| Buchstabe An | ||
Analyse ist der Vorgang, worin die unterschiedlichen Bestimmungen einer Sache herausgearbeitet werden, sodass sich hierin auch unt6erschiedliche Inhalte der selben Form ergeben können, welche ein anderes Sein der Formen erklären (siehe Anderssein). Hieraus ergibt sich die Erkenntnis ihrer Formbestimmung, welche die Grundlage jeder Synthese ist. |
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"Alle Sozialisten verstehen unter Anarchie dieses: Ist einmal das Ziel der proletarischen Bewegung, die Abschaffung der Klassen erreicht, so verschwindet die Gewalt des Staates, welche dazu dient, die große produzierende Mehrheit unter dem Joche einer wenig zahlreichen ausbeutenden Minderheit zu halten, und die Regierungsfunktionen verwandeln sich in einfache Verwaltungsfunktionen." (Karl Marx, zit. nach: Ileana Bauer [Hrsg.]: Marx und Engels über Anarchismus, Berlin 1971, S. 194f.) "Der Begriff Anarchie leitet sich von dem griechischen Wort anarchia ab. Ursprünglich bedeutete 'anarchia' einfach die Negation von Ordnung, besonders von militärischer Ordnung durch Führertum. Homer (8. Jh. v.u.Z.) und Herodot (490 bis etwa 420/25 v.u.Z.) verwendeten den Begriff zur Beschreibung eines Zustandes "ohne Anführer" oder "ohne Heerführer", und bei Euripides (480-407 v.u.Z.) bezeichnet 'anarchia' "führerlose Seeleute"." (Hajo Schmück: "Anarchie" - Zur Geschichte eines Reiz- und Schlagwortes). Im Allgemeinen steht Anarchismus für das Bestreben, herrschaftsfreie Lebenszusammenhänge zu bilden. Im Besonderen wendet er sich unmittelbar gegen jede Staatsformation. Hierin unterscheidet er sich von den Leninisten und Stalinisten, die einen proletarischen Staat als Mittel sozialistischer Entwicklung für nötig halten. Die antiautoritärte Bewegung hatte viele anarchistische Momenete, wenngleich sich diese auch oft nur in psychologischen Interessen äußerten. Doch solcher "Psychoanarchismus" wird meist eher bürgerlichen Interessen zugeordnet, als dass dieser dem Anarchismus entspräche. Doch die Übergänge sind fließend, und oft subsummiert Anarchismus sowohl bürgerliche als auch sozialistische Grundlagen. In diesem Sinne wird auch unterschieden von Lifestyle-Anarchismus und libertärem Anarchismus, wie er sich im libertären Kommunalismus äußert. In der Arbeiterbewegung trat Anarchismus besonders als Anarchosyndikalismus in Erscheinung. |
s.a.
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"Das Hauptziel des Anarchosyndikalismus ist die revolutionäre Überwindung des Staates und der kapitalistischen Gesellschaft durch die unmittelbare Übernahme der Produktionsmittel durch die Gewerkschaften. Durch diesen Akt soll die klassen- und staatenlose Kollektivordnung entstehen. Um dieses Ziel zu verwirklichen, ist der Anarchosyndikalismus bestrebt die Arbeiterklasse in allen gesellschaftlichen Lebensbereichen zu organisieren und so eine wirksame Gegenmacht zu Staat und Kapital zu bilden." (Wikipedia) Syndikalismus meint Gewerkschaftsstruktur. Soziale Revolutioen sollen eine Gesellschaft der Arbeitergenossenschaften mit Selbstverwaltung ( z.B. Mondragon) befördern. Gleiche Stellung der Geschlechter und ArbeiterInnen, annähernd gleicher Lohn. Antiautoritäre Assoziationen. Direkte Aktionen, direktes Stimmrecht. | s.a. | |
Das Sein desselben in andererem kann zunächst nur Reflexion sein, welche zu einer anderen Bestimmung erst wird, wenn sie eine Substanz außer sich bekommt. Eine Formbestimmung ist das einfache Anderssein in derselben Form, also die selbe Form mit anderem Inhalt. In dieser doppelten Bestimmtheit ist die Erkenntnis desselben als anderes praktisches Resultat einer Analyse. |
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Aneignung ist im ursprünglichen Sinn das Eigen werden von etwas, das seine Eigentümlichkeit im Prozess der Aneignung entfaltet, sofern es Eigenschaften des aneignenden Subjekts hat. In der Eigenschaftslosigkeit besteht eine Fremdheit, die sich in der Form des Besitzes aneignen lässt, dies aber nur als Einverleibung von Fremdem. |
s.a. | |
Angst (Angustia=Enge) ist ein gesteigertes Beklemmungsgefühl, welches die Wahrnehmung beherrschen kann und sich von Furcht deutlich darin unterscheidet, dass sie keinen eindeutigen Gegenstand außer sich hat und daher die eigene Identität unmittelbar betrifft. Die Beengung ist also keine äußere Bedrängung, sondern innerlich. Man kann Kräfte und Mächte befürchten, solange sie fremd begründet sind. In der Angst ist man hiervon jedoch nicht eindeutig unterschieden (z.B. ist die Furcht vor der Macht eines Urteils deutlich verschieden von einer Angst, die es in einem Menschen auslöst, weil und sofern er sich im Urteil selbst negiert fühlt, sich also mit ihm bewusst oder unbewusst identifiziert). Im Unterschied zur Furcht ist Angst für sich das Gefühl von Bedrängnis