Buchstabe P Im Kontext

Pacht

s.a.

=> Bodenschätze

=> Ressourcen,

=> Grundrente

Pädagogik

Als Wissenschaft ist die Pädagigik ein Brückenwissen zwischen Psychologie, Soziologie und Philosophie. Sie mutet sich zu, die Positionen der Geisteswissenschaften am Thema Lernen und Erziehen zu versammeln. Theoretisch ist sie von diesen daher auch ununterschieden und fällt höchstens durch ihr theoretisches Versöhnungsinteresse an erkenntnistheoretischen Gegensätzen (z.B. Aufklärung, Positivismus und Kritische Theorie) auf (siehe hierzu auch Lerntheorie). Besonders im dialogischen Pädagogik-Ansatz von Paolo Freire, der sich aus der Theologie der Befreiuung in der Dritten Welt entwickelt und sich mit diskursiven Prinzipien der kritischen Theorie vermengt hatte, wird diese Versöhnung zur Konfliktbeherrschung in der "Multimedialen Familie" angeprießen. Auch esotherische Prinzipien (z.B. von R. Steiner) finden sich gerne als pädagogische Position ein.

Als Praxis ist sie von Persönlichkeiten (z.B. Maria Montessori) getragen, die auf die sozialen Probleme (besonders Unterschichtenprobleme) der Generationen bestimmter Kulturen eingehen. Diese werden gerne als Vorbilder auch zur Pädagogik in unserer Kultur genommen. Auch wenn dies sicherlich nicht konfliktfrei möglich ist, so vermitteln sich durch diese Persönlichkeiten doch Erinnerungen an die Grundlagen des Lernens und Verstehens, die innerhalb unserer Kultur durch die Allmachtsphantasien der Informations-Elite zu verkümmern drohen.

s.a.

=> Erziehung

=> Lernen

Palästina

s.a.

=> Isreal

quelleup5a27i Palästina Geschichte
statist2up16e
Palästina Bevölkerung
statist2up16e1
Palästina Fläche
statist2up16e1a
Palästina Gazastreifen

Panikattacke

siehe

=> Angstzustand

Paranoia

Paranoia ist ein psychiatrischer Begriff, der als Diagnose ausgegeben wird, wenn jemand über eine ihm wahnhaft scheinende Verfolgungsangst.berichtet oder er den DiagnostikerInnen in seinen Berichten als wahnhaft erscheint (siehe Verfolgungswahn). Eine solche Diagnose subsumiert den Betroffenen unter den Allgemeinbegriff Psychosen. Für die Therapie ist dies relativ bedeutungslos, da die therapeutischen Mittel der Psychiatrie gegen das eine wie das andere wirken: Sie blockieren die Nerven selbst und es ist ihnen gleichgültig, was sie bewegt (siehe Neuroleptika).

quelleup5a27o1a3 Verfolgungsangst
quelleup5a27o1a1 Verfolgungswahn (Beschreibung Canetti)

Parapsychologie

s.a.

=> Psychologie

webup1a1 Begriff im Netz (Google-Suche)
webup1a Entführungen durch Außerirdische

Patriarchat

Das Patriarchat ist die zur politischen Macht erhobene Form einer Männerkultur, die sich auf der schlichten Tatsache des männlichen Geschlechts begründet und naturalisiert. Zur Absicherung solcher Macht werden oft auch Naturtheorien über "das Männliche" und dessen Beziehung zu Durchsetzungsvermögen, Willensstärke und Macht bemüht. Solche Theorien haben schon in sich keinerlei Grundlage, nicht mal in den Naturwissenschaften. So wie "die Frau" nicht ohne Beziehung auf "den Mann" zu erkennen ist, sind es auch nicht Männer ohne Frauen. Nicht nur ihre Organe haben nur im Naturzusammenhang wirklichen Sinn, sondern auch ihre Selbstwahrnehmungen. In der Abtrennung dieser Selbstwahrnehmungen zu eigenen Kulturen ergeben sich allgemein erscheinende Geschlechtseigenschaften des Getrennten als subjektive Geschlechtseigenheiten. Durch solche Abtrennung von Männerkulturen und Frauenkulturen verwirklicht sich Geschlechtlichkeit nur im Ausschluß und Kampf. Sie ist die Grundlage der Entfremdung der Geschlechter von einander.

Subjektive Eigenheiten des männlichen Geschlechts, wie sie auch durchaus natürlich vorkommen können, werden hierbei von den weiblichen abgetrennt und als bevorzugte gesellschaftliche und kulturelle Eigenschaften vorgekehrt, besonders die Eigenschaft des nach außen gerichteten Geschlechtsverhaltens, das sich als Fähigkeit zu Penetranz und Durchsetzungsvermögen verwenden lässt. In Kulturen, worin Durchsetzungsvermögen für den sozialen Status maßgeblich ist, also vorwiegend Konkurrenzgesellschaften, wird daher auch Männerkultur zum Maßstab politischer und in der politischen Ökonomie des Kapitals auch zu ökonomischer Macht. Dies begründet sich nicht als unmittelbar ökonomische Macht "des Mannes", sondern durch Bewertung seiner Arbeit und sozialen Anerkennung.

s.a.

=> Männerkultur

=> Geschlechterkampf

Systemup14a1 Männerkultur
Systemup14a1 Frauenkultur

Patriotic Act

Einen Monat nach dem Terroranschlag vom 11. 9. 2001 wurde in den USA ein Gesetz erlassen, das seitdem die US-Buchhändler verpflichtet, Bucheinkäufer zu melden, die indizierte Bücher einkaufen. Der Index wurde sofort an den Buchhandel versandt.

