht wirklich wahr sein kann. Und deshalb muss Wirklichkeit hierfür auch nicht wahr sein. Sie wird durch die Verdichtung unwahrnehmbar. Wahrnehmung wird unwirklich. Sie ist ist eine gedoppelte Empfindung, eine Empfindung von sich außer sich, veräußerlichte Empfindung. Denn was doppelt ist, kann dies nur, indem es von seinem Inhalt absieht. Deshalb ist die Verdichtung wesentlich die Form abstrakt sinnlicher Bezogenheit, was immer sie auch Inhaltlich ineinander zwingt. Hiernach bezieht sich die Wahrnehmung auf sich selbst als abstrakter Sinn von den Erlebnissen, die sie hat. (41)

Die verdichtete Anwesenheit macht das Quantum aus, worin ihr abstrakter Sinn selbst tätig wird, indem sie darin ihren Sinn ausrichtet, komprimiert und sich selbst angleicht. Was die Wahrnehmung in ihrer Verdichtung zusammenfügt, entspricht mehr oder weniger zufällig einer Objektivität in ihrer wahrnehmbaren Form. Im Zufall der Wahrnehmung aber erscheint die Form wohl geordnet, übersinnlich, weil ohne konkreten Sinn. Und weil ihre Organe nicht ausreichen, diese Form als wirklich übersinnliche Gegenständlichkeit zu erkennen, macht mancher Geistesbeschwörer damit gute Geschäfte. (42)

Die Wahrnehmungsorgane sind nur dazu geeignet, die Oberfläche ihrer Gegenstände wahr zu nehmen und sich dessen auch gewiss zu sein, sie also auch wahr zu finden oder als nicht wahr finden zu können. Ob ein Ofen warm oder kalt ist, lässt sich meist schon empfingsmäßig unzweifelhaft beurteilen. Aber um zu beurteilen, ob ein Gefühl "echt" oder "falsch" ist, das verlangt schon nach einer Beziehung zu dem, was da gefühlt wird. Die Empfindung für sich weiß hiervon nichts; sie erkennt ihre Bezogenheit erst durch das Gefühl, in welchem sie sich einfindet. Was die Wahrnehmungsorgane wirklich wahr haben, das entzieht sich ihrer Gewissheit. Im Zweifel hierüber verdichtet sich die Wahrnehmung zu einem Sinn, den sie für sich darin findet, zu einer Dichtung voller Leben, das nicht wirklich sein muss. In den Verdichtungen der Gefühle entstehen eigene Wahrheiten, z.B. auch die Wahrheit einer Traumwelt, die außerordentlich klug und erkenntnisreich sein kann, aber nicht unbedingt einen Sinn für die wirkliche Welt hat. Was in den Menschen an Gefühlen zusammenkommt, das kann ihren wirklichen Sinn in sich selbst aufgehoben haben - zunächst in ihrer Wahrnehmungstätigkeit für ihre Sinne, dann als Tätigkeit der Sinne für die Wahrnehmung. In ihnen wird alles in eigener Art und Weise belebt und das Leben an diese Gefühle selbst auch angeglichen. Es scheint sich hierdurch selbst zu erzeugen, wiewohl es lediglich davon zeugt, dass es sich in einem Selbstgefühl eingeschlossen hat, dass es also nicht mehr in einer wirklichen Beziehung zur Welt ist - oder: dass die Welt selbst für bestimmte fühlende Menschen leblos erscheint und daher in den Selbstgefühlen fortbesteht. In der Verdichtung erscheint das Leben der gegenständlichen Welt auf den Punkt dessen gebracht, was es für einen Mensch ist, sobald er sich der Welt entziehen kann (z.B. im Schlaf oder im Wachtraum oder in der Fantasie oder im Wahnsinn). (43)

Die Begriffsgröße abstrakt menschlicher Sinnlichkeit macht die Verdichtung der Wahrnehmung aus. Diese besteht durch die Dichte der Anwesenheiten in dem Raum, in welchem sie ihre Erlebnisse hat und ist dadurch reizvoll, dass sie ästhetische Wirkung auf die Menschen hat.




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111.3 Der Selbstwert als Ereignis des Selbstgefühls

Gefühle, die in den Wahrnehmungen voneinander isolierter Menschen für sich leer, also durch sich empfindungslos sind (siehe hierzu Ästhetik), kommen zu sich durch Empfindungen, die ihnen nötig sind, die sie in den durch sie notwendig verlangten Erlebnissen finden. Das Selbstgefühl ist ein auf sich selbst reflektierendes Gefühl, das sich aus der allgemeinen Verkehrung des Verhältnisses von Empfindungen zu ästhetisch bestimmten Gefühlen ergibt und worin sich diese Gefühle verkörpern müssen, sich also durch Empfindungen für sich füllen, durch die sie sich als Gefühl körperlich verdoppeln. Weil sich aus der Wahrnehmung derart beabsichtigter Ereignissen Gefühle mit dem identifizieren, was körperliches Erleben an zwischenmenschlicher Wahrnehmung hinterlässt, nähren sich die so bestimmten Gefühle aus der entsprechenden Selbstwahrnehmung. Es ist das durch Selbstempfindung bewirkte Gefühl, das durch das Selbsterleben objektiv, also ihrer Form nach auf sich selbst zurückkommt, das also praktisch die Form einer allgemeinen Selbstbefriedung ist. Es ist die auf sich selbst reduzierte Wahrnehmung der Selbstbeziehung, die sich aus der Formbestimmung des Selbstgefühls in hiervon bestimmten zwischenmenschlichen Verhältnisse als objektives Gefühl erfüllt und sich für sich selbst auch in sich entwickelt.

Eine Empfindung kann sich auch auf den Menschen selbst beziehen, also eine Wahrnehmung der eigenen Organe und Gefühle sein. Gewöhnlich fühlt man sich dann in einer bestimmten Stimmung, hat also eine Befindlichkeit der Empfindung als Gefühl für sich. Sie ist einerseits von der körperlichen Selbstbefindlichkeit abhängig, andererseits vom Zustand der zwischenmenschlichen Beziehungen. Die Wahrnehmung reflektiert sich dabei durch ihr Dasein in diesen Beziehungen selbst als ein Gefühl, das die Gegenwart anderer für sich hat, sich durch die Anwesenheit oder Abwesenheit anderer Menschen vergegenwärtigt.

Das Selbstgefühl ist ein Gefühl für sich durch andere, Selbstvergegenwärtigung in Verhältnissen, die in ihrer Gegenständlichkeit unbestimmt sind. Es beruht auf der Aneignung von Gegenwart, auf der Anwesenheit von Menschen, deren Sinn, Geist, Körper usw. notwendig sind, um Sinn zu bilden und Sinn zu haben, wo Unsinn herrscht. Darin wird ein Sinn wahrgehabt, der nicht mehr wahrgenommen werden kann, weil sich die Empfindung im Gefühl für sich verselbständigt ist, ungegenwärtig geworden ist. Das unterstellt Verhältnisse, die in ihrer Wirklichkeit keinen wirklichen Sinn darstellen.

Die wirkliche Vermittlung der Individuen zu ihrer Gesellschaft besteht darin, wie und wodurch sie deren sachlichen und kulturellen Reichtum erzeugen, gestalten und sich aneignen, wie also die Gegenstände ihres Lebens ihnen zu eigen sind: was eben ihr gesellschaftliches Eigentum auch individuell ausmacht (siehe auch Privateigentum). Die Ereignisse im Leben der Menschen, worin ihre  Empfindungen und Gefühle in ihnen subjektiv aufeinander bezogen sind, hängen ganz wesentlich davon ab, wodurch ihr Eigentum in ihren Lebensverhältnissen objektiv bedingt ist, in welcher Form ihre gesellschaftlichen Beziehungen ihnen zu eigen sind, bzw. wodurch diese ihnen über fremde Kräfte vermittelt werden (siehe Entfremdung). Ereignisse werden daher für die Wahrnehmung erst bestimmend, wo sie ungegenständlich ist, wo sich ihr also keine gegenständliche Wirklichkeit von dem erschließen kann, was sie für sich wahr hat.

Subjektiv treffen in den Ereignisse ihres Lebens Empfindungen und Gefühle aufeinander als Eindruck und vereinen sich ausdrücklich in dem, was Menschen in ihren Beziehungen gesellschaftlich wahrhaben in dem, was sie individuell wahrnehmen. Selbstgefühle entstehen in Ereignissen worin Lebenszusammenhänge kulminieren, wo sie ihren Sinn nicht gegenständlich erzeugt und bezeugt finden, sodass ihr bloßes Dasein als Mensch, ihre Anwesenheit als körperlich existierender Mensch (siehe auch Existenzialismus), ihre von allem abstrahierte Sinnlichkeit (siehe auch abstrakt menschlicher Sinn) ihnen wesentlich wird, wodurch sie sich verdichten und ihren Sinn in ihren Erregungen aufbrechen lassen, durch welche ihre Regungen sich in ihren Antrieben nurmehr quantifiziert äußern (siehe auch Trieb). In dem Maß worin ihre Verhältnisse durch Geld bestimmt sind, werden ihnen ihre wirklichen Beziehungen selbst ungewiss, die sie nur in ihrem Dasein zwischen den Menschen, in ihren zwischenmenschlichen Verhältnissen in der dem entsprechenden Form, im Quantum ihres Geldbesitzes vergewissern können.

Sie finden in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen ein von den Gegenständen ihres Lebens, dem Eigentum an ihrer Sache, ein hiervon abgelöstes Selbstgefühl, empfinden eine abstrakte Gewissheit in dem, was als ihr Sinn auf doppelte Weise existiert: Einmal durch die Wahrnehmung anderer Menschen, durch den Eindruck, den sie in zwischenmenschlichen Beziehungen machen, und zugleich durch einen Sinn für andere, also was Menschen für ihre "Mitmenschen" ausdrücken und darstellen, zu einem Ereignis machen können (siehe auch Kulturarbeit). Am Ereignis trifft sich daher die ganze Sinnlichkeit zwischenmenschlicher Verhältnisse, die praktisch und vor allem Selbstgefühle bilden, die Selbstwahrnehmung zur Vorstellung aufbereiten, als Gefühl für sich, für die persönliche Wirkung die man hat und die man machen kann, für die Kraft der Selbstgestaltung schlechthin.

Doch die zwischenmenschlich begründeten Ereignisse vermitteln sich nur im Erleben selbst, in der körperlichen Anwesenheit fremder und eigener Regungen. Was sie wahrnehmen ist nicht das was sie darin wahrhaben, was sie beachten müssen, findet keine Achtung, weil im Erleben das Leben selbst nur als Leben ohne Selbstachtung objektiv wahrgenommen werden kann. Ohne eine gegenständliche Vermittlung dieser Wahrnehmungen kann der Sinn von etwas nicht mit dem Sinn für etwas in Beziehung stehen. Ohne eine wirkliche Vermittlung von Regung und Erregung kann er keine substanzielle Mitte kennen, also auch keine gesellschaftliche Vermittlung erkennen.

Darin verwirklicht sich von dieser Sache her ein Widerspruch, den Ereignisse enthalten, weil und sofern sich in den Sachen Lebensverhältnisse darstellen, worin der Augenblick im Kontinuum der Wahrnehmung gebrochen ist, wo sie also in ihrer Einzelheit anders erscheinen, als sie in ihrer Allgemeinheit wahr sein können, z.B. weil sie einen Wert haben und einer Wertschätzung unterliegen, der sich aus dem Warentausch ergibt. Weil die Beziehungen der Menschen in einer bürgerlichen Gesellschaft durch ihren Geldbesitz vermittelt sind, soweit sie ihn überhaupt über ihren Tag hinaus anreichern können, verhalten sie sich durch und vermittelst ihrer Selbstbezogenheit, die sich in ihren Selbstgefühlen gleichgültig gegen ihre Sache fortentwickelt. Von daher die Form, worin sich deren Wirklichkeit auch wirklich aufhebt: Selbstgefühle sind das Geld der Wahrnehmung, das ein im Wesentlichen unendliches Geltungsstreben, ein allgemein unwirklichtes, weil  unverwirklichbares Geltungsbedürfnis, ein unstillbares Verlangen nach Selbstwert begründet, um darin den Anschein einer Selbstachtung zu erlangen.

Aber ein Selbstgefühl soll eine Beziehung im Gefühl zu sich selbst bezeichnen. Dies ist aber rein sprachlich schon ein Unding, behauptet das doch eine Beziehung, also eine Verbindung verschiedener Subjekte, die zugleich nicht als Beziehung auf Unterschiedenes besteht, sondern durch ein Selbst begründet sei. Es wäre ein Widersinn des Wortes, hieße das doch, dass man selbst doppelt existiere, denn Beziehung gibt es nur zwischen eigenständigen Wesen, also z.B. mindestens zwischen zwei Personen.

Worauf aber sollten sie sich in ihren Gefühlen beziehen, wenn sie sich darin nur selbst unendlich gleich bleiben können? Von daher wäre das Selbstgefühl im Allgemeinen der Begriff einer Selbstvertauschung, einer Selbsttäuschung, einer Scheinwelt von Selbstigkeiten einer Person, wenn es dies Unterschiedene im Gleichen nicht doch auch wirklich geben würde, eben in einer Selbstempfindung durch andere, in den Empfindungen von Menschen als Seinesgleichen und doch Andere, als Empfindung in zwischenmenschlichen Verhältnissen, in denen sich Menschen in ihren vertrauten Lebensräumen in Wahrheit fremd sind. Wie Menschen sich hier in anderen finden, so reflektiern sie sich als Mensch, der sich darin gefunden hat. Es ist das unentwegte Wiedererkennen seiner selbst in anderen Menschen, das genau so unentwegt enttäuscht wird, weil darin nur gefunden werden kann, was man von sich selbst darin wahrhaben kann, wenn man es in anderen auch wirklich findet. Und das kann nicht unmittelbar menschlich sein, weil menschliche Wahrheit unmittelbar gewiss sein muss, also keine Gewissheit durch andere Menschen finden noch durch sie haben kann, weder vermitteltbar noch unmittelbar ganz gewiss ist. Weil jede menschliche Empfindung von daher immer so gesellschaftlich ist, wie der einzelne Mensch in Gesellschaft sich bewahrheiten kann, empfindet er sich auch so fremd, wie Gesellschaft menschliche Entfremdung vermittelt und wie sich Empfindungen in den Gefühlen der Menschen von daher in einem Selbstgefühl mitteilen und in ihrer Selbstentfremdung verselbständigen.

Im Selbstgefühl sind Gefühle mit Empfindungen verschmolzen, indem sich Gefühle selbst in ihren Empfindungen reflektieren und erneuern. Darin dauern Gefühle sowohl als Erinnerung, wie als Gefühl in einem Selbstgefühl fort, soweit sich dieses durch Empfindungen erneuern kann. Wo es isoliert von seinen Empfindungen besteht muss es Empfindungen für sich haben, und ist von daher für diese Form des Gefühls und durch es bestimmt. Darin bildet sich der Selbstwert als Selbstwahrnehmung aus und wird im Verhältnis der Selbstgefühle objektiv.

In diesen entäußert sich jedes einzelne Selbstgefühl als isoliertes Moment der Selbstwahrnehmung. Zugleich jedoch stellt jedes Gefühl auch in seiner Isolation einen gesellschaftlichen Zusammenhang dar, der darin zwar objektiv, aber nicht wirklich ist, also eine Ungewissheit der Empfindungen äußert, die sich nur noch als Erregung in der Wahrnehmung regt und deren Regungen bestimmt. Das stellt einen Bruch in der Wahrnehmung dar, der die Beziehung zu ihren Empfindungen an ihren Gefühlen relativiert. Von daher wird sie gegen die Empfindung mehr oder weniger gleichgültig und setzt sich auf vielfältige Weise in Beziehung, eben auf das, worin sie die darin begründeten Erregungen zu beherrschen versteht, die daher rühren, dass es seine Empfindung verloren hat. Die Wahrnehmung beruhigt sich darin, dass sie ihre Regungen vor allem als Gefühle für sich hat, sich darin sammelt und somit auf sich selbst zurückkommt, darin sich selbst fühlt, zum Selbstgefühl wird und dieses immer wieder für sich erstrebt. Die Wahrnehmung hat auf diese Weise eine Absicht bekommen, der sie eine ihr innere Identität jenseits ihrer Gegenstände verdanken kann, wenn sie ihr gemäß entspechende Erlebnisse hat und erfährt.

In dieser Beziehung wird das Erleben zu einem inneren Zusammenhang in den Individuen, der seine Herkunft nicht mehr offenbart und den sie nicht wissen können, der sich aber zu einer allgemeinen Erfahrung in ihnen, in ihrem Gedächtnis niederschlägt und darin die Lebensform ihres Selbstwerts findet. So subjektiv dieses Gedächtnis wirken mag, so objektiv sind darin die Lebenszusammenhänge versammelt, die sich aus den Erlebnissen niedergeschlagen haben. Das Verhältnis der Empfindungen zu den Gefühlen kehrt sich darin in das Verhältnis eines allgemeinen Gefühls in den Menschen, in welchem sich ihre Empfindungen sowohl gesellschaftlich - wenn auch gleichgültig - auf ihre Allgemeinheit reduzieren und bewahrheiten, wie sie zugleich auch darin wirklich aufgehoben werden. Es ist ein rein ästhetisches Fühlen, worin die Wahrnehmung nurmehr in ihrer Abstraktion zu sich selbst kommen kann. Dieses Fühlen ereignet sich daher in den Menschen als Selbstgefühl.

Das Selbstgefühl ist für sich empfindungslos, soweit es für sich sein kann, soweit es also Verhältnisse wahrhat, in denen seine Empfindungen selbstverständlich sind, sich in seinen Gewohnheiten wie von selbst verstehen. Doch es ist auch schnell gestört, sobald deren Objekte abwesend sind, sobald also die gewohnte Umgebung nicht wirklich anwesend ist und keine Wirkung auf die Empfindung hat. Wer von seinem Selbstgefühl abhängig ist fühlt sich dann leer. Dies kann durch die Produktion von Eindruck überwunden werden, durch welchen gewohnte Reaktionen sich einstellen, indem eine bestimmte Ausdrücklichkeit objektive Gefühle hervorrufen und bestärken kann, z.B. durch Rollen, Gehabe, Kosmetik usw.

Selbstgefühle sind eben Gefühle, die sich als Reflexion aus einer äußeren Bestimmtheit von objektiv gefühlten Verhältnissen begründen, die z.B. zwischenmenschliche, modische, institutionelle oder fantastische Wirkung haben können. Zum Selbstgefühl werden sie durch die ästhetische Kraft von Empfindungen, die sie nicht mehr wahrnehmen, wohl aber wahrhaben müssen, durch den Reiz oder die Bedeutung von Eindrücken, durch die sich gefühlte Reflexionen tragen lassen, solange deren Ursprung noch wirklich und wirkmächtig in der Erinnerung ist. So fühlen sich z.B. Menschen in Uniform anders, weil diese ihnen den Anschein einer Funktion oder Nützlichkeit verleiht. Es ist aber genauso möglich, diesen Anschein an sich selbst durch eine ästhetische Ausstattung zu erzeugen; z.B. durch Kosmetik, Rollenverhalten, Selbstbehauptungsvermögen u.a.. Dadurch können Selbstgefühle entstehen, die aus einer eigenen Äußerung verursacht sind, - so wie diese eben auf andere wirkt.

Die zwischenmenschlich begründeten Ereignisse vermitteln sich nur im Erleben selbst, in der körperlichen Anwesenheit fremder und eigener Regungen. Was sie wahrnehmen ist nicht das was sie darin wahrhaben. Doch ein Selbstgefühl soll eine Beziehung im Gefühl zu sich selbst bezeichnen. Dies ist allerdings rein sprachlich schon ein Unding, behauptet das doch eine Beziehung, also eine Verbindung verschiedener Subjekte, die zugleich nicht als Beziehung auf Unterschiedenes besteht, sondern durch ein Selbst begründet sei. Es wäre ein Widersinn des Wortes, hieße das doch, dass man selbst doppelt existiere, denn Beziehung gibt es nur zwischen eigenständigen Wesen, also z.B. mindestens zwischen zwei Personen.

Worauf aber sollten sie sich in ihren Gefühlen beziehen, wenn sie sich darin nur selbst unendlich gleich bleiben können? Von daher wäre das Selbstgefühl im Allgemeinen der Begriff einer Selbsttäuschung, einer Scheinwelt von Selbstigkeiten einer Person, wenn es dies Unterschiedene im Gleichen nicht doch auch wirklich geben würde, eben in einer Selbstempfindung durch andere, in den Empfindungen von Menschen als Seinesgleichen und doch Anderes, als Empfindung in zwischenmenschlichen Verhältnissen. Wie Menschen sich hier in anderen finden, so reflektiern sie sich als Mensch, der sich darin gefunden hat. Es ist das unentwegte Wiedererkennen seiner selbst in anderen Menschen, das genau so unentwegt enttäuscht wird, weil darin nur gefunden werden kann, was man von sich selbst darin wahrhaben kann. Und das kann nicht unmittelbar menschlich sein, weil menschliche Wahrheit unmittelbar gewiss sein muss, also keine Gewissheit durch andere Menschen finden noch durch sie haben kann, weder vermitteltbar noch unmittelbar ganz gewiss ist. Weil jede menschliche Empfindung von daher immer so gesellschaftlich ist, wie der einzelne Mensch in Gesellschaft sich bewahrheiten kann, empfindet er sich auch so fremd, wie Gesellschaft menschliche Entfremdung vermittelt und wie sich Empfindungen in den Gefühlen der Menschen von daher in einem Selbstgefühl mitteilen und verselbständigen.

Selbstgefühle entstehen in zwischenmenschlichen Verhältnissen aus der Notwendigkeit einer Selbstachtung, die durch die Gefühle anderer Menschen aufgehoben wird, die also ihren Sinn in einer Selbstwahrnehmung aufheben muss, der alle Sinne in dem Selbstwert beisammenhält, der sie in diesen Verhältnissen vereint, worin sie zum Ausdruck kommen, ihre Lebensinhalte verwirklichen können. Ein Selbstgefühl ist das durch andere beeindruckte Gefühl (siehe Eindruck), das sich seinen Selbstwert als abstrakte Notwendigkeit einer bedrängten Selbstachtung bezieht. Was die Gefühle aus ihren Empfindungen substanziell entwickelt haben, ist in zwischenmenschlichen Verhältnissen durch das eindrückliche Verhalten der Zwischenmenschen durchbrochen, voneinander getrennt und im Selbstgefühl wieder vereint, soweit sich darin ein Selbstwert aus diesen Verhältnissen beziehen lässt.

Im Selbstgefühl sind Gefühle mit Empfindungen verschmolzen, indem sich Gefühle selbst in ihren Empfindungen reflektieren und erneuern. Darin dauern Gefühle sowohl als Erinnerung, wie als Gefühl in einem Selbstgefühl fort, soweit sich dieses durch Empfindungen erneuern kann. Wo es isoliert von seinen Empfindungen besteht muss es Empfindungen für sich haben, und ist von daher für diese Form des Gefühls und durch es bestimmt. Darin bildet sich der Selbstwert als Selbstwahrnehmung aus und wird im Verhältnis der Selbstgefühle objektiv.

