Religiöser Fanatismus: Unterschied zwischen den Versionen

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"Nun der Gott mir g�nstig nicket, Soll ich schweigen wie ein Stummer, Ich, der, als ich unbegl�cket, Soviel sang von meinem Kummer,
"Nun der Gott mir günstig nicket, Soll ich schweigen wie ein Stummer, Ich, der, als ich unbeglücket, Soviel sang von meinem Kummer,


Da� mir tausend arme Jungen Gar verzweifelt nachgedichtet, Und das Leid, das ich besungen, Noch viel Schlimmres angerichtet!
Daß mir tausend arme Jungen Gar verzweifelt nachgedichtet, Und das Leid, das ich besungen, Noch viel Schlimmres angerichtet!


O, ihr Nachtigallench�re, Die ich trage in der Seele, Da� man eure Wonne h�re, Jubelt auf mit voller Kehle!
O, ihr Nachtigallenchöre, Die ich trage in der Seele, Daß man eure Wonne höre, Jubelt auf mit voller Kehle!


(Heinrich Heine: Ang�lique)
(Heinrich Heine: Angélique)


"Das Fundament der irreligi�sen Kritik ist: Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen. Und zwar ist die Religion das Selbstbewu�tsein und das Selbstgef�hl des Menschen, der sich selbst entweder noch nicht erworben oder schon wieder verloren hat." [[(MEW 1, S. 378)]]
"Das Fundament der irreligiösen Kritik ist: Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen. Und zwar ist die Religion das Selbstbewußtsein und das Selbstgefühl des Menschen, der sich selbst entweder noch nicht erworben oder schon wieder verloren hat." [[(MEW 1, S. 378)]]


[[Fanatismus]] ist die [[Verkehrung]] einer [[Selbstveredelung]], die in ihren wirklichen [[Lebensverh�ltnissen]] durch ihre [[Gewohnheiten]] sich in eine [[Selbstverachtung]] [[verkehrt]] hat. Diese wird durch die [[Selbstlosigkeit]] eines [[Kollektivismus]] aufgehoben, der als [[abstrakter]] R�ckhalt als eine [[geistige]] [[Macht]] [[subjektiviert]] ist. So wirkt sie als eine [[�bermenschliche]] Identit�t, die keinen [[Grund]] aus ihrem [[Leben]], sondern aus der Abgrenzung vom [[Leben]] der anderen bezieht, und hierdurch ihre [[Selbstentfremdung]] aufhebt - also die in eine [[Massenpsyche]] [[verkehrte]] [[Selbstentfremdung]] ist.  
[[Fanatismus]] ist die [[Verkehrung]] einer [[Selbstveredelung]], die in ihren wirklichen [[Lebensverhältnissen]] durch ihre [[Gewohnheiten]] sich in eine [[Selbstverachtung]] [[verkehrt]] hat. Diese wird durch die [[Selbstlosigkeit]] eines [[Kollektivismus]] aufgehoben, der als [[abstrakter]] Rückhalt als eine [[geistige]] [[Macht]] [[subjektiviert]] ist. So wirkt sie als eine [[übermenschliche]] Identität, die keinen [[Grund]] aus ihrem [[Leben]], sondern aus der Abgrenzung vom [[Leben]] der anderen bezieht, und hierdurch ihre [[Selbstentfremdung]] aufhebt - also die in eine [[Massenpsyche]] [[verkehrte]] [[Selbstentfremdung]] ist.