Die Händler reden darüber nicht gerne öffentlich, weil es ihnen den Markt versaut, wenn das rundgeht. Jedenfalls merkt auch der Kunde nicht, ob er ein indizierter Buch oder ein "normales" kauft. Bei ersterem wird sein Name in den Computer eingegeben, der ihn automatisch weitergibt. Nur daran könnte er es merken, wenn der Händler "zu auffällig" fragt.

s.a.

=> Patriotismus

Patriotismus

Patriotismus wird meist mit Vaterlandsliebe übertragen und entstammt einem Staatsverständnis, wonach sich der Staat als Kulturform eines Volkes versteht und auch daran appeliert. Eine Nation wird hierdurch als Lebensraum eines Volkes begriffen und als dessen politische Befestigungsform zugleich zum Beschützer einer Kultur, fürsorglich und väterlich, in der Verantwortung für Brauchtum und Sitte notwendig, so dass es hierfür auch geliebt werden kann und soll. Als eines jedenfalls gilt es damit nicht mehr: Als Ort der Geburt und Lebensraum der Geschichte von bestimmten Menschen. Es ist für unbestimmte Menschen die Welt ihrer Gewohnheiten, der allgemeinen Selbstbezogenheiten ihrer Gefühle. Für sich ist Patriotismus nationale Selbstbehauptung als beseelte Beziehung zum eigenen Land: "Liebe Dein Land und du liebst dich". Das wird im Patriotismus zur Basis eines nationalen Standpunkts: Wer nicht zu seinem Land und seiner Kultur steht, der steht zu gar nichts und glaubt auch an nichts. Und "wer an nichts glaubt, der wird auch nichts schaffen können" (Stoiber auf dem CDU-Parteitag 2004).

Patriotismus ist für die Politik ein Glaube, der nötig ist, um Menschen zu bestimmten Taten anzuspornen, zu Taten, von denen sie nichts anderes haben, als Selbstliebe. Es ist somit der Glaube an die Macht der eigenen Kultur, der allgemeinen Selbstbezogenheit, die sich im Patriotismus bündelt und der zugleich anderen Kulturen jenen Sinn abspricht, den man in der eigenen sieht. Mit Patriotismus wird zwar nicht notwendig die Landesverehrung über andere Nationen gestellt, wie von Rau in der Unterscheidung zum Nationalismus richtig bemerkt, aber es wird Sinn abgegrenzt, der nicht als Eigenes anerkannt wird, der also nicht zur eigenen Kultur gehören, ihr fremd sein soll. Damit bekommt die Selbstbezogenheit einer Kultur ihre Form, ihre Unterscheidung zwischen fremd und eigen, mit der sie abgrenzt und absondert. Obwohl die eigentliche Basis des Patriotismus sich durch Landesgrenzen, also politisch bestimmt, wird er hierdurch kultiviert, ist also eine politische Formbestimmung der Kultur. Der Patriot bezieht sich auf alle Menschen seines Landes, indem er sich zu allen Menschen anderer Länder in seinen Gefühlen abgrenzt. Dies ist dann also doch eine notwendige Voraussetzung und auch schon ein Implikat des Nationalismus, denn die Umkehr von der Abgrenzung zu Ausgrenzung und Überhebung ist ein notwendiger Akt der Selbstliebe, wenn sie sich bedroht sieht.

s.a.

=> Nationalismus

Themenabend
"Leitkultur, Patriotismus und kulturelle Werte"

Siehe hierzu auch Patriotismus, Leitkultur, Wertediskussion und so weiter ...

Person

Die Person (persona heißt Maske) ist das Subjekt der bürgerlichen Gesellschaft, der objektive Mensch, der als seines Glückes Schmied sein Leben durch sich und für sich selbst besorgt. Es ist der juristische, ökonomische und psychologische Begriff für die Notwendigkeit privater Existenzbesorgung, der Privatheit der bürgerlichen Existenz, wie sie in deren Individuen reflektiert ist. Aber ihre Individualität ist darin aufgehoben, dass sie objektiv die Existenzform formuliert und das darstellt, was dem Individuum hierzu nötig ist.

In einer Person werden die äußeren Eigenschaften des Menschen als "Wesensmerkmale" seiner Individuation aufgefasst, die ihm unabhängig von aller Bezogenheit und gesellschaftlichen Gewordenheit von Natur zu eigen zu sein scheinen. Die soziale Natur des bürgerlichen Individuums ist die Natur seines Besitzes. Hierfür ist es von der bürgerlichen Gesellschaft schon von Geburt mit allen Rechten des Inhabers seiner Existenz ausgestattet und muss aus dieser machen, was sie sozial bestätigt, worin sie also ihren privaten Lebensraum gesellschaftlich zu integrieren versteht (siehe Privatperson).

Für die Psychologie ist die Person vor allem ein Seelenwesen, worin sich seine Gefühle zusammenfinden, worin also die Befindlichkeit eines Menschen in der Getrenntheit zu seinem Sein, seine abstrakte Sinnlichkeit als persönliches Wesen notwendig erscheint (siehe Körperfetischismus). Im Unterschied zu einem geistbegabten Individuum wird die Person hier vollkommen in der Abtrennung von ihrer Gesellschaft als für sich durch seine Seele (siehe auch Psyche) existierender Mensch angesehen, der durch sich selbst ist und sich also auch selbst genug sein muss. Diese Selbstgenügsamkeit tritt als Selbstbehauptung der Existenz auf, die in der Person bestätigt ist, um die sie ihr Leben besorgt, um sich abstrakt von jedem Bezug zu erhalten (siehe Realabstraktion), ihr Leben dadurch besorgt, dass sie sich ihrem Tod widersetzt (siehe Existenzialismus). Als solches Wesen hat die Person ihren ausschließlichen Lebensgrund in ihrer Seele als Gegensatz zwischen existenzreflektiertem Müssen und lustreflektiertem Wollen, z.B. zwischen Lustprinzip und Realitätsprinzip (siehe Psychoanalyse). Die Person wird zu einer bürgerlichen Persönlichkeit in der Form, worin sie diesen Gegensatz in sich vereint, ihr Einerseits und Andererseits in ihren Absichten zu realisieren versteht..

