Vernichtungslogik: Unterschied zwischen den Versionen

Aus kulturkritik
Python (Diskussion | Beiträge)
Automatischer Import
 
Python (Diskussion | Beiträge)
Automatischer Import aus TXT
Zeile 1: Zeile 1:
Die Vernichtungslogik besteht in einer [[Systematik]] der [[Nichtung]] gesellschaftlicher [[Substanzen]], also der systematischen Zersetzung menschlicher [[Verhältnisse]] und [[Beziehungen,]] der [[Verwahrlosung]] ihres Gehalts. Sie kann objektiv durch Krisen bestimmt sein, wenn sich Verhältnisse zu einem [[Trieb]] der [[Negation]] verkehrt haben (siehe z.B. [[Negativverwertung]]) oder durch politische [[Macht]]ansprüche vermittelst militärischer [[Gewalt]] in Gang gesetzt werden, um einen Standort oder [[Lebensraum]] menschlich zu entleeren oder gesellschaftlichen zu beherrschen.  
Die Vernichtungslogik besteht in einer [[Systematik]] der [[Nichtung]] gesellschaftlicher [[Substanzen]], also der systematischen Zersetzung menschlicher [[Verhältnisse]] und [[Beziehungen,]] der [[Verwahrlosung]] ihres Gehalts. Sie kann objektiv durch Krisen bestimmt sein, wenn sich Verhältnisse zu einem [[Trieb]] der [[Negation]] verkehrt haben (siehe z.B. [[Negativverwertung]]) oder durch politische [[Macht]]ansprüche vermittelst militärischer [[Gewalt]] in Gang gesetzt werden, um einen Standort oder [[Lebensraum]] menschlich zu entleeren oder gesellschaftlichen zu beherrschen.


Von daher ist Vernichtung ein systematisch gewordenes Interesse, das seinen [[Trieb]] aus dem Niedergang eines [[Systems]] bezieht, indem es sich durch die Beherrschung fremder [[Verhältnisse]] seiner selbst zu bemächtigen sucht, also durch [[Gewalt]] gegen andere wieder Macht über sich zu erlangen bestrebt ist.  
Von daher ist Vernichtung ein systematisch gewordenes Interesse, das seinen [[Trieb]] aus dem Niedergang eines [[Systems]] bezieht, indem es sich durch die Beherrschung fremder [[Verhältnisse]] seiner selbst zu bemächtigen sucht, also durch [[Gewalt]] gegen andere wieder Macht über sich zu erlangen bestrebt ist.


Vernichtungslogik die Umkehrung der [[Logik]] der [[Realabstraktion]], die in ihrer eigenen [[System]]atik an ihr Ende gekommen ist und ihre stoffliche [[Bedingung]] aufgehoben hat, z.B. in der Folge einer unaufl�sbaren [[Krise]]. Vernichtungslogik ist die Fortexistenz ihrer [[Wirklichkeit]] als [[Entwirklichung]] aller materieller Beziehungen, als [[Ganzes]], das sich durch die [[Negation]] seiner Teile nährt. Aber im Unterschied zur [[Ausbeutung]] ist diese [[Beziehung]] keine [[Nutzung]], die am Fortbestand des Benutzten interessiert ist, sondern eine vollst�ndige Aufzehrung ihrer [[Objekte]], die nur aus ihrer [[Einverleibung]] selbst besteht (z.B. in einem Überschuldungsverhältnis - siehe [[Feudalkapitalismus]]).
Vernichtungslogik die Umkehrung der [[Logik]] der [[Realabstraktion]], die in ihrer eigenen [[System]]atik an ihr Ende gekommen ist und ihre stoffliche [[Bedingung]] aufgehoben hat, z.B. in der Folge einer unauflösbaren [[Krise]]. Vernichtungslogik ist die Fortexistenz ihrer [[Wirklichkeit]] als [[Entwirklichung]] aller materieller Beziehungen, als [[Ganzes]], das sich durch die [[Negation]] seiner Teile nährt. Aber im Unterschied zur [[Ausbeutung]] ist diese [[Beziehung]] keine [[Nutzung]], die am Fortbestand des Benutzten interessiert ist, sondern eine vollständige Aufzehrung ihrer [[Objekte]], die nur aus ihrer [[Einverleibung]] selbst besteht (z.B. in einem Überschuldungsverhältnis - siehe [[Feudalkapitalismus]]).


