Aus dem T�RSPALT Nr. 7 1/1982
Wolfram Pfreundschuh (1982):
Ein Amerikaner in Berlin –
Aus den Anf�ngen der Dynamischen Psychiatrie
Wie Ammon die "Dynamische Psychiatrie"' in Deutschland niedergelassen hat
Wer das "Bulletin der Menterschwaige", die "Patientenzeitung" der Dynamisch-Psychiatrischen Klinik, liest, der wird nicht an sich halten k�nnen. Es ist einfach wunderbar!
"Wir leben und arbeiten hier in Therapie- und Millieugruppen. Au�erdem bestehen Interessengruppen; zum Beispiel: Reiten, Theater, Literatur, Film, Mythologie, Sprachen, Tanz, Gymnastik, Gartenbau, Technik, Malen, Tonarbeiten und Seminare.” ("Bulletin" der Menterscheige vom Juli 1981, S. 3)
Es ist ja auch sch�n dort! Ein sch�nes Haus, ein sch�ner Garten! Und was andere sich nur ertr�umen k�nnen, scheint hier verwirklicht: Man stiert nicht den ganzen Tag vor sich hin, sondern kann was tun: man hat Unterkunft, Essen und vor allem Zukunft! Wer sich n�mlich f�r Ammon engagiert, der wird aufgenommen in den Kreis der Ammoniten und wird vielleicht mal sogar zu seinem Mitarbeiter!
"ANAMNESTISCHER FRAGEBOGEN" der DAP
Menarche Wann?
Erste Ejakulation
Freundschaften:
a) homosexuelle
b) heterosexualle
Sexuelle Phantasien:
Sexuelle Schwierigkeiten:
Erster Koitus, wann?
Wie wurde er erlebt?
Art und Dauer der Freundschaften:
�nderte sich Ihre Stellung w�hrend der Pubert�t
a) in der Familie? .... usw. usf.
Auch ist man nett zueinander. Man wird nach einigen Tests und Fragen und einer relativ langen Wartezeit) aufgenommen wie in eine Familie, sofern die Familie es will. Es wird Verst�ndnis f�reinander verlangt und geboten, ohne da� etwas verstanden werden mu� und mancher ist von Anfang an fasziniert von einer Mischung aus einem allgemeinen Menschenbild, das allerorten rezitiert wird und den "menschlichen Problemen", die wie Beispiele hierf�r wirken. Ja, es r�hrt an die innere Verlassenheit vieler Menschen, was Ammon ihnen sagt:
"Es ist das legitime und autonome Recht eines jeden Menschen, wichtig zu sein und Wichtiges zu tun auf dieser Welt und dort, wo er hilflos ist, durch andere Menschen unterst�tzt und gesch�tzt zu werden und mit erf�llter Zeit und einer echten Zukunft leben zu k�nnen.” (aus: G�nter Ammon: Tod und Identit�t im Handbuch der Dynamischen Psychiatrie).
Man versp�rt geradezu den Trost, den solche Worte bewirken. Und bei Arnmon wird man sich gerne als Mensch mit "einer echten Zukunft" einfinden. Man bekommt ja dort all das, was einem sonst wirklich fehlt, wenigstens zugesprochen! Deshalb geht es eben darum, da� man sich hierf�r �berhaupt einsetzt, da� man also erst mal solches Menschenrecht formuliert!
Ammons Worte sind immer Spr�che; - und sie umfassen eben nicht nur so abstrakte Teile dieser Welt. Sie bieten einen Lebenszusammenhang, der einfach alles enth�lt, was f�r die Psyche von Interesse ist: "Psychische Krankheit", Psychoanalyse, Psychiatrie, Hochschulpolitik, Lehre und Forschung, psychoanalytische Kinderg�rten, die Kritik anderer Psychoanalytiker und Psychiater, Psychiatriereform und der Kampf um chs Standesrecht der Gesundheitsarbeiter.
Man lebt auch im Bewu�tsein gro�er lnstitutionalit�t, denn die "Dynamische Psychiatrie" erscheint in der Form vieler Gesellschaften mit immer wieder denselben Mitgliedern: Die Deutsche Akademie f�r Psychoanalyse, die. Deutsche Gruppenpsychotherapeutische Gesellschaft, die Deutsche Gesellschaft f�r Psychosomatische Medizin, die Pinel-Gesellschaft zur F�rderung Psychiatrischer Kliniken und wissenschaftlicher Forschung, die Internationale Zeitschrift 'Dynamische Psychiatrie' und schlie�lich die Weltgesellschaft f�r Dynamische Psychiatrie. Und �berall hat ein Herr oder eine Dame den Vorsitz: G. Ammon (G�nther oder Gisela). Inzwischen gibt es sogar eine B�rgerinitiative, die sich f�r ihn einsetzt und deshalb den seltsamen Namen tr�gt: "B�rgerinitiative f�r G�nter Ammon und sein Wirken f�r die Menschenrechte in der Psychlatrie".
Rund um Ammon ist alles unheimlich initiativ: Die B�rgerinitiative Iobt Ammon, indem sie zeigt, wie schlecht es anderswo steht; die Hochschulgruppe vermittelt Ammons theoretische Menschlichkeit, indem sie das b�rgerliche Wissen der Sinnlosigkeit bezichtigt und die Gesellschaften gehen gegen die Diskreditierung des psychiatrischen und psychologischen Berufsstands an, um dem Ammonismus einen institutionellen Boden zu bereiten. �berall verbreitet sich ein politischer Flair. Denn schlie�lich hat sich Ammon selbst als Fortschritt f�r die Psychlatrie angeboten und ein Programm zur Reform der Psychiatrie vorgelegt.
Wenn er sich mal durchsetzt, werden wir ihm �berall begegnen k�nnen: In den sozialpsychiatrischen Beratungsstellen oder -diensten, in den Ausbildungsst�tten f�r das psy�hiatrische Personal, im Ausbildungsprogramm f�r das "nicht �rztliche Personal", das er nach amerikanischem Muster gestalten will, in den Krankheitsverh�tungsstellen und Rehabilitationszentren, die er zu "milieutherapeutischen Zentren" machen will, und schlie�lich in der Gemeindepsychiatrie (vgl. DP, S. 230ff).
Und er wei� sich dem staatlichen Denken auch insgesamt sehr eing�ngig zu offerieren, indem er ihrem Planspiel zu neuestem Stand verhilft: Es mu� spezifiziert werden und f�r jede Krankheit die richtige Institution gefunden werden!
"Das angestrebte psychlatrische Versorgungssystem einer Institutionskette soll die Kontinuit�t in Vorsorge, Behandlung und Nachsorge gew�hrleisten und im gleitenden Spektrum der psychischen Erkrankungen ein entsprechendes Spektrum von Behandtungsm�gtichkeiten gegen�berstellen, die untereinander eng verbunden slnd." (DP, S. 232).
Dabei geht es ihm aber gar nicht so um die reine strukturelle Verbesserung! Im Gegenteil! Was nutzen mehr �rzte, wenn es schlechte �rzte sind! Nein, es geht darum, da� es in den Institutionen des Staates menschlicher zugehen soll. Sie sollen offener, gleitender und vor allem positiv werden. Den �rzten und dem Pflegepersonnal geht n�mlich nicht nur die Zeit f�r einen kranken Menschen ab, sondern vor allem "ein positiv definiertes Menschenbild" ("Bulletin" der Hochschulgruppe der DAP, Nr. 13). Man mu� sie deshalb nicht einfach entlasten, sondefn ihnen vor allem das "menschliche Erfassen der Krankheit" beibringen, indem man ihnen das Menschsein an ihnen selbst definiert. Es geht eben vor allem um das fortschreitende, zukunftsweisende, Hoffnung weckende Moment des Menschseins (Flugblattforderung der DAP: "F�r eine optimistische Haltung gegen�ber den psychisch Kranken!"). Wer will da schon was gegen sagen! Das ist eberi wirikich viel mehr als nur �rztliche Betreuung.
Der Ammonismus ist nicht einfach eine Therapie, die sich ein "psychisch Kranker" angedeihen lassen soll; er ist nicht einfach eine Politik, die Mi�st�nde aufzeigt; er ist nicht einfach ein analytisches Programm, welches Analytiker ausbildet; er ist nicht einfach eine Theorie, welche �ber Zusammenh�nge aufkl�ren will; er ist nicht einfach ein Lebensverst�ndnis, welches das Werden und Sein der Menschen anthropologisch oder philosophisch umfa�t, und er ist auch nicht einfach eine Gesellschaftstheorie von einer Gesellschaft "sch�pferischer Menschen". Er ist alles in einem im Hier und Jetzt. Er will den ganzen Menschen erfassen - und das wortw�rtlich.
Ammon in zweifellos ein Ph�nomen. �berall, wo er etwas fallenl��t, entsteht eine Duftwolke, die der eine als Gestank, der andere als Wohlgeruch empfindet. Wer f�r Ammon ist, der wird sich leicht als Mensch f�hlen d�rfen; wer sich ihm widersetzt, ger�t in die N�he des Unmenschlichen. Denn bei dem positiven Get�se seiner Worte l��t sich f�r das theoretische Gem�t viel Wohlklang und Selbstgewi�heit erheischen; und das ist wohl die Hauptsache des Ammonismus. F�r die "Gesundheitsarbeiter" ist er eine Leuchtfackel im Dunkel der Institutionen und f�r die Institutionen. Zum Blendeisen wird er nur f�r die, welche wirklich und in ihrem ganzen Leben von dem abh�ngen, was f�r sie hier g�ltig sein soll.