ohne eindeutige Wirklichkeit einer Bedrohung. Angst ist ein Zustand der Wahrnehmung, in welcher ihre Wahrheit bedrängt ist (s.a. Identitätsangst) und darin auch ihr Gedächtnis - wenn auch nur vorübergehend - verlustig geht. Die Wahrnehmung ist von einer absolut hintergründigen Vordergründigkeit ihrer Regungen überwältigt und befangen. Es ist ein Zustand, worin nicht erkennbar ist, was an Bedrohung der Wahrnehmungsidentität wahrgehabt wird. Von da her ist Angst ein Gefühl, das realisiert, was ihm nicht wahrnehmbar ist, was als Wahrheit in die Wahrnehmung eingeht, die durch sich selbst bedrängt ist. Angst ist einfach gesagt ein Gefühl, das für die Wahrnehmung "zu spät" kommt, vergessen muss, was es als Gedächtnis hat und deshalb erschrickt vor dem, was es wahrnimmt, ohne zu wissen, was darin bedrängt. Angst enthält somit das Erkenntnisvermögen als Selbstauflösung, Wahrnehmung von einem Sinn, der mächtig gegen Menschen wahrgehabt wird, ohne als Macht wahrgenommen zu werden. Sofern sie überhaupt auf bestimmten Gefühlen beruht, wird in der Angst zugleich ein Hintersinn in einer Form empfunden, durch die er der Erkenntnis unzugänglich ist (z.B. in der Ästhetik der Empfindung). Die Bedrohlichkeit kann dabei völlig unbestimmt sein, besteht aber als ein objektives Gefühl ohne bestimmten Grund und besteht nur aus der Bedrohung eines notwendigen Selbstgefühls einer bestimmten Gegenwärtigkeit der Empfindung (z.B. Höhenangst als Angst, den Boden zu verlieren, weil ein Selbstgefühl besteht, welches keinen Grund hat; oder Platzangst als Angst, keinen Platz für sich zu haben, weil ein Selbstgefühl besteht, das am Platzen ist oder Angst vor Insekten, weil die Verstrickung in fremde Absichten unendlich bestimmt ist). Allgemein ist die Angst ein Zustand der Negation von Wahrnehmung, die unmittelbar sinnlich und nur gewiss, aber gegen alles Wissen ist. Die Empfindung hebt darin unmittelbar das Gefühl auf und damit die Wahrnehmungsidentität, die in der Angst in sich zusammenbricht (siehe Logik der Kultur Teil 2). Dies setzt voraus, dass die Gewissheiten unmittelbar aufgehoben werden können, dass sie also einen Zusammenhang haben, welcher der Wahrnehmung entzogen ist. Es setzt also voraus, dass die Wahrnehmung selbst schon eine Identität jenseits der Empfindung hat, welche sich im Ungewissen befindet und seine Ungewissheit als Schuldgefühl wahrhat. Dieses beruht auf einem Übersinn, der bestimmte Gewissheiten ausschließt, also Selbstgefühle auslöst, die in der Negation zu bestimmten Empfindungen stehen. Das Gedächtnis versagt ob der Übermacht von dessen Bedrängung schließlich selbst und enthebt das Gefühl jeglicher Gegenwärtigkeit (siehe Panikattacke). Manchmal genügen einfache Selbstvergegenwärtigungen (z.B. in den Spiegel schauen), um dies wieder aufzuheben; manchmal führt dies auch zur absoluten Selbstaufgabe - wenn sie dauerhaft fortbestehen und kein Ausweg wahrgemacht werden kann. Wo solche Auswege aber auf Dauer zur Selbstbeglückung werden, kann sich als Angstbewältigung Depression einstellen. In einer Kultur, welche vorwiegend auf Selbstwahrnehmung gründet, ist das nicht selten. Meist enthält schon der Familiensinn Identität, die sich der Familie nicht wirklich leben lässt und die daher die Gewissheit der Wahrnehmung fortwährend bedrängt - solange, bis sich das Erkenntnisvermögen zur Erkenntnis abstrakter Zusammenhänge emanzipert hat. Damit allerdings wird die abstrakte Sinnvermittlung solcher Kultur der Selbstwahrnehmung auch selbst erkannt. Angst kann nur durch Gewissheit verlassen werden, welche sich gegen ihre Abstraktion bewahrt hat. Die Umkreisung der ungewissen Wahrnehmung ist ein Prozess der Angstbewältigung. Er endet nicht in der Angstfreiheit, sondern im Begreifen des Grundes, welchen Angst in der übersinnlichen Bedrängung hat. Durch solches Begreifen werden Verhältnisse von Menschen nicht mehr gemieden, sondern auch unter Angst lebbar; sie bekommt Sinn. Die ängstliche Beziehung auf Menschen enthält die Erkenntnis, dass Angst nicht durch das Verhältnis von Menschen, sondern durch die Formbestimmung eines Lebensraums besteht, welche nur in der Selbstwahrnehmung das bedrängende Verhältnis mächtig macht und es unter Identitätslosigkeit erleben lässt. Angst ist immer Lebensangst und wird allgemein dadurch erzeugt dass es in bestimmten zwischenmenschlichen Verhältnissen Scheinwelten gibt, die sich gegen den wirklichen Lebenszusammenhang von Menschen errichten und einem scheinhaften Zusammenhang dienen, nicht unmittelbar, sondern nur vermittelst der Selbstwahrnehmung (siehe auch Familie, Familiensinn), um in einer Kultur der Selbstbezogenheit menschliche Gegenwart - wenn auch ohne menschliche Wirklichkeit - zu erheischen. | s.a. siehe hierzu auch den Themenabend