In diesen entäußert sich jedes einzelne Selbstgefühl als isoliertes Moment der Selbstwahrnehmung. Zugleich jedoch stellt jedes Gefühl auch in seiner Isolation einen gesellschaftlichen Zusammenhang dar, der darin zwar objektiv, aber nicht wirklich ist, also eine Ungewissheit der Empfindungen äußert, die sich nur noch als Erregung in der Wahrnehmung regt und deren Regungen bestimmt. Das stellt einen Bruch in der Wahrnehmung dar, der die Beziehung zu ihren Empfindungen an ihren Gefühlen relativiert. Von daher wird sie gegen die Empfindung mehr oder weniger gleichgültig und setzt sich auf vielfältige Weise in Beziehung, eben auf das, worin sie die darin begründeten Erregungen zu beherrschen versteht, die daher rühren, dass es seine Empfindung verloren hat. Die Wahrnehmung beruhigt sich darin, dass sie ihre Regungen vor allem als Gefühle für sich hat, sich darin sammelt und somit auf sich selbst zurückkommt, darin sich selbst fühlt, zum Selbstgefühl wird und dieses immer wieder für sich erstrebt. Die Wahrnehmung hat auf diese Weise eine Absicht bekommen, der sie eine ihr innere Identität jenseits ihrer Gegenstände verdanken kann, wenn sie ihr gemäß entspechende Erlebnisse hat und erfährt.

In dieser Beziehung wird das Erleben zu einem inneren Zusammenhang in den Individuen, der seine Herkunft nicht mehr offenbart und den sie nicht wissen können, der sich aber zu einer allgemeinen Erfahrung in ihnen, in ihrem Gedächtnis niederschlägt und darin die Lebensform ihres Selbstwerts findet. So subjektiv dieses Gedächtnis wirken mag, so objektiv sind darin die Lebenszusammenhänge versammelt, die sich aus den Erlebnissen niedergeschlagen haben. Das Verhältnis der Empfindungen zu den Gefühlen kehrt sich darin in das Verhältnis eines allgemeinen Gefühls in den Menschen, in welchem sich ihre Empfindungen sowohl gesellschaftlich - wenn auch gleichgültig - auf ihre Allgemeinheit reduzieren und bewahrheiten, wie sie zugleich auch darin wirklich aufgehoben werden. Es ist ein rein ästhetisches Fühlen, worin die Wahrnehmung nurmehr in ihrer Abstraktion zu sich selbst kommen kann. Dieses Fühlen ereignet sich daher in den Menschen als Selbstgefühl.

Das Selbstgefühl ist für sich empfindungslos, soweit es für sich sein kann, soweit es also Verhältnisse wahrhat, in denen seine Empfindungen selbstverständlich sind, sich in seinen Gewohnheiten wie von selbst verstehen. Doch es ist auch schnell gestört, sobald deren Objekte abwesend sind, sobald also die gewohnte Umgebung nicht wirklich anwesend ist und keine Wirkung auf die Empfindung hat. Wer von seinem Selbstgefühl abhängig ist fühlt sich dann leer. Dies kann durch die Produktion von Eindruck überwunden werden, durch welchen gewohnte Reaktionen sich einstellen, indem eine bestimmte Ausdrücklichkeit objektive Gefühle hervorrufen und bestärken kann, z.B. durch Rollen, Gehabe, Kosmetik usw.

Selbstgefühle sind eben Gefühle, die sich als Reflexion aus einer äußeren Bestimmtheit von objektiv gefühlten Verhältnissen begründen, die z.B. zwischenmenschliche, modische, institutionelle oder fantastische Wirkung haben können. Zum Selbstgefühl werden sie durch die ästhetische Kraft von Empfindungen, die sie nicht mehr wahrnehmen, wohl aber wahrhaben müssen, durch den Reiz oder die Bedeutung von Eindrücken, durch die sich gefühlte Reflexionen tragen lassen, solange deren Ursprung noch wirklich und wirkmächtig in der Erinnerung ist. So fühlen sich z.B. Menschen in Uniform anders, weil diese ihnen den Anschein einer Funktion oder Nützlichkeit verleiht. Es ist aber genauso möglich, diesen Anschein an sich selbst durch eine ästhetische Ausstattung zu erzeugen; z.B. durch Kosmetik, Rollenverhalten, Selbstbehauptungsvermögen u.a.. Dadurch können Selbstgefühle entstehen, die aus einer eigenen Äußerung verursacht sind, - so wie diese eben auf andere wirkt.

Es sind also Gefühle, die als die gefühlte Reflexion einer eigenen oder fremden Äußerung empfunden werden, soweit diese als ein objektives Gefühl existiert. Sie beinhaltet eine Selbstfindung durch Selbstentäußerung oder durch andere, durch die Wirkung, die man auf sie hat. Es sind Gefühle, die durch erzeugte Empfindungen gewonnen werden, wo Empfindung sich nicht als Gefühl entwickeln und zu einer Erkenntnis führen kann oder soll: Es sind durch Selbstreflexion erzeugte Gefühle, die ihre Neugier aufgegeben haben. Diese sind die Grundlage einer Wahrnehmung, die keine Erkenntnis ihres Gegenstands sucht, weil sie alles für sie Ungewöhnliche schon als fremd und also unerkennbar empfindet und sich hierdurch den Mühen einer Aneignung widersetzt, soweit sie sich dem widersetzen kann (siehe hierzu auch Geldbesitz). Sie richtet sich von daher an ihren Wahrnehmungsgewohnheiten aus und empfindet nurmehr das, was sie für sich schon vor jeder Erkenntnis gefunden hatte, so dass ihre Erkenntnisse darauf gründen, was sie schon aus Gewohnheit weiß.

Die Wahrnehmung ist in Wirklichkeit niemals ohne Welt, die ihr letztlicher Gegenstand ist, wie groß und wie klein sie auch sein mag. Doch indem das Selbstgefühl zum allgemeinen Inhalt der Wahrnehmung geworden ist, sind die Empfindungen nurmehr Momente desselben. Weil dieses Gefühl sich noch nicht durch sich selbst begründen kann, verlangt es nach einer Wahrnehmung, die nicht wirklich ist, die aber da ist, wo sich sein Begehren wahr macht, wo es allgemeine Gegenständlichkeit eigener Identität findet. Es entwickelt sich so ein Bedürfnis der Wahrnehmung selbst, ein ihr nötiges Verlangen nach Reizen, in welchen sie ihr Selbstgefühl erfährt. In ihrem Begehren verwirklicht sich die Notwendigkeit nach einer allemeinen Wahrheit der Wahrnehmung in der Absicht einer allgemeinen Bereicherung durch Reize, die sie auch für sich ästhetisch wahrmachen muss, an denen sie sich selbst begeistern kann, um ihr Selbstgefühl zu erwirken, sich selbst zu erfahren.

Um in der Wahrnehmung sich selbst zu erfahren, haben die Menschen Reize entwickelt, wodurch sie zu Subjekte des Erlebens wurden. Von daher sind sie füreinander selbst Wahrnehmungsgegenstände, worauf sich ihr Selbsterleben gründet. Nun beginnt dieses ihren Selbstwert zu füllen und dieses als Gegenstand des Erlebens zu dessen allgemeinen Zweck zu machen, der alle Empfindungen zu einem Gefühl für sich, zu einem Selbstgefühl isoliert, sie ausschließlich für sich wahrmacht.

Sebstgefühle unterstellen ein Gefühl für sich, das darauf gründet, dass ein Mensch die Verhältnisse, die er wahrhat, als Wirkung für sich, also als eigene Wirklichkeit wahrnimmt. Sie sind daher eine gedoppelte Wahrnehmung, also ein Wahrnehmen des Wahrgehabten als Wirkung einer bloßen Selbstwahrnehmung, die sich in deren Gewohnheiten verallgemeinert und für sich selbst Bestand hat. Es ist also kein Gegenstand außer sich, der die Wahrnehmung darin bestimmt, sondern das Gefühl, das ein Mensch dabei wahrhat und in sich verallgemeinert. Dessen Gegenständlichkeit ist darin allgemein so aufgehoben, dass dies als ausschließliche Wirkung auf sich selbst empfunden wird.

Daher sind Selbstgefühle in zwischenmenschlichen Verhältnissen eine Allgemeinform der Gefühle, wie sie sich aus dem Selbsterleben der Wahrnehmung in ihrer Empfindung für sich ergibt. Jedes Gefühl wird in dieser Fom zu einem allgemeinen Selbstgefühl, zu einem Eigensinn der Wahrnehmung.

Ihren Gegenstand haben die Menschen daher durch etwas, was nun ihrer eigenen Lebenswelt entspringt, die sich aus der Entgegenständlichung der sachlichen Welt ergeben hatte und zugleich diese Welt jetzt als Welt des Erlebens, und das heißt jetzt Fühlens, zu erzeugen. Ihre Empfindungen werden zu Trägern des Erlebten, zum reinen Inhalt ihrer Gefühle. Wo die Empfindungen sich innerhalb der zwischenmenschlichen Beziehungen noch minderwertig angefühlt hatten, weil sie sich in ihrer ersten Beziehung auf andere Menschen nicht von selbst zu entsprechenden Gefühlen werden konnten, werden sie nun zur Basis eines Selbstwertgefühls, das sich aus dem Erleben heraus über die alle Gegenständlichkeit, also auch über die gegenständliche Welt überhaupt zu stellen versteht. Die Wahrnehmung nimmt also nicht nur Wahres, sie wird in der Abtrennung von jeder gegenständlichen Wirklichkeit jetzt auch bestimmt von dem, was ein Mensch unter Menschen wahrhat. Was in der Empfindung noch nichtig war, bekommt nun seine eigene Bedeutsamkeit allgemein durch das, was die Menschen durch einander wahrhaben, was sie also davon haben, dass sie füreinander dazu da sind, einander zu erleben. Dies ist nun jedenfalls etwas anderes, als bloß füreinander nichts zu sein.

In der Wahrnehmung ist die Welt als Gefühl einverleibt, auch wenn sie nichts mehr an und in der Welt findet. Was Menschen von dieser wahrhaben, muss nichts mehr damit zu tun haben, was sie hiervon auch wirklich empfinden. Gerade wo wirkliche Beziehungen gebrochen, getrennt oder im Widerspruch mit sich sind, werden sich die Gefühle von den Empfindungen zunehmend abgrenzen, das Einverleibte und das Wirkliche auch in sich trennen. Im Maß dieser Trennung muss sich die Einverleibung als Gefühl für sich verdichten, zu einem Gefühl werden, das nur durch sich selbst bestimmt erscheint, wiewohl es nur reflektiert, was es wahrhat. Aber weil der wirkliche Sinn in der Abtrennung von seiner Gegenständlichkeit abstrakt wird, kann er sich in der Ausgrenzung seiner Bezogenheiten auch nur im Selbstgefühl entfalten. Solche Gefühle behaupten sich gegen ihre Herkunft als Beziehung zu sich, worin die Wahrnehmung ihren eigenen Wert bekommt, einen Selbstwert, in welchem sich die Verdichtung ihrer Einverleibung gegen die Welt geltend macht. Der Selbstwert ist die Größe, worin abstrakte Sinne mächtig werden, also in dem Maße mächtig sind, wie sie sich gegen die gegenständliche Welt in sich selbst binden, ihre Symbiose gegen die Welt zu kehren vermögen.

Der Selbstwert ist zunächst nichts anderes als der Wert eigenener Bedeutsamkeit in einer Welt nichtiger Bedeutungen, welche von Erlebnissen übrig bleiben, die keine Geschichte bilden. Der Selbstwert ist eigentlich nichts anderes als ein Bild, welches von den Bedeutsamkeiten der zwischenmenschlichen Beziehungen verbleibt, in welchem das Leben als Einheit der Erlebnisse mit Menschen verbleibt und dadurch als ein gelungenes Leben erscheint. Es hat mit dem wirklichen Leben nichts gemein außer der Idealität der Erlebnisse. "Vergessen" ist darin, was nicht beabsichtigt war, was "hinzugetreten", nicht gewollt ist. Selbstwert entsteht aus dem Ungebrochenen, worauf sich Wahrnehmungen reduzieren, wenn sie vergangen und nun als eine innerere Wahrheit des Gedächtnisses und Gedenkens selbst wahrgehabt werden. Sie finden sich besonders in dem Sinn ein, in welchem sich diese Einheit verkörpert. Der Selbstwert reflektiert also die Einheit eines Lebens, welches nur ästhetisch wahr ist, eine ästhetische Einheit des Erlebens, wie es war und woraus es sich fortbilden soll. Alles, was sich im wirklichen Leben bricht und gebrochen gelitten wird, ist darin aufgehoben, dass in den Menschen das Leben zumindest in der Idealität der Erlebnisse bewahrt ist. Es erfährt in ihnen dadurch Wert, dass sie sich selbst als Wahrheit nehmen, wie sie sie für sich haben, als Selbstgefühl, worin sich alle wirklichen Gefühle sinnlich vereinen und worin sich die Wahrnehmungen in den Menschen einfinden, zusammenfinden und also als Selbstgefühl wirklich empfunden werden.

Der Selbstwert ist also eine zu eigener Ästhetik hoch verdichtete Einheit der Selbstgefühle, durch welche sich auch ein kulturellen Zusammenhang der Menschen bilden lässt. Hierin wird auch alles Erleben bewertet, wie es nach dieser Ästhetik. bestimmt ist und wonach es sich daher idolisiert. Die Idole des Erlebens treten daher auch wirklich auf in öffentlichen Figuren, Stars oder Musiker, welche "en vogue" sind, wenn sie die Wogen des Zeitgeistes als Gefühl oder Mode darzustellen verstehen. Oft wird gerade Musik dazu benutzt, eigene Ästhetik als Selbstwert zu entwickeln. Es entwickelt sich in jedem so auch die Kunst, sich selbst als Selbstgefühl zu erleben und darzustellen, für viele Menschen eine überlebensnotwendige Kunst. Besonders in jungen Jahren werden von daher Diskotheken und Parties zu Kultstätten dieser gefühlsnotwendigen Selbstbildung.

Wer sich hierdurch in seinen zwischenmenschlichen Beziehungen beherrschen kann, vermittelt durch das Wahrnehmen anderer Menschen nun eine Identität in sich, die ihm durch seine darin und in aller Leere gefühlten Bedeutsamkeit über alle Zweifel hinweg hilft, welche das "In-der-Welt-Sein" aufwirft. Seine Beziehungen vollziehen sich dann in den entsprechenden Bedeutungen und bestimmen hieraus die Bedürfnisse nach anderen Menschen, wie sie der Ausdehnung seiner Bezogenheit entsprechen, wie sie eben räummlich da sind. Solche Wahrnehmung ist voller Erlebensinhalte, die für sich aber keine andere Wahrheit als ihre körperliche Lebensgestalt haben und nur den Raum erfüllen, der den Ereignissen darin entspricht. Wahrnehmung aber kann so nicht mehr wirklich sein. Die Wahrnehmungswelt, wie sie jenseits aller Wahrheit ist, die Menschen in ihrem Leben wirklich haben und vollziehen, wird auf diese Weise zu einer eigenen aparten Lebenswelt, zu einem durch die Wahrnehmung selbst gestalteten Lebensraum.

Kultur ist hierdurch Raum für eigene Bedeutsamkeit geworden, für Kulturgüter, welche die Menschen selbst ausmachen, Güte, die nicht mehr ohne die Menschen sein kann, die einander auch in Güte nur begegnen können (oder dürfen), weil ohne dies der nackte Selbstzweifel herrschen würde. Alle Empfindungen und Gefühle haben hierdurch eine äußere Form, in welcher ihre Subjektivität allgemein zu einem Selbstwert aufgehoben und bestimmt ist, worin sich die Menschen für alles erdenkliche Erleben - und nur für dieses - gut sind. Sie erscheinen darin nun selbst als Figurationen des Raums, selbst gegenständlich, objektiv und wirken voll allgemeiner Bedeutsamkeit auf die Menschen zurück, bewirken ihre Subjektivät zu einem allgemeinen Verhältnis, worin sich alle darin gleich sind, sich durch die Beziehungen auf andere in ihrem Selbstwert zu begründen, in weelchem sie ihre Beziehung auf sich durch die Beziehung auf andere wahrhaben. Hierdurch wirken sie vor allem aus sich selbst heraus begründet, urtümlich, archetypisch. (44)

In der Naturalform des Raumes verschwindet jede Klarheit und Erklärung. Was in bestimmten Wahrnehmungsverhältnissen einfach durch ihre Beziehungen sebst erklärt war, wird jetzt dadurch übermenschlich, quasi metaphysisch, dass dies wie eine Naturbestimmung der Selbstwertigkeit erscheint, dass die Menschen darin sich von Natiur aus bedeuten, was sie durch die Natürlichkeit ihres körperlichen Daseins von einander wahr haben. Räume selbst schon können bedrohlich wirken, einen Menschen verkleinern, ihn überhöhen und vieles andere mehr. Aber sofern Menschen darin ihre zwischenmenschlichen Beziehungen bewahren können, werden solche Kulturräume zur Heimstatt ihrer Selbstwertigkeit. (45)

Im Erleben bestimmt der Raum selbst schon das Wohlgefühl und weitet oder verengt Gefühle, welche sich dieser Abstraktion überlassen, bis ins Unendliche. Gefühle werden auf diese Weise kultiviert, werden selbst objektiv, haben objektive Gestalt und sind als solche auch verwendbar, nutzbar und verwertbar. Gefühle werden hierbei selbst übergeschichtlich, von ihrem Leben vollständig unabhängig, ontologisch. Sie werden, was Esoterik dann schließlich auch als kosmisches Leben zu entdecken vermeint. Das Erleben in solchem Lebensraum erscheint dann wieder leidenschaftlich, weil darin die Menschen ein Leiden entdecken, das sie nicht wirklich leiden müssen. Der Raum als solcher beeindruckt die Wahrnehmung, verschafft Gefühle, die ohne dies nicht wären und die allerdings auch nicht weit darüber hinaus kommen, wenn sie keine Menschen antreffen, durch die sie zum Selbstgefühl werden. (46)

Selbstgefühl entsteht nun erst wirklich in der Reflexion der Wirkung, die ein Mensch auf andere hat und die er für sich so empfindet. So wie er diese auch als Eindruck wahrhat, fühlt er sich selbst, auch ohne dies sonderlich als Gefühl wahrzunehmen. Das Selbstgefühl ist die Form der Selbstwahrnehmung unter anderen Menschen, der Erfolg des eigenen Ausdrucks, wie er sich im Erleben der Selbstwahrnehmung einstellt. Von daher wird ein hierdurch bestimmtes Selbstgefühl zu einer Selbstverständlichkeit in den entsprechenden zwischenmenschlichen Beziehungen, in denen sich dieses dann schließlich auch in der Selbstwahrnehmung verselbständigt.

Durch die Kultivierung der Wahrnehmung zu einem räumlichen Erleben wird der Raum selbst wertvoll, zur Form einer Wahrheit des Selbstwerts, der durch die Menschen getragen wird, die sich hierin treffen. Er schein ästhetisch und bekommt Macht durch die Allgemeinheit seiner Abstraktion gegen die ungelebte Wahrnehmung. Die Welt wird in der kultivierten Wahrnehmung als Erleben im Raum zu einer mächtigen Lebensform. Nicht mehr der Zusammenhang des Weltgeschehens macht die Wahrnehmung aus, sondern hiervon lösgelöst der Zusammenhang der Erlebnisse als Werte des Selbstgefühls. Wie sich dieser Zusammenhang in den Menschen als Zusammenhang ihrer Sinne in einem bestimmten Lebensraum bildet, so fühlen sie sich selbst darin auch als Mensch. Doch dieser ästhetische Zusammenhang sieht weitgehend ab von dem, was die Sinne wirklich sind, d.h. welche Wirkungen sie aufgreifen und für sich zu ihrer Erkenntnis entwickeln, dem Akt ihres geschichtlichen Seins. Was ihnen im Widerspruch zwischen Empfindungen und Gefühlen zum Zweifel in diesem Prozess geraten müsste, wird im bloßen Erleben zu einer Einheit der Selbstgewissheit erhoben, die als Selbstwert über alle Tätigkeit erhaben ist. Was immer die Ereignisse des Erlebens hervorbringt, als Erlebnis ist es lediglich eine Art und Weise des Wahrnehmens, Leidensform für sich. Das Erlebnis bietet als räumliche Dimension Selbstgewissheit, die keinen Grund hat außer dem Zusammentreffen von Ereignissen in einem bestimmten Raum, in welchem sie die Sinne in Bewegung versetzen wie es dieser Raum zuläst, ohne dass sie damit "fertig werden" können oder müssen, ohne dass sie also hieraus eine zusammenhängende Entwicklung eingehen, in der sie sich verändern und bilden und ausbilden würden. Das Raumerlebnis ist die nahe gekommene Wahrnehmung, worin das Gefühl in der Empfindung lebt. Es hinterlässt keine andere Spur im Menschen, als die Erinnerung und das Mangelgefühl einer mit dem Vergehen des Erlebens auch abgebrochenen Geschichte, abgebrochene Zeit im Raum, wie er die Wahrnehmung bestimmt. Diese Bestimmung ist unmittelbare und krasse Wirklichkeit des Erlebens, auch wenn sie nicht wirklich wahr sein kann.

Die Wahrnehmung selbst wird im Raum zeitlos und entzieht sich von der Wirklichkeit der Lebenszusammenhänge. Das Raumerlebnis hinterlässt keinen Sinn. Es hinterlässt ein Gefühl der eigenen Leere und erzeugt aus dem Nichts heraus das Bedürnis, mehr und intensiver erleben zu wollen, Eindrücke zu sammeln, öfter und näher in der Wahrnehmung "dran zu sein". Nichts kann für diese Erlebniswelt nah und eindrücklich genug sein. Was damit im Gedächtnis verbleibt ist die Dichte der Ereignisse, die erlebt wurden. Durch die Masse an Eindruck, den diese Dichte verschafft, entsteht ein völlig andersartiger Zusammenhang der Erlebnisse, der auch selbst zu einer räumlichen Gestalt des Gedächtnisses wird. (47)

Indem die Menschen dem Erleben nachgehen, verkehrt sich ihr Gefühl, das objektiv beeindruckt ist, zu einem Subjekt ihrer Erinnerung. Diese bildet sich aus allem, was es wahrhat, was die Allgemeinheit seiner Gefühle ausmacht, seine Bedeutungswelt im vertraut gewordenen Raum - nicht mehr aus den Wahrnehmungsinhalten heraus, sondern aus deren Ereignishaftigkeit in vorgegebenenen Dimensionen. So entsteht ein Zusammenhang in den Menschen, in welchem die Wahrnehmungen nach einem inneren Sinn zusammengefügt sind, der nichts mehr mit dem zu tun hat, der für die Wahrnehmung tätig war. Die wahrnehmenden Sinne werden als Sinn des allgemein Wahrgehabten räumlich erlebt und diese Art und Weise ihrer Räumlicchkeit bestimmt, wie die Wahrnehmung selbst wahrgehabt wird. Die Erkenntnis fällt im Erleben in sich selbst zusammen, wird zur eigenen Wirklichkeit, zur Wirkungswelt der Selbstwahrnehmung.