Wir wissen, wie und mit welchen Mitteln Ammon mit Leuten verf�hrt, die nicht mehr mitmachen wollen oder k�nnen, wie er mit Kritik umgeht, und wir kennen die Leute, die in Ammons Kliniken zusammengebrochen sind und nicht mehr weiterwissen, die sich an ihm geschunden haben, um �berhaupt davon wieder wegzukommen oder die einfach draufgegangen sind.
Deshalb haben wir uns dar�ber Gedanken gemacht und wollen den ammonitischen Humanismus einmal beleuchten.
G�nter Ammon hatte sich in Amerika mit der dort erneuerten Psychoanalyse befa�t und sich zum dynamischen Psychiater entwickelt. Damit ist er dann auf deutschem Boden gelandet - mitten in einer Zeit, wo die Studentenbewegung anfing und wo gro�e Gedanken in jedem Seminar diskutiert wurden.
So klingt es auch, als ob aus M�xchen Marx werden soll, wenn er sein Buch anf�ngt:
"Die Geschichte der Minderheit der psychisch Kranken ist bis heute noch eine Geschichte der Vorurteile und der Unmenschlichkeit." (DP, S. 12).
Na also! Es ist klar, was mit "der Minderheit der psychisch Kranken" geschehen ist. Und da es eine "Geschichte der Vorurteile und der Unmenschlichkeit" war, fehlt eben eins: ein vorurteilsloser Humanismus. Wenn's nur das ist, dann geht's jetzt um die Befreiung aus diesen Vorurteilen, an denen ja Psychologie und Psychiatrie auch mitgewirkt hatten. - Und es. war an der Zeit! Denn der Muff sollte gerade �berall abgestaubt werden.
Ziemlich bruchlos hatte sich Ammon so den vieldiskutierten "Aussagen in der psychologischen Wissenschaftskritik" beigesellt: Der Kritik an der Todestrieb-Hypothese (z.B. Reich und Bernfeld), dem Beitrag der Psychologie zur politischen Identit�t als "Ich-Identit�t" (z.B. Haug), der Theorie der Charakterpanzerung des autorit�ren Menschen (z.B. Adorno), der Theorie �ber den Erziehungsproze� als Interaktionsproze� von Mutter und Kind (z.B. Lorenzer), der Kritik der b�rgerlichen Familie (z.B. Kommune 1), der Kritik an der Abwertung von Aggression (z.B. das SPK Heidelberg), der politischen Anwendung der Psychoanalyse zur Emanzipation als "subjektiver Faktor" der Bewegung (z.B. Horn), der Aufhebung der Trennung von Privatheit und �ffentlichkeit durch den freien Diskurs (z.B. Habermas), der Kritik des Konsumverhaltens (z.B. Fromm), der Kritik der repressiven Formen der "sexuellen Befreiung", "repressiver Entsublimierung" (z.B. Reiche), der Kritik an der "totalen Institution" (z.B. Cooper und Basaglia), der Theorie der interaktiven Verursachung von Psychosen durch Double-bind-Verh�ltnisse (z.B. Laing) und schlie�lich und vor allem der Kritik an der Indvidualit�t des psychoanalytischen Menschenbildes und dessen Anwendung im �bertragungsverh�ltnis der Therapie (z.B. Schneider).
All diese Ans�tze haben sich gegen Ideologien und Gewalten gestellt, um sich durch gesellschaftliche Aktivit�t zu befreien. Das wu�te Ammon zu w�rdigen: Ja, die "weltweite Studentenbewegung" w�rde die wichtige Frage an die Wissenschaften stellen, "ob sie Bundesgenosse in den Bem�hungen um Befreiung aus den Zw�ngen einer menschenfeindlich organisierten Gesellschaft" sind (GDA, S. 58). Denn gerade von hier w�re er es, der die Kulturtheorie Freuds als pessimistische Anpassungstheorie ablehnen w�rde (wer tat das wohl nicht?). Es geht eben insgesamt um die "Emanzipation des Menschen von seinen gesellschaftlichen Zw�ngen".
Allerdngs versteht Ammon hierunter eine psychologische Ermanzipation des Individuums zum abgegrenzten und abgrenzungsf�higen Menschen, dessen wesentliches Merkmal die "Ich-St�rke" ist (vgl. hierzu Pfreundschuh: "Was hei�t da: psychisch krank" in diesem T�RSPALT).
Emanzipation, Befreiung zur Entwicklung der eigenen Geschichte, ist bei Ammon also nicht etwa freies Erkennen und Gestalten des eigenen Lebens - da w�rde ja die Befreiung selbst gen�gen -, sondern die Entwicklung zu einem f�r gut gehaltenen Ziel: das freie Ich, die Freiheit der Selbstbezogenheit. Seine "Emanzipation" ist das psychologisch formulierte B�rgerrecht.
Da ist nat�rlich klar, da� demgegen�ber "psychische Konflikte" als "Einengung" und vor allem wieder als individueller Mangel gelten:
"Der durch psychische Konftikte nicht eingeengte Mensch versteht es als sein 'selbstverst�ndliches Recht', sich und sein Leben zu verwirklichen, wie es seinen Talenten und seinen Entscheidungen entspricht. Der unter Schuldgef�hlen einer Identifikation mit dem Aggressor Leidende ... wird allerdings von diesem Recht nicht voll �berzeugt sein, sondern meinen, er m�sse es sich in einer Protesthaltung ertrotzen" (GDA, S. 35f).
Protest kann eben auch etwas Krankes sein! Und deshalb darf der Widerstand nicht einfach widerstehen, sondern mu� vor allem daran gemessen werden, was davon zur "Gesundheit" taugt.
Gesundheit ist f�r Ammon das Leben lchhafter, Selbst-Bewu�ter Menschen, das sich aus ihrem allgemeinen Verh�ltnis, aus ihrer Gesellschaft - und das ist f�r Ammon identisch mit Gruppe - ergibt. Deshalb mu� die Kommunikation in der Gruppe zum Lebensproze� selbst erkl�rt werden, zu welchern die Leute aus ihren "psychischen Konflikten" zu finden haben. Damit ist Anfang und Ziel gegeben: die Gruppe und die Gesundheit. Dazwischen steht der Wegweiser, der Therapeut.
Die Emazipation in Ammons Gruppen ist dann ein Anpassungsproze� an das, was von Ammons Therapeuten als "lebendige Kommunikation" empfunden wird.
"Anpassung in diesem Sinn ist Emanzipation” (GDA S.64)
Diese Gruppen, an die eine Anpassung lohnt, sind die therapeutischen Gruppen, in welchen sich die Menschen als einzelne lndviduen voraussetzungslos erscheinen d�rfen. Diese Gruppen sind nicht nur Treffpunkte f�r Leute, die f�r sich alleine in der Welt nicht mehr k�nnen und dort Kontakt suchen, sondern sie sind vor allem schon die Vorwegnahme einer freien Welt, in welcher eine "gelingende Anpassung" entwickelt wird:
"Meine Damen und Herren! Diese Skizze eines gelingenden Anpassungsprozesses, Anpassung nach innen, Anpassung noch au�en, beides f�r den einzetnen ebenso wie f�r die Gruppe, formuliert meine Vorstellung von Seibstverwirklichung, und ich begreife sie als Emanzipationsvorgang.” (GDA, S. 65).
So eine Gruppe kann allerhand bieten! Ja, sie ist eben auch schon ein "befreites Gebiet" und harrt nur ihrer Ausdehnung in die Welt:
"Wir meinen, da� die unserem Programm entsprechende gesellschaftliche Praxis die Strategie der befreiten Gebiete sein mu�. Zum Beispiel begreifen wir die psychoanalytische Therapiegruppe als ein kleines befreites Gebiet. Aber auch die Ausbildung und die Forschung und schlie�lich die Aktivit�t in die Gesellschaft hinein verstehen wir als Arbeit im befreiten Gebiet zur Befreiung weiterer Gebiete." (GDA, S. 72).
Um eine Ahnung von dieser befreiten Gesellschaft zu bekommen, studieren wir einmal den Gruppenproze� selbst, wie er nach Ammon konzipiert ist.
Das Wunderbare an Ammon ist, da� er ein so vielseitiger Mensch ist und einfach alles kritisieren kann! So auch vor allem die Indvidualpsychologie. Da w�re er nicht allein. Allerdings hat er eine besondere Variante: Er kritisiert die Individualpsychologie als Individualpsychologie, nicht aber ihre Erkl�ruhgen und ihre Kategorien �ber die "inneren seelischen Prozesse". Er h�lt hieran ausdr�cklich fest und will sie vielmehr "erg�nzen" mit dem Arspruch, "die intrapsychischen Vorg�nge des einzeinen Patienten mit den interpersonellen Vorg�ngen in der Gruppe und ihrer unbewu�ten Dynamik in Beziehung zu setzen und diesen Zusarrmenhang deutlich zu machen." (DP, S. 185).
Ihn interessiert die "unbewu�te Dynamik von Widerstand und �bertragung" (DP, S. 34) als ein Gruppenzusammenhang, in weichem er "die unbewu�te Dynamik der ganzen Gruppe beobachten" (DP, S. 185) kann.
Hlerdurch ist f�r Ammon ein doppelter Gegenstand vorhanden: Das Unbewu�te des einzelnen und das Unbewu�te als Gruppenzusammenhang. F�r beides gelten ihm die psychoanalytischen Begriffe gleicherma�en, denn beides steht ja "in Beziehung zueinander". F�r ihn sind zum Beispiel Bindungen "Fixierungen", Gehorsam aus Existenz- und Lebensangst ist "�beranpassung" und die Vermeidung einer bestimmten Situation von Ausgeliefertsein ist f�r ihn Widerstand, den es am einzelnen oder in der Gruppe gleichzeitig zu l�sen gilt. . . usw.
