Buchstabe Di Im Kontext

Dialektik

Dialektik entstand aus einer Methode der Diskussion, sozusagen als Diskurstheorie des Altertums, wonach ein Redner eine These, eine Position, einbringt, welcher von einem anderen Redner durch eine Antithese, einer Negation, widersprochen wird. In der Deutlichkeit der Entgegensetzung erst - so die Theorie - lässt sich die Beziehung herausarbeiten, die beide Positionen haben und die sie letztlich weiterbringt: Die Synthese.

Die Grundlage dieser Dialektik ist das Verständnis von Kritik, in welchem die Entwicklung einer Diskussion gesehen wird, indem sie nicht nur eine Position von sich unterscheidet, sondern zugleich diese "von einer anderen Seite" her erkennt. Die doppelte Wahrheit einer Kritik, einerseits in der Beziehung auf ihren Gegenstand diesen zu leiden, andererseits ihn nicht leiden zu können, also in der Notwendigkeit zu stehen, sich von ihm zu unterscheiden, gilt als Grundlage jeder Auseinandersetzung und deren geschichtsbildender Wirkung. Im gegenständlichen Bezug diskutierender Menschen wird hiernach die Negation zu einer gegenständlichen Position (siehe Gegebenheit) als die Auflösung einer geschichtlichen Notwendigkeit angesehen.

Dialektik ist im Grunde eine Methode des Widerspruchs. Die Wahrheit von Position und Negation ergibt also zwar eine neue Qualität in der Erkenntnis des Diskutierten, nicht unbedingt aber im wirklichen Sein der Menschen. Die Beziehungen in einer kritischen Diskussion bleiben theoretisch ohne Beziehung zu ihrem wirklichen Dasein und eine kritische Theorie kommt daher auch nicht darüber hinaus zur Analyse einer stofflichen Wirklichkeit. Diese bleibt im bloß theoretischen Verstand bestenfalls Gegenstand einer Ideologiekritik, damit aber in Wirklichkeit zwangsläufig geschichtslos und also interpretativ,

Im wirklichen Sein der Menschen sind konkrete Inhalte bestimmend, welche in eine ihnen äußere Form geraten, wenn sie sich widersprechen. Im wirklichen Widerspruch werden sie sich selbst unangemessen und werden sich von da her in ihrer Form fremd: Sie sind, ohne wirklich zu sein, - sie haben ihre wirkliche Form außer sich. Und das ist eine Form ohne wirklichen Inhalt, Formbestimmung. Solche Entfremdung verlangt das Zurückkommen auf sich in einer neuen Qualität, die Entwicklung des Inhalts durch Aufhebung seines Widerspruchs: Erneuerte Qualität aus der Einheit der Entgegensetzungen.

Die Synthese aus dem, was ist und zugleich so nicht sein kann verlangt nach wirklicher Veränderung, nach anderer Wirklichkeit. Die Erkenntnis, welche die Dialektik als wissenschaftliche Methode in die Wirklichkeit versetzt hat, kommt von Hegel. Es ist die Erkenntnis von Abstraktion als leere Reflexion des Identischen, die zugleich dessen Anderssein als Form für sich begründet als Reduktion auf das bloße Anderssein. Sie wird hierdurch zu dem, was wirklich abstrakt, also in Wahrheit nichts ist. Für Hegel ist das eine quasi onto-logische Erkenntnis, in welcher das Sein sich selbst entgegensteht (siehe Nichts), seiender Widerspruch ist, der in der Nichtung des Seienden seine Geschichte, sein Werden als objektive Notwendigkeit bildet.

Karl Marx entdeckte in der Kritik solcher Ontologie die Verkehrung der menschlichen Geschichte als grundlegendes Geschichtsverständnis eines menschlichen Materialismus: Wie aus der Nichtigkeit einer abstrakten Wirklichkeit eine Qualität entsteht, die nicht wirklich sein kann, die aber die Wirklichkeit bestimmt. So verstanden ist Dialektik eine Systematisierung des Widerspruchs zu einem Zusammenhang von Widersprüchlichkeiten. Darin bestimmt eine wirkliche Abstraktion (Realabstraktion) die Substanz menschlicher Entfremdung und Selbstentfremdung, welche nur durch ihre menschliche Unwirklichkeit objekiv, also für den Menschen subjektiv nichts ist: Wert. Es macht dies unwirklich Wirkliche das Begreifen wesentlicher Beziehungen in der Wirklichkeit aus und zugleich die Erkenntnis, dass es darin einen Widerspruch zwischen Wesen und Erscheinung geben muss, dass es also etwas gibt, was etwas anderes ist, als was es erscheint, etwas, das es nicht und doch ist, ein Wesen hat, das nicht wirklich erscheint, wohl aber in der Wirklichkeit wirkt. Dialektik erweist also eine Wahrheit, die nicht wirklich so sein kann, wie sie ist: Eine unwirkliche Wahrheit. Dies macht die Erkenntnis einer von der Wirklichkeit ausgeschlossenen Wahrheit, welche nur durch ihre Wirkungen begreifbar, aber in ihrer Bestimmtheit unerkennbar ist (siehe hierzu auch Wahnsinn): Die Erkenntnis abstrakt bestimmter Wirklichkeit. Die Dialektik wurde auf diese Weise zu einer gedanklichen und zugleich wirklichen Methode, die Entfremdung des Menschen von seinem Gegenstand, sein abstraktes Anderssein, zu überwinden, theoretisches und praktisches Bewusstsein zusammenzuführen.

Von da her ist also Dialektik nicht mehr eine Theorie des Diskurses (), sondern hat sich in der Philosophie selbst als Form der Erkenntnis einer Wirklichkeit herausgestellt, die nicht so ist, wie sie wirkt. Diese Dialektik ermöglicht die Erneuerung der Erkenntnis durch das Begreifen ihrer abstrakt bestimmten Wahrheit und wird hierdurch zur Erkenntnis eines auf sich konkret zurückkommenden, eines revolutionierendenden Seins

Solche Dialektik wurde von Hegel allerdings nur als Diremtion des Geistes aufgefasst und als Logik des Seins auf all seine Momenee übertragen, als ontologisches Verhältnis der Erneuerung des Seins im Prozess der Weltgeschichte, als Prozesss des Außersichgeratens (Entfremdung) und Zusichkommens des Seins im Fortgang der Geschichte. Im Unterschied zum Monismus des phänomenologischen Denkens, der von der Einheit des in seinem Begriff umschriebenen Seins ausgeht, auf welche alle Vielheit der Wirklichkeit zurückzuführen sei, beschreibt Dialektik eine Bewegung des wirklichen Werdens und des Wirklichwerdens, des auseinander Hervorgehens und des ineinander Übergehens, welchem der Unmöglichkeit des Fürssichseins und Beisichbleibens des Lebensprozesses geschuldet ist - nicht weil das Leben einer Dialektik der Natur nachgehen würde, sondern weil es keinen Ausschluss von sich selbst, keine abstrakte Wirklichkeit, erträgt. Dialektik formuliert von daher eine Naturempfindung, die außer sich geraten ist und ist darin zugleich die Erkenntnis ihrer Entfremdung. Sie allein kann mit ihrer Methode auch den Beweis hierzu liefern, indem die die Formverwandlungen solcher Wirklichkeit als logisch sinnvoll für ihren Abstraktionsprozess erweisen kann. In solchen Prozessen vollzieht sich keine Geschichte, sondern deren Aufhebung: Die Anpassung von Lebensformen an ihren abstrakten Grund und Zweck. In der Erkenntnis dieser Begründung vollzieht sich zugleich die Aufhebung der Selbstentfremdung des Bewusstseins zu einer Wissensbildung des Seienden, die Entdeckung seiner verkehrten Geschichte, die Erkenntnis ihres Begriffs. Hiernach besteht in jedem Begriff des Seins selbst schon der Keim des Andersseins, der sich in einer latenten Entzweiung und Zweiheit erweist, welche sich in der Antithese zur Welt bringt und in der Synthese in einer konkreteren Bestimmtheit auf sich zurückkommt.

