Buchstabe Re Im Kontext

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Recht

Die Verwirklichung des allgemeinen politischen Willens ist das Recht. Dieser ist sowohl Reflexion als auch Notwendigkeit bestehender Lebensbedingungen - also nicht einfach im Sinne einer Widerspiegelungstheorie, wonach Recht lediglich wie ein ideeller Spiegel der Verhältnisse, wie eine Gedankenabstraktion derselben funktioniert. Recht ist nicht ein politischer Überbau der Ökonomie, sondern ihr notwendiges Implikat als Ausdruck ihrer politischen Notwendigkeit, Grundlage ihres politischen Verhaltens in Verhältnissen, worin sachliche Not herrscht. Eine Rechtsprechung setzt also voraus, dass dieser Not zuwider gehandelt wird. Das bürgerliche Recht beugt sich zugleich aber auch allgemein der Überwindung solcher Not durch Totalisierung ihrer Gegebenheit, also durch ein unendliches Verhalten, durch eine totale Affirmation dieser Form der Sachverhältnisse.

In der bürgerlichen Gesellschaft erscheint der politische Wille daher als selbständiges politisches Recht, als ein im bloßen Willen zur Freiheit begründetes Recht, das von der politische Ökonomie völlig getrennt ist, um ihre Rechtsform als notwendige Begebenheit eines Sachverhältnisses zu mystifizieren, das dieses als Naturalform einer versachlichten menschlichen Beziehung, als Naturalform der Besitzverhältnisse auffasst und somit ihrer politischen Ökonomie Unendlichkeit verleiht. Es dient damit der Versachlichung eines gesellschaftliches Prinzips, das die den Menschen Sachverhältnisse zu einer unendlichen Notwendigkeit macht.

Das bürgerliche Recht begründet sich also als Verhalten und Verhältnis des freien entfremdetenWillens, wohingegen die bürgerliche Ökonomie als selbständiges Verhältnis von Bedürfnis und Arbeit verstanden wird, wie es jenseits ihrer politischen Wirklichkeit als reine Sachnotwendigkeit erscheint. Beides ist aber in sich identisch als politische Ökonomie, als politische, wie ökonomische Form des Besitzes, und doch verschieden als Frage des gerechten - im Sinne von richtigen - Wirtschaftens. Recht ergibt sich aus dem politischen Verhältnis und dem Anspruch der Verhältnisse, welche ökonomisch zu begreifen sind. Der allgemeine Wille der bürgerlichen Gesellschaft ist der Wille zum Besitz, dem das ökonomische Verhälnis der Warenbesitzer entspricht.

Kritik der politischen Ökonomie macht also nichts anderes, als wirkliche Fragen zu erzeugen, die darin verschroben sind, dass das politische Verhältnis, das Besitzverhältnis, aus dem ökonomischen Verhältnis, dem Warenverhältnis, begründet wird, wie sich zugleich auch das Warenverhältnis nur durch die Absicherung des Besitzverhältnisses bewähren kann. Politische Gewalt wirkt als ökonomische und ökonomische Macht. Sie ist das, worin alle Politik aufgehen soll. So wird in der bürgerlichen Gesellschaft aus der ökonomischen Form begründet, was nur durch das Besitzrecht selbst möglich ist und umgekehrt das Recht des Besitzstandes als Naturmacht der Warenverhältnisse vollzogen - nicht bedeutet, interpretiert, gedeutet, illusioniert oder dergleichen, sondern vollzogen, um nicht zu verhungern! Im Unterschied zum Feudalbauern kann kein Städter dem Gebot des Geldbesitzes ausweichen, sich irgendwie noch anders ernähren usw. Das einzelne Leben vermittelt sich mit dem gesellschaftlichen also nicht einfach ökonomisch und politisch, sondern durch die Naturgewalt, welche die bürgerliche Gesellschaft als gesellschaftliche Gewalt aus beidem, aus ihrer politischen Ökonomie konstituiert hat.

Die Überwindung des Besitzstandes erfordert also die Überwindung der ökonomischen Form in gleicher Weise, wie die Überwindung der ökonomischen Form die Überwindung des Besitzstandes nötig hat. Die Kritik der politischen Ökonomie realisiert sich also in der Herstellung eines richtigen Wirtschaftens, welches zugleich das Recht auf gesellschaftliche Wirtschaftlichkeit der Produktion involviert.

s.a.

=> Gerechtigkeit

Rechtsbolschewismus

In den USA gibt es eine intellektuelle Strömung, die sich als Neokonservative (Necons) in der Bush-Administration etabliert und ihre Politik als reine Durchsetzungsstrategie konzipiert haben.

Wesentlich für sie ist ein nietzscheanischer Avangardebegriff, der den Menschen als grundsätzlich verwirrt ansieht, so dass er durch eine Elite geführt werden müsse.

s.a.

=> Avantgardismus

Infoup7a2a1 siehe auch Robert Misik: "Bolschewismus von Rechts"

Reduktion

Reduktion ist das Wegnehmen von Bestimmungen an einem wirklichen Gegenstand oder im Denken selbst. Es ist das, worin Abstraktionen auf das Abstrahierte zurückkommen, als Wegnehmen tätig sind, z.B. als Realabstraktion oder als Gedankenabstraktion, indem es seine Wegnahme selbst verallgemeinert, objektiv z.B. als Entfaltung des Werts, subjektiv z.B. als Absicht.

.

s.a.

=> eidetische Reduktion

Reflektion

s.a.

=> Negation

Reflexion

s.a.

=> Reflektion

=> Reaktion,

=> fremde Kraft

Regeneration

Regeneration ist die Generierung einer Ganzheit, die sich verschlissen hat. Was daran verbraucht ist, ist die Substanz dessen, was sie veräußert hatte, um wieder zu erlangen was sie war. In diesem Sinne ist sie Moment der Reproduktion, ohne dass ihr Produktion nötig war oder ist. Durch Regeneration werden die Stoffe zurückgewonnen, die entzogen wurden, gleichgültig gegen die Art und Weise, wie diese gebildet sind. Ihre Grundlage ist lediglich die Ermüdung, der Kraftverbrauch durch irgendeine Tätigkeit.

Indem durch Regeneration ein Ganzes zurückgewonnen wird, wird dieses bestärkt, was immer es auch ist. Weil sie von der Produktion abgelöst ist, geht es darin auch nur um das Haben der Stoffe, die verbraucht wurden. Auch für die Mittel, wie sie diese erlangen kann, ist sie selbst unbestimmt, lediglich von der Notwendigkeit ihrer Ganzheit bestimmt..Hierfür können also auch Vorstellungen dieser Ganzheit bestimmend sein, so die Mittel hierfür vorhanden sind.

s.a.