Darin entfaltet sich eine eigenst�ndige [[Energie]], die an und f�r sich die gegen die [[Politik]] ihres Landes [[gleichg�ltige]] Menschen so politisieren kann, wie es politisch gewollt ist. Hierzu gen�gt schon die Erzeugung einer [[Prominenz]] einer alles vers�hnenden [[Verst�ndigkeit]] an der sich die Menschen vereinigen und einen [[reaktion�ren]] [[Gemeinsinn]] durch [[popul�re]] "Anmutungen" beziehen - besonders wenn sich dieser als [[Heilserwartung]] in Krisenzeiten z.B. durch [[Kulte]] oder [[Rituale]] vermitteln l�sst. Tats�chlich werden �ber die [[Kulturalisierung]] der [[Masse]] (siehe auch [[Massenkultur]]) Energieen frei, die sich praktisch an alles binden lassen, was heilsam erscheinen kann oder als [[Heil]] der Menschheit darstellbar ist (siehe hierzu auch [[Elias Canetti: "Masse und Macht - Z�hmung der Massen in Weltreligionen"]]).
Darin entfaltet sich eine eigenständige [[Energie]], die an und für sich die gegen die [[Politik]] ihres Landes [[gleichgültige]] Menschen so politisieren kann, wie es politisch gewollt ist. Hierzu genügt schon die Erzeugung einer [[Prominenz]] einer alles versöhnenden [[Verständigkeit]] an der sich die Menschen vereinigen und einen [[reaktionären]] [[Gemeinsinn]] durch [[populäre]] "Anmutungen" beziehen - besonders wenn sich dieser als [[Heilserwartung]] in Krisenzeiten z.B. durch [[Kulte]] oder [[Rituale]] vermitteln lässt. Tatsächlich werden über die [[Kulturalisierung]] der [[Masse]] (siehe auch [[Massenkultur]]) Energieen frei, die sich praktisch an alles binden lassen, was heilsam erscheinen kann oder als [[Heil]] der Menschheit darstellbar ist (siehe hierzu auch [[Elias Canetti: "Masse und Macht - Zähmung der Massen in Weltreligionen"]]).


Der religi�se Fanatiker kehrt die Scham f�r seine stoffliche Unterworfenheit, f�r seine objektive Wertlosigkeit in einer zerfallenden Welt, in eine Macht �ber das [[Leben]], in die [[Ewigkeit]] und Gr��e von [[Gottes]] Allmacht, in der er sich durch Unterwerfung zum Allerh�chsten in der Tiefe eines h�chsten Elends findet und sich in seiner Unterwerfung unendlich erneuert. Und darin erneuert und vertieft sich sein Elend mit der Glaubensmacht, durch die Gott in der unendlichen Spekulation einer [[Heilserwartung]] nach dem [[Heil]] und der [[Heilung]] angerufen wird.
Der religiöse Fanatiker kehrt die Scham für seine stoffliche Unterworfenheit, für seine objektive Wertlosigkeit in einer zerfallenden Welt, in eine Macht über das [[Leben]], in die [[Ewigkeit]] und Größe von [[Gottes]] Allmacht, in der er sich durch Unterwerfung zum Allerhöchsten in der Tiefe eines höchsten Elends findet und sich in seiner Unterwerfung unendlich erneuert. Und darin erneuert und vertieft sich sein Elend mit der Glaubensmacht, durch die Gott in der unendlichen Spekulation einer [[Heilserwartung]] nach dem [[Heil]] und der [[Heilung]] angerufen wird.


