Gestaltpsychologie: Unterschied zwischen den Versionen

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Unter Gestaltpsychologie werden Richtungen innerhalb einer [[ph�nomenologischen]] [[Psychologie]] zusammengefast, welche die [[Psyche]] auf eine Wahrnehmungstendenz reduzieren, sie selbst als menschliche [[Wahrnehmung]] mit der F�higkeit quasi objektiv aufzufassen, welche die Strukturen und Ordnungsprinzipien in Sinneseindr�cken ausmacht und diesen in eigenen naturhaften Gestaltungsregeln mehr oder weniger unwillk�rlich folgt. Die Gestaltpsychologien unterschiedlicher Richtung leiten sich aus einer Arbeit des Philosophen Christian von Ehrenfels aus dem Jahre 1890 her, worin dieser seine Auffassung beschrieb, die Wahrnehmung enthalte Qualit�ten, die sich nicht aus der Anordnung einfacher Sinnesqualit�ten ergeben, sondern selbst schon unmittelbar eine Gestaltungstendenz befolge. Die [[Psyche]] wird somit selbst auf eine Art Wahrnehmungsorgan, auf ein selbstst�ndiges und also allgemein [[isolierbares]] Objekt der Wahrnehmungspsychologie reduziert, das quasi naturwissenschaftlich auf seine [[�sthetische]] Funktionen hin untersucht wird und sich individuell lediglich verifizieren kann. Damit ist sie die [[Theorie]] einer Form der [[allgemeinen]] Wahrnehmung, die sich im einzelnen [[Erleben]] nur selbst veranschaulichen kann, ihre [[Interpretation]] also selbst als ihren [[Gegenstand]] versteht (siehe [[Hermeneutischer Zirkel]]).  
Unter Gestaltpsychologie werden Richtungen innerhalb einer [[phänomenologischen]] [[Psychologie]] zusammengefast, welche die [[Psyche]] auf eine Wahrnehmungstendenz reduzieren, sie selbst als menschliche [[Wahrnehmung]] mit der Fähigkeit quasi objektiv aufzufassen, welche die Strukturen und Ordnungsprinzipien in Sinneseindrücken ausmacht und diesen in eigenen naturhaften Gestaltungsregeln mehr oder weniger unwillkürlich folgt. Die Gestaltpsychologien unterschiedlicher Richtung leiten sich aus einer Arbeit des Philosophen Christian von Ehrenfels aus dem Jahre 1890 her, worin dieser seine Auffassung beschrieb, die Wahrnehmung enthalte Qualitäten, die sich nicht aus der Anordnung einfacher Sinnesqualitäten ergeben, sondern selbst schon unmittelbar eine Gestaltungstendenz befolge. Die [[Psyche]] wird somit selbst auf eine Art Wahrnehmungsorgan, auf ein selbstständiges und also allgemein [[isolierbares]] Objekt der Wahrnehmungspsychologie reduziert, das quasi naturwissenschaftlich auf seine [[ästhetische]] Funktionen hin untersucht wird und sich individuell lediglich verifizieren kann. Damit ist sie die [[Theorie]] einer Form der [[allgemeinen]] Wahrnehmung, die sich im einzelnen [[Erleben]] nur selbst veranschaulichen kann, ihre [[Interpretation]] also selbst als ihren [[Gegenstand]] versteht (siehe [[Hermeneutischer Zirkel]]).


Die verschiedenen Schulen, die sich daraus ergaben, waren sich darin einig, dass die Gestaltqualit�ten des "Wahrnehmungserlebens" (siehe [[Erlebnis]]) unterschieden seien durch ihre [[Struktur]] (Gef�ge, Tektonik), Ganzbeschaffenheit ([[Eigenschaften]] wie durchsichtig, leuchtend, rau) und ihrem [[Wesen]] ([[Charakter]], Habitus, Gef�hlswert). Nach Wertheimer und Palmer habe Wahrnehmung hierdurch eine eigene Gesetzm��igkeit, die unterschiedliche Regeln befolgen w�rde nach dem Gesetz der N�he, der Geschlossenheit, des gemeinsamen Schicksals, der gemeinsamen Region, der Gleichzeitigkeit, der verbundenen Elemente, der �hnlichkeit, der guten Gestalt (Einfachheit bzw. Pr�gnanz) und der guten Fortsetzung (oder der durchgehenden Linie).
Die verschiedenen Schulen, die sich daraus ergaben, waren sich darin einig, dass die Gestaltqualitäten des ''Wahrnehmungserlebens'' (siehe [[Erlebnis]]) unterschieden seien durch ihre [[Struktur]] (Gefüge, Tektonik), Ganzbeschaffenheit ([[Eigenschaften]] wie durchsichtig, leuchtend, rau) und ihrem [[Wesen]] ([[Charakter]], Habitus, Gefühlswert). Nach Wertheimer und Palmer habe Wahrnehmung hierdurch eine eigene Gesetzmäßigkeit, die unterschiedliche Regeln befolgen würde nach dem Gesetz der Nähe, der Geschlossenheit, des gemeinsamen Schicksals, der gemeinsamen Region, der Gleichzeitigkeit, der verbundenen Elemente, der Ähnlichkeit, der guten Gestalt (Einfachheit bzw. Prägnanz) und der guten Fortsetzung (oder der durchgehenden Linie).