=> Reproduktion

Regierung

"In der Tat, man muss jeder historischen Kenntnis ermangeln, um nicht zu wissen, dass es die Regierungen sind, die zu allen Zeiten sich den wirtschaftlichen Verhältnissen fügen mussten, aber niemals die Regierungen es gewesen sind, welche den wirtschaftlichen Verhältnissen das Gesetz diktiert haben. Sowohl die politische wie die zivile Gesetzgebung proklamieren, protokollieren nur das Wollen der ökonomischen Verhältnisse."
K. Marx, Elend der Philosophie, MEW 4, 109.

s. a.

=> Oposition

=> Demokratie

Regionalgeld

Regionalgeld ist ein Zahlungsmittel, das auf den Warenkreislauf einer Region beschränkt sein will und - ähnlich wie auch andere Arten des Schwundgeldes - durch die darin zirkulierenden Güter gedeckt sein soll. Von daher will es sich dem Kapital entziehen, also dem Geld, das zur Vertwertung von Geld in eine Produktion vorgeschossen wird um aus der Warenzirkulation als Mehrwert entnommen zu werden.

Verfechter des Regionalgeldes sehen sich meist in der Kritik des Zinswesens, in welchem sie das Wesen des monetarischen Systems sehen. Um die "Vorteile" des Kapitalistischen Systems und damit auch den Kapitalismus zu bewahren, wollen sie dessen "Nachteile", also der "Geldentzug" durch Zinsforderungen, bekämpfen. Zinsen werden hierbei also nicht als Form des Mehrwerts wahrgenommen, welche sich aus der Nutzung und Ausbeutung der Arbeitskraft ergibt, sondern als eine Art Betrug am Menschen, der Geld nötig hat.

Aber schon rein praktisch hat Regionalgeld das Problem seiner Zirkulationzeit, da es in dieser Zeit Wert verliert, wenn es sich nicht durch Zins an die Zeitverschiebung zwischen seiner Entstehung durch Tausch und seinem Vergehen nach dem Rücktausch des Geldes durch Waren nachbessert. Dieses Problem wird durch das Nachwerten mit Wertmarken behoben, die den trifft, der es gerade zu Händen hat. Von daher bezieht sich der "Betrug" nun auf einen Zufall. Dies wird allgemein auch "als Problem" gesehen.

Echtes Schwundgeld muss aber gerade damit existieren, dass sein Wert in der Zeit seiner Zirkulation abnimmt, da ja auch die Güter verzehrt werden, zu deren Wertdeckung es entstanden war. Solches Geld kann aber nur - z.B. als zeitlich befristetes Computergeld, als Chipgeld - von einem entsprechenden Gemeinwesen getragen werden, das die Herstellung und Verwaltung von Geld betreibt und die Kosten und Wertverluste der Geldzirkulation ermitteln kann. Diese Verluste können dann aufgewogen werden, wenn das Mehrprodukt als Waren- und Geldform ermittelt und daraus ein Regionalzins berechnet würde. Das allerdings umfasst die Kenntnis der gesamten regionalen Produktion, die im Regionalgeld zirkuliert, und die Größe des Mehrprodukts, die allerdings erst nach Verkauf der gesamten Produktion festgestellt werden könnte.

Eine andere Möglichkeit, dieses Geld zu stabilisieren, besteht durch die ausschließliche Verwendung des Regionalgeldes für ein Mehrprodukt, das alleine in der Zeit seines Bestehens in Geldform nach Maßgabe einer durchschnittlichen Mehrproduktion und im Maß ihrer Entwertung verzinst würde. Dies alles aber sind bisher bloße Denkmodelle, die nur dann Sinn machen, wenn alle nicht produktiven Geldformen, vor allem das Kapital, welches als Grundrente und Spekulationskapital besteht, aus der Welt sind. Ein einzelnes Verhalten gegen Geld ist wie ein Kampf gegen Windmühlen: Donquischotterie. Andere Vorstellungen gibt es zu diesem Thema beim "internationalen Kommunalismus" und auch beim Brotkorbsozialismus.

s.a.

=> Brotkorbsozialismus

Regung

Regungen werden oft mit dem Begriff "Emotion" als Gemeinbegriff für Gefühle, Empfindungen, Regungen und Seele überhaupt zusammengefasst. Sie sind aber gedanklich nur zu fassen, wenn sie hiervon unterschieden werden. Regungen sind innere Bewegungen, also das, was sich in den Gefühlen der Menschen bewegt. Regungen beziehen sich als Aufregungen auf bestimmte Empfindungen, die im Widerstreit zu sich stehen. Für sich bestehen sie zwar aus Gefühlen und Empfindungen, die sich füreinander abarbeiten (z.B. Traumbildung), aber für sich bilden sie doch einen speziellen Sinn, indem als Regung um sich kreist, was seine Herkunft nicht mehr wissen, keine Gewissheit darüber haben muss. Regungen werden so zum Inhalt einer quasi energischen Bewegung der Gefühle um sich selbst, zur Bewegungsform des Selbstgefühls. Für sich können sie unter isolierten Bedingungen zu einer eigenen Absicht der Selbsterregung werden und zu Inhalten des Selbstgefühls werden, welche seine Erregung ausfüllen.

Für sich sind solche Aufregungen dann tatsächlich keine Regungen mehr, da in ihnen das Subjekt der Bewegung verschwunden ist und als bloße Erregung lediglich die Form seiner Absicht hat (siehe Formbestimmung). Wenn Freud dies als "Energetisches Prinzip" konstatiert haben wollte, so nur deshalb, um in der Aufgeregtheit der Menschen ein Naturprinzip, einen Trieb am Werk zu sehen (s.a. Geschlechtstrieb), der ihm die Verselbständigung der Liebesströme (Libido) erklärlich machen sollte.

s.a.

=> Erregung

=> Gefühl

Reich, Wilhelm

siehe hierzu auch "Probleme des Marxismus"

Reichtum

„Während das Kapital also einerseits dahin streben muss, jede örtliche Schranke des Verkehrs ... niederzureißen, die ganze Erde als seinen Markt zu erobern, strebt es andererseits danach, den Raum zu vernichten durch die Zeit; d. h. die Zeit, die die Bewegung von einem Ort zum anderen kostet, auf ein Minimum zu reduzieren. ... Die universelle Tendenz des Kapitals erscheint hier, die es von allen früheren Produktionsweisen unterscheidet.

Obgleich seiner Natur nach selbst borniert, strebt es nach universeller Entwicklung der Produktivkräfte und wird so die Voraussetzung einer neuen Produktionsweise ... Diese Tendenz ... unterscheidet das Kapital von allen früheren Produktionsweisen ... Alle bisherigen Gesellschaftsformen gingen unter an der Entwicklung des Reichtums - oder, was dasselbe ist, der gesellschaftlichen Produktivkräfte. ...

