Nekropolis der Gegenwart

�ber das Verschwinden der b�rgerlichen Gesellschaft im Sp�tkapitalismus

von Marcus Hawel

 

"Wenn das Proletariat die Aufl�sung der bisherigen Weltordnung verk�ndet, so spricht es nur das Geheimnis seines eigenen Dasein aus, denn es ist die faktische Aufl�sung dieser Weltordnung. Wenn das Proletariat die Negation des Privateigentums verlangt, so erhebt es nur zum Prinzip der Gesellschaft, was die Gesellschaft zu seinem Prinzip erhoben hat, was in ihm als negatives Resultat der Gesellschaft schon ohne sein Zutun verk�rpert ist."

Karl Marx

 

I.

Selbst unter den aufrichtigsten Linken verhallten die Zitate. Allzu voreilig wurde das scheinbar veraltete zu Grabe getragen. Im Gegenzug �berlebte ein Marx der dogmatischen Sekten. Der Untote dreht sich indes lebendig im Grab.

Das Jahr 1989 leitete das Ende des Realsozialismus ein. Seitdem wird der Marxismus allgemein als ein toter Hund behandelt. Der Schock sitzt tief und l�dt zu politischem Konvertitentum ein, selbst bei denen, die zuvor noch im Sowjetimperium keinen Sozialismus hatten entdecken k�nnen und Marx vor seinen selbst ernannten Duzfreunden verteidigten. Beides: Konvertitentum und Marx-Sekten sind das Abbild geistiger Blindheit, die 1989 nicht beginnt, sondern lediglich einen ihrer H�hepunkte hat. Das Defizit des theoretischen Nachvollzugs gesellschaftlichen Wandels beginnt viel fr�her: am Anfang des von vielen Linken sehr hartn�ckig bestrittenen Verschwindens der b�rgerlichen Gesellschaft.

Die Epoche der b�rgerlichen Gesellschaft ist historisch vergangen. Mit der englischen Revolution begann ihre Vorgeschichte in Mitteleuropa. Die eigentliche Phase der b�rgerlichen Gesellschaft ist eingegrenzt durch die Franz�sische Revolution von 1789 und durch den Beginn des Ersten Weltkrieges 1914. Eric Hobsbawm bezeichnet diese Zeitspanne als das long century, das Zeitalter des Liberalismus. Der Begriff der b�rgerlichen Gesellschaft tauchte als inhaltliche Neupr�gung zum ersten Mal in Hegels Rechtsphilosophie auf; er war vielschichtig von Anfang an. F�r Marx umfa�te die b�rgerliche Gesellschaft "den gesamten materiellen Verkehr der Individuen innerhalb einer bestimmten Entwicklungsstufe der Produktivkr�fte."[1] Konstitutiv f�r die b�rgerliche Gesellschaft war der �bergang vom blo�en Handwerk und Handel zur industriellen Produktion zun�chst verm�ge der fortgeschrittenen Manufaktur, sp�ter durch Maschinen. Aber der Begriff der b�rgerlichen Gesellschaft ging nicht allein in seiner �konomischen Bestimmung auf: die Struktur der �ffentlichkeit, der politische und kulturelle Bereich, wenn auch z.T. als Anh�ngsel der Zirkulationssph�re, sind genauso ihre Wesensmerkmale gewesen.[2] So lie�e sich von b�rgerlicher Gesellschaft nur im Zusammenhang einer von der Bourgeoisie beherrschten, d.h. dominierten �ffentlichkeit und Kultur sprechen.[3] Es war die Dynamik der kapitalistischen Produktion selbst sowie die geistige und praktische Auseinandersetzung mit ihren Widerspr�chen, welche die b�rgerliche Gesellschaft einmal in permanenter Bewegung hielten und sie zu keiner Zeit mit sich identisch werden lie�en. Ihre Antagonismen konnte die b�rgerliche Gesellschaft nicht aufheben, ohne dabei �ber sich selbst hinauszutreiben.

Von einer bestimmten Entwicklungsstufe an verlor sich ihr spezifisch b�rgerlicher Charakter, und die Gesellschaft ging allm�hlich in eine totalit�re Ordnung �ber. Die b�rgerliche Gesellschaft ging ihrem Ende entgegen, der Kapitalismus aber blieb bestehen. Diese Entwicklung zeichnete sich bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert ab. Zu dieser Zeit war die Einf�hrung der maschinellen Fabrikarbeit in fast allen europ�ischen L�ndern abgeschlossen. In den neu entstandenen Industriezweigen der Stahl- und Chemieproduktion kam es zu einem horrenden Aufschwung in allen fortgeschrittenen Industriel�ndern der Welt. Aufgrund des Konkurrenzkampfes und beschleunigter naturw�chsiger Kapitalkonzentration bildeten sich in den einzelnen Zweigen der Wirtschaft Kartelle heraus, die dort die freie Konkurrenz einschr�nkten und die Preise der Produkte durch Absprachen willk�rlich festlegen konnten. Die einzelnen Gro�kapitalisten und Cliquen aus den oberen Kommandoetagen der Wirtschaft erhielten dadurch einen direkten Einflu� auf den Staat, so da� eine Verquickung mit den politischen F�hrungsschichten und Milit�rs zu rackets sich unausweichlich herauskristallisierte. Die liberale Wirtschaftsordnung transformierte sich damit zunehmend in einen organisierten, autorit�ren Staatskapitalismus.[4] Der Staat hatte nicht mehr allein die Funktion, das politische System, Eigentum und die Regeln des Wirtschaftsverkehrs zu garantieren, sondern �bernahm �ber diese Ordnungsfunktionen hinaus die Aufgabe der gesellschaftlichen Gestaltung. Der Einflu� des inzwischen stark organisierten Proletariates sollte in seine Schranken gewiesen werden. Hierzu wurden Milit�r- und Polizeigewalt, die Exekutivorgane des Staates, verst�rkt und die individuellen Freiheiten der Einzelnen weiter eingeschr�nkt.

Der Staat konnte aber nicht allein �ber seine Autorit�t die soziale Sicherheit gew�hrleisten, sondern mu�te, wenn auch verhalten, Politik f�r die proletarischen Massen machen, um sie zu deckeln. Unter dem Druck der organisierten Arbeiterschaft wurden deshalb in Deutschland bereits unter Bismarck in den Jahren 1881 bis 1889 Krankenversorgungs- und Versicherungssysteme staatlich verordnet und Schutzgesetze gegen sozial Schwache eingef�hrt. Bismarck tat dies aber nicht aus Mitleid, sondern um der Sozialdemokratie das Wasser abzugraben.[5] In etwa zeitgleich schr�nkten die Sozialistengesetze von 1878 bis 1890 die Versammlungs- und Pressefreiheit der organisierten Arbeiterschaft stark ein. Der Einflu� der proletarischen Volksmassen auf den Staat wurde nicht nur durch die Erweiterung der Exekutivorgane verringert, sondern ebenso durch eine Depotenzierung der Volksvertretung mittels einer Ausweitung des b�rokratischen Apparates. Technokraten und Berufspolitiker begannen unter dem Druck der sogenannten �konomischen und b�rokratischen "Sachzwanglogik", die sich aus der Finanzknappheit des Staates aufgrund des unangetasteten Privateigentums logisch ergab, die Politik zu gestalten. Nationalismus und Rassismus erf�llten den ideologischen Zweck der Verschleierung der Klassengegens�tze.

Als in der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts der Imperialismus zu seinem H�hepunkt gekommen war, begannen die kapitalistischen Industriestaaten sich gegenseitig ernsthaft zu bedrohen. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges verhinderte kurzzeitig ein weiteres Erstarken des revolution�ren Proletariates. Wilhelm II. wie auch andere Monarchen und Staatsm�nner nutzten die Gunst der Stunde, "nationale Identit�ten" �ber Klassen hinweg herzustellen, indem sie ein Wir-Gef�hl durch die Bedrohung eines �u�eren Feindes heraufbeschworen. Jeder Deutsche sollte sein Vaterland verteidigen, statt es im Klassenkampf zu schw�chen. Wilhelm II. verk�ndete: "Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur Deutsche". Die enthusiasmierte Arbeiterklasse aller am Krieg beteiligten Nationalstaaten zog gegeneinander in den Kampf, um das Eigentum und die Ehre ihrer nationalen Ausbeuter zu verteidigen. Trotzdem wurden die Klassenk�mpfe dadurch nur kurzzeitig eingefroren. Zum Ende des Krieges brach 1917 in Ru�land die Oktoberrevolution aus, die das Weltgef�ge nachhaltig ver�nderte. Diese Revolution f�hrte zu einer erh�hten Aktivit�t des revolution�ren Proletariates auch in den anderen L�ndern Europas. Die V�lker h�rten die Signale aus Ru�land.

Aus Angst vor dem Kommunismus einerseits und den Gro�kapitalisten andererseits radikalisierte sich das europ�ische Kleinb�rgertum, weil es um den Verlust seines beschr�nkten Eigentums bangte. Es trieb somit auch politisch die totalit�re Gesellschaftsordnung voran, in der die b�rgerliche Vernunft tendenziell ausgel�scht wurde. Hatte einmal dem aufsteigenden B�rgertum der Begriff der Nation zur Herstellung eines einheitlichen Wirtschaftsraumes im Kampf gegen den Feudalismus gedient, so waren nunmehr die Ideale von Freiheit, Gleichheit und Br�derlichkeit in G�nze hinter dem Begriff einer nationalen Volksgemeinschaft verbla�t, in der sich alle - selbst die untersten und ausgebeuteten sozialen Schichten - zum auserw�hlten Volk z�hlen durften. Der Rassismus erf�llte diese Funktion ebenso nach innen wie nach au�en. Die Entstehung des Faschismus in Europa war das Zerfallsprodukt b�rgerlicher Gesellschaft.[6]

II.