Dialektik entspringt einer alten Erkenntnis, die schon von Heraklit auch als Seinsverständnis formuliert war, als die Erkenntnis, dass sich aus dem "Kampf der Gegensätze" Geschichte begründe und diese in einem Fluß des Lebens sich fortbestimme. Aber erst in der Epoche der werdenden bürgerlichen Gesellschaft wurde Dialektik als Denkmethode zum Begreifen von Wirklichkeit genommen, weil diese solches Denken erst wirklich nötig hatte, weil darin die Not formulierbar ist, zu welcher sich die menschliche Entwicklung gebracht hatte: Zur Entfremdung des Menschen von sich, von seinem Gegenstand und von seinem Gattungswesen, von seiner Natur. War bei Hegel noch die Idee die Begriffssubstanz der Geschichte, so kehrte Karl Marx diese um zu einer Abstraktion der Wirklichkeit selbst (siehe Realabstraktion) Damit wurde Dialektik zur praktischen Methode wissenschaftlicher Theorie, zum Fortgang der Analyse in der Synthese durch begründetes Denken (siehe Dialektischer Materialismus).

Obwohl die Prozesse der Natur dem naiven Augenschein – weil voller Wechselwirkungen und Lebensbildungen - dialektisch vorkommen können (z.B. als Verhältnisse der Geschlechter und Generationen oder der Assimilation oder des Stoffwechsels), haben sie damit nichts zu tun, da sie nur bloßes Anderssein, nicht aber wirkliche Negation enthalten. Diese gibt es nur, wo Nichts entsteht, wo also etwas enrtteht, was nichtend ist und durch welches sich eine Form bildet, die sich gegen ihren Inhalt wendet, also im Prozess des Abstrahierens real wirksam wird (s.a. Realabstraktion). Die tiefste Wahrheit der dialektischen Denkmethode liegt darin, dass sie Denken selbst als Tätigkeit menschlicher Naturmächtigkeit versteht, als natürliche Gedankenform menschlicher Sinnlichkeit, als Denkform menschlicher Naturempfindung. Sie formuliert, was menschliche Tätigkeit als Naturmacht menschlichen Geistes, seine Lebenspraxis als Subjekt der Natur ausmacht – gerade dort, wo diese außer sich geraten ist, abstrakt für die Menschen selbst, als selbständige Wirklichkeit gegen sie ist: Entfremdung des Menschseins schlechthin.

Dabei versteht dieses Denken nicht Natur an sich und setzt auch kein Ding an sich voraus. Es formuliert das natürliche Bewusstsein menschlicher Entfremdung und Selbstentfremdung, das Wissen der natürlichen Notwendigkeit, auf sich zurückkommen zu müssen, um Leben entfalten zu können.

Gerade dies macht dialektisches Denken dem bürgerlichen zum Geheimnis, welches doch immer eine selbständig scheinende Objektivität zu bestätigen sucht, sich im Einerseits und Andererseits zwischen Subjekt und Objekt verheddert und sich schließlich zur Natur nur bekennen kann, ein Naturbekentnis als Ontologie abliefert, wo es nicht weiter weiß. Bürgerliche Wissenschaft kann menschliches Sein nicht als natürliches Sein begreifen, vor allem nicht, wo es zu einer verselbständigten Verwertungsmacht des Lebens selbst geworden ist. Auch die Naturwissenschaften folgen dem Naturbekenntnis bürgerlicher Selbstverständlichkeit darin, die Natur selbst zu abstrahieren, sie als vom praktischen Leben abgetrennte Lebenseinheit in Form von chemischen, biologischen oder energetischen Einheiten aufzuklären und die Gesundheit des menschlichen Lebens hiernach zu definieren und abzuleiten. Diese Bekennerschaft mündet zwangsläufig besonders dann, wenn Bewusstsein besonders nötig ist (siehe Krise), in einem reaktionären Bewusstsein. Nur dialektisches Denken kann die Entfremdung des Menschen von seiner Natur als Abstraktion von derselben ausdrücken.

Um diese Entfremdung philosophisch zu erfassen gab es schon vor dem 18. Jahrhundert mehrere Denkansätze, die sich um einen Begriff dieser Entfremdung bemühten. In der Stellung zu ihrem Begriff unterschieden sich schließlich wesentlich zwei dialektische Denkrichtungen: die idealistische (vor allem von Hegel) und die materialistische (von Feuerbach und Marx).

Materialistische Dialektik (siehe Dialektischer Materialismus) unterscheidet sich sich von der idealistischen vor allem dadurch, dass sich ihr eine reale Abstraktion aus dem Widerspruch von Position und Negation in der wirklichen Lebenspraxis der Menschen erschließt, welche in der idealistischen (oder spekulativen) als Idee, als Entwurf des Seins vorausgesetzt wird, die sich darin entzweit und aus der Entzweiuung neue Qualität für sich als ein anderes, konkreteres Sein entwickelt. In der materialistischen Dialektik liegt das Anderssein lediglich im Fortschritt des Begeifens, nicht in der Entfaltung eines Weltgeistes, der in der Weltgeschichte zu sich kommen will.

Die ursprünglichste Entgegensetzung ist die von Subjekt und Objekt, worin das Erzeugende (Subjekt) in seinen Erzeugnissen (Objekte) sich als anderes Sein hervorbringt. In der Zusammenführung mit diesen zu einer Lebenseinheit entfaltet sich Objektivität subjektiv als Lebensvielfalt, worin beides aufgeht, sich zu einem reichhaltigen Leben (siehe Reichtum) ausweitet, Geschichte wird (siehe Historischer Materialismus), sofern sich die Lebensinhalte in der ihnen entsprechenden Form erfüllen, die Inhalte in ihrer Form aufgehen. Ist die Form selbst bestimmt (siehe Formbestimmung), so findet keine Entfaltung, sondern Reduktion des Lebens statt, da sich darin nur seine Inhaltslosigkeit, seine Abstraktion als Begriff der Formbestimmung entfaltet, also das, was ihre bestimmte Substanz ausmacht, welche die Abstraktion betreibt (siehe Begriffssubstanz).

Die begrifflichen Methoden des dialektischen Denkens enthalten immer schon ein Weltverständnis, mit dem sie umgehen. So auch die Frage, ob Dialektik Ursprünglichkeit des Denkens, schlechthin, Naturerkenntnis als Natur der Erkenntnis sei (Engels, Hegel) oder ob sie selbst nur historisch, ein Denken der Aneignung ist, also der Notwendigkeit einer Entfremdung entspringt (Marx). In jedem Fall verlangt Dialektik das Wissen vom Anderssein und ist darin die eigentliche Methode des Denkens, die Aufhebung von Moral, die wesentlich nur sich selbst gerecht werden kann.

Dialektik ist besonders durch Hegel zu einem Denken des Lebens geworden, das seiner Natur auf den Grund und seinem Werden in seiner Entfaltung folgen will. In der Erkenntnis, dass das Denken selbst in der Dialektik des Geistes inbegriffen ist, eröffnete sich für Hegel das noch nicht Wirklichsein des Menschen, die Entfremdung des Menschen von seiner Idee des Menschseins, die er nur in sich trage als göttliche Vernunft. In diesem Begriff entspann er auch die Logik des Begreifens einer Sache, die subjektiv wie objektiv entzweit und im Geist doch schon eins ist. In dieser Entzweiung erfüllt jede positive Bestimmung auch ihr Gegenteil und die Position ist daher von ihrer Negation im Begriff ihrer Ganzheit durchdrungen, der ihre Wahrheit ausmacht und dies ihre Vermittlung und Entwicklung erklärt. Die Gegensätze für sich können ihre Bestimmung nur durch die Substanz ihres Widerspruchs haben. Es ist die Erklärung des Werdens all dessen, was ist: Jedes Ende birgt einen Anfang, der sich bestimmen lässt, weil er die Diremtion (oder Metamorphose) des Untergegangenen ist. Neues kann nur sein, wenn es das Alte in sich trägt und überwindet, also aufhebt (bewahrt und negiert zugleich). Von da her wurde Dialektik zur Erklärung eines Zusammenhangs, der sich geschichtlich so ereignet, wie er auch im Denken vollziehbar ist.

Marx griff den Gedanken der Entfremdung des Menschen als Form seiner Selbstentfremdung auf, kehrte ihn aber gegen den Hegelschen Idealismus, welcher sie nur als Entzweiung des Weltgeistes, und nicht in der Lebenspraxis der Menschen selbst begriff. Er wandte sich gegen die ganze Philosophie, die lediglich ein interpretatives Verhältnis zum Leben bewahrt (siehe Feuerbachthesen zitatup5i3b1 ) und deshalb in wirkliche Arbeit am Bewusstsein und Wissen aufzuheben ist. Erst durch ihn wurde Dialektik das Begreifen eigenen Seins als Einheit des praktischen und theoretischen Bewusstsein im analytischen Denken, in welchem sich der Mensch seiner Sache gewiss und damit erst sich selbst praktisch bewusst wird. Es entsteht somit der Begriff als geschichtliches Begreifen der Lebenswelt (siehe historischer Materialismus), in welcher die Erkenntnis in der vollständigen Entfaltung des Begriffs wirklich sein kann. Hieraus ergibt sich, dass Geschichte und Begreifen umgekehrt verlaufen, die Wahrheit des Ganzen erst am Ende der Geschichte des Begriffs als Begriff seiner Geschichtsepoche steht (siehe Marx zu Aristoteles und der Begründung, warum dieser den Wert noch nicht begreifen konnte).