Wenn der Fortschritt des Ammonismus daraus besteht, da� die psychoanalytischen Kategorien nicht mehr nur "Modelle f�r die inneren seelischen Zusammenh�nge eines Menschen auf der Grundlage seiner k�rperlich-materiellen Existenz" (frei nach Freud) sind, sondern zugleich auch als Begriffe f�r interpersonelle Vorg�nge taugen, dann sind nicht die Probleme der Menschen vergesellschaftet, indem sie n�mlich als gesellschaftliche Probleme erkannt w�ren (daf�r w�re eben vor allem ein neues Verst�ndnis dessen n�tig, was da geschieht), sondern die Begriffe der Psychoanalyse sind vergesellschaftet und verallgemeinern das innerpsychische Konzept der Psychoanalyse zu einem gesellschaftlichen Konzept, was der alte Freud noch als eine ungeheuerliche Anma�ung empfunden hatte.
Dessen psychoanalytischen Begriffe sind n�mlich im Grunde Begriffe einer psychologischen Erkenntnistheorie, die in ihrer Ausf�hrung an ihren Widerspr�chen scheiterte (vgl. Pfreundschuh: Das Freud'sche System der Psyche). Aber weil sie den einzelnen Menschen zumindest im Verh�ltnis zu seiner Gesellschaft reflektierten, hatten sie vor allem in die linke Diskussion Eingang gefunden. Schlie�lich wollte ja auch Freud emanzipieren, und es war wohl seine Leistung, da� er "psychische St�rung" zumindest als Form eines (widerspr�chlich gewordenen) Erkenntnisprozesses erl�utern wollte. Er hatte n�mlich das seelische Geschehen als notwendig lndviduelles Geschehen aufgefa�t, weil, seinem "Weltbild" zufolge (Ammon hat ja nur ein Menschenbild und sonst nichts) jedes einzelne Wesen aus seiner blinden Bed�rftigkeit heraus erst zur Wirklichkeit finden m�sse, und deshalb mehr oder weniger befangen durch seinen K�rper sich in seinen Beziehungen mit anderen Menschen zum "weltf�higen" Menschen emanzipieren m�sse.
Deshalb thematisiert Freud auch die "Stufen" dieses Prozesses und fa�t sie als ein Geschehen zwischen Wahrnehmung und Handeln auf. F�r ihn entsteht auf diesem Weg zur Wirklichkeit ein Widerspruch im Erkenntnisverm�gen eines Menschen dadurch, da� es traumatische Wahrnehmungen gibt, die zu keiner Handlung f�hren k�nnen. Dadurch, da� ihr bestimmter Inhalt dann nicht umgesetzt wird, w�rde sich die Form des Handeln-Wollens und -m�ssens zu einem affektiven Zustand verselbst�ndgen, der seinen Inhalt "verdr�ngt".
F�r Freud ist der Materialismus seiner Theorie, also die Identit�t seelischer Prozesse mit k�rperlichen Akten, eine Grundlage, die am Befinden eines Menschen beweisf�hig ist.
Indem Ammon desen Proze� zum zwischenmenschlichen Geschehen macht, macht er den indviduellen K�rper zum gesellschaftlichen Gegenstand. Das "Unbewu�te" ist ihm deshalb auch keine Not, sondern eher die Tugend des Hintergrunds eines gesellschaftlichen Zusammenhalts: "Interpersonelle Dynamik". So macht er aus Begriffen der Wahrnehmung Begriffe des Verhaltens von Menschen und aus einer Theorie �ber menschliches Erkennen eine platte Verhaltenstheorie. Es werden n�mlich nun aus den widerstreitenden Gef�hlen Welten und Einfl�sse: kranke und gesunde. Und aus den Menschen werden Teile: kranke und gesunde.
Das ganze geschieht auf der Ebene der Gef�hle, weil Gef�hle "Ich-Funktionen" seien, die das Kranke enthalten. Die Gef�hle werden nicht an Gegenst�nden unterschieden, sondern an ihrer Anteilhaftigkeit am Gesund- oder Kranksein. Wer zum Beispiel auf aggressive Weise sich von andern Menschen abgrenzt, was ein anderer nicht verkraftet, der hat eine destruktive Aggression. Wer aber seine Wut so konstruktiv �u�ert, da� jemand anders gleich auch was damit anfangen kann, der hat eine gesunde Aggression. So werden die ganzen Gef�hle nach unausgesprochenen Gesundheitsvorstellungen strukturiert und f�r das :Verh�ltnis der Leute in der Gruppe bestimrnend. Der Trick ist einfach: An der Wirkung eines Gef�hls (z.B. einer Aggression) wird festgemacht, ob sie nun gut war oder nicht. Das Resultat, das ja zumindest mit einem andern Menschen zu tun hat, wird dann gegen den gewendet, der hiervon der Ursprung ist, wenn es schlecht ausgeht. So ist eine Aggression, die nicht angenommen wird, destruktiv. Was bleibt von der Aggression? Nichts. Im Nachhinein wird jemand beurteilt, wie er wirkt. Der Sinn, der unter anderen Bedingungen mit dem, was er will, ankommen w�rde, ist aufgehoben. Auf der Bedingung der ammonitischen Gruppen ist das ein wohl strukturierter Selektionsproze�, dem zunehmend jene Leute sich anvertrauen k�nnen, die darin den Gruppenzweck erf�llen, weil sie nur ihren Frieden im Ganzen suchen.
Diese n�mlich bilden das, was �berhaupt das therapeutische Medum dieser Gruppen ist: die "Gruppenspannung", in welcher sich die Leute gef�hlsm��ig einig sind und deshalb ein Gruppengef�hl haben, weil sie sich in ihren Urteilen einig werden. Dann kann es losgehen: So ein Gruppengef�hl hat n�mlich auch eine Kehrseite: einen "symbiotischen Charakter". Und so ist auch klar, was das erste ist, was die "schw�cheren" Gruppenmitglieder in ihrem Verh�ltnis, das sie darin haben, thematisieren: "Angst vor dem Verschlungenwerden". Das soll nicht etwa gegen Ammons Gruppenverst�ndnis verstehbar sein. Nein: Mit dieser Angst wird nun die Gruppe selbst zu einer therapeutischen Frage.
Das sieht Ammon so, da� die Gruppenmitglieder zuallererst ihre Gruppengrenzen finden m�ssen, damit sich die Mitglieder der Gruppen gesichert abgrenzen k�nnen. Deshalb mu� die Gemeinschaft durch die Gefahr, in der Angst, dem Zusammenbruch usw. geschmiedet werden, und deshalb entsteht folgendes therapeutische Spielchen, worin die einzelnen Menschen v�llig subjektiv befangen sind, obwohl es so faktisch wie eine Klimaanlage wirkt:
"Der Therapeut hat in dieser (ersten) Phase des Gruppenprozesses vor allem die Aufgabe, die Intaktheit der Gruppengrenze zu garantieren. Wendet sich die Gruppe im Zuge einer Abwehr ihrer eigenen unbewu�ten Angst gegen ihr schw�chstes Mitgtied oder einen m�glichen Au�enseiter in der Gruppe, um ihn anzugreifen und wom�gtich aus der Gruppe hinauszudr�ngenp dann mu� der Therapeut sich sch�tzend vor dieses Gruppenmitglied stellen und die Aggression der Gruppe auf sich ziehen und sie dadurch einigen." (DP, S. 191).
Aggression ist ja �berhaupt nur eine Abstraktion. Wenns sein muss, kann man sie dann auch "verschieben". Denn das ist klar: Wo die Gef�hle selbst keinerlei Gegenst�nde mehr haben, ist "jede Gruppe nur so stark wie ihr schw�chstes Mlitglied" (DP, S. 192). Aber dieses bietet f�r die Gruppe den enormen Vorteil, da� sich darin die in der Gruppe erzeugte "unbewu�te Angst" niederschl�gt. Ammons Kalk�l: Wenn der Schw�chste ungesch�tzt hierauf reagiert und das tut, was er vielleicht bisher noch nicht getan hat, n�mlich "paranoid-psychotisch" wird (DP, S. 192), dann zeigt das dem arnmonitischen Therapeuten an, "da� die Gruppe insgesarnt eine archaische Ebene der Repression erreicht hat" (DP, S. 192). Und das ist die Ebene, wo im Ich-psychologischen Konzept Ammons jeder auf sein "Innerstes" gebracht ist: Da kommt's raus!
Da kommt viel raus. Eben das, was einer nicht verarbeiten kann, wenn ihm sein Grund durch ein "therapeutisches" Kalk�l entzogen ist; - das, was einer f�hlt, wenn er nur noch versp�ren darf, was ihm geschieht, ohne wissen zu k�nnen warum. - Es kommt raus, was ein Experimentator hineingetan hat.
Ein Mensch wird hierdurch so vollst�ngig in das getrieben, was er nicht empfinden, also nur noch w�hnen kann, da� es nicht wundert, wenn das "schw�chste Glied" wahnsinnig wird. Wenn er's wird, dann kriegt er Psychopharmaka und gilt als therapieunf�hig und kommt in die Klapse.
"Also, ich hab das dann gemerkt, wenn einer auf'n Schub kam, - ich hab ja vorher woanders gearbeitet - das ist der N�chste, der noch Haar kommt! Und so war's dann auch immer! - Und ich hab nie erlebt, da� der wieder zur�ckgekommen ist, obwoht die dann immer so geredet haben."