Der Versuch der Restauration b�rgerlicher Gesellschaft nach den gescheiterten Revolutionen, nach dem Faschismus in Europa, nach Auschwitz erweckte den Anschein, als k�nne die Gesellschaftstheorie bedingungslos an Marxens Geist der Revolution ankn�pfen.[7] Aber dem war nicht so. Es kam nunmehr darauf an, die Begriffe in den gewandelten Verh�ltnissen, die von der kritischen Theorie mit dem Terminus Sp�tkapitalismus benannt wurden, auf ihre G�ltigkeit hin zu �berpr�fen. "Mi�t man die Marxschen Begriffe nicht an der Entwicklung des Kapitalismus und zieht man daraus nicht die entsprechenden Konsequenzen f�r die politische Praxis, so erstarrt die Marxsche Theorie zum mechanisch wiederholten 'Grundvokabular', zu einer versteinerten Rhetorik, die kaum noch Bezug zur Realit�t hat."[8] - Den Bezug zur Realit�t verliert die Theorie dann deshalb, weil die Realit�t sich ver�ndert hat und viele der alten Begriffe klappern, wenn man sie bedingungslos auf die Gegenwart bezieht. Was klappert, kann keinem n�her gebracht werden. Solche Begriffe erscheinen leblos und verstaubt und dienen allenfalls als Religionsersatz zur Sektenbildung. Die Abneigung gegen die Terminologie ist um so gr��er, je mehr die Menschen an die kulturindustriell gepr�gte Sprache der hegemonialen �ffentlichkeit gebunden sind und jene von dieser abweicht. Die Ver�nderung der Gestalt des Kapitalismus mu� sich in den dialektischen Begriffen einer kritischen Theorie, mit denen die Wirklichkeit erfa�t wird, niederschlagen, oder die Theorie, die mit veralteten Begriffen hantiert, bleibt in einem Dogmatismus verfangen, der die ver�nderten Verh�ltnisse kaum auf den Begriff bringen und deshalb wenig emanzipatorischen Einflu� auf den weiteren Verlauf der gesellschaftlichen Verh�ltnisse nehmen kann.

Die ver�nderte Erscheinung des heutigen Kapitalismus gegen�ber der des 19. Jahrhunderts ist nicht damit abzutun, da� es sich um eine blo� akzidentielle Ver�nderung handelt. Man mu� schon ein sehr hohes Abstraktionsniveau aufrechterhalten, um die Substanzbestimmungen des Allgemeinen kapitalistischer Produktionsweise und b�rgerlicher Gesellschaft als unumschr�nkt g�ltig auch f�r die gegenw�rtige Gesellschaft zu behaupten. Solche Hypostasierung von abstrakta in der Wirklichkeit - das wu�te bereits Hegel - zerst�rt die Wirklichkeit. Der Blick auf Gesellschaft ist dann zudem so allgemein, da� er kaum als wissenschaftlich bezeichnet werden kann: er plaudert zu Platit�den gewordene Wahrheiten aus und �berl��t die differentia specifica dem Zufall, �ber den man keine weitere wissenschaftliche Aussage f�llen kann als diese: da� im Zufall nichts Allgemeines steckt. Fr�hkapitalismus und Sp�tkapitalismus sind aber nicht blo� zwei Seiten derselben Medaille, und die Wahrheit der Kritik der politischen �konomie trifft auf beide gleicherma�en zu, sondern die unterschiedliche Benennung verweist auf zwei unterschiedene Vergesellschaftungsweisen, deren Differenz in der Konkretion gr��er ist als ihre abstrakte Gleichheit. Die politische �konomie ist heute viel weniger politisch als �konomisch.

Ihr Recht auf Geltung verschafft sich die Marxsche Philosophie dennoch zuweilen im Bewu�tsein der Beherrschten, weil die Philosophie sich am Leben erh�lt, wie Adorno schreibt, da "der Augenblick ihrer Verwirklichung vers�umt ward."[9] Aber Marx konnte noch von der "Bildung einer Klasse mit radikalen Ketten"[10] schreiben. Das B�rgertum produzierte seine eigenen Totengr�ber: die st�ndig gr��er werdende Klasse des Proletariates, deren blo�e Existenz bereits die Negation des Bestehenden darstellte, weil sie qua ihrer Stellung in den Produktionsverh�ltnissen kein objektives Interesse an der Aufrechterhaltung des Bestehenden entwickeln konnte und nichts zu verlieren hatte au�er ihren Ketten. Das Proletariat war deshalb revolution�res Subjekt in der Marxschen Theorie, das "mit der Notwendigkeit eines Naturprozesses" die "Stunde des kapitalistischen Privateigentums" schlagen lasse.[11] Die Lohnabh�ngigen sind aber heute keineswegs mehr die Negation des Bestehenden. Die Disziplinierung der Einzelnen durch Institutionen ist zu einer b�rokratischen Herrschaftstechnologie zur Aufrechterhaltung des status quo geworden, die eingesetzt wird, um soziale K�mpfe zugunsten der herrschenden Ordnung zu entscheiden.

Durch diese Herrschaftstechnologie kam das zustande, was Marcuse als Verb�rgerlichung der Arbeiterklasse bezeichnete.[12] Die Verb�rgerlichung ging einher mit der Ver�nderung in der Gestalt der Ausbeutung, worin allemal der Grund daf�r verborgen liegt, warum heute die Revolution nicht an der Tagesordnung steht. "Die Proletarier haben mehr zu verlieren als ihre Ketten. Ihr Lebensstandard hat sich gegen die englischen Zust�nde vor hundert Jahren, wie sie den Autoren des Manifests vor Augen standen, nicht verschlechtert sondern verbessert. K�rzere Arbeitszeit, bessere Nahrung, Wohnung und Kleidung, Schutz der Familienangeh�rigen und des eigenen Alters, durchschnittlich h�here Lebensdauer sind mit der Entwicklung der technischen Produktivkr�fte den Arbeitern zugefallen."[13] Aber auch wenn es so erscheint, als w�ren die Proletarier zu Menschen geworden, kann die Philosophie nicht als anscheinend verwirklichte sich dem Dornr�schenschlaf hingeben.

III.

Der Schein von Gleichheit und Freiheit ist ein korrumpierter, der nur deshalb so hartn�ckig an der Oberfl�che klebt, weil er sich in der hegemonialen �ffentlichkeit durch die Kulturindustrie als die ultima ratio ausgeben darf, ohne seine Infragestellung ernsthaft bef�rchten zu m�ssen. Die Gesellschaften Europas sind im Faschismus einem Transformationsproze� ausgesetzt worden, durch den sie auch nach der Phase der unmittelbaren technisierten Barbarei in der Formation totalit�rer Gesellschaftsordnungen geblieben sind. Die Entstehung der Kulturindustrie stellte den Nerv dieser Transformation dar.[14] Die kulturellen Unterschiede wurden eingeebnet. Im Sp�tkapitalismus werden die sozialen Atome mit konformistischer Gleichheit geschlagen.[15]

Heute haben wir es mit der b�rgerlichen Gesellschaft nur noch als ihrer Nekropolis zu tun. Die politische Sph�re, die von der Freiheit in der Notwendigkeit zehrte, ist depotenziert, und damit ist ein wesentliches Moment der b�rgerlichen Gesellschaft, das sie mit zu der gemacht hatte, was sie nicht mehr ist, verschwunden. "Die Ideologie zieht sich aus dem �berbau zur�ck (wo sie durch ein System dreister L�gen und durch Unsinn ersetzt wird) und verk�rpert sich in den G�tern und Dienstleistungen der Konsumgesellschaft, die das falsche Bild vom guten Leben aufrechterhalten."[16] Die Kultur der herrschenden Klasse, die einmal Hegemonie �ber die gesamte Gesellschaft beanspruchen konnte, ist in dem kulturindustriellen Proze� in die Manigfaltigkeit von Lebensstilen transformiert, die nebeneinander gleichg�ltig bestehen und b�rgerlichen Charakter nicht mehr aufweisen. Die Kulturindustrie hat die gesellschaftliche Totalit�t eingenommen und verdr�ngt die Ans�tze kultureller Erzeugnisse Einzelner, wo sie ihr Aufkommen nicht behinderte, ins ungef�hrliche Abseits, in den Subraum, oder sie heimst sie sich ein, indem sie diese verm�ge der industriellen Vermarktungsmechanismen ins Affirmative transformiert. - Ihre angeh�ufte Machtf�lle und das verkl�rte Bed�rfnis der Konsumenten geben ihr die M�glichkeit dazu. Die Gegenwart ist ein einziger Massenbetrug unter dem Diktat der �konomie, die nahezu ohne Rechtfertigungen auskommt.