Das Kapital setzt die Produktion des Reichtums selbst und daher die universelle Entwicklung der Produktivkräfte, die beständige Umwälzung seiner vorhandenen Voraussetzungen, als Voraussetzung seiner Reproduktion.“ (K. Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, 438f.)

Reichtum ist das, was über die unmittelbare Notwendigkeit des Stoffwechsels dem Menschen als Güter seines Lebens verbleibt, als Mittel seiner Produktion und als Reichhaltigkleit seiner Lebensbedürfnisse.

In der bürgerlichen Gesellschaft erscheint der Reichtum "als eine ungeheure Warensammlung, die einzelne Ware als seine Elementarform" (MEW 23, S. 49).

Die Entwicklung der Gesellschaften ist die Entwicklung ihres Reichtums und ihre Geschichte ist nur Ausdruck dieser Entwicklung. Es ist zugleich die Entwicklung ihrer Produktionsmittel und ihrer Bedürfnisse, die Ausbildung ihrer Sinne und Sinnlichkeit.

Die Basis zur Erzeugung von Reichtum ist die Erzeugung eines Mehrprodukts, das in der bürgerlichen Gesellschaft durch seine Kapitalisierung den Wertausdruck des Mehrwerts erhält. Hier stellt sich die Reichtum schaffende Arbeit dar in dem Anteil des Arbeitstags, in welchem die Arbeit über den Aufwand ihrer Reproduktion hinaus wirkt. Dies erzeugt das wesentliche Problem des Kapitalismus, die Beschränktheit seiner Wirtschaft, in welcher Arbeitsprodukte als ein gesellschaftliches Mehrprodukt entstehen, das nicht vollständig in die gesellschaftliche Entwicklung zurückkommt, sondern ihr entzogen wird durch die private Verfügungsmacht des Kapitals. Was nicht zurückkommt, wird nur durch Ausbeutung erpresst, die zugleich auch die Realisierbarkeit des Mehrwerts beschränkt (z.B. können Löhne, welche alleine die Reproduktion der Arbeitskraft begleichen, kein Mehrprodukt in Mehrwert umsetzen). Zwischen Mehrwert und Mehrprodukt entsteht der Widerspruch des bürgerlichen Reichtums selbst, der zu seinen regelmäßigen Krisen treibt, worin das Mehrprodukt entwertet werden muss, um die Produktion zu erneuern (siehe Wertwachstum). Das Mehrprodukt entwickelt sich im Unterschied zum Mehrwert nicht durch die Ausbeutung der Arbeit, sondern durch die Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit. Darin ist der Widerspruch angelegt, den kapitalistische Produktion enthält.

„Der wirkliche Reichtum der Gesellschaft und die Möglichkeit beständiger Erweiterung ihres Reproduktionsprozesses hängt ... nicht ab von der Länge der Mehrarbeit, sondern von ihrer Produktivität und von den mehr oder minder reichhaltigen Produktionsbedingungen, worin sie sich vollzieht.“ K. Marx, Kapital III. MEW 25, 828.

s.a.

=> Armut

siehe hierzu auch "Probleme des Marxismus"
Infoup7d2
Der Reichtum der bürgerlichen Gesellschaft

Erlautup2 Reichtum als menschliche Vergegenständlichung
zitatup4 Reichtum
zitatup1e2a1 Reichtum als Naturbedingung
zitatup5g1 Bedürfnis und Reichtum
Infoup7d1b1 Reichtum bei Marx (Marx-Forum)
quelleup2b2a
Arbeit und Kunst
audioup1a2e1a1a3a3 Probleme des Marxismus I
Gothaer Programm

Reiz

Reize erzeugen Aufmerksamkeit, wo Menschen von sich aus nicht aufmerken würden. Es sind Signale für besondere Regungen, welche schon durch sich erregend sein können. Immerhin erleben die Menschen schon durch Reize etwas, was nicht aus ihrem eigenen Leben kommt. Zwar hat jede Schönheit ihren Reiz. Aber um wirkliche Schönheit geht es selten, wenn von Reiz die Rede ist, bestenfalls von einer ausgefallenen Schönheit, einer besonderen ästhetischen Wirkung. Reiz hat immer etwas mit dem Erzeugen einer Empfindung zu tun, nicht mit Empfindung an sich. Er bewirkt eine eigenständige Empfindung, eine erregte Empdindung, die in sich selbst Ausgleich schaffen muss. Durch Reize werden Menschen wie Tiere erregt und reagieren in der Zwangsläufigkeit ihrer Erregung, die ihre sonstige Wahrnehmung, besonders ihre eigenen Regungen auch oft ausblendet, wenn der Reiz zu einer ausschließlichen Wirkung in der Wahrnehmung kommt.

Ein Reiz ist also wesentlich eine Anmache, der Kitzel einer Empfindung, eines Eindrucks der reinen Sinnesform, eine auf ihre äußerlichste Wirkung versachlichte, also auf das Organ selbst reduzierte Wahrnehmung. Einen Reiz mag alles Ungewöhnliche haben, weil es dem Unerkannten entspricht. Aber er entzieht sich der Gewöhnung nur durch die Unkenntnis dessen, was reizt. Er ist nur eine Wirkung von etwas, das reizvoll ist. Der Reiz blendet die Wahrnehmung im Grunde aus, indem er ihre bloße Erregung als Verdichtung ihrer Wirklichkeit, als Quantifizierung ihres Eindrucks betreibt. Die Wahrnehmung wird durch ihn formbestimmt, und als solche zum bloßen Inhalt dieser Bestimmung, in sich leer und leblos. Der Reiz macht das Wesen einer Kultur aus, in welcher menschliche Identität nicht wahr werden kann, in welcher sie beständig aufgereizt werden muss, um nicht wirklich entstehen zu können - bzw. um den Fortbestand einer Gesellschaft zu sichern, in welcher sie nicht bestehen kann.

Von daher ist der Reiz auch die Grundlage dafür, dass aus Leben ein Erleben werden muss, weil durch die Formbestimmtheit der Wahrnehmung Leben in einer erregten Form wahrgenommen und auch gesucht wird. Reize werden ausdrücklich gesucht, damit entleerte Wahrnehmung, unendliche Selbstwahrnehmung, wieder lebendig wird. Das ist die Grundlage der Selbsterregung dort, wo Wahrnehmung selbst nicht erkannt wird, sich der Erkenntnis widersetzt, weil sie eigene Gründe hat, für sich zu bleiben (siehe abstrakt menschlicher Sinn).