Die Person ist zugleich die Rechtsform des Bürgers, dessen persönliches Recht nicht nur Menschenrecht ist, sondern vor allem auf seinem Besitz gründet (siehe Existenz). Als gesellschaftliches Individuum wird er hierin nur als Warenhüter betrachtet, der sich in dieser Behütung und Sorge seinen Willen gibt, dem Geldbesitz als allgemeiner Warenbesitz zu einem Reich der Willkür verhilft. Die Sprache selbst verrät allerdings, was er dabei betreibt: Maskerade. Es ist die Maskerade des Privateigentums, das auch von der Sprache selbst schon als Uneigenes, als Selbstinterpretation der Privatheit begriffen ist (Privat bedeutet Raub, Privateigentum heißt also wörtlich: geraubtes Eigentum).

s.a.

=> Persönlichkeit

siehe hierzu auch den Text

Thesen zur Diskussion des Begriffs "flexible Persönlichkeit"

Systemup48a1 Personifikationen der Selbstwahrnehmung
Systemup50a Privatperson

Persönlichkeit

Die Persönlichkeit ist die kultivierte Person, die ihre Seele im Einklang mit ihrer Existenz als eine Identität widersprüchlicher Bestrebungen hat, die sich in ihren Fähigkeiten zur Selbstbehauptung aufheben und verwirklichen. Diese hat sie aus den Gewohnheiten ihrer Existenz gewonnen, indem sie sich mit Kenntnis ihrer Lebensbedingungen ausgestattet hat und diese in einem klar umrissenen Lebensraum beherrscht: in ihrer Lebensburg. Hieraus und den darin vereinten Menschen (z.B. Familie) entnimmt sie die Kraft, mit der sie als Privatperson bestehen kann.

Ihren Fortbestand bezieht die kultivierte Persönlichkeit aus ästhetischen Verhältnissen, worin sie die sinnliche Kraft ihrer Selbstbehauptung bestätigt und sich auch hierfür Kultur bildend bemüht (siehe Logik der Kultur). Mit ihren Fähigkeiten zur Beherrschung der Verrücktheit ihrer abgetrennten Lebenswelt wird sie auf diese Weise weltlich und durchsetzungsfähig. Ihren privaten Lebensraum kann sie bewahren und zugleich verlassen durch die in kultureller Selbstbehauptung gewonnenen Autorität (siehe Selbstgewinn). In dem Maße, wie sie hierbei ihren privaten Lebensraum verlässt, wird sie selbst vom Kulturverhältnis der Selbstbehauptung bestimmt. Darin herrscht ein ästhetischer Wille, der auch die Persönlichkeiten dieser Verhältnisse hiervon abhängig macht und zur Flexibilität zwingt, die sie hier als Lebensbedingung hat und also auch anerkennen muss, indem sie selbst zur flexiblen Persönlichkeit wird. Doch dies macht praktisch die Aufhebung der kultivierten Persönlichkeit. Letztlich ist es dann die Kultur selbst als herrschender Wille, dem sich die Menschen insgesamt beugen und sich nur in deren hierdurch hergestellten Volkskörper wiederfinden, so sie nicht zur Kritik der politischen Kultur in der Lage sind.

Für die Psychoanalyse ist eine hervorragende Eigenschaft der Persönlichkeit die Fähigkeit, Es, Ich und Über-Ich zu einem gesamten psychischen System zu integrieren und ein gesellschaftsadäquates Verhalten zu finden. Sie ist noch in der Funktionalität der Familie, die sich allerdings in den flexiblen Persönlichkeiten nicht mehr auffinden lässt. Diese Persönlichkeit scheint gesellschaftliche Selbstbestimmung nicht mehr persönlich nötig zu haben und erkennt dort ihre Ohnmacht an, um sie durch persönlich bestimmte Selbstbeziehung im Zwischenmenschlichen auszugleichen.

s.a.

=> Person

=> Existenz

=> Flexibilität

siehe hierzu auch den Text

Thesen zur Diskussion des Begriffs "flexible Persönlichkeit"

siehe hierzu auch den Themenanbend zu

Die "flexible Persönlichkeit" - Merkmale des modernen Erfolgsmenschen

Systemup48 Personifikationen der Selbstwahrnehmung
Systemup29a1 Autoritärer Charakter
Systemup31a1 Esoterischer Charakter
Systemup25a2a Flexible Persönlichkeit
quelleup5a34b1 Proteische Persönlichkeit
webup1a1a1 Der Verlust des Über-Ichs

Peru

Das Gold der Inkas und dessen Ausbeutung durch die "fortgeschrittenen Länder" hat eine lange Geschichte. Was mit Gewalt, Eroberung und Raub begann, ist heute ein zivilisiertes Geschäft - ein Geschäft, bei dem Menschen, Landschaften und Gewässer zugrunde gehen. Die Zerstörung des natürlichen und menschlichen Lebens hat in Peru seit Beginn der Globalisierung stark zugenommen, weil mit der Freigabe der Wechselkurse auch die Golddeckung freigegeben war und von daher auch Goldgewinnung befreit wurde von politischen Restrinktionen der Schatzbildung (Wertsicherheit gibt es nur durch stabile Goldmengen und daher stand der Goldbergbau unter der politischen Kontrolle der Weltbank).

