Transnationale Konzerne �berlick (aus isw-Forschungshefte 1 01/2003)

Was steht am Ende des Fusionsprozesses? Kaum mehr als eine Handvoll Multis, die die Weitm�rkte in jeder Branche dominieren; dazu eine Vielzahl von Nischenanbietern. Auf einige weni'ge Kernbereiche spezi�lisierte Multis bestimmen zunehmend die Spielregelii der Weltwirtschaft. Im gr��ten Industriezweig, der Autobranche, gehen die meisten Prognosen davon aus, dass in den kommenden zehn Jahren nur f�,nf bis sechs Hersteller �berleben. Derzeit ist es ein knappes Dutzend Autokonzerne, die das Gesch�ft beherrschen, 1997 waren es noch 18, 1964 52 selbst�ndig t�tige Autofirmen im Westen. Die beiden gr��ten Autokonzerne, General Motors und Toyota, beherrschen bereits ein Viertel des Welt-Automarktes. �bernimmt GM den angeschlagenen Fiat-Konzern und expandiert Toyota im bisherigen Tempo weiter, ist es in K�rze ein Drittel. In der Pharmabranche dominiert ein halbes Dutzend Konzerne, weit voran der Pharma-Riese Pfizer, der im Juli 2002 mit der �bernahme von Pharmacia den Ansto� zu einer neuen Konzentrationswelle gab. Bei der Chemie-Industrie braucht man noch beide H�nde, um die marktbeherrschenden Konzerne aufzuz�hlen, bei den Reifenherstellern reichen drei Finger. In der Telekombranche, beim Handel und bei den Geldh�usern - �berall ist der Zentralisationsprozess in vollem Gange. In der Mineral�lbranche regieren statt der "Seven Sisters" mittlerweile die "Big Five": Exxon Mobil, Royal Dutch/Shell, BP/Amoco, Total Fina Elf, Chevron Texaco. Ihre Namen widerspiegeln bereits die Zentralisationsvorg�nge, die sich in der Mineral�lindustrie in nur drei Jahren vollzogen haben. In der Handy-Produktion rechnet eine Haiidvoll Konzerne mit dem �berleben, wirklich Gewinn macht derzeit nur Nokia. Bei den restlichen Telekom-Ausr�stern vollzieht sich ein Konsolidierungsprozess, bei dem einige der bisher ganz Gro�en auf der Strecke bleiben d�rften. Spannend wird auch, wie viele der hochverschuldeten Netzbetreiber �berleben werden. An die Stelle ehemaliger Staatsmonopole werden jedenfalls bald private Telekom-Monopole getreten sein; allerdings mit Reichweiten �ber L�ndergrenzen hinweg. Im Mobilfunkbereich strebt Vodafone die Weltherrschaft an. Mit der �bernahme der franz�sischen Telefonfirma Cegetel f�r 13 Milli�rden Euro, will Vodafone-Chef Chris Gent die letzte L�cke in seinem europ�ischen Mobilfurik-Imperium schlie�en. In der zivilen Luftfahrtindustrie besteht rnit Boeing und EADS/Airbus bereits ein Duopol, bei der milit�rischen Flugzeug- und Raketenindustrie sind es noch sechs, die sich den Markt aufteilen. Ein Quasi-Monopol hat sich Bill Gates aufgebaut: 90 Prozent aller Personalcomputer weltweit laufen mit seinem Betriebssystem Windows. Symblotisch die Beziehung zu Intel: Etwa 80 Prozent der PCs ist mit Intel-Prozessoren ausger�stet. "Monopol Inside". Die Liste lie�e sich fortsdtzen mit dem Medienbereich, konventionellen und Atorn-Kraftwerksbauen, der Bahntechnologie, N�tzfahrzeugherstellern, usw, usf.

Die Gefahr ist gro�, dass im globalen Firmen-Monopoly wirkliche Weit-Monopole entstehen. Diese Bef�rchtung hegt auch die UNO: 'Weltweit entsteht ein gigantischer Unternehmensmarkt mit der Tenclenz zu globalen Oligopolen", hei�t es im World Investment Report (WIR) 2000 der UNCrAD. Und weiter: 1n der Tat, die Bedrohung durch ein Monopol oder ein straffes Oligopol, ist m�glicherweise der einzige aber bedeutendste Negativ-Effekt von grenz�berschreitenden Fusionen und �bernahmen und wirft daher die einzige aber bedeutendste Politik-Herausforderung auf." (110)

 

Monopolbegriff

"Monopol” und "Oligopol" sind zun�chst Begriffe der b�rgerlichen Marktformenlehre, mit denen im Vergleich zum "Polypol", d.h. einem Markt mit freier Konkurrenz, ein. bestimmter Vermachtungsgrad des Marktes ausgedr�ckt wird. Bei einem Monopol beherrscht ein Anbieter (oder Nachfrager) den Markt total, bei einem Oligopol sind es einige wenige, die den Markt unter sich aufteilen. Konsequenzen werden in der b�rgerlichen Marktformenlehre prim�r im Hinblick auf den Marktpreis formuliert, der bei Monopol und Oligopol �ber dem Preis bei freier Konkurrenz liegt.

Anders der Ansatz bei der marxistischen Monopoltheorie, die vor allem von Lenin in seiner Schrift "Der lmperialismus als h�chstes Stadium des Kapitalismus" entwickelt wurde. Hier arbeitet Lenin heraus, dass sich der Kapitalismus, der freien Konkurrenz zum Monopolk�pitalismus gewandelt habe. Materielle Grundlage ist die Vermachtung der M�rkte in Form von Kartellen (Europa) und Trusts (USA), ist die "Zunahme der Konzentration der Produktion und des Kapitals in einem so hohen Grade, dass die Konzentration zum Monopol f�hrt und gef�hrt hat". (112)

Und weiter: "Das ungeheure Wachstum der Industrie und der auffallend rasche Prozess der Konzentration der Produktion in immer gr��eren Betrieben ist eine der charakteristischen Besonderheiten des Kapitalismus. ... Einige zehntausend Gro�betriebe (bei Lenin Betriebe mit rnehr als 50 Besch�ftigten - d. Verf.) sind alles, Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. ... Fast die H�lfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den H�nden eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe. ... Daraus erhellt, dass die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranf�hrt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben (Betriebe mit mehr als 1.000 Arbeitern - d. verf.) f�llt es leicht, sich untereinander zu verst�ndigen, w�hrend andererseits gerade durch das Riesenausma� der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen wenn nicht die wichtigste - in der �konomik des modernen Kapitalismus". (122) An anderer Stelle schreibt Lenin: "Das Monopol findet seinen Ausdruck sowohl in den Trusts, Syndikaten usw. als auch in der Allmacht der Riesenbanken, sowohl im Aufkauf der Rohstoffquellen usw. als auch in der Konzentration des Bankkapitals usw." (123) Die "Gro�- und Riesenbetriebe" f�hren also an das Monopol herari, das dann mii dem "Kartell” bzw. Trust vollendet wird.