Dialektik ist so auch zu einer Methode geworden, den Begriff einer Sache in der Darstellung seiner inneren und äußeren Beziehung auf anderes zu erkennen und so die Zusammenhänge des Lebens, das Heraustreiben seiner Formen und Entwicklungsstufen aus den Inhalten seiner Bestimmungen, das auseinander Hervorgehen und Ineinander Verschwinden und sich Bewahrens zu beschreiben. Dieser Darstellung geht das Bewusstsein voraus, dass die Welt nicht das ist, als was sie erscheint, dass Denken und Sein, Reflexion und Position entzweit, Gedanke und Wirklichkeit getrennt und daher Wesen und Erscheinung nur in ihrem identischen Gehalt erkennbar sind, wenn ihre Verkehrung, das Vordringen des Scheinhaften gegen das Wesen als innere Notwendigkeit eines unvollkommenen Ganzen begriffen ist. In der "Einheit des Unterschieden- und des Nichtunterschiedenseins" (Hegel, Logik I, 1970, S. 74) entwickelt sich der Mensch in dieser Selbstunterschiedenheit zu seinem ganzen Sein, das noch nicht ist, aber in allem sein Wesen als Sinn und Geist hat.

Im Unterschied zu Hegel, der die Dialektik als methodische Erfassung des Werdens des Weltgeistes zu einem ganzen System des geistigen Menschen sieht, nimmt Marx die Dialektik als eine Methode, menschliche Entfremdung und Selbstentfremdung als materielle Bewegung der Geschichte zu beweisen. Ihm eröffnet sich so die menschliche Geschichte als das Zusichkommen des Menschen, sein außer sich sein als notwendiger Grund seines Werdens, die abstrakte Vergegenständlichung des menschlichen Reichtums als Wirklichkeit menschlicher Gesellschaft, deren Unwirklichkeit zu erkennen heißt, den "Traum einer Sache" zu begreifen.

Marxistische Dialektik hat keine Idee in ihrer Unwirklichkeit zwischen Sein oder Nichtssein zur Grundlage ihres Werdens, sondern das menschliche Leben, das von tödlichen Kräften beherrscht ist, und sich darin entwickelt, dass die wirklichen Menschen sich gegen die Nichtigkeiten ihres Lebens emanzipieren. Hier erst wurde Dialektik zu wirklich menschlichem Denken, da sie das Wissen als Prozess des Lebens selbst äußert, theoretische Sinne mit praktischem Sinn vollzieht, die sich in ihrer Geschichte darin erweisen können (siehe Beweis), wie sie ihre Gedanken in ihrer Wirklichkeit erkennen und also Leben auch enthüllen, wo es in toter Form ist.

"Das Leben mag sterben, aber der Tod darf nicht leben" hat Marx geschrieben und in seiner ganzen Theorie die Beziehungen und Entwicklungen herausgearbeitet, in denen Totes Lebendes beherrscht, weil und solange das Lebende seine Vernichtung nicht erkannt und sich ihm nicht wirklich widersetzt hat. Diese Dialektik weiß, dass menschliches Leben erst wirklich sein kann, wenn menschliche Gesellschaft verwirklicht ist. Bis dahin herrscht der Schein: Geld, das gesellschaftliche Beziehungen unterhält und entwickelt, die menschliche Beziehungen negieren und verbrauchen (siehe Warenfetischismus). In seiner Entwicklung hat es sich als Mittel seiner Herkunft, dem Warentausch, mächtig überstellt und sich zum Herrschaftsmittel toter Arbeit über die lebende gebracht (siehe Kapital). Im Widerspruch vom allgemeinen Sein des Produkts als Wert- und Verwertungssache, im Widerspruch seines konkret einzelnen und seines abstrakt allgemeinen Daseins, vollzieht sich die Entfremdung des Menschen von seinem Sein im Dasein seiner Produkte. Marxistische Dialektik ist also sowohl die Erkenntnis der Entfremdung, des Andersseins des Menschen, wie auch die Wissenschaft von ihrer Aufhebung.

In der Wissenschaft wurde sie so zu einer Methode, mit der sich Formverwandlungen von Begriffswirklichkeiten erklären lassen (siehe Formbestimmung), weil sie die Erkenntnis der Substanz der Formvermittlung (z.B. abstrakt menschliche Arbeit) als Verdichtung ihrer menschlichen Grundlagen enthält. Es ist keine Methode, die von der Getrenntheit von Subjekt und Objekt schon apriorisch ausgeht und Objektivität in voraussetzungsloser Anschauung betrachtet und untersucht. Sie beruht geradezu darauf, das auseinander Hervorgehen als Grundlage der Erkenntnis gegenständlicher Welt zu begreifen, Objektivität also als menschliche Gegenständlichkeit wie menschliche Entwirklichung in einem zu begreifen und diesen Widerspruch auch als Ausgang ihres Erkenntnisinteresses anzusehen, aus welchem der Begriff gesucht wird, das Begreifen des Ungreifbaren, der Hintersinn eines Zusammenhangs.

Die Dialektik des Begriffs macht das Wissen eines ganzen Zusammenhangs. Sie beruht auf dem Wissen der Position, die sich in ihrer Negation vermittelt. Sie ist positives Wissen, das auch sein vermitteltes Sein und sein Vermitteltsein umfasst, Wissen einer Ganzheit, die auch im Gewordenen ihr Werden enthält. Im Begriff geht das Positive in ein anderes über, indem es sich selbst unterscheidet, sich negiert. Negation ist das von einer Position Ausgeschlossene, das einem Zusammenhang zugehörige, das ausschließlich für sich ist (siehe auch Isolation). In ihm zeigt sich die Wahrheit des Zusammenhangs in der Vermitteltheit des Ausgeschlossenen, von welchem positiv abgesehen ist (siehe Abstraktion). In der Vermittlung selbst setzt sich der Logik des Zusammenhangs folgend das Negative als ein anders Seiendes, in welchem das Wesen der Position sich als ein verändertes Wesen äußert. Der Kern jeder Dialektik ist die Ganzheit des Zusammenhangs, die ganze Wahrheit eines Begriffs. Er ist die ganze Vermittlung, worin das Positive auch in seiner Negation bewahrt ist als etwas Ganzes, das an und für sich ein ganzes Sein ausmacht, das allerdings wiederum eine Position für ein anderes Sein ist. Hieraus besteht die Triade des dialektischen Denkens, der Dreischritt des Werdens und Gewordenseins eines geschichtlichen Zusammenhangs, welcher in seiner selbständigen Form zu begreifen ist.

Alle andere Wissenschaft führen ihre Beweise nur auf einer Ebene der Anschauung und kennen daher keine Verkehrung von Wesen und Erscheinung, keinen Hintersinn, den es zu ergründen und zu begreifen, also begrifflich zu erfassen gelte. Der Phänomenalismus bleibt auf der Ebene von Wenn-Dann-Beziehungen und leitet die gesetzmäße Verbindung bestenfalls aus der Beziehung von Ursache und Wirkung ab, inzwischen meist nur noch mit rein quantitativer Substanz von raumzeitlicher Zuordnung (Signifikanz der Varianz von Ereignissen). Die Schlussfolgerungen resultieren somit weitgehend aus den Hypothesen, welche einer Untersuchung solcher Beziehungen vorausgestellt sind, also aus einem in einer Fragestellung formulierten Vorwisen, aus außerwissenschaftlichem Wissen. Als Kriterium der Beweisführung könnte durch solche Subjektivität z.B. ohne weiteres "bewiesen" werden, dass Kinder vom Storch abstammen, wenn die Reduktion der Geburten mit der Reduktion der Störche signifikant korreliert (das war in den siebziger Jahren bestimmt der Fall).