Die gegenw�rtige Gesellschaft schillert nicht mehr; sie ist eindimensional geworden. "Inzwischen haben fast alle Organisationsformen, die der Emanzipation des B�rgertums dienten, ihren genuin politischen Charakter verloren und sind entweder zu geselligen Vereinen oder zu reinen Interessentenorganisationen herabgesunken."[17] Die vereinzelt Einzelnen bewegen sich in den institutionellen Ruinen der b�rgerlichen Gesellschaft. Des Nichtidentischen: der Idee der Freiheit, hat sich die Gesellschaft weitgehend entledigt; an allen Orten wird den Menschen ihr nicht zu �berbietendes Ma� an Freiheit - das Ende der Geschichte - vorgegaukelt, ohne sich allgemein der L�cherlichkeit preiszugeben. Schlie�lich habe alles, was �ber Kapitalismus und b�rgerliche Demokratie hinausging, damit auch seine Mangelhaftigkeit bewiesen. Weiterreichende alternative Gesellschaftsmodelle, die als Vergleich taugen k�nnten, sind weggefallen oder geschichtlich als untauglich denunziert. In der Folge gibt es weder ernst genommene Infragestellungen des Bestehenden und folglich auch keine ernstzunehmenden Apologien. Die Ideologie dieser Verh�ltnisse hat sich objektiv ver�ndert. War das Verh�ltnis von Ideologie und B�rgerlichkeit konstitutiv f�r den Ideologiebegriff, so wandelte sich Funktion und Struktur der Ideologie selbst, als die B�rgerlichkeit entfiel.[18]

Ideologiekritik findet kaum einen Gegenstand, an dem sie sich abarbeiten k�nnte; niemand der Herrschenden ist in die Bedr�ngnis versetzt, sich rechtfertigen und dar�ber Herrschaft verschleiern zu m�ssen. Das Bestehende ist affirmiert durch seine blo�e und scheinbar alternativlose Existenz. - "Die Ideologie ist keine H�lle mehr, sondern nur das drohende Antlitz der Welt."[19] - Eine Welt, in der die Taten der �konomisch Herrschenden sich weitgehend mit ihren geistigen Anspr�chen decken. Man mu� ihnen nur zuh�ren: 150 Jahre nach dem Erscheinen des Kommunistischen Manifest von Marx und Engels feiert die liberal-b�rgerlich-konservative �ffentlichkeit die Schrift als Meisterwerk, in der die Globalisierung von ihrem Beginn an schon auf den Begriff gebracht wurde, und vereinnahmt die Kritik der politischen �konomie f�r die Affirmation der als Globalisierung euphemisierten, imperialistischen Kapitalakkumulation.[20]

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ist etwas von dem guten Gewissen der b�rgerlichen Apologeten zu sp�ren, vom Gutmenschentum, wenn sich Richard Rorty zum Apostel aufschwingt und das Manifest in einem Atemzug mit der Bibel als Hauspostillen f�r junge Menschen empfiehlt, die daran ihre gesunde Moral erbauen k�nnen: "Eltern und Lehrer sollten junge Menschen dazu ermuntern, beide B�cher zu lesen. Es wird der moralischen Haltung der jungen Leute f�rderlich sein. Wir sollten unsere Kinder so erziehen, da� sie es unertr�glich finden, wenn wir, die wir hinter unseren Schreibtischen sitzen und auf Tastaturen herumfingern, zehnmal mehr verdienen als die Menschen, die sich beim Reinigen unserer Toiletten die Finger schmutzig machen, und hundertmal mehr als jene, die in der Dritten Welt unsere Tastaturen zusammenbauen. Wir sollten daf�r sorgen, da� es ihnen Sorge und Kummer bereitet, wenn die L�nder, die sich zuerst industrialisiert haben, hundertmal reicher als jene sind, die noch nicht industrialisiert sind (...). Es ist heute so wahr wie 1848, da� die Reichen immer versuchen werden, reicher zu werden, indem sie die Armen �rmer machen (...)"[21] - In der S�ddeutschen Zeitung wird das Kapital gar als Bibel des Kapitalismus verhandelt, als Anleitung oder Wegweiser f�r Wirtschaftswissenschaftler und Gesch�ftsleute, die ihr Gl�ck im Dickicht des Marktes versuchen wollen.[22]

Den Gipfel des Hohns liefert das Handelsblatt, das zun�chst eine Passage aus dem Manifest zitiert, in der Marx und Engels den Hei�hunger der Bourgeoisie nach mehr Akkumulation erw�hnten, der die Kapitalisten �ber die ganze Erdkugel treibe und dazu veranlasse, sich �berall einzunisten und die Verh�ltnisse zu modernisieren. Dann hei�t es weiter im Kommentar des Wirtschaftsblattes: "K�nnte das nicht der Pr�sident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Hans Olaf Henkel, in einer seiner Standortreden �hnlich gesagt haben, und zwar nicht als Prophezeiung, sondern als Abmahnung an die Adresse der Reaktion�re, die immer noch an der Tarifautonomie, am Sozialstaat, an der Nationalit�t eines W�hrungs-, Wirtschafts- und Steuersystems festhalten? Und wer wollte im Jahr 1998 der Feststellung von Marx aus dem Jahr 1848 widersprechen, da� es f�r die Wirtschaft ein Gesetz der Konzentration gibt, 'da� die bisherigen kleinen Mittelst�nde, die kleinen Industriellen' der Konkurrenz der Gro�unternehmen zum Opfer fallen? An die Stelle des industriellen Mittelstandes werde die gro�e Industrie treten, beherrscht von den 'Chefs ganzer industrieller Armeen'."[23]

Die Art, wie 150 Jahre nach Erscheinen des Kommunistischen Manifests an diese einst brisante Schrift erinnert wird, tr�gt Z�ge eines kollektiven, vers�hnlich stimmenden Festes �ber alle Klassen hinweg. Als h�tte es die Klassenk�mpfe nie gegeben und als w�re das viele Blut niemals geflossen. Jetzt, wo der Spuk des Gespenstes in Europa vorbei ist, wird das Manifest ins deutsche und europ�ische Kulturerbe aufgenommen. Schlie�lich hat man keinen Umsturz mehr zu bef�rchten.

IV.

Ideologiekritik setzte einmal dort an, wo es eine Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit gab. Die Absence ideologischer Rechtfertigungen entbindet die Theorie allerdings nicht von der Kritik. Wenn der betr�gerische Wahnsinn ohne Schleier, d.h. offen zu Tage tritt, mu� er allerdings auch offen bek�mpft werden. Die Kritik m��te deshalb praktischer werden. "Es ist (...) notwendig, prinzipiell zu argumentieren, einen positiven und offensiven Begriff der sozialistischen Demokratisierung zu entwickeln, der nicht nur den Verstand der Menschen, sondern auch ihre Gef�hle, ihre Befreiungsphantasien, ihre unmittelbaren Interessen erreicht und so in allen Gesellschaftsbereichen als anschauliche Alternative zu den bestehenden Herrschaftsverh�ltnissen verstanden werden kann."[24]

Wenn das Kapital eine Gegenmacht zu bef�rchten h�tte, r�ckten seine Agenten mit ihren Absichten nicht frank und frei, sondern nur verschleiert heraus; es kann sich aber so frei bewegen wie lange nicht zuvor,[25] und seine Agenten ver�ndern die Welt nach ihren unternehmerphilosophischen Interpretationen und korrigieren den Sch�pfungsmythos nach ihrem Bilde: "Am sechsten Tage schuf Gott die Marktwirtschaft und am siebten Tage sah er, da� alles gut werden wird."[26] - Die Antwort auf die Frage des cui bono: wem aus der Angestelltenzivilisation[27] die ungehemmte Kapitalakkumulation �ber den unmittelbaren Vorteil eines ggf. besseren Gehaltes hinaus weitreichende Lebensqualit�t bringe, ist schlichter geworden; sie lautet: niemandem so richtig. Wie von einem Bumerang werden die charaktermaskierten Agenten des Kapitals von ihren ausge�bten Handlungen wieder eingeholt. - Die Kapitalakkumulation, im Systemzwang verhaftet, entzieht sich selbst ihre materielle Grundlage: die der lebendigen Arbeit und deren Lebensm�glichkeit; sie entfremdet alle Menschen, wenn auch in unterschiedlicher Qualit�t, je nachdem, an welchem Ort im Produktionsproze� sie sich befinden. Eine "Form zweiter urspr�nglicher Akkumulation" findet statt: "nicht mehr nur die Enteignung der Menschen von den objektiven Bedingungen der Realisierung ihrer Arbeitskraft, sondern die zus�tzliche Enteignung ihrer Phantasie, ihrer Lebensm�glichkeiten und ihres Gl�cks in einem gesellschaftlichen Zustande, der alle objektiven Voraussetzungen f�r die Abschaffung von Mangel und Unterdr�ckung aufweist."[28] Davon sind sie alle betroffen. Nicht nur der hilflose Angestellte oder Arbeiter auf der untersten Ebene der Hierarchie, sondern selbst der Manager aus der obersten Etage der Wirtschaft mu� sich vor seiner eigenen Instrumentalisierung und Wegrationalisierung existentiell bedroht f�hlen.[29]