Entscheidend sei f�r die [[Wahrnehmung]] die [[Ganzheit]] ihrer [[Erleben]]sbeziehung. Diese wird �berhaupt nur zirkul�r verstanden, hat aber dennoch immer zwei Seiten, die schon in der Verhaltenstheorie deutlich geworden waren: Die �u�ere Seite der [[Anreizung]] und die innere Seite der Verarbeitung. Was soll dabei "[[Erleben]]" sein: lediglich empirische [[Tatsache]] des [[Ereignisses]] f�r die [[Wahrnehmung]] oder wesenhafte Tendenz aus dem Erfahrungshintergrund der menschlichen Kognition? Mit der Auseinandersetzung �ber diesen Gegensatz innerhalb [[ph�nomenologischer]] Grundannahmen entwickelte sich folgerichtig eine Spaltung grunds�tzlicher [[Interpretationen]] der Gestaltungstendenzen, die sich in eine eher empiristische Schule (Berliner Schule) und in eine eher introspektive Schule (Leipziger Schule) entwickelten. Auf Wikipedia wird dies folgenderma�en beschrieben:
Entscheidend sei für die [[Wahrnehmung]] die [[Ganzheit]] ihrer [[Erleben]]sbeziehung. Diese wird überhaupt nur zirkulär verstanden, hat aber dennoch immer zwei Seiten, die schon in der Verhaltenstheorie deutlich geworden waren: Die äußere Seite der [[Anreizung]] und die innere Seite der Verarbeitung. Was soll dabei ''[[Erleben]]'' sein: lediglich empirische [[Tatsache]] des [[Ereignisses]] für die [[Wahrnehmung]] oder wesenhafte Tendenz aus dem Erfahrungshintergrund der menschlichen Kognition? Mit der Auseinandersetzung über diesen Gegensatz innerhalb [[phänomenologischer]] Grundannahmen entwickelte sich folgerichtig eine Spaltung grundsätzlicher [[Interpretationen]] der Gestaltungstendenzen, die sich in eine eher empiristische Schule (Berliner Schule) und in eine eher introspektive Schule (Leipziger Schule) entwickelten. Auf Wikipedia wird dies folgendermaßen beschrieben:


"W�hrend die Berliner Schule die Auffassung der Erlebensimmanenz vertrat, nach der Erlebnisse aus Erlebnissen hervorgehen, waren die Leipziger der Meinung, Erlebnisse seien durch erlebensjenseitige Gegebenheiten bedingt. Sie setzten einen Bereich transph�nomenalen seelischen Seins an, den sie �Struktur� nannten. Konkretere Ausf�hrungen dieser Annahme gab es nicht; bekannt sind die allgemeinen Ausf�hrungen zum �Problem des seelischen Seins� von Albert Wellek. Dabei ist es besonders problematisch, dass Sander die von ihm postulierten Gestaltgesetze in einem ideologisch �berfrachteten Zusammenhang zur Propagierung nationalsozialistischer Weltanschauung nutzte. Die von ihm postulierte Tendenz zur �guten Gestalt� war nach seinen Schriften nicht nur eine universelle Tendenz, �gestaltfremdes� aus der pers�nlichen Wahrnehmung zu eliminieren. Vielmehr war die von Sander postulierte Gestaltschlie�ung auch dort ein quasi naturgegebenes Ph�nomen, wo etwa die �gute Gestalt� des deutsch-arischen Volkes alles �gestaltfremde� (wie etwa Juden, Kommunisten, Homosexuelle etc.) abzut�ten tendierte. So bef�rwortet Friedrich Sander die �Ausschaltung des parasitisch wuchernden Judentums� und die Zwangssterilisierung von Deutschen mit �minderwertigem Erbgut� als Ausdrucke eines �Willens zur reinen Gestalt deutschen Wesens� (Nationalsozialistisches Bildungswesen, 1937)." (aus [[Wikipedia]])  
<blockquote>''Während die Berliner Schule die Auffassung der Erlebensimmanenz vertrat, nach der Erlebnisse aus Erlebnissen hervorgehen, waren die Leipziger der Meinung, Erlebnisse seien durch erlebensjenseitige Gegebenheiten bedingt. Sie setzten einen Bereich transphänomenalen seelischen Seins an, den sie „Struktur“ nannten. Konkretere Ausführungen dieser Annahme gab es nicht; bekannt sind die allgemeinen Ausführungen zum „Problem des seelischen Seins“ von Albert Wellek. Dabei ist es besonders problematisch, dass Sander die von ihm postulierten Gestaltgesetze in einem ideologisch überfrachteten Zusammenhang zur Propagierung nationalsozialistischer Weltanschauung nutzte. Die von ihm postulierte Tendenz zur „guten Gestalt“ war nach seinen Schriften nicht nur eine universelle Tendenz, „gestaltfremdes“ aus der persönlichen Wahrnehmung zu eliminieren. Vielmehr war die von Sander postulierte Gestaltschließung auch dort ein quasi naturgegebenes Phänomen, wo etwa die „gute Gestalt“ des deutsch-arischen Volkes alles „gestaltfremde“ (wie etwa Juden, Kommunisten, Homosexuelle etc.) abzutöten tendierte. So befürwortet Friedrich Sander die „Ausschaltung des parasitisch wuchernden Judentums“ und die Zwangssterilisierung von Deutschen mit „minderwertigem Erbgut“ als Ausdrucke eines „Willens zur reinen Gestalt deutschen Wesens“ (Nationalsozialistisches Bildungswesen, 1937). (aus [[Wikipedia]])''</blockquote>


