aus http://www.mdr.de/windrose/archiv/446449.html

Peru: Verdeckter V�lkermord

08.12.2002

von Juliana Ruhfus, Robert Jahn

"Plan Verde", der gr�ne Plan- so wurde ein geheimes Vorhaben der Peruanischen Regierung besch�nigend genannt. Ziel war es, durch Zwangssterilisation von Indios diese ganze Volksgruppe auszurotten. Denn der wirtschaftlichen Entwicklung Perus standen sie angeblich im Weg.

Peruanische Indios

600 Menschen leben hier im kleinen Andendorf Maiwapamba. Die meisten von Ihnen sind Indios. Selbst hier in diesem kleinen Dorf mitten in den Bergen wurden 35 Frauen Opfer der Sterilisationswelle. Es ist das erstemal, das die Frauen vor der Kamera �ber das sprechen, was damals in den Krankenh�usern mit Ihnen passiert ist. Einigen wurde erz�hlt die Sterilisation w�rde Ihre Herzprobleme l�sen, anderen wurde Geld angeboten. Die meisten aber, wurden zur Sterilisation gezwungen.

Auch Rudesinda Quillawamang hatte keine Wahl. Entweder sie kommen mit, oder wir sperren ihren Mann ins Gef�ngnis wurde ihr gedroht. Um ihm dieses Schicksal zu ersparen willigte sie schlie�lich ein:

 

Rudesinda Quillawamang, Sterilisationsopfer

"Als ich im Krankenhaus war, sah ich viel Blut. Sie banden mich auf einer Bahre fest und gaben mir ein Bet�ubungsmittel. Und noch bevor es anfing zu wirken, fingen sie an mir den Bauch aufzuschneiden."

Bis zu 300.000 M�nner und Frauen indianischer Abstammung sollen auf diese Weise von 1996 bis 2000 sterilisiert wurden. Zu diesem Ergebnis kam ein Untersuchungsausschuss des Parlaments. Und oft wurden die Eingriffe ohne das Wissen der Frauen vorgenommen.

Auch Elena Chumpi traf dieses Schicksal. Als sie bei der Geburt ihres zweiten Kindes wegen Komplikationen in dieses Limaer Krankenhaus musste, wurde die damals 17j�hrige zwangssterilisiert.

Mit Raftingtouren, kostenlosen Ferienreisen oder ausschweifenden Parties wurden diejenigen Krankenhausmitarbeiter belohnt, die sich bei solchen Zwangssterilisationen besonders eifrig zeigten.

Best�tigen kann diese makabere Praxis auch die ehemalige Krankenschwester Ada Pilares Ende der 90er k�ndigte sie aus Protest gegen die Sterilisationen ihren Job. Bis heute sucht sie vergebens nach einer neuen Arbeit. Denn bei den �rzten ist sie als Nestbeschmutzerin verschrien.

 

Ada Pilares, ehemalige Krankenschwester

"Um die Sterilisationsquoten zu erreichen wurden Pr�mien ausgesetzt. Wenn ein Arzt also eine dieser Pr�mien erhalten wollte, musste er so viel wie m�glich Patienten sterilisieren. Und nat�rlich wurden dabei auch Patienten zur Sterilisation gezwungen."

Das ganze Ausma� der Zwangssterilisationen dokumentiert dieser Regierungsbericht, der uns zugespielt wurde. In ihm wird aufgedeckt, das die Operationen Teil eines Projektes waren, das zur Ausrottung einer ganzen Bev�lkerungsgruppe f�hren sollte.

"Plan Verde" - der gr�ne Plan hie� der Deckname des Projekt. Nur durch die Ausrottung ganzer sozialer Schichten k�nne sich Peru in Zukunft wirtschaftlich positiv entwickeln, hei�t es dort.

Mitinitiator des Projekts war der ehemalige peruanische Pr�sident Alberto Fujimori. Offiziell waren die Sterilisationen Teil einer Kampagne zur Verbesserung der Familienplanung. Jetzt wird gegen ihn wegen Verletzung der Menschenrechte ermittelt. Bisher war Fujimori in seinem japanischen Exil vor den peruanischen Beh�rden sicher. Doch diese neuen Vorw�rfe, k�nnten die Auslieferung des Ex-Pr�sidenten erzwingen, meint Hector Chavez, Ermittler des peruanischen Kongresses.

 

Hector Chavez, Kongressabgeordneter

"Wir haben inzwischen genug Beweise gesammelt um die Sache beim Namen zu nennen. Sicher es klingt hart. Aber was da passiert ist, das war V�lkermord."

Vorw�rfe, die nicht nur der Ex-Pr�sident bestreitet. Auch Chefarzt Dr. Washington, der f�r die Sterilisationen in Maiwapamba verantwortlich war, zeigt keine Reue. Der Bericht der Regierung sei eine einzige L�ge, sagt er. Und auch die Vorw�rfe der Frauen des kleinen Andendorfes kann er nicht verstehen:

Dr. Washington, Chefarzt

"Um Gottes willen, entschuldigen sie. Aber da kann ich nur lachen. Es gibt so viele Frauen die zufrieden und dankbar daf�r sind, was ich f�r sie getan habe. Jetzt k�nnen sie endlich ihre Familien erziehen. Sicher die Frauen haben weniger Kinder. Aber sie sind doch auf jeden Fall gl�cklicher."

F�r seine Opfer, die Frauen von Maiwapamba, klingt das wie reiner Hohn. Junge Frauen die keine Kinder bekommen k�nnen, sind in dieser traditionellen Umgebung wertlos.

Auch Entropia Quillahuman bekam das zu sp�ren:

Entropia Quillahuman, Sterilisationsopfer

"In der Klinik haben sie zu mir gesagt: "Ihr Menschen auf dem Land vermehrt euch doch wie Karnickel, warum tust du nichts dagegen?" Als ich zur�ckkam hat mein Mann mich aus dem Haus geworfen und gesagt: "hau ab du st�ck Dreck!" Er hat mich geschlagen, hat mir in den Bauch getreten. Direkt in meine frischen Wunden."

2006 will Alberto Fujimori, trotz der schweren Vorw�rfe gegen ihn wieder bei den Pr�sidentschaftswahlen antreten. Mit Stimmen aus Maiwapamba brauch er dann wohl nicht zu rechnen.