Das Monopol entsteht aus der Konzentration der Produktion und der damit verbundenen Marktmacht. Trotzdem ist die Marktbeherrschung nicht das Wesen des Monopols. Seinem Wesen nach stellt das Monopol ein Herrschaftsverh�ltnis dar, mit der F�higkeit �konomische und au�er�konomische Gevalt zur Erzielung, von Extraprofiten (Monopolprofit) und Verwirklichung sonstiger Interessen einzusetzen. Lenin zitiert Fritz Kestners Schrift �ber den "Organisationszwang", eine Untersuchung �ber die K�mpfe zwischen Kartellen und Au�enseitern, in der dieser darauf hinweist, "...dass die Rohstoffindustrie nicht nur hinsichtlich Einkommensbildung und Rentabilit�t durch die bisherige Kartellbildung zuungunsten der weiterverarbeitenden Industrie Vorteile erzielt, sondern dass sie �ber diese ein bei freier Konkurrenz nicht gekanntes Herrschaftsverh�ltnis gewonnen, hat”. Und Lenin f�gt hinzu: "Das von uns hervorgehobene Wort deckt das Wesen der Sache, das von den b�rgerlichen �konomen so ungern und selten zugegeben wird. ... Das Herrschaftsverh�ltnis und die damit verbundene Gewalt - das ist das Typische f�r die 'j�ngste Entwicklung des Kapitalismus', das ist es, was aus der Bildung allm�chtiger wirtschaftlicher Monopole unvermeidlich hervorgehen musste urid hervorgegangen ist". (124)

Das monopolitische Kapital verf�gt nicht nur �ber eigenes Kapital, sondern auch �ber fremdes Kapital, fremden Profit, fremdes Einkommen und damit �ber fremde Arbeit und erzielt so einen Monopolprofit, der dauerhaft �ber dem, Durchschnit,tsprofit liegt. Horst Heininger: "Die Herstellung monopolkapitalistischer Eigentumsverh�ltnisse bedeutet, dass die monopolistischen Eigent�mer alle anderen Eigent�mer mittels �konomischer und politischer Gewalt dauerhaft in ihren Profit- und Eigentumsanspr�chen reduziefen. Der Prozess der Monopolisierung ist daher immer d�s Fortschreiten dieses Enteignungsprozesses zugunsten des Gro�kapitals - und das in verschiedenen Formen und in verschiedenen Bereichen der Wirtschaftst�tigkeit". (125)

 

Transnationales Monopol

Zu Lenins Zeit war die Konzentration und Zentralisation des Kapitals vorrangig ein binnenwirtschaftlicher Prozess. Die internationale Dimension war erst in Ans�tzen erkennbar, etva in den - in der Regel labilen und kurzlebigen - internationalen Kartellen. Das Monopol war deshalb haupts�chlich ein national organisiertes, an die betreffende National�konomie gebundenes Kapitalverh�ltnis. Dessen Machtstellung ergab sich 9'erade aus der, Beherrschung der Binnenm�rkte, vorwiegend in Form von Kartellen und Trusts. Dadurch konnten auf dem Binnenmarkt Monopolpreise durchgesetzt werden, die ein wichtiger Hebel zur Erzielung von Extraprofit waren. So war z.B. der Siemens-Konzern jahrzehntelang der "Amtslieferant der Bonner Republik" (Wirtschaftswoche): Bundespost, B�ndesbahn, Bundeswehr, �ffentliche Energiewerke, st�dtische Energie- und Kl�rwerke, Flugh�fen ... "Sie alle kauften bei Siemens - und zahlten, ohne lang zu fackeln".126 Im gesch�tzten Markt und damals noch bei einigerma�en vollen Staatskassen, bl�hten Extraprofite und konnte sich der Konzern sein �ppiges Liquidit�tspolster zulegen. Das wiederum st�rkte seine Position im internationalen Konkurrenzkampf auf dem Weltmarkt.

Vergleichbar zur fr�heren Beherrschung der Binnen�konomie gibt es heute so gut wie kein Weltmarkt-Monopol etwa in Form eines Weltkartells. Mit dem Abbau nationaler Handelsschranken und Deregulierungen hat sich der nationale und internationale Konkurrenzkampf bis hin zu Preisk�mpfen versch�rft. Als in Deutschland die ehemals �ffentlichen High-Tech-Bereiche wie Telekom, Bahn, Post, Kraftwerke etc. dereguliert und privatisiert wurden, verlor Siemens weitgehend seine Stellung als Hoflieferant. Die frisch privatisierten Staatsbetriebe mussten nun preisbewusst reagieren, quer clurch die Bank kam es zu Preisst�rzen. Im Siemens-Bereich �ffentliche Netze (�N) betrug der j�hrliche Preisverfall fast acht Prozent, die Umsatzrendite dieses ehemals hochprofitablen Bereichs fiel auf unter drei Prozent. Doch Siemens selbst setzte sich, we,nn auch widerspr�chlich, f�r die Deregulierung des Post- und Fernmeldewesens ein. Denn dies war die Voraussetzung, dass Siemens umgekehrt in den Telekom-Sektor in den USA und anderen Industriel�ndern eindringen konnte. Erinnert sei audh an die K�mpfe mit Dumpingpreisen im Chip-,..PC- und Mobilfunkbereich, an das gegenw�rtige Ubertrumpfen der Autokonzerne mit Rabatt- und Nullzins-Angeboten: Der internationale Konkurrenzkampf der TNK im Rahrnen stagnierender Ka.ufkraft ist einer der Gr�nde f�r das Wiederauftauchen deflatorischer Gefahren in der Weltwirtschaft.

Dennoch bedeutet dies keineswegs ein Zur�ck zum Konkurrenzkapitalismus fr�herer Zeiten. Auch das transnationale Gro�kapital stellt ein Herrschaftsverh�ltnis dar, aus dem es hlit �konomischen und politischen Mitteln Monopolprofite zieht. Aufgrund seiner Kapitalmacht und seiner beherrschenden Stellung im kapitalistischen Reproduktionsprozess ist es in der Lage, sich einen Zusatzprofit dadurch anzueignen, dass es den Profit vor oder nachgelagerter Kapitalien gewaltsam beschneidet.