Heute ist die Gestaltsychologie eher [[systemtheoretisch]] begr�ndet. Sie geht davon aus, dass die Kommunikation der Menschen selbst durch Strukturen (Konstellationen, Stellungen) der [[zwischenmenschlichen Beziehungen]] bestimmt ist (siehe hierzu auch [[Systemische Psychologe]]). Gestaltsychologie kann man aber auch als Grundlage daf�r nehmen, in den Mustern der [[Wahrnehmung]] ihre Gestaltungstendenz zu erkennen (siehe auch [[Mustertheorie]]), um sie in einer [[k�rperlichen]] Form ihrer [[zwischenmenschlichen Beziehung]] zu erl�utern. Gef�hlsprobleme werden damit allerdings auf ihren [[�sthetischen]] [[Ausdruck]] reduziert (siehe [[eidetische Reduktion]]) und als solche schlie�lich beurteilt und [[bewertet]].
Heute ist die Gestaltsychologie eher [[systemtheoretisch]] begründet. Sie geht davon aus, dass die Kommunikation der Menschen selbst durch Strukturen (Konstellationen, Stellungen) der [[zwischenmenschlichen Beziehungen]] bestimmt ist (siehe hierzu auch [[Systemische Psychologe]]). Gestaltsychologie kann man aber auch als Grundlage dafür nehmen, in den Mustern der [[Wahrnehmung]] ihre Gestaltungstendenz zu erkennen (siehe auch [[Mustertheorie]]), um sie in einer [[körperlichen]] Form ihrer [[zwischenmenschlichen Beziehung]] zu erläutern. Gefühlsprobleme werden damit allerdings auf ihren [[ästhetischen]] [[Ausdruck]] reduziert (siehe [[eidetische Reduktion]]) und als solche schließlich beurteilt und [[bewertet]].

Aktuelle Version vom 4. November 2025, 19:48 Uhr

Unter Gestaltpsychologie werden Richtungen innerhalb einer phänomenologischen Psychologie zusammengefast, welche die Psyche auf eine Wahrnehmungstendenz reduzieren, sie selbst als menschliche Wahrnehmung mit der Fähigkeit quasi objektiv aufzufassen, welche die Strukturen und Ordnungsprinzipien in Sinneseindrücken ausmacht und diesen in eigenen naturhaften Gestaltungsregeln mehr oder weniger unwillkürlich folgt. Die Gestaltpsychologien unterschiedlicher Richtung leiten sich aus einer Arbeit des Philosophen Christian von Ehrenfels aus dem Jahre 1890 her, worin dieser seine Auffassung beschrieb, die Wahrnehmung enthalte Qualitäten, die sich nicht aus der Anordnung einfacher Sinnesqualitäten ergeben, sondern selbst schon unmittelbar eine Gestaltungstendenz befolge. Die Psyche wird somit selbst auf eine Art Wahrnehmungsorgan, auf ein selbstständiges und also allgemein isolierbares Objekt der Wahrnehmungspsychologie reduziert, das quasi naturwissenschaftlich auf seine ästhetische Funktionen hin untersucht wird und sich individuell lediglich verifizieren kann. Damit ist sie die Theorie einer Form der allgemeinen Wahrnehmung, die sich im einzelnen Erleben nur selbst veranschaulichen kann, ihre Interpretation also selbst als ihren Gegenstand versteht (siehe Hermeneutischer Zirkel).