Die [[Gewalt]] der Vernichtungslogik kommt aus der Not, in welche ein ganzes System geraten ist, das auf einer Realabstraktion basiert und all dessen [[Notwendigkeiten]] ausgewirtschaftet hat. Da darin das [[Abstrakte]] nur als Zusammenhang des Konkreten besteht, also dessen reale Vermittlung ist, worin sich alle Beziehungen nicht mehr vermitteln, sondern unmittelbar aufheben, realisiert sich die Notwendigkeit solcher Bezogenheit als blanke Not des [[Ganzen]] in einer [[Nichtung]], die jedweden [[Stoff]] erheischen muss, um das [[Dasein]] des Ganzen fortzusetzen, die also als [[naturbestimmt]] scheinende Not wirksam wird. Dem war die Abtrennung der nat�rlichen Existenz vorausgegangen, die jetzt als [[Abwesenheit]] von [[Natur]] �berhaupt, als [[Nichtigkeit]] der eigenen Natur, sich geltend macht (z.B. in der Form einer [[Selbstverkehrung]]). Bestand bis dahin der Fortschritt auf der abstrakten Quantifizierung des Qualitativen (z.B. durch Aufhebung von wirklichen Sachbeziehungen in reine Geldbeziehungen), so kehrt sich der Mangel an Qualit�t jetzt als wesentliche [[Nichtigkeit]] des [[Lebens]] heraus und muss jeglichen Stoff an sich ziehen, um ihn zum Selbsterhalt vom Leben im Nichts aufzubrauchen. Vernichtungslogik ist die Herrschaft der Nichtigkeit, die sich unwirkliche [[Werte]] mit hohem Anspruch (z.B. "Endl�sung", [[�bermensch]]) geben muss, um sich gegen ihre Objekte durchzusetzen. Im Elend ihrer nichtigen Wirklichkeit binden auch diese sich an solche Werte, weil sie der abstrakten Not ihres [[Seins]] entsprechen, soweit ihr [[Bewusstsein]] deren Nichtigkeit nicht zu durchdringen vermag.
Die [[Gewalt]] der Vernichtungslogik kommt aus der Not, in welche ein ganzes System geraten ist, das auf einer Realabstraktion basiert und all dessen [[Notwendigkeiten]] ausgewirtschaftet hat. Da darin das [[Abstrakte]] nur als Zusammenhang des Konkreten besteht, also dessen reale Vermittlung ist, worin sich alle Beziehungen nicht mehr vermitteln, sondern unmittelbar aufheben, realisiert sich die Notwendigkeit solcher Bezogenheit als blanke Not des [[Ganzen]] in einer [[Nichtung]], die jedweden [[Stoff]] erheischen muss, um das [[Dasein]] des Ganzen fortzusetzen, die also als [[naturbestimmt]] scheinende Not wirksam wird. Dem war die Abtrennung der natürlichen Existenz vorausgegangen, die jetzt als [[Abwesenheit]] von [[Natur]] überhaupt, als [[Nichtigkeit]] der eigenen Natur, sich geltend macht (z.B. in der Form einer [[Selbstverkehrung]]). Bestand bis dahin der Fortschritt auf der abstrakten Quantifizierung des Qualitativen (z.B. durch Aufhebung von wirklichen Sachbeziehungen in reine Geldbeziehungen), so kehrt sich der Mangel an Qualität jetzt als wesentliche [[Nichtigkeit]] des [[Lebens]] heraus und muss jeglichen Stoff an sich ziehen, um ihn zum Selbsterhalt vom Leben im Nichts aufzubrauchen. Vernichtungslogik ist die Herrschaft der Nichtigkeit, die sich unwirkliche [[Werte]] mit hohem Anspruch (z.B. "Endlösung", [[Übermensch]]) geben muss, um sich gegen ihre Objekte durchzusetzen. Im Elend ihrer nichtigen Wirklichkeit binden auch diese sich an solche Werte, weil sie der abstrakten Not ihres [[Seins]] entsprechen, soweit ihr [[Bewusstsein]] deren Nichtigkeit nicht zu durchdringen vermag.