Dialektik erkennt die Beziehungen der Erscheinungswelt durch ihre wesentliche Begründetheit vermittelt, also den Unterschied von Wesen und Erscheinung, welcher im Begriff zusammenfindet. Daher ist der Begriff nur in der Ermittlung der Wirkungszusammenhänge der horizontalen (Erscheinungs-)Ebene durch ihre vertikale Beziehung von Grund und Folge auszumachen als die Konkretisierung abstrakter Allgemeinheiten in den Besonderungen des Begriffenen. Dessen Wahrheit erweist sich in dem auseinander Hervorgehen von Wirklichkeiten als Verwirklichungen des Begriffs, seiner Substanz, die sich darin Gestalt gibt.

Die Dialektik von Form und Inhalt entsteht in der Not, welche substantiell und konkret ist, und die sich in einer Form allgemein setzt, die ihrem Inhalt widerspricht. In ihr reflektiert sich die Not des inhaltlichen Mangels (z.B. seine Zusammenhanglosighkeit) und bestimmt eine Form, welche sich aus ihm als anderes Sein heraussetzt (Formbestimmtheit). So entsteht in der konkreten Not eine notwendige Folge zur Absehung, zur Abstraktion von ihrer spezifischen Allgemeinheit zu einer entäußerten Allgemeinheit, die notwendig in der Fortbestimmung des Konkreten zu einer Macht der Allgemeinheit wird.

So zeigt Marx z.B. in seinem Buch "Das Kapital" die notwendige Folge vereinzelter Produkte einer gesellschaftlichen Arbeit auf, die als Waren über ihren Wert gesellschaftlich sind, wenn sie getauscht werden. Damit erfährt das gesellschaftliche Arbeitsprodukt, der menschliche Reichtum, zwangsläufig eine Realabstraktion über seine Existenzform, die sich aus deren Substanz, also aus der Substanz ihres Tauschakts ergibt und das Produkt als Existenzform abstrakt menschlichen Arbeit bestimmt. Aus der Entfaltung dieser Abstraktion als Form, als reine gesellschaftlich durchschnittliche Arbeitsszeit, ergibt sich ein ganzes System von selbständigen und gegensinnigen Wirklichkeiten, welche nur in einer dialektischen Theorie nachgezeichtnet werden kann.

Dialektik ist historisch das Wissen von Entfremdungszusammenhängen, insofern sie die Gründe konkreter Verhältnisse in Realabstraktionen erkennt.

Der wesentliche Unterschied der materialistischen von der idealistischen Dialektik entscheidet sich im logischen Anfang von Sein und Nichts. Bildet bei Hegel das Nichtsein den logischen Grund der Selbstunterscheidung, den Entschluss der Idee zu ihrem Sein und ist dies somit die Grundlage des Werdens, also aller Geschichte, so kann Geschichte nur die Erfüllung dieser idealen Setzung sein und sich zur Totalität des darin keimenden Geistes entfalten. Der Geist erscheint als der Entschluß gegen den Ungeist. Marx kritisiert dies als spekulative Theologie und setzt dem das materielle Geschichtlichsein des Menschen entgegen, durch welches sich die Spekulation erst erklärt: Das Sein, das den Grund seines Werdens noch außer sich hat und damit zugleich außer sich nichtig bestimmt, also beherrscht ist von dem, was es hierfür Wert hat. Die Herrschaft des Wertverhältnisses ist dabei nicht metaphysisch, sondern historisch, Begriff einer Epoche und zugleich Begriff ihrer Formbestimmung, ihres geschichtlichen Mangels, der sein Werden im Keim enthält und dazu treibt, seine Epoche zu erfüllen und zugleich zu überwinden. Alle "bisherige Geschichte war eine Geschichte von Klassenkämpfen" und hat sich durch die Entwicklung der Produktivkräfte im Kapitalismus an die Schwelle zur klassenlosen Gesellschaft, dem Kommunismus entwickelt, der die Entfremdung des Menschen von sich und seiner Gattung aufhebt.

Solange diese wahre Verwirklichung der Geschichte nicht stattfindet, leben die Menschen in der Abstraktion von ihren Lebenskräften fort und betreiben die Entwicklung ihres Reichtums als Verarmung ihres Lebenszusammenhangs bis in die Barbarei des allgemeinen wechselseitigen Nichtigsetzens (siehe Konkurrenz), dessen gesellschaftliche Allgemeinheit zur Ohnmacht des Menschseins werden muss, solange sich die Menschen dem nicht zu widersetzen vermögen. Das Nichts ist hier die Abstraktion vom Seienden, das sich in seiner Entfaltung aufhebt, wenn und solange es seine Verwirklichung als Umschlag seiner Epoche nicht erfährt, solange also die Produktionsmittel als Privateigentum, als Besitz einiger Wenigen gegenüber der Masse der reichtumschaffenden Menschen existiert. Die logische Bewegung hat hierbei in der abstrakten Gegenwart des Seienden seinen Ausgangspunkt und die Notwendigkeit seiner Entwicklung als Sache, die nicht menschliche sein kann, sondern als Ware bloß Wert ist und Wert hat und Wert entfaltet (z.B. als Wert und Wertgesetz: "So ist denn alles was entsteht, nur wert, dass es zugrunde geht" Mephisto in Faust).

Friedrich Nietzsche hat solche Dialektik in sich zurückgenommen und zur Widersinnigkeit des Lebensprozesses selbst gemacht, die formlos und wesenhaft im invididuellen Menschen wie im allgemeinen sein Dasein unmittelbar und in keinerlei Vermittlung ausmacht. Bei ihm verhält sich der Mensch ausschließlich zu sich und in sich selbst dialektisch im Einzelnen allgemein wie allgemein Einzeln unmittelbar, also mittellos, zwischen seinen Wahrheiten und Lügen, die keinerlei Objektivität haben müssen, um zu sein, keine Gesellschaft und daher auch keine Rückbeziehung auf das Individuum. Bei ihm ist Selbstentfremdung menschliche Schwäche, die für sich keinen Sinn hat. Die dialektische Bewegung entsteht bei ihm erst jenseits hiervon in der Überhebung vermittels einer hiergegen gestellten Kraft: In einer Selbstverstellung des Menschen, der sich als Not leidendes Wesen darin aufhebt, dass er seine darin gründende Selbstverachtung in der Selbstverantwortung aufzulösen sucht. Das Leiden selbst gerinnt bei ihm zur Unterwerfung. Das Christentum sei besonders dadurch verächtlich, dass es den Leidenden am Kreuz anbetet und verherrlicht, anstatt ihn als einen Überwinder des Leidens zu erkennen. Der Mensch könne sich nur erkennen, indem er den Wahnsinn seiner Verzweiflung in der Welt zu seinem Antrieb hiergegen setzt und sich an seiner Herrlichkeit bemisst. Nietzsches Dialektik will eine unmittelbare Dialektik gegen Selbstentfremdung sein, die bei ihm nur im Menschen selbst stattfindet. Sie will eine Anmaßung gegen Gott sein, in der alles Metaphysische zugleich aber eine eigentliche, eine hintersinnige Wahrheit bleibt, die hart erkämpft werden muss. Sie treibt die Menschen in den Kampf der Rassen, der Horden und Herren, bildet Geschichte zwischen Aufstand und Dekadenz, in der sich der Selbstzweifel des Menschseins bewegt, selbstvergessen und selbstbehauptend in der Unmöglichkeit, die Egozentrik des menschlichen Verstandes und die Geozentrik seines Weltbildes aufzuheben. Solche Dialektik bewegt sich daher im Intellekt der Lüge von sich selbst, welche einzige Wahrheit ist, notwendiger Widerspruch zwischen Kunst und Verstand, im Spiel mit dem Ernst und um ihn. Sie muss im Streben aus der Nichtigkeit zum Willen finden und Macht im Übermenschlichen schlechthin suchen. Es ist nicht zufällig, dass Nietzsches "Dialektik", die sich nur im Menschen bewegt, ihre Auflösung und Form im Nazismus bekam (siehe hierzu auch Heidegger).

s.a.