Am eklatantesten offenbart sich dies im Verh�ltnis der Multis zu ihren Zulieferern, denen sie Preise, Produktions- und Lieferbedingungen diktieren k�nnen. Selbst gro�e Autozulieferer geraten zunehmend unter den Preisdruck der Autohersteller So klagt Bosch �ber die neunziger Jahre als "ein Jahrzehnt kontinuierlicher Preissenkungen von zwei bis drei Prozent pro Jahr”. Als Chrysler im Jahr 2000 in die roten Zahlen geriet, wurden f�r den defizit�ren Bereich einseitig die Rechnungen f�r alle Zulieferungen um f�nf Prozent gek�rzt."' �hnlich verf�hrt Siemens gegenw�rtig mit den Zuliefer-Firmen im Bereich Festnetze.

Wie bereits erw�hnt, verlagern Autohersteller zunehmend auch Entwicklungskosten auf ihre Zulieferer. Diese m�ssen die Entwicklungskosten vorfinanzierLn. Geld sehen sie jedoch erst, wenn das Auto tats�chlich auf die Stra�e rollt. Erst am Ende des Lebenszyklus eines Modells wei� der Zulieferer, ob sich die Entwicklung rentiert hat. Denn die EntWicklungskosten erh�lt er anteilig pro abgenommener Komponente."

Im Handel wiederum bedr�ngt die zunehmende Macht von Einzelhandelsketten und Kaufhauskonzernen die Industrie. Die Handels-Multis nutzen zunehmend ihre so genannte Regalhoheit, um Extrarabatte und Sonderkonditionen gegen�ber der Konsumg�terindustrie herauszuschiagen. "Die Industrie muss sich die Sortimentsaufnahme mehr und mehr durch so gen�nnte Listungsgelder, Werbekostenzusch�sse und eigene, massive Endverbraucherwerbung erkaufen". (129) Dazu kommen Zusch�sse zur optimierung der Logistikkette, wie lnvestitionszusch�sse zu Zentrallagern und EDV des Handels. "Ein Teil der Konzentration im Handel d�rfte durch die - nach dem Zusammenschluss h�heren - Rabatte in der Industrie finanziert worden sein", schreibt Professor Emmerich in der FAZ, (130) Eine autonome Strategie gegen�ber dem Ha ndet k�nnen am ehesten noch Konsumg�ter~ Gro�konzerne wie Nestle oder Unilever oder Hersteller von Renommiermarken fahren, vor allem wenn sie die F�higkeit zu hohen 1nnovations- und Kommunikationsaufwendungen besitzen. Mit fortschreitender Konzentration aber w�chst der Machtvorsprung des Handels.

Global Sourcing als Quelle von Extraprofit

Preis- und Rabattk�rnpfe werden zunehrnend zu einem Kampfmittel im globalen Verdr�ngungsund Vernichtungskrieg der Multis. Derjenige TNK ist am besten munitioniert, dem es gelingt, am radikalsten die Produktionskosten zu senken. Das erfolgt mit weltweiter Lohndr�ckerei, dem Einsatz modernster Technologien und mit dem beschriebenen"Global Sourcing". Der Transnationale Konzern,hat die M�glichkeit, seine Mehrwert-Ketten dort aufzubauen, die Standortfaktoren so zu kombinieren, wie es f�r ihn am kosteng�nstigsten ist. Das verschafft ihm zun�chst nur komparative Kosten- und Profitvorteile gegen�ber Unternehmen mit geringerem Aktionsradius. Die relativ flexible Standortvahl bzw. Standortverlegung st�rkt jedoch zus�tzlich seine Macht gegen�ber vor- bzw. nachgglagerten Kapitalien. Jedes Tochterunternehmen stellt ein Zentrum von Produktionskomplexen mit einem Netzwerk von Zulieferern dar. Das gibt die M�glichkeit, die Zulieferer im globalen Ma�stab giegeneinander auszuspielen und damit schw�chere Kapitalien in ihren Profit- und Eiigentumsanspr�chen zus�tzlich st�rker zu reduzieren als dies bei nationalem Wirkungsrahmen der Fall w�re. "Ein einzelnes starkes Unternehmen kann sich den ges�mten aus der Verkettung entspringenden Gewinn aneignen; dies ist �u�erst wichtig f�r die strate(gische Planung der Unternehmen und multinationalen Konzerne auf dem Weitrnarkt'. (131)

Eine Form des "Global Sourcing" ist auch das Aus-saugen staatlicher Ressourcen und Finanzquellen durch die Multis quer �ber den Globus. Das be-trifft nicht nur die vielf�ltigen direkten Einfluss- nahmen auf Politik und Staat zur Verbesserung der Standortbedingungen f�r TNK, angefangen von Lobbyt�tigkeit, �ber Korruption bis hin zu den kriminellen Energien eines Konzerns, wie z.B. des Energieriesen Enron.(132) Die Macht der Multis ge-gen�ber Staaten manifestiert sich auf viel subtilere Weise. "Das Zwangsmittel ist nicht der drohende Einmarsch, sondern der drohende Nicht-Einmarsch der Investoren oder ihr drohender Ausmarsch", schreibt der Soziologe Ulrich Beck. "Es gibt nur eines, das schlimmer ist, als von Multis �berrollt zu werden: nicht von Multis �berrollt zu wer-den". (133) Dadurch aber ist es den Multis m�glich, einzelne Staridorte bis hin zu Staaten gegeneinan-der 'auszuspielen und sich in Form von politisch geschaffenen Standortvorteilen, Extraprofite anzu-eignen. Sie sind so in der Lage, der gesamten Gesellschaft ihren Tribut aufzuerlegen - aber nicht mehr einer "Volkswirtschaft", wie in den Zeiten als das national-staatlich begrenzte Monopol domi-nierte, sondern vielen National�konomien. Die UN-Konferenz f�r. Handel und Entwicklung be-merkt: "Die TNK werden nicht staatenlos, aber ihre Ausdehnung und ihre Interessen stellen sich in wachsendem Ausma� �ber einzelne nationale ln-teresseri. Der Dreh- �nd Angelpunkt der Politik na-tionaler Regierungen muss sich �ndern, da es wichtiger wird, g�nstige Wettbewerbsbedingungen im einzelnen zu schaffen und nicht nur f�r die Firmen des Landes im besonderen. (134)

 

Vom Marken-Monopol zum Markt-Monopol

Im Vergleich zum national organisierten Monopol in Form des Gro�konzerns, ist das transnationale Monopol in seiner privilegierten und beherrsdhenden Stellung st�rker gef�hrdet. Bis zur Deregulierung von Post und Telekom konnte z.B. Siemens ungest�rt seine Monopolprofite im Beh�rdengesch�ft einstreichen.