Der religi�se Fanatismus unterscheidet sich vom gew�hnlichen [[Fanatismus]] durch seinen Bezug auf die All[[macht]] und die Ewigkeit [[Gottes]], einem �bernat�rlichen, [[�bermenschlichen]] [[Wesen]], das den "wahren Menschen" als ewige [[Wahrheit]], als absolutes und also absolutistisches Subjekt beherrscht und richtet. Diese kann nur in der reinen Unterwerfung und [[H�rigkeit]] an [[Gott]] befolgt werden und verlangt die [[Reinheit]] des Gl�ubigen gegen die S�nde und irdische Begierden. Und das verlangt zugleich die Missionierung der Welt durch Gewalt und Gehorsam, die �berhebung des missionierenden Glaubenskriegers als Teilhaber an Gottes Weisheit und Wahrheit. So finden sich[[autorit�re Charaktere]] besonders zur �berwindung pers�nlicher Krisen und [[Depressionen]] hierin befreit und verstehen ihre pers�nliche [[Emanzipation]] unter der Weltbeherrschung ihres [[Glaubens]] und seiner religi�sen Macht. Es scheint so, dass es sich hierbei um die Heilslehre einer "verlorenen Generation" handelt, die ihr [[Heil]] nicht mehr auf dieser Welt erwartet und sich �ber ihren Tod den �bergang zu ihrem "Paradies" erwarten, durch denen sie sich befreien wollen. Von daher werden sie leicht selbst zu einer lebenden Waffe, zu Selbstmordattent�ter, die ihren Tod als ihre Befreiuung verstehen..
Der religiöse Fanatismus unterscheidet sich vom gewöhnlichen [[Fanatismus]] durch seinen Bezug auf die All[[macht]] und die Ewigkeit [[Gottes]], einem übernatürlichen, [[übermenschlichen]] [[Wesen]], das den "wahren Menschen" als ewige [[Wahrheit]], als absolutes und also absolutistisches Subjekt beherrscht und richtet. Diese kann nur in der reinen Unterwerfung und [[Hörigkeit]] an [[Gott]] befolgt werden und verlangt die [[Reinheit]] des Gläubigen gegen die Sünde und irdische Begierden. Und das verlangt zugleich die Missionierung der Welt durch Gewalt und Gehorsam, die Überhebung des missionierenden Glaubenskriegers als Teilhaber an Gottes Weisheit und Wahrheit. So finden sich[[autoritäre Charaktere]] besonders zur Überwindung persönlicher Krisen und [[Depressionen]] hierin befreit und verstehen ihre persönliche [[Emanzipation]] unter der Weltbeherrschung ihres [[Glaubens]] und seiner religiösen Macht. Es scheint so, dass es sich hierbei um die Heilslehre einer "verlorenen Generation" handelt, die ihr [[Heil]] nicht mehr auf dieser Welt erwartet und sich über ihren Tod den Übergang zu ihrem "Paradies" erwarten, durch denen sie sich befreien wollen. Von daher werden sie leicht selbst zu einer lebenden Waffe, zu Selbstmordattentäter, die ihren Tod als ihre Befreiuung verstehen..


Ein solcher Fanatismus hat sich - wie jeder andere auch - in eine [[schlechte Unendlichkeit]] begeben, durch welche die Menschen selbst sich am Abgrund einer Scheidemarke (siehe auch [[Urteil]]) wahrnehmen, was ihnen erk�ren soll, warum sie ihr [[abgetrenntes]] und erniedrigtes [[Leben]] - ihr Leben in einer absoluten [[Isolation]] - nur noch in einer permanten [[Lebensangst]] vor etwas[[abstrakt Allgemeinem]] wahrhaben. Darin wird jede [[Angst]] dumpf und jede Dumpfheit muss Angst machen. Der Grund ihrer Verdummung ist zugleich das, woraus sie sich speist und zu retten sucht: In einem [[Gott]], der sie und alles, das All schlechthin "nach seinem Bilde" geschaffen haben soll. Sie k�nnen ihre Angst vor seiner Macht nur in der Hoffnung auf ihn in der Gemeinde, in der Teilung und Mitteilung seiner Gotteskindschaft [[aufheben]], der sie somit nicht nur zugeh�rig, sondern auch [[h�rig]] im [[Gehorsam]] sein m�ssen. Das [[Heil]] solcher Kindschaft entlastet die Menschen dadurch, dass sie sich nicht durch ihre Welt, sondern durch das [[B�se]] bedroht f�hlen, das vom Ungl�ubigen in sie gebracht sein soll. Hierdurch bestimmt sich solcher Fanatismus als [[Glaube]] schlechthin in jeder Hinsicht unendlich, macht sich zu einer endlosen Bestrebung, die das zerst�ren muss, was ihn auf sich verwirft und ihn somit bedroht, indem er ihn in das profane Leben herabzieht und damit endlich, zu einem Widersinn per se machen w�rde (siehe hierzu auch [[Sektiererei]]).
Ein solcher Fanatismus hat sich - wie jeder andere auch - in eine [[schlechte Unendlichkeit]] begeben, durch welche die Menschen selbst sich am Abgrund einer Scheidemarke (siehe auch [[Urteil]]) wahrnehmen, was ihnen erkären soll, warum sie ihr [[abgetrenntes]] und erniedrigtes [[Leben]] - ihr Leben in einer absoluten [[Isolation]] - nur noch in einer permanten [[Lebensangst]] vor etwas[[abstrakt Allgemeinem]] wahrhaben. Darin wird jede [[Angst]] dumpf und jede Dumpfheit muss Angst machen. Der Grund ihrer Verdummung ist zugleich das, woraus sie sich speist und zu retten sucht: In einem [[Gott]], der sie und alles, das All schlechthin "nach seinem Bilde" geschaffen haben soll. Sie können ihre Angst vor seiner Macht nur in der Hoffnung auf ihn in der Gemeinde, in der Teilung und Mitteilung seiner Gotteskindschaft [[aufheben]], der sie somit nicht nur zugehörig, sondern auch [[hörig]] im [[Gehorsam]] sein müssen. Das [[Heil]] solcher Kindschaft entlastet die Menschen dadurch, dass sie sich nicht durch ihre Welt, sondern durch das [[Böse]] bedroht fühlen, das vom Ungläubigen in sie gebracht sein soll. Hierdurch bestimmt sich solcher Fanatismus als [[Glaube]] schlechthin in jeder Hinsicht unendlich, macht sich zu einer endlosen Bestrebung, die das zerstören muss, was ihn auf sich verwirft und ihn somit bedroht, indem er ihn in das profane Leben herabzieht und damit endlich, zu einem Widersinn per se machen würde (siehe hierzu auch [[Sektiererei]]).