=> Monismus

=> Negative Dialektik

Ein Überblick über das Hegelsche System der Dialektik:

http://www.hegel-system.de/de/d0.htm

quelleup5a1a2 zur dialektische Methode bei Marx
quelleup5a27g1 Negative Dialektik
quelleup5a27o1 Theorie vom "falschen Leben"
Erlautup1b zu Dialektik
zitatup5a1b1a Dialektik bei Marx und Hegel
webup1a1a1a Begriff im Netz (Google-Suche)
 

Dialektischer Materialismus (Diamat)

Der Dialektische Materialismus wird gerne mit dem historische Materialismus (kurz: Histomat) verwechselt, wie er von Marx entwickelt worden war. Er versteht alle Entwicklung, sowohl in der Natur wie auch im Menschen und seiner Gesellschaft selbst in einem unmittelbar dialektischen Prozess der sinnhaften Materie (etwa wie Feuerbach) und nimmt diese als unmittelbar objektive Realität, wie sie sich angeblich aus der Natur heraus schon ergeben würde als Entfaltung ihrer Logik, wie sie etwa im Darwinismus verstanden wird. Im Unterschied hierzu versteht der historische Materialismus von Marx die Welt sowohl als Resultat wie auch als Bedingung menschlicher Lebenspraxis, den Menschen als Subjekt einer Natur, aus der er geworden ist, wie er zugleich ihre Verwirklichung selbst erst betreibt. Die Geschichte ist demnach selbst eine Vermenschlichung der Natur, eine Sinnbildung der Natur in der Sinnesgeschichte der Menschen, welche ihre jeweilige Entwicklungsstufe als Entwicklung ihrer Bedürfnisse und der Erzeugung der Mittel ihrer Befriedigung (siehe Produktivität) ausmacht.

Der Begriff Dialektischer Materialismus wurde von sowjetischen Wissenschaftlern und Parteifunktionären als systematische Zusammenfassung der Grundlagen einer vermeintlich marxistischen Erkenntnistheorie geschaffen und von Lenin und besonders Stalin als Wissenschaftstheorie des Marxismus behandelt (vergl. Stalins Schrift „Über den dialektischen und historischen Materialismus“). Obwohl von diesen der historische und der dialektische Materialismus (Diamat) als Begriff unterschiedslos verwendet wird, will der Diamat doch im Unterschied zum historischen Materialismus besagen, dass die Welt selbst als ein dialektisches Verhältnis der Materie zu verstehen sei, also selbst schon die dialektische Verwirklichung einer seinslogischen (siehe Ontologie) Materiatur ist. Das hat massive Konsequenzen für das implizite Menschenbild, gilt der Mensch selbst hierbei durch eine Natur als rein stoffliche Grundlage seiner Geschichte schon objektiv bestimmt und nicht mehr als sich selbst produzierendes Wesen der Natur, nicht mehr als wirkliches Subjekt seiner Geschichte als sich erst verwirklichendes Naturwesen, als ein sich aus seinen naturhaften Notwendigkeiten selbst befreienden Naturwesens (siehe hierzu auch den Begriff der Arbeit).

Auch das Gesellschaftsverständnis wurde damit objektiviert zum Begriff einer materiell notwendigen Produktionsform, also zu einer Produktionsform, worin die Menschen sich nicht durch ihre Bedürfnisse und hierdurch das Mittel ihrer Arbeit bestimmen, sondern von der "Notwendigkeit ihrer Natur" dazu bestimmt seien, ihre Produktion "als Pflicht gegenüber ihrer Naturnotwendigkeit" zu gestalten. Der befreiende Inhalt des Marx'schen Emazipationsverständnis, welches im historischen Materialismus formuliert ist, wird hier verkehrt zur Verabsolutierung einer gesellschaftlichen Naturnotwendigkeit, welche aller gesellschaftlichen Auseinandersetzung über Bedürfnisse und Arbeitsaufwände vorausgesetzt sei, und also auch solcher Notwendigkeit selbst gebeugt ist. Die Bedürfnisse der Menschen werden daher im Diamat von ihrer Natur als bloß materielle Notwendigkeit getrennt und die Auseinandersetzung hierüber selbst einer Naturdoktrin unterworfen. Nicht die Menschen verwirklichen in der Befassung mit ihren Bedürfnissen und deren impliziten Aufwendungen (arbeit) ihrer Natur, sondern sollen durch ihre Natur selbst schon zur Arbeit gezwungen sein, die dann eine "Notwendigkeitsverwaltung", also in der Regel ein Staatsapparat zu organisieren hat.

Ein großer Fehler im Verständis der Beziehung von dialektischem und historischem Materialismus entstand durch die Gleichsetzung von beidem. Es kann Geschichte als Auflösungsprozess gesellschaftlicher Widersprüche nicht zugleich Grund zur Lösung derselben sein. Die Dialektik eines Widerspruchs macht zwar Geschichte, wenn er aufgelöst wird, aber Geschichte begründet sich nicht aus Dialektik. Durch solche Auffassung wird das Verhältnis von Geschichte und Begriff verkehrt und zur Geschichtsdoktrin, zu einem Geschichtsdeterminismus, aus welchem geschichtliches Verhalten begründet wäre, ein Heilsprinzip, das seiner geschichtlichen Erlösung harrt. Das war z.B. mit der "geschichtsbildenden Funktion" des Proletariats so geschehen, das als Avantgarde die stellvertretende Funktion für eine gesellschaftliche Geschichte mit einer "Diktatur des Proletariats" bekommen sollte. In letztrer Auffassung wird Marxismus reaktionär und ist zeitweise auch tatsächlich so angewandt worden (siehe hierzu "Probleme des Marxismus").

Als eine andere Weise der Interpretation des "Dialektischen Materialismus" war die Widerspiegelungstheorie entstanden, wonach alles Sein unmittelbar und ausschließlich materiell und das Bewusstsein bloße Reflexion hiervon sei. Dies allerdings würde - konsequent gedacht - Reflexion selbst, also das Nachdenken über die Formen des Seins zu einem Moment der Dialektik machen und damit entgegenständlichen. Implitzit wäre hieraus - zumindest in diesem Sprachgebrauch - zu folgern, dass Erkenntnis selbst Moment der Dialektik wäre und also die Negative Dialektik von Adorno ihr höchst revolutionärer Begriff sei. Dem hat Marx vielfach widersprochen und Erkenntnis als freie Beziehung zu den Verhältnissen, welche Gegenstand und Inhalt des Bewusstseins sind, angesehen. Menschen sind letztlich auch frei, gegen sich selbst zu denken. Und das tun sie auch zur Genüge. Nur von daher begründet sich Wissenschaft und das Nachdenken über Wahrheit und ihre Schlüssigkeit. Und aus eben diesem Grund auch drückt sich Adorno vor wissenschaftlicher Analyse und fällt zurück in eine Theologie der Negation.

Einen großen Einfluss hatte der Dialektische Materialismus auf die sowjetischen Behavioristen (z.B. Pawlow und Leontjew), die bestrebt waren, alle menschlichen Wesenszüge aus einer naturhaften Dialektik zu erklären, welche aus Widersprüchen Gegensätze machte, die sich durch Aufmassung wie von selbst zu einer "neuen Qualität" auflösen würden ("qualitativer Sprung"), ohne hierbei eine widersprüchliche Negativität in ihrem Innern überhaupt zu vollziehen. Das ist ein positivistisches Dialektikverständnis, das auch heute noch von Psychologen wie z.B. Klaus Holzkamp in seiner "Grundlegung des Psychischen" angewandt wurde.

s.a.

=> historischer Materialismus

siehe hierzu auch "Probleme des Marxismus"

Dichte

Die Dichte ist die Beziehung in einer Masse, die eine innere Anziehung durch ihre bloße Körperlichkeit hat. Als solche ist sie immer Form von Sinn, aus ihm bestimmt. Erst in der Absehung hiervon, in der Unbezogenheit, der Selbständigkeit einer Masse wird Dichte zu einer Anziehung, die sich gegen ihren Inhalt bestimmt, zu Nähe, die sein muss, um nicht inhaltslos zu sein (siehe Nichts), Nähe, die sonst abstoßen würde. Dichte löst in ihrer Selbständigkeit, in ihrem abstrakt werden und abstrakt sein jede einzelne körperliche Bestimmtheit in ihre Form auf und entledigt sie ihrer Inhalte, indem in der Verdichtung alle Formen sich angleichen, im Prinzip gleich werden und füreinander gleichen Inhalt bekommen. So verdichtet dieser ist, so konzentriert ist auch seine Abstraktion bis zur Gleichgültigkeit gegen jeden konkreten Sinn. Verdichtete Sinnlichkeit bekommt ihren Sinn in abstrakter Körperlichkeit (siehe z.B. Körperkult), in welcher alles Körperliche Sinn hat, wenn es sich körperlich nur entspricht, sich angleichen kann. In der Dichte körperlicher Nähe verdurchschnittlicht sich die Wahrnehmung zur Gewohnheit. Und daher hat in der Dichte anwesender Körperlichkeit der abstrakt menschliche Sinn sein Quantum und Maß als Größe der Sinnesnähe. Diese steckt in allen Formbestimmungen der Leidenschaften und macht auch das Leiden einer Sinnlichkeit aus, die vor allem auf bloßer körperlicher Anwesenheit gründet: Die Kultur zwischenmenschlicher Beziehungen.