Als Begriff der Psychologie wird Reiz naturalisiert zu einem Begriff naturhafter Stimulanz, die zwangläufige Folgen durch natürliche Bedingtheit haben soll (z.B. Stoffwechsel, Nahrungsaufnahme, Speichelfluss im Pawlowschen Hund usw.). Es ist dies die ideologisch gewendete Formulierung einer bewirkten Wahrnehmung, Affirmation einer Blendung, die in solcher Auffassung als natürlich erscheinen soll. Verblendung ergibt sich hiernach aus einem Reiz-Reaktionsschema, das dem Menschen durch seine Natur schon gegeben sei. Hierbei ergeben sich aus den einfachen Dingen des Lebens (z.B. Nahrung) Reize, die in der Lage sind, eine Ereigniskette in der Abfolge tierischen wie menschlichen Verhaltens auszulösen (siehe Skinner). Solche Psychologie will die Wahrnehmung in einem Verblendungszusammenhang erforschen und belassen, um entweder daran teilzuhaben oder ihn zu restaurieren, wo er Funktionsstörungen aufweist (z.B. Therapie hiergegen zu richten). Dabei wird Reiz mit Wahrnehmung überhaupt gleich gesetzt. Die Therapie funktioniert soweit, wie Wahrnehmung hierbei befriedet wird (z.B. in der Angsttherapie). Es zeigt sich dabei immerhin, dass schon die bloße Anwesenheit von Menschen das Aufgebrachte der Wahrnehmung, das Angst macht, zur Ruhe kommt.

Positiv gesagt sind Reiz und Neugierde synonyme Begriffe. Reiz hat alles, was fremd ist und Neugierde weckt (s.a. Design). Indem aber Reiz zur Anmache wird, bekommt der Begriff sein reaktionäres Gewicht, denn genau dies wird darin geleugnet: Das Zeichen darf nichts zeigen. Es wäre zu offensichtlich, dass es um Manipulation geht: Beherrschung des menschlichen Erkenntnisvermögens durch Enteignung seines Widerstands oder Zweifels. Tatsächlich wird durch einen Reiz eben auch nur eine unerkannte Reaktion bezweckt, ein Verhalten, das einem Schema folgt, das durch Beeindruckung eines Menschen oder einer Ratte bis zur Unkenntlichkeit verborgen bleiben soll. Natürlich funktioniert das immer dann, wenn die Verhältnisse ebenso hinterhältig sind wie die Psychologen, die damit hantieren. Es macht emfindungslos und löst damit Schmerzen, wie dies chemisch auch Psychopharmaka oder Elektroschocks durch Organzerstörung tun.

s.a.

=> Empfindung

=> Reaktion

 

Systemup11a3a Erleben

Relation

Die Relation ist das Maß einer Beziehung, zu der etwas relativ ist. In der Ralation wird von der qualitativen Beziehung abgesehen, also alleine über die Form, z.B. über Abhängigkeiten gesprochen, wie sie ohne Inhalt oder Grund zu begreifen wären. Relationen sind also vorwiegend funktionale oder statistische Beschreibungen von Beziehungen, die für sich beliebig (nicht inhaltlich ausgewiesen) sind.

s.a.

=> Beziehung

Relativ

Relativ ist etwas in bestimmter Beziehung zu anderem innerhalb derselben absoluten Substanz. So kann z.B. nur eine bestimmte Farbe relativ (hell, dunkel, kräftig, schwach usw.) zu einer anderen bestimmten Farbe sein. Alles Relative bewegt sich in absoluter Bestimmtheit, macht ihre Geschichte und Substanz aus. In diesen Beziehungen erweist sich Absolutes in dem, was Aussage hierüber sein kann. Ohne sie wird ein Begriff zu einer Ideologie und über alle Geschichte hinweg genommen zu einer Ontologie.

s.a.

=> Absolut

Religion

"Die Religion ist das Selbstbewußtsein und das Selbstgefühl des Menschen, der sich selbst entweder noch nicht erworben oder schon wieder verloren hat. Aber der Mensch, das ist kein abstraktes, außer der Welt hockendes Wesen. Der Mensch, das ist die Welt des Menschen, Staat, Sozietät. Dieser Staat, diese Sozietät produzieren die Religion, ein verkehrtes Weltbewußtsein, weil sie eine verkehrte Welt sind. Die Religion ist die allgemeine Theorie dieser Welt, ihr enzyklopädisches Kompendium, ihre Logik in populärer Form, ihr spiritualistischer Point-d'honneur |Ehrenpunkt|, ihr Enthusiasmus, ihre moralische Sanktion, ihre feierliche Ergänzung, ihr allgemeiner Trost- und Rechtfertigungsgrund. Sie ist die phantastische Verwirklichung des menschlichen Wesens, weil das menschliche Wesen keine wahre Wirklichkeit besitzt. Der Kampf gegen die Religion ist also mittelbar der Kampf gegen jene Welt, deren geistiges Aroma die Religion ist.

Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes.

Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Die Forderung, die Illusionen über einen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist.“ (MEW 1, S. 378f)

Religion ist die Rückbeziehung des Menschen auf einen geistigen Ursprung (Re-Ligio = Rückbindung), der als ein ihm vorausgesetztes Wesen behauptet ist, in welchem er sich selbst als Moment wiederfindet. Dieses Wesen, das sich in seinem Leben darstellt und erkennbar scheint, wird Gott genannt. Es ist sowohl Bild des Menschen als Übermensch, Gleichnis von ihm, wie Lebensbild für ihn, Wesen, das in ihm und aus ihm scheint und ihn abstrakt bestätigt. In ihm finden und empfinden Menschen Beziehung zu sich, wo ihre Selbstbeziehung nicht wirklich ist, wo sie sich also mit einem hiervon abstrahierten Wesen als Mensch vergewissern, in dem Wesen zu sich kommen, das ihnen ursprünglicher vorkommt, als sie selbst - nicht als gesellschaftliches Wesen, geschichtlich gewordener Geist, sondern als Moment eines allgemein wesentlichen Selbstgefühls, in welchem die ungewiss verbliebenen Empfindungen eines Lebens, das nicht konkret sein kann, vereint sind. Die Kraft der Religion ist die Macht der Selbstbeziehung, die in einem übermenschlichen Selbstgefühl durch Gott gewonnen wiurd, darin allgemein und abstrakt zugleich sich vereint und einig ist.