Wie im Menschen, so ist es dann auch außer ihm. Für ihn entsteht eine Kultur der Ereignisproduktion, eine Eventkultur, in welcher das Erleben zu einem gesellschaftlichen Zusammenhalt gebracht wird, zu etwas, was alle Menschen wahrhaben, was sie bewegt und beschäftigt, gleich welchen Sinn sie dafür und welchen Sinn es für sie wirklich hat. Aus ihrem bloßen Zusammentreffen, aus den zufälligen Geschehnissen ihrer Anwesenheiten, entsteht eine kulturelle Wirklichkeit, die nichts im Sinn hat außer der Verdichtung von Wahrnehmung, Bewegung der Sinne, Erregung und Befriedung im Selbsterleben. Der Sinn für sich tritt im Erleben selbst in die Wirklichkeit ein und verschafft sich die Welt, in der er sich in Bewegung hält, in einer Bewegung, in der er sich ausbildet ohne Sinn zu entwickeln.

So gewiss die Ereignisse des Lebens sind, so ungewiss verbleiben sie im Erlebnis, weil sich darin nur identitätslose Sinne in ihrer Erlebensform zusammenfinden können zu einer verobjektivierten Wahrnehmung, die alles übertönt, was wahr gehabt wird. Hierdurch verlieren sie ihre subjektive Wahrnehmung, die Empfindung ihres Lebens in ihren wirklichen Lebensverhältnissen. Ihnen sebst wird jeder konkrete Sinn abgesprochen, weil und sofern sich darin nichts mehr an Leben vermittelt, sondern Leben selbst als Form, als Problem einer Gestaltung genommen wird. Eine gute Gestaltung der Erlebnisse gilt dann als gutes Leben: und so scheint jeder Mensch nurmehr das Schicksal seines Lebensgestaltung zu tragen. Sein wirkliches Leben ist dadurch zwar nichtig gesetzt, aber es wird zugleich als seine Lebensgestaltung - so objektiv die auch bestimmt ist - zu einer Form seiner Subjektivität, zu seiner Lebensform.Im Erleben streifen die Menschen ihre Nichtigkeit ab. Ihre Wahrnehmungen werden zum Gegenteil der ihnen zugrunde liegenden Identitätslosigkeit: Zu Selbstgefühlen, die als Grundlage der Selbstverwirklichung der in ihrer Erkenntnis isolierten und auf ihr Erleben reduzierten Menschen gilt. Darin gestaltet sich die von den Menschen abstrahierte Kultur und bietet sich als Mittel der Politik mit ihr. Die Selbstwahrnehmung ist Grundlage und Resultat eines Abstraktionsprozesses der Kultur, der Kultur des Besitzstandes, bürgerliche Kultur. Darin verwirklicht die Wahrnehmung als Ästhetik der Selbstbezogenheit die politische Bestimmung dieses Standes, Wertbestimmung der Selbstwahrnehmung.

Die Sinnesgestalt, der Körper, hat daher jetzt Wert durch sich selbst, bildet Selbstwert und wird so zum Geld des Selbstgefühls. Darin findet es wirklich einen allgemeinen Sinn, einen abstrakten Sinn, der allem gemein ist, weil er als menschliche Naturgestalt erscheint. Sofern sich diese mitzuteilen versteht, teilen die Menschen darin die Natur ihrer Selbstgefühle mit. Ihr Verhältnis besteht nicht mehr aus dem, worin sie sich wirklich aufeinander beziehen, sondern aus der körperlichen Beziehung, in der sie ihr Selbstgefühl jenseits aller sonstigen Empfindungen und Gefühle verwirklicht finden. In ihrem körperlichen Sein verwirklichen sie ihr Fürsichsein, erleben sie sich selbst als ausschließliche Wirklichkeit.

Für die Wahrnehmung ist das ein Salto mortale, eine Umkehrung ihrer ganzen Wahrheit. Sie nimmt körperlich durch andere wahr, was sie von sich wahrhat. Sie nimmt sich selbst wahr als das, was sie an anderen bewirkt. In der Abtrennung von ihren Empfindungen verspürt sie sich selbst wesentlich anders, wie ein anderes Wesen, das sich zu seiner Natur nur so verhalten kann, wie es außer sich ist.

Ein Körper ist in Wirklichkeit immer ein Einzelwesen; Sinne enstehen nur in der gesellschaftlichen Beziehung der Menschen, der Generationen und Kulturen. So einzeln wie Wirklichkeit körperlich erlebt wird, so gesellschaftlich ist sie zugleich. Aber für den Selbstwert gilt nur die Lebensgestalt, wie sie erscheint. Gleich, welche Geschichte Menschen in und mit ihren Selbstgefühlen hatten, in der wechselseitigen körperlichen Einvernahme ihrer stillen Wahrheit können sie sich immer in dem Sinn aufeinander beziehen, in welchem sie sich nahe kommen - sei es ihr Geschlecht, ihr Geschmack, ihre Sicht, ihr Gehör usw. Sie erleben zwar nur sich im anderen, aber dafür teilen sie mit ihm ihr Wesen, teilen sich wesentlich mit. Für ein Leben im Selbsterleben würde das ausreichen, wenn es hierdurch nicht für sich selbst sinnlos werden würde. Das die Menschen ihre Sinne in ihren selbstwertigen Gefühlen nicht wirklich aufeinander beziehen, erleben sie wesentlich nur die Sinnlichkeit anderer Menschen, leben sich durch äußerliche Sinnesgestaltungen. Indem jeder Mensch seinen Sinn im anderen erlebt, hat er ihn nicht mehr für sich, bildet keine sinnliche Geschichte durch sich, sondern findet abstrakten Sinn in seiner Geschichte durch andere. Indem er sich nur selbst in zwischenmenschlichen Beziehungen erlebt, erfährt er in Wirklichkeit seine Sinnlosigkeit.

Lediglich in seiner Körperform ist er noch wirklich in Beziehung auf andere Menschen. Darin erlebt er sich wirklich ausschließlich unter ihnen und darin erscheint ihm seine Beziehung auf sie allgemein menschlich. Vermittelst seines körperlichen Daseins ist er ein wirklich allgemeiner Mensch - nicht wie geboren, aber wie geworden, nicht konkret, aber abstrakt. Durch sein körperliches Verhältnis zu anderen Menschen reizt er diese wie sich selbst. Es ist wie eine permanente Selbststimulation: Der unentwegte Anreiz hat seinen eigenen Sinn als Körper und vertreibt jedes Gefühl von Sinnlosigkeit. Er bewegt sich zwischen sich und anderen in körperlicher Begeisterung allgemein und wechselt hiernach auch seine Beziehungen. Was nicht wirklich körperlich auftritt, kann niemanden reizen und bleibt der zwischenmenschlichen Beziehung verschlossen. Und was hier nicht zugehört, das muss dann draußen bleiben, entzieht sich der Aufmerksamkeit. Die zwischenmenschlichen Beziehungen gelingen auf Dauer nur in dieser Allgemeinheit, und wenn sie nicht mehr allgemein sind, wenn sie ein Verhältnis zur Geschichte anderer Menschen verlangen, dann eigenen sie sich nicht mehr für das Selbsterleben. (48)

Es ist das körperliche Selbsterleben in zwischenmenschlichen Beziehungen nicht Bosheit oder Flachheit einzelner Individuen, sondern gesellschaftliche Beziehungsform in einer Lebenswelt, worin die Menschen keine andere gesellschaftliche Wirklichkeit mehr haben, als die ihres körperlichen Daseins. Innerhalb der Möglichkeiteswelt vergeldlichter gesellschaftlicher Lebensbedingungen haben sie keine andere wirkliche gesellschaftliche Form, worin sie teilen und sich mitteilen können, weil ihre Welt in der Notwendigkeit untergangen ist, Geldbesitz zum gesellschaftlichen Maßstab zu machen, weil sie eben nicht mehr andres da ist. Weil das Kapital in eine Dienstleistungsgesellschaft nur Geld als gesellschaftlichen Zusammenhang zur Verfügung stellt, können die Menschen darin auch nur nioch durch sich selbst hindurch fühlen, was ihr Leben ausmacht, was sie beglückt, verärgert und Sinn vermittelt.

Ihr körperliches Dasein selbst erscheint daher auch als Lebensspender, denn das Leben selbst hat hierdurch keine Geschichte, sondern besteht nurmehr durch schlichte körperliche Begebenheiten und erscheint mit dem Körper selbst gegeben. Den Menschen erscheint ihr körperliches Sein daher auch als ihr ausschließliches Menschsein, als ihre wirkliche Menschlichkeit. Allen gemein ist, das sie körperlich sind, weil sie Körper haben. Und sie verspüren darin ihr Leben als das, was sie durch ihn erleben. Im Körper erscheint das Leben allgemein als Gegenteil von dem, was es im Einzelnen ausmacht. Da ist es Geschichte, die bewirkt und daher auch körperlich wirklich ist. Alle einzelnen Ereignisse bringen Glück wie Unglück, können die Menschen sich ihrer selbst vergewissern oder sie verunsichern. Identoität finden sie darin nicht. Aber sie finden diese in ihrem allgemein körperlichen Sein als Teilhaber der Lebenswelten durch ihr körperliches Sein. Im Körper als solchen lassen sich alle Erlebnisse allgemein beziehen, als verallgemeinertes Ereignis zum allgemeinen Körperereignis machen, durch welchen die Menschen sich selbst nahe kommen. Was sie körperlich sind, wird zu einer Dramaturgie ihrer Körperreize, zu einem Himmel der Vorstellungen von dem, was ihre Körper ihnen an Nähe zu anderen und zu sich vermitteln sollen. Und in den Vorstellungen verbinden sich ihre Hoffnungen, wie sie in einer Welt doch zu sich kommen können, die ihnen ansonsten nichts und nichtig bliebe.

Sie wissen sich längst in der Welt von sich selbst getrennt, ausgeschlossen von jedem Sinn, den ihr Leben dort haben könnte. Und im Maß der Ausschließlichkeit dieses Befunds werden ihre Empfindungen dort schal und öde. Nur ihr Körper bleibt als Welt für sie wirklich. Und sie vergöttern sich als menschliche Körper in dem Maße, wie sie darin ihre Ausschließlichkeit körperlich erfahren, sich ausschließlich menschlich erleben, in ihrer bloßen körperlichen Existenzform. Dieses Allgemeingefühl des Menschseins macht den Selbstwert aus, der hierbei entsteht. Er ist getrennt von jeglichem wirklichen Empfinden und fühlen und reduziert sich auf die reine Form, in welcher alle wirklichen Beziehungen auf sich selbst reduziert sind. Von da her erscheit die Mühe der Welt hier auch völlig unnötig, denn das eigene Sein erscheint als nichts anderes mehr, als das reine natürliche Sein der Körperlichen schlechthin.

Von daher versammelt sich in jedem Körper eine Welt der Selbstgewfühle, die dadurch Selbstwert bilden, dass die Menschen darin eine Natur erfahren, die sie in der Welt längst nicht mehr haben können. Ihre Regungen, die sie in ihren vielfältigen Beziehungen auf andere Menschen nicht mehr verwirklichen können, regt sich in ihnen wie eine Naturgestalt, worin ihre Beziehungslosigkeit ihre gesellschaftliche Form bekommt. In ihrer körperlichen Gestaltung gestalten sie nicht nur ihr Leben, sondern ihre ganze Welt.

Diese Tatsache macht den Körper selbst zur Welt, seine natürliche Gestalt zum Welterleben schlechthin. Und dies macht schließlich auch den Fetischismus aus, welcher in solcher Kultur dem Körper gezollt wird. Er ist die Lebensform dessen, was durch Geld abwesend gemacht worden war: Nackter Sinn für sich.

Aufklärung

Zweifel

Selbstwert



Fußnoten:


(0) Empfindung unterstellt Gegenständlichkeit, die ihren Inhalt ausmachen. Sie ist alleine schon dadurch gegenständlich, dass sie sinnliche Gegenstände im Sinn hat, also auch sich selbst. Immer aber ist der empfindende Sinn notwendig anders als der gegenständliche. Dieser steht ihr immer gegenüber, auch wenn sie ihn selbst erzeugt (siehe Selbstempfindung).

Die menschlichen Sinne sind nicht ohne den Menschen tätig. Jeder Sinn ist abhängig von der ganzen Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung. So kann ein Mensch z.B. im Wahnsinn gänzlich anders riechen, sehen und hören, weil seine Gegenwärtigkeit hierdurch bestimmt ist. Umgekehrt können Sinne ihre rein physiologische Funktion durchaus übertrumpfen, wenn z.B. Blinde auf ihre Weise "sehen", indem sie das Zusammenspiel anderer Sinne hierfür ausbilden. Empfindung betrifft immer den ganzen Menschen. Ihm wird in der Empfindung zugleich der Zusammenhang seiner Sinne gegenwärtig, die sich in ihr bilden und sich in ihren Eigenschaften und Fähigkeiten gewiss machen (siehe Sinnbildung), sich darin ihrer selbst vergewissern. Von daher entsteht ihr Wissen immer auch aus der Gewissheit eines empfundenen Gefühls.

Das Gegenübersein ist gegenständliche Wirklichkeit, die in der Empfindung schon bezogen ist, indem sie darin wirkt. Ich empfinde eine Sache oder einen Menschen oder mich, wie sie oder er auf mich wirkt oder ich auf mich wirke. Und solange diese Wirkung anhält, habe ich noch kein Gefühl hierzu. Empfindung ist immer wirklich gegenständlich, weil sie immer ein wirkliches Gegenüber hat, auch wenn ich das selbst sein kann. Sie unterstellt immer zweierlei Gegenwärtigkeit von Sinn.

Im reinen Gegenüber ist sie noch äußerlich und doch schon Inhalt, denn empfinden können wir nur, was für uns Sinn hat, sinnlich ist und unseren Sinnen entspricht. Alleine schon dadurch, dass unsere Wahrnehmung hierdurch - also in ihrem Sinn - gebildet ist, ist unsere Empfindung nicht nur unmittelbar, sondern auch das Dasein von einer kulturellen Geschichte, welche von der Naturempfindung bis in unsere Wirklichkeitserfassung fortentwickelt ist. Wir können daher immer nur empfinden, was in unserer Natur steckt (im Unterschied z.B. zu Strahlungen, für die wir keine Gewissheit und also keine Empfindung haben). Aber was wir empfinden, welche Töne, Farben, Geschmäcker usw. wir gut oder schlecht finden, ist deren natürlicher wie auch kultureller Inhalt.

Empfindung ist die Grundlage jeder Erkenntnis, lebendige Gegenwärtigkeit einer Beziehung, entstanden durch das Finden von jemanden oder etwas, das darin sich als Sinn einer Beziehung mit Wirkung auf den Menschen offenbahrt. Die Empfindung ist die Gewissheit einer Begegnung, in welcher die Sinne wirkliche Kenntnis nehmen, Wirkung auf sich verstehen. Das Gegenübersein unterstellt gegenständliche Wirklichkeit, die in der Empfindung schon bezogen ist, indem sie sich darin ihrer Kenntnis gewiss wird, ihre Wirklichkeit erfährt.

Empfindung ist der Sinn für Wirklichkeit überhaupt. Ich empfinde eine Sache oder einen Menschen, wie sie oder er auf mich wirkt. Solange diese Wirkung anhält, bin ich nicht nur meiner Wahrnehmung als unmittelbare Wahrheit, sondern auch meiner selbst sinnlich gewiss, ohne dass ich hierbei als Mensch in dieser Gewissheit bewahrheitet bin. In der Empfindung habe ich noch nicht unbedingt ein Gefühl für meinem Gegenstand. Empfindung ist zwar immer wirklich gegenständlich, weil sie immer ein existentes Gegenüber hat, das auf mich in irgendeiner Weise wirkt. Darin ist sie aber noch äußerlich, schon Inhalt, aber doch nur in einer Form für sich. Empfinden können wir nur, was für uns Sinn hat, sinnlich ist und unseren Sinnen entspricht, aber erkannt ist dies damit nicht. Zwar besteht alleine schon dadurch, dass unsere Wahrnehmung in ihrem Sinn gebildet ist und also Sinne hierfür hat, eine natürliche Beziehung zu einem Gegenstand. Aber unsere Empfindung bleibt in dieser Befangenheit einer unmittelbaren und zugleich äußerlichen Beziehung noch bloße Naturempfindung.

(0a) Die Erkenntnis dessen, was Menschen wahr haben, setzt die Wahrnehmung von dem voraus, was so ist, wie es erscheint. Dies ist eine Tätigkeit der Sinne, das bloße Auffassen, Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und so weiter. Ist diese selbst schon unmittelbar eins mit dem Menschen, sind ihre Gegenstände wesentlich das, als was sie erscheinen, sind sie also wahr, so muss auch nichts hiervon Unterschiedenes erkannt werden. Unnötig, von Erkenntnis zu sprechen, wenn die Dinge für den Menschen sind, wie sie als Sache auch von ihm empfunden werden; der Apfel als Apfel, der Baum als Baum usw. Erst wenn eine dem fremde Beziehung hinzukommt, wenn z.B. der Apfel dem Baum der Erkenntnis zugehören soll, wird er ein anderer für den Menschen.

(0b) Kultur ist der Sinn, den Menschen für einander und in den Gestaltungen ihres Lebens aus den Stoffen ihrer Natur bilden und in ihrer Lebensgestaltung bilden und vergegenständlichen. Er verwirklicht sich in ihrer Geschichte, die Sinnesgeschichte ist, Sinnbildung der Menschen im Reichtum ihrer Gegenstände. Und diese bewährt sich in ihrer Lebensweise in ihren Notwendigkeiten, aus denen sie ihre Freiheit schaffen, - durch ihr Tun und Lassen, durch ihre individuellen und gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen sie sich äußern und hieraus ihren Sinn für sich und für einander bilden, zu einer gesellschaftliche Naturmacht geworden sind.

Dieser Sinn bestimmt sich in diesen Verhältnissen und ihren Sachen fort, wie er sich wiederum auch hieraus erneuert, durch die Interessen und Bedürfnisse und Fähigkeiten der Menschen neue Bestimmungen erhält - gleich, ob die darin bestehende Gegenständlichkeit nützlich oder unnütz, schön oder hässlich ist. Er ist die Tätigkeit ihres Lebens selbst, Grund ihres Schaffens, ihrer Arbeit, ihrer Erkenntnis und ihrer Gegenwärtigkeit. Was die Menschen äußern, das sind sie. Ihre Wahrheit ist ihre Lebensäußerung, ihre Lebensgegenständlichkeit. Und diese ist der wahre Gegenstand ihrer Empfindungen.

Sachen sind von Menschen produzierte Gegenstände, Bedürfnisse nach diesen daher auch so sachlich wie ihre Wahrnehmung von diesen auch ist. Darin finden sie bestätigt, was sie zu ihrer Erzeugung entswickelt hatten. Die Empfindung ihrer Eigenschaften entspricht dem Gefühl, das sie zu ihrer Produktion befähigt hatte. Weil und sofern Mensch wie Sache in Gesellschaft sind teilen sich Menschen darin auch die Lebensform ihrer Verwirklichung, die Eigenschaften und Fähigkeiten ihrer Sinne mit. Wo Menschen aber in der Trennung von ihrem wirklichen Gegenstand, in der Verselbständigung ihrer Kultur im Jenseits ihrer gegenständlichen Verhältnissen nach Menschen verlangen, beziehen sie sich nicht mehr auf Produkte als ihre wirklichen Gegenstände. Ihre zwischenmenschliche Beziehungen bestehen hier aus Wahrnehmungen, worin sie ihren Lebensausdruck als ihr Leben zwischen Menschen empfinden.

(1) Kapital ist objektiv ein Geldverhältnis und subjektiv die Beziehungsform des Geldbesitzes. Ein Lebenszusammenhang, der durch Kapital begründet ist, besteht selbst schon aus reinen Geldbeziehungen, also von einem Dasein des Geldes als Lebensgrundlage. Von daher gelten die besonderen stofflichen Bestimmungen des Warenbesitzes hier nicht wirklich. Im Gegenteil: die Notwendigkeiten des Lebens erscheinen hier als bloße Belastung, weil sie keinen Sinn im Geldbesitz haben. Selbst wo die Lebensbedingungen offensichtlich sind und in Wirklichkeit gesellschaftlicher Mangel entsteht, wenn sie nicht besorgt werden (z.B. Milcherzeugung, Fischerei, Handwerk, Ackerbaus usw), ist es oft günstiger, sie nur durch Geld beizuschaffen, wo Geldbesitz die Macht hierüber hat. Die Kultur des Geldbesitzes ist die Kultur der Verfügungsmacht des Geldes über das Leben, das dadurch wahrgemacht, also erlebt werden kann.

Das Lebensverhältnis der Menschen in solchen Gesellschaften ist also kein gegenständliches Verhältnis, das sie durch ihr Tun bewirken, sondern ein Verhältnis, welches in ihren Erlebnissen selbst verursacht ist, in Erlebnissen, die sich so ergeben, wie sie in den allgemeinen Besitzverhältnissen des Geldes, also dem Geldbesitz selbst möglich sind. Es ist das Verhältnis der Lebensmöglichkeiten jenseits der Lebenserzeugung, jenseits des gegenständlichen Lebens, jenseits menschlicher Gegenstände, also das Verhältnis zwischen den Menschen. Was sie darin von einander haben, das haben sie durch das, was sie füreinander sind. Was sie von sich als Mensch erkennen und bestätigt finden, ist, was sie für sich und füreinander empfinden und worauf sie sich durch ihre Gefühle beziehen. Ihre Beziehung selbst besteht aus dem, was sie durch einander wahrhaben und für sich wahrnehmen. Was ihnen an Leben gegeben ist, das scheint durch ihr Erleben begründet zu sein.


(2) Solche Kultur setzt die leibliche Lebenserzeugung, die Erzeugung der Lebensmittel für die Bedürfnisse der Menschen und deren Erwerb voraus, sei es durch das schon vorhandene Geld für die Produkte, die Gegenstände des eigenen Bedarfs, sei es in Form von Kapital, wodurch über die Existenz der Menschen verfügt wird, die dieses Geld nach wie vor durch Lohnarbeit erwerben, beibringen oder erzeugen müssen. Die stofflichen Lebensgrundlagen sind in solchen Gesellschaften selbstverständlich. Ihr Inhalt muss sich daher auch von selbst verstehen, also unabhängig von seiner Entstehung und Herkunft aus der Produktion dieser Gegenstände des unmittelbaren Lebensbedarfs sein.

In dieser Unabhängigkeit trägt das Leben die Bestimmungen des Kapitals in sich, nicht als Gewinn oder Beute, sondern als Verlust der menschlichen Bestimmtheit, als beständiger Mangel an Zeit und Sinn, als Lebensnot, die keine Notwendigkeit zu haben scheint, die sich selbst nur ereignet, weil sich ihr Mangel nicht erweisen lässt, weil sie nur ungewiss sein kann, eben nur bestimmungslos erscheint, als eine Not die unnötig, im Grunde schon über sich hinaus ist.