In der Dichte verdichtet sich diese zu einer körperlichen Erlebensweise, deren Wirklichkeit aus den Wirkungen entsteht, welche sich körperlich darstellt, wirkliche Körperlichkeit ist. Das hat nichts mit dem Körper als solchen zu tun - der wäre so nur eine ontologische Tatsache. Es begründet sich darin, dass Körper menschliche Beziehungen ausdrücken, dass sie Form hiervon und hierfür sind, dass also die Dichte der körperlichen Anwesenheit diese Beziehung selbst formuliert, was immer ihren Sinn ausmacht. Indem die Menschen ihre Sinne darin beziehen, hat ihre Beziehung in der Körperform ihren Sinn, der von ihnen auch in dieser Form wahrgehabt wird. Sofern sie sich nur über ihre Wahrnehmungen beziehen, wissen sie zunächst nur in dieser Form, was darin wahr gehabt ist. Sie kann Angst machen, Freude entzünden, süchtig machen usw. - je nachdem, was die Wahrheit ihrer Beziehung ist Es ist die Form des Körpers unmittelbar menschlicher Beziehungsraum und darin vermittelter Lebensausdruck desselben. Von daher bildet sich auf dieser Stufe der ursprünglichste Sinn des praktischen Bewusstseins., die Anschauung des Lebens, wie es in seiner unmittelbaren Vermittlung erscheint. Darin bildet sich also die Lebensanschauung, wie sie grundlegend für Lebenshaltungen ist.

s.a.

=> Masse

=> Verdichtung

siehe hierzu auch das Papier
"Lebensangst und politische Kultur"

Systemup6b Dichte der Anwesenheit

 

Dichtung

Dichtung und Wahrheit stehen keinesweg im Gegensatz; Dichtung ist oft nur verdichtete Wahrheit, konkretes Gewahrsein, Sinnbildung eines wahren Gehalts, eines Hintersinnes, der für sich nicht zur Erkenntnis gelangen würde, unerkennbar wäre. Von daher ist Dichtung die wesentliche Arbeit jenes Denkens, das Substanz erkennen muss, wo kein Inhalt gewiss ist, weil die Dichte der Form bestimmend ist.

Dichtung ist ein in seiner Substanz konzentrierter Gedanke, dem allerdings auch alle Vermittlung genommen ist - es ist ein ermittelter, kein analytischer Gedanke, der Kern einer Wahrheit jenseits aller Wirklichkeit. Dieser kann für die Erkenntnis gefährlich werden, wenn er nicht rückvermittelbar ist, wenn er sich zu einer Selbsterkenntnis verdichtet, die keine Welt mehr hat. Dann ist der Gedanke so verdichtet, dass ein Mensch damit nicht leben kann, weil er Form für sich wird, sich nur jenseits aller Beziehungen erkennt und seine Isolation als einen ungeheuerlichen Schmerz im Brennpunkt seiner Seele leiden muss. Gedanken werden so zu Ereignissen, Reflexion und Wirklichkeit ununterscheidbar. Die tief vermittelte Erkenntnis zu einer Pfütze der Selbstwahrnehmung, zum Produkt einer Selbstabstraktion.

s.a.

=> Dichte

=> Verdichtung

Dienstleistung >> Weiterleitung zu DIE

Dienstleistungsgesellschaft >> Weiterleitung zu DIE

Diktatur des Proletariats

Einer der folgenschwersten Fehler der Widerstandsbewegungen (siehe auch Widerstandskultur) im 19. und 20. Jahrhundert war der Begriff der "Diktatur des Proletariats". Er war als Kampfbegriff der Arbeiterbewegung schon virulent, bevor ihn auch Marx und Engels aufgenommen hatten und wollte in der Konfrontaion zur Diktatur des Kapitals dieser die Diktatur der Arbeit entgegenhalten, um einen geschichtlichen Aufhebungprozess von Diktatur überhaupt in einer geschichtlichen Dimension zu beschreiben, die zu einer klassenlosen Gesellschaft, zu einer Gesellschaft ohne Klassenkampf führt.

Doch solcher Geschichtsobjektivismus brachte die Positionierung eines geschichtlichen Subjekts mit sich, das aus der Arbeit bestimmt ist, also aus einer Notwendigkeit, die selbst von den Bedürfnissen der Menschen getrennt zu verstehen wäre, quasi als Naturnotwendigkeit, als objektives Sollen des Stoffwechsels der Menschen mit ihrer Natur, die dann mit einem naturhaften Stoffwechsel des Menschen überhaupt gleichgesetzt wäre. Es wäre demnach das Bedürfnis nicht als bestimmender Inhalt der Arbeit und Natur der Menschen begriffen, sondern die Arbeit als schlichte Notwendigkeit, die keine Freiheit kennt. Dies entsprach aber eher dem Verstand der Aufklärung als der des historischen Materialismus von Marx.

Da dieses Verständnis allerdings innerhalb der politischen Diskussionen der Arbeiterbewegung auch von Marx verwendet worden war, führte es in der gesamten Marx-Rezeption der Arbeiterbewegung zu eklatanten Missverständnissen. Was darin gemeint war als Entgegnung zur "Diktatur des Kapitals", welche als politischer Zweck einer geselschaftlichen Revolution skandiert wurde, als notwendig konträre Position im Klassenkampf des 19. Jahrhunderts, welche in der Konfrontation zum Kapital als Bestimmungsmacht der Arbeit aufgehen sollte, als ursprüngliche Macht der Produktion innerhalb des Klassenverhältnisses, wurde damit selbst zu einer übergeschichtlichen und übernatürlichen Bestimmung, die sich über jedes menschliche Bedürfnis stellte.

Anstelle von diesem Inhalt der Arbeit wurde damit ihre Form innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft als Klasse der Negation des Kapitals fixiert und damit eine Kapitalismusimmanente Gewalt selbst zu einem Subjekt der Transformation bestimmt, das seine eigene Kraft bewahrheitet und darin zur Aufhebung des Klassenkampfs, zu einer Gesellschaft treibt , in der kein Diktat herrschen kann und also auch kein Klassenkampf mehr sein muss. Es war als Formuleirung einer objektiven Geschichtsdialektik gemeint, die aussagen sollte, dass die Herausarbeitung des Proletariats als wirkliche Bestimmungsmacht der Geschichte in der Negation des Kapitals auch die Negation der Negation, also die Aufhebung der Diktatur des Proletariats und damit des Klassenkampfs überhaupt verwirklicht wird. Der Prozess der Konfrontation der Diktaturen konnte also nichts anderes besagen, als darin Diktaturen untergehen, weshalb das Proletariat im Kampf der Klassen seine bestimmende Macht artikulieren muss - allerdings nicht, um an die Macht zu kommen, sondern um den Entstehungakt der klassenlosen Gesellschaft selbst zu formulieren. Aber auch Marxens Formulierungen waren zeitweise sehr von den Redewendungen seiner Zeit bestimmt, so dass es auch vorkommt, dass er den Begriff des französischen Sozialisten Auguste Blanqui von der "Diktatur des Proletariats" - z.B. in den Randglossen zum Gothaer Programms - als Kampf- und Agitationsbegriff verwendet hatte. Gemeint war damit nicht die Position eines Begriffs übergeschichtlicher Geschichtsbestimmung, sondern eine geschichtliche Notwendigkeit, das Bürgertum mit seinen Besitzständen in Ökonomie, Kultur und Staat zu entmachten, um die darin beschränkten und beherrschten gesellschaftlichen Beziehungen auch gesellschaftlich und international zu verwirklichen. In dem Sinne ist diese Redewendung zu verstehen, wie Marx im "Kommunistischen Manifest" geschrieben hatte:

"Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution zittern. Die Proletarier haben nichts in ihr zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen. Proletarier aller Länder, vereinigt euch!" (MEW 4, S. 493)

Ohne das Verständnis von dialektischer Formulierung hatte dies allerdings - besonder bei Lenin und Stalin - zu dem Missverständnis geführt, dass eine Diktatur des Proletarialts tatsächlich anzustreben sei, als müsse eine selbständige geschichtliche Epoche als Negation der vorausgehenden, der Diktatur des Kapitals, sich auch wirklich ereignen. Dies jedoch ist schon vom Verständnis der Dialektik her völllig unsinnig: Sie kann sich immer nur auf das Ganze einer Epoche beziehen, nicht Geschichtsepochen hintereinander definieren. Solche "Dialektik" wäre ein Unding, ein Geschichtsdeterminismus, der nicht geschichtliches Denken zuließe, sondern einen Begriff behaupten würde, welcher selbst Geschichte zu bestimmen hätte - ganz im Widerspruch zum historischen Materialismius, wonach sich der Begriff nur als notweniges Ganzes einer Geschichte und als Begreifen, als begriffenes Wissen, als Bewusstsein ihrer Veränderung herausstellen kann, nicht aber als übergeschichtliche Notwendigkeit eines dialektischen Materialismus, aus welchem heraus sich Geschichte zu begründen hätte.