In der Krise 1974/75 erh�hten die Autokonzerne in ,der BRD gleich mehrrnals die Preise, obwohl Hun,derttausende von Fahrzeugen auf Halde standen. Die Konzerne konnten in relativ geschlossenen M�rkten den mit einem Absatzr�ckgang "nbrmalerweis(2' verbundenen Profitverfall durch Preiserh�hungen abwenden. Eine Erscheinung, die als "Stagflation" (Stagnation plus Inflation), von sich reden machte. In den USA versuchen die Stahlkonzerne noch heute, ihre binnenwirtschaftliche Mo-nopoistellung mit Hilfe protektionistischer Ma�nahmen der US-Administration aufrecht zu erhalten. Den staatlich privilegierten und abgeschotteten Monopolen in gesch�tzten M�rkten haftet jedoch "die Tendenz zur Stagnation und F�ulriis" (Lenin) an, die Gefahr und auch "die �konomische M�glichkeit, den technischen Fortschritt k�-nstlich aufzuhalten". (135) Am bekanntesten wohl in Form der so genannten Schubladenpatente.

Anders beim transnationalen Monopol. Ohne Abschirmung durch Handelsbarrieren und staatliche Regulierung, bedroht von der internationalen Konkurrenz, ist es gezwungen, den technischen Fortschritt im Produkt aber auch im Produktionsverfahren permanent anzutreiben, um - wie es Karl Marx formulierte - "ein Monopol der verbesserten Produktionsweise" als Quelle von Extraprofiten, zu erlangen."

Bereits Anfang der 70er Jahre hatten Harvard-Untersuchungen ergeben, dass "die multinationalen Gesellschaften einen Innovationsvorsprung vor den rein nationalen haben. Ohne einen solchen Vorsprung w�re der Versuch, im Ausland zu produzieren vermessen. ... Die Zeitspanne, in der der technische Vorsprung gewisserma�en monopolistisch ausgenutzt werden kann, ist bei den einzelnen Produkten unterschiedlich. Das multinationale Untefnehmen �berholt vielmehr st�ndig sein Sortiment und scheidet diejenigen Produkte aus, die geringere Gewinne abwerfen. Da es besonders forschungsintensiv ist, entwickeli es urrigekehrt st�ndig neue Produkte, bei denen es erneut einen Vorsprung vor seinen Konkurrenten besitzt". (137)

Heute hat sich dieses Innovations-Wettrennen unter den transnationalen Konzernen in atemberaubendem Ausma� beschleunigt. Dav�n zeugen die laufenden Verk�rzungen der Produktzyklen, Modellwechsel und die Flut an "neuen" Produkten. Gut drei Viertel seines Umsatzes erzielt Siemens heute mit Produkten, die j�nger als f�nf Jahre sind. In technologisch f�hrenden Gesch�ftsfeldern erzielt cler Elektro-Multi eine doppelt so hohe Rendite als in solchen, die gleichauf mit der Konkurrenz liegen. Die heutige Markt- und Absatzstrategie der TNK orientiert sich vor allem darauf, neue M�rkte f�r neue Produkte zu schaffen und diese f�r sich zu monopolisieren bzw. auf den neuen M�rkten 'Marktf�hrera zu werden. Das kann durch echte technische Innovationen geschehen, wie z.B. im Mobiltelefon-Bereich; solche "eigenen M�rkte" k�nnen aber auch durch geschicktes Marketing geschaffen werden, wie Beispiele aus der Konsumg�terbranche - Nike, Coca Cola, McDonalds, usw. - zeigen. Gerade im Konsumg�terbereich steht vor dem Markt-Monopol meist das Marken-Monopol.138 Ist dann eine gewisse Coca-Colonialisierung der Weit erreicht, lassen sich auch entsprechende Extra-Profitraten realisieren.

Auch Handy-Hersteller richten ihr Marketing an den Logo-Feldz�gen - von Limonade- und Turnschuhherstellern neu aus. Denn Handy, 'das ist wie mit einem HiV, schreibt die "Financial Times Deutschland' (7.6.02). Wenn ein Ger�t den Ge-schmack trifft, steigt der Umsatz f�r ein paar Wochen, um dann wieder abzufallen. Deshalb wird die Handy-Sparte von Siemens "mehr in Marketing investieren als in Forschung und Entwicklung. 'Wir m�ssen uns etwa an Unternehmen Wie Coca-Cola oder Pepsi orientieren', sagte der Mobilfunk-Chef und Siemens-Vorstand Lamprecht bei der Vorstel-lung des neuen Konzepts, das dem gesamten Un-ternehmen ein frischeres Image verschaffen k�nnte'. Doch auch derartige "Marken-Monopole" sind kein stabiler Zustand, sondern durch den Konkurrenz-kampf der anderen Marken gef�hrdet, wie allein am Beispiel der Sportartikelhersteller Nike, Reebock, adidas und Puma deutlich wird.

Das transnationale Monopol versucht aus seiner instabilen Lage herauszukommen, um alle anderen Eigent�mer dauerhaft in ihren Profitanspr�chen reduzieren, dem Endverbraucher schlie�lich einen Monopolpreis cliktieren zu k�nnen. Deshalb strebt es mit Hilfe von Fusionen und �bernahmen eine beherrschende, Stellung auf dem Weitmarkt an. Wie auf nationaler Ebene vor hundert Jahren dem Monopoi ein gnadenloser Verdr�ngungskampf vorausging, so wird dieser Kampf heute in globaler Dimension gef�hrt. Zwischenschritte dazu k�nnen strategische Allianzen zwischen zwei Multis sein, die meist dazu dienen, in einem Marktsegment die-F�hrung zu �bernehmen..Sie sind jedoch �bergangsl�sungen, Verbindungen, die dann wieder gel�st werden, wenn sich das Kr�fteverh�ltnis cler Partner verschoben hat. Auch hierzu gab es auf nationaler Ebene Vorl�ufer, wie z.B. die jahrzehntelangen Wechself�llg von Kooperationen und gnadenlosen Vernichtungsfeldz�Uen zvischen AEG und Siemens in Deutschland zeigten. Endziel bei �bernahmen und Allianzen aber ist die Alleinherrschaft, die Verschmelzung der entscheidenden Kapitale eines Gesch�ftszweigs in einer Hand. Und so ist die heutige Organisationsform des internationalen Monopols der Transnationale Konzern, der im Unterschied zu den gelegentlichen fr�heren internationalen Kartellen eine stabile Organisationsform aufweist, in der Krise nicht auseinander f�llt, sondern gr��er und gr��er oder von der Konkurrenz �bernommen wird.