Gold ist wieder das Kulturgut Nummer eins, das zwar überwiegend als Schmuck verwendet wird, aber vor allem die Gier des Aktionmarktes stillt. Wieviel Gesundheit und Landschaft muss in Peru zerstört werden, damit wir uns mit Gold behängen können und zugleich an den Aktienwerten der Silberminenenkonzerne bereichern können? Was hier schmückt und bereichert, zerstört andernorts nicht nur die Natur, Gesundheit und Kultur ganzer Lebensverhältnisse, es zerstört vor allem die Hoffnung, eigene Lebenswelten, eigene Kultur zu bewahren. Seit dem Ende der Währungssicherung durch Golddeckung (siehe Bretton Woods) hat Goldförderung in der Hauptsache, nämlich zu 85% zur Schmuckherstellung beigetragen und hierduch seit 1989 eine Produktivitätssteigerung von 1.637 % erfahren. Auch nach Deutschland gehen nur 10% in die Zahnmedizin oder Technik und 5% in Wertanlagen und Devisendeckung

Mit unglaublich brutalen Schürftechniken werden in Peru Berge abgetragen und aus ihrem Gestein mit aggressiven Chemikalien Gold ausgewaschen. Das Abwasser sickert zum Teil in die Landstaft und zerstört Flora und Fauna der Flüsse. Blei und Zyanide sind längst "normale" Bestandteile der Flüsse und des Trinkwassers in vielen Regionen Perus. Vor allem kanadische und amerikanische Konzerne machen ihre Gewinne, von denen weniger als 5% im Land bleiben. Und nicht mal die werden zur Entwicklung des Landes verwendet, sondern nur zur Schuldentilgung mit der Weltbank verrechnet. Was für die Reichen Wertwachstum besorgt, betreibt hier die blanke Abwärtsspirale der Armut. Gesundheitsschäden bei der Bevölkerung sind zum großen Teil unmittelbare Folge der Chemieabwässer der Goldminen. 99,1% der Kinder unter 10 Jahren von La Oroya sind beispielsweise "Bleikinder", wie sie dort genannt werden. Das sind Kinder, deren Blutbleiwerte oberhalb der Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation liegen, 20% mit so hohen Werten, dass Krankenhausbehandlung nötig ist oder nötig wäre. Es herrscht allgemein Mangel an brauchbarem Wasser für die Bevölkerung. Die einst sehr schönen öffentlichen Gärten von Cajamarca verdörren, weil das Wasser der Stadt nicht mehr zum Gießen ausreicht.

Die Auswirkungen auf die Landeskultur sind auch geistiger Natur. Die Berge, die dort abgetragen und zu Abraumhalden werden, sind für die Inkas Götter und ihnen wird auch heute noch Heilkraft und Gesundheit zugesprochen. Die tradierten Glaubenswurzel der Bevölkerung sind tief verletzt. Wo noch von Kultur die Rede sein mag, so ist sie vereinseitigt zu einer Sozialprothese, zu einer Unterhaltungskultur, die lediglich das Leben erträglich machen soll, geworden. Jede eigene Kultur verliert sich im Elend der allgemein gegenwärtigen Armut. Prostitution ist alltäglich und überall gegenwärtig. Politik ist hauptsächlich von der Korruption des Staates und seiner Funktionäre durch die Konzerne und das Auslandskapital bestimmt. Das Umweltschutzgesetz von Peru ist eine Kopie des deutschen und müsste die genannten Verschmutzungen ahnden. Doch "dort sind Gesetze nur Papier", sagte ein Peruaner auf einer Münchner Veranstaltung.

Die Goldminen bieten die wenigen Arbeitsplätze, die eine zerstörte Agrarregion noch bekommen kann. Die Bevölkerung ist auch von ihrem Bildungs- und Wissensstand her kaum zu einem Widerstand fähig. Presse und Medien stehen fast durchgängig auf der Seite des Auslandskapitals. 75% der Cajamarcinischen Medien zum Beispiel werden von Yanacocha (größte Goldmine Südamerikas) finanziert.

s.a.

=> Globalisierung

quelleup5a27o1a3a1a Verdeckter Völkermord in Peru
quelleup5a29a1 Goldbergbau in Peru
webup1a1a Scheitern der peruanischen Linke
audioup1a2e1a1a1 Gold oder Leben (Peru)

"Gold oder Leben"
(Video von von Holger Biebrach):
Die peruanische Bevölkerung im Kampf gegen globale Konzerne des Goldabbaus
http://www.youtube.com/watch?v=CXKVG6msfo8

Perversion

Perversion ist eine Sinnverkehrung, die sich als schlechte Negation aus einer sinnlichen Nichtung, aus einer Schuld gegenüber der eigenen Sinnlichkeit ergeben hat, die sich in ihrer Zerstörung als negiertes Leben nicht erhalten kann und also auf dem Nichts als Position für sich gründen muss (siehe negative Identitaet) - allerdings nicht ohne Leben, sondern in der Verkehrung des in Zerstörung gelebten, im Unheil, in dem von seiner Schuld befreiten Leben.

Dies ist exemplarisch im Christenglauben allgegenwärtig in der Marterszene, welche das Kruzifix verkörpert: Befreiung von der Erbsünde, dem Verstoß gegen verbotene Erkenntnis durch das "Leiden Christi" - die Botschaft heißt: Leiden befreit! Es bedeutet das Heil der Welt.

Die Perversion ist die Reaktion auf ein ausweglos scheinendes Leben, eine unendliche Heilserwartung, die keinen wirklichen Sinn gegen ihr Unheil finden kann.