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Ein Angstzustand ist ein Wahrnehmungszustand, der einen Menschen oft schlagartig, also scheinbar ohne bestimmten Anlass allein durch die Anwesenheit einer bestimmten Selbstwahrnehmung überkommt wie ein reines Gefühl der Selbstauflösung. Angst ist darin verselbständigt und wirkt als leere Bedrängnis, als eine vollständig fremde Kraft gegen die Wahrnehmungstätigkeit bis hin zu ihrer Auflösung und Selbstzerstörung (Entsinnlichung), die panisch erlebt wird. Oft bestehen Angstzustände unter suggestiven Bedingungen (Gruppenerlebnisse, Kulturereignisse, U-Bahnfahren). Als solche können auch Wahrnehmungsabstraktionen selbst fungieren (z.B. Schlangen), die einen Wahrnehmungszustand auslösen, der ihnen als Gefühlsform eines seelischen Zustands selbst entspricht (z.B. seelische Beengung bei Platzangst, unheimliche Bewegungen der Schlange oder der unheimlichen Herkunft von Insekten), und der die Identität der Selbstwahrnehmung bedroht. Angstzustände sind oft die Grundlage von Reaktionsbildungen, in welchen Menschen gegen sich selbst tätig werden. Sie erreichen damit anstelle einer Gewissheit eine Selbstgewissheit durch Schmerz, Auszehrung, Grausamkeit und allen Formen der Selbstzerstörung bis hin zur Selbsttötung. Angstzustände lassen sich oft leicht durch Selbstvergegenwärtigungen aufheben, auch wenn damit ihr Grund nicht behoben ist. Die Selbstvergegenwärtigung, so sie durch den Beistand anderer Menschen eine Gegenwart von Angst gegen die Selbstzerstörung erfährt, ist die Brücke zur Wahrnehmung eigenen Lebens in einem anderen. Angst in dieser Lebensbejahung, welche durch bestimmte zwischenmenschliche Beziehungen gegeben wird, enthält in den mit ihr verbundenen Gefühlen die Erkenntnis ihrer Begründung. Angstzustände haben ihren Grund nicht durch das Verhältnis von Menschen, sondern durch die Formbestimmung eines Lebensraums, in welchem sich Menschen gemäß dieser fortbestimmten Lebensbedingung, also in Selbstentfremdung verhalten und sich daran gewöhnt haben (siehe Logik der Kultur Teil 2). Dem Angstzustand ist meist eine Lebensangst vorausgesetzt, die oft in bürgerlichen Familien mit übermenschlichem Familiensinn ensteht.. Die Psychologie fast den Angstzustand als ein Symptom, das sie mit Bezeichnungen wie frei flottierender Angst oder Panikattacke beschreibt. | s.a. siehe hierzu auch das Papier | |
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s.a.
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Der Anlass eines Ereignisses ist Gegenwärtigkeit eines anderen Ereignisses, das scheinbar ohne irgendeine Beziehung hierzu steht, also auch keine Ursache hierfür sein muss. |
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Anschauung ist das voraussetzunglose Ansehen und Zusehen, Sehen unter der Vorraussetzung von Gegenständlichkeit für sich. In der unbefangenen Einfachheit und Einfältigkeit des Zusehens und Zurechtfindens scheint sie sich vereint mit ihrem Gegenstand, sich selbst gegenständlich. Anschauung ist Welt und Mensch in einem, Welt als Mensch und Mensch als Welt. Sie ist zunächst immer Weltanschauung, solange sie sich nicht von ihrem Gegenstand unterscheidet, ein Verhältnis zur Welt, wie es sich aus dem Anschauen, also aus dem unreflektierten Auffassen so ergibt, wie das Verhältnis durch die Position der Betrachtung selbst schon gegeben ist. Diese Gegebenheit bestätigt sich in der Anschauung, solange kein Geber, kein Erzeuger, kein Subjekt auftritt. In der Unterschiedslosigkeit hierzu ist Anschauung selbst objektiv, selbst Ausdruck der Gegebenheit, wie sie im Menschen ist. Daher erscheint Anschauunung ausschließlich unmittelbar und subjektiv, auch wenn sie darin objektiv und allgemein vermittelt ist. Doch dies zu erkennen macht schon das Ende der Anschauung und der Anschaulichkeiten. Eine allgemeine Anschauung verlangt deshalb auch schon eine Gedankenabstraktion, die sich als Verallgemeinerung von Wahrnehmungen unter einer bestimmten Lebensposition ergeben hat, worin sich das allgemein Objektive nominiert (siehe Nominalismus), um für sich zu sein und sein zu können, um also sich aus dem Zweifel ihres Soseins herauszunehmen. Das ist dann notwendig eine Idee, die sich aus der reinen Negation ergibt und sich hieraus als eine Frage an die Welt zusammenfassen lässt: Was hat sie für einen Sinn. Die verschiedenen Ideologien verfolgen dies in der Umsetzung zu ihrer Praxis als politisches Anliegen. Eine Anschauung muss sich auf Dauer in Nichts auflösen und das Verlangen nach Konkretion entwickeln. Von daher wird sie ihren eigenen Standort reflektieren, weil sie die darin übermittelte Lebensauffasung bezweifeln muss und wird sich an die Erkenntnis ihrer Abstraktheit machen, Gedankenabstraktionen überwinden, indem sie Realabstraktionen begreift, die ihr vorausgesetzt sind, - und so wird ihr Zweifel seinen Sinn erfahren. |
s.a.