Dann beginnt die zweite Stufe, wenn noch einer da ist, der "archaisch" reagiert. Jetzt ist das Pensum das Lernen des Einsatzes von "gesunden" gegen "kranke Ich-Anteile":
"Indem die Mitglieder der Gruppe sich mit ihren gesunden, koristruktiven Ich-Anteilen um das Verst�ndnis der paranoischen Regression und um Hilfe f�r ihren psychotisch reagierenden Mitpatienten bem�hen, bearbeitet die Gruppe die Angst des Patienten zugleich als ihr eigenes immanentes Problem.” (DP, S. 192).
So eine L�ge! Und was f�r ein Widersinn: "Die Gruppe" "sch�tzt" jetzt den, den sie �ngstigt! Sie verh�lt sich "wie eine Mutter", "auf der Ebene der Symbiose und der Urh�hle" (S. 193) und entzieht ihm in eben derer Liebe auch den Grund, dieses und andere Verh�ltnisse selbst als Angst verursachend zu erkennen; - ja, �berhaupt Angst als begr�ndet, und damit Angst �berhaupt erkennen zu k�nnen! Und weil Ammon in seiner Theorie schon ein "schw�chstes Glied" als gewinnbringend f�r den Gruppenprozess voraussetzt, wird es auch immer jemand geben, der das erkennt und seinen Nutzen darin auch wirklich haben wird. Einer wird gewinnen. Hierf�r wird er der Gruppe dankbar bleiben! Und nicht nur er.
Schlie�lich kann man ja auch nur durch sie seine "archaischen" Z�ge kennenlernen. Und eine Gruppe, die sich an der Intimit�t solcher Ausbr�che zusammenfindet, wird gefestigt. Sie kennt die unterste Ebene des Menschlichen und jedes einzelnen in ihr und hat sich somit der Einsamkeit in der �brigen Weit entledigt, die ja solch Archaisches nicht w�rdigt. Indem man sich archaisch kennt, bildet man einen Zusammenhalt als Ganzes, ein Gruppen-Ich, das von einer besonderen Welt ist.
Allerdings ist das nicht so einfach! Der Gruppenzusammenhalt wird immer wieder gest�rt durch Einfl�sse aus der profanen Welt der Vergangenheit. Die Freunde und Verwandten bilden ja nach wie vor das "pathogene Kr�ftefeld", das noch wirkt und lockt.
In der Au�enwelt der Gruppe - damit sind die Beziehungen gemeint, die ein Mensch jenseits seiner Therapie hat - sind die Menschen noch nicht so positiv best�rkt durch eine Therapie und auch nicht in der Lage, den "Kranken" so gut zu sch�tzen, wie er es n�tig hat. Dort ist man ja noch wie fr�her: krankmachend!
Und hier kommt die Wahrheit von Ammons Gruppen heraus: Sie sind ja ausdr�cklich gegen die "repressiven Strukturen" in der Weit gesetzt, - sie sind "befreite Gebiete". Das hei�t f�r Ammon, da� es eben nur au�erhalb deser Gebiete - und vor allem: au�erhalb! - das "pathogene Kr�ftefeld" gibt. Innerhalb der Gruppe ist man gesch�tzt durch einen Therapeuten und durch ein "Gruppen-Ich". Innerhalb der Gruppe ist man positiv gesetzt und im Begriff, eine neue, gesunde Pers�nlichkeit aufzubauen. Da die Gruppe selbst als Lebensteld der �nderung eines Menschen gilt, wird seine Herkunft und die wirkliche Auseinandersetzung in der er steht, abgeschnitten. Und Ammon wei� auch sehr gut: Der "archaische" Proze�, der in unseren Augen nichts anderes ist, als die zur vollst�ndgen Abstraktion gezwungenen Gef�hle eines Menschen, "gelingt" �berhaupt nur dann, wenn m�glichst keine inhaltlichen Probleme anwesend sind oder noch wirkliches Leben haben. Er erzeugt ja nicht die M�glichkeit einer Auseinandersetzung rnit dem, was er als "pathogen" bezeichnet (z.B. den Ehepartner, Freunde usw.), sondern er verlangt ausdr�cklich die Distanz von desen "pathogenen Feldern", die er "Krankheitspartei" nennt. Der "Kranke" ist eben hierdurch gef�hrdet und vielleicht selbst noch "In seiner Lebenssituation mit der Krankheitspartei verbunden" (GDA, S. 97).
Um die "Anfangsangst in der Therapie", welche eben nur durch Isolation erzwungen ist, auszuhalten, mu� man also Abstand haben von der "Krankheitspartei":
"Zum Beispiet eine konftiktu�se Ehe, in der ein Ehepartner bzw. die Familie zusammen mit den �ngsten des Patienten dessen Emanzipationsversuch bek�mpfen. Das gleiche kann geschehen in einer Gruppe sogenannter Freunde. Oft ist es aber auch eine Ideologie, sei es nun wissenschaftlich, politisch oder religi�s, wetche als Repr�sentant einer Gruppe den Patienten nicht erlaubt, die Anfangsangst in der Therapie zu �berwinden" (GDA, S.97)
Deshalb geschieht wohl oft folgendes: Patienten, die isoliert sind und diese Situation nicht aushalten, werden "therapieunf�hig" und kommen in eine psychiatrische Anstalt, jene, die noch "zur�ck" k�nnen, treten aus der Gruppe aus. Und die Mittelschicht, die das bis dahin �berstanden hat, macht zunehmend Zugest�ndnisse an die Notwendgkeit der Therapie selbst und wird zum begeisterten Ammoniten.
Gislinde Bass beschreibt diesen Proze� des Zugestehens und sich Einbeziehens in die therapeutische Hierarchie sehr deutlich in dem Buch: "In irrer Gesellschaft" (herausgegeben von Edition Suhrkamp 1980 auf Seite 182ff), ohne allerdings zu erw�hnen, da� es sich hier um eine Therapie bei Ammon handelt. Sie mu�te zun�chst ihre Ehe aufgeben, den Therapeuten als Autorit�t anerkennen und die Therapie als das "Wichtigste in ihrem Leben" ansehen. Das m�ndete in ein Verh�ltnis, das sie erst sp�ter erkannte:
"Ich sah pl�tzlich in dem Therapeuten meine einzige Rettung und versprach ihm alles.” (GDA, S. 185).
Und das hat nat�rlich Folgen f�r die ganze Therape. Die Insassen werden gegen die Au�enwelt abgeschottet und erfahren auch eine Auseinandersetzung mit sich, die von ihren wirklichen und weltlichen Problemen abstrahiert. Kein Wunder, da� sie gar nicht mehr in der Lage sind, diese auch wirklich in der Welt selbst zu bearbeiten. Die T�RSPALT-Redaktion erhielt z.B. den Brief einer Hamburger Wohngemeinschaft:
"Die Mutter der 4j�hrigen Tochter von Bernd ist seit �ber einem Jahr in der Klinik Menterschwaige der DAP und hat seit ca. einem halben Jahr s�mtliche Bindungen noch Hamburg abgebrochen und seit kurzem ihren ehemals festen Plan, noch Hamburg zur�ckzukommen, aufgegeben. Sie wird in M�nchen bleiben. Sie will auch ihre Tochter noch M�nchen holen, und dort in den psychoanalytischen Kindergarten geben und eine 'Mutter-Kind-Therapie' bei der DAP rnit ihr machen. Der vierj�hrigen Sylvia w�rde dadurch, da� sie hier aus ihrer vertrauten Umgebung herausgerissen werden soll, schwerer Schaden zugef�gt werden. Mit ihrer Mutter ist mit keinem von denen, die sie hier in Hamburg kannte, mehr ein Gespr�ch m�glich.”
Dies ist kein Einzelfall. Die Menterschwalge zum Vater. "Das kennen wir schon!" Und da es oft linke Gemeinschaften sind, die hiervon betroffen sind, gibt es keine rechtlichen L�sungswege mehr: Das Kind ist unehelich. Die Mutter hat es inzwischen nach M�nchen entf�hrt; - so sehr zog es sie zu Ammon.
Auf der Basis dieser Abgeschottetheit und den sogenannten "archaischen Reaktionen" (d.h. wenn jemand ins Nichts getrieben ist und zugleich reagieren kann oder mu�), beginnt die Entwicklung einer von ihrer wirklichen Gegenwart und Vergangerheit abgetrennten Person, die es entweder schafft oder auch nicht, ihre Wahrnehmungen mit ammonitischem Bewu�tsein zu ordnen, damit sie wenigstens eine Zukunft bekommt. Ammons Begriffe treffen nat�rlich die Probleme eines Menschen auf der Ebene der Anschauung sehr genau und verstehen es, das Gehirn in die Augen und in's Gem�t zu versetzen. Sie sind ja die einzigen "erkenntnisleitenden" Werkzeuge, die in diesem Leerraum volist�ndg f�r sich existieren. Kein Wunder, da� es so viele Ammoniten gibt, deren einziges Ziel die Verbreitung dieser Theorie von Ammon ist!
Schauen wir uns diese Theorie also mal im Zusammenhang an, denn darin schl�gt das selbstbewu�te Herz des Ammoniten.
F�r Ammon sieht es in der Vielt duster aus: sie ist entfremdet! Und nicht nur cle Arbeitswdt, nein auch die Kleinfamilie. Das ist ihm aber nicht Grund herauszufinden, wodurch den Menschen ihre eigenen Lebensverh�ltnisse fremd werden, sondern festzustellen, da� alles nichts ist. Weil die Arbeitswelt nichts ist, wird die Familie zum "Schuttabladeplatz der Aggressionen, welche in der menschenfeindlich organisierten Arbeitswelt sich aufstauen" (GDA, S. 130). Und weil die Familie nichts ist, ist sie ein "Vakuum", "in das hinein die psychischen Spannungen sich entladen". �brig bleiben "psychische Spannungen". Und da ist es nat�rlich schwierig, eine "individuelle Identit�t" zu entfalten.