Die verschiedenen Schulen, die sich daraus ergaben, waren sich darin einig, dass die Gestaltqualitäten des Wahrnehmungserlebens (siehe Erlebnis) unterschieden seien durch ihre Struktur (Gefüge, Tektonik), Ganzbeschaffenheit (Eigenschaften wie durchsichtig, leuchtend, rau) und ihrem Wesen (Charakter, Habitus, Gefühlswert). Nach Wertheimer und Palmer habe Wahrnehmung hierdurch eine eigene Gesetzmäßigkeit, die unterschiedliche Regeln befolgen würde nach dem Gesetz der Nähe, der Geschlossenheit, des gemeinsamen Schicksals, der gemeinsamen Region, der Gleichzeitigkeit, der verbundenen Elemente, der Ähnlichkeit, der guten Gestalt (Einfachheit bzw. Prägnanz) und der guten Fortsetzung (oder der durchgehenden Linie).

Entscheidend sei für die Wahrnehmung die Ganzheit ihrer Erlebensbeziehung. Diese wird überhaupt nur zirkulär verstanden, hat aber dennoch immer zwei Seiten, die schon in der Verhaltenstheorie deutlich geworden waren: Die äußere Seite der Anreizung und die innere Seite der Verarbeitung. Was soll dabei Erleben sein: lediglich empirische Tatsache des Ereignisses für die Wahrnehmung oder wesenhafte Tendenz aus dem Erfahrungshintergrund der menschlichen Kognition? Mit der Auseinandersetzung über diesen Gegensatz innerhalb phänomenologischer Grundannahmen entwickelte sich folgerichtig eine Spaltung grundsätzlicher Interpretationen der Gestaltungstendenzen, die sich in eine eher empiristische Schule (Berliner Schule) und in eine eher introspektive Schule (Leipziger Schule) entwickelten. Auf Wikipedia wird dies folgendermaßen beschrieben:

Während die Berliner Schule die Auffassung der Erlebensimmanenz vertrat, nach der Erlebnisse aus Erlebnissen hervorgehen, waren die Leipziger der Meinung, Erlebnisse seien durch erlebensjenseitige Gegebenheiten bedingt. Sie setzten einen Bereich transphänomenalen seelischen Seins an, den sie „Struktur“ nannten. Konkretere Ausführungen dieser Annahme gab es nicht; bekannt sind die allgemeinen Ausführungen zum „Problem des seelischen Seins“ von Albert Wellek. Dabei ist es besonders problematisch, dass Sander die von ihm postulierten Gestaltgesetze in einem ideologisch überfrachteten Zusammenhang zur Propagierung nationalsozialistischer Weltanschauung nutzte. Die von ihm postulierte Tendenz zur „guten Gestalt“ war nach seinen Schriften nicht nur eine universelle Tendenz, „gestaltfremdes“ aus der persönlichen Wahrnehmung zu eliminieren. Vielmehr war die von Sander postulierte Gestaltschließung auch dort ein quasi naturgegebenes Phänomen, wo etwa die „gute Gestalt“ des deutsch-arischen Volkes alles „gestaltfremde“ (wie etwa Juden, Kommunisten, Homosexuelle etc.) abzutöten tendierte. So befürwortet Friedrich Sander die „Ausschaltung des parasitisch wuchernden Judentums“ und die Zwangssterilisierung von Deutschen mit „minderwertigem Erbgut“ als Ausdrucke eines „Willens zur reinen Gestalt deutschen Wesens“ (Nationalsozialistisches Bildungswesen, 1937). (aus Wikipedia)

Heute ist die Gestaltsychologie eher systemtheoretisch begründet. Sie geht davon aus, dass die Kommunikation der Menschen selbst durch Strukturen (Konstellationen, Stellungen) der zwischenmenschlichen Beziehungen bestimmt ist (siehe hierzu auch Systemische Psychologe). Gestaltsychologie kann man aber auch als Grundlage dafür nehmen, in den Mustern der Wahrnehmung ihre Gestaltungstendenz zu erkennen (siehe auch Mustertheorie), um sie in einer körperlichen Form ihrer zwischenmenschlichen Beziehung zu erläutern. Gefühlsprobleme werden damit allerdings auf ihren ästhetischen Ausdruck reduziert (siehe eidetische Reduktion) und als solche schließlich beurteilt und bewertet.