Die Reduzierung der Arbeitszeit auf ein halbwegs ertr�gliches Ma� und die Orientierung der Produktion am Massenkonsum hatten den Bereich der Freizeit aufkommen lassen. Gleichzeitig d�rfte dadurch aus Sicht der herrschenden Klasse der zur Wirklichkeit gewordene Traum der Fabrik als ideale Disziplinarinstitution, vor der das Ideal des work-houses erbla�t war,[30] zunichte gemacht worden sein. Aber die Disziplinar- und Kontrollmechanismen wurden nunmehr auf die Freizeit ausgedehnt. Das begann bereits vor dem Faschismus in Europa mit der Entstehung der Kulturindustrie, die aber weniger auf Machinationen aus den hohen Kommandoetagen von Wirtschaft und Politik beruhte, als sie vielmehr aus dem naturw�chsigen Proze� der �konomie selbst entsprang. In dem Konsumverhalten der Massen w�hrend ihrer Freizeit hatte sich ein neuer und �u�erst erschwinglicher Markt er�ffnet, der mit dem modernen Stand der Produktivkr�fte industriell erfa�t wurde: der Markt des Amusements. Die industrielle Massenproduktion, die ohne Massenkonsum gar nicht m�glich gewesen w�re, konnte aber nur aufgrund der Standardisierung der individuellen Bed�rfnisse in Gang kommen.[31] Die Kulturindustrie mu�te also imstande sein, die Bed�rfnisse der Massen nicht nur zu erfassen, sondern auch gleichzuschalten.[32] Das erfolgte verm�ge einer libidin�sen Vermittlung der Waren, Dienstleistungen, Statussymbole etc. Und ebenso lie�en sich auch die sozialen und politischen Bed�rfnisse der als Konsumenten erfa�ten Einzelnen steuern, indem man auch Normen, Tugenden, Moral und politische Ansichten libidin�s vermitteln konnte. "Jeder Manipulation im Interesse bestimmter Unternehmen, politischer Richtungen und Interessen ist das allgemeine und objektive Ziel �bergeordnet, den Einzelnen mit der Lebensform auszus�hnen, die ihm von der Gesellschaft aufgezwungen wird."[33] Das Resultat dieser repressiven Auss�hnung mit den bestehenden Herrschaftsverh�ltnissen war ein zugerichtetes menschliches Wesen, das seiner eigenen Unterdr�ckung nicht nur zustimmte, sondern in perverser Form sogar Gefallen daran fand.

Durch die manipulativen Mechanismen der Kulturindustrie verbla�te das Ideal des idealen work-houses also ein zweites Mal: die gesamte Gesellschaft transformierte sich zu einer Art kollektivem Freiluftgef�ngnisses und �bernahm die disziplinierende Funktion der Fabriken als deren Surrogat au�erhalb der Arbeitszeit.[34] Im Faschismus wurde die Kulturindustrie schlie�lich zu einem nicht unwichtigen Bestandteil des Terrorapparates zur Erg�nzung der Massenorganisationen. Sie st�rzte sich auf die Freizeitorganisation der Massen. Die Absicht bestand in der ideologischen Beeinflussung der gesamten Gesellschaft durch Propaganda und Demagogie zur Schaffung einer bei Laune gehaltenen faschistischen Massenbasis, die rund um die Uhr besch�ftigt wurde und der permanenten Kontrolle ausgesetzt war. Die Mittel standen bereit: Film, Radio, Reklame, Sport usw.

Der Faschismus nahm in s�mtlichen Institutionen, die er zu Massenorganisationen ausbaute oder als solche neu schuf, die b�rgerliche Rationalit�t zur�ck und ersetzte sie durch das autorit�re F�hrerprinzip. Der Gehorsam wurde mit sichtbaren Mitteln erzeugt: Zwang, Zucht, Strafe, Denunziation. Die Disziplinierung erfolgte also �ber ein Angst erzeugendes Gewaltklima. Die b�rokratisch aufgebl�hten Institutionen erm�glichten vielen autorit�ren Charakteren als befehlende Befehlsempf�nger sich auf der vermeintlich sicheren Seite zu w�hnen, an der faschistischen Herrschaft zu partizipieren, und die Angst nach unten weiterzugeben.

Wo aber der Faschismus mit Diktat und Holzhammer versagte, indem er langfristig keine Anerkennung f�r seine wahnwitzige Herrschaft fand, sondern einzig das namenlose Grauen verk�rperte, geht die gewandelte Herrschaftsformation der postfaschistischen �ra subtiler vor. Sie bringt den Pluralismus hervor, der in Kombination mit der totalisierten Kulturindustrie effektiver funktioniert als jede Zensur. Wenn alles beliebig geworden zu sein scheint, wird es auch von den Menschen scheinbar als gleichg�ltig hingenommen. Die kritischen Inhalte gehen zugleich in der F�lle belangloser Daten und Informationen ohnehin unter.

V.

Aus s�mtlichen Poren dieser Gesellschaft kommt die kulturindustriell erzeugte Marktmoral als Durchhalte- und Mitmachparole zum Vorschein.[35] Marx entlarvte einst die Ideale der Franz�sischen Revolution als die Moral der National�konomie.[36] Was dem citoyen einmal als emanzipative Ideale erschienen waren, entpuppte sich als der chiffrierte Wunsch des bourgeois nach einer demoralisierten und enthemmten Produktion. Die b�rgerliche Moral verschleierte diesen Widerspruch; aber erst heute ist er richtig eingeebnet, und die Wahrheit tritt unverhohlen zu Tage. Es gibt den citoyen und seine Rechtfertigungen nicht mehr. Das Amusement als inhaltliches Diktat der Freizeit, das alle erfassen und jedem zugute kommen soll, erzeugt den schlechten Schein gelungener Gleichheit. Der klebrige Ringelpietz mit Anfassen in s�mtlichen Variationen der Vergn�gungsindustrie vom Benefizkonzert �ber Fasching bis hin zu Weihnachten meint die Br�derlichkeit. Die Freiheit spricht Visa und darf sich individuell genommen[37] werden; aber wie der Name und der dazugeh�rige Werbespot schon nahelegen, �berwintert sie im Exil: auf der Flucht aus der Warenwelt (Urlaub) und selbst zur Ware verkommen.

Freiheit, Gleichheit, Br�derlichkeit: die Ideale b�rgerlicher Emanzipation haben im Sp�tkapitalismus endg�ltig ihre Ausformung zu Phrasen gefunden. Der Begriff der Freiheit meint selten noch mehr als die betriebswirtschaftliche Idee der individuellen Wirtschaftsweise und erf�llt ganz klar die Funktion des Eigentums. Marx schrieb, da� in der Klassengesellschaft pers�nliche Freiheit nur auf der Seite des Privateigentums existiert. Das Geld als allgemeines Tauschmittel verschafft den Zugang zu den Mitteln der pers�nlichen Befriedigung von Bed�rfnissen, die in einer arbeitsteiligen Gesellschaft zun�chst im Besitz anderer sind und schlie�lich mittels des Geldes getauscht werden. Die Unterdr�ckten m��ten sich die Totalit�t der Produktivkr�fte aneignen, um freie Menschen zu werden, denn aus den Produktivkr�ften erwachsen die Mittel zur Entfaltung ihrer pers�nlichen Freiheit. Freiheit als menschliche Praxis gefa�t, also als Befreiung, w�rde bedeuten: die Beschr�nktheit der pers�nlichen Freiheit aufzuheben, indem aufgrund der Einsicht in die gegenseitige Angewiesenheit aufeinander Gesellschaft bewu�t organisiert wird. Erst dann kommt die Gesellschaft zu ihrem emphatischen Begriff.[38] Freiheit erf�llte nicht mehr die Funktion des Eigentums, sondern w�re die Befreiung vom Eigentum: Freiheit vom Egoismus des Gewerbes, statt Freiheit des Gewerbes; Emanzipation aller von der Klassengesellschaft �berhaupt, statt Emanzipation des egoistischen Individuums von den feudalen Fesseln, wodurch einst Herrschaft nicht abgeschafft wurde, sondern lediglich einen Formwandel erfahren hatte.[39]

In dieser Kritik von Marx kam der Geist der sozialen Revolution zum Ausdruck, der heute kaum noch lebendig ist. Der Gedanke an Befreiung wirft, wenn er nicht blo� utopistische Metaphysik sein soll, unmittelbar die Frage nach dem gesellschaftlichen Subjekt auf, das objektiv Tr�ger der Befreiung sein k�nnte. Im Angesicht von Adornos grimmiger Scherzfrage: wo das Proletariat geblieben sei, mu� es erlaubt sein, etwas verhalten zu schmunzeln.[40] Die subalterne Klasse existiert gegenw�rtig nur an sich, d.h. sie existiert nur abstrakt, tritt nicht in Erscheinung. Statt Klassen- hat sie Alltagsbewu�tsein. In den K�pfen jener Emanzipation haben sich die geistlosen Zust�nde ein Nest gebaut, die aus der Philosophie eine abstrakt b�rokratische Unternehmensphilosophie machten und zu einer Sozialpartnerschaft[41] zwischen Unterdr�ckern und Unterdr�ckten einluden. In den einst proletarischen Herzen der Emanzipation sind die herzlosen Zust�nde des idiotischen und abstrakten Fachmenschentums eingekehrt. Angesichts dessen kann das Schmunzeln allerdings zu keinem Lachen werden. Der bestehende Zustand ist nicht komisch; er ist tragisch-komisch. Das Lachen wird einem im Halse stecken bleiben. Die gescheiterte und im Faschismus ertr�nkte Revolution in Europa hat einen absurden Zustand hinterlassen, eine absurde Zwischenwelt, in der alles weitergeht, ohne wirklich weiterzugehen. Geschichte tritt auf der Stelle und zwingt die Menschen in eine Warteschleife, in der es f�r jeden Einzelnen geboten scheint, immer gen�gend Gegengifte in der eigenen Hausapotheke zu haben, - auf Dauer k�nnen die vereinzelten Einzelnen aber nur zugrunde gehen, jedenfalls zerbrechen sie an der schlechten Wirklichkeit.