Wie jeder Fanatismus ist er [[Leidenschaft]] von h�chster Intensit�t (lat. fanaticus: g�ttlich inspiriert), die sich aber hier ausschlie�lich auf seine [[Religion]] bezieht. Die Ausschlie�lichkeit speist sich aus einer Abgrenzung gegen das gewohnte Leben, gegen die [[Gew�hnlichkeit]] und Niedertr�chtigkeit der irdischen Begierden und [[Triebe]], die als Verschmutzung der [[Seele]] oder des [[Geistes]] wahrgenommen werden. Die hieraus erstrebte allgemeine [[G�te]] ist zu einer Gottesliebe geronnen, die sich als verselbst�ndigte [[Sehnsucht]] wie eine [[Sucht]] eines darin ausgeschlossenen und im Ausschluss vom irdischen [[Leben]] verewigten [[Lebens]] forttreibt. Von daher gewinnt solche [[Liebe]] eine unendliche [[Wahrheit]] und wird zum Fixpunkt aller verbalen und emotionalen Verst�ndigung (siehe [[Verstand]]).
Wie jeder Fanatismus ist er [[Leidenschaft]] von höchster Intensität (lat. fanaticus: göttlich inspiriert), die sich aber hier ausschließlich auf seine [[Religion]] bezieht. Die Ausschließlichkeit speist sich aus einer Abgrenzung gegen das gewohnte Leben, gegen die [[Gewöhnlichkeit]] und Niederträchtigkeit der irdischen Begierden und [[Triebe]], die als Verschmutzung der [[Seele]] oder des [[Geistes]] wahrgenommen werden. Die hieraus erstrebte allgemeine [[Güte]] ist zu einer Gottesliebe geronnen, die sich als verselbständigte [[Sehnsucht]] wie eine [[Sucht]] eines darin ausgeschlossenen und im Ausschluss vom irdischen [[Leben]] verewigten [[Lebens]] forttreibt. Von daher gewinnt solche [[Liebe]] eine unendliche [[Wahrheit]] und wird zum Fixpunkt aller verbalen und emotionalen Verständigung (siehe [[Verstand]]).


Wie bei jedem [[Fanatismus]] ist dieses Streben durch die Unm�glichkeit verursacht, eigene [[Leidenschaft]] im [[wirklichen]] Leben auszudr�cken und zu �u�ern. Er radikalisiert sie im Fokus einer dem [[Selbstgef�hl]] entsprungenen Sehnsucht in einer [[Gef�hlsmasse]], in welcher tiefe Einsamkeit zu hohen [[Erregungen]] versammelt wird. Fanatismus setzt die [[Zerst�rung]] eines Lebenszusammenhangs voraus, der sich in der [[Isolation]] des [[Leidens]] m�chtig macht und das ausgeschlossene Leben in der Idealisierung einer verallgemeinerten [[Selbstbeziehung]] durch die [[Masse]] der [[Gef�hle]] liebt.
Wie bei jedem [[Fanatismus]] ist dieses Streben durch die Unmöglichkeit verursacht, eigene [[Leidenschaft]] im [[wirklichen]] Leben auszudrücken und zu äußern. Er radikalisiert sie im Fokus einer dem [[Selbstgefühl]] entsprungenen Sehnsucht in einer [[Gefühlsmasse]], in welcher tiefe Einsamkeit zu hohen [[Erregungen]] versammelt wird. Fanatismus setzt die [[Zerstörung]] eines Lebenszusammenhangs voraus, der sich in der [[Isolation]] des [[Leidens]] mächtig macht und das ausgeschlossene Leben in der Idealisierung einer verallgemeinerten [[Selbstbeziehung]] durch die [[Masse]] der [[Gefühle]] liebt.