(2a) Eine Einverleibung von Leben erscheint erst mal absurd, wenn Leib und Leben wie eigenständige Wesenheiten unterstellt werden. Natürlich lässt sich nicht das Leben substanziell einverleiben, weil es selbst schon der Substanz nach leiblich ist. Aber das Leben gibt es nicht als das Leben, sondern als Äußerung von Lebendigem, das Bewegung und Kraft und Geist und Sinn hat und als dieses unendlich inhaltreich ist. Die Lebensinhalte selbst können nicht Inhalt theoretischer Reflexion sein, wohl aber die Form, in der sie auf- und untergehen, soweit diese Form für sich Bestand hat, soweit das Leben also formbestimmt ist. Einverleibt wird darin Lebensinhalt soweit er in dieser Form seinen Leib findet, weil und sofern er keine eigene Form hat.

Wo Leben einverleibt wird ist es selbst ein bloßes Mittel, also nicht unmittelbar wirklich, wohl aber möglich. Es besteht aus der Vermittlung über Erlebnisse, die unmittelbar sich ereignen und für sich grundlos erscheinen, weil sie unnötig erscheinen - eben nur möglich sind. Der Lebensgrund selbst erscheint als eine bloße Gegebenheit, eine Selbstverständlichkeit des Daseins in einer gegebenen Welt, unbedingte Lebenstatsache. Die Menschen haben sie in den Möglichkeiten ihrer Beziehungen wahr, ohne darin ihre Lebensbedingung wahrzunehmen. Weil ihnen in solchen Beziehungen nichts gewiss sein kann, bleiben sie auch für sich selbst ungewiss, erleben sie sich selbst mit ihren Begierden und Hoffnungen nur von ungefähr und sehen ihr Glück darin, dass ihnen zufällig das realisierbar ist, was sie ohne Gefahr für sich wahrhaben, was ihrer Wahrnehmung dadurch Sinn verleiht, dass sie sich in ihren Begebenheiten und mit ihnen so identifizieren, wie sie ihre Möglichkeiten interpretieren können.


(3) In der Vereinseitigung der menschlichen Lebenswirklichkeit zu einem rein kulturellen Verhältnis der Wahnehmung und Selbstwahrnehmung besteht ihr Sinn zwar nicht gegenständlich, nicht als Sinn gegenständlicher menschlicher Verhältnisse, wohl aber als Sinn menschlicher Beziehungen, als Sinn, den die Menschen in ihren Beziehungen wahrhaben, als Sinn ihrer Kultur, der sich in ihrem Umgangs miteinander und durch einander darstellt. Er ist nur durch das wirklich sinnlich, was sich zwischen den Menschen ereignet, was sie für ihre zwischenmenschlichen Verhältnisse wahrnehmen und wahrmachen. Er ist nur durch die Wahrnehmung der Menschen, auch wenn sie ihn nicht wirklich gegenständlich wahrnehmen, wenn sie ihn nur empfinden, spüren oder fühlen können, ohne ihn selbst zu äußern. Es ist ein Sinn, den sie nicht durch sich und für sich geäußert haben, den sie aber außer sich in Beziehung bringen, indem sie ihn in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen für sich wahrmachen. Wie ihre Kultur auf sie wirkt, so erscheint ihnen die Welt, die sie wahrhaben. Aber es ist nicht nur die Welt, die ihre Wahrnehmung ausmacht. Es ist zugleich die Welt ihrer zwischenmenschlichen Verhältnisse, die sie wahrmachen. Was von den Menschen wirklich ist, hat insofern keinen anderen Sinn als den ihrer Wahrnehmung in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen, die zugleich Selbstwahrnehmung ist. Mit dieser identifizieren sie sich und von daher macht diese auch ihre persönliche Identität aus.

Alles, was menschliches Leben sinnlich ausmacht, die Momente ihrer Lebensäußerung, ihre unmittelbarsten Wahrheiten, ihre Liebe und Schönheit, ihr Witz und ihre Einfälle und alles, was Menschen zur Gestaltung und Entfaltung ihres Lebens hervorbringen, geht in der Kultur auf, auch wenn diese sich auf eine zwischenmenschliche Kultur reduziert, in der sich Menschen nur so erleben, wie sie aufeinander wirken. Aber in solcher Selbständigkeit wird ihre Wirklichkeit zu einer Kultur, welche Wirkung auf ihre Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung hat. Sie wird zu einer Wahrnehmungswelt, zu einer Welt von Wahrnehmungen, die für sich keinen anderen Sinn als den der Wahrnehmung selbst haben. Und ob sie darin ihre Gegenständlichkeit wahrnehmen oder sich nur selbst wahrmachen, erscheint darin ununterschieden. Es ist die Welt ihrer Zwischenmenschlichkeit, in welcher sie sich selbst verwirklichen können, die Welt ihrer Selbstverwirklichung jenseits aller anderen Wirklichkeiten.


(4) Durch Kulturgüter reflektieren sich die Menschen vor allem selbst als ästhetische Körperform. Die Kommunikationsforscher stellen lapidar fest, ohne für sich selbst fest gestellt zu sein, dass Menschen immer kommunizieren, wie sie sich kleiden, äußern, genießen usw. So einfältig diese "Erkenntnis", so zweckhaft wird sie, wenn man sie als Begründung ihrer Folge nimmt: Also sei es auch sinnvoll, sein Äußeres für eine "gute Kommunikation" zu gestalten, es selbst zum Medium des Designs zu machen. Was immer an Schönheit und Ausdruckskraft entstanden sein mag, wird hierdurch zu einem für das Design der Zwischenmenschen brauchbare Kulturgut, zum Medium reizvoller zwischenmenschlichen Beziehungen.

An sich entstehen Kulturgüter in den Kulturen der Menschen als menschliches Erzeugnis in ihrer gesellschaftlichen Geschichte. Es sind Produkte menschlicher Lebensäußerung einer Gesellschaftsgeschichte, die ohne dies über den bloßen Nutzen und die Vernutzung, also auch über ihre wirtschaftliche Bestimmung hinaus Bestand haben. Sie gehen nicht im Verbrauch unter und vernutzen sich nicht durch den Gebrauch. Ihr Sinn bleibt über jeden Nutzen erhaben und von daher im Vermächtnis und Gedächtnis der Welt erhalten, auch wenn ihr Gebrauch vergangen ist oder vielleicht noch durch Sachen existiert, deren Nutzwert, deren stoffliche Bedeutung für die Wirtschaft längst aufgehoben oder unendlich geworden ist, wenn er denn überhaupt existiert hatte. Es sind die Produkte, welche die Menschen im Lauf der Zeit geschaffen haben und die ihnen kulturell weiterhin entsprechen, welche also die unmittelbare Art und Weise ihres Daseins als Menschen ausmachen, gleich, ob sie nur aus Momenten der Erinnerung, zum Gedenken, zum Bedenken oder zur Erbauung oder auch aus bloßer Gewohnheit bestehen. Wesentlich an den Kulturgütern ist, dass sie für die Menschen als gut und schön gelten.

Aber als Form zwischenmenschlichen Erlebens werden Kulturgüter ausschließlich Gegenstände einer Wahrnehmung, welche dem zwischenmenschlichen Verhältnis der Menschen entspricht, welche also Zwischenmenschlichkeit so wahrmacht, wie sie für wahr genommen wird. Als solche kann Kultur nicht gegenständlich wahr, also in sich und mit sich identisch sein. Sie existiert in der Wahrnehmung nur in den Eigenschaften, die als Ausdrucksformen einer Zwischenmenschlichkeit wahr genommen werden, wie sie wahr gehabt wird. Ihr gegenwärtiger Sinn ist nicht als der wahr, der sich darin formuliert, sich als Kulturgut längst gestaltet hat. Das Kulturgut verlangt jetzt selbst nach einer Bestimmung, wird selbst zur Art und Weise des Menschseins und muss als diese auch hergestellt werden. Es ist ein eigens hierzu bestimmter Aufwand nötig, um Kultur zum Inhalt der Wahrnehmung zu machen, es ohne gesellschaftlich gegenständliche Geschichte in zwischenmenschlichen Beziehungen wahr zu haben, zwischenmenschliche Güte zu erlangen.

Das Kulturgut gilt darin selbst wie ein Zwischenmensch, ein Mensch, der zwischen sich und anderen gut sein muss. Die Gesellschaft dieser Verhältnisse wird zur Gesellschaft einer zwischenmenschlichen Begüterung, in welcher die Wahrnehmungen darin so bestimmt sind, wie sie hierfür erlebt werden, wie sie also zur Entwicklung einer guten Zwischenmenschlichkeit beitragen. Es handelt sich also bei solcher Wahrnehmung nicht um wirkliches Leben und wirkliche Lebensgegenständlichkeit, um die Wahrheit einer gegenständlichen Beziehung, sondern um die Art und Weise, wie sie zwischenmenschlich erlebt und als solches Erlebnis wahr genommen wird und als hierfür schön und gut sein muss.


(5) Wo dies nicht erkannt ist, wird Wahrnehmung ideologisch gerne gestützt durch die Wahrnehmungstheorien, die sie als reine Kognition ausgeben. So für sich genommen wäre der Wahrnehmungsprozess bloße Beschauung. Dieser aber könnte zu keiner Erkenntnis gelangen, wäre er nicht selbst eine Beziehung zu seinem Gegenstand, fände er also nicht unter Menschen, in gesellschaftlicher Gegenständlichkeit der Menschen statt. Ein Mensch nimmt in seiner Wahrnehmung etwas für sich wahr, was ihm zunächst auch als eigene Wahrheit gilt. Aber für den Prozess der Erkenntnis ist es gleich, was ihr eigentümlich und als Eigentum gültig ist, denn Wahrheit kann kein Eigentum sein und also auch nicht für andere als dieses gelten. Wahrnehmung ist selbst ein Moment des Seins und hat für sich keine eigene Wahrheit. Sie hat daher auch in der Sprache den doppelten Sinn, ein Ereignis für sich wahr zu machen, z.B. einen Termin wahrzunehmen, wie er zur Erfüllung zugeeignet ist, und einen Gegenstand zu nehmen, wie er ist, ihn aufzufassen und zu ergründen, was er ist und wozu er sich eignet. Wahrnehmung ist so subjektiv wie sie objektiv ist und kann selbst nur dadurch unwahr werden, dass ihr Dasein selbst bestimmt wird, dass der Gegenstand ihrer Bedürfnisse ihre Beziehung zu ihrem Gegenstand deformiert.

Zunächst erkennt die bloße Wahrnehmung also, dass etwas für jemanden wahr ist, das zugleich nicht wahr sein kann. Dieses ist schon darin unwahr, dass es nur für ihn oder sie so ist. "Es" kann nicht wahr sein, wenn es nicht für alle wahr ist auf die es sich bezieht, gleich, von wem es wahrgenommen wird und zu welchem Zeitpunkt und von welchem Standort. Die Wahrnehmung kann nicht bei sich bleiben, weil sie Beziehungen enthält, die sich darin auch wahr machen. Etwas ist erst wahr, wenn es sowohl für sich als auch für die Menschen das ist, was seine Beziehung wahr macht.

Es ist relativ einfach, darüber zu befinden, ob eine Wiese grün ist, so die Bezeichnung Grün identifiziert werden kann. Selbst ein Farbenblinder kann Grün erkennen, wenn er bestimmte Sinneseindrücke aus Wahrnehmungserfahrungen in diesem Sinn zu koordinieren versteht. Auch ist es nicht schwer herauszufinden was ein Baum ist und ob das ein Baum ist, auf das man sich bezieht. Ob es Baum oder Strauch sein könnte, sind keine Fragen der Wahrheit, sondern der sprachlichen Klarheit und Definition. Es handelt sich hierbei eigentlich nur um Umstände oder um sprachliche Ordnungen, wie sie mit dem Wahrnehmen befasst sind. Aber die Wahrnehmung selbst ist paktisch, unmittelbares Sein und ist in aller Regel vertraut mit ihrem Gegenstand, mit ihm geworden und gehört selbst zur angeeigneten Welt, worin der wahrnehmende Mensch geworden ist.

Anders ist es zum Beispiel, wenn er von dem ansonsten für andere Menschen Vertrauten weggesperrt war. Ihm steht erst die Erkenntnis bevor, dass der Baum Bestandteil seiner Welt wird, sobald er sich auf ihn widerstandslos und widerspruchsfrei einlassen kann.

Und sehr viel schwerer ist es, die Wahrheit darüber herauszufinden, was scheinbar unmittelbar zwischen den Menschen geschieht, die durch ihre Wahrnehmung selbst aktive Subjekte der Wahrnehmung sind. Nichts kann größere Tragödien hervorrufen als die Frage der Wahrheit beim Liebesschwur. Der einfache Satz "Ich liebe dich" kann als Wahrheitsfrage ein ganzes Leben bestimmen, verlangt seine Erkenntnis doch praktisch die Erkenntnis der ganzen Welt. Diese kann sich als machtvoll gegen die Wahrnehmnbarkeit verhalten, sich entziehen und verstellen, bedrängen und bedrohen.

Und so entsteht auch das höchste Wahrheitsproblem durch die Wahrnehmung von dem, was gar nicht so einfach wahrnehmbar ist, worin sich also die Sinne selbst widersprechen, nicht sehn, was sie hören (z.B. Stimmen hören), nicht hören, was sie sehen (z.B. Halluzinationen) oder gänzlich irre gehen (Irrsinn), sich in einer Persönlichkeit oder Zeit oder Welt einfinden, die es für andere gar nicht gibt. Würde man ihrer Wahrnehmung Wahrheit bestreiten, würde man sie zu Unmenschen machen, die eigene Wahrnehmung gegen sie mächtig machen und abschotten - und damit die eigene Wahrheit betrügen. Es ist gewöhnlich wohl das Schwerste, auch den Wahnsinn als Lebensform einer bestimmten Wahrheit zu begreifen. Diese wird oft erst dann auch für andere Menschen erkennbar, wenn die weite Vermittlung der Lebensbedingung der Wahrnehmung, die zum Wähnen werden muss, begreifbar gemacht wird und über die Brücken der vermittelten Wahrheit wirklich gegangen werden kann,


(6) Die Wahrheit als solche gibt es nicht. Sie besteht immer nur durch eine Reflexion, durch ein Objekt, das von einem Subjekt reflektiert wird, z.B. in einer Aussage oder einem Zeugnis oder einem Gefühl. Dieses ist für das Subjekt wahr, wenn es in der Wahrnehmung zweifelsfrei ist. Und nur diese Reflexion kann wahr oder im Zweifel oder unwahr sein. Von daher kann man allerdings umgekehrt auch etwas unreflektiert wahrnehmen, ohne für sich wahr zu sein und kann auch etwas wahrhaben, das man nicht wahrnimmt, wenn man es nicht reflektiert. Wahrheit hat kein unmittelbares Sein, kann also nur in etwas wahr sein als das, was es überhaupt und als ganzer Zusammenhang ist, den man wahrhat und wahr nimmt.

Wahrheit ist nicht "die Übereinstimmung von Gemeintem und Gegebenem" (Husserl). Weder eine Meinung noch eine Gegebenheit noch die Übereinstimmung von beidem kann wahr sein oder Wahrheit ausmachen, auch wenn sie zweifelsfrei ist. Jede Meinung ist als Meinung unbezweifelbar, ebenso jede Gegebenheit als Gegebenheit, und so auch die Übereinstimmung, die zufällig ist, weil beides zufällt. Nur durch die Wahrnehmung selbst steht Wahrheit in einem Bezug von Subjekt und Objekt und nur in dieser Beziehung kann sie überhaupt zur Frage stehen. Die Sache für sich ist so fraglos wie eine Kröte, die in einen Teich springt. Befragt werden kann sie nicht als Gegebenheit, sondern aus einer Beziehung heraus, aus der sie ebenso zur Disposition stehen kann wie die Wahrnehmung selbst. Wahrheit ist die Identität der Wahrnehmung mit ihrer Erkenntnis, also die Identität des erkennenden Subjekts mit dem, was ihm sein Gegenstand ist. Das macht die Wahrheitsfindung so objektiv, wie sie zugleich das Subjekt in seiner Vergegenständlichung, in seiner Objektivation bestätigt und bestärkt.


(6a) Wenn den Menschen die Gegenstände ihrer Wahrnehmung entzogen sind, werden sie sich selbst ungegenständlich. Was sie von sich wahrhaben wird zu einem Mangel gegen ihre eigene Gegenständlichkeit, zu einem Verlangen nach Gegenwart des Gegenstands, den sie wahrhaben, ohne ihn wirklich wahr zu nehmen. In der Wahrnehmung entsteht dann ein Bedürfnis nach Gegenständen, in denen sie finden wollen, was sie empfinden. Und was nicht wirklich für die Empfindung ist, muss daher für die Wirklichkeit der Menschen wahr gemacht werden, auch wenn es nicht wirklich wahr ist.

Wenn der Wahrnehmung menschliche Gegenständlichkeit entzogen ist, verlangt ihr gegenständliches Bedürfnis die Herstellung einer Gegenständlichkeit, die zugleich Gegenstand ihrer Wahrnehmung ist. Innerhalb solcher Wahrnehmungsverhältnisse werden sich Menschen ungegenwärtig. Nur in der Wahrnehmung bestätigen sie ihre Kenntnis und Erkenntnis, und von daher wird für die Erkenntnis auch die Wahrnehmung ihres Gegenstands nötig, wenn er sich ihnen entzieht, wenn sie fühlen, dass er nicht das ist, was sie empfinden. Sie haben dann in ihrem Verlangen dieses Gefühl wahr, dass sie ihn nicht wahrnehmen können, dass sie selbst ohne ihren Gegenstand sinnlich ungegenwärtig werden. Denn nur durch ihn ist menschlicher Sinn als Sinn für Menschen wahr, weil er für sie den Sinn hat, den sie ihm gegeben haben. Die Wahrnehmung als Beziehungsform eines Verlangens oder Wunsches enthält daher die Notwendigkeit einer Bestätigung der ihr zugrundeliegenden Gegebenheiten der Wahrnehmungsverhältnisse einer bestimmten Kultur, deren Empfinden mit dem Fühlen übereinstimmen soll, weil er mit ihr nicht übereinstimmt.

Aber Wünsche sind passiv, stellen lediglich das Verlangen dar, die in Wahrheit ihrer Gegenständlichkeit verlustig gegangen ist. Auch das heftigste Verlangen nach seiner Gegenwärtigkeit ändert daran nichts. Die Wahrnehmung bleibt für sich, gespalten durch die Welt, welche die Menschen empfinden, die sie aber für sich nur als ein Gefühl der Verlorenheit wahrhaben. Sie kann für ihre Wünsche nicht selbst tätig werden und ist in diesem Sinne auch keine unmittelbare Tätigkeit. Sie unterstellt kulturelle Tätigkeit, die in ihren Gegenstand eingegangen ist, sei es in der Sinnbildung der Natur oder in der Erzeugung von Gegenständen durch Menschen, die darin ihre Sinne und Wünsche vergegenständlicht haben. In ihrer Wahrnehmung werden Menschen daher selbst kulturell erst dann tätig, wenn sie solche Gegenständlichkeit vermissen. Ihre Selbstwahrnehmung drängt nach Taten, bis sie ihren Gegenstand wahr hat, bis er Gegenstand ihres Bedürfnisses ist und ihr Verlangen befriedigt. Bedürfnisbefriedigung ist von daher nicht nur ein sachliches, absolut naturnotwendiges Ereignis, dem die hierfür nützlichen Dinge zukommen, sondern auch Wunscherfüllung, weil die Gegenstände der Wahrnehmung für sie Sinn haben, weil sie nicht nur menschliche Natur befriedigen, sondern weil sie auch Sinn für die Menschen haben, Wahrheit und Schönheit ihres Lebens sind. Wunsch und Bedürfnis sind ein und dasselbe, wenn das Bedürfnis im Verlangen nach Kulturgegenständen aufgegangen ist, wenn und soweit es also über den stofflichen Naturbedarf hinausreicht - und das macht ja schließlich den gesellschaftlichen Reichtum der Menschen aus. In diesem Sinn sind sich die Menschen eins mit ihren Gegenständen und erfahren die Wahrheit ihrer Bedürfnisse in der Befriedigung durch die Gegenstände ihrer Wahrnehmung zugleich als Wunscherfüllung.

Die Wahrheit der Wahrnehmung ist dieser Friede im Verhältnis zu ihrem Gegenstand, im Gefühl seiner Güte und Schönheit und Nützlichkeit für den Menschen. Aus diesem Verhältnis enstehen neue Bedürfnisse, neue Arbeit und neuer Reichtum, menschliche Erneuerung und in dem darin gewordenen Gefühl entwickeln die Menschen ihre Fähigkeiten fort, den Sinn für ihre Gegenstände, die somit auch eine erneuerte Gegenständlichkeit, eine erneuerte Kultur mit sich bringen.

Wo Gegenstände nicht mehr sinnvoll für die Menschen sind, da haben Bedürfnisse keinen Sinn und werden sich selbst überdrüssig oder zur bloßen Gier, zum Hunger nach Erlebnissen oder zu einem übersinnlichen Verlangen, zu einem Trieb nach Befriedigung in jenseitiger Wahrheit, woraus sich keine Erneuerung mehr ergibt, sondern Absterben der Wahrnehmung: Verdummung, Abstumpfung.


(7) Wahrheit, die ein Subjekt in dieser Beziehung nicht wahrnimmt, kann es nur wahrhaben. Im Gefühl, das nicht mehr zu seiner Empfindung findet, kann auch sich nicht mehr fiden. Es muss gedacht werden, um es erkennen zu können. Und ein Subjekt nimmt auch wahr, was es nicht wahrhat, wenn es ihm objektiv gewiss ist. Indem es erkennt, nimmt es etwas so gewiss wahr, wie es Sinn in seiner Beziehung auf anderes hat. Damit ist es gewiss das, was es ist. Als Wahrgenommenes kann es sinnlos sein und als Wahrgehabtes kann es ungewiss sein. Wahr ist beides in einem, wenn der Sinn in dieser Beziehung seine Gewissheit erlangt. Aus beidem ergibt sich dann die Gewissheit einer Identität. Wahrheit ist das sich Gleichbleibende dieser Beziehung in den Zusammenhängen, in denen sie bestehen. Wahrheit ist Identität im Seienden, das in sich identische Sein dessen, was im Unterschied nur sein kann, das, was nur in seiner Beziehung auf alles andere wahr ist, subjektive Identität objektiv hat.

