Jede Gesellschaft ist zu allererst die nat�rliche Aufhebung der Not, in welcher Menschen durch ihre Bed�rfnisse sind, durch das n�tige Verlangen, das ihrem Leben entspringt. Zugleich ist sie die Grundlage f�r die Bildung dieser Bed�rfnisse und der Mittel ihrer Befriedigung. Es ist nicht Armut, nicht der Mangel an G�tern, sondern das Verlangen nach menschlichem Sein �berhaupt, was nach Gesellschaft verlangt und Reichtum schafft, und es ist der Reichtum, der solches Verlangen befriedigt, wie er hierbei zugleich auch stoffliche Not, Hunger, aufl�st. Die Not existierender Bed�rfnisse ist eine Not, die im Reichtum selbst entsteht und auch dort behoben wird, indem gesellschaftlich n�tigen G�ter hervorgebracht werden. Was Menschen erzeugt haben, existiert in ihrem Reichtum: Der Reichhaltigkeit ihrer Bed�rfnisse und dem Verm�gen ihrer Produktionsmittel, die hierf�r n�tigen G�ter zu schaffen.
Was aber die Bed�rfnisse der Menschen als notwendiges Verlangen nach T�tigkeit, Lebens�u�erung, Produktion und Befriedigung enthalten hatten, kann in einer kapitalisierten Gesellschaft nicht als wirkliches Verlangen existieren. Bed�rfnisse waren in der kapitalistischen Gesellschaft noch Momente des Produktionsprozesses wie auch der Verteilung der Produkte, subjektive wie objektive Momente von Produktion und Konsumtion, bildeten sich aus dem Reichtum der Gesellschaft als Erfordernisse menschlicher Entwicklung und Entfaltung, Ausbildung ihrer Sinne, ihrer Kultur, auch wenn sie gesellschaflich nur in der Warenzirkulation existent waren. In einer kapitalisierten Gesellschaft l�sen sie sich hiervon. Nicht, dass sie nicht als Waren best�nden, aber sie enthalten keine Bed�rfnisse, deren Befriedigung durch Arbeit, durch die Produktion und Konsumtion von Lebensmittel betrieben wird. Die Bed�rfnisse einer solchen Gesellschaft entstehen in einem abgetrennten Menschsein als ein Verlangen nach Sinn, nach einem Stoff �berhaupt, durch den sich die Menschen am Leben halten.
Stoff allein aber kann kein menschliches Bed�rfnis befriedigen. Er s�ttigt und stillt es, ohne sein Verlangen einzul�sen. Was also nicht befriedigt wird, das ist die inhaltliche Beziehung der Bed�rfnisse auf Gegenst�nde f�r das menschliche Leben, das Ineinandergreifen und Beziehen von menschlichem Verlangen auf die Entwicklung und Erzeugung von Produkten f�r Menschen. Die Gesellschaft als ein lebendiges System von Bed�rfnissen, die sich auf Vergegenst�ndlichung menschlicher Arbeit, auf Lebensmittel als bestimmte Produkte beziehen, realisiert sich nicht gesellschaftlich. Weder in der Beziehung der Menschen auf ihre Sachen noch im Dasein der Sachen als gesellschaftliche Produkte, noch in der Arbeit selbst besteht ein wirklicher gesellschaftlicher Zusammenhang. Das Zusammenwirken der Menschen als gesellschaftlicher Organismus, dessen Wachstum sich aus dem Wachstum der Menschen ergibt, als �berwindung ihrer Not durch die Aneignung ihrer Produkte, als gesellschaftliches Dasein ihres Reichtums und seiner Verteilung, existiert nicht mehr. Es gibt kein wirkliches gesellschaftliches Subjekt in solcher Gesellschaft, weil die Gesellschaft selbst nur objektiv besteht, weil und sofern sie selbst nur Produkt von Geld ist.