Da alle Religionen reflektierte Ungewissheit sind, begreifen sie sich als wesentliche Bestimmung jener Gewissheit, in der alle Sinneswelt vereint ist oder vereint sein muss, um sich nicht selbst zu verfallen. Daher stehen Religionen immer in einer Spannung zur körperlichen Selbstgewissheit, denn diese ist zu ihrer Erfüllung bestimmt - manchmal auch nur negativ um ihre Selbständigkeit durch Verneinung niedriger Gewissheit, durch Negation eigener Sinnlichkeit zu bestätigen (z.B. Zölibat). Hierdurch wird Religion zu einer Kulturmacht, denn sie vereint Sinn in sich, den sie nicht durch sich hat, aber durch den sie sinnliche Wirkung hat. Sie wirkt ordnend und strukturierend, gibt dem Leben Sinn, das es in Wirklichkeit nicht hat und verschafft ihm Beziehung auf andere durch eine Gemeinschaft religiöser Ordnung. Diese Kulturmacht hat gewaltige Konsequenzen im gesellschaftlichen Leben der Menschen, besonders in ihrer wirklichen Geschichte und ihren geschlechtlichen Äußerungen zu einander. Zum einen ist sie ihr geistiger Bezug, in welchem die Negation des Körpers als seine geistige Verwirklichung aufgeht. In dieser kritischen Beziehung werden Tiefen der Körpererfahrung entdeckt, die für sich unkrititisch - von daher auch unkritisierbar - erscheinen und extatische Momente haben oder zur Trance des Bewusstseins überführen. Von daher hat Religion praktisch auch magische Kraft.

Im Geisteszusammenhang des Christentums ist Religion die Sehnsucht nach einer unendlichen menschlichen Identität, die sich dem Schmerz der Erkenntnis eines isolierten, von seiner Gesellschaft verlassenen, sich selbst fremden Menschen entzieht. Seine Hoffnung und Illussion ist, sich von Gott verlassen zu fühlen, um sich in der Zuwendung zu ihm zu finden. Sie ist eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens, welche die Verantwortung hierfür in Gotteskindschaft, Lebensschuld und Buße auflöst.

"Dein Glaube hat dir geholfen!" Das heißt: Nur weil du dir nicht gewiss sein wolltest, nichts wissen wolltest und daher kein Gewissen nötig hast, bist du das, was du bist, siehst du das, was du siehst, tust du das, was du tust, hast du das, was du hast.

Religion ist auch der Kult der Befriedung des Diesseits durch die Vorstellung eines Jenseits, das darin schon zumindest als Ästhetik der Transzendenz erfahrbar ist (siehe Liturgie). Erst in der Erkenntnis seiner Endlichkeit beginnt der Mensch, sich seiner Geschichte bewusst zu werden und sich in seiner Welt als daseiendes Wesen eigener Gegenständlichkeit zu begreifen. "Das höchste Wesen für den Menschen ist der Mensch" (Marx)

s.a.

=> Übersinnlichkeit

=> Endlichkeit

Siehe hierzu auch:
Wolfram Pfreundschuh (2006):
Religion und Politik - einige Hintergründe zum sogennanten "Kampf der Kulturen"

 

zitatup1a1 Religion
zitatup1c Religion und Elend
zitatup2b Religion und Warenfetischismus
quelleup5a27e1a1a Religion und Masse
quelleup5a9a1a2 Heidegger und Religion
Erlautup1a Religion als Widerschein der wirklichen Welt bei Marx
webup Religion bei Marx (Marx-Forum)
webup1 Religion und Aufklärung

Reliquie

Eine Reliquie ist eine stoffliche Kultform des Glaubens, die Vergötterung eines Geheiligten an sinnlichen Spuren, die mit ihm in Verbindung stehen. Jeder Stoff, der in Berührung mit dem Übersinnlichen war (z.B. Knochen, Holzsplitter usw.), kann das Medium des Reliquien-Kults sein. Als dieses übermittelt sich ihm die Illusion der Stofflichkeit als Dasein, welches für sich zu sein scheint, weil es wirklich da ist, gleichgültig, was es in Wirklichkeit ist. In ihm stellt sich zumindest eine Geschichte dar, auch wenn sie nicht wirklich ist - es muss lediglich das Tote einer Geschichte sein, das als Leben über irgendein stoffliches Sein vorgestellt wird, ein Lebensbild, dessen Stoff gleichgültig wie jedes Medium ist.

Ihrm Grund nach ist die Reliquie die Aufhebung der Glaubensnot in der Berührung mit der Zeit, der Endlichkeit des Unendlichen, dem Sinn des Heiligen im Fakt des Stofflichen, ein Fetisch des Heiligen, der durch die Verkörperung einer Gegenwärtigkeit des Heiligen Glaubensgewissheit erzeugt. Durch die Vergeschichtlichtlichung des Ewigen wird Glaubenszweifel aufgehoben, zugleich darin bewahrt, dass die Demut vor der Reliquie ihrem Wesen nach bigott ist.

Das Medium macht Leben sinnfällig, lässt es als beliuebige Assoziatiuon in die Vorstellung eingehen, bis das Vorgestellte vom wirklichen Leben nicht zu unterscheiden ist. Der Kult damit macht aus der Reliquie selbst den Heiligen, den sie berührt hat, den Übersinn, der leben soll, auch wenn er längst gestorben ist. Im Kult mit einem Medium wird das Leben nicht nur vorgestellt, sondern als Gefühl vollzogen, das durch die Reliquie ist. Darin wird das Heilige erlebt, weil etwas da ist, dem es zugehört, den es berührt hat. Die Berührung ist daher auch der Grund aller Rührung, die hierin eingeht, göttliche Rührung bis zur geistigen Erbauung. Hieraus erklärt sich die magische und suggestive Wirkung, die Reliquien bei gläubigen Menschen haben können, so ihr Glaube ohne dies in Zweifel steht, wenn sein spiritueller Boden nicht hinreicht. Viele "Wunderwirkungen" lassen sich aus dieser Magie erklären, die vor alle Erlösung aus dem Zweifel sucht (s.a. Zwang).

s.a.

=> Religion

Rente

Die Rente ist der Teil des Lohns, den die jüngere Generation an die ältere abgeben muss, um ihren Lebensabend (siehe Alter) zu finanzieren, also insgesamt der Teil des Arbeitslohns (s.a. Konstantes Kapital), der zur Reproduktion einer anderen Generation verbraucht wird.

Dies ist eine der wenigen Abweichungen vom Einkommensverständnis in der bürgerlichen Gesellschaft, die sonst darauf gründet, dass jeder für seine Reproduktion selbst zu sorgen hätte. Das ist hier anders, weil sonst die Rente ein Teil des Mehrwerts abschöpfen würde, also Kapital für jedermann wäre, ein Finanzkapital, welches auf den "Arbeitsnehmer" bezogen tatsächlich als Anteil an der Rendite zu verrechnen wäre. Es wäre wie die Lebensversicherung, die Selbständige zur Altersvorsorge haben: Vorgeschossenes Geld, also Kapital, das dem Arbeitsverwertungskreislauf entzogen wäre, um für das Alter als Kapital "zu arbeiten".