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Anspruch resultiert aus einem Vertragsverhältnis und ist die Forderung auf eine Leistung, die das in dem Vertrag garantierte Leistungsverhältnis erfüllt (z.B. Rentenanspruch). Da jeder Vertrag wechselseitig ist, besteht ein beidseitiger Erfüllungsanspruch. Politik kann nicht auf Ansprüchen Gründen, weil sie Sache eines Willensverhältnisses sind, das sich im Erbringen von Leistungen ausschöpft. Bürgerliche Politik begründet sich daher gerne mit solchen Verhältnissen (siehe z.B. Generationenvertrag), in denen sie das wirkliche gesellschaftliche Verhältnis verstecken kann und sich auf eine Geschäftsebene mit BürgerInnen stellt, um deren Ansprüchen ihre Ansprüche entgegenzuhalten. Anspruchsdenken ist der Kern des Besitzverhältnisses, in welchem alle Willensverhältnisse gründen. Es hat keinen anderen Sinn als den Sinn staatsbürgerlicher Vernunft. |
s.a. | |
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Anwesenheit ist zunächst eine rein räumliche Gegenwärtigkeit, die bloße Gegenwart, der räumliche Bezug eines Ereignisses im Erleben der Menschen. Als solches ist sie eine selbstverständliche Unterstellung der Wahrnehmung, frei von aller Bestimmtheit und sicherlich nicht sonders bedenkenswert, wäre sie nicht zugleich die Notwendigkeit der Naturempfindung in einer Gesellschaft, worin Menschen nicht selbstverständlich miteinander verkehren, worin ihre gesellschaftliche Beziehung also selbst unmittelbar verkehrt ist. Wo diese in der privaten Form des bürgerlichen Individuums selbst tragend für menschliche Beziehungen wird. Weil die Kultur dieser Formbestimmtheit nicht ihr wirklicher Lebensausdruck ist, zeigt sie einen Sinn, der ein Unding ist: Nicht mehr deren lebendiger Gehalt, nicht die Gedanken, Stoffe, Taten und Substanzen, nicht die Geschichte, die sie hervorbringt, also nicht ihre Gegenständlichkeit gestaltet die Momente und Ereignisse ihrer Verbindung, sondern ihre bloße Nähe, die Form ihrer Anwesenheit macht diese Beziehung überhaupt aus. Die Ereignisse und Substanzen darin leiten sich dann aus ihrer Anwesenheit, aus ihrer Wirkung auf die Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung ab. Der räumlicher Ausdruck der Sinnlichkeit, Körper, Ästhetik und Design, Sitte und Unsitte bestimmen ihre Verhältnisse. In der Anwesenheit von Menschen ist dann nur noch das Potenzial ihrer Beziehung als ihr Ereignispotenzial tragend, die Wertigkeit und Reizbarkeit ihrer Wahrnehmung, ihr wirklich abstrakter Sinn. In der Anwesenheit von jemandem oder etwas ist an und für sich nur das wesentlich, was durch ein Wesen alleine durch sein Dasein ist. Die Ereignisse, die vorkommen, bewegen die Menschen durch den Sinn, den sie haben wie das Produkt eines Zufalls oder Schicksals. Anwesenheit ist ihr bloßer Umstand, ein Zusammentreffen, das bloß zufällig und für sich unbestimmt ist. Dem Inhalt nach ist die Anwesenheit für sich nichts, simple Form des sich Zutragens einer Folge von Geschehnissen durch die Anwesenden, die Dichte einer Geschichte. Was sich von diesen Anwesenheiten in der Wahrnehmung bewahrt, ist diese Dichte, welche die Intensität des Gedächtnisses ausmacht. Wo Wahrnehmung für sich alle Beziehung ausmacht, wo also zwischenmenschliche Beziehung ihren Sinn findet. da macht dies zunächst die Anwesenheit in einer bestimmten Dichte, also in einer Masse und Nähe, welche die Anwesenden darin erlangen, gleich, was sie für sich sonst sind. Je mehr sie auf sich bestehen müssen, desto bedrohlicher kann solche Beziehung sein, je eher sie sich in anderen Menschen körperlich finden können, sich selbst durch andere empfinden, desto weitgehender lassen sie sich auf ihre bloße Anwesenheit ein. Die Dichte der Anwesenheit macht das Leiden und die Leidenschaft der Beziehungen aus, die auf Wahrnehmung gründen. Solche Beziehungen sind nicht menschliche Beziehungen überhaupt, sondern Beziehungen, die ihre Wahrheit noch außer sich haben, sich nicht wirklich wahr gestalten, aber in Wirklichkeit dadurch wahr füreinander sind, dass sie einander sinnlich wahrhaben. Weil und sofern sie keinen