Wahrnehmung ist die Form einer Wahrheit, die danach verlangt, ungebrochen, also ein Verlangen zu sein, dass Menschen die Identität ihres Erlebens als ihr Leben erkennen, worin Leiden und Tätigkeit, Sinn und Tat, vereint sind im Frieden von Bedürfnssen und ihren Gegenständen. In der Abgetrenntheit vom tätigen, von einem sein Leben selbst erzeugenden Menschen, in der reinen Leidensform, bleibt Wahrnehmung unendlich für sich und zerfällt im Erleben, worin Menschen ihre Wahrheit verlieren, wenn ihre Erkenntnistätigkeit nicht damit beginnt, das Leben dieser Erlebnisse in sich zu vereinen, also für sich wahr zu machen. Wahrnehmung ohne Erkenntnis ist für sich nichts. Aber Erkenntnis ohne Wahrnehmung kann auch nicht wahr sein. In Wahrheit ist alles eins, aber ohne Wahrnehmung wäre sie lediglich eine Symbiose der Eigentlichkeit, eine in sich überhobene Unendlichkeit, Überheblichkeit des Intellekts, ein absolut unnötiger Geist, Phänomenologie eines fremden Wesens.


(8) Adorno hatte angesichts des totalitären Denkens der Nazisten und der ihnen förderlichen Philosophie, die er mit einem "Jargon der Eigentlichkeit" in Verbindung brachte, in seiner "Negativen Dialektik" sich dazu entschlossen, solche Identität als Prinzip des Eigentlichen anzusehen und nicht anzuerkennen. Von daher befand er jede Identität als eine bloße Identitätsbehauptung und somit als eine Keimform des Totalitären. Für ihn gab es nur Nicht-Identität, in welcher sich die Kritik am Identischen hervorbringt. Die Bewegung antitotalitären Denkens bestand selbst aus der Tätigkeit des Nicht-Identischen, dem die einzig mögliche Subjektivität zugesprochen und zugleich jegliche Objektivität abgesprochen wurde - das Denken hätte sonst auch das richtige Leben im falschen zum Gegenstand gehabt. Stattdessen erschien es selbst als praktischer Befreiuungsakt und vertrat damit lediglich einen objektiven Anspruch gegen das Objektive.

Das ist zwar als Versuch einer Faschismuskritik verständlich, entspricht aber auf fatale Weise den psychologischen Interessen derer, die Identitätsansprüche stellen, denn auch ein Anspruch auf Nicht-Identität ist totalitär. Und dem Nachdenken über Totalitarismus wurde der Grund entzogen: Die Kritik scheinhafter Identität, Kritik der Prinzipien anspruchsvoller Wahrheit, "Wahrheit" als Heilsprinzip. Diese Kritik hat er mit der Behauptung einer Falschheit des Lebens ersetzt, die dann allerdings ebenso Reinheit des Lebens als Wahrheit impliziert, Wahrheit der Empfindung, die im Diesseits zur offenen Wunde verstümmelt wäre.

Wahrheit kennt keine Ansprüche und ist unverwundbar. Auch wo sie niedergemacht wird, erweist sie sich in der Geschichte, indem sie ihre Gegner auf Dauer entlarvt und sie zum Untergang zwingt. Allerdings verlangt sie Erkenntnisarbeit, stellt sich durch widerspruchsfreie Resultate dieser Arbeit subjektiv wie objektiv heraus und bedarf mutiger Menschen, die sie artikulieren.

Schlimm, wenn eine widersprüchliche Welt auch noch widersprüchlich begriffen wird. Es ist das Ende der Erkenntnis überhaupt, eine unendliche Schleife der Erkenntnistheorie, die selbst Erkenntnis zu bewirken vermeint. Doch diese arbeitet nicht in der Analyse ihrer Gegenstände, sondern bestätigt sich selbst nur in ihren Interessen. In seinem wohlmeinenden Interesse hat Adorno die Erkenntnistheorie erst zu der Psychologie gebracht aus der er sie befreien und vergesellschaften wollte. Er und seine Schüler haben den Menschen die "Verdinglichung" als psychisches Manko vorgeworfen, das sie zugleich den Instituten der Kulturindustrie als Interesse unterstellten. Er hat nicht einmal versucht, diesen Prozess zwischen Industrie und Individuum, zwischen Ökonomie und Psyche zu begreifen, weil er immer schon seine Empfindsamkeit als Kunstform dagegen setzte und für jenen Prozess fertige Resultate von Karl Marx aus der Beschreibung des Warenfetischismus hernahm. Damit aber verführte er zu einem fundamentalen Missverständnis der Theorie von Marx, der mit seinem ganzen Werk solch negativer Dialektik widersprach, indem er die negative Position des Kapitals ausführte, die ihren Widerpart in der positiven Negation durch die Menschen hat. Ihre bloße Negation ist dagegen Nichts.


(9) Erkenntnis ist die Identität von Tat und Sinn, Tätigkeit und Leiden in einem, leidenschaftliches Verhältnis zu ihrem Gegenstand, gleich, ob dieser Sache oder Mensch ist. In der Erkenntnis ist dieses Verhältnis als einfache Beziehung und ohne Zweifel, einfach wahr. Verhalten und Wahrnehmen unterscheiden sich darin nicht.

Was evident ist, muss nicht wahr sein. Nur weil es keinen Zweifel erweckt, muss es nicht frei sein von Täuschung. Diese ist erst in Beziehung auf etwas anderes möglich. Gerade das macht ja Täuschung aus, dass Evidenz verführt, dass die gute Tat erst zum Betrug verleiten kann und dass das Hochgefühl die Niederungen der Seele zu verbergen versteht. Wahrheit kann es nur in einem ganzen Zusammenhang geben, als ganzes Sein, worin das Teil ebenso klar ist wie sich das Allgemeine durch den Grund seiner Bezogenheit im Einzelnen selbst erklärt. Wahrheit kann man nicht nehmen, haben oder machen, aber man ist wahr in allem durch die Identität, die man darin vollzieht. In Wahrheit ist alles eins, auch wenn es in Wirklichkeit sehr verschieden ist, eben weil in Wirklichkeit nichts wahr ist außer dem, was von ihr wahrgenommen wird. Die Wahrnehmung ist Form dieses Erkenntnisprozesses als Moment einer Identitätsbildung. In der Erkenntnis des Ganzen dieses Prozesses hebt sich die Wahrnehmung auf. Von daher ist die Wahrnehmung die Form eines Erkenntnisprozesses.


(10) Dennoch handelt es sich hier nicht um eine Erkenntnistheorie, sondern um eine Kritik der Form, worin Erkenntnis im Erleben verharrt, Kritik der Handhabung von Wahrnehmung, wie sie im zwischenmenschlichen Erleben gesellschaftlich aufgelöst wird. Wir sind daher weit von Adornos Anspruch entfernt, eine Erkenntnistheorie als Gesellschaftstheorie auszuführen. Dies wäre ein Widersinn in sich, wo ich doch selbst erkennend tätig bin, wenn ich Gesellschaft theoretisiere, also in eine Tautologie der Erkenntnis eintreten müsste, wäre dies zugleich ein Theoretisieren der Erkenntnis. Adorno hat diesen Doppelsinn darin aufgelöst, dass er im Hintersinn Ästhetik hatte, die selbst gesellschaftlich erkenend sein sollte. Damit hat er den Widersinn gesellschaftlicher Selbstreflexion sowohl in seinen Gegenstand, also auch in den Prozess der Erkenntnis gebannt. Das allerdings macht jeden Gegenstand der Erkenntnis zur bloßen Erscheinung des erkennenden Subjekts, das ihn in sich aufhebt, wenn es erkennend tätig ist - und das ist im Grunde eine Paralyse, eine unendliche Lähmung der wirklich gegenständlichen Beziehungen für den, der ihm dahin folgt. Immerhin kann der sich dann in solcher Ästhetik unendlich selbstgenügsam, weil sich selbst genügend einrichten.


(11) Mit der gesellschaftlichen Entwicklung des Kapitals haben sich mit dem Kolonialismus, dem Imperialismus und der Globalisierung die kulturellen Beziehungen der Menschen selbst aus ihrer Unmittelbarkeit herausgehoben. Es war Geldbesitz zu einer gesellschaftlichen Macht über andere Gesellschaften geworden, welcher sie abhängig machte und ihre Kulturen zu Monokulturen vereinseitigte. Das Geld repräsentierte in den reichen Ländern die Wertdifferenzen der armen, also das, was ihnen als Lebensstandard im Vergleich zum Standard der Reichen entzogen wurde. Geld repräsentierte von daher die Abhängigkeiten der Ohnmächtigen durch Kulturwerte, die nicht dem Wirtschaftskreislauf des eigenen Landes entsprangen. Hierdurch entstanden Bedürfnisse, welche auf der Grundlage von Ausbeutung anderer Kulturen sich über das gesellschaftlich Notwendige und Wirkliche heraussetzten, Möglichkeiten der Befriedigung boten, wofür keine Tätkeit nötig schien. Der gesellschaftliche Reichtum der armen Länder versiegte in ihrer Wirklichkeit zu einer grenzenlosen Monokultivierung zugunsten der reichen Länder, welche im Reich grenzenloser Möglichkeiten ihre Bedürfnisse ausbreitete, ohne ihnen Sinn zu vermitteln.

Damit wurden auch innnerhalb der weltmächtigen Nationen Welten getrennt, die Reproduktion der Menschen zunehmend in eine Selbstverständlichkeit ihrer Bedürfnisbefriedigung gebracht, für welche relativ wenig Aufwand nötig war, und die Produktion, welche zum einen für andere Länder notwendige Arbeitsmittel hervorbrachte - und für die eigene Kultur Güter, in welchen sich Reichtum an schönen und guten Dingen akkumulierte. Der gesellschaftliche Reichtum, der sowohl den Bedürfnissen der Menschen, wie auch ihrer Schönheit entsprach, wurde getrennt zu einem Reich des Bedarfs und einem Reich der Wahrnehmung. Wurden erstre durch eine politische Ökonomie der bloßen Existenz entwickelt, entstanden für die Wahrnehmung die Lebensräume der Kulturen, die in sich nur ästhetisch begründet schienen. Die getrennten Welten bestehen durch einander, aber in gegensätzlicher Sinnesform, unterschieden in Nutzen für das Verlangen und Schönheit des Wahrnehmens. Diese waren getrennt durch den Besitz von Geld als lebensnotwendiges Mittel als Geld für Lebensmittel zur Reproduktion der Menschen (Lohn), und Geldbesitz als gesellschaftliche Lebensgrundlagen zwischenmenschlicher Beziehungen. Die gegenständliche Wahrnehmung war von der Tätigkeit der Erzeugung ihrer Gegenstände getrennt, Bedürfnis und Wahrnehmung fielen auseinander. Das hatte Folgen für die Bedürfnisse der Menschen, wie auch für ihre Wahrnehmungen.

In der hier zu betrachtenden Gesellschaft, in einer reinen Kulturgesellschaft, ist die gegenständliche Welt der Bedürfnisse und ihrer Befriedigung veräußerlicht, der Kultur äußerlich geworden, weil sie mehr oder weniger als bloßes Existenzmittel selbstverständlich ist. Jenseits des reinen Bedarfs an nützlichen Sachmitteln erscheinen die gegenständlichen Sinne der Wahrnehmung nurmehr für sich als Wahrnehmung von Sinn, als veräußerlichte Wahrnehmung, deren Wahrheit nicht nur in dem ist, was sie sinnlich aufnimmt, sondern zugleich in dem ist, welches Leben sie in ihren Gegenständen wahr hat. Die Wahrnehmung hat damit eine doppelte Wahrheit, weil sie sich nicht wirklich in den Gegenständen der Bedürfnisbefriedigung mit der Tätigkeit ihrer Erzeugung vereint. Sie nimmt also die Tätigkeit der Menschen nicht mehr gegenständlich wahr, die sie in den Gegenständen ihrer Wahrnehmung wahrhat. War dies noch im 19. Jahrhundert ausschließlich das Verhältnis der Bourgoisie zur Produktion, ist es heute mehr oder weniger das ganze Verhältnis der reichen Länder zu den armen, wie es auch weiterhin in der eigenen Kultur das Kulturverhältnis der Geldbesitzer zu den Besitzlosen ist. Deren Armut hat sich dadurch verstärkt, dass sie jetzt nicht mehr nur von Existenzmitteln, sondern auch von gesellschaftlicher Kultur abhängig sind, von der Art und Weise des gesellschaftlichen Umgangs. Als Teilnehmer an einem darin allgemein lebensnotwendigen Kulturzusammenhang werden sie an den Rand des gesellschaftlichen Lebens bis hin zum Ausschluß durch Arbeitslosigkeit gedrängt, wenn sie ihren Besitz an Arbeitskraft nicht hinreichend vermarkten können. Die Ohnmacht ihrer gesellschaftlichen Wahrnehmung in solcher Kultur wendet sich zur bloßen Selbstwahrnehmung, der Wahrnehmung einer ausgeschlossenen gesellschaftlichen Identität (siehe hierzu auch: "Auf dem Weg in eine andere Gesellschaft").

Die Gesellschaftsform, worin die Wahrnehmung selbständig ist, setzt eine Welt außer sich voraus, worin die Gegenstände erzeugt werden, die darin wahr gehabt werden, ohne als solche Gegenstände der Wahrnehmung zu sein. Die Grundlage hierfür ist ein Lebensverhältnis auf der Basis von Geld, das sich innerhalb dieser Gesellschaft nicht im Tausch der Produkte begründet und bildet, sondern aus dem Geldverhältnis selbst, aus Kapital, das die Produkte überhaupt nur vom Standpunkt ihrer Verwendbarkeit kennt. Von daher ist der Sinn, in welchem sich hier die Menschen gesellschaftlich verhalten, ihr unmittelbar sinnliches Menschsein, ihr Dasein als Sinn für andere. Ihre Beziehungen werden zur Erscheinungsforrm dessen, was sie Begehren, was ihnen überhaupt als begehrlich erscheint. Was sie auf diese Weise von ihrem Leben wahr haben, wird zum Subjekt ihrer Wahrnehmung, zu einem Wert, in welchen sie sich zu gewinnen suchen.


(11a) Darin finden sie, was sie nicht erkennen können. In der Empfindung finden sie die Beziehung zu einem Gegenstand in dem, worin sich ihr Befinden begründet. Was sie in der Empfindung erkennen, ist ihre Beziehung zu diesem Gegenstand ihrer Lebensbedingung. Sie erkennen sich selbst in dieser Gegenständlichkeit, welche die Sinne in ihrer Empfindung haben. Sie werden sich selbst gegenständlich. Und indem sie gegenständlichen Sinn als das finden, was sie hierin von sich fühlen, so fühlen sie zugleich, was ihre Sinne außer ihrer Tätigkeit sind, was also ihr Erleben in der Abtrennung hiervon ausmacht. Darin findet sich eine Welt zusammen, welche ohne dies keinen Zusammenhang und also auch keine Identität, keine Wahrheit hat.

Die Menschen erleben, worin sich ihre Empfindungen und ihre Gefühle vereinigen. Die Wahrnehmung findet in ihren Erlebnissen ihre Wahrheit, die aus einer Beziehung von Empfingen und Gefühlen besteht, einer Beziehung, die unter den Lebensbedingungen des kultivierten Kapitalismus nicht wirklich wahr sein kann, weil darin das Einzelne nicht wirklich allgemein ist. Der Kapitalismus vollzieht sich von daher nicht nur in der Ökonomie, sondern auch in der Kultur - nicht durch äußere Gewalt einer Kulturindustrie, sondern als wirklicher Inhalt menschlicher Bedürfnisse.


(11b) Politisch ist Kultur nicht durch sich, sondern durch einen gesellschaftlichen Willen, der sie in ihrer Widersprüchlichkeit affirmiert, der also ihre formelle Einheit, die Begriffsubstanz ihrer Formbestimmung bestärkt und im gesellschaftlichen Bewusstsein aufbereitet.


(12) Empfindungen setzen allerdings schon ein kognitives System voraus und unterscheiden sich darin z.B. von "niederen Tieren". Nicht jeder beliebige Eindruck auf irgendein Wahrhehmungsorgan macht Empfindug aus - der Organismus wäre ständig überreizt und müsste unentwegt interpretieren. Er lernt zum Beginn seines Lebens erst überhaupt zu empfinden, die Dinge "richtig zu sehen", die Töne "richtig zu hören" usw. Empfindung ist schon eine Form von Erfahrung und Wissen und nur von daher Inhalt einer Erkenntnis. Die "kognitive Signifikanz" des Organismus und davon wesentlich auch des Nervensystems machen eine Empfindung für einen Organismus gewiss. Ist das Erlernen dieser Kognition nicht in der allgemeinen Art und Weise möglich (z.B. durch beschädigte Organe wie durch Blindheit, hirnorganische Störungenen usw.), so muss sich der Organismus Umwege der Erkenntnis verschaffen (z.B. durch erhöhte Sensibilisierungen anderer Organe).


(13) Empfindung ist völlig ohne Nutzen, aber absolut notwendiger Inhalt einer Beziehung, Unmittelbarkeit meiner Sinne darin und dem, was in ihnen gebildet ist, was sie entwickelt hat und was ihr Gedächtnis enthält. Empfindung ist eine Befindlichkeit, die in die Lage versetzt, zu befinden.

Im Unterschied zum Gefühl ist Empfindung ohne jede Refexion und enthält auch keine Erkenntnis außer der unmittelbaren Begegnung, wenn auch darin die Geschichte sinnlicher Begebenheit als Gedächtnis der Erfahrung eingeht, aber nicht als Reflexion, sondern dem Inhalt nach. Sie folgt nicht der Einfühlung in ihren Gegenstand, weiß nichts von Funktion, Stoff oder Schönheit (siehe Ästhetik). Sie ist der unmittelbare Sinn, den Kultur als gesellschaftliche Form der Naturempfindung und des sich in Gesellschaft Befindens der Menschen überhaupt hat, gleich, in welche Gefühle sie sich vermittelt.


(14) Empfindung ist so elementar wie eine Naturempfindung, auch wenn sie gestört werden kann bis hin zu ihrer Auflösung, zerstört durch Gefühle oder Gedanken, bedrängt oder verrückt durch ihr Gedächtnis. Mehr noch: Empfindung kann selbst einer fremden Identität gehorchen, beherrscht werden von den Absichten einer Seele, die der Selbstverwirklichung sinnesmächtiger Persönlichkeiten unterworfen ist.


(15) Die Empfindung ist im Befinden ein abgeschlossenes Beziehen dessen, worin wir uns befinden, was wir darin suchen und finden. Als abgeschlossenes Sein des Findens bestätigt sich der Begriff Empfindung tatsächlich auch ethymologisch (empfinden = entfinden = zu Ende finden). Dies besagt, dass eine Suche unterstellt ist, eine Beziehung zum Gegenstand der Empfindung, eine Identität, die in der Empfindung lebt, weil sie auch außer ihr ist, ihr vorausgesetzt wie folgend ist, also gegenwärtig und geschichtlich zugleich als das, was in der Empfindung für den Menschen auch von ihm existiert, sinnliche Gegenwart wie Vergangenheit in einem. Als dieses ist Empfindung Voraussetzung und Inhalt der Wahrnehmung, wie auch für das Gefühl, welches sich im Menschen ereignet und so zum Ereignis seiner empfundenen Beziehung wird.


(16) Darin erst wird der Sinn zu dem, was er ist: Er bildet sich in der Empfindung durch das, was er findet. Und er befindet es so, wie er gebildet ist. Was er empfindet ist hierin lebendiger Zusammenhang, aber wie er dies empfindet, das macht seine Sinnesform aus. Die Naturformen der Sinne, die Sensoren und Neuronen usw. mögen schon genetisch und stofflich vor aller Empfindung da sein, - aber erst durch die Empfindungen werden sie wirklich sinnlich, weil sie darin ihren Sinn finden. Die moderne Neurologie kann inzwischen beweisen, dass auch die Gestaltung der neuronalen Verknüpfungen von der Entwicklung der bestimmten Wahrnehmungen abhängt, sich also darin auch die Erlebensformen der Wahrnehmung als die eigenartige Verknüpfung bestimmter neuronaler Bereiche finden lassen. Von daher gibt es die sinnliche Natur der Menschen schließlich überhaupt nur als ihre gesellschaftlich gewordenen Sinne.


(17) Ich beziehe mich auf Gegenstände meines Lebens durch meine Sinne. Ich schmecke, rieche, höre, sehe, usw., wie meine Beziehung zu ihnen ist. Das erscheint zunächst einfach. Ein heißer Ofen tut weh und ein schmackhaftes Essen verbreitet Behagen. Aber das ist lediglich Moment, Erleben und macht noch keine Beziehung aus. Diese ist bestimmt durch das,was ich mir an Gewissheiten, Kenntnis und Erfahrung angeeignet habe, was ich im Zusammenhang hierzu weiß und was mir hiervon gegenwärtig ist. Empfindungen sind vor allem die Grundlagen eigener Lebenswirklichkeit, das Aufnehmen von dem, was Menschen geschaffen haben und sind, was sie gebildet haben und was ihre Bildung ist. Als Gebilde ist ihre Welt reich und tief, in der Wahrnehmung allerdings wird dies zum bloßen Ereignis, in welchem das Gebilde hineinwirkt und aufgefasst wird, von seinem bloßen Anreiz bis hin zu dem, was darin an menschlichem Leben wahrgehabt wird.


(18) Die einzelnen Empfindungen für sich waren noch platt, reine Sinneseindrücke, in denen sich sachliche, stoffliche, ätherische, elektrische und andere Beziehungen mitteilen, Töne, Geschmäcker, Gerüche, Bilder usw., Der Ton macht zwar nicht die Musik, aber eine Musik ohne Töne wäre sinnlos. Was ich durch Musik empfinde, ist voller Töne und Geräusche, Bewegung, Begeisterung und Erkennen, was ich aber dabei fühle, das kommt von mir als das, was ich darin für mich wahrhabe, das Wiedererkannte, das vergangen wäre, wie der Duft einer Kindheit, wäre er nicht in der Empfindung selbst Gefühl geworden. Und so stehen alle Gefühle in einer engen Beziehung zu den Empfindungen, die sie ursprünglich auch waren. Alle Gefühle, wie z.B. der Trauer, Lust oder Freude u.A. stehen immer im Zusammenhang einer bestimmmten Beziehung, die ich dabei empfinde, sowohl sachlich als auch menschlich. Und als Gefühl offenbaren sie ihren Sinn, zeigen sie ihren Grund, den ich in der Empfindung noch nicht kenne.


(18a) Im Menschen selbst stellen Gefühle somit auch seine Kraft dar, welche Grundlage jeder Entschließung ist. So stellte sich z. B. nach dem Fall der Mauer in der Bevölkerung der ehemaligen DDR ein massenweises Bedürfnis nach bunten Farben heraus. Die Eintönigkeit des DDR-Sozialismus hatte einen unumkehrbaren Entschluss der Wahrnehmung gebildet, der sich in die ganze Wahrnehmung ergoß. Solcher Entschluss kann selbst unumkehrbar werden, wenn er zu einem grundlegenden Selbstgefühl wird, z.B. als absoluter Ekel oder als Hass die Wahrnehmung beherrscht.