Indem Rente der Sozialkasse zugeordnet und gleichgestellt wird, wird sie weiterhin als unproduktives Geld konstanten Kapitals geführt und unabhängig von der Entwicklung des Mehrwerts gerechnet. Aus diesem Grund zirkuliert das Geld auch nur zeitgleich mit der Prodution, also von der arbeitenden Generation zur nicht mehr arbeitenden, und nicht als Einzahlung in eine Versicherung, welche damit arbeiten könnte. Dies hatte der schlaue Fuchs Konrad Andenauer nach der Währungsreform so eingeführt, um die Kosten für den "Wiederaufbau" Deutschlands, die Entwicklung des Konstanten Kapitals, möglichst von Altersgeldabzügen frei zu halten. Es war ein Teil des "Wirtschaftswunders", der allerdings nur mit einem sonderbaren Verrechnungsschlüssel für alle Zukunft funktionieren konnte: Jede deutsche Familie musste im Durchschnitt zwei Kinder bekommen, damit die Alterssicherung gedeckt ist. Dies ist bei weitem nicht mehr der Fall, aber ein Ausstieg aus diesem System unmöglich, weil sonst eine Generation ohne Rente bliebe. Also muss in Zukunft immer mehr Anteil des Lohns der arbeitenden Generation an die Rentenkasse gehen (im Jahr 2030 muss ein Rentner von 1,5 Arbeitern finanziert werden, weil dann 50% der Bevölkerung in der Rente sind. Mit wenigem Nachdenken schon weiß jeder, dass das nicht einlösbar ist. Es ist neben vielem anderen (Gesundheitskosten, Umweltkosten, Ressourcenknappheit) ein bedeutsames Aggressionspotential der Zukunft - es sei denn, der Arbeitsprozess könnte bis dahin sozialisiert werden (Sozialismus).

s.a.

=> Alter

statist2up20k2 Rentenbeiträge
statist2up20k1a Rentenreform 2003
statist2up20k2a Rentenkaufkraftverluste
statist2up20k3 Rentenniveau bis 2030
statist2up20k4 Rentenzuzahlungen ab 2004

repräsentative Demokratie

In Erwägung, dass wir der Regierung
Was sie immer auch verspricht, nicht traun
Haben wir beschlossen, unter eigner Führung
uns nunmehr ein gutes Leben aufzubauen.

Bert Brecht, aus der Resolution der Kommunarden

Repräsentative Demokratie beruht auf der Repräsenzanz der mehrheitlichen Wählermeinung im Parlament der bürgerlichen Demokratie. Die Repräsentanten sind Abgeordnete, die der Ordnung des Gegebenen mit ihrer Meinung gegegenübeerstehen, die durch sie und die Macht des Staatsapparats als politischer Wille agiert. Von daher neigt jeder Politiker zum Populismus, um seinen Willen mit politischer Macht versehen zu können.

Wieweit die Meinung der Wähler überhaupt die Wählermeinung darstellen kann, bemisst sich lediglich an deren Verallgemeinerung, die sich nur durch Wiederwahl im Wahlzyklus bestätigt oder verneint. Innerhalb des Parlaments verbleibt die Möglichkeit eines Misstrauensvotums, falls die politische Funktion einer Meinung in Frage steht, also eigentlich die Funktionalität von Politik.

s.a.

=> Demokraitie 

Reproduktion

Die Reproduktion ist ein Moment der Produktion. Ihre Quellen (Arbeitskraft, Bodenschätze, Energie, Infrastruktur, Bildung, Arbeitsmittel usw.) dürfen nicht austrocknen, soll sich Arbeit überhaupt lohnen. Im Unterschied zur reinen Regeneration, worin diese Beziehung auf Produktion gleichgültig ist, stellt sich in der Reproduktion die Notwendigkeit der Produktion als bestimmte Art und Weise der Regeneration heraus; sie hat also einen bestimmten Zweck..

Im Kapitalismus ist die Produktion und die Reproduktion getrennt; Produktion in der Hand des Kapitals, Reproduktion Sache des Staats und der Individuen der bürgerlichen Gesellschaft. Diese Trennung wird besonders politisch dadurch aufrechterhalten, dass sie auf unterschiedlichen Klassen des Besitzes beruht: Auf dem Besitz an Produktionsmittel und dem Besitz an Arbeitskraft und Naturquellen (siehe Ressourcen). In den Dienstleistungsgesellschaften bestehen die Reproduktionsinteressen nur innerhalb der organischen Reproduktion des Kapitals als ausgegliederter Verwaltungs- und Technologiebereich, in welchem sich die Menschen Regenieren müssen, um an den Produkten teilzuhaben. Dass sie hierbei an der Produktion teilhaben, kann ihnen gleichgültig sein, sofern sie das Geld hierfür besitzen (siehe Geldbesitz).

s.a.

=> Produktion

Ressourcen

Ressource ist der logistische Begriff für die organischen Voraussetzungen des Produktionsprozesses (Arbeitskräfte, Produktionsmittel, Bodenschätze und Energie) vom Standpunkt des Kapitals, durch welchen diese als Objekt der bloßen Naturausbeutung verstanden werden. Als eigentliche Ressourcen gelten insbesondere Bodenschätze, also alle Rohstoffe, welche der Natur entnommen werden, um den Produktions- und Verwertungsprozess zu speisen, vor allem Öl und Gas, zunehmend auch Wasser. Ursprünglich waren Bodenschätze natürliche Selbstverständlichkeiten, so, wie etwa die Luft zum Atmen. Sie wurden über den Landbesitz im Feudalismus zur gesellschaftlichen Bestimmung der Abhängigkeitsverhältnisse und im Kapitalismus in ein Wertverhältnis als Pachtverhältnis zwischen Grundbesitzer und Bauer oder Grubenpächter gewandelt. Inzwischen werden auch schon Lizenzverhältnisse darüber abgeschlossen, wie die Wellenlängen des Luftraumes zu verwenden sind (siehe UMTS-Verträge). Die Knappheit entsteht nicht durch die Vielfalt der Nutzung alleine, sondern vor allem aus den unendlich vielen Verwertungsinteressen. Auch das Wasser wird zunehmend verwertet und dadurch für den Gebrauch verknappt. Man sieht: Vor allem die Verwertbarkeit macht die Ressource und ihre Knappheit aus.

