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Elektroschock
Gespiegelt von Peter Lehmann, Antipsychiatrieverlag (siehe auch "Psychiatrie: Mehr Schaden als Nutzen").
Der Psychiater Peter Breggin beschrieb in San Francisco bei einer Anh�rung vor dem City Services Committee am 27. November 1990, wie Elektroschocks funktionieren:
�Was wir machen ist folgendes: Wir f�gen Menschen in seelischen Krisen eine innere Kopfverletzung zu – eine innere Kopfverletzung. (...) Um einen Krampfanfall zu verursachen, m�ssen wir einen entsprechend gro�en Schaden herbeif�hren. Wenn Sie heute auf dem Weg nach Hause bei einem Autounfall den Kopf aufschlagen, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass die Verletzung einen Krampfanfall ausl�st. H�tten Sie aber einen Krampfanfall, w�rde man Sie mit gr��ter Eile in die Notaufnahme bringen. Die Leute w�rden sagen, sie ist mit dem Kopf irgendwo gegengeschlagen. Nehmen wir an, Sie kommen mit dem Kopf an Ihren K�hlschrank, es gibt einen Kurzschluss, und Ihr Kopf erleidet sozusagen eine Schockbehandlung, Sie sind verwirrt, Sie haben einen Krampfanfall: Man br�chte Sie so schnell wie m�glich ins Krankenhaus. Sie w�rden als medizinischer Notfall behandelt. Wahrscheinlich w�rden Sie sogar zur Vorbeugung weiterer derartiger Zwischenf�lle zwei Jahre lang krampfhemmende Medikamente erhalten.
Also, da mindestens eine, mindestens eine der Elektroden immer �ber dem Frontallappen (dem Vorderhirn) angesetzt wird, handelt es sich nicht nur um eine durch elektrischen Strom verursachte Kopfverletzung. Es ist Lobotomie (Durchtrennung von Vorderhirn-Nervenbahnen)! Denn es ist das Vorderhirn, durch das wir ziemlich viel Strom jagen. Das Vorderhirn liegt im Stirnbereich, es stellt den H�hepunkt der menschlichen Evolution dar, es ist der Teil des Gehirns, der uns lieben und hassen oder deprimiert sein l�sst, ein seelisch-psychologischer Zustand, unter dem eine �ltere Frau h�ufig leidet – ohne Freundinnen, Freunde und sonstige Menschen, denen sie ihre Liebe schenken k�nnte, ohne gute k�rperliche Verfassung. Ein Vorderhirnschaden verhindert den Prozess der Entwicklung von starken Gef�hlen, Vernunft und Anteilnahme.
John Friedberg ist – wie auch ich – Experte auf diesem Gebiet, der Neuropathologie der Hirnsch�digung. Friedberg hielt 1985 auf der Konsensus-Konferenz des NIMH (National Institute for Mental Health) einen ausf�hrlichen Vortrag �ber Hirnsch�digung durch Elektroschocks. Wir wissen genau, was der Schock bewirkt, wenn er durch die Blutgef��e geht, ins Gewebe �bergeht, Blutungen verursacht und Zellen abt�tet.
Bereits die Frage ›Verursachen Elektroschocks Hirnsch�digungen?‹ ist eine unlautere Frage, denn wir wissen, dass Elektroschocks eine Hirnsch�digung verursachen, dass jeder einzelne Patient, jede einzelne Patientin nach einer Elektroschockserie ein hirnorganisches Psychosyndrom aufweist, mit Verwirrtheit, Desorientierung, Stimmungsschwankungen, Verlust der Entscheidungsf�higkeit.� (Breggin 1993, S. 160f.)
Mit steigender Akzeptanz sozialdarwinistischer und rassistischer Werte in Teilen der Bev�lkerung werden die psychiatrischen Ma�nahmen wieder interessanter, die in den rechtsfreien R�umen der faschistischen Diktatur ihren Durchbruch erlebt hatten. In den letzten Jahrzehnten hatten An�sthesistInnen, ohne die die Schockprozedur nicht durchgef�hrt werden kann, offen oder verdeckt ihre Dienstleistung verweigert, so dass in vielen Anstalten und Krankenh�usern der Vollzug von Elektroschocks undurchf�hrbar war.
Seit Jahren werben Psychiater und von ihnen beeinflusste JournalistInnen immer penetranter f�r eine gesteigerte – mit kosmetischen Korrekturen gesch�nte – Schockverabreichung. �Viel zu selten� wird nach Heinrich Lauter, einem der Protagonisten dieser Methode, der Elektroschock eingesetzt. 96% der leitenden Psychiater in deutschen Universit�tsanstalten sind pro Elektroschock. Reimer �u�erte 1988 gegen�ber der M�nchner Illustrierten:
�Ich hoffe, dass bald alle wieder schocken. In Schweden, der Schweiz, England oder Holland hat die Psychiatrie einen wesentlich h�heren Standard, d.h. es wird dort sehr viel mehr geschockt als bei uns.� (zit.n. F�rster 1988, S. 22)
Wie wenig unter solchen Voraussetzungen dazu geh�rt, als kritischer Psychiater zu gelten, wird an Klaus D�rner von der Anstalt G�tersloh deutlich: Gemeinsam mit der Psychologin Ursula Plog beschr�nkt er sich darauf, den Vollzug des Elektroschocks zu lehren (D�rner/Plog 1992, S. 545f.), setzt ihn pers�nlich aber momentan nicht ein – unter dem Vorbehalt, dass
�... morgen ein Tag kommen kann, der mich einem Patienten begegnen l�sst, bei dem ich die Indikation f�r die Elektrokrampftherapie bef�rworte.� (D�rner 1994, S. 32)