anderen Sinn miteinander haben, können sie nur einen Sinn füreinander darin entwickeln, dass sie körperlich anwesend und alleine schon hierdurch miteinander sinnlich sind. Allerdings sehen sie dann von allem ab, was ihr ganzes Sein ausmacht, was also sich nur in freier Anwesenheit ereignen kann. Wenn die Menschen von ihrem Sein absehen müssen, um Sinn für einander zu haben, vermitteln sie ihr Menschsein schon durch bloße Anwesenheit in selber Räumlichkeit. Die Ereignisse, die darin stattfinden, setzen sie in Beziehung, weil sie darin und dadurch Sinn empfinden und finden, weil also ihr Zusammensein sie in ihrem Befinden vergemeinschaftet, ihre Empfindungen und Gefühle zusammenführt. Dies durch die Dichte der Anwesenheit Vergemeinschaftete kann jedoch nicht konkret sein: Es ist die Einheit in einem abstrakt menschlichen Sinn, worin gerade das Sinn macht, was die Nähe der Anwesenden hervorgebracht hat. Es scheint, als ob die Menschen darin Sinn füreinander haben, dass sie in ihrer Wahrnehmung Körper füreinander sind. Doch dieses Verhältnis ist zwiespältig, weil sie sich selbst auch nur körperlich so erleben, wie sie sich in solcher Anwesenheit vermitteln, wie sie mit dem da sind, was sie in bloß körperlicher Anwesenheit sind. Sie sind selbst Mittel ihrer Beziehung und deshalb gerade außer sich, wo sie dicht bei sich sind. Was der Augenblick erleben lässt hat hierdurch keinen Bestand für sie außer dem, was sie hierbei für sich werden, was sie wirklich für sich wahrhaben. Das Tragende all solcher zwischenmenschlichen Verhältnisse ist daher die Selbstwahrnehmung. Um seine Selbstwahrnehmung zu entfalten darf keine materielle Not herrschen. Es muss also dem schon vorausgehen, dass alle materiellen Nöte aufgehoben sind, dass man also Geld hat. Das ist zwar trivial und war in bürgerlichen Kreisen immer selbstverständlich, aber dass die zwischenmenschliche Beziehung auch nur die beseelte Form des Geldverhältnisses ist, das will niemand wahrhaben. Aber nur unter den Bedingungen des Geldes kann ein Mensch sich so gleichgültig zum Sein anderer Menschen verhalten, dass ihn deren Anwesenheit wesentlich vorkommen kann. Geld ist die Beziehungsform dieser Gleichgültigkeit für sich. Mit Geldbesitz ist jeder Mensch ein kleiner König und hat hierzu nicht viel mehr zu bedenken, als das, was Geld so alles zu bewirken vermag. Und wenn eine ganze Gesellschaft auf Geldbesitz gründet, wenn sich die gesellschaftlichen Beziehungen nur im Zweck des Gelderwerbs ereignen, in Dienstleistungsgesellschaften, da ist jeder, auch wenn er kein Geld hat (und das sind die meisten) hiervon bestimmt, weil Gesellschaft dann nichts anderes ist als die Lebensform von Geldbesitz. Und Geld vermittelt dort nichts als dass man es haben muss, um in Gesellschaft zu sein. Die Menschen in solcher Gesellschaft sind füreinander nichts, außer dadurch, dass sie anwesend sind und hierdurch als Menschen gelten. Indem sich durch Anwesenheit etwas vermittelt, was ohne dies nicht ist, wird sie zum Mittel eines Seins, zu einem Inhalt, der für sich nichts ist, abstrakte Substanz einer Vermittlung. Anwesenheit wird hierdurch zu etwas, das in der reinen Form Vermittlung ausmacht, egal was sonst ist, etwas, das nur zwischen den Menschen und nur in ihrer Gesellschaft da ist, körperliche Gegenwart hat, ohne für sie und in ihnen wirklich körperlich zu sein. Es ist körperlich nur durch sie, gleich, was ihre konkrete Beziehung ausmacht. Aber ohne diese Anwesenheit wäre nichts, und Nichts kann nicht sein. Um da zu sein, muss man sich sehen, hören, riechen, fühlen usw.. Das leere Dasein von lebenden Körpern ist auch dann ein Bezug, wenn die körperlichen Lebewesen sich nicht durch sich aufeinander beziehen, wenn sie füreinander vollständig von jeder konkreten Beziehung absehen, in vollständig abstrakter Beziehung füreinander sind und nur durch ihre Anwesenheit irgendeine Wirkung haben, wirklich sind, ohne eine bestimmte Wirkung zu haben, also in gleichgültiger Wirklichkeit sich aufeinander beziehen. Aber Anwesenheit macht auch in der Beziehung zwischen Menschen, die für sich nichts ist, alles