Die Beschaffenheit der verb�rgerlichten (proletarischen) Subjekte, macht einen fast gewillt zu sagen, da� die lebendige Arbeit als konstituierende Gegenmacht der Gesellschaft nicht mehr in Frage kommt. Die Individualit�t der vereinzelt Einzelnen ist unter dem Zwang der �konomie zur konformistischen Charaktermaske korrumpiert worden. Es triumphiert in jedem nicht nur das Allgemeine: Agenten des Tauschwert zu sein, sondern sie sind zudem wehrlos Gehorchende.[42] "Das Individuum �berlebt sich selbst."[43] Leidenschaft, die bei Hegel noch als List der Vernunft Triebkraft f�r die gesellschaftliche Entwicklung war,[44] ist erst im maschinisierten Produktionsproze� und schlie�lich vermittels der Kulturindustrie funktionslos geworden und f�llt der Dekomposition des Individuums[45] zum Opfer. Die Menschen werden total verdinglicht.[46] "Wogegen sie nicht ank�nnen, und was sie selber negiert, dazu werden sie selber."[47] Die verdinglichte Realit�t ist aufgrund ihrer hartn�ckigen Tr�gheit und Schwerkraft parteilich auf der Seite der bestehenden Herrschaft, die davon profitiert, da� wirklich niemand mit dem Kopf durch die Wand rennen kann. Die geschlossene Gesellschaft gaukelt den Menschen vor, da� Klaustrophobie kein Grund f�r Unzufriedenheit, sondern nur allzu nat�rlich sei. Der Realit�t sich zu beugen bedeutet: Anpassung an ein je Vorgefundenes.

Keineswegs aber mu� es f�r immer so bleiben. Denn soziale Konflikte sind trotz systematischer Domestikationsversuche bis auf den heutigen Tag ein immer wiederkehrendes Ph�nomen. Der Klassenantagonismus produziert sie mit l�ssiger Regelm��igkeit. Auch im Sp�tkapitalismus l�st der produzierte Mangel an Befriedigung individueller Bed�rfnisse im Menschen �ngste aus, die sich in Aggression umwandeln und nach au�en gelenkt werden, so da� sie wiederum gesellschaftlich eingebunden werden k�nnen als Triebpotential f�r den Konkurrenzmechanismus.[48] Der Mangel an Befriedigung auf triebpsychologischer Ebene ist das �quivalent zum �konomisch erzeugten Mangel auf gesellschaftlicher Ebene, durch den Konkurrenz sich entfalten kann. Die Menschen werden auch heute noch ohne ihr eigenes Wissen zu destruktivem Verhalten in einem Ma�e veranla�t, wie es zun�chst im Normalfall der Gesellschaft scheinbar keinen allgemeinen Schaden zuf�gt. Das durch das komplexe System abstrakter Arbeit entfesselte egoistische Triebpotential wird im Gegenzug durch repressive Moral im Sinne des sozialen Zusammenhalts wieder zu fesseln und zu domestizieren versucht.[49]

Die derzeitigen massiven, globalen Kapitalkonzentrationen haben allerdings so drastische Auswirkung auf die materiellen Lebensverh�ltnisse der Menschen, da� diese aus Angst vor ihrer Verelendung rebellieren k�nnten, weil sich der gesellschaftliche Reichtum in wenigen H�nden konzentriert. Politische, �konomische und soziale Konflikte k�nnten auch in den hoch-industrialisierten Gesellschaften trotz pessimistischer Bestandsaufnahme der Subjektivit�t zunehmen. Weltweit kann von einer verst�rkten Flucht- und Migrationsbewegung gesprochen werden, die mit einer geh�uften Erscheinung von Kriegen und B�rgerkriegen verkn�pft ist. Der Druck der gesellschaftlichen Verh�ltnisse nimmt zu und wird dr�ckender, auch ohne da� sich das Bewu�tsein davon durch Kritik sch�rft, damit die Rebellion gegen die Entfremdung sich organisiere. "Aus der Geschichte wissen wir, da� immer dort, wo die alten Herrschaftssysteme ausgeh�hlt oder vom Zusammenbruch gezeichnet sind (durch Krieg, �konomische Zerr�ttung, Terrorisierung der Bev�lkerung), wo also die Ausgebeuteten, die M�hseligen und Beladenen gemeinsam mit den Beleidigten und Entw�rdigten ihrer Emp�rung in kollektivem Aufstand politischen Ausdruck geben, Formen der Selbstorganisation des Lebenszusammenhangs entstehen, die sich den Kompromi�taktiken verweigern und sich quer zum hierarchischen Gesellschafts- und Staatsaufbau stellen."[50]

Nicht immer aber hatten kollektive Aufst�nde in der Geschichte einen politischen Ausdruck angenommen. Leider waren sie viel zu oft vom Ressentiment durchtr�nkt. Es gibt - auch das lehrt die Geschichte - keine Garantie f�r aufgekl�rte Revolten; noch die emanzipative Unbotm��igkeit nimmt etwas von der ansozialisierten Botm��igkeit des herrschenden Unwesens in sich auf. Je weniger Wissen �ber den Druck der Verh�ltnisse die Beherrschten haben, desto h�ufiger gilt: "Die Unfreien erstreben die Freiheit, wie der bestehende Zustand sie definiert."[51] Aus diesem Grund drohen selbst progressive politische Gruppierungen oder emanzipative Bewegungen unterdr�ckter Minderheiten affirmativ zu werden, sobald sie sich die Praxis ihrer Politik durch die Regeln der Herrschenden diktieren lassen.[52] - Sie haben aber vielmehr, wie Marcuse deutlich macht, in jeder repressiven Gesellschaft ein 'Naturrecht' auf Widerstand und brauchen sich gegen�ber der gesetzgebenden Autorit�t zu Gehorsam und Disziplin nicht verpflichtet f�hlen, solange die Gesetze als unzul�nglich sich erwiesen haben.[53]

VI.

Im Proze� der Disziplinierung und Verdinglichung zeichnen sich Grenzen ab. Aufgrund des beschleunigten Wandels gesellschaftlicher Verh�ltnisse gelingt die Anpassung ans Bestehende immer weniger substanziell.[54] Der Charakter wird inkonsistent auch deshalb, weil durch die zunehmende und beschleunigte Verringerung der materiellen Basis die alte Arbeitsgesellschaft erodiert.[55] Das urspr�ngliche Vergesellschaftungsprinzip geht verloren, weil die Arbeitsgesellschaft sich von der Wirklichkeit verabschiedet. Die totalisierte Kulturindustrie hat die Funktion der Integration und des Zusammenhalts bereits �bernommen. Sie ist die Antwort auf die Erosion und ein Bestandteil dieser. Zu einem gro�en Teil fungiert sie als Anpassungsmechanismus, der das alte Vergesellschaftungsprinzip der Arbeitsgesellschaft erg�nzt, aber nicht ersetzen kann. Schon im antiken Rom hie� die Devise: Brot und Spiele. Geht die Arbeit aus, n�tzt auch das organisierte Amusement nicht mehr. Ein ausgekl�gelter autorit�rer Kontrollapparat k�nnte deshalb in Wechselwirkung mit der Kulturindustrie wieder zum Vorschein kommen, der die massenhaft betrogenen Einzelnen in Schach zu halten und ihre Wut propagandistisch in Ha� gegen vermeintliche Staats- oder Volksfeinde umzulenken versucht, damit sie sich nicht vom gesellschaftlichen Reichtum holen, was sie zum Leben ben�tigen.

Die zunehmende Marginalisierung der lebendigen Arbeit beschleunigt die reale Subsumtion der Gesellschaft unter den kontrollierenden autorit�ren Staat, der seine Polizeigewalt nicht unn�tig in der �ffentlichkeit marschieren l��t, solange es nicht allen Grund daf�r gibt. "Die Polizeigewalt stellt, auch wenn sie im Schatten verbleibt und nur in letzter Instanz zum Einsatz kommt, jene St�tze dar, die die Ordnung des postmodern-liberalen Staats garantiert."[56] Noch kann der Staat ohne massive Polizeigewalt seine Richtlinien allgemein durchsetzen. Lediglich gegen�ber den drop outs ist bisher wieder eine deutliche Zunahme der Gewalt erkennbar. Schon jetzt verh�lt sich der Staat auch unter sozialdemokratischer F�hrung diesen gegen�ber, deren Zahl rapide angestiegen ist, zunehmend repressiv. Sie werden als Herumlungernde und Obdachlose nicht nur aus den Innenst�dten von privaten Sicherheitsdiensten unter staatlicher Duldung vertrieben, weil sie dem Bild einer wohlhabenden B�rgerstadt widersprechen und die Einkaufslaune der zahlungskr�ftigen Kunden angeblich empfindlich st�ren, die Erwerbslosen und Sozialhilfeempf�nger sind auch von autorit�ren Gesetzesversch�rfungen betroffen: ihnen wird mit aller H�rte zugemutet, Arbeiten zu absoluten Niedrigl�hnen anzunehmen.[57]

Der Versuch der Reintegration in den sogenannten ersten Arbeitsmarkt st��t nur auf halbherzige Bem�hungen von staatlicher Seite, weil schlie�lich dieser am ehesten wei�, da� die Arbeitslosigkeit auch in Zukunft stetig wachsen wird aufgrund des notwendigen Einsatzes der jeweils modernsten Produktionsmittel - daf�r wird der Konkurrenzmechanismus schon sorgen.[58] Die Ausweitung des Sektors, in dem absolute Niedrigl�hne bezahlt werden, l��t das aus den USA bekannte Ph�nomen der working poor l�ngst auch in Europa entstehen. Der autorit�re Staat bef�rdert auf der einen Seite durch seine Gesetzgebung die weitere Verschlechterung der materiellen Lage der drop outs, auf der anderen Seite greift er auf autorit�re Disziplinarmechanismen zur�ck, indem er sie mit Gewalt zu drop ins eines Zwangsarbeitertums unter unmenschlichen Bedingungen macht, wo sie weiterhin am Rande der Existenzsicherung ums blanke �berleben k�mpfen m�ssen. Wenn schlie�lich behauptet w�rde, man h�tte auf diese Weise Millionen neuer Arbeitspl�tze geschaffen, so handelte es sich um einen kolossalen und zynischen Betrug der Massen. Das Problem der Arbeitslosigkeit w�re nicht gel�st, sondern verschleiert.