Dass die Schuld ein objektives Gefühl war, ist hier umgekehrt: Leben regt sich dagegen. Das kann brutal sein, denn im Schmerz des zerstörten Lebens selbst entsteht seine Verneinung. Um Schuldgefühle aufzulösen werden allerlei perverse Handlungen vollzogen, welche eine Entschuldung durch eine Entgegensetzung darstellen. Es sind dies Handlungen, durch welche Empfindungen hergestellt werden, in denen ein Mensch sich selbst in doppeltem Sinn fühlt, als Erzeuger und Zerstörer seiner Sinnlichkeit, als gegensinniges Selbstgefühl. Es handelt sich hierbei um eine unterdrückte sinnliche Identität, welche den Bezug auf sich selbst in gewohnter Welt nicht mehr zulässt, sich gegen seine Gewohnheiten wendet. Durch Verkehrung einer Situation wird dem durch Gewohnheit ausgeschlossenen Selbstgefühl durch ungewöhnliche Empfindungen Leben verliehen. Die Perverse Handlung stellt also Situationen her, welche für den Akteur Selbstgefühle ermöglichen, die er in gewohnter Welt nicht haben kann, die aber für ihn wesentlich, also identitätsnotwendig sind.

Die Abwesenheit dieser Gefühle erzeugt auf Dauer Irritationen, Zustände der Selbstentfremdung, die nur durch perverse Handlungen erzeugte Empfindungen aufgehoben werden. Darin werden tiefere Wahrnehmungsidentitäten wach, die sich in den Lebensgewohnheiten nur im Ausschluss entwickeln können, nur negativ, und somit selbständig und mächtig wie aus einem ungewöhnlichen Innern hervorbrechen, z.B. als notwendiges Verlangen, sich zu entblößen (als Umkehrung von geschlechtlicher Selbsterniedrigung) oder zu martern als Umkehrung verselbständigter Qualen in der Selbstwahrnehmung.

Diese Selbstwahrnehmung ist nur notwendig durch die ausgeschlossene Wahrnehmung, welche der Lebensalltag enthält, - sei dieser Ausschluss durch sich selbst nötig oder durch andere, durch Gegenwart oder durch die Isolation einer verborgenen Geschichte. Der Grund der Verkehrung steckt letzlich in den Lebensräumen, also dem Kulturraum, worin eine Identität nur in der Verkehrung gewöhnlicher Sinnlichkeit bestehen kann oder konnte. So sucht z.B. Sadismus eine Identität in Lebensräumen, wo Masochismus gefühlsbestimmend, also objektives Gefühl ist. Insofern erkennt Sadismus seinen Schmerz äußerlich, aber auch nur, wenn er sich zu Masochisten verhalten kann, die ihn als fremde Innerlichkeit leben. Beide Identitäten brauchen einander, weil sie für sich nur anders werden würden, wenn sie den Kulturraum verlassen könnten.

Obwohl Perversionen wie Sucht erscheinen, sind sie doch gänzlich anders bestimmt, weil sie kein Mittel brauchen, um sich zu verflüchtigen, sondern sich in Grausamkeiten finden, wovor andere fliehen. Allerdings ist ihr Schmerz, dass sie sich selbst als Mittel und daher sich gleichgültig erleben, solange sie nicht pervers sein können. Der häufigste Kulturraum, in welchem Perversionen entstehen, sind Familien, in denen die Nichtigkeit der Mitglieder konstituierend für ihre gesellschaftliche Bedeutung, vor allem in ihrer Ästhetik ist. Perversion ist wesentlich eine Umkehrung gesellschaftlich anerkannter Ästhetik, nicht um anders zu sein, sondern um darin sein zu können. Sie entspringt der vollkommenen Identifizierung mit ihr.

s.a.

=> Selbstverkehrung

quelleup5a9a2a Identitätsverkehrung

Petrodollar

Der Begriff Petrodollar bezeichnet das Währungsmonopol des Dollars für den Handel mit Erdöl. Solange der gesamte Ölhandel über Dollars verläuft, macht er den Dollar zu einer internationalen Währungsmasse, welche den Handel der Welt iim Umfang des Ölmarkts an einen Handel mit den USA bindet, denn der Dollar kann ja von den Öllieferanten nur durch Leistungen aus den USA zurückgekauft werden. Und weil der Ölhandel bisher die größte Handelsmasse der Welt ausmacht, wurde der Dollar zur Leitwährung des Welthandels und die Wirtschaft der USA durch den Geldwert des Erdöls zur größten Wirtschaftskraft der Welt. Je höher der Preis des Erdöls, desto besser die Auftragslage der US-Wirtschaft und desto größer auch ihre Wertdominanz für alle anderen Waren, die auf dem Weltmarkt getauscht werden. Der Doller wird daher selbst zu einer Währungsmacht, die de fakto zumindest zu einem bestimmten Anteil durch die Ölvorkommen der Welt "gedeckt" ist, gleich, wie weitgehend der Wert der US-Waren von ihrem wirklichen Wert durch Arbeitsleistung ansonsten gedeckt ist. Ein hoher Erdölpreis wird auf diese Weise zum wichtigsten Wirtschaftfaktor, mit welchem die USA im Krisenfall, also bei Wertverlusten ihrer Wirtschaft, ihre Währung wieder stabilisieren und Inflation abwenden. Durch die Vormacht des Dollars auf dem Ölmarkt kann die USA den Preis des Erdöls auch weitgehend bestimmen, indem sie für ihre eigenen Produkte einen Preismaßstab auf dem Weltmarkt setzt, der sich aus der Masse des Ölverbrauchs der Welt bemisst: Je höher der Preis des Öls, desto mehr Wert sind die US-Produkte, die mit Dollars eingekauft werden müssen, um den Ölwert zu realisieren, und desto wertloser werden relativ hierzu die Produkte der Kunden der USA.