Ihre Existenznot kennen die Menschen in kapitalisierten Gesellschaften also nicht organisch als Verlangen nach den ihnen durch ihre Bed�rfnisse n�tig gewordenen Lebensmitteln oder einer bestimmten Notwendigkeit des Lebensunterhalts, sondern nur als Mangel an dem gesellschaftlichen Medium Geld, mit welchem sie ihren Hunger stillen und sich s�ttigen. Und dieser Geldmangel wird nicht aufgehoben durch Ver�u�erung ihrer lebendigen Potenzen f�r die Arbeit, nicht durch ihre Kraft, ihren Geist, aber auch nicht durch die Ver�u�erung ihrer partikularen Existenz als Organ der Arbeit und Bed�rfnis f�r ihre Produkte, sondern durch die Aufbereitung und Verf�gbarmachung von Wissen, Information und Organisationstalent, dessen Anwendungsbedarf sich aus den Bewegungungen des Produktmarktes ergibt. Die Dienstleistungen, z.B. Besorgungen f�r Handel, Lagerung, Vertrieb, Technik, Wissen, Unterhaltung und Design (�sthetik) machen den Gro�teil der Arbeitsinhalte von solcher Kulturgesellschaft aus.
Jede Existenznot wird hier durch Gelderwerb behoben, der durch die geldwerte Nutzung von Situationen des Marktes abf�llt. Ob es Situationen sind, die Unterhaltungs- und Gestaltungsbedarf aufwerfen oder Informationsvorspr�nge nutzbar machen oder Organisations- oder Verwaltungsarbeiten erheischen, ist gleichg�ltig. G�ltig f�r die eigene Wert- (und Verdienst-)Lage ist, was Marktvorteile verschafft, gleich, ob dies als Dienstleistung, Wissensanwendung oder Kommunikationsservice verkauft wird. Die Erhaltung von Geldbesitz besteht allein in der ad�quaten Bewegung der Menschen in den Wertdifferenzen des Marktes, in ihrem Geschick zur Beschaffung von Vorteilen zum eigenen geldwerten Erfolg.
Die Kultur dr�ckt das aus. Nicht nur als Widerschein, als Welt des Designs, der Koketterie, �berinformiertheit und H�me, sondern auch notwendig. Die Notwendigkeit des Geldbesitzes entzieht jede unmittelbare Subjektivit�t und sie bestimmt die Menschen in der doppelten Beziehung des Geldes zu Subjekten und Objekten eines Marktes, dessen G�ter alleine durch ihre Bewegung zwischen Verkauf und Kauf bestehen. Die Notwendigkeit, den Lebensunterhalt in diesen Verh�ltnissen, aus dem Wertunterschied von G�tern und Leistungen des Marktes oder f�r ihn zu besorgen, vermittelt eine Beziehung zu sich als Agent f�r Dienstleistungen jeglicher Art.
Der Reichtum solcher G�ter besteht nicht im reichen Vorhandensein menschlicher Produkte, in der R�ckf�hrung von Arbeit auf eine Wirklichkeit der Bed�rfnisse und auch nicht im Reichtum ihrer bestimmten Nutzanwendungen, die sich aus ihrem Gebrauchswert ergibt, sondern in der reichhaltigen Potenz einer Gesellschaft zur Nutzung dieser G�ter, als eine Gesamtheit von Menschen mit beliebigem Verhalten zur Nutzung beliebiger Sachen. Auch wenn mehr als die H�lfte der Bev�lkerung hierin so gut wie nichts besitzt (130), so ist doch das Vorhandensein der G�ter f�r die Bed�rfnisse des Lebensunterhalts alleine auf die Potenz der Nutzung, nicht auf wirkliche Bed�rfnisse bezogen. Die gesellschaftliche Potenz beruht auf dem �berschuss, den eine national oder kulturell umschriebene Gesellschaft auf dem Weltmarkt hat. Es ist hierf�r gleichg�ltig, wie es in solchem Land selbst mit der Verteilung von Armut und Reichtum aussieht. So hatte z.B. im Jahr 2001 die BRD den h�chsten Export�berschuss seit ihrem Bestehen, w�hrend die Pleiten und pers�nlichen Insolvenzen und die Arbeitslosigkeit rasant anstiegen.
Ist der Geldbesitz die ausschlie�liche Lebensgrundlage einer Gesellschaft, so wird jeder Genuss zum Konsum . Hat Arbeit und Bed�rfnis keine wirkliche gesellschaftliche Gegenwart, so verschwindet auch der lebende Zusammenhang der Menschen, ihr kulturelles Verh�ltnis, im Konsumverhalten – nicht weil es die Menschen so wollen, sondern weil sie es m�ssen, weil es die einzig m�gliche Beziehung auf ihre Lebensmittel ist.