Von daher ist Fanatismus ein in dieser Beziehung verselbst�ndigtes [[Leiden]] einer [[Liebe]], die sich g�nzlich [[ent�u�ert]] hat, die sich nur au�er sich wahrnehmen l�sst und sich nur au�erhalb des konkreten Lebens, das nurmehr aus den [[Gewohnheiten]] des Lebens besteht, [[wahrhaben]] kann. Die Abtrennung dieses Leidens von seinem Lebensursprung reflektiert sich selbst als eine [[G�te]] gegen das absolsut [[B�se]] und folgt damit der [[Formbestimmung]] einer [[Gedankenabstraktion]], welche aus dem hervorgegangen ist, was nicht mehr gelitten werden kann und durch die [[Reinheit]] der [[Liebe]] selbst schon �berwunden sein soll. Hierin ist das ausschlie�liche Verh�ltnis zur Welt gewahrt, ohne dass es sich bew�hren m�sste.
Von daher ist Fanatismus ein in dieser Beziehung verselbständigtes [[Leiden]] einer [[Liebe]], die sich gänzlich [[entäußert]] hat, die sich nur außer sich wahrnehmen lässt und sich nur außerhalb des konkreten Lebens, das nurmehr aus den [[Gewohnheiten]] des Lebens besteht, [[wahrhaben]] kann. Die Abtrennung dieses Leidens von seinem Lebensursprung reflektiert sich selbst als eine [[Güte]] gegen das absolsut [[Böse]] und folgt damit der [[Formbestimmung]] einer [[Gedankenabstraktion]], welche aus dem hervorgegangen ist, was nicht mehr gelitten werden kann und durch die [[Reinheit]] der [[Liebe]] selbst schon überwunden sein soll. Hierin ist das ausschließliche Verhältnis zur Welt gewahrt, ohne dass es sich bewähren müsste.


Ene solche Abtrennung von der sonstigen Welt kann �u�ere Gr�nde haben (z.B. Bedrohung durch Gewalt, durch Macht oder andere fremde Zerst�rungsinteressen) oder innere ([[z.B.Selbstveredlung]]). In jedem Fall soll sie durch Bereinigung ver�u�erlicht werden, durch die Reinheit eines Geistes, der sich seine Welt erst herstellen will, die ihm als Alternative zum irdischen Leben vorgestellt worden war und zu seiner Lebensvostellung geworden ist.
Ene solche Abtrennung von der sonstigen Welt kann äußere Gründe haben (z.B. Bedrohung durch Gewalt, durch Macht oder andere fremde Zerstörungsinteressen) oder innere ([[z.B.Selbstveredlung]]). In jedem Fall soll sie durch Bereinigung veräußerlicht werden, durch die Reinheit eines Geistes, der sich seine Welt erst herstellen will, die ihm als Alternative zum irdischen Leben vorgestellt worden war und zu seiner Lebensvostellung geworden ist.

Version vom 2. November 2025, 17:32 Uhr

"Nun der Gott mir günstig nicket, Soll ich schweigen wie ein Stummer, Ich, der, als ich unbeglücket, Soviel sang von meinem Kummer,

Daß mir tausend arme Jungen Gar verzweifelt nachgedichtet, Und das Leid, das ich besungen, Noch viel Schlimmres angerichtet!

O, ihr Nachtigallenchöre, Die ich trage in der Seele, Daß man eure Wonne höre, Jubelt auf mit voller Kehle!