Aber aus der Gleichsetzung von dialektischen und historischem Materialismus heraus war Geschichte tatsächlich deterministisch verstanden worden, als es in der russischen Revolution mit diesen Begriff zusammen mit den "ewigen Wahrheiten des Marxismus-Leninismus" ging und die Arbeiterklasse in der Form einer Führungspartei als Avantgarde der gesellschaftlichen Entwicklung begriffen wurde - fatal, was den Marxismus als Bewusstsein menschlicher Emanzipation betrifft. Es war das geistige Begräbnis einer Bewegung, die sich gegen die Herrschaft des Bürgertums gewendet hatte, nicht gegen ein Feudalsystem, wie es der russische Zarismus war. Eine Klasse kann weder zur Bestimmung der Geschichte zu einer klassenlosen Gesellschaft taugen, noch als Moment dieser Geschichte mehr sein als ein Relikt der alten Gesellschaft. Aber sie kann dem Inhalt nach die Momente einer neuen Gesellschaft in sich tragen, welche in der Lage ist, die Formen der alten zu sprengen - so wie auch die Technologie auf der Seite des Kapitals rein sachlich auch Moment seiner Überwindung ist.

Bei Marx war kein Geschichtsobjektivismus angelegt, als er in der Verwendung des Begriffs "Diktatur des Proletariats" formuliert hatte, dass das Proletatiat die Kraft in sich trägt, die Fesseln der alten Gesellschaft zu sprengen. Bei Marx war dies als Moment der Revolution, als objektive Notwendigkeit aufgenommen, - als Teil eines geschichtlichen Prozesses, in welchem sich Bourgeoisie und Proletariat gegenüberstehen, sozusagen als dialektische Antithese in der Bildung einer sozialistischen Gesellschaft, die sich "objektiv" zu einer klassenlosen Gesellschaft entwickeln müsse. Eine subjektive Wendung hin zu einem Faschismus, eine Logik der schlechten Negation, war ihm nicht denkbar, eine Verherrlichung des Todes, welche die Faschisten zum Teil als subjektiven Antrieb hatten, kam bei Marx lediglich als Barbarei, als Ungeschichte. Mit einer Blindheit vor der Geschichte negativer Subjektivität war auch die Linke, die sich auf Marx bezog, geschlagen. Nur so konnte die Geschichtsauffassung sich halten, dass das Leben in jeder Form weitergeht, auch wenn es "vorläufig" über eine Gewalt des arbeitenden Subjekts sein müsse, bis dieses selbst zur Gesellschaft geworden, zur kommunistischen Gesellschaft. Und dieses sei nach den Grundlagen des Marxismus nun mal das Proletariat.

Es gibt auch keinen objektiven Grund, warum sich aus einer Diktatur, welche zugleich als politische Form einer entwickelten Industrie gedacht ist, eine Menschwerdung der Gesellschaft (Kommunismus) ergeben soll. Wäre behauptet, dass das Proletariat in der sozialistischen Gesellschaft Mensch im Unterschied zum nicht arbeitenden Menschen ist, wozu dann Diktatur? Wäre behauptet, dass die Diktatur das politische Streben der Menschwerdung enthielte, dem die Menschen durch Politik folgen sollten, wozu dann die Kritik der politischen Ökonomie? Der Begriff der Diktatur zergeht im Widerspruch von politischer und ökonomischer Emanzipation, von Staat und Avantgarde, von Partei und Ganzes. Wäre die Politik nur die Bekämpfung der überkommenen Gesellschaftsform, so wäre keine Diktatur nötig, sondern die Entfaltung der neuern Gesellschaft; wäre die Politik nötig als Konstitution einer neuen Ökonomie, so wäre sie nicht Emanzipation, sondern Diktat der Zukunft gegen die Gegenwart (also Herrschaft des Todes und nicht Verwirklichung des Lebens). Der Bogen, den revolutionäre Dialektik beschreiben will, ist in einem Widersinn überspannt. Das hatte einige Folgen:

a) Der Begriff einer gesellschaftlichen Schicht wurde zum Klassenbegriff. Proletariat bezog sich ursprünglich auf Armut. Über die Logik des Kapitals ist Armut zwar ein Phänomen des Reichtums an Kapital und Mehrprodukt in der bürgerlichen Gesellschaft, aber nicht mit dem arbeitenden Subjekts identisch. Dieses besteht aus allen Momenten der Arbeit, die in alle gesellschaftlichen Bereiche und Schichten streuen, nicht nur in Kopf- und Handarbeit. Das Subjekt der Gesellschaft konnte daher niemals aus der Armut in der Aneignung des Reichtums entstehen, sondern in der freien Vergesellschaftung der Arbeit, die zugleich eine Vergesellschaftung des Reichtums sein muss. Diese Logik des Kapitalismus hat Marx ja auch hinreichend bewiesen und den den Untergang der bürgerlichen Gesellschaft selbst als Moment der Subjektwerdung des Menschen aufgefasst, wie er ihr das auch als Resultat der bürgerlichen Revolution zugegeben hatte. Revolution ist dabei nicht das Zusichkommen einer Klasse, sondern qualitatives Moment der Gesellschaftsgeschichte des Menschen, die identisch ist mit der Geschichte seiner Subjektwerdung, der "Bildungsgeschichte seiner Sinne" (Marx).

b) Die Logik der Ökonomie einer Klassengesellschaft machte diese Klasse, die ja an sich nur auch als Klassengegner Klasse ist, zum Moment einer Menschwerdung, zur Dialektik eines neuen Ganzen, das sich nur die ihm abholden Mittel aneignen müsse, um dies schon zu erfüllen. So sollte Menschwerdung Aneignung von Mitteln sein - ein Widersinn in sich. Der darin versteckte "Neid auf das Bestehende", den Marx an den Sozialisten seiner Zeit schon konstatierte, sollte damit Bestandteil von revolutionärem Bewusstsein sein. Das aber ist reaktionär.

c) Revolution als Akt einer objektiv nötigen Aneignung von Mitteln kann niemals Dialektik ausmachen, da Mittel immer nur Moment von Vermittlung sind und bleiben, bis die Vermittlung selbst subjektiv aufgehoben wird, abstrakte Arbeit sich in konkreter Arbeit auch wirklich aufhebt. Dialektik kann nur erschließen, wonach Gegenwärtiges strebt, nicht was aus der Zukunft in Folge werden kann - etwa: Bürgerliche Gesellschaft - Sozialistische gesellschaft - Komunistische Gesellschaft. Das ist Geschichtsobjektivismus. Nur soweit Kommunismus gegenwärtig ist, kann er auch wirklich werden, - nicht aber über die Brücke eines dubiosen Sozialismus, der sich erst mal den bürgerlichen Staat zu eigen macht und ihn totalisieren muss, um die Partei der Armut, die proletarische Partei, gegend das Ganze der Gesellschaft zu wenden. Dies heißt aber auch nicht, dass die verschwindenden, weil unnötig werdenden Formen der bürgerlichen Gesellschaft schlagartig und gewaltsam beseitigt werden müssten, sondern dass die Inhalte des Kommunismus in der bürgerlichen Gesellschaft gegen das Kapital als überflüssige Form gewendet werden können, nicht unbedingt (also ohne fremden Grund) mit Gewalt, wenn das Siechtum des Kapitals seine Überflüssigkeit in seinen Krisen selbst vorführt. Allerdings müssen darin die komunistichen Inhalte auch sichtbar gemacht und gesellschaftlich in Form gebracht werden. Eine politische Partei (SPD, PDS o.ä.) kann dies ebenso wenig, wie Parlamentarismus überhaupt. Er oder sie kann bestenfalls hilfreich sein, wenn sie in diesem Bewusstein judikativ, exekutiv und legistaltiv tätig ist und sich gegen ihr Dasein als politische Klasse wendet..

s.a.