(19) Gefühle sind nicht nur unmittelbar sinnlich, sondern auch im Gedächtnis und beziehen sich von daher auf das Dasein im Allgemeinen, das "In-der-Welt-sein", wie es auch genannt wird, das im Gedächtnis vergegenwärtigte Sein. Sie machen auf diese Weise die Beziehung der gemeinen Zusammenhänge von Vergangenheit, Gegenwart und auch Zukunft aus, soweit sie eben schon gegenwärtig geworden ist. Gefühle sind also auch schon grundlegende Inhalte des Meinens und Ahnens, schon Grundlagen des Denkens. Sie können an Sachen und Menschen scheitern, wenn und weil sie damit nichts anfangen können, weil ihre Kenntnis nicht hinreicht, um sich in deren Empfindung zu vergegenwärtigen. Sie können dann also zu keiner Erkenntnis gelangen und sich im Ahnen und Meinen auf sich selbst zurückziehen, Vorgefühl, Ressentiment bleiben, oder Macht über die Empfindung zu erlangen, ver-rückt werden.


(20) Die Empfindungen können Geschmack, Musik, Bilder usw. für sich erkennen, ohne dafür einen sonderlichen Sinn haben zu müssen, also ohne etwas im Sinn zu haben außer dem, was man an Sinnen hat. Ganz anders das Gefühl: Ihm ist der Sinn eines Zusammenhangs wesentlich. Das beste Essen, das tollste Ereignis kann es kalt lassen, wenn es z.B. in schlechter Gesellschaft ist. In ihr erst findet es wirklich einen Sinn seiner Wahrnehmung, Gefühle der Liebe, der Frische, der Freude, des Glücks oder Mitgefühl überhaupt, oder aber auch Hass, Verachtung, Neid und anderes Beschwerliche. Gefühle können erheben oder niederdrücken und sind völlig ohne Nutzen, aber notwendiger Inhalt einer Beziehung, Unmittelbarkeit der Sinne darin und in dem, was sich aus ihnen gebildet hat.


(21) Für die schönste Blume, dem feinsten Kristall, den besten Menschen kann ich nichts fühlen, wenn ich keine Geschichte hierzu kenne, keinen fühlbaren Sinn hierfür habe. Es verlangt auch viel Gefühl, um die Stoffe in meinem Sinn richtig zusammenzufügen, um z.B. Holz und Metall miteinander zu verbinden. Ohne ein Gefühl für Holz und Metall kann ich damit nichts bilden, was für mich Sinn hat. Ich fühle mich gut, wenn ich Stoffe gut fügen kann, über sie verfüge, indem ich sie meinem Sinn entsprechend mache. Das gute Gefühl zeigt mir, dass ich sie für mich wahrhabe, dass ich ohne Spannung und ohne Bruch mit ihnen bin.


(22) In den Reflexionen zu Empfindungen und Gefühlen werden diese gerne zusammengefasst und Emotion genannt. Damit werden sie in der Sprache zu etwas gemacht, was erst im Selbstgefühl vorkommt: Die Regung (Emotion kommt von Emovere und meint "herausbewegen"). Wenn dann über Emotionen gesprochen wird, wird Gefühl unmittelbar als Selbstgefühl behandelt und zeigt eine selbstverliebte Stumpfheit in der Unterscheidung von beidem. Da geht dann alles wie von selbst, nicht mehr um einen Sinn für anderes, sondern um Regungen, welche sich als Eigenwelten ausbreiten wollen. Der Ursprung der Regung ist damit verschüttet - was eigentlich die Grundage dafür war, Gefühle nicht als Selbstbeziehung von Menschen, sondern als sinnliche Beziehung zu begreifen. Die Reduktion von Gefühlen auf Selbstgefühle kommt also von der Anerkennung des Selbstgefühls als Gefühlswelt schlechthin, der Allgemeinwelt der Regungen, die keine Wahrnehmung mehr nötig haben. Wer das nicht unterscheiden kann, beugt sich der Allgemeinheit des Selbstgefühls.


(23) Darin erweist und beweist sich die Wahrnehmung als wirkliche menschliche Beziehung, wie sie sich gegenständlich in der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse bewahrheitet. In der Befriedigung von Bedürfnissen heben Empfindungen und Gefühle einander auf, indem sie aus ihrem zurückgekommenen Sinn neuen Sinn bilden. Indem der Sinn für einen Gegenstand im Gefühl tätig ist, findet er zugleich in der Befriedigung seine wirkliche Empfindung und aus dieser Wirklichkeit findet er zugleich neuen Sinn, wodurch die Sinnbildung geschichtlich wird. Was ein Mensch darin fühlt, das empfindet er auch und was sich hieraus als Verlangen begründet, verschafft erneuten Sinn.

Die ganze Sinnbildung kann man daher auch als geschichtlichen Prozess der menschlichen Bedürfnisbefriedigung verstehen, wie er in der Wahrnehmung von Bedürfnisbefriedigung sich wahrmacht. Als Beziehung auf Menschen und Sachen begriffen, lässt sich die Gegenständlichkeit der Wahrnehmung, ihre Objektivität, nicht von ihrer Subjektivität unterscheiden. Wo sie objektiv irrt, verliert sie auch ihre Subjektivität, und wo sie subjektiv irrt, wird sie an der Objektivität irre. In jedem einzelnen Menschen trägt sich diese Beziehung auch als sein persönlicher Bildungsprozess zu.

Aber wo menschlichen Gegenstände keine menschliche Wirklichkeit vollständig ausmachen, wo sie menschliche Bedürfnisse befriedigen, die kein wirklich menschliches Verlangen als Ganzes äußern, weil sie zugleich einer gesellschaftlichen Not unterstellt sind, ist auch deren Wahrnehmung nicht vollständig, ihr Friede nicht wirklich geschlossen. Von daher können Gefühle und Empfindungen in unvermittelter Getrenntheit verbleiben, wo gegenständliche Wirklichkeit nicht unmittelbar menschliche Wirklichkeit ist. In einer gesellschaftlichen Wirklichkeit worin die Menschen nicht wirklich auf sich in ihrem Menschsein zurückkommen, ist mit ihrer unverwirklichten Wirklichkeit auch ihre wirkliche Gegenständlichkeit getrennt, auf welche sich die Wahrnehmung bezieht, so wie sich darauf auch die Bedürfnisse beziehen und die Tätigkeiten, welche die Gegenstände ihrer Befriedigung erzeugen.

In dem Maße, in welchem sich die Gegenstände der Befriedigung ihrem gesellschaftlichen Kreislauf zwischen Bedürfnis und Arbeit entziehen, wird ihnen auch Wahrnehmung entzogen, ihrer Gesellschaftlichkeit als nachfühlbare Gegenständlichkeit entfremdet. Die Entfremdung der Gefühle von ihren wirklichen Gegenständen beginnt mit der Entfremdung der Gegenstände von ihrem gesellschaftlichen Stoffwechsel. Das Resultat einer vollständigen Entfremdung ist die vollständige Abtrennung der Gefühle von ihrem gesellschaftlichen Sinn.

Diese Entfremdung vollzieht sich in den Verhältnissen, worin menschliche Eigentümlichkeiten sich nicht als menschliche Fähigkeiten verwirklichen und auf sie zurückbeziehen, sondern als Eigentum, das lediglich in der Form von Warenbesitz gesellschaftlich existiert. Wo dieser Besitz sich ausschließlich als Geldbesitz darstellt und dieser selbst gesellschaftliche Lebensgrundlage (also nicht nur gesellschafliche Vermittlung) ist, wird die Abtrennung der Wahrnehmung von der gegenständlichen Welt total. Dies ist in den Gesellschaften der Fall, worin der Weltmarkt Geld hortet und die auf der Anwendung von Geld, also auf Kapitalanwendung gründen. Dort herrscht der bloße Konsum vor, eine Bedürfnisbefriedigung nach Maßgabe des Kapitalumsatzes, und es haben menschliche Bedürfnisse nur einen verschwindenden Anteil an der gesellschaftlichen Lebensgestaltung. Ebenso wird dort die Wahrnehmung ungegenständlich, weil ihre Gegenstände sich nur abstrakt bestätigen, also für die Empfindung maßlos und unbestimmt sind. Diese bestimmt daher ihre Geschichte aus der Selbstwahrnehmung, aus dem Erleben, worin Empfindungen im Selbstgefühl verwirklicht werden und sich darin als Selbstvergegenswärtigung verdichten. Dazu wird hier notwendiges Wissen erarbeitet.


(24) Man kann einen solchen Entfremdungsprozess im Leben eines jeden Indivuduums in der Zwiespätigkeit seines Wahrnehmungsprozesses verfolgen, worin sich seine Beziehungen zwischen Empfindungen und Gefühlen entwickeln.
Frisch auf der Welt muss er ein Gefühl für seinen Körper, für die einfachsten Körperfunktionen wie Schlucken, Sehen, Hören, Kriechen, Sitzen, Gehen usw. entwickeln. Seine Empfindungen bilden sich mit der Entwicklung dieser Gefühle. Die Entwicklung seiner Empfindsamkeit entspricht der Entwicklung seiner Gefühlsfähigkeiten. Beides ist zunächst in einer einfachen Entwicklungsgeschichte begriffen. Aber auch schon auf dieser Ebene können Zwiespältigkeiten entstehen, die ein ganzes Leben fortbestehen (z.B. Autismus).
Mit der körperlichen Entwicklung geht die Entwicklung der Erkenntnis einher und der Wahrnehmungsprozess ist nur die Bewegungsform hierzu. Ohne dass körperliche Organe oder Drüsen entwickelt sind, wird es keine ensprechende Erkenntnis geben. Erst später, wenn die Selbstunterscheidung aus der körperlichen Symbiose heraus entsteht, wird der soziale Charakter der Beziehung wirklich erfahrbar, als Abwesenheit und Anwesenheit von Menschen und Sachen verspürt. Die formelle Unterscheidung von Empfindungen und Gefühlen wird über den sozialen Charakter der zwischenmenschlichen Beziehungen bestimmt, die selbst schon eine gesellschaftliche Form darstellen.
Und sobald Empfindungen kein Gefühl mehr bilden können, unterscheiden sich die Gefühle auch substanziell hiervon. In der Formbestimmung drückt sich die Abtrennung aus und offenbahrt sich zugleich die gesellschaftliche Form der Getrenntheit, oft auch als Gespaltenheit oder Zwiespältigkeit der Sinne.


(25) Doch eine ungebrochene Erkenntnis kann es nur in einem ungebrochenen Leben geben. Das mag in Momenten der Liebe oder der Kunst schon praktisch vorkommen, aber meist und allgemein sind die Menschen doch in Verhältnissen befangen, in denen sie nicht gesellschaftlich wirklich und wirkend sind. Sie erzeugen zwar menschliche Produkte, die aber für den Menschen selbst eine gleichgültige, weil sich selbst gleich geltende Beziehung auf dem Markt haben. An und für sich sind sie bloß Wert, nach welchem sich Menschen verhalten müssen, um sich auf ihre Produkte wirklich beziehen zu können. Von daher müssen sie sich einem mystischen Subjekt beugen, um ihr Leben zu bewahrheiten. Das Geld, welches die allgemeine Wertform darstellt, kann für sie nicht wahr sein, weil es lediglich die Wahrheit ihrer Gleichgültigkeit vollzieht als allseitige Möglichkeit, Dinge zu erwerben, die menschlich waren, bevor sie zu Waren wurden. Dies macht ihre übermenschlichen Schein aus, den Glanz eines Subjekts, einem Fetisch, worin sich die Menschen gleichgültig sind und werden.

Der Warenfetisch ist der Fetisch des Geldes, weil dieses die den Menschen gleichgültige Gesellschaft darstellt und damit auch wirklich die Veräußerung ihrer Gleichgültigkeit ist. Sie beten es an, um durch Geld in Gesellschaft zu sein und verherrlichen es, weil sie durch Geld auch wirklich auf ihre abstrakte Existenz zurückkommen, teilhaben an einer veräußerten Gesellschaft.

Doch die Begierden, die Geld weckt und an sich klebt, das die Menschen wie "Fliegen an die Leimstangen" zieht, verändert nicht die Menschen als erkennende Subjekte. Es bindet ihre Bedüfnisse an Geld, aber es bestimmt sie nicht unmittelbar durch Geld, sondern nur vermittelst ihrer Arbeit und deren Zeit und Lohn, also durch die Wertform ihrer Arbeit.

Aber spätestens seit der Hochphase des Faschismus wissen wir, dass Menschen mit Leidenschaft sich einem gesellschaftlichen Fetisch unterwerfen, der sich jenseits von Geld begründet; dass sie in der Lage sind, sich selbst aufzugeben und auch zu vernichten, nur um einem gesellschaftlichen Heil und Wohlstand, der für sie nicht mal wahrnehmbar ist, dienstbar zu machen. Dies verlangt weiterführende Reflexionen.


(26) In der hier zu betrachtetenden Gesellschaftsform, der Dienstleistungsgesellschaft, ist dieses Subjekt, welches den gesellschaftlichen Glanz auf sich vereint, nicht nur Geld, das die Verhältnisse der Menschen vermittelt und den Wert ihrer Selbsterhaltung bestimmt, sondern Kapital, das ihre Dienste selbst und unmittelbar als das bewertet, was sie ihrem Gläubiger erbringen sollen, durch den sie schon mit ihrer Geburt zum Schuldner bestimmt sind (siehe Feudalkapitalismus). Sie haben darin nicht mal mehr die Reflexionen ihres Lebens wahr, sondern lediglich ihre Lebensverwertung. Sie stehen zu sich selbst in einer Beziehung, worin von dem, was sie für sich wahrhaben, nichts mehr wahrnehmbar ist und von dem, was sie wahrnehmen, kein menschlicher Sinn wirklich geäußert und ihnen daher auch nicht wirklich gegenständlich ist. Sie leben zwar in einem Reich ungeahnter Möglichkeiten, verschwinden aber zugleich darin, weil ihre Empfindungen und Gefühle sich selbst äußerlich, also außer ihnen vermitteln, selbst nur möglich oder unmöglich sind. Die Menschen haben wahr, was sie nicht wahrnehmen und nehmen wahr, was sie nicht wirklich wahr haben. Was sie sinnlich für sich und durch sich sind, das äußert sich in der Gegensinnigkeit einer Wirklichkeit, für die sie nichts sein können außer Bedienstete des Geldverhältnisses, das Kapital letztlich ausmacht. Von daher wird ihnen das Begreifen der Gegensinnigkeit von Empfindung und Gefühl nicht ohne vermittelnde Erkenntnis möglich sein.

An und für sich gehen Empfindungen und Gefühle in die Gegenstände der Menschen in gleichem Sinn ein, wie sie darin auch wahrgenommen und also mitgeteilt werden können. Was der Schreiner bei der Herstellung eines Stuhls gefühlt und empfunden hat, muss sich in nichts von den Wahrnehmungen des Menschen unterscheiden, der sich einfach nur darauf niederlassen will. Aber im allgemeinen gesellschaftlichen Verhältnis der Empfindungen und Gefühle hat ein Stuhl wie alle andern Gegenstände, die hier in Beziehung gebracht werden, ein doppeltes Sein. Man hat bei seiner Benutzung wie auch bei aallem anderen was nützlich und schön sein mag, unter der Bedingung getrennter Arbeitswelten Gefühle wahr, für die ein gänzlich anderer Sinn geäußert worden war, als für die Empfindung, welche diese Gegenstände in der Wahrnehmung auslösen. Wird in ihm vor allem eine Schönheit oder Gebrauchsgewohnheit gefunden, so zeugt das Gefühl für seine Herstellung doch von ganz anderer Wirklichkeit, z.B. von Herabsetzung von Menschen unter die Verwertungsinteressen, von Vereinseitigung der Produktion usw. Dergleichen ist noch weitgehende verschieden, wie sich Menschen selbst als Gegenstände ihrer wechselseitigen Wahrnehmung gegenüberstehen.


(26aa) Sie entspricht der Trennung von Ökonomie und Kultur, wie sie der Wahrnehmung vorausgesetzt ist. Im Erkenntnisprozess vereinen sich theoretische und praktische Sinne. Darin sind Kunst, Wissenschaft, Tätigkeit und Leiden, Empfindung und Gefühl beisammen und arbeiten als Zusammenhang ihrer Sinne. So ist die Erkenntnis eines Gegenstands immer sehr gesellschaftlich - Verdummung aber leider auch.


(26ab) Leben ist subjektiv und gegenständlich zugleich. Gegenständlich ist seine Äußerung, wie sie erwirkt ist und wirkt und bewirkt wird: Wirklichkeit. Die Menschen haben in ihren Gegenständen ihr Leben wirklich sinnlich und was sie im Sinn haben, das hat auch ihren Sinn, wo er vergegenständlicht ist und ist also außer ihnen für sie ebenso sinnlich, eben gegenständlich. Was sie erzeugt und bewegt haben, ist ununterschieden von ihrem Grund, ihr wirkliches Sein und von daher auch der Beweggrund ihres Lebens.

Leben ist natürlich und die Natur selbst zugleich auch sein Gegenstand. Es hat also subjektive wie objektive Natur, zum einen als Inhalt des Stoffwechsels, der Vermehrung und Regeneration, zum anderen als vermenschlichte, als vergegenständlichte gesellschaftliche Natur im Reichtum, welchen die Menschen für sich geschaffen haben. Es ist in all diesem subjektiv und objektiv zugleich; - ihr Reichtum ist ihre Lebensvielfalt, wie sie geschichtlich entstanden ist. Nichts hiervon ist nur für sich und von daher auch nichts doppelt. Bloße Subjektivität wäre ein sich selbst aufhebender Sinn, also ein Unsinn, der sich das geben will, was er längst schon ist.


(26a) Soweit dies alles selbstverständlich so wäre, wie es für sie ist, wäre hierfür keinerlei besondere Erkenntnis nötig. Ihre Wahrnehmung bliebe ungebrochene Erkenntnistätigkeit, Ausffassung ihrer Lebensgestaltung, Bewährung ihrer Lebensäußerungen. Der Lebensalltag hätte keine andere Wirkung auf sie und wäre eben selbst schon ihre Wirklichkeit. Eine Erkenntnis könnte auch das Unbekannte im Bekannten voraussetzen, das ihre Kenntnis bereichert. Doch das Unbekannte erscheint ihnen bedrohlich, weil darin fremde Kräfte wirken, was die Menschen an ihren Wahrnehmungen, an ihrer Wahrnehmungsidentität zweifeln lässt. Was ihnen wirklich zu sein schien, erweist sich als unwirklich, weil es so nicht wirklich wahr sein kann, wie sie es wahrnehmen.

Menschen leben subjektiv und objektiv, also innerhalb dieser allgemein unterstellten Bezogenheiten ihrer Wirklichkeit, aber jenseits hiervon auch in Verhältnissen, worin sie sich selbst wechselseitig Gegenstand sind, sich als Mensch in anderen Menschen erkennen, sich ihrer Menschlichkeit also auch dadurch gewahr werden, dass sie sich in gesellschaftlichem Verhältnis als Mensch unter Menschen gegenständlich gewahr sind. Ihr unmittelbares Menschsein unter Menschen, ihre Zwischenmenschlichkeit, ist in gleicher Weise und in gleicher Inhaltlichkeit, wie ihr objektives Menschsein. Sie sind unter Menschen, wie Menschen auch wirklich zu ihren Gegenständen sind: Gegenstand für Menschen. Wie sie die Natur durch ihre gegenständliche Arbeit vermenschlichen, so sind sie selbst als Natur auch gegenständlich, aber immer als menschliche Natur, nicht als rein physische: menschliche Gesellschaft.

Ohne einander wären sie absurde Tiere: mit ungewöhnlichen Eigenschaften, ohne wirkliche Natur. Aber durch einander haben sie sich aus ihren tierischen Eigenschaften als Menschen hervorgetan, als Wesen, die in ihrem Zusammenwirken selbst eine Naturmacht geworden sind. Ihre Geschichte ist die Menschwerdung der Natur (Marx) als menschliche Gesellschaft, als geschichtliche Form ihrer Naturmächtigkeit, ihrer Lebensweise: ihrer Kultur. In ihrem gesellschaftlichen Verhalten, also in dieser Form von Gesellschaft, finden sie sich durch diese Gegenständlichkeit ihres Lebens in ihrem Menschsein selbst erst wirklich auch als Menschen bestätigt. In der Wahrnehmung, worin sich die Menschen selbst Gegenstand sind, in ihren unvermittelten Empfindungen und Gefühlen, vermitteln sie sich selbst unmittelbar darin, dass sie ihre gesellschaftliche Sinnlichkeit, den Organismus ihres Lebens, mit Haut und Haaren aufeinander beziehen, sich als gesellschaftlich lebende Menschen anerkennen, nicht, weil sie aus irgendwelchen höheren Regungen heraus gut zueinander sein wollen, sondern weil sie ohne andere Menschen nichts sind und Nichtigkeit nicht leben kann.

Es hat eben kein Mensch das Leben einfach für sich so, als könne er durch sich selbst leben, als wäre er durch sich selbst ausschließlich lebendig, als wäre es bloßes physisches Lebendigsein, das ihn leben lässt und als würde nicht etwas zwischen den Menschen geschehen, was erst ihr Leben ausmacht und eben deshalb sie nicht absterben lässt - und sei dies auch nur gegenwärtig als Sache oder Kulturgut oder auch als einfache Kultur.

In der Psychologie gibt es genügend Beweise dafür, dass Mensch deprivieren, wenn sie längere Zeit ohne Menschen leben müssen.

Die Selbsterzeugung als Mensch bestimmt sich aus seinem Dasein als Kulturwesen, welches die verschiedensten Formen im Lauf seiner Geschichte eingenommen hat. Indem Menschen Sinn durch einander finden und bilden, entwickeln sie ihre Kultur, was immer auch deren historisch mögliche Produktionsweise ausmacht. Aber sie bilden ihre Kultur nicht ohne die Produktionsweise selbst. Jeder Kulturepoche entspricht auch immer eine entsprechende Epoche der Lebensproduktion und ihrer Wirtschaftsform, wie auch der Unterscheidung von Lebensproduktion und Kultur.

Die unmittelbarste Kultur besteht heute in den zwischenmenschlichen Beziehungen, die sie von Geburt an haben, auch wenn diese Beziehungen eine gegenständliche Lebenswelt voraussetzen. Menschen erzeugen also nicht nur Gegenstände, sondern auch sich selbst in einer gegenständlichen Welt, wie sie als Reichtum an Kulturgütern über alle Augenblicke des Lebens hinweg fortbesteht. Wie sie sich gegenseitig wahrnehmen, so beziehen sie sich darin aufeinander und diese Beziehung ist daher immer zugleich auch eine Beziehung auf das, was sie innerhalb dieser Welt von einander wahrhaben. Ohne dies beides, ohne einander als Mensch wahrzunehmen und einander als Mensch wahrzuhaben, können sie sich nicht erkennen und als Menschen anerkennen. Denn nur in dem, was Sinn hat, ergibt sich das, was sie in ihrer Wahrnehmung auch als Sinn für sich haben.