Das [[Prinzip]] der Quantifizierung, in welchem die Realabstraktion gestanden hatte, wird nun zum [[Heilsprinzip]] der Entwirklichung, worin das zerteilte Konkrete aufgel�st wird, um die Abstraktion �ber ihr Dasein hinweg zu erhalten (siehe z.B. [[Negativverwertung]]). Soweit sich keine konkrete Wirklichkeit aus der abstrakten gebildet hat, verbleibt das Zerteilte das blo�e Objekt dieses Heilsprinzips, das durch Vernichtung der Lebenszusammenh�nge an der [[Macht]] ist und nur in der Finalit�t vollst�ndiger [[Vernichtung]] bestehen kann. Es ist die in die Zukunft gewendte Vorwegnahme der eigenen Vernichtung, das Bewusstsein, dass es nicht mehr f�r alle reicht, und deshalb Vernichtung der "Unterwertigen" das eigene �berleben sichern soll (siehe Amerys [[Hitler-Formel]]).
Das [[Prinzip]] der Quantifizierung, in welchem die Realabstraktion gestanden hatte, wird nun zum [[Heilsprinzip]] der Entwirklichung, worin das zerteilte Konkrete aufgelöst wird, um die Abstraktion über ihr Dasein hinweg zu erhalten (siehe z.B. [[Negativverwertung]]). Soweit sich keine konkrete Wirklichkeit aus der abstrakten gebildet hat, verbleibt das Zerteilte das bloße Objekt dieses Heilsprinzips, das durch Vernichtung der Lebenszusammenhänge an der [[Macht]] ist und nur in der Finalität vollständiger [[Vernichtung]] bestehen kann. Es ist die in die Zukunft gewendte Vorwegnahme der eigenen Vernichtung, das Bewusstsein, dass es nicht mehr für alle reicht, und deshalb Vernichtung der "Unterwertigen" das eigene Überleben sichern soll (siehe Amerys [[Hitler-Formel]]).


Darin allerdings ist es auch vollst�ndig rational. Ist z.B. der Kapitalismus als Gesellschaftsform menschlichen Reichtums nur durch Kapital existent und hat darin seinen Zusammenhang als Abstraktion seines gesellschaftlichen Werdens, so verbraucht das Kapital auch zunehmend gesellschaftliche Beziehungen, sobald es den H�hepunkt seiner Geschichtsnotwendigkeit (die Schaffung von gesellschaftlich notwendigen Produktionsmitteln) �berschritten hat. Hierbei l�sen sich auch Lebenszusammenh�nge auf, die zur Reproduktion der Menschen fundamental sind (reproduktive Wirtschaft wie Handwerk, Landwirtschaft, Fischerei usw.) und wandelt sich in industrielle Produktion, die auch nur durch das Kapital versammelt und zusammengef�hrt ist. Eine Kapitalvernichtung durch Krisen wirkt somit unmittelbar auf die Lebenszusammenh�nge der Menschen, die sich bis dahin auf ihre Zusammenf�hrung durch das Kapital verlassen hatten. In der Vernichtungslogik gr�ndet alles Verhalten des Kapitals in der Nutzung dieser abstrakten Abh�ngigkeiten, also auf untergeganger Gesellschaftlichkeit der Menschen. Es errichtet sich �ber diesem Untergang, den es einst f�r seine Entwicklung n�tig hatte, um die Menschen damit auszupressen und ihre Interessen zu besetzen. Es vollzieht sich darin die Umkehrung des [[Besitz]]verh�ltnisses, das die b�rgerliche Gesellschaft ausmacht. Von daher vollzieht sich darin in der Tat die Vernichtung der b�rgerlichen Gesellschaft, allerdings ohne sie wirklich aufzuheben.
Darin allerdings ist es auch vollständig rational. Ist z.B. der Kapitalismus als Gesellschaftsform menschlichen Reichtums nur durch Kapital existent und hat darin seinen Zusammenhang als Abstraktion seines gesellschaftlichen Werdens, so verbraucht das Kapital auch zunehmend gesellschaftliche Beziehungen, sobald es den Höhepunkt seiner Geschichtsnotwendigkeit (die Schaffung von gesellschaftlich notwendigen Produktionsmitteln) überschritten hat. Hierbei lösen sich auch Lebenszusammenhänge auf, die zur Reproduktion der Menschen fundamental sind (reproduktive Wirtschaft wie Handwerk, Landwirtschaft, Fischerei usw.) und wandelt sich in industrielle Produktion, die auch nur durch das Kapital versammelt und zusammengeführt ist. Eine Kapitalvernichtung durch Krisen wirkt somit unmittelbar auf die Lebenszusammenhänge der Menschen, die sich bis dahin auf ihre Zusammenführung durch das Kapital verlassen hatten. In der Vernichtungslogik gründet alles Verhalten des Kapitals in der Nutzung dieser abstrakten Abhängigkeiten, also auf untergeganger Gesellschaftlichkeit der Menschen. Es errichtet sich über diesem Untergang, den es einst für seine Entwicklung nötig hatte, um die Menschen damit auszupressen und ihre Interessen zu besetzen. Es vollzieht sich darin die Umkehrung des [[Besitz]]verhältnisses, das die bürgerliche Gesellschaft ausmacht. Von daher vollzieht sich darin in der Tat die Vernichtung der bürgerlichen Gesellschaft, allerdings ohne sie wirklich aufzuheben.