Der Verzicht auf die demokratische Legitimation der Herrschaft, der in dem Ausbau der Mechanismen zur Manipulation der �ffentlichen Meinung bereits angelegt war, ist ebenso schon als eine Autoritarisierung der Gesellschaft im Sp�tkapitalismus zu begreifen. Die konsequente Verwirklichung der Rede vom schlanken, neoliberalen Staat f�hrt schlie�lich in die blo�e Konfrontation von Staat und Individuum und beendet ihre gegenseitige Durchdringung. Einzige Aufgabe des Staates l�ge noch in der Aufrechterhaltung des Gewaltmonopols zum Schutz des Privateigentums und zum reinen Machterhalt. "Wirtschaftsliberalismus und autorit�rer Staat schlie�en sich nicht aus, sondern bedingen einander."[59].

Die Rebarbarisierung in der Politik der Herrschenden geht auch mit einer Faschisierung des Alltagsbewu�tseins der Einzelnen einher. "Ein wachsender Militarismus nach au�en wie nach innen und die zunehmende Hinwendung zu einer Politik der gesellschaftlichen Panik, der Angst und des Rassismus verweisen darauf, da� der Staat einige faschistische Elemente ausbildet, mit der Tendenz zum Polizeistaat: Die Entwicklung vom Rechtsstaat zum Polizeistaat wurde immer durch Angst, Ha� und Rassismus vorangetrieben."[60] - Noch wird nach eingeschliffener Art das Leben der vereinzelten Einzelnen b�rokratisch verwaltet und auf diese Weise kontrolliert. Der unsichtbare Disziplinarmechanismus aber: die d�nnen F�den, an denen der Arbeiter gefesselt wurde, beginnen sich zu l�sen, und der stumme Zwang k�nnte sehr bald wieder das Schreien lernen, das Schwingen der Peitsche.

Vor die Alternative gestellt sind die Menschen, entweder endlich den Akt der gesellschaftlichen Befreiung zu vollziehen oder - und das ist zu bef�rchten - wieder einmal in einen neuen Zustand der Barbarei einzutreten, in der sich der Sp�tkapitalismus schleichend faschisiert und dann schocktherapeutisch zu modernisieren beginnt. Soziale Konflikte, die trotz der aufgebl�hten, staatlichen Gewaltapparate Polizei und Milit�r die Herrschaft �ber die Gesellschaft ins Wanken zu bringen verm�gen, werden insgesamt erst aufh�ren, wenn die Menschheit in einen klassen- und konkurrenzlosen Zustand, in dem jeder Mensch Zugang zu einem menschenw�rdigen Leben erh�lt, �bergegangen ist. Dieser Zustand wird seine eigene Ordnung haben: eine Ordnung, die ohne Gewalt ihre eigenen und deshalb erst wahren Prinzipien finden wird. In dieser befreiten Gesellschaft ist die Disziplin aufgehoben, oder die Gesellschaft ist nicht wirklich frei. Es gibt aber keine Garantie daf�r, da� eine m�gliche Revolte gegen den kapitalistischen Wahnsinn emanzipativen, d.h. sozialrevolution�ren Charakter mit Notwendigkeit annimmt. Sie k�nnte genauso auch Revolte des Ressentiments werden. - Mit immanenter Kritik sollte, solange dies m�glich ist, das eine beg�nstigt und dem anderen entgegen gesteuert werden.

Am Programm der immanenten Kritik ist solange festzuhalten, bis sie selbst von ihrem total verdinglichten Gegenstand, wie Adorno sagt, "in den Abgrund gerissen [wird]."[61] Der Gegenstand der Kritik, der zu so etwas die Kraft bes��e, h�tte keinen ideologischen Gehalt mehr in sich - und wenn doch, nur den aller abstraktesten eines gegen�ber dem Inhalt gleichg�ltigen blo�en Platzhalters, der den emanzipatorischen Gedanken verhindern soll. Wenn das so geworden ist, w�re zu hoffen, da� das total verdinglichte Bewu�tsein endlich den Wald vor lauter B�umen sieht und auch ohne dialektische Kritik imstande sein wird, "der Verdinglichung aus eigenem sich zu entwinden."[62] Solange aber diese Verdinglichung nur ann�hernd eine hermetische Totalit�t darstellt und noch eine Tendenz erkennen l��t, in der Geistiges mit eigenem Anspruch - in welcher Gestalt auch immer - auftritt und die Verh�ltnisse rechtfertigend verschleiert, kann die Kritik an dem ideologischen Gehalt dessen sich festbei�en. Da� eine Sozialrevolution bisher nicht gl�ckte, erh�lt kritische Gesellschaftstheorie am Leben. Aber f�r sich alleine ist die Theorie nicht imstande, das schlechte Ganze aufzuheben. Es ist nicht wahr, da� der Weltgeist zu seiner Verwirklichung stets auf ein reifes Publikum treffe. Allemal gilt, was Horkheimer und Adorno in der Dialektik der Aufkl�rung geschrieben haben: "Von der Unreife der Beherrschten lebt die �berreife der Gesellschaft."[63]

 

 

Fu�noten: [1] Karl Marx, Friedrich Engels: Die Deutsche Ideologie. Kritik der neuesten deutschen Philosophie in ihren Repr�sentanten Feuerbach, B. Bauer, und Stirner, und des deutschen Sozialismus in seinen verschiedenen Propheten (1845/46), in: MEW Bd. 3, Berlin 1958, S. 36.

[2] Vgl. Eric Hobsbawm: Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts, M�nchen/ Wien 1995, S 21.: "Diese Zivilisation war kapitalistisch in ihrem wirtschaftlichen Aufbau, liberal in ihrem rechtlichen und konstitutionellen Strukturen, b�rgerlich in der Erscheinungsform ihrer charakteristischen tonangebenden oder herrschenden Klasse, stolz in ihrem Glauben an Wissenschaft, Ausbildung, Erziehung und den materiellen wie moralischen Fortschritt, und fundamental von Europa als Zentrum �berzeugt - als der Geburtsst�tte von Revolutionen und Wissenschaften, K�nsten, politischen und industriellen Entwicklungen.".

[3] Vgl. Herbert Marcuse: Konterrevolution und Revolte (1972), Frankfurt a.M. 1973, S. 99ff.

[4] "Die Bourgeoisie selbst ist dezimiert, die Mehrzahl der B�rger hat ihre Selbst�ndigkeit verloren; soweit sie nicht ins Proletariat oder vielmehr in die Masse der Arbeitslosen hinabgesto�en sind, gerieten sie in Abh�ngigkeit von den gro�en Konzernen oder vom Staat. Das Dorado der b�rgerlichen Existenzen, die Sph�re der Zirkulation, wird liquidiert. Ihr Werk wird teils von den Trusts verrichtet, die ohne Hilfe der Banken sich selbst finanzieren, den Zwischenhandel ausschalten und die Generalversammlung in Zucht nehmen. Teils wird das Gesch�ft vom Staat besorgt. Als caput mortuum des Verwandlungsprozesses der Bourgeoisie ist die oberste industrielle und staatliche B�rokratie �brig geblieben." - Max Horkheimer: Autorit�rer Staat (1940/42), in: GS Bd. 5, Frankfurt a.M. 1987, S. 293.

[5] Vgl. Wolfgang J. Mommsen: "Der Staat kann die Sache in die Hand nehmen", in: FR, 30. 07 1998, S. 16.

[6] Vgl. Detlev Claussen: Grenzen der Aufkl�rung. Die gesellschaftliche Genese des modernen Antisemitismus (1987), Frankfurt a.M. 1994, S. 64.

[7] Vgl. Claussen, a.a.O., S. 76.

[8] Marcuse, a.a.O., S. 44.

[9] Theodor W. Adorno: Negative Dialektik (1966), Frankfurt a.M. 1975, S. 15.

[10] Karl Marx: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, Einleitung (1844), in: MEW Bd. 1, Berlin 1956, S. 390.

[11] Vgl. Marcuse, a.a.O., S. 49.

[12] "Die Verb�rgerlichung mu� als objektives Klassenph�nomen gesehen werden: nicht als mangelnder Revolutionswillen der Sozialdemokraten oder als ihr b�rgerliches Bewu�tsein, sondern als die �konomische und politische Einordnung eines gro�en Teils der Arbeiterklasse in das System des Kapitals, als eine Ver�nderung in der Gestalt der Ausbeutung." - Herbert Marcuse: 33 Thesen, in: Feindanalysen, hrsg. von Peter-Erwin Jansen mit einem Vorwort von Detlev Claussen, L�neburg 1998, 11. These, S. 133.

[13] Th.W. Adorno: Reflexionen zur Klassentheorie (1942), in: Soziologische Schriften I, Frankfurt a.M. 1979, S. 384.