 

HighTech-Monopole

Auf dem Weg zur Marktvermachtung ist der gesamte IT-Bereich. Wie kaum in einer anderen Branche tobt der Kampf um Marktf�hrerschaft und Marktbeherrschung. Mit gigantischen Milliardensummen werden �bernahmeschlachten munitioniert, in gro�em Umfang Start-Up~-Firmen erbeutet, neue Entwicklungen vorangetrieben. Der Kampf geht vor allem darum, einen industriestandard durchzusetzen, der die Marktf�hrerschaft garantiert.

Im Software-Bereich konnte Bill Gates mii Microsoft diesen Standard bereits weitgehend durchdr�cken und bislang verteidigen, weriiger mit �berlegener Technik, als mit aggressivem Marketing und Management und mit der Adaption oder dem Zukauf alternativer technischer Entwicklungen (z.B. Apple-Oberfl�che).

In der Wirtschaftspresse wird h�ufig eine Parallele zwischen dem �l-Magnaten John D. Rockefeller und dem Software-Tycoon Bill Gates gezogen. Rockefellers 1882 gegr�ndete Standard Oil beherrschte zu ihren besten Zeiten 90 Prozent der US-amerikanischen �lverarbeitung. Ohne das �l von Rockefeller lief so gut wie nichts in der US-Industrie. Microsofts Betriebssystem Wind,Ows bringt �ber 90 Prozent aller Personaicomputer weltweit zum Laufen. Bill Gates beherrscht zudem mit "Microsoft Office” 92 Prozent der B�ro-Software. Aber nicht das Markt-Monopol als solches ist das Problem, sie sind in den USA nicht einmal verboten. Verboten ist ihr Missbrauch bzw. die Aufrechterhaltung eines solchen Mono.pols mit gesetzwidrigen Mitteln. Und hier sah man, zumindest bis zum Amtsantritt, George W. Bushs, Parallelen zuin Standard-Oil-Monopol. Rockefeller zwang die Eisenbahngesellschaften dazu, ihm f�r den �ltransport so kr�ftige Rabatte einzur�umen, dass die Konkurrenten im Preiswettbewerb chancenlos blieben. "Was f�r Rockefeller die Eisenbahnen waren, das sind f�r Bill Gates die Ankn�pfungspunkte an sein Betriebssystem Windows. Er verhinderte das Aufkommen so genannter middie ware, die es anderen Software-Anbietern erla�bt h�tte, Anwendungen f�r PCs un�bh�ngig von Windows zu entwickeln"."' Microsoft k�mpfte mit allen Mitteln gegen "Trojanische Pferde" in den PCs, versuchte "Konkurrenten zu ersticken, deren Technologie ihm gef�hrlich werden k�nnte", wie es das "Wall Street Journal" formulierte. Ber�hmt wurde der "Browser-Krieg" gegen Netscape: "Mit Netscape ist ein neuer Konkurrent im Internet aufgetaucht% teilte Bill Gates seinen Managern mit. Und wenig sp�ter hei�t es in einern firmeninternen Memo: "Wir m�ssen Netscape die Luft abdr�cken":" Mit massivem bruck, insbesondere der Verquickung von Windows und Internet Explorer, zwang Microsoft, die PC-Produzenten, auf ihren Rechnern den Microsoft-Browser zu installieren. Netscapes Marktanteil sank binnen kurzer Zeit von 80 auf 25 Prozent. Der Marktanteil des Microsoft Internet Explorers erreichte dagegen Mitte 2001 bei Privatanwendern bereits 66 Prozent.

Damit ersch�pfen sich aber. die Parallelen zwischen Bill Gates und John D. Rockefeller und deren Imoerien. High-Tech-Experte Wolfgang M�ller zeigt auf, dass das Microsoft-Monopol eigentlich der "klassischen Monopoltheorie" widerspricht, da es seine Monopolprofite nicht aus der monopolistischen Preissetzung zieht. Microsoft senkt sogar die Preise und verschenkt h�ufig Nebenprodukte. Rockefeller dagegen "kontrollierte �lf�rderung, -verarbeitung und -vertrieb und konnte dann die Preise diktieren. ... F�r die Monopole der HighTech-Branche gelten augenscheinlich andere Gesetze: Diese Industriezweige basieren darauf, dass es einen einzigen Standard gibt, damit die Ger�te der Kunden, miteinander kommunizieren k�nnen. Der (Geld-)Wert dieses Standards wird umso h�her, je mehr Kunden ihn benutzen. In diesem sich selbst verst�rkenden Prozess springen schlie�lich alle auf den Wagen auf. Sobald der Standard sich durchgesetzt hat, k�nnen die Kunden nicht mehr wechseln, auch wenn ein anderes Betriebssystern oder eine andere Chip-Architektur besser und/oder billiger ist. Noch mehr Hardware- und Software-Entwickler machen Produkte f�r den Standard, was ihm schlie�lich einen uneinholbaren Vorsprung verschafft.""' "Welche Bedeutung diese Standards haben, zeigt der GSM-Mobilfunkstandard", schreibt Wolfgang M�ller: "Vor zehn Jahren hatten sich Ericsson, Alcatel, Nokia, Siemens und andere auf diesen Standard geeinigt, zusammen mit den damals'meist noch staatlichen europ�ischen Telefongesellschaften. Diese Konzerne hatten mit einem Schlag einen riesigen Markt f�r die neue GSMTechnologie f�r sich geschaffen, die sich bald �ber die EU hinaus in der ganzen Welt d�rchsetzte. Der so entstandene mehrj�hrige Vorsprung vor allem vor der US-Konkurrenz auf diesem Sektor war kaum einholbar. US-Konzerne wie Qualcomm und Motorola beklagen ihre Wettbewerbsnachteile, weil in den USA ein Flickerlteppich inkompatibter analoger und digitaler Standards herrscht mit der Konsequenz, dass ein Mobiltelefon in anderen us-St�dteh oder Regionen oft nicht funktioniert und dass der Dl- oder D2-Kunde zwar schon vor f�nf Jahren mit seinem Handy auch in S�dafrika oder Australien erreichbar war, aber nicht in den USA .” (142)

