Vermögen

Aus kulturkritik

Ein Vermögen bietet die Möglichkeit etwas herzustellen, was noch nicht ist, was also keinerlei Wirklichkeit in der bisherigen Geschichte hatte. Von daher steht es gegen die Gewohnheit in den Verhältnissen der Gegebenheiten, stellt einen Reichtum, eine Vielfalt an Möglichkeiten von Eigenschaften, Fähigkeiten und Material dar, die sich zu etwas Neuem verbinden lassen und hierdurch naturmächtig werden. Von daher kann man das Vermögen als Basis einer jeden Entwicklung verstehen, die aus der bisherigen organisch erwachsen ist und als erwachsene Geschichte Bedingung zur Bildung ihrer Veränderung ist. Das Unorganische, das Tote (siehe auch tote Arbeit), kann nur ihre Nichtung betreiben. Von daher kann das Kapital auch keine wirklich menschliche Geschichte vorantreiben und behindert als Wertwachstum jedes wirkliche Wirtschaftswachstum (siehe hierzu auch Fall der Profitrate).

Weil im Unvermögen jede Veränderung nur verschleißen kann, muss diese Bildung und Ausbildung (siehe auch Sinnbildung) die Fähigkeit zu ihrer Verwirklichung voraussetzen. Wo weder stofflich, noch menschlich kein Vermögen vorhanden ist, herrscht die bloße Reaktion - auch als reaktionäres Bewusstsein. Gerade weil es sich gegen das Vermögen als guter Wille für sich herauskehrt, muss dieser Wille sich gerade gegen das kehren, was er zu bezwecken vorgibt. So kann auch der Kategorische Imperativ von Immanul Kant zur Grundlage der Reaktion werden, wie dieser in der Grundlegung seiner Metaphysik schreibt:

Der gute Wille ist nicht durch das, was er bewirkt oder ausrichtet, nicht durch seine Tauglichkeit zur Erreichung irgend eines vorgesetzten Zweckes, sondern allein durch das Wollen, d. i. an sich, gut und, für sich selbst betrachtet, ohne Vergleich weit höher zu schätzen als alles, was durch ihn zu Gunsten irgend einer Neigung, ja wenn man will, der Summe aller Neigungen nur immer zu Stande gebracht werden könnte. Wenn gleich durch eine besondere Ungunst des Schicksals, oder durch kärgliche Ausstattung einer stiefmütterlichen Natur es diesem Willen gänzlich an Vermögen fehlte, seine Absicht durchzusetzen; wenn bei seiner größten Bestrebung dennoch nichts von ihm ausgerichtet würde, und nur der gute Wille (freilich nicht etwa als ein bloßer Wunsch, sondern als die Aufbietung aller Mittel, so weit sie in unserer Gewalt sind) übrig bliebe: so würde er wie ein Juwel doch für sich selbst glänzen, als etwas, das seinen vollen Werth in sich selbst hat. Die Nützlichkeit oder Fruchtlosigkeit kann diesem Werthe weder etwas zusetzen, noch abnehmen. (Kant: AA IV, Grundlegung zur Metaphysik der ... , Seite 394)