[14] Vgl. Claussen, a.a.O., S. 73.

[15] "Die Kulturindustrie, die aus der Zirkulationsph�re entstand, totalisiert sich und enteignet das individuelle Bewu�tsein. Dadurch werden in ihr die Charaktermasken produziert, die sich auch von traditioneller Ideologie im Sinne notwendig falschen Bewu�tseins unterscheiden." - Claussen, a.a.O., S. 74.

[16] Marcuse: Konterrevolution und Revolte, a.a.O., S. 102.

[17] Oskar Negt: Keine Demokratie ohne Sozialismus, kein Sozialismus ohne Demokratie, in: Keine Demokratie ohne Sozialismus - �ber den Zusammenhang von Politik, Geschichte und Moral, Frankfurt a.M. 1976, S. 469.

[18] Vgl. Adorno: Beitrag zur Ideologienlehre, in: Soziologische Schriften I, a.a.O., S. 465. - "Denn Ideologie ist Rechtfertigung. Sie erheischt ebenso die Erfahrung eines bereits problematischen gesellschaftlichen Zustandes, den es zu verteidigen gilt, wie andererseits die Idee der Gerechtigkeit selbst, ohne die eine solche apologetische Notwendigkeit nicht best�nde, und die ihr Modell am Tausch von Vergleichbarem hat." - Ebd.

[19] Adorno: Beitrag zur Ideologienlehre, a.a.O., S. 477.

[20] "Der Text auf 30 Druckseiten sagte korrekt den Konzentrationsproze� in der Wirtschaft voraus, auf Kosten der 'bisherigen kleinen Mittelst�nde', 'kleinen Industriellen', 'Handwerker und Bauern'. Mit dem Donnerhall alttestamentlicher Propheten k�ndigte er vor 150 Jahren die Globalisierung an." (Fritjof Meyer: "Marx, ganz modern", in: Der Spiegel, 16. 03. 1998, Nr. 12, S. 198) - "Nie wurde die kapitalistische Globalisierung, kaum da� sie begonnen hatte, grandioser besungen als im Februar 1848." (Mathias Greffrath: "Das Gespenst geht wieder um. Vor 150 Jahren schrieben Marx und Engels das 'Kommunistische Manifest'. Globalisierung und Arbeitslosigkeit geben ihm neue Aktualit�t", in: Die Zeit, 05. 02. 1998, Nr. 7, S. 47.) - Die Verwendung des Wortes "besungen", als handelte es sich beim Manifest um ein Lied, das haupts�chlich unter literatur�sthetischen Gesichtspunkten betrachtet werden k�nne, schiebt formale Aspekte in den Vordergrund und depotenziert den gesamten Inhalt gegen�ber dem Stil, damit wird auch die politische Bedeutung verdr�ngt, obwohl ihr gehuldigt wird.

[21] Richard Rorty: "Endlich sieht man Freudenthal. Endlich, endlich kommt einmal - Wiedergelesen: Vor hundertf�nfzig Jahren erschien das 'Kommunistische Manifest", in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. 02. 1998, Nr. 43, S. 40.

[22] "Zumindest das Kapital ist, wie mittlerweile sogar Wirtschaftswissenschaftler begreifen, kein Programm zur Abschaffung, sondern im Gegenteil eine Art Bibel des Kapitalismus, mit einem hohen Anteil von prophetischen B�chern, in denen die Entwicklung von Welt und Wirtschaft be�ngstigend genau vorherberechnet wird, inklusive Globalismus und Geldhandelsirrsinn. Wobei Irrsinn blo� so ein journalistischer Ausrutscher ist; Marx selber, k�hl bis ans Herz, behauptete, das m�sse so sein. Und setzt nicht einmal das W�rtchen 'leider' hinzu, jedenfalls nicht im Kapital. Gar nicht so dumm im analytischen Teil liest sich auch das Kommunistische Manifest. Wenn blo� dieser merkw�rdige Schlu�satz nicht w�re: 'Proletarier aller L�nder, vereinigt euch!' Ja, wozu denn, um Himmels willen? - Rainer Stephan: "Marx und Engels: Zwei deutsche Idealisten", in: S�ddeutsche Zeitung, 03. 03. 1998, Nr. 51, S.15.

[23] Hans Mundorf: "Der Globalismus ist eine Erfindung von Karl Marx und Friedrich Engels", in: Handelsblatt, 25. 02. 1998, Nr. 39, S. 8.

[24] Negt: Keine Demokratie ohne Sozialismus (...), a.a.O., S. 462.

[25] Negt wird nicht m�de, immer wieder zu erw�hnen, da� der Kapitalismus gegenw�rtig zum ersten Mal in der Geschichte �berhaupt so funktioniere wie Marx es in seiner Kritik der politischen �konomie idealtypisch analysiert hat: ohne Bei�hemmungen. - "Das absolut Neue besteht darin, da� die Kapital- und Marktlogik von nahezu allen Barrieren, Kontrollen, Widerst�nden, Gegenmachtpositionen befreit ist. Die Erosion dieser kollektiven Widerstandspotentiale, ob sie nun den Staat betreffen, die sozialen Sicherungssysteme, die Kampfbereitschaft von Organisationen der Arbeiterbewegung, ist zu einem zentralen Problem nicht nur der demokratischen Organisationsformen unserer Gesellschaft geworden, sondern sogar ihres solidarischen Zusammenhalts." - Oskar Negt: "Ironie der Geschichte oder: Der Kaiser ist nackt. �ber alte und neue Kleider, den Kapitalismus, die Globalisierung und die Notwendigkeit der Solidarit�t", in: FR, 04. 06. 1998, S. 7.

[26] Michael Buckmiller: Vom gesellschaftlichen Nutzen der Kritik. Oder: Wer steuert die neue Elitenbildung, in: Vom Nutzen der Kritik - Perspektiven der Studierenden und ihrer Proteste, hrsg.v. Susanne Schmidt und Marcus Hawel, Hannover 1998, S. 92.

[27] Max Horkheimer, Th.W. Adorno: Dialektik der Aufkl�rung. Philosophische Fragmente (1944), Frankfurt a.M. 1969, S. 162.

[28] Negt: Keine Demokratie ohne Sozialismus (...), a.a.O., S. 472.

[29] Vgl. Horkheimer, Adorno: Dialektik der Aufkl�rung, a.a.O., S. 45.

[30] Vgl. Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen �konomie (1867), Bd. 1, MEW Bd. 23, Berlin 1969, S. 293.

[31] Vgl. Herbert Marcuse: Aggressivit�t in der gegenw�rtigen Industriegesellschaft, In: H. Marcuse, A. Rapoport, K. Horn u.a.: Aggression und Anpassung in der Industriegesellschaft, Frankfurt a.M. 1968, S. 13.

[32] "Je fester die Positionen der Kulturindustrie werden, um so summarischer kann sie mit dem Bed�rfnis der Konsumenten verfahren, es produzieren, steuern, disziplinieren, selbst das Amusement einziehen: dem kulturellen Fortschritt sind da keine Schranken gesetzt." - Horkheimer, Adorno, a.a.O., S. 152.

[33] Marcuse, a.a.O., S. 13.

[34] "Amusement ist die Verl�ngerung der Arbeit unterm Sp�tkapitalismus. Es wird von dem gesucht, der dem mechanisierten Arbeitsproze� ausweichen will, um ihm von neuem gewachsen zu sein. Zugleich aber hat die Mechanisierung solche Macht �ber den Freizeitler und sein Gl�ck, sie bestimmt so gr�ndlich die Fabrikation der Am�sierwaren, da� er nichts anderes mehr erfahren kann als die Nachbilder des Arbeitsvorgangs selbst. Der vorgebliche Inhalt ist blo� verbla�ter Vordergrund; was sich einpr�gt, ist die automatisierte Abfolge genormter Verrichtungen. Dem Arbeitsvorgang in Fabrik und B�ro ist auszuweichen nur in der Angleichung an ihn in der Mu�e. Daran krankt unheilbar alles Amusement." - Horkheimer, Adorno, a.a.O., S. 145.

[35] "Wie freilich die Beherrschten die Moral, die ihnen von den Herrschenden kam, stets ernster nahmen als diese selbst, verfallen heute die betrogenen Massen mehr noch als die Erfolgreichen dem Mythos des Erfolgs. Sie haben ihre W�nsche. Unbeirrbar bestehen sie auf der Ideologie, durch die man sie versklavt." - Horkheimer, Adorno, a.a.O., S. 142.

[36] "Die National�konomie dr�ckt nur in ihrer Weise die moralischen Gesetze aus." - Marx: �konomisch-philosophische Manuskripte aus dem Jahre 1844, in: MEW Erg�nzungsband I, Berlin 1968, S. 551.

[37] Die �quivokation des Verbes sich etwas nehmen, l��t in diesem Kontext den Angesprochenen nicht zuf�llig im unklaren, ob ihm die Freiheit durch Visa nun zukommt oder verloren geht.

[38] "Erst in der Gemeinschaft mit Andern hat jedes Individuum die Mittel, seine Anlagen nach allen Seiten hin auszubilden; erst in der Gemeinschaft wird also die pers�nliche Freiheit m�glich." - Marx, Engels: Die Deutsche Ideologie, a.a.O., S. 74.

[39] Vgl. Marx: Zur Judenfrage, in: MEW Bd. 1, Berlin 1956, S. 369.