(26b) Was die ihnen fremden Menschen selbst als sich unmittelbar äußernde Lebewesen ihrer eigenen Art, erbringen, verliert sich für diese selbst in einer Welt worin lediglich ihre Eigenarten und eigenartige Lebensweise konsumiert wird, weil sie einen Nutzen als Lebensmittel der Geldbesitzer außer ihnen darstellt. Aber auch Geld betreibt letztlich nur Lebensvermittlung, wenn auch in fremder Gestalt. Und was es den einen an Leben entzieht, das gibt es denen, die das selbst nicht wirklich leben können, was sie an fremden Leben aneignen, die aber sehr wohl leben können, weil sie etwas zum Leben haben, was sie sehr wohl als Lebensmittel nutzen können.

Doch auch dies ist nicht folgenlos, denn in der Entfremdung ihrer Lebensmittel zu ihren Lebensinhalten leben sie im Reich der Möglichkeiten, einem Reich von Nutzanwendungen, die nicht wehr wirklich leben und also auch nicht Leben erzeugen können. Was sie durch solche entfremdeten Lebensmittel erleben können, verschafft ihnen Erlebensvielfal. Aber darob wird ihr wirkliches Leben, ihr eigenes Leben immer einfältiger.


(26c) Gegen solche Minderwertigkeitsgefühle, die aus einer subjektiven Sinnlosigkeit und einer objektiven Gleichgültigkeit gegen jeden Sinn entstehen, können Gefühle sich in ihrer ästhetischen Repräsentanz mit Sinn füllen, indem sie Empfindungen erleben. In ihnen beginnt sich dadurch etwas gegen jede Sinnlosigkeit und Nichtigkeit zu regen, wodurch sie zu einem Erleben kommen, in welchem sich ihre Empfindungen von selbst einstellen. Gegen ihre Leere wird Erleben also notwendig. Damit sich in den Menschen etwas regt, wenn ihnen keine wirklichen Empfindungen mehr möglich sind, müssen sie sich selbst um reizvolle Empfindungen kümmern. Die Wahrnehmung erlebt diese Regungen wie eine eigene, eine rein ästhetische Wahrheit, welche nicht nur Regungen reflektiert, sondern auch selbst anregend ist. Im Gefühl wirkt das Wahrgenommene als Erlebnis für sich und bildet die Wahrnehmung auch als Ereignis für sich aus. Als dieses verlangt es keine Erkenntnis, ist also eine bleibende Selbstbeziehung. Ästhetik ist nicht Wahrnehmung überhaupt, als wäre sie vorzeitlich als diese bestimmt; Ästhetik ist Selbsterleben in der Wahrnehmung, also eine Wahrnehmung, die durch sich selbst schon Erlebnis ist, gleich, was ihre Gegenständlichkeit ausmacht, sofern sie zum Erleben taugt. Aber hierin ist Ästhetik schon eine verselbständigte Form der Wahrnehmung und als solche über deren wirkliche Inhalte erhaben. Da über die Wahrnehmung alle Erkenntnisse entstehen, wird die Wahrnehmung hierüber selbst gegen die Erkenntnis der Wirklichkeit selbständig und also auch von deren Inhalten abgezogen.

Erkenntnis kann nicht für sich in einem Menschen stattfinden. Sie unterstellt immer eine menschliche Beziehung und ist hierin immer ein gesellschaftlicher Prozess, auch wenn er nur in jedem einzelnen Menschen stattfinden, niemals kollektiv prozessieren kann. Weil Wahrheit unzweifelhaft ist, also nur in der Gewissheit konkret sinnlich sein kann, kann sie nur in dem sein, wo Gefühle ebenso gewiss sind wie die Empfindungen hierbei. Der Wahrnehmungsprozesss besteht aus dem Zusammenfinden und Zusammentragen von Gewissheiten und Wahrheiten in einem Menschen, wodurch er selbst zu einem sinnlichen Ganzen in seiner Welt wird, zu einem Organismus voller Sinn. Dies Ganze aber ist voller Empfindungen, die sich in einer Kultur des Geldes nicht wirklich sinnlich vermitteln, die in sich voller Gegensätze sind. Sie heben sich von daher substanziell gegenseitig auf und erzeugen in der Wahrnehmung selbst eine Leere, die sie im Menschen enden lässt, ihm nicht erkennbar wird und von daher für sich in ihm nur Mangel, Gefühle der Nichtigkeit erzeugen.

Die Wahrnehmung selbst ist dann aufgehoben und wird für sich unsinnig. Sie sucht nach Leben, nach Reizen, durch die sie sich wieder lebendig erscheint, Erregungen durch Reize, die ihr zum Erlebnis werden.


(26d) In einer Gesellschaft, welche als ganzes sinnentleert ist, worin die Arbeit ebenso nur veräußerte Bedingung zum Überleben ist, werden auch die Bedürfnisse der Menschen entleert, indem sie mit Widersprüchen befriedigt werden, die sie letztendlich entleeren. Aber durch äußere Reize kommt wenigstens ide Wahrnehmung wieder in Schwung. Darin heben sich die Beziehungen der Menschen aus der Wahrnehmung heraus zu einem Erleben, worin sie sich auch wirklich wahrhaben, indem sie wahrnehmen. Das Erleben hebt jede Beziehung, wie sie in der Wahrnehmung war, in die bloße Form, in das Äußere ihres Sinns. Wahrnehmung ist darin veräußert zu einem reinen Körperlich-Sein dessen, was sie wahrhat. Dieses hat mit der Beziehung selbst nichts mehr zu tun, aber im Erleben vollzieht sich eine körperliche Beziehung, in welcher die wahrnehmende Beziehung in eine tätige verwandelt ist. Es ist der Vollzug einer außer sich geratenen Wahrnehmung, die im Erleben sich in allem aufhebt, was die Menchen darin miteinander zu tun haben. Gleich, wie sie sich wahrnehmen, im Erleben ist ihre Wahrnehmung allgemein aufeinder bezogen ohne irgendeine eine Beziehung der Menschen zu verwirklichen. Diese ist darin selbst abstrakt und ungewiss und bezieht sich nach dem, was im Erleben allgemein und abstrakt ist.

Allgemein suchen die Menschen ihre Gewissheit in ihrem Erleben von dem, was sie wahrnehmen in dem, was sie wahrhaben. Darin erweis sich das Leben der Menschen lebendig ohne darin wirklich zu leben, in der Reflexion, worin es erlebt wird. Immerhin ist darin menschliches Leben allen gemein und lässt jeden einzelnen Menschen gesellschaftlich sein, - als ein Wesen, das seine Wahrheit als gesellschaftliche Identität hat, ohne wirkliche Identität für sich zu finden. In der Wahrnehmung wird lediglich ihr Sinn als Ganzes deutlich, der darin grundlegende Form ihrer Wahrheitsbildung ist, die von jeder konkreten Identität absehen muss, um eine allgemeine Identität darzustellen. Wahrnehmung als diese Form der Erkenntnis wird daher auch zur Form ihrer Abstraktion. Weil ihre Wahrheit konkret doppelt bestimmt ist und konkret nicht wirklich sein kann, solange sie doppelte Wirkung hat, kann nur ihre Abstraktion eine allgemeine Identität haben.


(27) Deren Abtrennung von der Wirklichkeit ihrer Gesellschaft war schon in ihrem Arbeitsprozess und in ihren Bedürfnissen als Trennung von ihrem gesellschaftlichen Reichtum, welcher in den Verhältnissen der Waren auf dem Markt sich vollzieht. Dies macht die Entfremdung der Menschen von ihrem Produkt, von ihrer gesellschaftlichen Wirklichkeit aus. Indem in der Formbestimmtheit der Wahrnehmung das Erkenntnisvermögen seinen Gegenstand verliert, entwickelt sich in ihr die Selbstentfremdung des Menschen, die Entfremdung menschlicher Identität von ihrem Sein, entwickelt sich eine Gesellschaft identitätsloser Menschen, die ihre Sinne auf einen Sinn für sich reduzieren und in einem Sinn für sich vereinen.

Die gegenständliche Erkenntnis verliert ihren Gegenstand darin, dass er als das, was er von den Menschen ist, nicht für sie ist. Was sie in der gegenständlichen Welt empfinden, das können sie dort nicht fühlen und was sie darin fühlen, das widerspricht ihrer Empfindung. In dieser Widersinnigkeit entspricht die Wahrnehmung ihrem Gegenstand unter der Bedingung abstrakter Gegenständlichkeit, unter bürgerlichen Lebensbedingungen. Darin sind die Gegenstände nur als Waren in Gesellschaft, also als abstrakte Dinge, und also für die Wahrnehmung unvermittelbar als Momente ihrer Wahrheit, solange nicht die konkrete gesellschaftliche Beziehung, die in ihnen steckt, erkannt, also entdeckt und verwirklicht wird. Solange ist deren Sinn geteilt im Erzeugen und Vernutzen. Die Aufhebung dieser Trennung kann nur praktisch sein - sowohl im Erkenntnisprozess als auch im Arbeitsprozess.

Durch das Erleben wird auch die gegenständliche Welt für die Menschen auf eine eigentümliche Weise wahr: Gerade weil ihre Wirklichkeit, der geschichtliche Prozess des Werdens zwischen Enstehen und Vergehen abwesend ist, gerade weil also zwischen Ursache und Wirkung kein gesellschaftliches Wesen wirklich ist, wird sie für die Menschen zu einem Widerschein des Lebens selbst, wie es sich nurmehr in ihnen regen kann: als Selbstgefühl, worin sich ihre Erlebnisse reflektieren. Das Abwesende ist dadurch anwesend, dass es im Leben selbst als das in ihnen Seiende wahrgenommen, als solches erlebt wird. Im Erleben wird Sinn vernommen, wie er nicht wirklich da ist, wie er aber sinnlich in den Zufällen des Erlebens wirkt. Ohne gegenständliche Wahrnehmung erfahren die Menschen ihre Selbstgewissheit als Dasein ihrer Erlebnisse, die ihnen in solchen Verhältnissen möglich sind. Ihre gegenständlichen Gefühle und Empfindungen kommen darin ungegenständlich auf sich als pures Selbstgefühl zurück. Das dem Erleben vorausgesetzte Leben wird zum Ereignis der Gefühle, die sie in ihrem zwischenmenschlichen Leben erfahren und als innere Bestärkung bewahren.


(28) Diese Gegensinnigkeit hat ihren allgemeinsten Grund schon in der Gegenständlichkeit der gesellschaftlichen Lebensverhältnisse selbst. Es entzweien dieselben Gegenstände das Leben der Menschen dadurch, dass sie als menschliche Lebensäußerungen nicht auf die Menschen zurückkommen, sondern unter bürgerlichen Produktionsbedingungen nur als Wertding abstrakt gesellschaftlich existieren. Im ursprünglichen Kreislauf von Ware und Geld und Kapital werden diese Dinge durch Austausch zwar abstrakt, aber doch real erworben, meist durch Verkauf der Arbeitskraft, Verausgabung fremd bestimmter Arbeit. Aber wo das gesellschaftliche Wertding als Geld und Kapital sich über den gesellschaftlichen Stoffwechsel hinaus selbst zur Lebensgrundlage für Menschen entwickelt (z.B. durch Wirtschaftsmächtigkeit über andere Gesellschaften und fiktives Kapital), ist auch das gegenständliche Leben nur durch seine Abstraktion vom Leben der Menschen vermittelt.


(29) Dem entspricht das Lebensverständnis des Existenzialismus, wonach der Mensch nicht in seiner gesellschaftlichen Geschichte Mensch ist, sondern durch seine Geburt in eine Welt geworfen wird, in welcher er sein Leben im Angesicht des Todes gründet. Hier ist Leben einfaches Schicksal, das einerseits von Natur gegeben ist, zum anderen vom Geschick des Einzelnen abhängt. Lebensbedingungen und deren Geschichte sind nichts anderes als das Produkt des Lebens selbst, welches sich intersubjektiv erhält, ohne darin gesellschaftliche Bestimmung zu erzeugen oder zu erfahren - wenn doch, so verlangt dies das Geschick der Menschen, sich dem zu widersetzen. Eine über das Einzelwesen Mensch hinausgehende Gesellschaftlichkeit, eine gesellschaftliche Geschichte als Geschichte der Gesellschaften (siehe historischer Materialismus) gibt es hiernach nicht. Das Leben besteht zwischen Geburt und Tod, und alles, was darin geschieht, ist bedingungslos und unbedingt existenziell, in seiner Einzigartigkeit herausragend - von einem anderen Lebensverständnis her gesagt: Abstrakt von seiner Entstehung und Geschichte, seiner gesellschaftlichen Wirklichkeit und Gewordenheit.


(29a) Das Leben findet Sinn in solchen Lebensumständen, in Ereignissen, die durch ihren Reiz zum Erlebnis geworden sind. Darin treffen sich die Empfindungen und Gefühle, ohne für die Menschen in einem bestimmten Zusammenhang zu stehen, aber dennoch in ihrem Sinn durch das Erleben vereint zu sein, also dadurch, dass dieses als Form ihrer Lebensumstände ihre Wahrnehmung bestimmt, Formbestimmung ihrer Wahrnehmung ist.

Obwohl Leben immer nur konkret in den unmittelbaren Lebensverhältnissen sein kann und auch nur dort empfunden wird, wirkt es im Erleben selbständig, nicht mehr vermittelst seiner Lebensäußerung, sondern nur getrennt hiervon in Wahrnehmungen, die ohne Wirklichkeit sind, und gerade hierdurch Sinn für sich bilden, Gefühle, worin Wirklichkeit die Menschen erreicht, ohne etwas an ihnen zu bewirken, ohne wirklich für sie zu sein - außer eben als Selbstwahrnehmung durch die Wahrnehmung der Reize. Als Lebensform für die Wahrnehmung verbleibt das Erleben in einem Gefühl, worin es Sinn nur für sich hat, Sinn ohne Grund in sich.


(30) Natürlich erscheint solches Verhältnis nicht so leer, wie es ist. Es besteht aus vielerlei Inhalten und Pflichten, die keinen Zweifel aufkommen lassen, dass es um vieles geht - um vieles, was darin sich bewegt, ohne durch sich in Bewegung zu sein, ohne Veränderung oder Verbesserung des Lebens der Menschen. Dieses besteht nicht qualitativ, hat kein Wesen, das sich formuliert. Meist geht es darin um Quantitäten, um Erlebensmöglichkeiten, die geboten sind, Events, die Veränderung versprechen, aber immer nur wieder in das zurückfallen, aus dem sie hervortreten. Das kann zwar als Veränderung, ja auch als Verbesserung der eigenen Lebenslage erscheinen - eben weil es Abwechslung ist - es bleibt aber ohne Wirkung, ohne wirkliche Veränderung. Eine Verbesserung kann nur eine Entwicklung sein, eine wesentliche Veränderung, Geschichte. Jeder Sinn, der nicht Sinn erweckt und bildet, ist im Grunde Unsinn. Jeder Sinn ist durch seine Bewegung, durch das, was er verändert, Geschichte macht. Wenn er sich nur deshalb in Bewegung befindet, weil er bewegt wird, wird er Unsinn. Wahrnehmung wird im Erleben zu einer Selbstbewegtheit, zur bloßen Emotion (emovere heißt "herausbewegen").

Alle menschlichen Äußerungen, die andere Menschen berühren, verändern sie auch. Ob es Musik ist, Kunst, Arbeit, Pflege oder Denken, nichts bleibt hiervon als Erlebnis zurück, wenn es etwas in einem Menschen berührt und ihn daher in Bewegung versetzt hat und ihn hernach anders sein lässt, als zuvor, er also auch als anderer Mensch angetroffen werden wird.


(31) Wenn man von jedem Sinn abstrahiert, dann bestimmt sich Kultur letztlich aus einem Lebenraum, der sich von anderen Kulturen unterscheidet und abgrenzt. Der Kultur sind an und für sich alle politischen Grenzen gleichgültig. Ihre Grenzen bestehen in der Art und Weise, wie Menschen miteinander auskommen und verkehren, was sie hervorbringen und gestalten und worin sie Sinn für ihr Leben sehen und finden. Dies ist ihr Kulturkreis, in welchem für sie entstanden ist, was für sie Leben bedeutet. Von daher ist die leerste Bestimmung, welche Kultur hat, der Raum, in welchem sie entstanden ist. Der Raum ist ursprünglich bestimmt durch die Kulturen der Menschheit. Zeit hat damit nichts zu tun, lediglich als Verlauf ihrer Entstehung, also im Prozess ihrer Entfaltung.

Konkret bezieht sich eine Kultur auf jede andere, teils in der Unterscheidung von dieser und teils im Interesse an ihr, im Interesse an anderem Leben, welche das eigene bereichern kann, an Gestalten und Gedanken, welche die eigene Kultur weiterbringen. Abstrakt, als bloßer Kulturraum ist Kultur aber nur für sich durch ihre Räumlichkeit bestimmt. Abstrakt wird der Raum selbst zur Form, worin sich Kultur ereignet, zur Formbestimmung kulturellen Erlebens. Damit bekommt der Raum eine allgemeine Bestimmung, die um so allgemeiner ist, wie sich kulturelles Erleben darin entfaltet. Als bloße Form bestimmt dann der Kulturraum auch seine Verhältnisse zu anderen Kulturen. Jede andere Kultur ist darin strikt abgegrenzt, dass sie einfach anders ist, dass sie einem Sinn Raum bietet, der einfach nicht hierher gehört, gleich, was er wirklich ist. Die Abstraktion von jedem Sinn macht nicht nur bürgerliche oder "westliche" Kulturverhältnisse aus, sie begründet zugleich eine bestimmte Beziehung zu Andersartigkeit, Fremdenfeindlichkeit. Sie gründet ein politisches Interesse, Andersartigkeit der eigenen Art zu unterwerfen, nicht nur gegen fremde Kulturen, sondern auch gegen Menschen in der eigenen Kultur, die sich in ihrer abstrakten Vermittlung nicht einfügen können, die also unartig sind.


(32) Die bürgerliche Kultur für sich genommen ist eine Multikultur des Erlebens. Das Problem der Ausländer darin ist nicht ihre Lebensform als solche. Ihre Beiträge für Küche, Tanz und Musik sind unbestritten, sofern sie erlebt werden kann im eigenen Land, eben so ähnlich wie wenn durch Tourismus ein Land bereist, also lediglich für die Wahrnehmung gewahr ist. Das Problem mit Ausländerkulturen haben die Bürger nur dadurch, dass sie hier auch wirklich leben, sich als andere Menschen in einem Kulturraum befinden, für den sie zwar arbeiten, aber der gesellschaflich nur im Erleben wahr wird. Wo sie ihre Religion oder ihr Wohnen oder ihre kulturellen Zusammenhänge, Riten und ihr Brauchtum wirklich aufleben lassen, werden sie als Fremdkörper wahrgenommen. Es bleibt ihnen daher oft nichts anderes, als in ihre Parallelgesellschaften auszuweichen. Ihr Heimatland entsteht im "Nachhausegehen" an ihrer Haustür, in ihrer Moschee oder in ihrer politischen Gruppe.


(33) Seitens der Naturwissenschaften wurde bereits an Ratten die Wirkung von Reizen auf den Körper selbst gemessen und festgestellt, dass auch der Körper selbst im Maß der Eindrücke auf ihn wächst. Die mit starken Eindrücken (Reizen) aufwachsenden Ratten waren signifikat größer als die unter gewöhnlichen Umständen aufgewachsenen. Man sieht, es handelt sich hier nicht um nur intelligible Wahrheiten, sondern um sehr "sinnfällige" Wirklichkeit.


(34) Das Holocaust-Mahnmahl in Berlin zeigt eindrücklich, womit heute das Ungeheuerliche verarbeitet wird: Mit Fläche und Raum, die in einer ganz bestimmten Dichte von Stelen gefüllt ist. Der Bewegungsradius des menschlichen Körpers macht das Maß dieser Dichte aus. Tatsächlich wird darin bloße Verlassenheit empfindbar und Bestimmungslosigkeit wie eine Macht gefühlt. Wer in dieser Bestimmungslosigkeit "das Undenkbare" (Adorno) wahrhaben will, wird dieses Mahnmal adäquat finden. Gedanken werden ihm in der Fläche nicht kommen, sicher aber viel Gefühl - das andere Selbstgefühl, das durch die Stelen, die zerteilte Masse von Raum vorstellen, ganz von außen kommt. Damit ist das Mahnmal des Undenkbaren wirklich zu einem Abschluss gekommen, indem dieses in das gewöhnliche Wahrnehmen eingebürgert wird. Es gemahnt zwar an die Gewalt der Leere, lässt aber kein Denken darüber aufkommen, wie diese Gewalt entsteht, lässt es undenkbar - wie schon Adorno das Undenkbare zum Kult einer Selbstbescheidung erhoben hatte. Angesichts des Undenkbaren muss ein Denkmal eben Bescheidenheit vermitteln und in seinem Sinn bescheiden sein, alleine die Masse seiner Leere als Größe eines Platzes darstellen. Es wird bald vielen so gefallen und angemessen erscheinen, wo anderes doch auch heute nicht mehr vorhanden. Die gesellschaftliche Leere und Ödnis, welche die kapitalistische Gesellschaft immer wieder erzeugt, wenn ihre einzige Prothese, das Erleben, in nichts, und also in Vernichtung zusammenfällt. ist längst nicht überwunden.


(35) Was die Dichte der Anwesenheit von Menschen ausmacht, ist gänzlich leer und nur in dieser Leere der Sinn abstrakter Bezogenheit. Natürlich kann es eine abstrakte Beziehung nicht wirklich als Abstraktion geben. Sie besteht aus der Wirkung der Abstraktion in den vielfältigen Äußerungen, die sie hat und ist von daher bloße Formbestimmung. Was die Menschen auch tun und miteinander treiben, es ist immer wirklich konkret. Die Wirkung ihrer abstrakten Bestimmtheit erscheint aus dem Hintergrund ihrer Wirklichkeit wie eine Macht des Gemachten, wie ein abstrakter Sinn, der ihre Beziehung unwirklich macht, der in sich aufsaugt, was deren Geschichte ausgemacht hätte und der sich in Geschichten versinnlicht, die nur außerhalb der Menschen ihren Sinn haben. In ihm scheinen ihre Erlebnisse verdichtet und für sie unerreichbar, sinnlos.


(36) Hierbei geht allerlei zusammen, was nicht zusammen gehört. Alles kann einem Menschen auf diese Weise vertraut werden, was in Wahrheit kein Vertrauen bei ihm verdient. Eindrücke des Grauens lassen sich in der Wahrnehmung mit außerordentlichen Glücksgefühlen nur deshalb verbinden, weil darin Menschen eine ihnen ansonsten ungewohnte Nähe zu sich selbst hierbei überkommt. So erklärt sich aus der Wucht der Eindrücke, warum sich z.B. in in ihre Geiselnehmer verlieben, warum Sadismus nötig ist, um Lust zu empfinden usw. Aber auch in alltäglichen Gefühlen und Wahrnehmungsbildern ist als Kitsch gegenwärtig, was versöhnt sein will, auch wenn es sich in Wahrheit vollständig wirderspicht, widersinnig ist. Es ist nicht unbedingt Sehnsuch, was dies betreibt, meist ist es Assoziation von Wahrgenommenen mit unerkannten Bedingungen der Wahrnehmung, also mit der Wirkung des Wahrgehabten.


