Die Philosophie hat ihre Geschichte in den Denkpositionen, in denen sich menschliche Selbstverst�ndigung ausdr�ckt, menschliche Identit�t des Denkens.

Einige bedeutsame Positionen seien hier als Beispiele abgehandelt:

 

"Alles flie�t"

Alles ist im �bergang, str�mt und hat seine Richtung durch sein Werden und Vergehen, durch die Best�ndigkeit seiner Selbsterneuerung in anderem (Heraklit von Ephesos, 540 bis 480 v. Chr.). Nichts ist ohne das andere, wird durch anderes und erzeugt anderes. "Verbindungen: Ganzheiten und keine Ganzheiten, Zusammentretendes - Sichabsonderndes, Zusammenklingendes - Auseinanderklingendes; somit aus allem eins wie aus einem alles." Geschichte wie Denken sind darin eins, dass sie den Lauf der Geschichte als Gedanke erfassen. Man kann diesen Satz auch als erste Formulierung des dialektischen Denkens vom Sein auffassen. Dies besonders, wenn man hinzunimmt, dass Heraklit mit seinem Satz, dass der Kampf der Vater von allem sei, auch den Gegensatz und den Gegensatz im Fluss gedacht als Einheit, als Prinzip des Werdens, schon erkannt hat.

 

"Ich denke, also bin ich"

Dieser Satz von Ren� Descartes (1596 - 1650) ist der erste Beweis des Menschen gegen Gott, der Anfang der Aufkl�rung, die Selbstevidenz des Menschen durch sein Denken. Indem der Mensch denkt – auch indem er Gott denkt - beweist er sich selbst gegen ihn. Wie k�nnte sein Sein bestritten sein, wo er selbst das tut, was ihn bestreiten k�nnte: Gedanke. Evident ist dieses erste Sein des Menschen gegen alles, was sonst nur Vorstellung oder Idee w�re. Der Erkenntnisproze� mu� nach Descartes mit dem Zweifel, mit der kritischen Pr�fung des Erreichten beginnen. Aber es hat keinen Sinn, an der Tatsache des Zweifels selbst zweifeln. Man kann sagen, dass die Philosophie der Selbstevidenz die erste Antitheologie war.

 

Sein kann nichts anderes, denn werden.

In diesem Satz, mit dem ich Hegel interpretiere, ist die Dialektik formuliert, in der Hegel alles Sein als in sich identisches begreift, das seine Entgegensetzung ideell zu seinem Widerspruch macht. Damit wird das erkennende Subjekt selbst objektiv zu seiner Geschichte als Idee, die sich als geistiges Wesen zu ihrem Anderssein (z.B. nat�rliches Wesen) entschlie�t, um aus ihm als weltlicher Geist hervorzutreten.

 

"Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert. Es k�mmt drauf an, sie zu �ndern."

Die Welt ist nicht Denken und auch nicht Verwirklichung von Geist. Was in der Philosophie als unendlicher Diskurs von Vorstellungen des Lebens ist, muss sich als Reflexion von der Welt begreifen und darin als Begriff praktisch aufgehen. Philosophie kann sich nur in der vollst�ndigen Verwirklichung menschlicher Lebens�u�erung aufheben. Umgekehrt bleibt sie als Vorstellung lediglich eine Idee des Menschseins, das sich seiner Identit�t notwendig ungewiss bleiben muss.

 

"Das Leben mag sterben, doch der Tod soll nicht leben"

Geist kann man haben, aber nicht sein. Das Leben als Idee ist f�r Marx das Prinzip eines dem Menschen ver�u�erlichtes Seins, Entfremdung, mit der er sich die Prinzipien des geschichtlichen Seins verschleiert, sein Leben mit Sinn f�llt, wo es keinen hat. Die Idee wird bei ihm zum Prinzip des Werts, in welchem "alles was entsteht" sogleich "zugrunde geht" (Mephisto in Goethes Faust). So l�sst sich Leben nur verstehen als Negation hierzu, die im Untergang befangen ist. Die Bestreitung des t�tlichen Prinzips ist die Entwirklichung dieser Befangenheit, der Beweis ihrer unwirklichen Wirksamkeit in den Lebensverh�ltnissen selbst.

 

"Es gibt kein richtiges Leben im Falschen"

Adornos Negative Dialektik will das Ganze als Falschheit des Lebens hervorkehren, der sie sich in jedem Moment widersetzt. Das Leben, welches sich dem Ganzen beugt, unterliege dem Fetisch der Warenwelt und daher sei alles, "was von dieser Welt ist" nicht wahr. Das Anderssein kann daher nur in einem Jenseits dieser Welt sein, wie es sich aus dem Widersinn dieser Welt ergibt und zugleich nicht sein kann. Im Prinzip ist dies eine Vorstellung von Erl�sung, eine R�ckkehr in die Metaphisik, welche in der Kritik der Aufkl�rung zur R�ckwendung des Denkens wird, das sich seiner Aufkl�rung durch eine Lebensbehauptung widersetzt, damit allerdings prinzipiell religi�s ist.

 

Wo alles ist, kann nichts sein.

Allgemeines Sein ist widersinnig: Nichts hat Sinn, wo alles Sinn hat. Es verweist auf die Gegenst�ndlichkeit des Seins, auf das Sein der Menschen in der Form eines doppelten Seins, das alles ist und alles nicht sein lassen kann. Dies ist die Gedankenform des Werts, dem sich ein Mensch entgegensetzt, indem er die Unm�glichkeit seiner Existenz darin begreift und sein Unverm�gen als das Verm�gen seiner Subjektivit�t hiergegen wendet (siehe Basis der Logik).