(Heinrich Heine: Angélique)

"Das Fundament der irreligiösen Kritik ist: Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen. Und zwar ist die Religion das Selbstbewußtsein und das Selbstgefühl des Menschen, der sich selbst entweder noch nicht erworben oder schon wieder verloren hat." (MEW 1, S. 378)

Fanatismus ist die Verkehrung einer Selbstveredelung, die in ihren wirklichen Lebensverhältnissen durch ihre Gewohnheiten sich in eine Selbstverachtung verkehrt hat. Diese wird durch die Selbstlosigkeit eines Kollektivismus aufgehoben, der als abstrakter Rückhalt als eine geistige Macht subjektiviert ist. So wirkt sie als eine übermenschliche Identität, die keinen Grund aus ihrem Leben, sondern aus der Abgrenzung vom Leben der anderen bezieht, und hierdurch ihre Selbstentfremdung aufhebt - also die in eine Massenpsyche verkehrte Selbstentfremdung ist.

Darin entfaltet sich eine eigenständige Energie, die an und für sich die gegen die Politik ihres Landes gleichgültige Menschen so politisieren kann, wie es politisch gewollt ist. Hierzu genügt schon die Erzeugung einer Prominenz einer alles versöhnenden Verständigkeit an der sich die Menschen vereinigen und einen reaktionären Gemeinsinn durch populäre "Anmutungen" beziehen - besonders wenn sich dieser als Heilserwartung in Krisenzeiten z.B. durch Kulte oder Rituale vermitteln lässt. Tatsächlich werden über die Kulturalisierung der Masse (siehe auch Massenkultur) Energieen frei, die sich praktisch an alles binden lassen, was heilsam erscheinen kann oder als Heil der Menschheit darstellbar ist (siehe hierzu auch Elias Canetti: "Masse und Macht - Zähmung der Massen in Weltreligionen").

Der religiöse Fanatiker kehrt die Scham für seine stoffliche Unterworfenheit, für seine objektive Wertlosigkeit in einer zerfallenden Welt, in eine Macht über das Leben, in die Ewigkeit und Größe von Gottes Allmacht, in der er sich durch Unterwerfung zum Allerhöchsten in der Tiefe eines höchsten Elends findet und sich in seiner Unterwerfung unendlich erneuert. Und darin erneuert und vertieft sich sein Elend mit der Glaubensmacht, durch die Gott in der unendlichen Spekulation einer Heilserwartung nach dem Heil und der Heilung angerufen wird.

Der religiöse Fanatismus unterscheidet sich vom gewöhnlichen Fanatismus durch seinen Bezug auf die Allmacht und die Ewigkeit Gottes, einem übernatürlichen, übermenschlichen Wesen, das den "wahren Menschen" als ewige Wahrheit, als absolutes und also absolutistisches Subjekt beherrscht und richtet. Diese kann nur in der reinen Unterwerfung und Hörigkeit an Gott befolgt werden und verlangt die Reinheit des Gläubigen gegen die Sünde und irdische Begierden. Und das verlangt zugleich die Missionierung der Welt durch Gewalt und Gehorsam, die Überhebung des missionierenden Glaubenskriegers als Teilhaber an Gottes Weisheit und Wahrheit. So finden sichautoritäre Charaktere besonders zur Überwindung persönlicher Krisen und Depressionen hierin befreit und verstehen ihre persönliche Emanzipation unter der Weltbeherrschung ihres Glaubens und seiner religiösen Macht. Es scheint so, dass es sich hierbei um die Heilslehre einer "verlorenen Generation" handelt, die ihr Heil nicht mehr auf dieser Welt erwartet und sich über ihren Tod den Übergang zu ihrem "Paradies" erwarten, durch denen sie sich befreien wollen. Von daher werden sie leicht selbst zu einer lebenden Waffe, zu Selbstmordattentäter, die ihren Tod als ihre Befreiuung verstehen..