Die Aneignung des bestehenden Besitzes wird selbst zum Trieb der Vernichtungslogik, zum Prinzip der Entrechtung der B�rger. Deshalb hatte sich auch der [[Nationalsozialismus]] durchaus als Kritik am B�rgertum ausgeben k�nnen. Es hat sich inzwischen auch erwiesen, dass die Judenvernichtung unmittelbar dieser Logik folgte. Es waren die ideologischen Gr�nde f�r den [[Antisemitismus]] von untergeordneter Bedeutung; sie wurden lediglich zu gegebenem Zeitpunkt genutzt. F�r den faschistischen Staat stand tats�chlich die Arisierung des j�dischen Eigentums im Vordergrund - und die Juden hatten einen hohen Anteil von Privatbesitz im Land. Es wurden ihnen betr�chtliche Werte enteignet. Die Nutzung v�lkischer Aversionen und deren Hochz�chtung stand in einem klaren politischen Kalk�l, wodurch der [[Staatsbankrott]] der kriegsf�hrenden [[Nation]] verschleiert werden sollte, und die Judenvernichtung war eine finale Zeugenvernichtung. Tats�chlich konnte es auf diese Weise dem Rest der Bev�lkerung noch relativ lange relativ gut gehen. Deren Zustimmung erf�llte also ebenso wirtschaftliche Interessen, wenn auch eher aus einem Erfolgsgef�hl des nationalsozialistischen Bewusstseins heraus.
Die Aneignung des bestehenden Besitzes wird selbst zum Trieb der Vernichtungslogik, zum Prinzip der Entrechtung der Bürger. Deshalb hatte sich auch der [[Nationalsozialismus]] durchaus als Kritik am Bürgertum ausgeben können. Es hat sich inzwischen auch erwiesen, dass die Judenvernichtung unmittelbar dieser Logik folgte. Es waren die ideologischen Gründe für den [[Antisemitismus]] von untergeordneter Bedeutung; sie wurden lediglich zu gegebenem Zeitpunkt genutzt. Für den faschistischen Staat stand tatsächlich die Arisierung des jüdischen Eigentums im Vordergrund - und die Juden hatten einen hohen Anteil von Privatbesitz im Land. Es wurden ihnen beträchtliche Werte enteignet. Die Nutzung völkischer Aversionen und deren Hochzüchtung stand in einem klaren politischen Kalkül, wodurch der [[Staatsbankrott]] der kriegsführenden [[Nation]] verschleiert werden sollte, und die Judenvernichtung war eine finale Zeugenvernichtung. Tatsächlich konnte es auf diese Weise dem Rest der Bevölkerung noch relativ lange relativ gut gehen. Deren Zustimmung erfüllte also ebenso wirtschaftliche Interessen, wenn auch eher aus einem Erfolgsgefühl des nationalsozialistischen Bewusstseins heraus.