Hinzu kommt die Kosten-Besonderheit bei Software bzw. "Ideeng�tern". Die Forschungs- und Entwicklungskosten sind meistens sehr hoch, die "Herstellungskosten" f�r die produzierten Einheiten spielen so gut wie, keine Rolle mehr. Oder wie es die �konomen Carl Shapiro und Hal Varian formulieren: "Die Herstellungskosten f�r die erste Kopie eines Informationsgutes k�nnen erheblich sein, doch die Kosten f�r die weiteren Kopien kann man vernachl�ssigen". (143) Denn Software l�sst sich nicht aufbrauchen, sie kann beliebig oft reproduziert werden. Je mehr Einheiten abgesetzt worden ist, desto billiger werden f�r den Anbieter die Entwicklungskosten pro Kopie. "Daher verkaufen viele elektronische Dienstleister ihre Produkte zun�chst f�r Preise weit unterhalb der Kosten oder verschenken sie gar. Den Profit wollen sie sp�ter mit verwandten Produkten nachholen, wenn ihnen der Markt erst einmal geh�rt", sprich, wenn sie den Standard besitzen. Dann haben sie praktisch die Maschine zum Gelddrucken installiert: Bei Microsoft spuckt sie pausenlos 100-Dollar-Noten aus, etwa 15.000 pro Stunde. Tag und Nacht. Am Ende des Monats einen Bargeldberg von etwa 1,1 Milliarden Dollar. Im Gesch�ftsjahr 2002 machte Microsoft rund 13,5 Milliarden Dollar Gewinn und erzielte eine Umsatzrendite von gut 40 Prozent.

So ist denn die Kriegskasse von Bill Gates bereits 40 Milliarden bollar schver. Seine Liquidit�tsreserve'ist damit etwa genau so gro� wie die von Intel, Ci.sco, Hewlett-Packard, IBM und Siemens zusammen genommen .141 Mit dem gewaltigen Finanzvolumen d�rfte Microsoft jetzt neue Gesch�ftsfelder erobern, allen voran im Online-Bereich. So strebt Microsoft an, den Zugang zum Internet alleine zu kontrollieren und von jedem Benutzer gevisserma�en Eintritt kassieren. Mehr noch. Auf dpn "Marktpl�tzen" im Internet werden zunehmehd Waren angeboten, gekauft und verkauft. Im Zuge des Global Sourcing gewinnt das "elektronische Einkaufen" (e-commerce) an Bedeutung. Die Kontrolle �ber die entsprechenden Programme und virtuellen Marktpl�tze bedeuten Profit und Macht. Nach Ansicht Wolfgang M�llers besteht das gr��te volkswirtschaftliche Problem aber in folgendem: "Das Monopol, das den Standard kontrolliert, kann den Technologiesprung kontrollieren - genau das macht Microsoft gerade mit dem �bergang zum Internet als Standard-Plattform der Computernutzung. In anderen Industrien bedeutet ein Technologiesprung oder eine neue Anwendung in der Regel das Ende �er Marktf�hrerschaft. Dem Stahlmonopolisten nutzt sein Monopol wenig f�r die Autobranche" (141)

Auch das unterscheidet das Monopol Microsoft von �l-Monopol,der Standard Oil. Der Oil, Trust wurde 1911 von US-Bundesrichtern zerschlagen. �hnliches musste Bill Gates seit dem Amtsantritt George W. Bush nicht mehr zu bef�rchten. In einem umstrittenen Urteil billigte Anfang November 2002 eine Bundesrichterin in Washington den Kompromiss, der im Jahr davor zwischen Microsoft und dem US-Justizministerium ausgehandelt wurcle. "Das Ganze kommt einem Kniefall vor Bill Gates gleich% kommentiert die S�ddeutsche Zeitung (4.11.02). "Microsoft ist eine Weltmacht. Nichts scheint den Konzern zu stoppen. Und Richerspr�che schon gar nicht.”

 

M�chtiger als Staaten?!

Am Ende dieses Prozesses stehen Manstren, denen Mitarbeiter, Zulieferer, Mittelstand und Kunden ausgeliefert sind. Letztere haben dann auch den Preis zu zahlen. Es entsteht das Schnittmuster eiher vernetzten Welt�konomie, in der nur noch wenige Mega-Konzerne die Geschicke lenken.

Hier nur ein paar Schlaglichter auf die �konomischen Dimensionen dieses globalen Machtkomplexes, in dessen Zentrum die hundert bis zweihundert gr��ten Multis agieren. Nicht eingehen wollen wir hier auf den Mechanismus der Machtaus�bung, der Einflussnahme auf die politische und staatliche Maschinerie. Dieses Transformationsund R�derwerk, angefangen von vorauseilendem neoliberalen Gehorsam, �ber die Erpressung durch die Multis mit Hilfe ihrer "Exit-Option" bis zur direkten Regierungs�bernahme der global agierenden Eigent�mer-und Managerkaste wie im Fall Berlusconi oder der Bush-Administration soll im isw-forschungsheft "Multis und Staat” n�her untersucht werden.

 

Hier zu den �konomischen Gr��enordnungen:

- Die �konomische Potenz der transnationalen Mega-K�nzerne �bersteigt ohnehin das wirtschaftliche Potenzial der meisten Entwicklungsund Schvellenl�nder: Unter den hundert gr��ten Wirtschaftskomplexen der Welt, befinden sich bereits 29 Multis (siehe Tabelle Seite 40).

- Die zunehmehd Produktionsmacht der Multis widerspiegelt sich u.a. in folgendem: Das Verh�ltnis der addierten Ums�tze der 200 qr��ten Konzerne im Verh�lthis zum globalen Sozi�lprodukt betrug 1999 27,5 Prozent; Mitte der 60er Jahre lag dieser Anteil bei knapp 17 Prozent. Die 99er Wirtschaftsleistung wurde mit weniger als einem Prozent (0,78 %) der weltwelit besch�ftigten Arbeitskraft erbracht. (147)

- Aus ihrer M.acht- und Monopolste llung ziehen die Multis Monopol-Profite: So stieg der Profit dieser 200 gr��ten Multis von 1983 'bis1999 um 362 Prozent, die Belegschaften nahmen lediglich um 14,4 Prozent zu. Allein der Profit der beiden gr��ten �l-Multis, Exxon und Shell, war im Jahr 2000 mit 28,7 Milliarden Dollar wesentlich gr��er als das addierte BIP der Kaspi-Anrainer und 01-F�rderl�nder Aserbaidschan, Kasachstan und Turkme-nistan.