Für das Kapital besteht auch deshalb Ressourcenknappheit, weil ein hohes Angebot den Kostpreis der Produktion drückt und damit der günstigere Preis der Produkte das "Konsumklima" steigert, also Wertrealisation sichert. Zum anderen aber stellt der Besitz an Ressourcen ein Monopol für den ganzen Kapitalisierungsprozess dar, der die Verwertungslage allgemein bestimmt. Der Besitz an Ressourcen, also der Grundbesitz, und das ist eigentlich entscheidend, macht letztlich die Verfügungsmacht des Kapitals aus, ist sein wirklicher Werthintergrund. Nur wer über diese Ressourcen verfügen kann, kann den Kapitalismus forttreiben, weil darin die Selbständigkeit des Werts als Grundrente, wirklich das ist, was sich selbst im Wertwachstum fortbestimmt, besonders, wenn die Profitrate fällt und die Krise der Wertrealisation ausgebrochen ist.

Da die Resourcen für viele Grundstoffe der Produktion, besonders der Energie, in armen Ländern vorkommt, werden diese durch Monopolisierung ihrer Wirtschaft von den Produkten der reichen Ländern abhängig gemacht. Zudem werden ihre Kulturen dadurch entwertet, dass ihre Infrastruktur zerstört wird und die Länder ihrer Selbstbestimmung entrisssen werden. Die Kriege seitens des Kapitals gegen solche Länder haben mehrfachen Nutzen für die reichen Länder. Einmal zielen sie auf politische Einflußnahme auf deren Grundbesitz an Ressourcen, also auf den Rohstoffpreis. Von daher verbessern sie die Wertlage der reichen Länder und gelten als gängige Krisenreaktionen mit Zukunft für den Kapitalkreislauf des Finanzkapitals. Außerdem bringen sie für das Kapital den "Vorteil" mit, dass die Zerstörung von Infrastrukturen ihre Wiederherstellung einschließt, also den "Konsumbedarf" an Produkten des Kapitalismus, namentlich Lebensmittel, Maschinen und Waffen, ankurbelt, und sei es durch Kredite, die gewährt werden, um die Resultate des Wiederaufbaus abzupressen.

s. a.

=> Bodenschätze

=> Grundrente

statist2up16e Ölmultis 1997
statist2up16a1
Ölförderung
statist2up16b1
Öl- und Gasreserven
statist2up16c1
Ölverbrauch nach Staaten
statist2up16d1
Ölpreissturz im Verh. zu Rohstoffpreis

Revolution

„Alle Revolutionen vervollkommneten [...] nur die Staatsmaschinerie, statt diesen ertötenden Alp abzuwerfen. Die Fraktionen und Parteien der herrschenden Klassen, die abwechselnd um die Herrschaft kämpften, sahen die Besitzergreifung (Kontrolle) (Bemächtigung) und die Leitung dieser ungeheuren Regierungsmaschinerie als die hauptsächliche Siegesbeute an. Im Mittelpunkt ihrer Tätigkeit stand |540| die Schaffung ungeheurer stehender Armeen, einer Masse von Staatsparasiten und kolossaler Staatsschulden.“ (K. Marx, Bürgerkrieg in Frankreich, MEW Bd.17, S.539)

"Die Kommune war eine Revolution gegen den Staat selbst, gegen diese übernatürliche Fehlgeburt der Gesellschaft; sie war eine Wiederbelebung durch das Volk und des eigenen gesellschaftlichen Lebens. Sie war nicht eine Revolution, um die Staatsmacht von einer Fraktion der herrschenden Klassen an die andere zu übertragen, sondern eine Revolution, um diese abscheuliche Maschine der Klassenherrschaft selbst zu zerbrechen. ... Die Kommune war die entschiedene Negation jener Staatsmacht und darum der Beginn der sozialen Revolution des 19. Jahrhunderts. Was daher immer ihr Geschick in Paris ist, sie wird ihren Weg um die Welt machen." (K. Marx, Bürgerkrieg in Frankreich, MEW 17, 541f.)

Revolution ist eine Veränderung, in welcher eine Gesellschaft wesentlich auf sich in einer Form zurückkommt, die ihrem längst entwickelten Inhalt entspricht, so dass dieser darin seine Befreiung und Entfaltung findet. Im Unterschied zur Transformation beschreibt Revolution einen Bogen auf sich zurück (Re-volare), die Rückkunft des Wesentlichen in der Überwindung überkommener Form, seine wirkliche Wendung zu einer höheren Entwicklungsstufe einer Gesellschaft.

Revolution ist die Negation einer gesellschaftlichen Form, welche sich selbst widerspricht, indem sie ihre eigene Geschichte und Entwicklung behindert, sich im Widerspruch ihrer anachronistisch gewordenen Form, in ihrem Klassengegensatz, ihrem Klassenkampf aufbraucht. Im Kampf mit sich selbst wendet sie ihren Reichtum gegen sich, wird sie unfähig zu einer weiteren Entwicklung unter den bestehenden Bedingungen und widerspricht somit dem Wesen ihrer eigenen Geschichte (siehe Krise). Sie verkehrt ihre Wesenkäfte zur bloßen Abstraktion ihrer Form und wird in dieser Formbestimmung zur Gewalt einer schlechten Unendlichkeit. Von da her bedarf sie der Erneuerung ihrer Subjektivität, ihrer Wesenskraft überhaupt, dem revolutionären Subjekt, der Wendung der unterdrückten Klasse zum handelnden Subjekt, zur Geschichtsbildung überhaupt. "Die Revolutionen sind die Lokomotiven der Geschichte" (MEW 7, S. 85). Es geht dabei nicht mehr um die Ablösung einer Klassenherrschaft durch eine andere, sondern um die Aufhebung des Klassenverhältnisses überhaupt.

"Die Bedingung der Befreiung der arbeitenden Klasse ist die Abschaffung jeder Klasse .... Nur bei einer Ordnung der Dinge, wo es keine Klassen und keinen Klassengegensatz gibt, werden die gesellschaftlichen Veränderungen aufhören, politische Revolutionen zu sein."( K. Marx, Elend der Philosophie, MEW 4, 181f.)

"Die Abschaffung der Klassen ist unsere Grundforderung, ohne sie ist die Abschaffung der Klassenherrschaft ökonomisch ein Unding." (F. Engels, Kritik des SPD-Programmentwurfs, MEW 22, 232.)

Der Klassengegensatz lässt sich heute oft nicht mehr qualitativ im Arbeitsprozess selbst zeigen und anschaulich machen. Er besteht aber nach wie vor im Gegensatz von Reichtum und Armut, von Armut, die durch Reichtum begründet wird, weil sie ihn bewirken, also verursachen muss, indem sie ihre Ohnmacht nur verwirklichen kann. Im Gegensatz von reichen Ländern und armen Ländern hat der Klassengegensatz inzwischen seinen abstraktesten und finalen Ausdruck. Dennoch lässt sich auch darin die Ausbeutung der einen durch die anderen nachweisen, wenn das Mehrprodukt selbst untersucht wird und bewiesen wird, worin es sich darstellt: Im Mehrwert, den sich die Reichen als Entzug von Arbeits- und Lebensvermögens der Armen, Entzug von Zeit ihrer Tätigkeit und ihres Lebens. Unterdrückung findet nicht mehr an der Arbeitsstätte statt, sondern allein im Wertverhältnis der Löhne, der Devisen und der Konsumstandards, in welchen sich die Erpressung und Auspressung der Armen ohne weiteres nachweisen lässt.