Nur wo die M�tter noch funktionieren, da klappt es, weil die sich n�mrich darum k�mmern, da� das Kind sich trotz oder vielleicht auch gerade weaen des Vakuums, in welchem es lebt, gescheit abgrenzen kann und dadurch dann auch so und trotz "Entfremdung" und solchen Sachen "eine gesunde Ich-Entwicklung" durchmacht. Dann kann es auch sicher sein, da� es sich nicht in der "vorhandenen Beziehungslosigkeit" in eine "symbiotische Reaktion" (ebd.) fl�chtet.
Das tut es n�mlich sonst in den ersten drei Lebensjahren, wenn die Mutter oder auch die "Prim�rgruppe" (Familie zum Beispiel) "unf�hig sind, das Kind bei der Entfaltung seiner Ich-Funktionen und bei der Abgrenzung seiner eigenen Identit�t ad�quat zu unterst�tzen" (DP, S. 48). Dann lebt das Kind in einem "pathogenen Kr�ftefeld" und bildet einen "Symbiosekomplex". Und der ist der Grund f�r die "Geisteskrankheiten". Das geht deshalb auch tiefer, denn c�eser Komoex ist ja im Unterschied zum neurotischen Konflikt "pr��dipal"!
Endlich hat's einer begriffen! Schauen wir doch mal auf uns selbst: Wer kennt sie nicht, diese "psychischen Spannungen" in der "Kleinfamilie" um nichts und wieder nichts! Wer kennt nicht dieses "grenzenlose" �berflie�en im "Vakuum" (das sind wohl diese Sonntagsgef�hle!)! Und die Entfremdung!!! Ja, das ist schlimm! Aber Ammon steht uns jetzt beiseite ... Er hat uns unser Leben wirklich anschaulicher gemacht und wird wohl auch weiterwissen. So wie die amerikanischen Popul�rwissenschaftler, die auch das Komplizierteste einfach und in "unserer Sprache", ja mit Comics erkl�ren k�nnen! - Doch nein, es soll schwieriger werden! Ammon grenzt sich ab! Und zwar von keinem geringeren als von Freud.
Es ist n�mlich nun die Frage zu beantworten, welche "Kr�fte" das sind, die eine "Psychose" in ihrer "Ph�nomenologie" erzeugen und aufrechterhalten. Hier hat Herr Ammon bemerkt, da� es da "Selbstentfremdungsgef�hle" gibt, worin jemand die Welt zwar "deutlich wahrnimmt", "aber als fremd und unwirklich erlebt" (DP, S. 52). Bei dieser "Entdeckung" mu� er doch endlich "seine Abgrenzung" quer durch die Psychoanalyse und Ich-Psychologie betreiben! Schlie�lich gilt man ja auch erst richtig und original als Wissenschaftler, wenn man eine eigene "Position" an anderen Positionen dskutieren kann. Seine wahnsinnig wichtige Frage ist n�mlich: Was kommt vom "Es" und was vom "Ich"; - erlebt jemand "die Realit�t" unwirklich und fremd, weil sein Ich vom Es �berflutet wird und hierdurch die Ich-Grenzen gesprengt sind, oder aber weil ein "ent-ichtes” Unbewu�tes ein Ich �berflutet, dessen Grenzen unzureichend besetzt sind" (DP, S. 52)? - Dem geneigten Leser mag die Entscheidung schwerfallen. Man kann sie nur entscheiden, wenn man den Streit zwischen klassischer Psychoanalyse und Ich-Psychologie kennt.
Folgen wir also auch hierzu dem Herrn Ammon, der's uns ja auch bisher so sch�n leicht gerriacht hatte. Nach ihm ist der Grund des Streits darin zu sehen, da� Freud seine ganze Strukturtheorie auf der Triebkraft des Es aufbaut. Das hei�t, da� er es ernstnimmt, wenn er von Triebkraft redet und deshalb auch erkl�rt, wie sich die einzelnen "psychischen Instanzen" hierauf gr�nden. Die Ich-Psychologie nun gr�ndet auf der Kritik hieran, denn das "Triebkonzept" von Freud hat sich "in unserer Zeit als nicht mehr sinnf�llig" erwiesen. Anstatt aber hierauf die Kategorien selbst zu befragen, hat die Ich-Psychologie dann festgestelt, da� eben jede Struktur ihre eigene Triebkraft h�tte und deshalb "das Ich" nicht mehr so triebabh�ngig ist, wie bei Freud, sondern "relativ autonom" (Rapaport).
Mit dieser tollen Feststellung hat man die Triebtheorie nicht einfach aufgegeben oder widerlegt, sondern vor allem "relativiert", zugleich das Energiekonzept in's Ich gelegt und das viel verh�ngnisvollere Konstrukt, das Strukturkonzept gesichert. Die Begriffe werden nur seltsamer. Da gibt's jetzt das "ent-Ichte" Unbewu�te, und �berhaupt ist da, wo nichts ist, jetzt wenigstens immer ein Begriff: "Das Loch im Ich".
Aber die Hauptsache: Ammon kann's jetzt erkl�ren! In der "Psychose" hat sich n�mlich nicht "die Libido zur�ckgezogen", sondern "das Ich" hat nicht gen�gend Energie, und deshalb eine "Schw�che der Ich-Grenzen". Es ist "zu schwach" um sich richtig in "Ich und Nicht-Ich" unterscheiden zu k�nnen!
Was so scheinen mag, als ob jemand im Sandkasten zwei Baukl�tzchen hat, Nicht-Ich und Ich und einige Zinnsoldaten, mit denen er Grenzkonflikte spielt, enth�lt eine in Wirklichkeit totale Aussage: "Der Psychotiker hat sich nicht in einen inneren Lebenskern zur�ckgezogen, sondern kann oder will sich nicht in einer Welt behaupten, in weicher die "Ich-St�rke" notwendg, gut und nat�rlich sein soll.
Dies ist der blinde Ma�stab f�r die weitere Konstruktion: Wer n�mlich sein Ich nicht abgrenzen kann, das er zu haben hat - flexibel, versteht sich, denn es handelt sich hier ja um eine "dynamische" Betrachtungsweise -, der spaltet den "Erfahrungsbereich" ab, den er aus seiner Schw�che heraus nicht ertr�gt und verleugnet diesen jenseits der Realit�t. Sein "Ich" wird an einer bestimmten Stelle "blind".
"Es entstehen sozusagen wei�e Flecken auf der Landkarte des Ichs, Bereiche, in denen das Ich des Kinds nach innen und au�en erfahrungsunf�hig bleibt und die daher als ich-fremd verleugnet und abgespaltet werden m�ssen. Auf diese Weise entsteht ein strukturettes Ich-Defizit, ein Defekt in der ich-Grenze, den ich als 'Loch im Ich' bezeichnen m�chte." (DP, S. 57f).
Donnerwetter! Das ist so simpel wie brutal: Erstes Gebot: ein Mensch mu� ein Ich mit kleren Grenzen haben, auch wenn und gerade weil er in einem "Vakuum", in einer entfremdeten Welt lebt. Zweites Gebot: ein Mensch mu� sich abgrenzen k�nnen, damit er �berhaupt beziehungsf�hig ist, weil er sonst nur "psychische Spannungen", die das "Vakuum" erzeugen, weitergibt. Drittes Gebot: Ein Mensch mu� sich auch selbst relativieren k�nnen, weil er sonst die Ich-Grenzen eines andern Menschen gef�hrdet. Er mu� den andern schon als Relation von sich selbst in sich haben und selbst auf seine Geschlossenheit achten. Und wenn er das nicht tut, dann "kann" er's nicht und mu� es "nachholen": Im "archaischen" Moment in Ammon's Gruppen! Das ist alles! Das ist die Theorie, mit der man auch praktisch alles machen kann! So was kann man am einzelnen sehen und in Gruppen umsetzen, weil hier der Streit um die "Ich-Grenzen" geschehen kann und weil hier sich das "Abgrenzen" auch als g�nstig erweisen wird. Wer solche Gruppen �bersteht, der ist wirklich stark. Er hat sowohl sich in der Hand wie auch andere.
Denn er wei�, woher das kommt, was er nicht mehr sein und leben will; er wei�, wie b�rgerlich das B�rgertum ist, und er sieht sich selbst hiervon befreit. Das "befreite Gebiet" wird diese Freiheit bringen, solange es wirklich unabh�ngig von allem Bestehenden existieren kann. Der einzig wirkliche Bezug auf die Welt ist deshalb ein therapeutischer: Der "Kranke" mu� aus dem Vakuum herausgel�st werden und durch die Entwicklung der gesunden F�higkeiten seines "Ichs" zu einem Leben gelangen, wo er "sich selbst verantworten" und "Verantwortung �bernehmen" darf.
Ammons Kategorien erhellen nichts �ber diese Welt. Im Gegenteil: sie schreiben das Dunkel �ber sie fest, indem sie die Welt f�r d�ster erkl�ren. Es sind soziologische Formeln, welche die Meinung eines B�rgers von dieser Welt zusammenfassen, nachdem sie f�r ihn bereits nichts war. Und allen Menschen, die hieran (noch) teilnehmen, aber als "Kranke" zu ihm kommen, teilt er in seinem Denken und Tun allein dies mit: Die Weit ist schlecht und Ihr ward bisher nichts. Wo nichts ist, kann alles werden. Wer aber nicht so wird, wie ICH bin, der wird nichts! - Das ist das wahre Heil, und Ammon ist der wahre Heiland!