Petrodollar kennzeichnet damit zugleich einen Doller, der nicht durch Gold, sondern durch Ölvorkommen gedeckt ist. Die Deckung einer Währung macht ihre Sicherheit aus, also das, was letztlich immer dafür eintauschbar ist, wenn alle anderen Waren sich nicht mehr wertmäßig darstellen lassen. Der Petrodollar bezeichnet damit eine doppelte künstliche, also irreale Wirtschaftsmächtigkeit der USA: Zum einen wird sie damit zum Größten Exporteur der Welt, auch wenn ihre Produkte dies nicht erbringen, zum anderen hat sie eine Währung, die letztlich von ihr nicht mehr gedeckt sein muss, weil sie durch die Lieferung von Öl gedeckt ist. Sie ist damit in der Lage, eine "Handelseinigkeit" der Welt zu ihrem Maß zu erzwingen und Schulden zu machen, die zu einem großen Teil durch ihren Umgang mit dieser Macht gehandelt und behandelt werden.

Diese Währungssicherheit war bis zur Weltwirtschaftskrise 1921-1929 noch durch eigene Goldvorräte gewährleistet, aber in dieser Krise aufgebraucht, um Gold als Wert zur Deckung des wertlos gewordenen Dollars einzusetzen und das Wertloch der Banken und des Staates zu stopfen. Damit war die Golddeckung als paralleler Realwert des Devisenhandels aufgelöst und eine entsprechdende Wertmasse neu auf den Markt gebracht. In diesem Interesse löste Präsident Roosevelt diese Deckung also erstmals auf, was indirekt auch einen wilden Markt in Europa entwickelte, weil deren Währungen damit anteilig entwertet wurden und deren Wirtschaft desaströs machte. Die Nationalstaaten und ihre Banken waren damit zum Teil bankrott, besonders der deutsche Staat und amit auch sein Sozialsystem. Auf diesem Boden entstand der Nationalsozialismus und vervollkommnete sich mit der deutschen Wirtschaftsnot.

Durch die Verträge von Bretton-Woods (1946) wurde die Golddeckung dann zur Verhinderung einer erneuten Weltwirtschaftskrise weltweit als verbindlich eingeführt. Die USA sollten mit ihrem Dollar zur Leitwährung werden, indem dieser durch das Versprechen der USA jederzeit von ihr durch Gold eintauschbar sein sollte. Hierdurch waren die USA zum einen Währungsgarant und mussten Gold horten, zum anderen aber konnten sie damit auch Geschäfte machen, dass sie die Wechselkurse weitgehend bestimmen konnte (z.B. war die DM in der Zeit vor der Aufhebung der Golddeckung nur die Hälfte von dem wert, was sie danach war).

Nach dem Vietnahmkrieg geriet die US-Wirtschaft wieder in eine Wirtschaftskrise, die durch Goldverkauf gedeckt werden musste. Daran scheiterte die Währungsdeckung erneut und Nixen kündigte daraufhin die Veträge von Bretton-Woods (1971). Zugleich wurde ein entwicklungspolitisches Geschäft mit Saudi-Arabien ausgemacht, wonach sich dieses gegen einen gewaltigen Entwicklungsgilfebeitrag der USA "unumstößlich" verpflichtete, sein Öl nur in Dollarwährung zu verkaufen. Ähnliche Abkommen entstanden auch mit Persien (heute Irak) durch den Schah, der mit Hilfe der USA dort intronisiert worden war. So waren schließlich alle OPEC-Staaten darauf verwiesen, dem Interesse an einer Deckung der Weltwährung durch Öl zuzustimmen.

Der größte Teil des vorhandenen Öls war auf diese Weise nurmehr durch Dollars zu erstehen, so dass der Doller immer zugleich ein Verkaufsverssprechen von Öl wie einen Schuldschein bei der amerikanischen Wirtschaft darstellen konnte. Da sein Wert somit durch eine Ware gedeckt war, schien es unnötig, ihn weiterhin durch Gold zu decken. Allerdings waren die USA von da an abhängig von den Verträgen mit den Ölförderländern. Durch weitere Krisen der US-Wirtschaft musste sie daher diese "Verträge" auch militärisch sichern. Irak hatte die Chance, mit der Durchbrechung der Dollardeckung zu drohen, womit jederzeit ein Problem der US-Währung entstehen konnte. So wurde es zum Aufgapfel der US-Politik - in dem Maße wie der Irak - und inzwischen auch der Iran und Syrien - eigene Entwicklungsinteressen verfolgte.

Die Golfkriege waren eine Folge hiervon. Der dritte Golfkrieg wurde ausgelöst, unmittelbar nachdem der Irak begonnen hatte, Öl auch gegen Euro zu verkaufen. Drei Monate nach Kriegsausbruch wurde Öl wieder nur noch durch Dollars gehandelt.

Alle Erdöl exportierende Länder, welche der Euro-Währung zusprechen, werden von den USA gemaßregelt. Der venezolanische Staatschef Hugo Chávez hat sich als der neben Saddam eifrigste Verfechter einer Euro-Fakturierung des Erdöls gezeigt. Außerdem ist sein Land ein weit größerer Erdöl-Exporteur als Syrien. Auch gegen Chávez ist die US-Regierung vorgegangen.

s.a.

=> Bretton-Woods

=> Währung

Siehe hierzu auch:
Wolfram Pfreundschuh (2006):
Religion und Politik - einige Hintergründe zum sogennanten "Kampf der Kulturen"

 

petroldollars US-Ölgeschäfte imperial
petroldollars Petrodollars - Ölwährung & Krieg
petroldollars Der Fossilismus als Falle der US-Wirtschaft

webup1a1a1a Petrodollar bei Wikipedia
 

Pflicht

s.a.