"Eine unterdrückte Klasse ist die Lebensbedingung jeder auf Klassengegensatz begründeten Gesellschaft. Die Befreiung der unterdrückten Klasse schließt also notwendigerweise die Schaffung einer neuen Gesellschaft ein. ... Heißt dies, dass es nach dem Sturz der alten Gesellschaft eine neue Klassenherrschaft geben wird, die in einer neuen politischen Gewalt gipfelt? Nein. Die Bedingung der Befreiung der arbeitenden Klasse ist die Abschaffung jeder Klasse. ...

Die arbeitende Klasse wird im Laufe der Entwicklung an die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft eine Assoziation (= freiwillige Vereinigung) setzen, welche die Klassen und ihren Gegensatz ausschließt, und es wird keine eigentliche politische Gewalt mehr geben, weil gerade die politische Gewalt der offizielle Ausdruck des Klassengegensatzes innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft ist. ... Nur bei einer Ordnung der Dinge, wo es keine Klassen und keinen Klassengegensatz gibt, werden die gesellschaftlichen Evolutionen aufhören, politische Revolutionen zu sein." (Karl Marx, Elend der Philosophie, MEW 4, 181f.)

Nach Marx ist die sozialistische Revolution die Emanzipation des sich selbst erzeugenden Menschen aus der gesellschaftlichen Versachlichung (siehe Warenfetischismus) seines Lebens (siehe Entfremdung). Die Unterwerfung des Menschen unter die Sache, der Tätigkeit unter den Konsum, des Gestaltens unter die Vernutzung, der Vielfältigkeit unter die Einfältigkeit, der Armut unter den Reichtum, der Freiheit unter die Notwendigkeit - all das ist Ausdruck und Regel der bürgerlichen Gesellschaft. In ihr wird das Lebende vom Toten, die lebende Arbeit von der toten Arbeit (siehe Kapital), das Wesentliche von einem Unwesen (siehe Wert), von einer abstrakten Form (siehe Realabstraktion) beherrscht und entfaltet (siehe Formbestimmung). Um diese Verhältnisse umzukehren, muss das Unterworfene, dieses sich und seine Welt erzeugende Wesen zum Subjekt der Revolution werden. Es revolutioniert durch seine Emanzipation zugleich die bürgerliche Gesellschaft zu einer freien Gesellschaft der sich selbst erzeugenden und bezeugenden Menschen. Indem es seine Ketten sprengt, befreit es die Gesellschaft von ihrer anachronistischen Form. Revolution ist für den sich selbst fremden Menschen der bürgerlichen Gesellschaft nichts anderes als die Subjektwerdung des Menschen überhaupt, die Emanzipation der menschlichen Lebenszusammenhänge zu einer menschlichen Gesellschaft.

Um eine formelle Herrschaft aufzuheben muss der Inhalt seiner selbst gewiss, bewusst und tragend werden (siehe Bewusstsein). Als Kritik am Bestehenden bewahrheitet er sich und wird innerhalb seiner Wahrheit allgemein. Von da her wird er den Gewalten der herrschenden Form, der Reaktion gegenüber stehen. Gewalt kann in dieser Konfrontation niemals sein Zweck sein, weil er auf seiner Subjektivität gründet, weil er wirkliches Subjekt schon ist, welches lediglich seine überkommene Form, eine ihm fremde, eine objektive Subjektivität abstreift. Gewalt kann also nur ein Mittel der Selbstverteidigung sein, das sich unmittelbar gegen Unterdrückung wendet ("Die Waffe der Kritik kann die Kritik der Waffen nicht ersetzen." Marx).

"Auf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung geraten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverhältnissen oder, was nur ein juristischer Ausdruck dafür ist, mit den Eigentumsverhältnissen, innerhalb deren sie sich bisher bewegt hatten. Aus Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln derselben um: Es tritt dann eine Epoche sozialer Revolution ein. Mit der Veränderung der ökonomischen Grundlage wälzt sich der ganze ungeheure Überbau langsamer oder rascher um. In der Betrachtung solcher Umwälzungen muß man stets unterscheiden zwischen der materiellen, naturwissenschaftlich treu zu konstatierenden Umwälzung in den ökonomischen Produktionsbedingungen und den juristischen, politischen, religiösen, künstlerischen oder philosophischen, kurz, ideologischen Formen, worin sich die Menschen dieses Konflikts bewußt werden und ihn ausfechten." (MEW 13, S. 8f)

Das große Problem der Theorie der Revolution ist der Begriff einer "Diktatur des Proletariats " der als "revolutionärer" Umkehrschluss von der "Diktatur der Bourgeoisie" gemeint ist. Es scheint, dass diese "Diktatur" vor allem nicht den bestehenden Reichtum menschlich wirklich machen, zu einer menschlichen Gesellschaft entwickeln kann, sondern der Armut lediglich im "Neid auf das Bestehende" (Marx) zur politischen Macht verhilft. Dies kann nicht kennzeichnend für eine menschliche Revolution sein (vergleiche z.B. die Bedeutung der Philosophie hierzu bei Marx Mehrup1a ).

Revolution ist kein Akt, sondern ein permanenter Prozess, der dem revolutionären Imperativ folgt, alle Verhältnisse umzustoßen, in denen der Mensch "ein verächtliches Wesen" (Marx) ist. Dies bedeutet, dass die Mechanismen und Formationen, welche die Menschen ihrer konkreten Tätigkeit, Selbstbestätigung und Gesellschaftlichkeit durch die Macht ihrer Abstraktionen (siehe Realabstraktion) beraubt, zur konkreten Verwirklichung menschlicher Beziehungen in ihrer Gesellschaft werden sollen (siehe auch Sozialismus und Kommunismus).

Revolution ist nur solange nötig, wie es Klassengegensätze gibt. Das Ende der Klassengegensätze wird der Anfang einer freien Evolution der Menschen sein:

„Die Bedingung der Befreiung der arbeitenden Klasse ist die Abschaffung jeder Klasse....

Die arbeitende Klasse wird im Laufe der Entwicklung an die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft eine Assoziation (= freie Vereinigung) setzen, welche die Klassen und ihren Gegensatz ausschließt, und es wird keine eigentliche politische Gewalt mehr geben, weil gerade die politische Gewalt der offizielle