(37) Das bringt die Wahrnehmung tatsächlich dort voran, wo sie nicht wirklich ist. Ein Hauch von Mythos umgibt die Gefühle, welche in ihrer Wirklichkeit entkerntsind. Liebe, Freude, Glück werden schon vor aller Wirklichkeit und Verwirklichung als wahr empfunden, nur weil entsprechende Gefühle aus ihrem Gedächtnis heraus auftreten. Begeisterung belebt - zumindets vorübergehend - und Verliebtheiten entstehen schneller und sind auch flüchtiger, weil sie oft an ihrer Wirklichkeit scheitern. In der Verdichtung gibt es aber auch vielerlei Täuschung, die nur durch Enttäuschung wirklich wahr werden kann. So wird mancher Fortschritt der Gefühlswelt auch zu einer Falle, weil er nur auf den Weg in den Absturz vorankommt. Oft ist es schwer, ohne Erfahrung oft unmöglich, diese Falle zu erkennen.


(38) Die Tätigkeiten hierfür bleiben abgesondert und sonderlich, weil sie hiergegen ohnmächtig sind und ihre Wahrheit auch nur Ohnmacht vermitteln kann. Die Untätigkeit jedoch feiert die Tat. So mag z.B. dem weltlichen Leben das Leben eines Künstlers in seiner Einfachheit abstrus erscheinen, als ästhetisches Werk steht es doch über allem, weil es eine Wahrheit zeigt, die es sonst nirgendwo wirklich gibt. In seiner Besonderheit ist auch das Verrückte absolut wahr und der Wahn wird beklatscht und bewundert, wo er nicht gelitten werden muss. Es ist der Schmerz des Ästhetischen, zur Unwirklichkeit verdammt zu sein, wie es die "Wunde der Kunst" bei Adorno ist. Aber bei jeglicher Wundbehandlung erscheint nur die Wiederherstellung, der Weg in die Klassik befreiend und zeigt den Arzt als Konservator. Adorno war dem aufgesessen, indem er auf diese Rolle bestand und sich gegen die Spontaneität der Wirklichkeit wandte.


(39) Brot und Spiele, Kunst und Tollerei sind demzufolge auch die probaten Mittel, gesellschaftliche Krisen vergessen zu machen und Wirklichkeit damit einzutauschen. Die Bemühungen der Medien sind darin nicht zu übersehen und haben omnipote Erfolge. Aber wehe dem, der darin versagt, dass er sie all zu wirklich nimmt. Er wird sein ganzes Erkenntnisvermögen opfern müssen, um dabei bleiben zu können.


(40) Solche Wahrnehmung bleibt der Erkenntnis nicht notwendig verschlossen. Aber sie muss zumindest im Nachhinein durcharbeitet, ihr Zerfall aufgehalten werden, um dahin zu gelangen. Oft ist es das Werk der Dichter, deren Verdichtungen zu bedenken, zusammenzuführen und in Beziehung zu setzen. Was sie dichten, macht Verdichtung erst erkennbar.


(41) In der Verdichtung kommen die Menschen auf sich in der Weise zurück, wie sie darin Sinn für sich finden und haben. Um dies zu erreichen, haben sie dichte Kulturereignisse nötig, über welche sie eine äußere Identität für sich gewinnen, eine Klarheit in sich fühlen, die sich aus dem ergibt, wodurch sie außer sich sind, beeindruckt sind. Diese Klarheit vergeht schnell, sobald ihre sonstige Lebenswirklichkeit hinzutritt, aber sie ist das Moment ihrer Verbindung mit sich selbst durch eine Wahrnehmung, in welcher sie sich selbst nahe kommen, weil sie darin ihre Wahrnehmung in sich verdichtet finden, sich selbst empfinden.

Dies kann über jede Erlebensform geschehen, die sich von ihrer sonstigen Wahrnehmung in der Verdichtung unterscheidet, seien es Erlebnisse auf dem Jahrmarkt oder in einem Konzert. Ihre Idole spiegeln dies wider, bekommen die übermenschlichen Züge der Verdichtung ihrer Gefühle, die sie da hinein geben und dort empfinden.So harmlos dies ist, so deutlich wird doch auch das Verlangen, das in der bloßen Wahrnehmung entsteht, wenn sie alleine in ihrer Abstraktion besteht.


(42) Natürlich muss das Abstrakte als Geheimnis bewahrt werden, sollen diese Geschäfte auch erfolgreich sein. Die Esoterik bietet hierfür die Verzauberungsformel: Die feinstoffliche Interaktion mit dem Kosmos und der Natur erweist dem Gefühl seine Referenz. Und darin bekommt die Verdichtung ihren theoretischen Grund. Das Abstrakte wird konkret, die Natur zum Wunderding und der Kosmos zum Lebenszauber der Schicksalhaftigkeit, die jetzt auch logisch wird - z.B. astrologisch.


(43) Das ist auch der Grund, warum solche Verdichtungen, z.B. Träume oder Wahnsinn, keine Zeit kennen, aber Raum als solchen, in allen Abstufungen von Nähe und Ferne, von Beziehung und Entfremdung. Was darin qualitativ erscheint, stellt sich immer schnell als Quantum der Eindrücklichkeit heraus, welches darin reflektiert ist.


(44) Der Raum ist für sich genommen die höchste Abstraktion von Kultur. Alles kulturelle lässt sich dahin abstrahieren und erscheint in dieser Abstraktion in Naturform. In Kunst, Architektur und Grafik wird der Raum (auch als Fläche) zu einer eigenen abstrakten Gefühlswelt, worauf sich alle bestimmte Wahrnehmungen reduzieren lassen. Es hatte lange gebraucht, bis man z.B. das Wohlgefühl, das der "Goldene Schnitt" vermittelt, darin begründet fand, dass er die Proportionen des menschlichen Körpers darstellt. Auch die Fläche selbst vermittelt für Kulturmenschen Gefühle, die der Wahrnehmung von Fläche, Ausdehnung, Weite, Enge, Leere, Verengung, Erweiterung usw. entspringen, nicht weil sie per se abstrakt wären, sondern weil sie in der Gewöhnung an die Abstraktionen des Gefühls im Menschen erinnert werden und also auch Gefühle wie Freude, Angst, Sehnsucht usw. erwecken können.


(45) In der Geschichte war der Raum immer schon eine wesentliche Kulturform. Nur war diese nicht auf das Erleben, sondern auf das Leben bezogen. Ein Höhlenmensch wird z.B. in seiner Höhle, keine Angst bekommen oder Beengung überhaupt verspüren, weil er sich da zuhause fühlt. Einem modernen Menschen, der die Weite und Ausdehnung seiner Lebensbedingungen als die Basis seines Glücks sieht, wird eine Höhle ganz anders erleben.


(46) Architekten wissen dies und kalkulieren in ontischen Dimensionen. Sie bauen Kirchen, welche die Unendlichkeit und Allmacht des objektiven Gefühls vermitteln. Ihre Wohnungen, soweit sie nicht durch einen knappen Geldbeutel bestimmt sind, weiten sich zur Gestalt bestimmter Lebensgefühle, die solange hergestellt werden können und an die man sich gewöhnt, solange darin kein wirkliches Leben stattfindet, Dann allerdings kollidiert die kultivierte Wahrnehmung mit den Menschen, die sie eigentlich zu leben haben, weil se sich die als ihre Hülle zugelegt hatten. Depressionen erzählen hernach ihre Geschichte in der Gestalt von Selbstlähmungen.


(47) Das Gedächtnis basiert zum großen Teil auf dem Reiz der Eindrücke, also auf der Dichte des Erlebens. Dieses drängt die Inhalte der Wahrnehmung in ihre Form. Dem Denken wird der Inhalt verbleiben, aber im Gedenken ist der Eindruck tragend. Erlebnisse vermögen es, die Menschen über ihre Gedanken hinweg zu tragen und sie dem Reiz des Unmittelbaren auszuliefern. Dies liegt nicht an einem Unterschied von Gedächtnis und Denken, sondern an der Trennung der Empfindungen durch den Reiz des Erlebens.


(48) Ein Verhältnis zur Geschichte eines anderen Menschen ist nur möglich, wo sich diese mit der eigenen trifft. Doch dieser Treffpunkt lässt sich oft fasst nur noch archäologisch finden, weil er keine gesellschaftliche Form mehr hat, weil menschliche Beziehungen nur noch über die Schluchten vereinzelter Geschichten verlaufen, die sich kaum mehr wirklich treffen.


(49) Nur in einer bestimmten Entwicklungszeit der individuellen Persönlichkeit, die mit Pubertät bezeichnet wird, wird dieser Mythos höchst real durchlebt. Darin vollzieht sich die Dramatik einer Entwicklung, in welcher die Lebensgeborgenheit der Kinder durch ganz bestimmte gesellschaftliche Erfahrungen im Leben von Jugendlichen in der bürgerlichen Kultur bedrängt wird. Mehr als die tatsächlichen Körperveränderungen geht es um die Veränderung der Selbstwahrnehmung in einer Zeit, wo gesellschaftliche Erfahrungen in den Widerstreit zur Erfahrung einer oft "heilen Welt" kindlicher Geborgenheit in einer Familie gerät.
Die gesellschaftliche Beziehungsform des Jugendlichen erleidet einen elementaren Bruch, der ihm über sein körperliches Dasein vermittelt wird, weil diese Beziehungsform vor allem über den Körperfetischismus dieser Gesellschaft erwächst. Er muss dabei Fähigkeiten erwerben, die ihm fremde Kulturmächtigkeit vermitteln, also ganz und gar nicht naturbestimmt sind: Es geht um die gesellschaftlich gesetzte Notwendigkeit, in dieser Kultur Selbstwert zu bilden, der im Leben selbst nicht entstehen kann, der also ein aufgesetztes Leben verlangt. Alle Wahrnehmungen werden schlagartig an dem bemessen, was sie für diesen Wert darstellen und bilden eine Welt der Selbstgefühligkeit aus, in welchen sich viele Jugendliche erst mal nicht wiedererkennen, bevor sie nicht ihre individuelle Wahrnehmungswelt aus ihrem Tun und Lassen hierin für sich geschaffen haben. Von daher sind sie heftig an allen möglichen Idolisierungen interessiert, die ihnen z.B. aus Medien, Kulturevents, Massenveranstaltungen oder auch aus Markenartikel zuwachsen, bzw. geboten werden. Das Idol gibt ihnen meist die erste Sicherheit in den Unsicherheiten einer gesellschaftlichen Kultur, die ihre Wahrheit mit sich selbst gebrochen hat. Das Verlangen nach Wahrheit ist somit nicht ein kindliches Verlangen sondern drückt eine allgemeine menschliche Notwendigkeit aus, die in dieser Kultur beständig durch Wahrnehmungen überwunden und aufgehoben wird, die dem Selbstgefühl als solchem dienen - und ausschließlich diesem. Dies eben macht der Doppelcharakter dieser "Entwicklungsphase" deutlich, in welchem die Abhängikeit von Idolen zugleich die eigene Not der Selbstwahrnehmung bestimmt - sie also nicht nur aufhebt, sondern zugleich auch ihre Ohnmacht bestärkt.


(50) Die Geschichtslosigkeit des Körperlichen hat viele Bilder und Gestalten. Besonders deutlich wird das an der Tattoo-Kultur, an den Bildern, die ihm für alle Lebenszeit eingebrannt werden. Sie sollen ihn zum Darsteller machen, zu einem Sinn, der endgültig ist. Sie sind keine Mode, mit der er gekleidet ist und worin auch bestimmte Selbstgefühle kultiviert werden. Er wird selbst zu einer Bühne des Erlebens, indem er bestimmte Bilder auf seiner Haut präsentiert, eben Bilder, die ihn für ein bestimmtes Körpererleben ausprägen und verewigen sollen. Schon manche Beziehung ist daran auch gescheitert, dass ein Name an prägnanten Körperstellen eintätowiert war, der längst vergessen sein sollte.


(51) Die Natur des Körperlichen wird auch in den bürgerlichen Wissenschaften als ontologisches Substrat verstanden, als Inbegriff menschlichen Seins. Die Aufklärung selbst hatte auf höchster Abstraktionsebene die Natur aus ihrem Dasein in menschlicher Gesellschaft herausgetrennt und zu einem Wesen gemacht, welches ihr als Naturbestimmung vorausgesetzt wurde. Alle natürlichen Gründe menschlichen Zusammenwirkens wurden damit zu einem naturhaften Grund für das gesellschaftliche Sein der Menschen. Menschliche Gesellschaft wurde somit zu einer bloßen Notwendigkeit des Lebens, zur Lebensform einer Natur des Mangels herabgesetzt.und als natürliche Entwicklungsstufe einer hohen Lebensvielfalt, als Substanz menschlicher Sinnlichkeit, als Sinnesreichtum durch den entfalteten Reichtum gesellschaftlicher Produktion miskreditiert. Unmittelbar hieraus ergibt sich das Verständnis von Arbeit als Naturnotwendigkeit des Hungers - so, als ob die Menschen im Vergleich zu den Tieren zu blöd wären, sich zu reproduzieren und sich deshalb dieses komplizierte Gewirke einer bürgerlichen Gesellschaft zugelegt hätten, in welcher jeder nur arbeitet, um zu leben, weil das Kapital davon lebt, dass viel gearbeitet wird. Wo tierische Arbeit noch lediglich Aufwand ihres Lebens war, wurde hierdurch der Mensch zum Objekt der Arbeit, zu ihrem Sklaven. Und in diesem Sinn wurden dann auch Texte geschmiedet die behaupteten, dass Arbeit frei machen würde.

In der menschlichen Gesellschaft ist Natur nicht abwesend, nicht abgetrennt und nicht vorausgesetzt. Sie ist die Form menschlicher Natur, Natur als Gesellschaft, in welcher die Menschen sich selbst befähigten, sich über die Notwendigkeiten des unmittelbaren Naturbedarfs herauszuheben und menschliche Bedürfnisse, insgesamt das Bedürfnis nach Lebensvielfalt, Entwicklung und Reichtum hieraus zu emanzipieren, indem sie Natur zu Gegenständen des gesellschaftlichen Reichtums der Menschen verarbeiteten.


(52) Doch solch theoretisches Bewusstsein ist nicht sehr verbreitet. Die bürgerlichen Wissenschaften, soweit sie nicht völlig pragmatisch argumentieren, gehen meist von einem Wesensunterschied von natürlichen und gesellschaftlichen Bestimmungen aus, die zu einem Zwiespalt im Menschen werden, zu seiner individuellen Problemlage, in welcher solche Wissenschaft vemitteln will. Klassisch ist hierin die Psychoanalyse, welche im Individuum eine rein naturbedingte Begierde sieht, der die Gesellschaft als Ordnungsmacht, als Realitätsprinzip begegnen müsse, um sie nicht ihrem gesellschaftslosen Chaos, um sie nicht der Selbstzerfleischung zu überlassen. Lustbefriedigung wird hierbei als Kompromiss zwischen "innerer und äußerer Natur" begriffen, welcher jeden Menschen dazu veranlassen würde, sich zwischen den Mächten von Lust- und Realitätsprinzipien im Befriedigungserlebnis zu versöhnen.

Radikaler werden diese Versöhnungen von den Positivisten, besonders den Behavouristen als Grundlage jeden Verhaltens verstanden. Dort macht die Stimulation von Verhalten als Reaktion auf Naturreize selbst schon Realität aus und erfordert Handlungen, mit welchen Natur bedient wird, gesellschaftliches Verhalten also schon per se der Natur unterworfen gilt.

Noch konsequenter sind hierin die Genetiker und Sozialdarwinisten, die persönliches und soziales Verhalten selbst nur als Ausdruck von Naturbestimmungen ansehen. Weil sie in der Naturalform des Körpers, in seinen Zellen, Hormonen, Synapsen und Strömungen Bewegungsformen seines bestimmten Lebens nachvollziehen können, setzen sie das Leben selbst zur Bewegungsform des Körpers herab, inzwischen sogar als genetische Bestimmung des menschlichen Willens. So neu ist das nicht. Es entspricht der platten "Weisheit" der alten Anstaltspsychiatrie, die, weil sie z.B. Adrenalinausschüttung bei Agressivität feststellen konnte, diese als Ursache agressiven Verhaltens angesehen hat.... ebenso die Erhöhung des Zuckerstoffwechsels bei "Schizophrenen" als Ursache der Schizophrenie usw. Eine Befragung des eigenen Widersinn steht in solcher Ursachen"forschung" nicht mehr an.

Aber auch geisteswissenschaftliches Bedenken begründet sich in naturhaften Vorstellungen und Interpretationen. So lehnen zwar die Phänomenologen jede vorausgesetzte Wesensbehauptung ab, finden diese aber "unvoreingenommen" in einer wesentlich formalisierten Allgemeinheit, einer Naturgestalt der Phänomene. Hier wird Natur als objektive Gesetzmäßigkeit begriffen, die sich aus dem Phänomen herausabstrahieren lässt. Was sie betreibt, vollzieht sich daher zwar nicht als Natur, aber wie ein Naturgesetz der Erkenntnis, der Wahrnehmung oder der Psyche, z.B. als "Tendenz zur guten Gestalt".

Existenzialistische Ansätze begreifen persönliches wie gesellschaftliches Verhalten selbst als bloße Existenzfrage angesichts der Macht der Vernichtung, des Todes. Auch hier wird die Abstraktion von wirklichem gesellschaftlichem Sein verkehrt zur Behauptung einer quasi natürlichen objektiven Notwendigkeit, die dem einzelnen Menschen totale Selbstverantwortlichkeit auferlegt, ihn "zur Freiheit verurteilt" (Sartre), die sich in einen gesellschaftlichen Prozess fortsetzen und wie von selbst verallgemeinern würde.

Allen diesen Theorien ist gemein, dass sie das menschliche Leben allein aus der Anschauung seiner Gegebenheit heraus interpretieren, welche in eine ontische Kategorie, in die Behauptung einer Naturgesetzlichkeit des menschlichen Lebens aufgeht, die seinem gesellschaftlichen Dasein vorausgesetzt sei.

Doch bevor solches Interpretieren überhaupt zu einer Frage nach dem Rätsel seines Gegenständs kommen kann, erliegt es schon seiner eigenen Bedingtheit, die sich in der Behauptung einer absoluten Lebensbedingung fortbestimmt. Doch Leben kann kein Ding sein. Es besteht ja auch gerade in der Befragung der Dinghaftigkeit und Verdinglichung, in der Herabsetzung und Überwindung des Toten, in dessen Wendung zur Selbsterneuerung, zur Lebensentfaltung eines neuen Wesens aus dessen verwesender Form. Zu einem Bewusstsein dahin muss sich die Wissenschaft erst selbst emanzipieren, wenn sie nicht zum bloßen Handlanger der Gegebenheiten und Sachzwänge werden will.


(53) In der Esoterik wird das abstrakt Körperliche daher mit dem Feinsinn gleichgesetzt, der als das verstofflichte Geistige gilt, als Feinstofflichkeit. Dort werden die körperlichen Abstraktionen wieder wahrnehmbar, das Unlebbare zu einer Empfindung irgendwelcher Art. So entstehen "Kraftströme" und "Kraftfelder", in welchen so viele Bestimmungen des Ungelebten zusammenkommen, dass es hie und da tatsächlich zu einer bekräftigenden Empfindung in einem ansonsten leeren Menschen kommen kann. Das Geheimnis der Esoterik beruht nicht auf Suggestion oder Religion, sondern auf dem Zusammenkommen abstrakter Sinnfälligkeiten, die dem Körper so zugeführt werden, dass er darin zu sich eine Verbindung mit dem Ungelebten finden kann (vergl. z.B. die "Kraftfelder" bei Hellingers Familienaufstellungen).


(54) Der Körper stellt Sinnlichkeit schlechthin dar und die Menschen dramatisieren dies daher auch gerne, um in Beziehung zu kommen, indem sie ihn zur Schau stellen. Die körperlichen Atribute werden betont durch Mode, Schmuck oder Piercing. Hierbei handelt es sich nicht um ein gegenständliches Verhältnis zu Schönheit, z.B. zu Farbe, Form und Gestalt, sondern um eine Hervorkehrung des Körpers als Stimulanz für zwischenmenschliche Beziehungen, Sex-Apeal oder exotische Phantastik o.ä. als Beziehungsangebot.


(55) Gleichgültig, was sie tun, was ihre Geschichte ausmacht und wodurch sie leben: Im Körper erleben die Menschen immer und ausschließlich sich selbst als Kultur für sich. Ohne gegenständliches Leben haben sie ihren Lebenszusammenhang auch wirklich nur durch ihren Köper wahr, lieben sich, wie sie sich erscheinen, weil sie sich als das erscheinen, was sie lieben. In ihnen regt sich, was außer ihnen geboten ist und sie bieten ihre Selbstwahrnehmung als Gegenstand der Wahrnehmung. Daher sehen sie sich ihren sinnlichen Regungen unterworfen. Weil sich ihre Sinne nicht mehr wirklich für andere regen, weil sie also nur an anderen Menschen Sinn für sich finden, sich durch andere erregen, um Regungen zu haben, werden ihnen ihre eigenen Regungen zu einem Mythos menschlichen Lebens, zu einem übersinnlichen Sinn, der in ihrem körperlichen Leben lediglich herausscheint wie eine Seele, die von einem höheren Wesen geschaffen ist.


(56) Fetischismus ist die Unterwerfung unter einen Fetisch, einem Symbol oder Bildnis eines Kultes, an welchem sich schon die früheren Kulturvölker versammelt haben, um ihren Göttern zu dienen, von denen sie glauben, dass durch sie ihr Leben gegeben ist. Wo den Menschen ihr Leben nur noch durch das Dasein ihrer Körperlichkeit gegeben erscheint, wird ihnen diese zu ihrer Menschlichkeit. Sie ist dessen notwendiger Schein, also die Form worin der abstrakte menschliche Sinn körperlich erscheint, sich allgemein sinnlich verkörpert. Der Körperfetischismus ist die Hingabe und Unterwerfung jeglicher Sinnlichkeit unter ihr körperliches Dasein, ihre Verwirklichung als das, was die Menschen von Natur aus zu haben scheinen: Körper, Geschlecht, Sinn überhaupt.

Die Natur allerdings wäre weit gesellschaftlicher, als solche Selbstwahrnehmung, zeigt sie doch auch schon körperlich gesellschaftliche Beziehung (z.B. zwischen Mann und Frau und Kind als gesellschaftlicher Selbsterzeugungsakt und als Reproduktionsverhältnis). Aber in der isolierten Form der Individualisierung wird der Körper entstellt zu einer naturhaften Erscheinung sinnlicher Lebenszusammenhänge, die nichts anderes sind, als was sie an körperlichen Sinn haben und nichts anderes verkörpern als das Dasein der Körper selbst. Weil sich in ihm noch regt und erregt, was aus menschlichen Beziehungen an Leben erscheint, wird in ihm auch die von ihrer gegenständlichen Gesellschaft abgetrennte zwischenmenschliche Beziehung allgemein körperlich empfunden, die Zwischenmenschlichkeit als Verkörperung von Menschlichkeit schlechthin.





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