=> Schuld

Phänomenologie >> Weiterleitung auf Ph

Pharmazie >> Weiterleitung auf Ph

Philosemitismus >> Weiterleitung auf Ph

Philosophie >> Weiterleitung auf Ph

Siehe auch Textüberblick Philosophie

Planwirtschaft

Planwirtschaft meint die gesellschaftliche Produktion nach Plan, das planvolle Ineinandergreifen einzelner Arbeitsprozesse zur Herstellung eines Produkts, das in gesellschaftlichen Entwicklungsplänen entschieden wird. Auf das Ganze der gesellschaftlichen Entwicklung bezogen bedeutet dies, dass die Entfaltung der menschlichen Bedürfnisse und ihrer Befriedung planbar sein muss. Dies wiederspricht dem marxistischen Verständnis von der Produktion menschlichen Reichtums, welcher vor allem die Reichhaltigkeit und Vielseitigkeit der Bedürfnisse darstellt. Dieser kann sich vollständig nur in der Freiheit gesellschaftlicher Beziehungen der Menschen bilden, worin sich aus dem Ineinandergreifen ihrer notwendigen und also konkret nötigen Arbeit heraus zugleich die Möglichkeit zur Entwicklung des Lebensstandards von Menschen und Produktionsmitteln ergibt, ein Mehrprodukt, worin sich die Selbstentfaltung einer Gesellschaft äußert. Planbar sind demnach nur die Abläufe des Arbeitsprozesses, die sich nicht auf das Verlangen der Entwicklung und Geschichte, sondern auf die Notwendigkeit der Reproduktion beziehen.

Planwirtschaft muss die Bewirtschaftung der Selbsterhaltung betreffen, also dem, was nicht nur als öffentliche Infrastruktur (z.B. Straßenbau, Kommunikationswesen und Bildung), sondern was auch die durchschnittliche Einzelexistenz zum Selbsterhalt als Bedingung jeder Reichtum schaffenden Arbeit nötig hat (z.B. Wohnung, Grundernährung, Alterssicherung, Gesundheitsfürsorge). Sozialistische Wirtschaft kann nur aus der organischen Grundsicherung des Selbsterhalts die Basis zur Produktion eines gesellschaftlichen Mehrprodukts haben.

Sofern die Lebensbasis der Arbeit in bestimmten konkreten Zusammenhängen, z.B. in freien Kooperativen oder anders organisierten Reproduktionsformen (siehe Stoffwechsel) besteht, können diese ihre besonderen Arbeitsvorhaben als Teilvorhaben einer gesellschaftlichen Arbeit planen (das ist bei freier Marktwirtschaft nicht möglich), in welcher die Belange der Reproduktion zu einer Gesamtarbeit geregelt werden (Absprache der Teilarbeiten zu einer gesamten Minimalreproduktion der beteiligten Menschen in der Zusammenführung von notwendiger Arbeiten in der notwendigen Arbeitszeit).

Im Unterschied hierzu ist der freie Zusammenschluss von Arbeiten nach freiem Ermessen die Basis der Möglichkeit, ein Mehrprodukt für den sogenannten freien Markt, in welchem sich die Potenzen eines Mehrprodukts entfalten konnen, zu entwickeln. So werden Menschen oder Gruppen welche sich aus dem Verhältnis der Reproduktion heraussetzen können, in allgemeinere Beziehungen begeben können, soweit dies ihren Fähigkeiten und Eigentümlichkeiten entspricht. Ihre Reproduktion müssen sie dann der Mehrproduktion entnehmen, also als Abzug vom Mehrprodukt.

Die Anteilnahme an der Entwicklung des Mehrprodukts muss auf dieser Basis im Verhältnis der Selbstbeteiligung befriedet werden. Dies ist wahrscheinlich nur über eine Marktwirtschaft möglich, deren Verteilungsschlüssel durch Steuergesetze auf der Grundlage eines sozialistischen Staates mit einer sozialistischen Demokratie gesichert wird. Das setzt voraus, dass die Finanzwirtschaft (Banken, Aktien usw.) in der Hand des Staates ist und unmittelbar von allgemein gewählten Funktionären (auf Zeit) kontrolliert wird.

s.a.

=> Marktwirtschaft

Platon

Griechischer Philosoph (428 bis 348 vielleicht auch 427 bis 347 v.Chr.) aus dem hohen Adelsstand von Athen, Schüler und Kritiker von Sokrates. Er schuf die Grundlage einer allgemeinen Staatslehre auf der Basis einer Art Sozialethik, in welcher Philosophie, Ethik, Seelenkunde, Erziehung, Kultur, Soziologie und Eugenik (Erbgesundheitslehre) einbezogen sind. Sein wichtigstes Werk, die "Politeia" will den Staat aus dem Wesen des Menschen ableiten, größtmögliches Glück durch Gerechtigkeit zu erlangen.

Hierfür ist nach seiner Auffassung die Seele in Einklang mit dem Staat zu bringen. Und dies kann nur durch Vernunft geschehen, welche die Kraft hat, die Begierde zu zügeln und nach einem vernünftigen Willen zu formen. Hiernach müssten die Verhältnisse im Staat ausgerichtet sein: Der Lehrstand muss versuchen, möglichst allen Menschen zu vermitteln, dass sie ein Teil des Ganzen sind und Individualität sich darin aufheben müsse. Der einzelne muss nach Platon seine Pflichten im Staat erfüllen, deren Erfüllung zwar nicht unmittelbar aber auf Dauer Glück für jeden und alle Menschen bedeute.

Nur die Menschen der untersten Schichten, die des "Nährstandes" könnten nicht zu dieser Einsicht gelangen, und müssten deshalb von der Oberschicht beherrscht werden. Der platonische Staat will eine Aristokratie sein, die sich als allgemeine Nötwendigkeit des menschlichen Zusammenlebens ausgibt. Diese Vorstellung wirkt bis heute in den Oberschichten fort, wird dort aber auch gerne als Demokratie gedeutet, wiewohl sie eher die Grundlage eines totalitären Staatsverständnisses ist.