=> Proletariat

=> Revolution

siehe hierzu w. Pfreundschuh
Zum 125. Todestag von Karl Marx
Teil 2: "Was mich betrifft,
so bin ich kein Marxist" (Karl Marx)

siehe hierzu "Probleme des Marxismus"

Erlautup1a1 Arbeit als Agitationsbegriff
Erlautup1g1 Diktatur des Proletariats
quelleup5a1a1a
zur "Diktatur des Proletariats"
quelleup1a1a Arbeiterbewegung und Kritik
zitatup5a1a
Diktatur des Proletariats
zitatup5e2a3a Arbeitskraft und Kapital
 

Ding

Das Ding ist eine Sache, wie sie für sich, überhaupt und ohne Mensch und Natur ist. Ihm sieht man nicht mehr an, wo es her kommt. Es kann auch für vielerlei Beziehungen sein, ohne eine bestimmte Beziehung zu verlangen, hat also keinerlei wirkliche Gegenständlichkeit. Das unterscheidet es von der Sache, die immer eine Art von Gegenständlichkeit ist. An sich ist das Ding nichts, weil es nur gegenständlich als Sache etwas Bestimmtes ist.

Van da her ist das Ding, wie es an sich sei, auch kein Ding für uns. Darin hat Kant recht. Allerdings setzt er dieses Ding zugleich als etwas Unerkennbares, behauptet also seine Unendlichkeit für sich, eine dem Menschen niemals erreichbare Unendlichkeit der Erkenntnis, die vor aller Erfahrung bereits gegeben sei, also apriorisch (a priorie = vor aller Erfahrung) zu verstehen wäre. Von dieser Seite her wurde es bei Hegel zu einer Idee, zu einer sich jenseits des Handelns der Menschen rein geistig begründeten Selbstbestimmung von übernatürlicher Art: reiner Geist. Erst von Marx wurde in der Kritik an Hegel das Ding als gegenständliche Sache der Menschen begriffen, welche ihre Geschichte in der Materialisierung ihres Lebens, ihrer Sinne und ihres Geistes, zu ihrem Reichtum werden lassen (siehe historischer Materialismus). Für Marx begründet sich der Mangel aller bisherigen Philosophie aus der unendlichen Affirmation menschlicher Selbstentfremdung, welche die Menschen gegenübner den Dingen haben müssen, wenn dieses ihnen nicht als menschliches Ding gegenüber steht. Diese Entfremdung in der Beziehung von Mensch und Sache ist nicht nur die der Interpretation, sondern auch wirklich an der Sache selbst.

So gibt es zwar nicht das Ding an sich, aber es gibt das Ding auch nicht für sich, sondern nur als "ein Ganzes vieler Eigenschaften, das nach vielerlei Seiten nützlich sein kann" (MEW 23, S. 51). Als reines Ding hat es daher beliebig viele Eigenschaften und keine qualitative oder quantitative Bestimmung. Diese entsteht erst durch seine Herkunft als Produkt gesellschaftlicher Arbeit die ihm einen gesellschaftlichen Nutzen verleiht. Hierdurch wird es zur Sache, die als Gebrauchswert auf dem Markt auftreten kann: Sie hat gesellschaftliche Nutzen und kann daher in der Gesellschaft der Gebrauchswerte von Menschen begehrt sein. Die Handhabung, die sich als seine qualitative und quantitative Bestimmung reflektiert, ist der Tausch. In der bügerlichen Gesellschaft ist diese Reflektion im Widerspruch zwischen dem qualitativen, konkret nützlichen Dasein des Dings als Gebrauchsguts (Gebrauchswert) und seinem quantitativen Dasein als Wertding, Tauschwert.

s.a.

=> Verdinglichung

=> Sache

=> Stoff

Erlautup2 Ding als Ganzheit

Diskurs

Diskursiv ist eigentlich nur das begriffliche Denken, das sich von der Intuition substantiell unterscheidet (Kant). Diskursiv ist das fortschreitende logische Denken von Begriff zu Begriff, von Urteil zu Urteil. Der Diskurs wurde aber neuerdings zu einem gänzlich anderen eigenständiger theoretischer Begriff durch Habermas in der Auseinandersetzung mit dem Positivismus (siehe Positivismusstreit) und auch als Entgegnung auf Adorno. Dessen theoretisch unterstelltes "Transzendentalsubjekt" der negativen Dialektik, das sich lediglich aus "emphatischer Erkenntnis" begründe, müsse auch als real prozessierendes Wesen begriffen werden, um seine "emanzipatorische Intension" realisierbar zu machen. Es reiche nicht, die bestehende Realität als Verblendungszusammenhang aufzufassen und den Menschen in einem "dahinterliegenden Sein" anzunehmen; es müsse über die ideologiekritische Erkenntnis hinausgegangen werden und die Verblendung "in Anknüpfung an die natürliche Hermeneutik der sozialen Lebenswelt" (Habermas) unter Zugrundelegung eines Interesses an historischer Emanzipation durchbrochen werden. Es gelte, aus diesem Interesse "überlegene Vernunftkriterien" abzuleiten, die gesellschatlich realisierbar sind, wenn sie "intersubjektiv" sich herausstellen ließen, quasi als intersubjektive "menschliche Kompetenz", die ein reales "Gesamtsubjekt" im Diskurs der einzelnen "Subjekte" herausarbeiten könnte.

Er wollte Adorno mit diesem Emanzipationsverständnis kritisieren und zugleich bestärken, indem er die eigentlichen Erkenntnisintention der Kritischen Theorie im Grunde nur praktizierbar zu machen gedachte. Wenn Adorno die Realität als "ein Seiendes auf ein Nichtseiendes" hinterfrage, so könne er durch "Deutung" das "Nichtseiende", das eigentliche Subjekt der negativen Dialektik, ohne praktische Bewährung nur behaupten. Dies aber stelle praktisch eine unendliche Aufgabe dar. In der Realitäts- und Wissenschaftskonzeption der sogenannten "Frankfurter Theoretiker" verbliebe eine Kluft zwischen dem Bestehenden und dem Noch-Nicht, und deshalb sei das Noch-Nicht als Vernunftkonzeption aus seiner "Realität in Latenz" zu einem Projekt der Praxis zu machen.

Er verstand darunter eine "dialektische Vernunft", die sich kommunizieren lasse und sich in diesem Diskurs im Zusammengehen von Kritik und Notwendigkeit des Handelns bewahrheite. Es bestehe lediglich ein Dualismus von Arbeit und "lnteraktion", der mit dem Begriff des "kommunikativen Handelns" zu einem "endlich unverfälschten Begriff der Praxis" (Habermas, Theorie des kommunikatioven Handelns 1981,S. 485 f.) werden könne.

Dies nun wäre nicht besonders neu und von der Diskussion über ein richtiges Bewusstsein zur Lebenstätigkeit kaum zu unterschieden, würde hierbei nicht das "emanzipatorische Subjekt" von der Arbeitswelt in die Kommunikation selbst verschoben. Der Diskurs wird also selbst zum Handeln, identisch mit Arbeitl, und will insofern auch die marxistische Position, dass das gesellschaftliche Subjekt sich nur in der Umkehrung der gesellschaftlichen Verhältnisse herausstellen kann, beantworten. Die Antwort ist die, die schon jeder Bürger immer auf der Zunge hatte: Setzen wir uns vernünftig auseinander, dann wird es schon eine Lösung geben. Habermas will lediglich diese Vernunft kategorisieren und anleiten. So ergäbe sich die menschliche Emanzipation letztlich aus den Kategorien des Diskurses. Dieses Verständnis besteht tatsächlich auch bis heute in vielen Ansätzen der bürgerlichen Wissenschaft, ist im Grunde ihr fortschrittliches Selbstverständnis (z.B. auch in den dialogischen Konzepten). Zugleich aber ist dies ein Verständnis, mit dem sie leicht zum Großen Bruder werden kann.

s.a.

=> Kritische Theorie

Dispositiv

Dispositiv (wörtlich: dis positiv: positiv gesagt) meint die emphatisch verdichtete Position, etwa eine emphatisch formulierte Bestimmung, phänomenologisch formulierte Wesentlichkeit einer Wirkung. Mit Dispositiv wird auf der Ebene des Diskurses Objektivität als subjektive Position interpretiert. Es ist in diesem Sinne eine Begriffsumschreibung des Konstruktivismus.

s.a.

=> Bestimmung