Ihm zu folgen, ist nicht schwer: Die Langeweile von vielen lntelektuellen, die keinen Gefallen an den herrschenden Institutionen finden, hat ein Ende; ihre "Arbeitsst�rungen" sind verschwunden, - das Vakuum ihres Verstands mu� nicht mehr auftreten, weil er zum therapeutischen Wissen werden soll. Und dieses bietet auch ein sehr praktisches Selbstbewu�tsein: therapeutische Macht. Darin geht wohl Ammons Theorie und Therape am besten auf.
Die Wahrheit der Emanzipation in der Gruppe ist die Emanzipation zum Therapeuten und die Wahrheit des Therapeut-Seins ist die Emanzipation zum Analytiker. Dies ist jedem geboten, - aber nur wenige werden es erreichen.
Die Begriffe Ammons sind nicht nur leer und formell; sie formieren auch, wenn man sie unter bestimmten Bedingungen anwendet. In den Gruppen werden sie durch den Therapeuten wirksarn. Wer aber selbst Therapeut wird, mu� auch eine therapeutische Pers�nlichkeit geworden sein. Und dies wird man durch Einzelanalyse. Sie soll in eine Lehranalyse "�bergehen", die ja in der Therapeutenfunktion m�ndet und deshalb auch "f�r das Ganze" am meisten erbringt.
Wer hierf�r als geeignet befunden wird, liegt dann auf der Couch seines Arztes. Und dieser liegt zugleich auf der Couch seines Chefs usw. Das gibt eine ganze Gesellschaft von Couchg�ngern und der dazugeh�rigen Couch-Hierarchie. So ist ein Chef in diesem Haus nicht nur ein Chef, sondern Intimus, tiefster Kenner einer Seele. Und er ist nicht nur Intimus, sondern auch �bertraaungsobjekt. Und er !st nicht nur �bertragungsobjekt, sondern auch der Garant eigener materieller Existenz: er garantiert eine Zukunft (oder auch schon eine Gegenwart) mit einem guten finanziellen Einkommen. Da l��t nian sich schon einiges gefallen!
Durch das f�r den einzelnen auch existenziel zur Bedingung gewordene analytische Gef�il( der Analysen mu� jeder, der aus Berufsgr�nder abh�n gig ist, i-n-nerhalb der ammonitischer Institute zugleich auch seelisch abh�ngig sein, Das beschreibt z.B. Gislin die Bass:
'Ich durfte mit meiner Lehranalyse auf der Couch beginnen beim stetivertretenden lnstitutsteiter, der aber damals setbst noch auf der Couch des lnstitutsteiters lag.. . Ich war froh, in Ruhe �ber mich reflektieren zu k�nnen. Diese ldylle wurde zerst�rt, weil mein Lehranalytiker immer �fter dem Institutsleiter, also seinem eigenen Analytiker, �ber seine Lehranalysen Bericht erstattete. Dieser benutzte solche Informationen, uns bto�zustetten oder zu 'konfrontieren' wie er es nannte. Das geschah haupts�chlich in einer Mitarbeitergruppe, die einmat in der Woche zu einer gruppendynamischen Sitzung zusammenkam.' (G. Basse a.a.O. S. 189f).
Weil sich die in der Analyse gewonnene Selbsterkenntnis so unmittelbar mit der Evidenz eines Verhaltens trifft, bleibt ein Mensch erstens v�llig an deses Verst�ndnis gebunden und ist zweitens zugleich innerhalb der gesellschaftlichen Hierarchie volist�ndg beherrscht.
Aber nicht nur hierin sind die Menschen in der ammonitischen Gesellschaft voneinander abh�ngig. Sie stehen ja alle in einer Aufgabe, in einem Zweck. Sie insgesamt bilden ein "therapeutisches Milieu", weiches sich dem Kranken umgeben soll, welches f�r ihn Lebensbedingung sein mu�. Deshalb stehen die Mitarbeiter alle unter therapeutischer Supervision und in gruppendynamischem Proze�; vom Krankenpfleger bis zur K�chin.
Auf den Mitarbeiterbesprechungen kontrollieren sie sich gegenseitig und lassen sich kontrollieren. Den Worten Ammons lauschen sle gemeinsam als Vereln guter Menschen. Und wenn er nicht pers�nlich da ist, dann h�rt man Ihn zum Beispiel �ber Telefonverst�rker oder durch unverge�liche Bemerkungen, dle er hier und dort hat fallenlassen.
Die Bindung der Menschen In dieser ammonitischen Gesellschaft ist nat�rlich auch so, wie diese Ge�ellschaft selbst ist. Die Ebenen der Analyse, der Mitarbeiterbesprechung und der Therapie vermengen sich in der Eigenschaft von Personen, die ihre Position durch Begriffe aus dem Dunstkreis der Psychoanalyse zugewiesen oder beschnitten bekommen:
"Die Frauen, insbesonders wenn sie eine starke Position hatten, wurden lphattischl oder 'kastrierend' genannt, w�hrend die M�nner haupts�chtich als schizoid galten. Es gab keine M�gtichkeit, scichlich �ber diese Begriffe zu diskutieren. Oft stand ich im Mittetpunkt der Angriffe, weit ich manches im Institut kritisierte und mich �ber die zunehmende Arbeits- und finanzielle Belastung beklagte. H�ufig verlie� ich die Sitzungen, weil ich es nicht mehr aushalten konnte." (Gistinde Bass, a.0.0, S. 190)
Sofern solche analytischen Begriffe so augenscheinlich und in realer Abh�ngigkeit verwendet werden, sind sie unmittelbar auch Urteile �ber einen Menschen. Und da bei Ammon diese Begriffe zur Gesellschaftskonstruktion gebracht worden sind, haben sie auf den einzelnen auch eine unmittelbar gesellschaftliche Gewalt, denn es sind ja die Urteile, die �ber das Leiden und durch das Leiden eines Menschen zugleich gef�llt und erf�llt werden. Sie werden nicht nur erl�uternd, nicht nur f�rdernd, nicht nur richtend, nicht nur handelnd, - sie werden Insgesamt und auch profilaktisch eingesetzt; also auch, um zu verh�ten, was noch gar nicht wirklich aufgetreten war.
Jeder Mensch in Ammons Imperium untersteht so direkt oder indirekt dem Begriff, den dieser vom Menschen im allgemeinen und von ihm im Besonderen hat. Und jedes Verh�ltnis, ob's die Liebe eines Pflegers zu einer Patientin oder das Verh�ltnis eines Therapeuten zu seiner Ehefrau ist, wird hierdurch "geordnet". Vor allem aber kann durch solche Begriffe jedwede Kritik psychiatrisiert werden. Ich erlebte es selbst ungef�hr 1974, da� eine Frau, die in einer Veranstaltung der DAP etwas sagen wollte, mit sanfter Gevialt rechts und links am Arm genommen und aus dem Saal gef�hrt wurde, in ein banachbartes Zimmer, wo sie zu einem Gespr�ch mit einem Therapeuten w�hrend der Zeitdauer des Vortrags eingeschlossen blieb. Auf meine Frage, was da geschehen w�re, wurde geantwortet: Die Frau w�re im Begriff, �u�erungen zu machen, die sie selbst nicht verkraftet und die ihrer Theraple Schaden bringen w�rde.
Da die institutionelle Wirklichkeit die seelische Abh�ngigkeit unmittelbar darstellt, hat der auch die gr��te Willk�rlichkeit inne, der in dieser Hierarchie ganz oben ist: Ammon. Dies schildert die folgende eidesstattliche Erkl�rung:
"An den Instituten der DAP gab es einen wiltk�rtichen Aufstieg und Fott der Therapeuten. Unter wiltk�rtich verstehe ich in diesem Zusammenhang, da� Aufstieg und Fclti oft weder f�r die Betroffenen noch f�r Au�enstehende in Verbindung zu bringen waren mit konkreterl Leistungen bzw. rnit Verscigen in konkret bestimmbaren und tats�chtich passierenden Situationen... (es folgen einige Aufz�hlungen von Personen und wie sie 'versetzt worden waren'.)
Frau Goebel, Herr Dr. Schmidts und Frau Dr. Schibatski wurden am 25.1.1979 von Dr. Ammorl aus dem Institut geworfen, weit er ihre muffigen Gesichter rilcht mehr sehen wollte. Frau Goebbet hatte zu diesem Zeitpunkt 39� Fieber..." (aus einer eidesstaatlichen Erkl�rung vom 27.3.1980).
Ammon ist aber nicht nur Herr �ber die Stellenbesetzung, sondern auch �ber Leben und Tod. Letztere Funktion hat er durch die Interpretation von �u�erungen, die zugleich unter der realen Abh�ngigkeit von Ihm in der Klinik gemacht werden. Indem er seine Klinik zur Lebensbedingung gemacht hat, ist es ihm auch ein Leichtes, alle Lebensereignisse auf diese Bedingung zu beziehen.
Er wei� selbst, da� es hierbei lebensgef�hrliche Konflikte gibt, wenn n�mlich jemand sich gegen das Ganze des Ammonschen Systems wehrt. Allerdngs ist f�r ihn dabei - canz im Gegensatz zu seinen sonstigen Behauptungen - nicht mehr die "interpersonelle Interaktion" der Grund, sondern dann sind es b�se Gruppenmitglieder, die mit ihren "unbearbeiteten destruktiv en Aggressionen die M�glichkeit der Therapie zerst�ren" (DP, S. 199). Denn die machen entweder die Gruppe kaputt, "oder aber der Patient, welcher auforund seiner spezifischen Geschichte zum Tr�ger dieser Dynamik wird, begeht Selbstmord. d.h. er t�tet sich selbst, um sich von den feindseligen und verfolgenden Objekten zu befreien." (DP, S. 199). Das ist ein doppelter Spruch �ber den Tod: Wer zu aggressiv ist, kann auch objektiv ein M�rder sein. Und: Wer sich umbringt, der verarbeitet nicht.