Version vom 2. November 2025, 17:34 Uhr

Die Vernichtungslogik besteht in einer Systematik der Nichtung gesellschaftlicher Substanzen, also der systematischen Zersetzung menschlicher Verhältnisse und Beziehungen, der Verwahrlosung ihres Gehalts. Sie kann objektiv durch Krisen bestimmt sein, wenn sich Verhältnisse zu einem Trieb der Negation verkehrt haben (siehe z.B. Negativverwertung) oder durch politische Machtansprüche vermittelst militärischer Gewalt in Gang gesetzt werden, um einen Standort oder Lebensraum menschlich zu entleeren oder gesellschaftlichen zu beherrschen.

Von daher ist Vernichtung ein systematisch gewordenes Interesse, das seinen Trieb aus dem Niedergang eines Systems bezieht, indem es sich durch die Beherrschung fremder Verhältnisse seiner selbst zu bemächtigen sucht, also durch Gewalt gegen andere wieder Macht über sich zu erlangen bestrebt ist.

Vernichtungslogik die Umkehrung der Logik der Realabstraktion, die in ihrer eigenen Systematik an ihr Ende gekommen ist und ihre stoffliche Bedingung aufgehoben hat, z.B. in der Folge einer unauflösbaren Krise. Vernichtungslogik ist die Fortexistenz ihrer Wirklichkeit als Entwirklichung aller materieller Beziehungen, als Ganzes, das sich durch die Negation seiner Teile nährt. Aber im Unterschied zur Ausbeutung ist diese Beziehung keine Nutzung, die am Fortbestand des Benutzten interessiert ist, sondern eine vollständige Aufzehrung ihrer Objekte, die nur aus ihrer Einverleibung selbst besteht (z.B. in einem Überschuldungsverhältnis - siehe Feudalkapitalismus).

Die Gewalt der Vernichtungslogik kommt aus der Not, in welche ein ganzes System geraten ist, das auf einer Realabstraktion basiert und all dessen Notwendigkeiten ausgewirtschaftet hat. Da darin das Abstrakte nur als Zusammenhang des Konkreten besteht, also dessen reale Vermittlung ist, worin sich alle Beziehungen nicht mehr vermitteln, sondern unmittelbar aufheben, realisiert sich die Notwendigkeit solcher Bezogenheit als blanke Not des Ganzen in einer Nichtung, die jedweden Stoff erheischen muss, um das Dasein des Ganzen fortzusetzen, die also als naturbestimmt scheinende Not wirksam wird. Dem war die Abtrennung der natürlichen Existenz vorausgegangen, die jetzt als Abwesenheit von Natur überhaupt, als Nichtigkeit der eigenen Natur, sich geltend macht (z.B. in der Form einer Selbstverkehrung). Bestand bis dahin der Fortschritt auf der abstrakten Quantifizierung des Qualitativen (z.B. durch Aufhebung von wirklichen Sachbeziehungen in reine Geldbeziehungen), so kehrt sich der Mangel an Qualität jetzt als wesentliche Nichtigkeit des Lebens heraus und muss jeglichen Stoff an sich ziehen, um ihn zum Selbsterhalt vom Leben im Nichts aufzubrauchen. Vernichtungslogik ist die Herrschaft der Nichtigkeit, die sich unwirkliche Werte mit hohem Anspruch (z.B. "Endlösung", Übermensch) geben muss, um sich gegen ihre Objekte durchzusetzen. Im Elend ihrer nichtigen Wirklichkeit binden auch diese sich an solche Werte, weil sie der abstrakten Not ihres Seins entsprechen, soweit ihr Bewusstsein deren Nichtigkeit nicht zu durchdringen vermag.