[40] Vgl. Th.W. Adorno: Minima Moralia. Reflexionen aus dem besch�digten Leben, Frankfurt a.M. 1951, Aph. 124: Vexierbild.

[41] Es ist kein Witz, wenn die Frankfurter Rundschau berichtet, da� in den Niederlanden am 17. M�rz 1999 Empf�nger staatlicher Unterst�tzungen aus Amsterdam in die Villengemeinde Bloemendaal gereist sind, um reichen Steuerzahlern mit Kuchen, Blumen und selbstgefertigten Gedichten und Bildern zu danken. - Vgl. "Sozialpartnerschaft", in Frankfurter Rundschau, 18. M�rz 1999, S. 1.

[42] Vgl. Adorno: Negative Dialektik, a.a.O., S. 306f.

[43] Adorno, a.a.O., S. 337.

[44] Vgl. Hegel: Vorlesungen �ber die Philosophie der Geschichte (1830/31), Werke Bd. 12, Frankfurt a.M. 1970, a.a.O., S. 49.

[45] Adorno, a.a.O., S. 336.

[46] Negri und Hardt sprechen im Zusammenhang der Maschinisierung der Arbeit von der Produktion des Cyborgs, einer modernen Form von Subjektivit�t: corps sans organes sind Menschen ohne Eigenschaften: "Die Maschine ist integraler Bestandteil des Subjekts, nicht als Anh�ngsel, als eine Art Prothese, als eine unter vielen Eigenschaften; das Subjekt ist vielmehr Mensch und Maschine seinem Wesen, seiner Natur nach." (Antonio Negri, Michael Hardt: Die Arbeit des Dionysos. Materialistische Staatskritik in der Postmoderne (1994), Berlin 1997, S. 19.) - Horkheimer und Adorno sprachen von der Lurchwerdung des Menschen. (Vgl. Horkheimer, Adorno, a.a.O., S. 43.) - Die Metapher vom Cyborg erscheint allerdings treffender und korrespondiert ebenso mit dem, was Horkheimer und Adorno �ber das durch die Maschine verdinglichte Denken aussagten: "Denken verdinglicht sich zu einem selbstt�tig ablaufenden, automatischen Proze�, der Maschine nacheifernd, die er selber hervorbringt, damit sie ihn schlie�lich ersetzen kann." (Horkheimer, Adorno, a.a.O., S. 31.) - W�hrend Negri, Hardt allerdings im Cyborg ebenso die "subjektiven Formen der Voraussetzung des Kommunismus in der Gegenwart" (Negri, Hardt, a.a.O., S. 19, vgl. auch ebd., S. 143) erkennen wollen, erscheint es der n�chternen Wahrheit n�her, von einer an dieser Stelle beginnenden Aporie der Verdinglichung als dem Ausdruck der Zerst�rung von Subjektivit�t zu sprechen. Gleichwohl ist es ebenso wichtig, auch die positive Seite dieses Vorgangs mitzudenken. Marcuse merkte zu Recht an, da� das Gespenst der Automation "bei Licht gesehen (...) das Gespenst einer m�glichen Humanisierung der Arbeit" sein kann, wenn der Mensch dadurch nicht mehr "als Arbeitsinstrument zu funktionieren braucht". - Marcuse: Aggressivit�t in der gegenw�rtigen Industriegesellschaft, a.a.O., S. 22.

[47] Adorno, a.a.O., S. 337.

[48] "Destruktive Energie verwandelt sich in sozial n�tzliche Energie, und die aggressiven Impulse n�hren den Fortschritt: wirtschaftlichen, politischen, und technischen Fortschritt." - Marcuse, a.a.O., S. 16.

[49] "Diesselben 'egoistischen Triebe' (Horkheimer), die �konomisch entfesselt werden, m�ssen kulturstaatlich gefesselt, unbewu�t gemacht werden; das hei�t aber: der soziale Zusammenhalt kann unter Verh�ltnissen der modernen patriarchalen Klassengesellschaft nur auf dem Wege der gesellschaftlichen Produktion von Unbewu�theit gew�hrleistet werden." - Wolfram Stender: Kritik und Vernunft. Studien zu Horkheimer, Habermas und Freud, L�neburg 1996, S. 61.

[50] Negt: Keine Demokratie ohne Sozialismus (...), a.a.O., S. 463.

[51] Hermann Schweppenh�user: Zur Dialektik der Emanzipation, in: Ders.: Vergegenw�rtigungen zur Unzeit? Gesammelte Aufs�tze und Vortr�ge, L�neburg 1986, S. 19.

[52] Vgl. Herbert Marcuse: Repressive Toleranz, in: R.W. Wolff, B. Moore, H. Marcuse: Kritik der reinen Toleranz, Frankfurt a.M. 1965, S. 95.

[53] Vgl. Marcuse, a.a.O., S. 127.

[54] "Mit der Beschleunigung der �konomischen Entwicklung k�nnen (...) die �nderungen der menschlichen Reaktionsweisen, die unmittelbar durch die Wirtschaft bedingt sind, das hei�t die unmittelbar aus dem wirtschaftlichen Leben sich ergebenden Gewohnheiten, Moden, moralischen und �sthetischen Vorstellungen so rasch wechseln, da� ihnen gar keine Zeit mehr bleibt, sich zu verfestigen und richtige Eigenschaften der Menschen zu werden." (Max Horkheimer: Geschichte und Psychologie (1932), in: GS Bd. 3, Frankfurt a.M. 1988, S. 68) - Horkheimer war der Auffassung, da� in einem solchen Fall "die relativ konstanten Momente in der psychischen Struktur an Gewicht" (ebd.) gewinnen. Mir erscheint es jedoch f�r wahrscheinlicher, da� in einem solchen Fall ein inkonsistenter Charakter ansozialisiert wird, der mehr durch die Bewegung des Ver�nderns als von dem sich ver�ndernden Material gepr�gt ist.

[55] "Im System der freien Marktwirtschaft, das die Menschen zu arbeitssparenden Erfindungen und schlie�lich zur mathematischen Weltformel gebracht hat, sind seine spezifischen Erzeugnisse, die Maschinen, Destruktionsmittel nicht blo� im w�rtlichen Sinn geworden: sie haben anstatt der Arbeit die Arbeiter �berfl�ssig gemacht." (Max Horkheimer: Autorit�rer Staat, a.a.O., S. 293) - Die lebendige Arbeit bleibt aber auch im Sp�tkapitalismus die Grundlage f�r die Mehrwertproduktion; ganz kann auf sie nicht verzichtet werden.

[56] Negri, Hardt, a.a.O., S. 95.

[57] Vgl. Christa Sonnenfeld: "Der Zwang zu gering bezahlter Arbeit ist Programm", FR, 12. 02. 1999.

[58] "In Deutschland k�nnten von den insgesamt ca. 33 Millionen Arbeitspl�tzen 9 Millionen wegfallen, wenn schon �berall dort, wo es m�glich ist, die modernsten Produktionsverfahren Anwendung f�nden. Die Arbeitslosigkeit w�rde dann insgesamt auf 38% ansteigen." - Buckmiller: Vom gesellschaftlichen Nutzen der Kritik, in: Schmidt, Hawel (Hg.), a.a.O., S. 97f., Fu�n. 6. - Vgl. H. Henzler, L. Sp�th: Sind die Deutschen noch zu retten, M�nchen 1993, hrsg.v. W. Fricke: Jahrbuch Arbeit und Technik 1996: Zukunft der Industriegesellschaft, Bonn 1996.

[59] Oskar Negt: Lebendige Arbeit, enteignete Zeit. Politische und kulturelle Dimension des Kampfes um die Arbeitszeit, Frankfurt a.M., New York 1984, S. 87. - Wie wichtig das Funktionieren eines staatlichen Gewaltmonopols f�r die Erzeugung oder Aufrechterhaltung geordneter Tauschbeziehungen ist, wird erst dann richtig deutlich, wenn man sich die Folgen eines allgemeinen Versto�es gegen die "Verkehrsregeln" vor Augen f�hrt. - Im Oktober 1998 konnte man in der Tageszeitung nachlesen, da� ein Unternehmen aus dem Raum Hannover (Gelsenkirchen) einen Familienvater aus Litauen damit beauftragte eine Bombe an der Hauswand einer Firma namens "Reifen-Center" zu hinterlegen. Das geschah bereits im Februar 1995. Absicht dieser nach b�rgerlichem Recht illegalen Handlung war der Versuch einer Drohung. Die Firma "Reifen-Center" sollte es sich noch einmal gut �berlegen, ob sie in Gelsenkirchen eine Zweigstelle errichten wolle. Leider hatte die Fernsteuerung des Z�nders versagt. Der Bombenleger, der f�r den kargen Lohn von DM 2000,- und f�r k�nftiges kostenloses Beziehen von Altreifen sich gefunden hatte, wurde dabei in St�cke gerissen. Der harte Konkurrenzkampf in der Reifenbranche ging indes weiter. (Vgl. "H�ndler gesteht Attentat", HAZ, 13. 10. 1998) - Einzelne Verst��e dieser Art gegen das Gewaltmonopol bieten Stoff f�r Anekdoten, allgemeine Verst��e dagegen w�rden ins reine Chaos und zur�ck in den Krieg aller gegen alle f�hren.

[60] Negri, Hardt, a.a.O., S. 100.

[61] Th.W. Adorno: Kulturkritik und Gesellschaft (1949), In: Prismen, Frankfurt a.M. 1976, S. 25.

[62] Adorno, a.a.O., S. 26.

[63] Horkheimer, Adorno, a.a.O., S. 43.