Die Selbstt�tungen, die in Ammons Klinik bei M�nchen - in der Menterschwaige - geschehen sind, wurden deshalb auch nicht als Resultat deses Gruppenverh�ltnisses aufgefa�t, sondern als Angriff auf die Gruppe und die Klinik selbst! Als man zum Beispiel von der Selbstt�tung eines Insassen erfuhr, war die Reaktlon w�tend: "Dieses Schwein brlngt sich einfach um!" - Und dies, obwohl die Eintragungen im Stationsbuch belegen, da� er die Selbstt�tung innerhalb der vorangegangenen Woche bereits zweir.ial angek�ndigt hatte!
Bei alledem versteht sich Ammon in keiner Weise erzeugend, sondern nur wahrnehmend. Naiv wie ein Kind beschreibt er alles, was so geschieht, und ist dabei vollst�ndig in der Lage, von den Bedingungen zu abstrahieren, die er setzt. Er versteht sich als Wissenschaftler und schaut auf die Menschen wie ein Experimentator, der ein Reagenzglas anschaut (vergl. GDA, S. 20). Deshalb ist ihm "die unbewu�te Dynamik der Gruppe . . . ein Naturgeschehen, das sich in allen Gruppen abspielt, ob die Beteiligten sich dessen bewu�t sind oder nicht." (DP, S. 199).
Und in diesem Naturgeschehen bleibt sich eben nur e7iner treu: der Beobachter, der die Begriffe des Allgemeinmenschlichen f�r die Situation und ihre Aufl�sung liefert, der Institutsleiter, der die Mitarbeiter freundlich rritf�hlend beobachtet, die Oberschwester, die die Launen des "Milieus” kontrolliert und der Therapeut, der die Gruppe von dem Obei der "destruktiven Aggression" "durch starke F�hrung" (GDA, S. 20) sch�tzt und dadurch - genau im Gegenteil zu Ammons so oft formulierten Anspruch, da� der Therapeut Teil des Gruppengeschehens sei - den ganzen Gruppengang bestimmt. Es existieren die Abh�ngigkeiten eben nicht durchsichtig, sondern nur in der Aktion selbst, die hierauf reflektiert wird. So ist z.B. der Therapeut zwar unmittelbar vorhanden und gibt sich auch als Teilnehmer aus, handelt aber ausschlie�lich aus Beobachtung und vergancener Erfahrung. Die Begriffe haben nur durch die Menschen selbst Realit�t. Der Therapeut handelt wie ein Teilnehmer, aber er "bringt sich ein", weil er es "f�r die Gruppe" f�r n�tig h�lt, und er ist jemand, der sich "zur�ckzieht", weil er die Gruppe in Bewegung bringen will.
Die Psychologie Ammons verh�lt sich selbst unmittelbar im Therapeuten und Vorgesetzten messend und m�chtig. Hierdtirch ist es die undurchsichtigste Psychologie �berhaupt: Die in einer Person fungierende und durch ihre Wirkung betriebene Psychologie.
Eines zumindest kann Ammon immer erreichen: Er kann jeden Menschen auf sein Leiden zur�ckverweisen, ihm einen menschlichen Mangel als seinen Makel erl�utern und damit zugleich seine Abh�ngigkeit an das Allgemeinnienschliche, an ihn erzeugen. Das hei�t: Er kann das wirklicile Leiden von Menschen in eine so g�tliche Isolation treiben, da� ein Mensch auch vollst�ndig abh�ngig ist; abh�ngig wie von seinem Vater und seiner Familie.
Es ist eine Seltenheit, da� Menschen soviel Angst vor kritischen �u�erungen haben, wie jerie, die von Ammon abh�ngig sind! Einige ehe.malige Insassen seiner Klinik, die uns voller Emp�rung �ber die Zust�nde in der Menterschwai'ge erz�hlten, die gleichlautend aufz�hlten, was ihnen alles geschehen war, die z.T. �berhaupt nicht mehr weiterwu�ten, nachdem sie die Menterschwaige verlassen hatten, wagten die Konfrontation nicht. Schlie�lich wird ihre Kritik erstens als menschlicheUnredlichkeit gegen�ber dem "gesamten Werk Ammons” und den Beziehungen, die man darin doch so hatte, ausgelegt und deshalb zweitens als kranker Bestandteil ihres Ichs! Und da kann kein Mensch dr�ber, der noch drin ist. Auch jede kritische �u�erung in der Presse wird von Ammons Juristen unerbittlich penibel geahndet und soweit behindert, wie es nur irgend geht.
Auf der andern Seite ist es auch seiten, da� sich vlele Menschen In der Gefolgschaft eines Mannes f�r diesen so einsetzen, da� sie auch bei der Verschleierung einer authentischen Diskussion bedenkenlos mitmachen. Nachdem zum Beispiel ein gegen Ammon gerichteter Artikel am 20.3.80 in der S�ddeutschen Zeitung erschienen war, stellte diese am 30.3.80 fest:
"Am Tage nach Erscheinen des Artikels gingen dutzende von Fernschreiben und Telegrammen ein, die alle an eine bestimmte Adresse, im Hause ger,chtet waren, und die nicht nur in der lntonierung, sondern auch in Wortwahl und Syntax, selbst in der Verwendung von Invektiven weitgehend �bereinstimrnten, auf geheimnisvolle Weise schien in allen Teilen der Bundesrepublik derselbe Telegrammautor am Werk gewesen zu sein. Die etwas sp�ter eintreffende Leserbriefvvelle lie� an einer getenkten Aktion ebenfalls keine Zweifel: H�ufig identische Briefpapiere, dieseiben verwendeten Schreibmaschinen, gleichzeitige Abstemptung arn selben Postamt zeugten von zentral gesteuerter Spontaneit�t. Eines deutlicheren Beweises, da� in der deutschen Akademie f�r Psychoanalyse ein reichlich autorit�rer F�hrungsstit lherrscht, h�tte es nicht bedurft.”
Auch eine inzwischen entstandene "B�rgerinitiative" zeugt schon in ihrem Namen f�r. die seltsame Position eines Mannes: "B�rgerinitiative f�r G�nter Ammon und sein Wirken f�r die Menschenrechte in der Psychiatrie". Alle andern B�rgerinitiativen k�mmern sich meist um einen Mi�stand, den sie angehn und aufheben wollen. Hier werden "B�rger" f�r einen Mann und sein Wirken initiativ und geben sich einen Namen, der darstellt, da� sie es ihm �berlassen und zugeschrieben haben, was in der Psychiatrie geschieht. Da� sie sich davon disqualifizieren, sich "f�r die Menschenrechte in der Psychiatrie" einzusetzen; ist kein purer Zufall: Ammon selbst braucht diesen Namen als unmittelbares Etikett f�r den politischen Tatendrang und der allgemeinen Gegenw�rtigkeit der Ideen G. Arrimons. Denn das ist ja schlie�lich auch ihre einzigge Realit�t.
Das geht aus den Belegen �ber die Entstehung dieser "B�rgerinitiative" hervor:
"Dr. Ammon wurde in zwei Rundfunksendungen heftig angegriffen. Das wcir im Jahre 1978. Als bekannt wurde, da� der Sender Freies Berlin eine Kritlk, die bereits im Westdeutschen Rundfunkt �ber den �ther ging, ausstrahlen wollte, wurden einige Ausbildungsk�ndidaten per Ftugzeug noch Berlin zu einer gro�en Demonstration abgeordnet, die von Therapeuten und Lehranalytikern aps Bertin angef�hrt wurden... Ziel der Demonstration war, �ffentlich gegen die 'Rufmordkampagne' im Rundfunksender zu protestieren ... Nach der Demonstration, die ich pers�nlich miterlebte, am 9.11.1979 hatte Dr. Ammon durch Vertraute atte Demonstranten in sein Haus eingeladen . . . Dr. Ammon erkundigte sich �ber den Verlauf der Demonstration und skizzierte hierbei den Entwurf einer planm��ig aufgebauten und gut organisierten und durchgef�hrten B�rgerrechtsbewegung, �hnlich dem Aufbau und der Organisation der 'Black Panthers'. Leider, so meinte Dr. Ammon, k�nne er diese Arbeit nicht auch noch tun, die Kampagne habe ihn sehr mitgenommen und au�erdem sei es den �rzten nach dem Standesrecht nicht erlaubt, auf der Stra�e zu demonstrieren... Dr. Ammon meinte fast w�rtlich: Er k�nne nicht auch noch eine B�rgerinitiative f�r sich selbst teiten.” (Aus einer eidesstattlichen Erkl�rung von Rainer Menzel, evangelischer Pfarrer)
Die damalige Fachbereichsleiterin der Gruppendynamik im M�nchner Institut von Ammon gab zusanimen mit Dr. Pohl die Devise aus: "Alle Kraft f�r die B�rgerinitiative" und erkl�rte, Ammon selbst habe angeordnet, clas ganze Institut mu� sich f�r den Aufbau einer B�rgerinitiative vorrangig Zeit nehmen. Aufkleber sollten gedruckt werden und Buttons, die inzwischen �berall cietracen werden. Da� dies pure Werbung f�r Ammon ist, sieht man daran, wie die Berliner auf die Idee der M�nchner reagiert haben, die Worte "B�rgerinitiative f�r G�nter Ammon” zu streichen, weil sie meinten, da� es um die Sache selbst gehen m��te. Der M�nchner Vertreter der "B�rgerrechtsbewegung", Herr Neumann, wurde daraufhin scharf kritisiert und dann "erst als Mitleiter der Bewegung und sp�ter aus dem Institut ganz, entlassen. Beqr�ndung: Man k�nne keine Leute brauchen, die sich f�r Ammon rlicht ganz einsetzen." (Rainer Menzel in seiner o. g. Erkl�rung. Herrn Menzel bl�hte dasselbe Schicksal im Januar 1979.)