Das Prinzip der Quantifizierung, in welchem die Realabstraktion gestanden hatte, wird nun zum Heilsprinzip der Entwirklichung, worin das zerteilte Konkrete aufgelöst wird, um die Abstraktion über ihr Dasein hinweg zu erhalten (siehe z.B. Negativverwertung). Soweit sich keine konkrete Wirklichkeit aus der abstrakten gebildet hat, verbleibt das Zerteilte das bloße Objekt dieses Heilsprinzips, das durch Vernichtung der Lebenszusammenhänge an der Macht ist und nur in der Finalität vollständiger Vernichtung bestehen kann. Es ist die in die Zukunft gewendte Vorwegnahme der eigenen Vernichtung, das Bewusstsein, dass es nicht mehr für alle reicht, und deshalb Vernichtung der "Unterwertigen" das eigene Überleben sichern soll (siehe Amerys Hitler-Formel).

Darin allerdings ist es auch vollständig rational. Ist z.B. der Kapitalismus als Gesellschaftsform menschlichen Reichtums nur durch Kapital existent und hat darin seinen Zusammenhang als Abstraktion seines gesellschaftlichen Werdens, so verbraucht das Kapital auch zunehmend gesellschaftliche Beziehungen, sobald es den Höhepunkt seiner Geschichtsnotwendigkeit (die Schaffung von gesellschaftlich notwendigen Produktionsmitteln) überschritten hat. Hierbei lösen sich auch Lebenszusammenhänge auf, die zur Reproduktion der Menschen fundamental sind (reproduktive Wirtschaft wie Handwerk, Landwirtschaft, Fischerei usw.) und wandelt sich in industrielle Produktion, die auch nur durch das Kapital versammelt und zusammengeführt ist. Eine Kapitalvernichtung durch Krisen wirkt somit unmittelbar auf die Lebenszusammenhänge der Menschen, die sich bis dahin auf ihre Zusammenführung durch das Kapital verlassen hatten. In der Vernichtungslogik gründet alles Verhalten des Kapitals in der Nutzung dieser abstrakten Abhängigkeiten, also auf untergeganger Gesellschaftlichkeit der Menschen. Es errichtet sich über diesem Untergang, den es einst für seine Entwicklung nötig hatte, um die Menschen damit auszupressen und ihre Interessen zu besetzen. Es vollzieht sich darin die Umkehrung des Besitzverhältnisses, das die bürgerliche Gesellschaft ausmacht. Von daher vollzieht sich darin in der Tat die Vernichtung der bürgerlichen Gesellschaft, allerdings ohne sie wirklich aufzuheben.

Die Aneignung des bestehenden Besitzes wird selbst zum Trieb der Vernichtungslogik, zum Prinzip der Entrechtung der Bürger. Deshalb hatte sich auch der Nationalsozialismus durchaus als Kritik am Bürgertum ausgeben können. Es hat sich inzwischen auch erwiesen, dass die Judenvernichtung unmittelbar dieser Logik folgte. Es waren die ideologischen Gründe für den Antisemitismus von untergeordneter Bedeutung; sie wurden lediglich zu gegebenem Zeitpunkt genutzt. Für den faschistischen Staat stand tatsächlich die Arisierung des jüdischen Eigentums im Vordergrund - und die Juden hatten einen hohen Anteil von Privatbesitz im Land. Es wurden ihnen beträchtliche Werte enteignet. Die Nutzung völkischer Aversionen und deren Hochzüchtung stand in einem klaren politischen Kalkül, wodurch der Staatsbankrott der kriegsführenden Nation verschleiert werden sollte, und die Judenvernichtung war eine finale Zeugenvernichtung. Tatsächlich konnte es auf diese Weise dem Rest der Bevölkerung noch relativ lange relativ gut gehen. Deren Zustimmung erfüllte also ebenso wirtschaftliche Interessen, wenn auch eher aus einem Erfolgsgefühl des nationalsozialistischen Bewusstseins heraus.