anders. Das bloße Dasein eines Menschen, auf den man sch bezieht oder bezogen hatte, ändert alles, was bis dahin oder danach mit ihm zu tun hat, was gedacht und bedacht, erhofft und verwunschen, geliebt und gehasst war. Seine Anwesenheit relativiert all dies durch seine lebendige Wirkung im wirklichen Leben als Ganzes. Sie bringt alle Lebensmomente - so zerteilt sie sein mögen - auf einmal in Gang: Wahrnehmung, Sinn, Greifbarkeit, Fühlen usw. Es ist der Augenblick sinnlicher Gewissheit, der das gibt und erfordert, was wirklich an Leben da ist, auch wenn es nicht wirklich lebt, was weder in Abwesenheit fortbesteht, noch davon bestimmt ist, was es zuvor war. Wo das Leben zerteilt ist, lebt in der Anwesenheit die einzige Form von unmittelbarer Wahrheit, die gleichgültig gegen ihre Geschichte ist. Darin ist gegenständlich, was durch Gegenstände - ob Menschen oder Sachen - gegeben ist und dies hat für sich keine eigene Notwendigkeit, wäre für sich unnötig: Es ist nicht notwendig, anwesend zu sein, um mit Gewissheit erkennen zu können, was ohnedies wäre. Die Notwendigkleit von Anwesenheit begründet sich aus der Nichtigkeit der Zusammenhänge, aus der unvollkommenen Gegenständlichkeit des Lebenszusammenhangs, aus Lebensäußerungen, die Leben nur in seiner Getrenntheit von Lebensmomenten äußern, zusammen nur als zufällige Erfahrungen ihrer Sinne im Sinn für sich bestehen. Und da Sinn vor allem aus seiner Körperlichkeit heraus sich gestaltet, sich in räumlichem Sein ausbreitet, da er sich in der Wesenheit von Berührung, von Empfinden und Befinden, von Nähe und Finden bestimmt, ist er in seiner Bestimmungslosigkeit, in der Abstraktion lediglich Raum, den er durch seine Anwesenheit ausfüllt. Daher bezeichnet der Begriff Anwesenheit insgesamt etwas höchst Abstraktes, das gleichgültig gegen jeden Inhalt ist, so leer wie eine bloße Gegenwärtigkeit in einem Zusammentreffen von Wesen, die sich begegnen, ihre Näherung und Nähe im Raum, wie sie ohne jeglichen Sinn ist. Anwesenheit ist also eine leere räumliche Bestimmung, auch wenn sie selbst zweifellos sinnlich ist. Es ist die leere Sinnlichkeit von Raum, die räumliche Gegenwart eines lebendigen Wesens, anwesendes Lebens, aber reines Dasein ohne wesentliche Bestimmung, inhaltlos, leere Form. Anwesenheit ist das Quantum der Räumlichkeit im Verhalten von Abwesenheit und Anwesenheit, Nähe und Ferne, von Körper und Geist. Von daher ist Anwesenheiit die Realabstraktion der Lebensform schlechthin, der Sinn einer abstrakten Kultur der Menschen. Die Größe, worin sich ihre abstrakte Sinnlichkeit bemisst, worin sich gegenstandslose Sinnlichkeit vergegenwärtigt (siehe Vergegenwärtigung), ist der Raum, worin sie sich ereignet, der Lebensraum - sowohl als Körper, wie als Land oder Natur. Als im Raum vereinigte Getrenntheit der Sinne gibt es Anwesenheit nicht konkret und wäre für sich undenkbar. Wäre die konkrete Wirklichkeit nicht dadurch schon wirklich, dass Sinn da ist, wäre sie nicht schon durch ihre Form wesentlich, so wäre auch diese gleichgültig. Dass sie als Form ist, beweist, dass sie formbestimmt ist, zugleich eben da ist und gleichgültig gegen lebenden Inhalt. Inhaltlich mag dann sein wie es will; erst die Anwesenheit bringt es zur Wirkung, weil darin erkennbar wird, was diese Form ausmacht. Es ist eine Wirkung, die keinen Grund zeigt für das, was sie ausmacht, das was ängstigt, schwächt, erhebt, dämpft usw. wiewohl es dem Inhalt nach nichts dergleichen könnte. Die eigentümliche Kraft, die hierin zu Tage tritt, kann überraschen, überrascht aber nur dadurch, dass etwas, was ist, nicht wirklich da ist, weder im Menschen noch für ihn. Es ist von der Wahrnehmung getrennt wie eine Geschichte, die hinter dem Rücken der Menschen stattfindet und erweist sich als etwas, was nur in der Anwesenheit wahrgehabt wird, eine von der Identität der Wahrnehmung ausgeschlossene Wahrheit, die sich in der reinen körperlichen Anwesenheit auftut, also Körper erfährt, den es für sich nicht hat, was aber die verschiedensten Gefühle, Stimmungen oder Zustände hervorrufen kann, die für sich grundlos zu sein scheinen (z.B. Glücksgefühle oder Angstzustände wie etwa Platzangst). Es ist mit diesem Begriff von Anwesenheit das Rätsel gelöst, warum zwischenmenschliche Verrücktheiten im Gedächtnis der Seele übermächtig gegen ihre Selbtsvergegenwärtigung werden und sich dieses wie eine fremde Kraft gegen sie wenden kann, warum sich eine innere Einheit gegen Anwesenheit bilden kann, um diese überhaupt zu ertragen, indem sie zeitversetzt im Wahnsinn hervortritt (siehe auch Selbstvergegenwärtigung) und weil dieser selbst zeitlos ist, bloße Negation des Lebensraumes, worin er befangen ist. Unter diesem Gesichtspunkt hat Elias Canetti die von s. Freud beschriebene "Schreber-Psychose" detailliert nachvollzogen und erstaunliche räumliche Zusammenhänge in ihrem Verlauf entdeckt, die sich für den Betroffenen als Logik des Komos herausgestellt hatten. Anwesenheit ist eine Kategorie des Raumes, in welchem ein Wesen unbestimmt ist, also nur räumliche Bestimmung von Tätigkeit und Leiden hat. Als diese kann jedes Ereignis sich in dem fortbestimmen, was keinen Sinn für sich hat und also von räumlicher Nähe und Ferne abhängt. Man sieht sich wieder, trifft sich wieder, liebt sich wieder usw. weil man sich getroffen hat. Und in der Anwesenheit trifft auch wieder uind immer der Mensch auf den Menschen, ohne ihn erkennen zu müssen, ohne für sich wirklich zu sein, weil Anwesenheit für sich Wirkung hat, sowohl abstrakt wie konkret. Alle Menschen sind darin gleich und verschieden in ein und demselben Augenblick, sie gleichen einander in dem, wie sie den Augenblick wahrnehmen und unterscheiden sich in dem, wie sie ihn wahrhaben. Anwesenheit wäre eine triviale Bezeichnung für ein Zusammentreffen von Lebewesen, wäre sie nicht unter bestimmten gesellschaftlichen Verhältnissen von Menschen die ausschließliche Form, worin sie wirklich miteinander verkehren - nämlich dort, wo sie ihre Gegenwart nicht gestalten, nicht subjektiv sein können, sich weder geistig noch sinnlich gesellschaftlich verwirklichen. Ihre Ausdehnung als Raum dieses Zusammentreffens macht die privaten Möglichkeiten ihrer Wirklichkeit aus, ist das, worauf es die Menschen zu ihrer Beseelung absehen, Erfüllungszweck ihrer Absicht, die Substanz welche die Seele zu ihrer Selbstverwirklichung drängt, deren Antrieb (siehe Trieb) sie ist. In dieser Form ist Anwesenheit die Bedingung objektiver Beziehungen zwischen den Menschen, Bedingung zwischenmenschlicher Vermittlung (siehe zwischenmenschliche Verhältnisse), also die Substanz, worin Menschen als Mittel füreinander sind und aneinander gewohnt werden, worin sie sich beziehen und zugleich voneinander absehen, worin sie ihre Sinne wahrhaben, ohne wirklich sinnlich zu sein, Substanz der Realabstraktion ihrer Sinnlichkeit. Das Leiden an der Anwesenheit ist daher auch die Einsamkeit, der Verlust der zwischenmenschlichen Vermittlung: ihre Abwesenheit. Geschichte hat darin ihre Zeit verloren und kann sich so nur räumlich beziehen. In der räumlichen Ausdehnung und im Raum des Lebens, im Lebensraum selbst bemisst sich die Anwesenheit quantitativ und ist das Maß der zwischenmenschlichen Verhältnisse, die darin stattfinden können, das Quantum der möglichen Verwirklichung von Anwesenheit, wie sie beabsichtigt ist. In der Nutzung der Anwesenheiten zur Füllung eigener Leere setzt den Sinn jeder Beziehung negartiv, zersetzt ihn und hebt Anweisenheit in der Entleibung der Anwesenden auf. Der Raum, worin die Anwesenheiten ihre Dichte bestimmen, wird hierbei zum Umstand einer Sinnauflösung und zur Macht einer sinnlichen Nichtigkeit. Aber der Raum ist darin selbst sinnlich geworden und hat nun einen Sinn für sich: Es ist gleichgültig, was Menschen tun, solange sie bloß anwesend sein müssen, um füreinander da zu sein; es ist nett, schön, lieb und gut, eigentlich alles, was sich das brave Bürgerherz vom Zusammentreffen mit anderen Menschen erhofft. Man ist lieb, um geliebt zu werden, nett, damit es schön ist. Alle Gefühle sind hierin als reine Selbstgefühle wechselseitig bestimmt, als reines Sosein für sich. Und darin sind alle Menschen wirklich gleich, in gleicher Bestimmung durch die