- Als Indikator f�r die Kapitalmacht der TopKonzerne kann deren B�rsenkapitalisierung dienen: Die hundert gr��ten Einzelkapitale der Welt brachten es Ende 2001 auf einen addierten B�rsenwert von 9.063 Milliarden (neun Billionen) Dollar. Das sind fast 40 Prozent der Kapitalisierung aller Triaden-B�rsen zusammen genommen (In Wirklichkeit ist dieser Anteil h�her, da 2001 die B�rsenwerte weltweit schrumpften; au�erdem sind einige Multis an mehreren B�rsen notiert) . (148)

- Das Gewicht der Multis bei der globalen Kapitalverflechtung vird in folgendem deutlich: F�r die entwickelten Industriel�nder gilt, dass jeweils die 50 gr��ten Konzerne der betreffenden Heimatl�nder, mehr als die H�lfte des Kapitalexports (ausstr�mende Direktinvestitionen) dieser L�nder t�tigen .149 In den USA besa�en die zehn gr��ten Investoren bereits 1995 ein Drittel des Bestandes der gesamten US-Auslandsinvestitionen, in Gro�britannien gar 40 Prozent; f�r Deutschland waren es 1995 29 %, 1999 bereits 34 Prozent. (150)

 

"Welche Macht w�chst da zusammen?" erschreckt sich die B�rgerpresse. "Das Unwohlsein w�chst”. Der fr�here Kartellamtspr�sident Kartte formuliert es unumwunden: "Wir laufen Gefahr, uns dem Re-giment einer immer kleiner werdenden Zahl priva-ter Machtzentren und ihrer weltvieit agierenden Manager auszuliefern". (151) Ulrich Beck: "Diese weni-gen Unternehmen entscheiden �ber die in der Weltgesellschaft g�ltigen Normen, �ber gut und b�se, richtig und falsch, 'overdogs' und 'under- dogs' in der neuen 'Gemeinschaft der Staaten' - sie konstituieren die 'weltkapitalistische Planwirt-schaft'.” (152) Auf die mahnenden Worte von Weiz-s�ckers, des Vorsitzenden der Bundestags-Enque-tekommission vor dem zunehmenden Verlust von staatlichem Einfluss auf Kosten internationaler Konzerne als Folge der Globalisierung haben wir bereits eingangs hingewiesen.

Es ist eben nicht nur die Markt-Diktatur, sondern zunehmend das Macht-Dikiat, das Angst macht. Schreibt der Wirtschaftswissenschaftler - Robert Keilbronner: "Das globalisierte marktwirtschaftliche System reicht viel weiter als die politische Macht einer einzelnen Regierung. Konfrontiert mit einem Netzwerk aus Beziehungen, das ihre eigene Kontroll- und Regulationsmacht weit �bertrifft, sind Staatsregierungen ihrem Beitrag zu einer gut funktionierenden Wirtschaft - ihren rechtlichen, monet�ren und protektiven Funktionen - zunehmend veniger gewachsen". (153) Die Wirtschaftswissenschaftlerin Gretchen Binus sieht in der heutigen Tendenz zum "Supermonopol" einen "gravierenden Einschniit in der Entwicklung des Kapitalismus ... zumal der Druck m�chtiger internationaler Konzerne mit diesen neuen Machtkonstellationen f�hlbarer wird. Sie dr�ngen verst�rkt Politik, Staaten und Staatengemeinschaften unter ihr Diktat". 114 Die Vision des fr�heren britischen Gewerkschaftsf�hrers und ehemaligen Technologieministers Frank Cousins ist heute Realit�t. in einem Fernsehinterview erkl�rte er bereits 1971, dass "die Zeit nicht mehr fern sei, wo mit 4ro�en Gesellschaften auf derselben Basis verhandelt werden m�sse wie mit ausl�ndischen Staaten".

Ein gutes Vierteljahrhundert sp�ter treten die Multis selbst f�hrenden 1ndustriestaaten auf gleicher Augenh�he gegen�ber. Im vorerst auf Eis gelegten MAI-Abkommen (Multilateral Agreement on lnvestment) sollte dieser staatengleiche Status der Multis global verfasst werden. Tony Clark vom Canadian Ceritre for Policy Alternatives (CCPA), dem der Geheim-Vertragstext 1997 zugespielt wurde, schreibt: "In dem ganzen offiziellen Vertragstext werden Konzerne als Investoren angesehen, die den gleichen legalen Status haben wie die Vertragsparteien, n�mlich die Nationaistaaten der OECD." In Wirklichkeit war sogar ein den Nationalstaaten �bergeordneter Rechtstatus der Multis vorgesehen, was sich vor, allem im vorgesehenen Schlichtungsverfahren bei Streitf�llen offenbarte.

Auf Initiative der EU und unter Regie der OECD wurde ein MAI-Abkommen f�r die 01-Multis festgelegt, die so genannte Energie-Charta (Energy Charter Treaty) und von einem Gro�teil der OECDStaaten und den L�ndern der kaspischen Region unterzeichnet. Im April 1998 trat sie in Kraft, konnte aber bisher nicht wirksam werden, weil sie voh den Hauptakteu ren in der Kaspi-Region, USA und Russland, bislang nicht unterzeichnet wurde. Die einzelnen Bestimmungen �ber Investitionen und die Rechte der investoren sind praktisch aus dem MAI-Abkommen abgeschrieben. U.a. ist danach der �l-Staat verpflichtet, jede Aktion gegen den ausl�ndischen investor, also die �l-Multis, zu unterbinden, sei sie von Staatsunternehmen, von regionalen Regierungen oder von wem auch immer beabsichtigt, Auch bei der Energie-Charta ist vorgesehen, dass cler Investor bei jedem Streitfall den Staat vor ein internationales Schiedsgericht bringen kann; dessen Urteil ist endg�ltig und muss vom Staat ohne jede Verz�gerung vollzogen werden.