Platon war ein Ursprungstheoretiker, ein Sophist ursprünglicher Wahrheiten, der die Idealität des Ursprungs gegen ihr Gewordensein in der Realität hielt, Geschichte durch die Ursprünglichkeit eines darin idealisierten Wesens behandelte. Der Ursprung galt als "Reinheit des Guten", dasim Kauf der Geschichte zum Schlechten werden kann. Platons Sophismus sieht im Realen die Unvollkommenheit seiner Idealität und von daher Philosphie als notwendige Bewahrung der Ideale der Weisheit (Sophismus). So auch im realen Staat. Daraus leitete er die notwendige Herrschaft der Alten und Weisen ab. Niemand unter 50 konnte Macht erlangen und diese verlangte auch eine lange Unterweisung in die Weisheiten des Altertums, besonders in Philosophie. Realität als solche gab es nicht als geschichtliche Basis, Veränderung war obskur gegen das Alte, immer im Interesse der Verfälschung begriffen. Solche platonische Auffassungen von Philosophie und Staat gehen bis in unsere jüngsten Diskussionen ein (vergl. z.B. Sloterdijks Formulierung eines Menschenparks).

s.a.

=> Platonischer Staat

Erlautup2h Platonischer Staat
webup1a1a1a Platon

Platonischer Staat

Platons Idealstaat liegt die Idee einer Ethik zugrunde, wonach das Glück der Menschen sich aus der Gerechtigkeit eines Staatsganzen ergibt, dessen Teile für sich nicht bestimmend sein können. Das Ganze besteht aus dem Zusammenwirken der Stände, die für sich strikt getrennt sind: Nährstand, Wehrstand und Lehrstand. Im Ganzen selbst sind die Stände nicht vertreten. Es besteht für sich und ohne Wirklichkeit ausschließlich aus einer Adelsschicht, die durch Philosophie regiert, weil sie allein zur Erkenntnis der Idee des Guten fähig sei und und diese lehren könne. Die Philosphie sei als ethische Lehre der Weisheit die einzige zur Herrschaft legitimierte Macht (siehe Sophistik). Weil der Herrscher die Idee des Guten erkannt und begriffen habe und somit unfehlbar sei, unterliegt er keiner anderen Kontrolle als seiner eigenen Einsicht. Deshalb ist Platons Idealstaat eine Aristokratie, die sich aus der Unzulänglichkeit jedes einzelnen, allein zu überleben, bildet.

Die spartanische Dreiklassengesellschaft war die Grundlage für Platons Staatsverständnis. Sie bestand aus der allein zum Waffen tragen befugten Herrenrasse der Spartiaten (dorische Eroberer), den halbfreien auf den Hügeln siedelnden Bauern, den Periöken, und den versklavten Heloten. Da sich Sparta im Gegensatz zur attischen Polis und anderen griechischen Staaten wegen der in Sparta herrschenden Zwangsverhältnisse am wenigsten verändert hatte, glaubte Platon, dass der spartanische Staat dem ursprünglichen "idealen Staat" am nächsten käme. Sein Kriterium war also weniger der kriegerische Erfolg Spartas, als die Stabilität der Verhältnisse. Er befürwortete auch die spartanische "Rassereinhaltungsmaßnahmen", die dazu führten, dass innerhalb der spartanischen "Herrenrasse" Kinder getötet wurden, wenn sie körperliche und geistige Mängel aufwiesen.

Zur Ertüchtigung der Menschen für die platonische Lebensvorstellung war Zucht und Führung zur Seelenbildung für dieses Staatswesen unabdingbar. Die Anleitung war selbst Moment der Führung und Züchtung zu einem notwendigen Ideal, das sich durch liebevolle Gewaltpädagogik in der Charakterbildung der Menschen umsetzen sollte.

"Das erste Prinzip von allen ist dieses: Niemand, weder Mann noch Weib, soll jemals ohne Führer sein. Auch soll die Seele von keinem sich daran gewöhnen, etwas im Ernst oder auch nur im Scherz auf eigene Hand allein zu tun. Vielmehr soll jeder, im Kriege und auch mitten im Frieden, auf seinen Führer blicken und ihm gläubig folgen. Und auch in den geringsten Dingen soll er unter der Leitung eines Führers stehen. Zum Beispiel soll er aufstehen, sich bewegen, sich waschen, seine Mahlzeiten einnehmen...nur, wenn es ihm befohlen wird. Kurz, er wird seine Seele durch lange Gewöhnung so in Zucht nehmen, dass sie nicht einmal auf den Gedanken kommt, unabhängig zu handeln, und dass sie dazu völlig unfähig wird." (Platon)

s.a.

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Pluralismus

Pluralismus versteht das Ganze ausschließlich im Zusammenkommen der Einzelheiten begründet. Es ist der Grundgedanke des Liberalismus, dass sich Geschichte aus den Möglichkeiten dieses Zusammentreffens wie von "unsichtbarer Hand" geordnet ergibt, weil ihr Sinn erst durch den Zufall der Möglichkeiten, die sie enthalte, hierdurch entstünde. Im Gegensatz hierzu sieht der historische Materialismus eine Bildungsgeschichte des Menschen in Einheit mit einer natürlichen Intelligenz, welche das Ganze der geschichtlichen Entwicklung offenbahre. Der Sinn des Ganzen enthält demnach eine Wirklichkeit, die sich nicht aus dem zufälligen Zusammentreffen seiner Teile erklären kann. Die Geschichte der Menschen ist zwar nicht logisch determiniert in der Bestimmung einer zwangsläufigen Folge von Ereignissen, wohl aber Intelligent im Sinne der Naturgeschichte. Von daher lassen sich erst Aussagen machen über die geschichtliche Entwicklung des Menschen als Geschichte seiner Sinnbildung und die Möglichkeit der Barbarei, wo sich diese gesellschaftliche Sinnbildung gegen sich selbst kehrt (siehe auch Faschismus).

s.a.

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