Befindlichkeit, die schon durch ihre bloße Anwesenheit gegeben ist - jedenfalls solange sie sich davon bestimmen lassen. Immerhin kann jeder in solchem Raum unbeschadet zeigen, sagen, machen usw., was er fühlt - solange er es nicht wirklich gegenwärtig hat, nicht wirklich empfindet. In den Gefühlen für sich selbst erscheinen alle Lebenszusammenhänge jetzt so, wie sie für fühlende Menschen sein müssen, um die Identität mit ihren Empfindungen zu stiften, eine Identität, welche bloß abstrakt sein kann, bestimmt durch das, was anwesend und beabsichtigt ist und in der Trennung von dem, was nicht da ist. Das Abwesende ist abgesondert und bekommt hierduch die Bestimmung des Absonderllichen. Es wird zu einem Wesen von anderer Art. Artig sind die Anwesenden, abartig die anderen (siehe Rassismus). Für Menschen ihrer Art bilden sie Gruppen, Talkshows, Vereine usw. Und diese Gruppenbildung ist ein einziges Streben nach Anwesenheit und Selbstvergegenwärtigung, um auch ohne bestimmte Beziehung auf andere Menschen sein zu können. Ein ganzes Heer von Zuschauern zahlen hierfür sogar Gebühren oder Eintritt, nur um das Anderssein einer ihnen äußerlichen Anwesenheit auf der Bühne oder am Bildschirm wahrnehmen zu dürfen, Geschichten aus dem Leben derer zu hören, die darin so gleich mit ihnen sind, wie sie sich fühlen, während sie ihnen gänzlich enthoben leben, in Wirklichkeit gänzlich anders sind. Ein Ziel ist durch all dies auf jeden Fall erreicht: Die Menschen gewöhnen sich aneinander in der Gleichheit ihrer Selbstgefühle und streben daher auch zu einer Menschengruppe, worin dies herrschen kann. Diese Ansammlung von Anwesenheiten, dieser Menschenraum ist die gesellschaftliche Form ihrer Selbstbezogenheit und macht den Antrieb ihrer Masse. Dieser kann so gewaltig sein, dass er alle Wirklichkeit ausblendet, welche dem Inhalt nach gegeben ist (siehe Massenpsyche). Darin zeigt sich das wirkliche Quantum der Begriffssubstanz der bürgerlichen Kultur, dem abstrakt menschlichen Sinn. Dies kann auch negativ sein und macht die Angst vor Menschenansammlungen aus oder Raumflucht nötig: Wenn keine wesentlichen Bestimmungen ein Verhältnis ausmachen, dann bedrängt dies den, der darin Bestimmtheit sucht. Es ist dann die Masse nur durch Meidung und Hervorkehrung ihrer Einzelheit, die Individuation, zu ertragen, der Raum nur durch "Tapetenwechsel". Eine im Raum vermittelte Gesellschaft bildet ihren Sinnzusammenhang nicht durch eine konkret bestimmte Räumlichkeit, sondern im Wechsel von Räumen, durch räumliche Nutzung. So total sich ihre Verhältnisse aus Raum und Landschaft zu bestimmen scheinen (siehe Nationalismus), so gleichgültig ist die wirkliche Bestimmtheit von Räumlichkeit, ihre wirkliche Geschichte. Alle Verhältnisse der Wahrnehmung haben daher keine zeitliche Beziehung. Die Seele beweist dies am deutlichsten auch in ihren Absichten und ihrer Arbeit: Die Traumarbeit. Dort kann Zeit in beliebiger Beziehung stehen und so Zusammenhänge bilden, die in der Zeitfolge unmöglich sind. So auch im Wahnsinn: Geschichte kann darin belibig "nachhinken" oder vorauseilen (siehe hierzu Pfreundschuh: "Arbeit am Wahnsinn"). Alle seelischen Beziehungen entwickeln sich nur im Verhältnis von Anwesenheit und Abwesenheit, durch die Brüche von räumlicher Trennung und die Gegenwärtigkeit im Getrenntsein (s.a. Isolation). Es beweist sich so von selbst, dass der Raum die Substanz der abstrakt menschlichen Sinnlichkeit ist, also der Sinn, der keinen anderen Sinn hat, als eine bloße und völlig leere Gestalt: Raum. Dies schließlich macht auch, weshalb eine Masse von Menschen (siehe Menschenmasse) zu einer ungeheuren Kraft der Seele und Kultur werden kann (siehe auch Massenpsychologie) und warum hierdurch ihre Körperlichkeit ihr wesentlich durch Abstraktion bestimmter konkreter Raum wird (siehe Körper), der ihr Leben und Erkennen ihnen entfremdet (siehe Körperfetischismus) zum Dasein eines abstrakt menschlicher Sinnes, der alle Absichten ausmacht, die die Menschen solcher Kultur verfolgen. | s.a. siehe hierzu auch das Papier
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