Ein solcher Fanatismus hat sich - wie jeder andere auch - in eine schlechte Unendlichkeit begeben, durch welche die Menschen selbst sich am Abgrund einer Scheidemarke (siehe auch Urteil) wahrnehmen, was ihnen erkären soll, warum sie ihr abgetrenntes und erniedrigtes Leben - ihr Leben in einer absoluten Isolation - nur noch in einer permanten Lebensangst vor etwasabstrakt Allgemeinem wahrhaben. Darin wird jede Angst dumpf und jede Dumpfheit muss Angst machen. Der Grund ihrer Verdummung ist zugleich das, woraus sie sich speist und zu retten sucht: In einem Gott, der sie und alles, das All schlechthin "nach seinem Bilde" geschaffen haben soll. Sie können ihre Angst vor seiner Macht nur in der Hoffnung auf ihn in der Gemeinde, in der Teilung und Mitteilung seiner Gotteskindschaft aufheben, der sie somit nicht nur zugehörig, sondern auch hörig im Gehorsam sein müssen. Das Heil solcher Kindschaft entlastet die Menschen dadurch, dass sie sich nicht durch ihre Welt, sondern durch das Böse bedroht fühlen, das vom Ungläubigen in sie gebracht sein soll. Hierdurch bestimmt sich solcher Fanatismus als Glaube schlechthin in jeder Hinsicht unendlich, macht sich zu einer endlosen Bestrebung, die das zerstören muss, was ihn auf sich verwirft und ihn somit bedroht, indem er ihn in das profane Leben herabzieht und damit endlich, zu einem Widersinn per se machen würde (siehe hierzu auch Sektiererei).

Wie jeder Fanatismus ist er Leidenschaft von höchster Intensität (lat. fanaticus: göttlich inspiriert), die sich aber hier ausschließlich auf seine Religion bezieht. Die Ausschließlichkeit speist sich aus einer Abgrenzung gegen das gewohnte Leben, gegen die Gewöhnlichkeit und Niederträchtigkeit der irdischen Begierden und Triebe, die als Verschmutzung der Seele oder des Geistes wahrgenommen werden. Die hieraus erstrebte allgemeine Güte ist zu einer Gottesliebe geronnen, die sich als verselbständigte Sehnsucht wie eine Sucht eines darin ausgeschlossenen und im Ausschluss vom irdischen Leben verewigten Lebens forttreibt. Von daher gewinnt solche Liebe eine unendliche Wahrheit und wird zum Fixpunkt aller verbalen und emotionalen Verständigung (siehe Verstand).

Wie bei jedem Fanatismus ist dieses Streben durch die Unmöglichkeit verursacht, eigene Leidenschaft im wirklichen Leben auszudrücken und zu äußern. Er radikalisiert sie im Fokus einer dem Selbstgefühl entsprungenen Sehnsucht in einer Gefühlsmasse, in welcher tiefe Einsamkeit zu hohen Erregungen versammelt wird. Fanatismus setzt die Zerstörung eines Lebenszusammenhangs voraus, der sich in der Isolation des Leidens mächtig macht und das ausgeschlossene Leben in der Idealisierung einer verallgemeinerten Selbstbeziehung durch die Masse der Gefühle liebt.

Von daher ist Fanatismus ein in dieser Beziehung verselbständigtes Leiden einer Liebe, die sich gänzlich entäußert hat, die sich nur außer sich wahrnehmen lässt und sich nur außerhalb des konkreten Lebens, das nurmehr aus den Gewohnheiten des Lebens besteht, wahrhaben kann. Die Abtrennung dieses Leidens von seinem Lebensursprung reflektiert sich selbst als eine Güte gegen das absolsut Böse und folgt damit der Formbestimmung einer Gedankenabstraktion, welche aus dem hervorgegangen ist, was nicht mehr gelitten werden kann und durch die Reinheit der Liebe selbst schon überwunden sein soll. Hierin ist das ausschließliche Verhältnis zur Welt gewahrt, ohne dass es sich bewähren müsste.

Ene solche Abtrennung von der sonstigen Welt kann äußere Gründe haben (z.B. Bedrohung durch Gewalt, durch Macht oder andere fremde Zerstörungsinteressen) oder innere (z.B.Selbstveredlung). In jedem Fall soll sie durch Bereinigung veräußerlicht werden, durch die Reinheit eines Geistes, der sich seine Welt erst herstellen will, die ihm als Alternative zum irdischen Leben vorgestellt worden war und zu seiner Lebensvostellung geworden ist.