Auch mit dem GATS, dem Allgemeinen �bereinkommen �ber den Handel mit Dienstleistungen (General Agreement on Tradle in Services) werden die Souver�nit�t der Staaten und vor allem demokratische Grundrechte des Souver�ns ausgehebelt. So haben die Staaten kaum M�glichkeiten, einmal eingegangene Liberalisierungsverpflichtungen zur�ckzunehmen. "Jeder Staat, der eine GATS-Verpflichtung zur �ffnung eines bestimmten Sektors zur�ckziehen m�chte, muss zun�chst ab dem Zeitpunkt der Verpflichtung drei Jahre warten und darauf hin den anderen WTO-Mitgliedern eine akzeptable Entsch�digung �nbieten, bevor die R�cknahme erfolgen kann". Unter dem Diktat des GATS wird es f�r B�rger praktisch unm�glich, �ffentliche Basisdienste zur�ckzufordern Oder wie es der ehemalige Leiter der WTO-Dienstleistungsabteilung formulierte: Verpflichtungen unier GATS sind de facto "irreversibel". Dass es zur Einigung auf das GATS kommen konnte, ist auf "die Lobbyarbeit einflussreicher Dienstleistunvskonzerne der Industriel�nder zur�ckzuf�hren"." GATS erstreckt sich nicht nur auf den klassischen grenz�berschreitenden H�ndel. F�r die transnationalen Dienstleistungskonzerne ist von den vier Erbringungsarten (sog. nIvlodes") im GATS vor allem Nummer 3 von Bedeutung: "Die kommerzielle Pr�--' senz im Ausland". Da mittlerweile mehr als 50 Prozent der weltweit get�tigten ausl�ndischen Direktinvestitionen in die Service-Industrie flie�en, ist diese Regelung f�r das transnationale Kapital von besonderer Wichtigkeit. "Das GATS gilt daher als ein Handels- und lnvestitionsabkommen", schreibt die Enquete-Kommission "Globalisierung."

In einem "Coup d'�tat (160) in Zeitlupe", wie es der kanadische Schriftsteller John Ralston Saul formulierte, in einem "Silent Coup”, so der Titel des Buches von Tony Clark �ber die Macht der Konzerne, sind die Multis zu den beherrschenden K�rperschaften unseres Zeitalters geworden. Sie machen sich jetzt daran, eine �konomische Welt-Verfassung nach ihren Regeln zu schreiben. (161) In den grunds�tzlichen wirtschaftspolitischen Weichenstellungen setzen sich diese weltwirtschaftlichen Akteure gegen�ber den Regierungen ohnehin durch. Wenn nicht in dem einen so doch in dem n�chsten Land. 'Die Frage ist demnach nicht mehr, ob was geschehen darf, sondern nur noch, wo es geschieht', schreibt der Soziologe Uirich Beck. (162) Transnationale Unternehmen treffen als "Quasi-Staaten" auch quasi-politische Entscheidungen, bis hin zu zentralen Menschheitsfragen wie etwa der Gentechnik, dem Experimentieren mit Erbgut.

Da ist es nur konsequent, d�ss diese "Quasi-Staaten" in der UNO einen staaten-gleichen Status verlangen. Die UNO selbst akzeptiert clie TNK und ihre Lobby als gleichberechtigte VerhandlungsRartner. Sie schloss mit ihnen den "Global Compact", eine Vereinbarung �ber die soziale Flankierung der Globalisierung,

120) World Investment Report 2000, S. XXVII

121) W.l. Lenin, Der Imperialismus als h�chstes Stadium des Kapitalismus, Berlin 1970, S. 50

122) ebenda,S.18f

123) W.I.Lenin, �ber eineKarikatur auf den Marxismus, Werke, Band23, S.34

124) Lenin, Imperialismus, a.a.O., 30

125) Topos-Internationale Beitr�ge zur dialektischen Theorie, Heft16, Dezember2000

126) Wirtschaftswoche,26.10.1995

127) vgl. S�ddeutsche Zeitung, 2.2.2001

128) vgl. Handelsblaft, 13.6.2002

129) Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6.7.1999

130) ebenda

131) Gianfranco Pala, Topos - Internationale Beitr�ge zur dialektischen Theorie, Dezember 2000

132) vgl. Conrad Schuhier, Enron - Pleite von Wallstreet und Washington, isw-spezial 16

133) Ulrich Beck, Macht und Gegenmacht im globalen Zeitalter, Frankfurt/M. 2002, S. 97

134) World Investment Repon 2000, S. 21

135) Lenin, Imperialismus, a.a.O., S. 105f

136) Karl Marx, Das Kapital, Band III, 18. Kapitel, 5. 325: Wenn das selbe industrielle Kapital, bei sonst glekhbleibenden Umst�nden und namentfich bei gleicher organischer Zusammensetzung viermal im Jahr statt zweimal umschl�gt, produziert es doppelt so viel Mehrwert und daher Profit; und dies zeigt sich handgreiflich, sobald und solange dies Kapital das Monopol der verbesserten Produktionsweise besitzt, die ihm diese Umschlagsbeschleunigung gestattet'.

137) R. Heilmann, Ein HaNard-R�ntgenbild der internationalen US-Gesellschaften, in: Au�enhandelsdienst, Frankfurt a.M., 8.7.71; zit. nach Nehls, a.a.O., S. 109

138) vgl. dazu Naomi Klein, No Logo!, a.a.0.

139) S�ddeutsche Zeitung, 5.4.2000

140) zitiert nach Der Spiegel, 25.5.1998, S. 104

141) Wolfgang M�ller, Nach dem Goldrausch, isw.,eport Nr. 47, M�nchen 2001, S. 13

142) Wolfgang M�ller, HighTech Report, D�rmstadt 2002, S. 46

143) zitiert nach Heuser, Uwe Jean, Das Unbehagen im Kapitalismus, Berlin 2000, S. 18

144) ebenda,5.19

145) vgl. Wirtschaftswoche, 215.2002, S. 60

146) Goldrausch a.a.O., 5. 13

147) AndPrso Cavanaq, Top200, a.a.O., S. 3 und 5

148) B�meniverte der Top 100 nach Fr 9.5.2002; B�rsenkapitalisierung 2000, DAI-FaCbook 2001 (Deutsches Aktieninstitut Frankfurot)

149) World Investment Repod (WIR) 2000, S. 71

150) vgl. WIR 1997, S. 34 und Bundesbank Monauberichte, April 2001, S. 61

151) zitiert nach Der Stern, 3,12.1998

152) Beck, M�chte a.a.O., S. 213

153), Robert Keilbronner, Kapitalismus im 21. Jahrhundert, M�nchen 1994,5. 74f.

154) Gretchen Binus, Internationale Gro�fusionffl - Trends in der Entvicklung des Monopols, in: T'Nr. 39, September 1999, S. 38

155) zitiert nach Neue Z�richer Zeitung, 18.3.1971

156) Clark, Tony, Der Vertrag zur Hernchaft der Konzerne, Manuskript, S. 2

157) GATS und Demokratie, veed Arbeitspapier, Nov 2001

158) Enquete-Kommission Globalisierung, aaO., 5. 146

159) ebenda S. 147

160) Staatsstreich