Nun ist gegen Initiativen, die Zust�nde in der Psychiatrie aufdecken und �ndern vvollen, nichts zu sagen. Hierf�r gibt es inzwischen sehr viele Beschwerdezentren, Selbsthilfegruppen und das Netzwerk Psychiatrie. Gerade deshalb ist es wichtig, die Arbeit dieser Gruppen zu st�rken und zu unterst�tzen.
Bei dieser "Initiative" aber geht es um ein ammonitisches Spektakel, dem die �nderung wirklicher Zust�nde v�llig gleichg�ltig ist, wenn damit nicht zugleich ein Weg f�r Ammon gebahnt wird, Das merkt man auch schon an den Begriffen, mit 'denen der "Mi�stand" erfa�t. wird: da geht es darum, da� es in den Anstalten an einem "therapeutischen Milieu" fehlen w�rde und vor allem eines nirgends eingel�st werde? Was Ammon schon immer festgestellt hatte: "Ein Bild vom Menschen" (DOK S. 29).
Ammon wei� eben selbst schon am besten, wo das Hauptpotential ist und wo er sich ausbreiten will: In der Psydhiatrie. All seine Forderungen sind sehr wohl hiernach �berdacht, auch wLrnn er sie in einer so objektiven Form darsteillt, da� jedermann meinen k�nnte, er sei dabei v�llig selbstlos. Wenn er z.B. die Gleichstellung von psychisch und somatisch Kranken fordert, schreibt er so, als ob er Ungerechtigkeiten meint. Nat�rlich stellt er irn Nachsatz fest, da� das, was er praktisch, meint oder fordert, haupts�chlich eine "Angleichung der Pfleges�tze" (DP, S. 229) sein mu�. Ist auch klar: Bei einem Pflegesatz von DM 40,20 (Angabe nach DP) kann Ammon nicht arbeiten!
Au�erdem sind solche Aktionen nat�rlich auch gelegen, um von der eigenen Schei�e abzulenken. So wird zum Beispiel in der Bonhoeffer-Klinik wie wild darauf clezeigt, da� es dort Selbstmorde gibt. Als ob es in der Menterschwaige keine g�be! Und das "therapeutische Milieu" ist nicht nur in der Bonhoeffer-Klinik verheerend!
Da� Ich-St�rke etwas einbringt, hat Ammon l�ngst bewiesen. Und da� ein Gruppen-Ich zu vielem f�hig ist, das beweisen die Aktionen. Vom Standpunkt des "befreiten Gebietes" bezieht man sich auf das noch zu "befreiende Gebiet" das zum Exerzierfeld des "ammonitischen Menschenbilds" wird. Wer es mit diesern "Bild" zu was bringt, das sind haupts�chlich die intellektuellen Leute, die ihren Beruf in einer Institution der Gesundheitspolitik schon immer m�glichst kritisch und auf sich bezogen erf�llen wollten. Ihr Berufsproblem und viele andere Probleme auch sind in der Tat gel�st: Ihr Mensch-Sein erkl�rt sich von selbst, und ihre Berufstat erkl�rt sich ihnen einfach als menschliche Tat.
Andererseits aber kann der ganze Ammon-Zirkus auch nur in deser Welt befreiter Gebiete landen; - und da bleiben nur jene, die sich einschw�ren lassen. Den andern droht ein langer Proze� innerer Isolation, um mit den Gef�hlen fertigzuwerden, die unter diesen abstrakten Bedingungen aufgetreten waren. Es ist, als ob man dann eine unqeheuer stabile Religion �berwinden mu�.
Wer allerdings im ammonitischen Gruppen-Ich aufgehen kann, der hat viel zu tun, und der darf in seinem "befreiten Gebiet" auch ein wahrhaft intellektuelles Leben verwirklichen.
Im befreiten Gebiet exst kann sich das freie Individuurn auch so recht entfalten. Seine Freiheit beruht n�mlich jetzt darin, da� es einen freien .Geist, ein "sch�pferisches Ich" hat, durch welches es zu leben versteht. Da mu� rran nicht gleich ans Schaffen denken, sondern vor allem an den Genu�. Ob in Ammons Vorzimmer oder in seinem Paestumer Landsitz: �berall schwebt ein Hauch von verkitschter Kunst, bed�chtigem Schmaus und klassischer Erotik. Alles zusammengeschn�rt von akademischem Ernst, der auch hier jederzeit ein Urteil auf den Lippen hat.
Wenn er seinem besonderen Metier nicht gerade auf irgend einem Podium fr�hnt, wo er �sthetisch umrahmt von Friedhofsb�umen seine humanistischen Spr�che aus dem letzten Jahrhundert verk�ndet, dann befindet sich Ammon gern in sch�ner Gesellschaft: Unter altem Gem�uer oder "sch�nen" Frauen, 'alle hochgewachsen, schlank und sehr exotisch aussehen. Die sind unheimlich geschm�ckt ... und Klamotten und sn. Also sowas f�rs Auge, der Mann. Und da fahren nat�rlich die ausgeflippten Akademiker brutal drauf ab!" (eine ehemalige Mitarbelterin).
Mit den "Unsch�nen" steht er deshalb auch auf Kriegsfu�. Einer Frau aus seiner "Patientengruppe, Pell wurde zum Beispiel von Ammon der Zugang zu seiner "Hochschulgruppe” verwehrt, weil sie zu dick sei. Er bemerkte. hierzu kurz und b�ndig:
"Wie sieht denn das aus, wenn in unserem Verein so ein Pfannkucher sitzt” (Zeugenaussage)
Mit "Sch�nen" wei� er sich auch bei gerflegt ein Essen undlbetulicher Atmosph�re zu urrgeben. Wer da mitmacht - man mu� slch ja gut halten - darf sich �ber eine Rechnung von �ber DM 200,- nicht wundern. Man darf sich �berhaupt nicht wundern: Nicht �ber den Eintritt bei seinen Ansprachen (z.B. DM 100,-) und nicht �ber die Kosten der Teilnahme bei selnen Seminaren (z.B. 10 Tage f�r 1500 DM). Bei diesem Lebensstli ist es nat�rlich auch sch�n, wenn Ammon dabei Geld verdienen kann.
Und da hat er es auch schon besonders weit gebracht: Im letzten Jahr hatte er allein einen Praxisumsatz von mindestens 50.000 DM pro Monat, bei verschwindend wenig Nebenkosten. f�r jede Couchstunde erhielt er zwischen DM 120,- bis 150,-, und als Institutsleiter bekam er i�r jeden, der in sein Institut in eine Gruppe ging, pro Sitzung DM 25,-, wobei er dem Gruppenleiter insgesamnt DM, 25,-, abtrat. Allein hierdurch erhielt er ca. DM 36.000,- im Monat (vpl. hierzu Spiegel 17/20). Noch ganz zu schweigen von dem, was er durch seine B�cher und Gutachten bekommt.
Was aber das Wichtigste ist: Er bietet ein "sinnerf�lltes Leben". Und nicht nur so geistig und rein selbsterlebend, wie das In den gew�hnlichen Psychosekten vorkommt. Nein! Voll und ganz in den Berufen zumindest einer bestimmten Schicht. Zwar besteht der Sinn mehr aus einem Bild von diesem Beruf, aber er verwirklicht eben doch die Vorsteilung von dem Tun, das die Psychologie und Psychlatrie bisher nur ansatzweise entwickelt hatte. Hier wird das kr�ftige W�rtchen des abstrakten Verstands nicht nur in die Akten, geschrieben. Hier wird der Anspruch wirklich, den man an sein Leben hat, ohne auch nur einen Moment wirklich leben zu m�ssen. Und vor allem tut man's ja auch f�r die leidenden Menschen, f�r die Kranken, um deren
Befrelung es geht! Sie bieten das Hauptargument f�r das ganze Arranagement und zugleich den Stoff, an dem immer was zu tun ist. Ein wahres Paradies f�r den Psychologen und psychlatrisch orientierten Mediziner! Und schiere Gewalt gegen den Abh�ngigen. - Ja, das ist eine gesunde Gemeinschaft! Besser und vielseitiger als die geschm�hte FamiIie des kleinen B�rgertums. Das ist eine gesunde, eine vollkommene Familie!
Wo solche praktische Psychologie auch noch mit den h�ren Sph�ren eines bildungsb�rgerlichen Humanismus begr�ndet wird, sollte man doch meinen, da� sich hier die Heilige Familie des 20. Jahrhunderts gefunden hat! Aber es riecht alenthalben sehr nach Inquisition. Und das ist die Wahrheit der Bilder, die solche Humanisten sIch vom Menschen machen. Denn mit Bildern kann man sich nicht nur schm�cken, - man kann sie auch aufh�ngen!
Wolfram Pfreundschuh
LITERATURANGABEN im TEXT:
GDA = Gruppendynamik der Aggresslon, Kindler Verlag, M�nchen 1973
DP = Dynamlsche Psychlatrie, Kindler Verlag M�nchen 1980
GDK = Gruppendynarnik der Kreativit�t." Kindler Verlag, M�nchen 1974
DOK = Dokumentation, der B�rgerinitiative f�r G�nter Ammon und sein Wirken f�r die Menschenrechte in der Psychiatrie, 1978